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4 Der Anhaltenden Globalen Krise Begegnen

Author(s):
International Monetary Fund. Secretary's Department
Published Date:
October 2013
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Die Geschäftsführende Direktorin Legt Global Policy Agenda Vor

Im Oktober 2012 legte die Geschäftsführende Direktorin im Rahmen der Jahresversammlung dem IMFC ihre erste Global Policy Agenda vor. Die Agenda umriss eine Reihe von Maßnahmen für die Mitgliedschaft, die die Erholung von der anhaltenden globalen Krise sichern und das Fundament legen sollten für eine robustere globale Finanzarchitektur.39 Die Agenda beschrieb auch in Einzelheiten die Rolle, die der IWF bei der Unterstützung seiner Mitglieder im Umgang mit diesen gewaltigen Aufgaben spielt, indem er die geplanten Reformen zur Stärkung des Regelwerks der Institution weiterführt.

Das Kommuniqué des IMFC40 begrüßte die in der Agenda genannten Leitlinien, denn auch der IMFC sieht die Bekämpfung der globalen Krise und den Aufbau eines starken Fundaments für künftiges Wachstum als vordringliche Aufgaben. Maßnahmen für Arbeitsplätze und Wachstum, Schuldentragfähigkeit, Wiederherstellung von Finanzsystemen und den Abbau globaler Ungleichgewichte wurden als entscheidende Prioritäten genannt. Die Fortschritte bei der Umsetzung dieser Maßnahmen sollen bei der nächsten Tagung des Ausschusses geprüft werden.

Bei der Überprüfung der Fortschritte anlässlich der Frühjahrstagung im April 2013 begrüßte der IMFC die Global Policy Agenda der Geschäftsführenden Direktorin vom April 2013.41 Diese Agenda rief die politisch Verantwortlichen dazu auf, die Erholung zu unterstützen, die von der Krise beschädigten Systeme wiederherzustellen, Schutzmaßnahmen gegen eine Wiederholung der Krise zu stärken und neue Herausforderungen frühzeitig aus den globalen Wirtschaftstrends abzulesen. Die Agenda warnte davor, dass in einer stark vernetzten Welt schleppende Politik an einigen wenigen Stellen sich schon bald auf alle auswirken könne.

Förderung von Arbeitsplätzen und Wachstum

Das IWF-Übereinkommen verpflichtet den IWF zur “Förderung und Erhaltung eines hohen Niveaus der Beschäftigungszahlen und des Realeinkommens“. Im Nachhinein der weltweiten Krise erreichte die Arbeitslosigkeit in vielen Ländern eine bis jetzt unerreichte Höhe und machte die Notwendigkeit, die Voraussetzungen für die Schaffung von Arbeitsplätzen und sozial inklusivem Wachstum herbeizuführen, noch viel dringlicher.

Aus diesem Grund förderte der IWF bereits zu Beginn der Krise eine Reihe von Maßnahmen, um entsprechend den landesspezifischen Umständen die Nachfrage—und damit Arbeitsplätze—zu fördern, so u.a. durch vorübergehende Konjunkturspritzen und Lockerung der Zinspolitik. Auf längere Sicht erfordert die Unterstützung von Wachstum und Beschäftigung möglicherweise Änderungen in einem breiteren Bereich von Politikmaßnahmen und Institutionen, durch die die Funktionsweise von Arbeitsmärkten und die Anzahl neu geschaffener Arbeitsplätze beeinflusst wird.

Kasten 4.1Ein ausgewogenes Verhältnis von Wachstum und Haushaltskonsolidierung schaffen

Mit dem Fortdauern der Krise wurden die Zwillingsprobleme von niedrigem Wachstum und hoher Verschuldung dringlicher, und sie sind jetzt zunehmend miteinander verknüpft. In diesem Zusammenhang war das Tempo der fiskalischen Anpassung ein heiß diskutiertes Thema, insbesondere in den fortgeschrittenen Volkswirtschaften. Der IWF hat stets betont, dass es nicht einfach um eine Entscheidung zwischen Sparsamkeit und Wachstum gehe, sondern darum, das richtige Gleichgewicht zwischen beiden zu finden.

Viele fortgeschrittene Volkswirtschaften haben ihre Haushaltsdefizite kontinuierlich abgebaut, und einige haben beinahe schon Primärüberschüsse erreicht, die die Schuldenquoten stabilisieren. Selbst wenn sie stabil sind, reduzieren große Defizite und hohe Schulden das Wachstumspotenzial und machen Volkswirtschaften anfällig für Schocks. Deshalb ist eine Fortsetzung der fiskalischen Anpassung notwendig. Gleichzeitig bleiben die Aussichten für Beschäftigung und Wachstum besorgniserregend.a

Vor diesem Hintergrund untersuchte der World Economic Outlook vom Oktober 2012 frühere Phasen hoher Staatsverschuldung und kam in der Hauptsache zu drei Schlussfolgerungen: Erstens, der Abbau von Staatsschulden benötigt Zeit, insbesondere im Zusammenhang mit einem schwachen externen Umfeld. Zweitens, erfolgreicher Schuldenabbau erfordert Haushaltskonsolidierung und einen Korb von wachstumsfördernden Politikmaßnahmen. Drittens, die Haushaltskonsolidierung muss dauerhaften Strukturreformen an den Staatsfinanzen gegenüber zeitweiligen oder kurzlebigen fiskalischen Maßnahmen den Vorzug geben.b

Daraus ergaben sich verschiedene, breit angelegte Grundsätze, auf denen die wirtschaftspolitische Beratung des IWF zu diesem Thema aufbaut.c

  • Das wichtigste Element ist die Verabschiedung eines klaren und spezifischen mittelfristigen Plans zum Schuldenabbau.
  • Das Tempo der Anpassung muss landesspezifisch kalibriert werden – wenn es die Finanzierung erlaubt, mehr auf das Ende der Laufzeit ausgerichtet, jedoch stärker auf den Beginn konzentriert, wenn ein Land unter Marktdruck steht—, damit das Wachstum so wenig wie möglich beeinträchtigt wird.
  • Die Mischung aus Ausgaben- und Steuerreformen soll die anfälligsten Gruppen möglichst schonen und sicherstellen, dass die Fiskalpolitik auf längere Sicht stärker auf Wachstumsförderung ausgelegt ist.
  • Fiskalpolitik muss Teil eines umfassenden Politikpakets sein, einschließlich Geld- und Strukturpolitiken, womit das Wachstum unterstützt werden kann, während sich die Defizite verringern.

Gemäß diesen Grundsätzen wurde die fiskalische Beratung des IWF an seine Mitgliedsländer - einschließlich der Länder mit IWF-gestützten Programmen—ständig überprüft und bedarfsweise angepasst. Zum Beispiel erachteten die Exekutivdirektoren in der Artikel-IV-Konsultation 2012 mit Portugal die Haushaltsziele der Behörden als angemessen, solange die wirtschaftliche Entwicklung den Erwartungen entspräche. Sie wiesen jedoch gleichzeitig darauf hin, dass es wichtig sei, das richtige Gleichgewicht zwischen Haushaltskonsolidierung und wachstumsfördernden Maßnahmen zu finden.d Dieser pragmatische Ansatz ist unabdingbar, um die unterschiedlichen Erfordernisse der Mitgliedsländer und der im Zeitverlauf sich ändernden Umstände anzugehen, besonders auch in Fällen, in denen die Auswirkungen der Konsolidierung bei einem Konjunkturrückgang schlimmer ausfallen.e

a Siehe die Global Policy Agenda der Geschäftsführenden Direktorin vom April 2013 (www.imf.org/external/np/pp/eng/2013/042013.pdf) und die Ausgabe des Fiscal Monitor vom April 2013 (www.imf.org/external/pubs/ft/fm/2013/01/pdf/fm1301.pdf).b Siehe Kapitel 3 des World Economic Outlook vom Oktober 2012 (www.imf.org/external/pubs/ft/weo/2012/02/pdf/c3.pdf). Der Fiscal Monitor vom April 2013 (www.imf.org/external/pubs/ft/fm/2013/01/pdf/fm1301.pdf) kommt im Zusammenhang mit der Haushaltskonsolidierung zu ähnlichen Schlussfolgerungen.c Siehe Anhang 8 des Politikpapiers „Jobs and Growth: Analytical and Operational Considerations for the Fund“ (www.imf.org/external/np/pp/eng/2013/031413.pdf), die Ausgabe vom April 2013 des World Economic Outlook (www.imf.org/external/pubs/ft/weo/2013/01/pdf/text.pdf) und PR Nr. 13/129, “Communiqué of the Twenty-Seventh Meeting of the International Monetary and Financial Committee“ (www.imf.org/external/np/sec/pr/2013/pr13129.htm).d Siehe PIN Nr. 13/07, “IMF Executive Board Concludes Article IV Consultation with Portugal” (www.imf.org/external/np/sec/pn/2012/pn1307.htm).e World Economic Outlook Oktober 2012 (www.imf.org/external/pubs/ft/weo/2012/02/pdf/text.pdf).

Im erörterte das Exekutivdirektorium die analytischen und operationellen Erwägungen im Zusammenhang mit der Aufgabe des IWF, Politikberatung zu Arbeitsplätzen und Wachstum bereitzustellen, wie auch seiner Arbeit an Fiskalpolitiken und Beschäftigung in fortgeschrittenen und aufstrebenden Volkswirtschaften.

Arbeitsplätze und Wachstum: analytische und operationelle Erwägungen

Im März 2013 erörterte das Exekutivdirektorium informell ein Politikpapier zur Rolle, die der IWF bei der Unterstützung der Länder spielen kann, wenn es um die Ausarbeitung von Strategien zu den miteinander verknüpften Aufgaben geht, Arbeitsplätze zu schaffen und Wachstum zu fördern.42 Der IWF prüft den theoretischen und empirischen Stand der maßgeblichen politischen Forschung und versucht auf dieser Basis, den Ländern die bestmögliche nachweisbasierte Beratung zu bieten. Das wichtigste Ergebnis des Papiers ist, dass es weder eine Strategie mit Wunderwaffe für ein einzelnes Land, noch ein Einheitsrezept für alle Länder gibt. Dennoch, so das Papier, herrscht weitgehend Einvernehmen darüber, dass makroökonomische Stabilität—niedrige Inflation und geringe Produktionsschwankungen—die entscheidende Grundlage für jede Wachstumsstrategie bildet.

Das Papier untersucht die Länder- und Politikarbeit des IWF und sieht Spielraum, Analyse und Politikberatung zu verbessern, wo dies notwendig und im Rahmen des IWF-Mandats möglich ist:

  • Systematischere Analyse der Herausforderungen bei Wachstum und Beschäftigung sowie Identifikation der größten Hindernisse auf dem Weg zu sozial inklusivem Wachstum und Arbeitsplätzen.
  • Systematischere Integration der Politikberatung zu Reformen der Steuer- und Ausgabenpolitik, sodass Bedingungen geschaffen werden, die zum Eintritt in die Arbeitswelt ermutigen, auch was die Frauen anbetrifft; darüber hinaus eine robustere Schaffung von Arbeitsplätzen, eine gerechtere Einkommensverteilung und mehr Schutz für die anfälligsten Gruppen.
  • Verstärkte Beratung zur Arbeitsmarktpolitik auf der Grundlage aktueller empirischer Gegebenheiten und vermehrte Zusammenarbeit mit anderen internationalen Institutionen.

Fiskalpolitik und Beschäftigung in fortgeschrittenen und aufstrebenden Volkswirtschaften

Das Exekutivdirektorium erörterte im Juli 2012 ein Politikpapier zu Fiskalpolitik und Beschäftigung in fortgeschrittenen und aufstrebenden Volkswirtschaften.43 Das Papier zeigt die wichtigsten Strukturschwächen am Arbeitsmarkt dieser Volkswirtschaften auf und erörtert die Auswirkungen der Fiskalpolitik auf die Beschäftigung; gleichzeitig nennt es eine Reihe von steuer- und ausgabenpolitischen Maßnahmen zur Erhöhung der Beschäftigung. In fortgeschrittenen Volkswirtschaften, so das Papier, könnten besser ausgestaltete Steuer- und Ausgabenpolitiken deutlich mehr Arbeitsplätze schaffen. In aufstrebenden Märkten sind dem Papier zufolge Strukturreformen auf den Arbeits-, Kapital- und Produktmärkten oft wichtiger als fiskalische Reformen, wenn es um die Schaffung von Arbeitsplätzen geht.

Die Wirksamkeit von Reformen kann, so das Papier, von einer Volkswirtschaft zur nächsten stark schwanken und hängt von den Arbeitsmarktinstitutionen, der Art der Arbeitslosigkeit und den Verwaltungskapazitäten ab. Das Papier räumt ein, dass beschäftigungsfördernde Politik bisweilen Kompromisse mit anderen Zielen der öffentlichen Politik erfordert und im Hinblick auf fiskalische Zwänge zu beurteilen ist.

Kasten 4.2Fiskalisch tragfähige und gerechte Rentensysteme für Asien

Weltweit führende Fachleute zu Rentenfragen trafen sich im Januar 2013 in Tokio mit Politikern aus 16 Ländern Asiens zu einer zweitägigen Konferenz mit dem Titel “Designing Fiscally Sustainable and Equitable Pension Systems in Asia in the Post-crisis World“ (Gestaltung fiskalisch tragfähiger und gerechter Rentensysteme in Asien in der Zeit nach der Krise).a Die Konferenz wurde mit Unterstützung der japanischen Regierung von der Abteilung Fiskalpolitik und dem Regionalbüro für Asien und Pazifikraum des IWF organisiert.

Die Herausforderung liegt für fortgeschrittene Volkswirtschaften darin, das Anwachsen staatlicher Rentensysteme bei zunehmender Alterung der Bevölkerung zu bremsen; aufstrebende Volkswirtschaften dagegen müssen ihr Rentensystem auf fiskalisch tragfähige Weise ausdehnen, während ihre Bevölkerung rasch altert. Die Konferenz widmet sich auch Fragen der Gerechtigkeit, insbesondere den Auswirkungen unterschiedlicher Rentenreformoptionen auf die Gerechtigkeit innerhalb einer Generation und über mehrere Generationen hinweg.

Eine zentrale Botschaft lautete, dass Rentensysteme angemessene Einkommensunterstützung für arme alte Menschen bieten, gleichzeitig aber fiskalisch vertretbar und nachhaltig sein müssen. Die Teilnehmer besprachen die Erhöhung des Rentenalters, um einerseits die Tragfähigkeit von Rentensystemen zu verbessern und andererseits das Wirtschaftswachstum durch mehr verfügbare Arbeitskräfte zu stärken. Vor allem in den Schwellenländern Asiens ist es wichtig, den Anteil der älteren Bevölkerung, der Renten erhält, zu erhöhen und das Management privater Rentenfonds zu verbessern. Rentenreformen können nur wirksam sein, wenn sie als gerecht gelten und nach ihrer Implementierung nicht wieder aufgehoben werden.

a Siehe Pressemitteilung Nr. 13/08, “IMF Gathers Experts to Discuss Design of Fiscally Sustainable and Equitable Pension Systems in Asia” (www.imf.org/external/np/sec/pr/2013/pr1308.htm).

Links: Ein Händler auf dem Parkett der Terminbörse in Chicago

Rechts: Ein Fischer im Bunfi Port von Conakry, Guinea, knüpft ein neues Netz

Schuldentragfähigkeit

Die Staatsverschuldung ist seit 2008 fortlaufend angestiegen, vor allem in fortgeschrittenen Volkswirtschaften, wo sie ein sehr hohes Niveau erreicht hat. Der resultierende Schuldenüberhang stellt eine Gefährdung für Finanzstabilität und Wirtschaftswachstum dar. Vor diesem Hintergrund bildeten Themen im Zusammenhang mit der Bewertung von Schuldentragfähigkeit und dem Abbau von durch hohe Verschuldung bedingten Anfälligkeiten einen zentralen Punkt der IWF-Arbeit im Verlauf des Geschäftsjahres.

Überprüfung der Regelung zu Schuldengrenzen in IWF-gestützten Programmen

Im März 2013 überprüfte das Exekutivdirektorium die Regelung des IWF zu Schuldengrenzen44, die 2009 eingeführt wurde, um sicherzustellen, dass IWF-gestützte Programme einkommensschwachen Ländern weiterhin helfen, das geeignete Verhältnis zwischen Schuldentragfähigkeit einerseits und Spielraum für Darlehen für produktive, wachstumsfördernde Investitionen andererseits zu finden. Da der Fokus überwiegend auf einkommensschwachen Ländern lag, blieben die Regelungen zu Schuldengrenzen für die übrigen Mitgliedsländer im Großen und Ganzen unverändert. Das Politikpapier, das für die Direktoriumssitzung verfasst wurde, stellte die erste Phase der Überprüfung dar; ein zweites Papier mit gezielten Vorschlägen wird für Anfang 2014 erwartet.

Die meisten Exekutivdirektoren pflichteten dem Ergebnis aus der Prüfung der Umsetzung der Reform von 2009 bei und akzeptierten die Schlussfolgerung, dass weitere Änderungen an der Regelung notwendig seien, um uneinheitliche Ergebnisse abzubauen und die Komplexität und das durch die Regelung entstehende Potenzial für Verzerrungen von Investitions- und Finanzierungsentscheidungen anzugehen. Nach Auffassung der meisten Direktoren könnte die Ausarbeitung eines einheitlichen Rahmenwerks zu Schuldengrenzen, das den Geltungsbereich der Politikmaßnahme zu Schuldengrenzen auf alle Kredite ungeachtet der jeweiligen Konditionen ausdehnt, stärkere Schutzmechanismen für Schuldentragfähigkeit herbeiführen, ohne dass die Länder dadurch übermäßig eingeschränkt werden in ihrer Fähigkeit, angemessene externe Finanzierung zur Stützung ihrer Entwicklungsziele zu sichern.

Die Exekutivdirektoren stellten heraus, wie wichtig es sei, Anreize beizubehalten, sodass einkommensschwache Länder konzessionäre Kredite aufnehmen und Kreditgeber diese Mittel nach Möglichkeit bereitstellen. Viele Direktoren fanden, dass mit dem angestrebten Richtwert für die durchschnittliche Konzessionalität neuer Kredite, der im Politikpapier vorgeschlagen wird, im Verbund mit der vorgeschlagenen Obergrenze für Kreditaufnahmen insgesamt dieses Ziel erfüllt würde; sie begrüßten die erhöhte Flexibilität, die die vorgeschlagene Reform einkommensschwachen Ländern bei der Verfolgung ihrer Kreditaufnahmepolitiken gewährt.

Die meisten Exekutivdirektoren stimmten darin überein, dass die Schuldengrenzen in IWF-gestützten Programmen, die über das General Resources Account (GRA—Konto für allgemeine Ressourcen) finanziert werden, keiner Veränderung bedürfen.

Die Exekutivdirektoren forderten den IWF-Stab auf, die Meinung wichtiger Gruppen, wie Länderbehörden, Kreditgeber und andere Entwicklungspartner, zur Ausgestaltung des endgültigen Reformvorschlags einzuholen.

Leitlinie zur Analyse der Tragfähigkeit von Staatsschulden für Länder mit Marktzugang

Vor dem Hintergrund zunehmender Bedenken über die Tragfähigkeit von Staatsschulden in fortgeschrittenen Volkswirtschaften überprüfte das Exekutivdirektorium im August 2011 das Regelwerk des IWF zur Fiskalpolitik und Tragfähigkeitsanalyse von Staatsschulden in Ländern mit Marktzugang.45 Die Überprüfung deckte eine Anzahl von Bereichen auf, in denen Schuldentragfähigkeitsanalysen für Länder mit Marktzugang verbessert werden könnten. Dazu gehören u.a. realistischere Grundannahmen, mit dem Schuldenprofil einhergehende Risiken, Analyse makrofiskalischer Risiken, Anfälligkeiten im Verhältnis zur Staatsverschuldung und Deckung aggregierter fiskalischer und öffentlicher Schulden.

Der Stab des IWF entwickelte daraufhin auf dieser Überprüfung beruhende Richtlinien, und das Direktorium erhielt im April 2013 ein Briefing über die Leitlinie zur Analyse der Tragfähigkeit von Staatsschulden für Länder mit Marktzugang (Guidance Note on Public Debt Sustainability Analysis for Market Access Countries).46 Gemäß der Direktoriumsprüfung vom August 2011 und des Triennial Surveillance Review 2011 führt die Leitlinie einen risikobasierten Ansatz ein; d.h., in Ländern mit höherem Risiko ist mehr Analyse und in Ländern mit geringerem Risiko weniger Analyse notwendig. Die Leitlinie behandelt Datendeckung und weitere Fragen der Ausgestaltung, präsentiert die Elemente einer grundlegenden Schuldentragfähigkeitsanalyse, erörtert die Module, die für eine tiefer greifende Analyse heranzuziehen sind, und legt die Berichts- und Verfahrenserfordernisse für Schuldentragfähigkeitsanalysen dar.

Stärkung der Finanzsysteme

Angesichts der Rolle, die schwache Finanzinstitutionen, unzureichende Regulierung und Aufsicht sowie der Mangel an Transparenz gespielt haben, ist in der Folge der weltweiten Krise die Stärkung der Finanzsysteme eine vorrangige Aufgabe des IWF. Die Gefahr einer Untergrabung der Wirksamkeit der Geldpolitik, die die Konjunkturerholung unterstützen soll, unterstreicht einmal mehr den Bedarf an Fortschritten in diesem Bereich.

Neben der in den folgenden Unterabschnitten beschriebenen Arbeit erhielt das Exekutivdirektorium im Dezember 2012 ein informelles Briefing zu den Fortschritten bei der Umsetzung des Aktionsplans zur Reform des Finanzsektors, der aus den Bemühungen erwachsen ist, aus der Krise zu lernen und Schritte zu unternehmen, um eine weitere Krise zu vermeiden. Das Direktorium hielt auch ein informelles Gespräch zu verstärkter Überwachung des Finanzsektors einkommensschwacher Länder in Bezug auf eine Vertiefung der Finanzwirtschaft und Makrostabilität (siehe Kapitel 3).

Key Attributes of Effective Resolution Regimes für Finanzinstitute

Im Oktober 2012 erhielt das Exekutivdirektorium ein informelles Briefing zu den internationalen Bestrebungen, gute Praktiken bei Abwicklungsmethoden für Finanzinstitute zu identifizieren. Die Key Attributes of Effective Resolution Regimes (Kernelemente wirksamer Abwicklungsmethoden), ein Standard, der vom FSB übernommen und von der G20 als unverbindlicher internationaler Standard befürwortet wurde, identifizieren ein wirksames Regelwerk für die Abwicklung grenzüberschreitender Finanzinstitute. Die Key Attributes nennen maßgebliche Merkmale, die auf nationaler wie internationaler Ebene Teil des Abwicklungsrahmens sein sollten, damit die Abwicklung ohne schwerwiegende systemische Störungen und ohne Verluste für die Steuerzahler erfolgen kann. Diese Merkmale sind ein umfassendes Instrumentarium an Abwicklungsvollmachten für Länderbehörden: die Übernahme der Kontrolle von Management und Eigentümern, Verkauf oder Fusionierung der Bank, Übertragung ihrer Aktiva und Passiva an Dritte oder einseitige Umschuldung sowie Unterstützung der Abwicklung durch die vorübergehende Aussetzung vorgezogener Kündigungsrechte auf Finanzverträge. Dem Politikpapier zufolge, das dem Exekutivdirektorium zum Briefing vorgelegt wurde, nimmt der IWF-Stab aktiv an der Arbeit des FSB zur Umsetzung der Key Attributes teil; nach Abschluss dieser Arbeit wird der Stab die nach den Governance-Vorschriften des IWF notwendige Genehmigung einholen, damit die Key Attributes als neuer Standard unter dem Programm der Reports on the Observance of Standards and Codes (ROSC—Berichte über die Einhaltung von Standards und Kodizes) verwendet werden können.47

Überarbeitung der Guidelines for Foreign Exchange Management

Im Februar 2013 billigte das Exekutivdirektorium überarbeitete Guidelines for Foreign Exchange Management (Richtlinien zum Management von Devisenreserven), die vom IWF-Stab in Zusammenarbeit mit einer kleinen Arbeitsgruppe aus Zentralbanken und Währungsbehörden einer Anzahl von Ländern, der Europäischen Zentralbank (EZB) und der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) ausgearbeitet worden waren.48 Die Überarbeitung der Richtlinien war notwendig geworden, da zugrunde liegende strukturelle Veränderungen im Aufbau von Reserven und im Umgang mit den Reserven in Reaktion auf die laufenden Entwicklungen an den Finanzmärkten und auf die globale Krise beobachtet worden waren. Die Überarbeitung konzentriert sich auf Ziele und Strategien des Reservenmanagements, Transparenz und Rechenschaftspflicht, Fragen zum Regelwerk auf Institutions- wie Organisationsebene und das Regelwerk zum Risikomanagement.

Es wird erwartet, dass die Anwendung dieser überarbeiteten Richtlinien die internationale Finanzarchitektur stärken, stabilitäts- und transparenzfördernde Politiken und Praktiken im Finanzsektor fördern und die externen Anfälligkeiten der Länder reduzieren wird. Die überarbeiteten Richtlinien werden vom Stab als Rahmen für die Technical Assistance und für Gespräche im Zusammenhang mit der IWF-Überwachung eingesetzt werden.

Globale Ungleichgewichte und Spillovers

Wie bereits in Kapitel 3 erwähnt, ist der IWF ein Forum für den Dialog unter Mitgliedsländern über die regionalen und internationalen Konsequenzen ihrer Wirtschafts- und Finanzpolitik. Die Fortschritte, die im Jahresverlauf zu den Kernelementen der IWF-Arbeit in diesem Bereich erzielt wurden—zum Beispiel der Pilot External Sector Report und der Spillover Report—wurden an früherer Stelle erörtert. Mehrere Prioritäten, die im Triennial Surveillance Review 2011 identifiziert wurden—insbesondere Vernetztheit, Risiken und außenwirtschaftliche Stabilität - haben direkten Einfluss auf globale Ungleichgewichte und Spillovers.

Die Volatilität der Kapitalströme kann sowohl für einzelne Länder als auch global zu ernsthaften Risiken für die Stabilität führen, und die Frage, wann, wie stark und wie schnell Kapitalströme liberalisiert werden sollen, ist schon seit Jahrzehnten einer der am heißesten diskutierten Streitpunkte in der weltwirtschaftlichen Debatte. Im Verlauf des Jahres befürwortete das Exekutivdirektorium eine institutionelle Position zur Steuerung globaler Kapitalströme, um Ländern klare und einheitliche Beratung zu ihrer Wirtschaftspolitik bieten zu können (siehe “Liberalisierung und Steuerung der Kapitalströme“ in Kapitel 3).

Die Arbeit zu den Auswirkungen der Vernetztheit für Politik und Überwachung dauert an. Insbesondere wurde die Analyse der Konsistenz multilateraler Politiken und grenzüberschreitender Spillovers auf der Grundlage des gestärkten Überwachungsrahmens gestärkt.

Poverty Reduction and Growth Trust

Bei der Vergabe konzessionärer Mittel an Mitglieder mit niedrigem Einkommen bedient sich der IWF der Ressourcen, die für diese Art der Kreditvergabe im PRGT bereitstehen. Die Institution stellt fest, welche Mitgliedsländer Anspruch auf konzessionäre Mittel unter dem PRGT haben, auf ein Regelwerk zurückgreifend, das 2010 eigens für diesen Zweck entwickelt worden war. Dieses Regelwerk, das alle zwei Jahre überprüft wird (für die Ergebnisse der letzten Überprüfung siehe “Prüfung des Anspruchs auf konzessionäre Mittel“, Kapitel 3), gibt dem Exekutivdirektorium transparente Kriterien für seine Entscheidungen zur Aufnahme in die und zur Verabschiedung von der Liste anspruchsberechtigter Länder an die Hand.49 Das Regelwerk umfasst auch spezielle Zugangsund Neueinstufungskriterien für Klein- und Mikrostaaten, die wegen der höheren Anfälligkeiten dieser Länder das Pro-Kopf-Einkommen weniger streng berücksichtigen.

Im August 2012 nahm das Exekutivdirektorium den Südsudan, das jüngste Mitglied im IWF, in die Liste der Länder auf, die Anspruch auf die konzessionäre Mittelvergabe durch den IWF haben.50 Die überarbeitete Fassung des Regelwerks zu PRGT-Ansprüchen wurde im April 2013 gebilligt (siehe “Prüfung des Anspruchs auf konzessionäre Mittel“ in Kapitel 3) und die Exekutivdirektoren befürworteten die vorgeschlagene Aufnahme der Marshallinseln, Mikronesiens und Tuvalus in die Liste der Länder mit PRGT-Anspruch sowie die vorgeschlagene Neueinstufung von Armenien und Georgien. Nach diesen Entscheidungen haben nun 73 einkommensschwache Länder Anspruch auf konzessionäre Mittel.

Links: Fabrikarbeiter in Ayutthaya, Thailand Rechts: Ein Bauer in Divo, Côte d’Ivoire, schneidet eine Kakaofrucht auf

Zum Zeitpunkt der 2009 vom IWF durchgeführten Reform der Kreditfazilitäten für einkommensschwache Länder wurde eine Nachfrage nach PRGT-Krediten in Höhe von 11,3 Mrd. SZR (17 Mrd. US$) für den Zeitraum 2009-2014 prognostiziert. Um weitere Ressourcen für Kredite an einkommensschwache Länder verfügbar zu machen, billigte das Direktorium im Februar 2012 eine Auszahlung an die Mitglieder des IWF in Höhe von 700 Mio. SZR (1,1 Mrd. US$) aus den allgemeinen Reserven des IWF, ein Teil des unerwarteten Gewinns aus dem Goldverkauf. Diese Auszahlung erfolgte im Oktober 2012 (siehe “Goldverkäufe“ in Kapitel 5).

Auszahlung des verbleibenden unerwarteten Gewinns aus dem Goldverkauf

Im Rahmen der Strategie, die Tragfähigkeit des PRGT längerfristig zu sichern, billigten die Exekutivdirektoren im September 2012 proportional zum Quotenanteil der Mitglieder die Auszahlung aus den allgemeinen Reserven von 1,75 Mrd. SZR (2,7 Mrd. US$), die auf den verbleibenden unerwarteten Gewinn aus dem Goldverkauf zurückgehen (siehe Kapitel 5). Voraussetzung für die Auszahlung sind zufriedenstellende Zusicherungen vonseiten der Mitglieder, dass mindestens 90 Prozent der Auszahlung (1,575 Mrd. SZR oder 2,43 Mrd. US$) dem PRGT zur Verfügung gestellt werden. Zum 30. April 2013 lagen Zusicherungen der Mitglieder vor, dass als Teil der gesamten Auszahlung 1,3 Mrd. SZR (2,0 Mrd. US$) an neuen Subventionsbeiträgen für den PRGT bereitgestellt würden.

Das Exekutivdirektorium billigte auch einen Stabsvorschlag zu einer Strategie für den Aufbau eines tragfähigen PRGT; mit dieser Strategie soll sichergestellt werden, dass die Institution über ausreichende Ressourcen verfügt, um die projizierte Nachfrage nach ihren konzessionären Mitteln längerfristig zu erfüllen. Die Strategie ruht auf den folgenden Säulen:

  • Eine Grundausstattung von rund 1,25 Mrd. SZR (1,93 Mrd. US$) an jährlicher Finanzierungskapazität, ein Betrag, von dem erwartet wird, dass er in normalen Zeiten zur Deckung des konzessionären Finanzierungsbedarfs ausreicht.
  • Eventualmaßnahmen, einschließlich bilateraler Mittelbeschaffung und zeitweiliger Aussetzung der Rückzahlung von Verwaltungsausgaben des PRGT an das GRA, die ergriffen werden können, wenn der durchschnittliche Finanzierungsbedarf die Grundausstattung über einen längeren Zeitraum hinweg erheblich übersteigt.
  • Das Prinzip der finanziellen Autonomie (self-sustainability), sodass bei etwaigen künftigen Änderungen an Kreditfazilitäten für einkommensschwache Länder die Erwartung bestehen würde, dass die Nachfrage nach konzessionären Mitteln des IWF unter verschiedenen plausiblen Szenarien mit den Ressourcen der ersten beiden Säulen dieser Strategie erfüllt werden kann.51

Während der Erörterung dieser Entscheidung52 äußerten einige Exekutivdirektoren Bedenken, dass die Umsetzung des Regelwerks den Zugang zu und/oder den Anspruch auf Fazilitäten für einkommensschwache Länder einschränken könnte, und betonten, dass Entscheidungen zu diesen Aspekten unter sorgfältiger Berücksichtigung des Finanzierungsbedarfs dieser Länder erfolgen sollten. Eine Reihe von Exekutivdirektoren betonten, dass Fundraising von einem breiten Geberspektrum dazu beitragen würde, die langfristige Tragfähigkeit des PRGT zu sichern.

Verlängerung des vorübergehenden Zinsaufschubs für einkommensschwache Länder

2009 befürwortete das Exekutivdirektorium einen vorübergehenden Aufschub der Zinszahlungen auf alle ausstehenden konzessionären Kredite für PRGT-berechtigte Länder und verzichtete auf alle Zinszahlungen auf PRGT-Kredite bis einschließlich Dezember 2011. Dieser Aufschub wurde später bis Dezember 2012 verlängert.

Im Dezember 2012 billigte das Direktorium angesichts der anhaltenden weltweiten Krise eine Verlängerung der Ausnahmeregelung um zwei Jahre bis Ende Dezember 2014.53 Es billigte auch eine Verschiebung der nächsten Prüfung der PRGT-Zinssätze um ein Jahr auf Ende 2014.

Finanzierung

Nichtkonzessionäre Finanzierungen im Jahresverlauf

Das Exekutivdirektorium billigte während des Geschäftsjahres fünf neue Vereinbarungen unter den nichtkonzessionären Finanzierungsfazilitäten des IWF, die sich insgesamt auf 75,1 Mrd. SZR (111,3 Mrd. US$) beliefen.54 Mehr als 90 Prozent der neuen Bruttozusagen (69,3 Mrd. SZR bzw. 104,6 Mrd. US$) entfielen auf zwei Folgevereinbarungen unter der Flexible Credit Line für Mexiko und Polen. Es wurden auch zwei Stand-By Arrangements (für Jordanien und Bosnien und Herzegowina) mit insgesamt 1,7 Mrd. SZR (2,6 Mrd. US$) genehmigt. Darüber hinaus wurde eine neue Vereinbarung unter der Precautionary and Liquidity Line für Marokko in Höhe von 4,1 Mrd. SZR (6,2 Mrd. US$) genehmigt, die von den Behörden als vorsorglich eingestuft wurde.

Kasten 4.3Sicherungsbewertung: Politiken und Informationsarbeit

Wenn der IWF einem Mitgliedsland Mittel bereitstellt, wird eine Sicherungsbewertung durchgeführt, mit der festgestellt werden soll, ob die Zentralbank des Landes die Mittel des IWF adäquat verwalten und verlässliche Daten bereitstellen kann. Eine Sicherungsbewertung ist die Untersuchung des Governance- und Kontrollrahmens von Zentralbanken und ergänzt die anderen Schutzvorkehrungen des IWF wie Zugangsgrenzen, Konditionalität, Programmgestaltung, Maßnahmen im Fall von Falschangaben sowie Monitoring nach Abschluss des Programms. Die Bewertungen werden unabhängig von anderen IWF-Maßnahmen wie Überwachung, Programmgespräche und Technical Assistance durchgeführt. Bis heute wurden 249 Bewertungen vorgenommen, 11 in diesem Jahr. Die Sicherungsregel wird regelmäßig vom Exekutivdirektorium geprüft; die letzte Prüfung fand 2010 zum zehnjährigen Bestehen dieser Regel statt.

Gemäß einer Empfehlung aus der Prüfung 2010, die Zusammenarbeit mit Partnern zu vertiefen, veranstaltete der IWF im März 2013 in Dubai ein ranghohes Forum zu Zentralbank-Governance. Daran nahmen mehr als 90 Personen, leitende Vertreter von Zentralbanken und externe Wirtschaftsprüfer aus Afrika, Europa und dem Nahen Osten teil. Das Forum konzentrierte sich auf zwei Funktionen, die Governance in Zentralbanken stützen: Aufsicht über Audits, die für Rechenschaftspflicht und Transparenz entscheidend ist, sowie Risikomanagement. Der regionsübergreifende Dialog widmete sich den Herausforderungen und wichtigsten Praktiken, die von Sicherungsbewertungen in diesen Bereichen identifiziert wurden. Die Teilnehmer legten großen Wert darauf, diese Gelegen heit zuhaben, um von anderen zu lernen, und wiesen darauf hin, dass es für Zentralbanken keine Einheitslösung gibt und dass die Stärkung der Governance ein fortlaufender Prozess ist. Das Forum ergänzte die reguläre Reihe von Sicherungsseminaren des IWF, bei denen die Teilnehmer ihre Erfahrungen mit der Stärkung von Governance, Risikomanagement und Transparenz in ihren Zentralbanken austauschen können. Im vergangenen Jahr wurde das Programm der Sicherungsseminare in den Katalog des neu errichteten IMF–Middle East Center for Economics and Finance aufgenommen.

Insgesamt erreichten Ende April 2013 die Käufe55 aus dem GRA 10,6 Mrd. SZR (16 Mrd. US$), wobei 90 Prozent der Gesamtsumme auf Käufe der drei Euro-Länder Griechenland, Irland und Portugal entfielen. Rückkäufe für den Zeitraum lagen bei 14,6 Mrd. SZR (22,0 Mrd. US$). Tabelle 4.1 liefert allgemeine Informationen über die Finanzierungsinstrumente und -fazilitäten des IWF, und Tabelle 4.2 sowie Schaubild 4.1 stellen die Vereinbarungen, die im Lauf des Geschäftsjahres gebilligt wurden, detailliert dar; Schaubild 4.2 gibt Auskunft zu den ausstehenden Finanzierungsbeträgen der letzten zehn Jahre.

Tabelle 4.1Kreditvergabe-Fazilitäten des IWF
Kreditfazilität (Jahr der Verabschiedung)1ZweckBedingungenAbrufstaffelung und ÜberwachungZugangsgrenzen1Gebühren2Laufzeiten (Jahre)Ratenzahlung
KREDITTRANCHEN UND EXTENDED FUND FACILITY3
Stand-By Arrangement (SBA) (1952) (Breitschaftskredit-Vereinbarung)Mittelfristige Hilfe für Länder mit kurzfristigen Zahlungsbilanzproblemen.Die Annahme von Politikmaßnahmen, die erwarten lassen, dass die Zahlungsbilanzprobleme des Mitglieds innerhalb einesannehmbaren Zeitraums gelöst werden können.Vierteljährliche Käufe (Auszahlungen), abhängig von der Einhaltung von Leistungskriterien und weiteren Auflagen.Jährlich: 200% der Quote; kumulativ: 600% der Quote.Gebührensatz plus Aufschlag (200 Basispunkte bei Beträgen über 300% der Quote; weitere 100 Basispunkte, wenn der ausstehende Kredit mehr als 3 Jahre über 300% der Quote liegt).43¼–5Vierteljährlich
Extended Fund Facility (EFF) (1974) (Extended Arrangement)(Erweiterte Fondsfazilität)(Erweiterte Kreditvereinbarung)Längerfristige Hilfe zur Unterstützung der Strukturreformen der Mitglieder, die langfristige Zahlungsbilanz-probleme aufgreifen.Verabschiedung eines Programms mit bis zu vier Jahren Laufzeit mit Strukturagenda und jährlicher ausführlicher Erklärung zu den Politikmaβnahmen für die kommenden 12 Monate.Viertel- oder halbjährliche Käufe(Auszahlungen), abhängig von der Einhaltung von Leistungskriterien und sonstigen Auflagen.Jährlich: 200% der Quote; kumulativ: 600% der Quote.Wie oben.4½–10Halbjährlich
Flexible Credit Line (FCL) (2009) (Flexible Kreditlinie)Flexibles Instrument in den Kredittranchen, das den gesamten potenziellen oder tatsächlichen Zahlungsbilanzbedarf aufgreift.Ex ante sehr stark in Bezug auf makroökonomische Eckdaten, wirtschaftspolitisches Regelwerk und politischen Leistungsnachweis.Von vornherein gebilligter Zugang während des gesamten Vereinbarungszeitraums, vorbehaltlich der Halbzeitüberprüfung nach einem Jahr.Keine im Voraus festgelegte Grenze.Wie oben.3¼–5Vierteljährlich
Precautionary and Liquidity Line (PLL) (2011) (Vorsorgeund-Liquiditäts-Linie)Instrument für Länder mit soliden volkswirtschaftlichen Eckdaten und soliden Politiken.Stark in Bezug auf politische Regelwerke, Auslandsposition und Marktzugang, einschlieβlich Solidität des Finanzsektors.Hoher Zugang zu Beginn der Laufzeit, vorbehaltlich halbjährlicher Prüfungen (bei 1- bis 2-jährigen PL).250% der Quote für sechs Monate; 500% der Quote verfügbar bei Billigung von 1-bis 2-jährigen Vereinbarungen; insgesamt 1.000% der Quote nach 12 Monaten zufriedenstellenden Fortschritts.Wie oben.3¼–5Vierteljährlich
SONDERFAZILITÃTEN
Rapid Financing Instrument (RFI) (2011) (Instrument für schnelle Finanzierung)Schnelle Finanzhilfe für alle Mitgliedsländer mit dringendem Zahlungsbilanzbedarf.Bestrebungen zur Lösung von Zahlungsbilanzschwierigkeiten (kann vorangegangene Maßnahmen einschließen).Direkte Käufe ohne ein voll ausgearbeitetes Programm oder Überprüfungen.Jährlich: 50% der Quote; kumulativ: 100% der Quote.Wie oben.3¼–5Vierteljährlich
FAZILITÃTEN FÜR EINKOMMENSSCHWACHE MITGLIEDER IM RAHMEN DES POVERTY REDUCTION AND GROWTH TRUST
Extended Credit Facility (ECF) (2010)5 (Fazilität für erweiterten Kredit)Mittelfristige Unterstützung zur Bewältigung von andauernden Zahlungsbilanzschwierigkeiten.Annahme von 3- bis 4-jährigen ECF-Vereinbarungen. ECF-gestützte Programme basieren auf Poverty Reduction Strategy Papers(PRSPs), die von den Ländern in einem partizipatorischen Prozess erarbeitet werden und makroökonomische, strukturelle und armutsbekämpfende Maßnahmen umfassen.Halbjährliche (gelegentlich vierteljährliche) Auszahlungen, abhängig von der Einhaltung von Leistungskriterien und Überprüfungen.Jährlich: 100% der Quote; kumulativ: 300% der Quote.0% bis Ende 2014.5½–10Halbjährlich
Standby Credit Facility (SCF) (2010) (Bereitschaftskreditfazilität)Bedienung eines kurzfristigen Bedarfs hinsichtlich Zahlungsbilanz und Vorsorge.Verabschiedung 12- bis 24-monatiger SCF-Vereinbarungen.Halbjährliche (gelegentlich vierteljährliche) Auszahlungen, abhängig von der Einhaltung von Leistungskriterien und ϋberprüfungen(bei Ziehung).Jährlich: 100% der Quote; kumulativ: 300% der Quote; Vorsorge: jährlich 75% der Quote und durchschnittlich jährlich 50% der Quote.Wie oben.4–8Halbjährlich
Rapid Credit Facility (RCF) (2010) (Schnellkreditfazilität)Schnelle Unterstützung für dringenden Zahlungsbilanzbedarf; für die Fälle, in denen ein Programm von der Qualität der oberen Kredittranche nicht notwendig oder nicht durchführbar ist.Kein auf Überprüfungen beruhendes Programm notwendig; keine Ex-post-Konditionalität.In der Regel eine einzige Auszahlung.Jährlich: 25% („shocks window“, 50% der Quote); kumulativ (netto planmäßiger Tilgungen): 100% („shocks window“, 125% der Quote).Wie oben.5½–10Halbjährlich

Mit Ausnahme der über den Poverty Reduction and Growth Trust (PRGT - Treuhandfonds für Armutsbekämpfung und Wachstum) finanzierten Fazilität wird die Kreditvergabe des IWF hauptsächlich über das von den Mitgliedsländern gezeichnete Kapital finanziert. Jedem Land wird eine Quote zugeteilt, die seine finanzielle Verpflichtung darstellt. Ein Mitglied zahlt einen Teil seiner Quote in vom IWF akzeptierten Fremdwährungen ein - oder in Sonderziehungsrechten (SZR) - und den Rest in seiner Landeswährung. Ein IWF-Darlehen wird ausbezahlt oder vom Darlehensnehmer gezogen, indem der Kreditnehmer mit seiner eigenen Währung vom IWF Aktiva in ausländischen Währungen oder SZR kauft. Die Rückzahlung des Darlehens wird erreicht, indem der Kreditnehmer seine Inlandswährung vom IWF mit ausländischer Währung oder SZR zurückkauft. Die konzessionäre Kreditvergabe unter den Fazilitäten ECF, RCF und SCF wird über den separaten Treuhandfonds für Armutsbekämpfung und Wachstum finanziert. Für die Kreditvergabe unter dem PRGT kam das Exekutivdirektorium im April 2013 überein, dass die Zugangsnormen und -grenzen in Relation zur Quote halbiert werden sollen, sobald die Quotenerhöhung nach der Vierzehnten Allgemeinen Quotenüberprüfung in Kraft tritt (siehe Kapitel 5).

Der Gebührensatz für Mittel, die vom General Resources Account (GRA - Konto für allgemeine Ressourcen) ausbezahlt werden, wird als Aufschlag auf den wöchentlichen SZR-Zinssatz festgelegt. Der Gebührensatz wird in jedem Finanzquartal des IWF auf den Tagessaldo aller ausstehenden GRA-Ziehungen erhoben. Zusätzlich wird auf jede Ziehung von IWF-Mitteln aus dem GRA, mit Ausnahme von Ziehungen aus der Reservetranche, eine Bearbeitungsgebühr von 0,5 Prozent erhoben. Eine im Voraus fällige Bereitstellungsgebühr (15 Basispunkte auf zugesicherte Beträge von bis zu 200 Prozent der Quote, 30 Basispunkte für Beträge zwischen 200 und 1.000 Prozent der Quote sowie 60 Basispunkte für Beträge von über 1.000 Prozent der Quote) wird auf den Betrag angerechnet, der in jeder (jährlichen) Periode gezogen werden kann unter einer Stand-By, Flexible Credit Line, Precautionary and Liquidity Line oder einem Extended Arrangement; diese Gebühr wird proportional rückerstattet, wenn weitere Ziehungen unter der Vereinbarung erfolgen. Für Fazilitäten für einkommensschwache Länder im Rahmen des PRGT wurde 2009 ein Zinsmechanismus eingeführt, der die konzessionären Zinssätze mit dem SZR-Zinssatz und regelmäßigen Überprüfungen verknüpft. Bei diesen Überprüfungen werden die anzuwendenden Zinssätze wie folgt festgelegt: Wenn der in den letzten 12 Monaten beobachtete durchschnittliche SZR-Zinssatz unter 2 Prozent liegt, dann wird der Zinssatz für Darlehen unter der ECF und RCF auf 0 Prozent pro Jahr und für SCF-Darlehen auf 0,25 Prozent pro Jahr festgelegt; wenn der durchschnittliche SZR-Zinssatz 2 Prozent oder mehr, bis 5 Prozent, beträgt, wird der Zinssatz für Darlehen unter der ECF und RCF auf 0,25 Prozent pro Jahr und für SCF-Darlehen auf 0,5 Prozent pro Jahr festgelegt. Wenn der durchschnittliche SZR-Zinssatz über 5 Prozent beträgt, wird der Zinssatz für Darlehen unter der ECF und RCF auf 0,5 Prozent jährlich und für SCF-Darlehen auf 0,75 Prozent jährlich festgelegt. Eine vorsorgliche Vereinbarung unter der SCF wird mit einer Bereitstellungsgebühr von 15 Basispunkten pro Jahr auf den nicht in Anspruch genommenen Anteil der Beträge belegt, die während eines jeden Sechsmonatszeitraums gezogen werden können. Aufgrund der weltweiten Wirtschaftskrise verabschiedete das Direktorium im Dezember 2012 eine Ausnahmeregelung zur vorübergehenden Aussetzung der Zinsen für konzessionäre Darlehen bis Ende Dezember 2014.

Der Ausdruck Kredittranchen bezieht sich auf das Volumen der Käufe (Auszahlungen) im Verhältnis zur Quote, die einem Mitglied im IWF zukommt; so sind Auszahlungen von bis zu 25 Prozent der Quote eines Mitglieds Auszahlungen unter der ersten Kredittranche und verlangen von den Mitgliedern, dass sie angemessene Anstrengungen zur Überwindung ihrer Zahlungsbilanzprobleme nachweisen. Anträge auf Auszahlungen von über 25 Prozent werden als Ziehungen in den oberen Kredittranchen bezeichnet; sie erfolgen in Ratenzahlungen und sind an die Erfüllung bestimmter Leistungskriterien gebunden. Diese Auszahlungen sind normalerweise verbunden mit einer Bereitschaftsoder Erweiterten Kreditvereinbarung. Zugang zu IWF-Mitteln außerhalb einer Vereinbarung ist selten und wird es erwartungsgemäß auch bleiben.

Ein Aufschlag, der im November 2000 eingeführt wurde. Am 1. August 2009 trat ein neues Aufschlagsystem in Kraft, das den vorangegangenen Plan ersetzte, der folgendermaßen strukturiert war: 100 Basispunkte über den Gebührensatz hinaus bei einem Volumen von über 200 Prozent der Quote und 200 Basispunkte bei einem Volumen von über 300 Prozent der Quote. Ein Mitglied, das am 1. August 2009 ausstehende Kredite in den Kredittranchen oder unter der Extended Fund Facility hatte oder das vor diesem Datum eine gebilligte effektive Vereinbarung hatte, konnte sich wahlweise für das neue oder das alte Aufschlagsystem entscheiden.

Die ECF hatte früher den Namen Poverty Reduction and Growth Facility (Armutsbekämpfungs- und Wachstumsfazilität).

Mit Ausnahme der über den Poverty Reduction and Growth Trust (PRGT - Treuhandfonds für Armutsbekämpfung und Wachstum) finanzierten Fazilität wird die Kreditvergabe des IWF hauptsächlich über das von den Mitgliedsländern gezeichnete Kapital finanziert. Jedem Land wird eine Quote zugeteilt, die seine finanzielle Verpflichtung darstellt. Ein Mitglied zahlt einen Teil seiner Quote in vom IWF akzeptierten Fremdwährungen ein - oder in Sonderziehungsrechten (SZR) - und den Rest in seiner Landeswährung. Ein IWF-Darlehen wird ausbezahlt oder vom Darlehensnehmer gezogen, indem der Kreditnehmer mit seiner eigenen Währung vom IWF Aktiva in ausländischen Währungen oder SZR kauft. Die Rückzahlung des Darlehens wird erreicht, indem der Kreditnehmer seine Inlandswährung vom IWF mit ausländischer Währung oder SZR zurückkauft. Die konzessionäre Kreditvergabe unter den Fazilitäten ECF, RCF und SCF wird über den separaten Treuhandfonds für Armutsbekämpfung und Wachstum finanziert. Für die Kreditvergabe unter dem PRGT kam das Exekutivdirektorium im April 2013 überein, dass die Zugangsnormen und -grenzen in Relation zur Quote halbiert werden sollen, sobald die Quotenerhöhung nach der Vierzehnten Allgemeinen Quotenüberprüfung in Kraft tritt (siehe Kapitel 5).

Der Gebührensatz für Mittel, die vom General Resources Account (GRA - Konto für allgemeine Ressourcen) ausbezahlt werden, wird als Aufschlag auf den wöchentlichen SZR-Zinssatz festgelegt. Der Gebührensatz wird in jedem Finanzquartal des IWF auf den Tagessaldo aller ausstehenden GRA-Ziehungen erhoben. Zusätzlich wird auf jede Ziehung von IWF-Mitteln aus dem GRA, mit Ausnahme von Ziehungen aus der Reservetranche, eine Bearbeitungsgebühr von 0,5 Prozent erhoben. Eine im Voraus fällige Bereitstellungsgebühr (15 Basispunkte auf zugesicherte Beträge von bis zu 200 Prozent der Quote, 30 Basispunkte für Beträge zwischen 200 und 1.000 Prozent der Quote sowie 60 Basispunkte für Beträge von über 1.000 Prozent der Quote) wird auf den Betrag angerechnet, der in jeder (jährlichen) Periode gezogen werden kann unter einer Stand-By, Flexible Credit Line, Precautionary and Liquidity Line oder einem Extended Arrangement; diese Gebühr wird proportional rückerstattet, wenn weitere Ziehungen unter der Vereinbarung erfolgen. Für Fazilitäten für einkommensschwache Länder im Rahmen des PRGT wurde 2009 ein Zinsmechanismus eingeführt, der die konzessionären Zinssätze mit dem SZR-Zinssatz und regelmäßigen Überprüfungen verknüpft. Bei diesen Überprüfungen werden die anzuwendenden Zinssätze wie folgt festgelegt: Wenn der in den letzten 12 Monaten beobachtete durchschnittliche SZR-Zinssatz unter 2 Prozent liegt, dann wird der Zinssatz für Darlehen unter der ECF und RCF auf 0 Prozent pro Jahr und für SCF-Darlehen auf 0,25 Prozent pro Jahr festgelegt; wenn der durchschnittliche SZR-Zinssatz 2 Prozent oder mehr, bis 5 Prozent, beträgt, wird der Zinssatz für Darlehen unter der ECF und RCF auf 0,25 Prozent pro Jahr und für SCF-Darlehen auf 0,5 Prozent pro Jahr festgelegt. Wenn der durchschnittliche SZR-Zinssatz über 5 Prozent beträgt, wird der Zinssatz für Darlehen unter der ECF und RCF auf 0,5 Prozent jährlich und für SCF-Darlehen auf 0,75 Prozent jährlich festgelegt. Eine vorsorgliche Vereinbarung unter der SCF wird mit einer Bereitstellungsgebühr von 15 Basispunkten pro Jahr auf den nicht in Anspruch genommenen Anteil der Beträge belegt, die während eines jeden Sechsmonatszeitraums gezogen werden können. Aufgrund der weltweiten Wirtschaftskrise verabschiedete das Direktorium im Dezember 2012 eine Ausnahmeregelung zur vorübergehenden Aussetzung der Zinsen für konzessionäre Darlehen bis Ende Dezember 2014.

Der Ausdruck Kredittranchen bezieht sich auf das Volumen der Käufe (Auszahlungen) im Verhältnis zur Quote, die einem Mitglied im IWF zukommt; so sind Auszahlungen von bis zu 25 Prozent der Quote eines Mitglieds Auszahlungen unter der ersten Kredittranche und verlangen von den Mitgliedern, dass sie angemessene Anstrengungen zur Überwindung ihrer Zahlungsbilanzprobleme nachweisen. Anträge auf Auszahlungen von über 25 Prozent werden als Ziehungen in den oberen Kredittranchen bezeichnet; sie erfolgen in Ratenzahlungen und sind an die Erfüllung bestimmter Leistungskriterien gebunden. Diese Auszahlungen sind normalerweise verbunden mit einer Bereitschaftsoder Erweiterten Kreditvereinbarung. Zugang zu IWF-Mitteln außerhalb einer Vereinbarung ist selten und wird es erwartungsgemäß auch bleiben.

Ein Aufschlag, der im November 2000 eingeführt wurde. Am 1. August 2009 trat ein neues Aufschlagsystem in Kraft, das den vorangegangenen Plan ersetzte, der folgendermaßen strukturiert war: 100 Basispunkte über den Gebührensatz hinaus bei einem Volumen von über 200 Prozent der Quote und 200 Basispunkte bei einem Volumen von über 300 Prozent der Quote. Ein Mitglied, das am 1. August 2009 ausstehende Kredite in den Kredittranchen oder unter der Extended Fund Facility hatte oder das vor diesem Datum eine gebilligte effektive Vereinbarung hatte, konnte sich wahlweise für das neue oder das alte Aufschlagsystem entscheiden.

Die ECF hatte früher den Namen Poverty Reduction and Growth Facility (Armutsbekämpfungs- und Wachstumsfazilität).

Tabelle 4.2Im GJ 2013 unter den Hauptfazilitäten gebilligte Vereinbarungen(Millionen SZR)
MitgliedArt der VereinbarungDatum des InkrafttretensGebilligter Betrag
NEUE VEREINBARUNGEN
Bosnien und Herzegowina24-monatige Stand-By26. September 2012338,2
Jordanien36-monatige Stand-By3. August 20121.364,0
Marokko24-monatige Precautionary and Liquidity Line3. August 20124.117,4
Mexiko24-monatige Flexible Credit Line30. November 201247.292,0
Polen24-monatige Flexible Credit Line18. Januar 201322.000,0
Insgesamt75.111,6
Quelle: IWF, Abteilung Finanzen.
Quelle: IWF, Abteilung Finanzen.

Schaubild 4.1In den Geschäftsjahren mit Ende zum 30. April 2004-2013 gebilligte Vereinbarungen

(Milliarden SZR)

Quelle: IWF, Abteilung Finanzen.

Schaubild 4.2Ausstehende nichtkonzessionäre Finanzierungen, GJ 2004-2013

(Milliarden SZR)

Quelle: IWF, Abteilung Finanzen.

Vergabe konzessionärer Mittel im Jahresverlauf

Der IWF machte im Geschäftsjahr für seine einkommensschwachen Länder unter dem PRGT Zusagen für Darlehen in Höhe von 0,4 Mrd. SZR (0,6 Mrd. US$). Die Gesamtsumme der ausstehenden konzessionären Kredite für 62 Mitglieder belief sich zum 30. April 2013 auf 5,9 Mrd. SZR (8,9 Mrd. US$). Tabelle 4.3 enthält ausführliche Informationen zu neuen Vereinbarungen und zu Zugangserhöhungen unter den konzessionären Finanzierungsfazilitäten des IWF. Schaubild 4.3 zeigt die ausstehenden konzessionären Kredite des letzten Jahrzehnts.

Tabelle 4.3Im Rahmen des Poverty Reduction and Growth Trust gebilligte und aufgestockte Vereinbarungen während des GJ 2013(Millionen SZR)
MitgliedDatum des InkrafttretensGebilligter Betrag
NEUE DREIJÄHRIGE VEREINBARUNGEN UNTER DER EXTENDED CREDIT FACILITY1
Gambia25. Mai 201218,7
Liberia19. November 201251,7
Malawi23. Juli 2012104,1
Salomonen7. Dezember 20121,0
São Tomé und Príncipe20. Juli 20122,6
Zentralafrikanische Republik25. Juni 201241,8
Zwischensumme219,8
AUFSTOCKUNG EINER VEREINBARUNG UNTER DER EXTENDED CREDIT FACILITY2
Burkina Faso8. Juni 201236,1
Zwischensumme36,1
NEUE VEREINBARUNG UNTER DER STANDBY CREDIT FACILITY
Tansania6. Juli 2012149,2
Zwischensumme149,2
AUSZAHLUNG UNTER DER RAPID CREDIT FACILITY
Mali5. Februar 201312,0
Zwischensumme12,0
Insgesamt417,1
Quelle: IWF, Abteilung Finanzen.

Früher Poverty Reduction and Growth Facility.

Nur der Aufstockungsbetrag ist angegeben.

Quelle: IWF, Abteilung Finanzen.

Früher Poverty Reduction and Growth Facility.

Nur der Aufstockungsbetrag ist angegeben.

Schaubild 4.3Ausstehende konzessionäre Finanzierungen, GJ 2004-2013

(Milliarden SZR)

Quelle: IWF, Abteilung Finanzen.

Hinweis: MDRI: Multilateral Debt Relief Initiative.

Der IWF gewährt auch weiterhin Schuldenerleichterung für anspruchsberechtigte Länder unter der HIPC-Initiative und MDRI (siehe Kapitel 3).

Im Rahmen des Post-Catastrophe Debt Relief Trust (Treuhandfonds für Schuldenerleichterung nach Katastrophen) wurde im Verlauf des Jahres keine Unterstützung gewährt. Dieser Treuhandfonds wurde im Juni 2010 eingerichtet, damit der IWF sich an internationalen Maßnahmen zur Schuldenerleichterung beteiligen kann, wenn ein armes Land von einer besonders schweren Naturkatastrophe heimgesucht wird.

Zusammenarbeit Mit Anderen Organisationen

Der IWF arbeitet mit einer Anzahl von anderen Organisationen zusammen, die weltwirtschaftliche Fragen in ihrem besonderen Verantwortungsbereich und Spezialgebiet behandeln.

Europäische Kommission und Europäische Zentralbank

Die Beteiligung des IWF zu Beginn der weltweiten Krise an der finanziellen Unterstützung für EU-Mitglieder, die mit Zahlungsbilanzschwierigkeiten konfrontiert waren, führte zu einer Ausweitung der Zusammenarbeit zwischen IWF und Institutionen der EU, insbesondere der Europäischen Kommission (EC) und der Europäischen Zentralbank (EZB) im späteren Verlauf der Krise, als Euro-Länder Unterstützung vom IWF beantragten (siehe Kasten 3.1). Dadurch kam es zu einer verstärkten Zusammenarbeit der sogenannten Troika aus IWF, EC und EZB in Programmländern. Obwohl der IWF seine Arbeit eng mit den anderen Mitgliedern der Troika koordiniert, werden die Entscheidungen zu Finanzierungen und Politikberatung letzten Endes vom Exekutivdirektorium getroffen. Der IWF arbeitet auch eng mit der EC zusammen bei Belangen, die einkommensschwache Länder betreffen, einschließlich der Finanzierung von Kapazitätsentwicklung.

Gruppe der Zwanzig

Die Zusammenarbeit des IWF mit der G20 ist seit dem Beginn der globalen Krise noch enger geworden. Auf Antrag der Staats- und Regierungschefs der G20 stellt der IWF die fachliche Analyse zur Unterstützung des Mutual Assessment Process (MAP—Verfahren der gegenseitigen Bewertung) der G20 bereit. Der IWF-Stab—mit Beiträgen von anderen internationalen Institutionen—wurde ursprünglich mit der Untersuchung der Frage beauftragt, ob die von den einzelnen Ländern der G20 verfolgten Politiken insgesamt mit den Wachstumszielen der G20 vereinbar waren. In den letzten Jahren wurde der Stab auch gebeten, bei der Entwicklung von Richtlinien mitzuwirken, die alle zwei Jahre große Ungleichgewichte unter den Mitgliedern aufdecken und evaluieren sollten. Die Zusammenarbeit mit der G20 reicht über das MAP hinaus in andere Bereiche, wie etwa die Data Gaps Initiative der G20, mit der durch die globale Krise zutage getretene Datenlücken angegangen werden sollen.

Das Exekutivdirektorium erhielt im November 2012 von der Geschäftsführenden Direktorin ein informelles Briefing über die Arbeit des IWF mit der G20; es wird auch regelmäßig über die Teilnahme der IWF-Geschäftsführung an den Treffen der G20 unterrichtet. Auch über MAP und die Beteiligung des IWF daran erhält das Direktorium regelmäßig Briefings.

Financial Stability Board

Der FSB bringt Regierungsbeamte, die für die Finanzstabilität in den wichtigsten internationalen Finanzzentren verantwortlich sind, internationale Standard setzende Organisationen, Ausschüsse von Zentralbankexperten und internationale Finanzinstitutionen zusammen.

Der IWF trat dem FSB im September 2010 formell bei. Nach der Anerkennung des FSB als Vereinigung nach Schweizer Recht im Januar 2013 lud der FSB alle seine Mitglieder ein, der neuen Vereinigung beizutreten; das Exekutivdirektorium billigte die Mitgliedschaft des IWF im FSB als Vereinigung nach Schweizer Recht im März 2013.56 Die Exekutivdirektoren merkten an, dass die Zusammenarbeit zwischen IWF und FSB auch weiterhin vom jeweiligen Mandat der Institutionen geleitet werde, wobei der IWF bei der Überwachung des globalen Finanzsystems und der FSB bei Fragen zu Regulierung und Aufsicht die Führung übernehmen wird. Sie wiesen darauf hin, dass die Mitgliedschaft des IWF im FSB keine Beeinträchtigung der Unabhängigkeit des IWF darstelle und dass der IWF nach Schweizer Recht stets durch seine eigenen Vorrechte und Immunitäten geschützt sei. Sie wiesen auch darauf hin, dass die Mitgliedschaft in der Vereinigung keine besonderen rechtlichen Pflichten für den IWF schaffe, obwohl die Mitglieder natürlich zum redlichen Umgang mit der Vereinigung verpflichtet sind.

Als die Exekutivdirektoren den Beitritt des IWF zum FSB billigten, unterstrichen sie Folgendes: Der IWF wird (1) sich innerhalb seines rechtlichen Regel- und Normenwerks an der Vereinigung beteiligen, (2) sich das Recht vorbehalten, sich nicht an der Entscheidungsfindung der Vereinigung zu Politikentscheidungen und ähnlichen Tätigkeiten zu beteiligen oder diese als nicht verbindlich zu sehen, wenn eine solche Beteiligung dem rechtlichen Regel- und Normenwerk des IWF zuwiderlaufen sollte, und (3) eine Entscheidung der Vereinigung zu Politikmaßnahmen nur insoweit unterstützen, als sie dem rechtlichen Regel- und Normenwerk des IWF entspricht.

Der IWF arbeitet auch im Rahmen der Frühwarnübung und der Frühwarnliste zweimal jährlich mit dem FSB zusammen (siehe “Joint IMF-Financial Stability Board Early Warning Exercise“ in Kapitel 3). Er ist im Lenkungsausschuss des FSB vertreten. Der IWF nimmt regelmäßig an verschiedenen Arbeitsgruppen teil und arbeitet mit dem FSB im Rahmen der Datenlückeninitiative der G20 zusammen; darüber hinaus wirkte er an einem gemeinsamen Bericht von FSB, IWF und Weltbank an die G20 über die Auswirkungen regulatorischer Reformen auf aufstrebende Volkswirtschaften und Entwicklungsländer mit.

Weltbankgruppe

IWF und Weltbank arbeiten eng bei der Unterstützung der Länder und Politikthemen, die für beide relevant sind, zusammen. Die Bewertungen des IWF über die allgemeine Wirtschaftslage eines Landes und seiner Politik fließen in die Bewertungen der Weltbank zu potenziellen Entwicklungsprojekten oder Reformen ein. Umgekehrt werden die Ratschläge der Weltbank zu Struktur- und Sektorreformen bei der Politikberatung durch den IWF berücksichtigt. Im Rahmen des Joint Management Action Plan on World Bank-IMF Collaboration erörtern die Länderteams der beiden Organisationen ihre auf die Landesebene ausgerichteten Arbeitsprogramme, die auf Sektoren bezogene makrokritische Fragen, die Arbeitsteilung und die für das kommende Jahr von jeder der beiden Institutionen benötigten Beiträge identifizieren.

Links: Ein Junge verkauft Brot an einem Stand in Bangui, Zentralafrikanische Republik Rechts: Die Stellvertretende Geschäftsführende Direktorin Nemat Shafik und der Finanzminister von Ghana, The Honorable Seth Terkper, bei der Frühjahrstagung 2013 nach der Unterzeichnung des Übereinkommens zur Errichtung eines neuen Africa Regional Technical Assistance Center (AFRITAC West 2)

Mit der HIPC-Initiative und MDRI (siehe Kapitel 3) arbeiten IWF und Weltbankgruppe gemeinsam am Abbau der externen Schuldenlast der am stärksten verschuldeten armen Länder. Nach dem Ansatz des Poverty Reduction Strategy Paper (Papier zur Strategie für Armutsbekämpfung) arbeiten beide Institutionen gemeinsam an der Linderung von Armut; bei diesem Ansatz ist das betroffene Land federführend in der Verknüpfung von nationalen Politiken, Geberunterstützung und den Entwicklungsergebnissen, die für die Bekämpfung der Armut in einkommensschwachen Ländern notwendig sind. Der von Weltbank und IWF kollaborativ erstellte Global Monitoring Report bewertet die Fortschritte auf dem Weg zu den Millenniums-Entwicklungszielen; in der Ausgabe von 2013 war die Dynamik zwischen Stadt und Land ein zentrales Thema. Die beiden Institutionen arbeiten im Rahmen des FSAP auch gemeinsam daran, die Finanzsektoren der Mitgliedsländer zu stärken und mit wirksamer Regulierung zu versehen.

Vereinte Nationen

Der IWF hat einen Sondervertreter bei den Vereinten Nationen und unterhält ein Büro in New York. Die Zusammenarbeit zwischen dem IWF und den Vereinten Nationen betrifft Bereiche von gegenseitigem Interesse, einschließlich Zusammenarbeit bei Steuerfragen und Statistikdiensten der beiden Organisationen, sowie wechselseitige Teilnahme an regelmäßigen Meetings und bestimmten Konferenzen und Veranstaltungen. 2012 spielte der IWF eine aktive Rolle bei der VN-Konferenz über nachhaltige Entwicklung (UN Conference on Sustainable Development), die im Juni 2012 in Rio de Janeiro stattfand. Stabsmitarbeiter des IWF gehören auch einem UN System Task Team an, das eingerichtet wurde, um den mitgliedergesteuerten Prozess, der als Folgemaßnahme zu den auf der Konferenz gemachten Zusagen in Gang gesetzt wurde, mit fachlicher Beratung und Analysen zu unterstützen. Bei diesem mitgliedergesteuerten Prozess geht es darum, die Entwicklungsagenda der VN nach 2015 (Post-2015 UN Development Agenda), einschließlich nachhaltiger Entwicklungsziele (Sustainable Development Goals) für die Zeit nach dem Außerkrafttreten der Millenniums-Entwicklungsziele zu definieren.

Deauville-Partnerschaft

Der IWF beteiligt sich an der Deauville Partnership with Arab Countries in Transition, die im Mai 2011 ins Leben gerufen wurde und regionale Partnerländer, die Gruppe der Acht sowie regionale und internationale Finanzinstitutionen einschließt. Über eine eigene Deauville Partnership Coordination Platform stellen die der Partnerschaft angehörenden regionalen und internationalen Finanzinstitutionen die wirksame Unterstützung der Partnerländer sicher: Sie fördern den Informationsaustausch, das gegenseitige Verständnis und den operationellen Dialog mit den Partnerländern, sie koordinieren Monitoring und Berichterstattung zu gemeinsamen Maßnahmen zur Unterstützung der Partnerschaft und sie zeigen Möglichkeiten zur Zusammenarbeit bei Finanzhilfe, Technical Assistance und der Arbeit an Politikmaßnahmen und Analysen. Zum Beispiel erhielten Marokko und Tunesien im Verlauf des Jahres Technical Assistance zur Entwicklung von Kapitalmärkten in Landeswährung; diese Hilfe wurde durch die Zusammenarbeit des Afrikanischen Entwicklungsfonds (African Development Fund), des Arabischen Währungsfonds (Arab Monetary Fund), der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (European Bank for Reconstruction and Development), der Europäischen Investitionsbank (European Investment Bank), IWF und Weltbank ermöglicht.

Kapazitätsentwicklung

Kapazitätsentwicklung—die Übermittlung von Fachwissen und Best Practices – ist eine Kerntätigkeit des IWF und mit Überwachung und Kreditvergabe integriert. Die vom IWF vermittelte Technical Assistance und Ausbildung hilft Mitgliedsländern beim Erwerb des Rüstzeugs, das zur Gestaltung und Steuerung von nachhaltig wachstumsfördernden Politiken notwendig ist.

Zur Stärkung seines strategischen Ansatzes zur Kapazitätsentwicklung führte der IWF im Mai 2012 das IWF-Institut und das Büro für das Management der technischen Hilfe zum Institut für Kapazitätsentwicklung (Institute for Capacity Development—ICD) zusammen. Zu den wichtigsten Leistungen des ICD im ersten Jahr seines Bestehens gehörte Folgendes:

  • Es wurde eine Vereinbarung zur Errichtung eines Regional Training Center (RTC), des Africa Training Institute (ATI) in Mauritius, getroffen, das die Länder Afrikas südlich der Sahara bedienen soll.57 Das ATI wird die Ausbildung durch den IWF auf die wachsenden und speziellen Bedürfnisse der Länder südlich der Sahara ausrichten und damit das Ausbildungsvolumen der Region auf das Niveau anderer Regionen anheben. Am selben Standort wie das Africa Regional Technical Assistance Center (AFRITAC) South, wird das ATI eine engere Integration von Technical Assistance und Ausbildung ermöglichen und Verwaltungskosten sparen.
  • Es wurden Vorarbeiten für ein neues regionales Zentrum für Technical Assistance (RTAC) in Ghana geleistet.58 AFRITAC West 2 wird die vier anderen AFRITACs (in Côte d'Ivoire, Gabun, Mauritius und Tansania) ergänzen. Es soll Ende 2013 eröffnet werden und Gambia, Ghana, Kap Verde, Liberia, Nigeria und Sierra Leone bedienen. Es reiht sich als neuntes Zentrum in das weltweite Netz von RTACs ein, die eng mit den Mitgliedsländern zusammenarbeiten und durch Partnerschaften mit Gebern, den bedienten Ländern und dem IWF finanziert werden. Dank der Unterstützung vonseiten der Geber und Empfängerländer konnte die Lehrtätigkeit im Jahresverlauf in vielen RTACs intensiviert werden.
  • Ein Seminar, das im Juli 2012 gemeinsam von der Oesterreichischen Nationalbank, Österreichs Bundesministerium für Finanzen und dem IWF veranstaltet wurde, brachte Politiker, Wissenschaftler und Vertreter internationaler Institutionen zusammen, damit sie die Lektionen der globalen Krise, einschließlich zu neuen Ausrichtungen in der Kapazitätsentwicklung, erörtern konnten. Das Seminar wurde anlässlich des zwanzigjährigen Bestehens des Joint Vienna Institute59 veranstaltet, das 1992 vom IWF, vier weiteren internationalen Organisationen und den österreichischen Behörden gegründet worden war.

Initiativen zur Technical Assistance

Um steigendem Bedarf zu entsprechen, hat der IWF die Bereitstellung von Technical Assistance, die gemeinsam mit Gebern finanziert wird, erhöht; er will damit seinen Mitgliedsländern helfen, besser auf die globale Krise zu reagieren und institutionelle Kapazitäten zu entwickeln. Vier IWF-Abteilungen – Fiskalpolitik, Recht, Geld- und Kapitalmärkte und Statistik - sind vorrangig für die Bereitstellung der Technical Assistance verantwortlich. Die Hauptempfänger von Technical Assistance im Verlauf des Jahres waren Länder mit niedrigem und mittlerem Einkommen (siehe Schaubild 4.4).60

Schaubild 4.4Bereitstellung von Technical Assistance vor Ort in den GJ 2008-2013 nach Länder-Einkommen

(In Personenjahren)

Quelle: IWF, Institut für Kapazitätsentwicklung mit Daten von den Abteilungen Fiskalpolitik, Recht, Geld- und Kapitalmärkte sowie Statistik.

Technical Assistance für Länder, die sich für IWF-gestützte Programme qualifiziert oder annähernd qualifiziert haben, ist seit Beginn der weltweiten Krise angestiegen (siehe Schaubild 4.5). Dies kam Ländern wie Griechenland und Portugal in Form von Beratung zu Bankenabwicklung und Bankenaufsicht zugute. In Bezug auf Staatsfinanzen beriet der IWF Länder wie Zypern zur Reform der Fiskalpolitik und der Institutionen in Bereichen wie Verwaltung der Einkünfte, Steuerpolitik, Management der öffentichen Finanzen und Ausgabenkontrolle. Er reagierte auch rasch auf neu entstandenen Bedarf, z.B. durch Beratung Griechenlands zur Rentenverwaltung und Portugals zur Rationalisierung seiner Ausgaben.

Schaubild 4.5Bereitstellung von Technical Assistance vor Ort in den GJ 2008-2013 nach Länder-Status

(In Personenjahren)

Quelle: IWF, Institut für Kapazitätsentwicklung mit Daten von den Abteilungen Fiskalpolitik, Recht, Geld- und Kapitalmärkte sowie Statistik.

Ein Großteil der Kapazitätsentwicklung konzentriert sich auf fiskalische Fragen und die Stärkung des Finanzsektors. Die Technical Assistance für Fiskalisches besteht aus Beratungsleistungen zu fiskalischen Reformstrategien und Unterstützung wichtiger Reformen in Fiskalpolitik, Management und Institutionen. Sie ist auch auf neu entstandene fiskalische Fragen eingegangen, wie die Gestaltung fiskalischer Regeln, die Stärkung fiskalischen Risikomanagements, internationale Besteuerung (wie Festsetzung des Transferpreises, Aushöhlung der Bemessungsgrundlage und Gewinnverlagerung) sowie Management der fiskalischen Aspekte von Rohstoffregimen; der letztgenannte Bereich erfuhr einen besonders starken Anstieg der Nachfrage. Die Technical Assistance zum Finanzsektor befasst sich mit einschlägiger Beratung zu Finanzsektor, Geldpolitik, Zentralbankwesen und Schuldenmanagement. In diesem Zusammenhang wurde das Exekutivdirektorium im Lauf des Jahres über die Bestrebungen informiert, Entwicklungsländer beim Management von Staatsschulden zu unterstützen, wozu die Umsetzung des Programms des IWF zur Entwicklung der Kapazität für eine Strategie des Managements von mittelfristigen Schulden gehört. Dieses Programm führte zu einer Reihe spürbarer Ergebnisse, einschließlich der Erstellung förmlicher und expliziter Schuldenmanagementstrategien in einer Anzahl von Ländern wie Ghana, Kap Verde, Kenia, Malawi, Moldau, Mosambik und Tansania. Materielle Ergebnisse aus den Maßnahmen der Technischen Hilfe im fiskalischen Bereich sind erhöhte Steuereinkünfte (z.B. in Äthiopien, Mosambik, Peru und Uruguay) und geringere Ausgabenüberschreitungen und Rückstände (auch in Krisenländern).

Technical Assistance hat auch in der Statistik spürbare Ergebnisse gebracht, wie die erstmalige Veröffentlichung von Preisstatistiken (Bhutan und Malediven), vierteljährliche volkswirtschaftliche Gesamtrechnungen (Ghana, Ruanda und Uganda) sowie nationale Datenzusammenfassungen (Botswana, Mauritius, Mosambik, Tansania und Uganda). Infolge der Technical Assistance berichten mehr Länder Indikatoren zur Finanzsolidität, monetäre Daten in Standardformat sowie Daten über den Zugang zu Finanzdienstleistungen. Darüber hinaus konnten im Jahresverlauf dank der Technical Assistance sechs Länder an den GDDS teilnehmen (siehe “Standards für die Datenweitergabe“ weiter unten in diesem Kapitel).

Mitglieder ersuchen den IWF oft um Rat bei Regulierungs- und Aufsichtsfragen. Als Folge der globalen Krise leistete der IWF Beratungsdienste für krisengeschüttelte Länder zu makroprudenzieller Politik, Abwicklung von Banken und Krisenmanagement. Es besteht auch zunehmendes Interesse an der Einrichtung einer Finanzstabilitätsfunktion mit Stabilitätsberichten, Stresstests und Frühwarnsystemen. Darüber hinaus besteht Nachfrage nach Beratung zu rechtlichen Fragen, insbesondere im Zusammenhang mit der Bekämpfung von Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung. Gesetze zu Besteuerung, Haushalt, Firmeninsolvenz und Insolvenz von Privathaushalten sowie die Effizienz der Gerichtsbarkeit waren ebenfalls Gegenstand der Beratungsleistung des IWF. Weitere Beratungsthemen waren Justizreform und Antigeldwäsche-Maßnahmen gegen Geldwäsche zur Bekämpfung von Steuerhinterziehung.

Im Lauf des Jahres leistete der IWF Technical Assistance in mehreren neuen Bereichen. Damit eine nachhaltig vertiefte Finanzkapazität—insbesondere in einkommensschwachen Ländern—möglich wird, wurde anhand von Pilotmissionen untersucht, wie schwach entwickelte Finanzsysteme sich negativ auf makroökonomische Ergebnisse sowie auf die Geldpolitik und andere Politiken auswirken können. Der IWF nutzte erstmals auch neue Analyseinstrumente, so etwa das Revenue Administration Fiscal Information Tool (RA-FIT), Diagnoseinstrumente für die Verwaltung von Einkünften sowie einen Analyserahmen für Steuerlücken (RA-GAP), der zunächst auf Mehrwertsteuern angewendet wurde. Darüber hinaus wird ein neues Capability Assessment Program (Kompetenzbewertungsprogramm) erprobt, das die institutionelle Kapazität zur Formulierung und Umsetzung solider Geld- und Fiskalpolitiken bewerten soll.

Schaubilder 4.6, 4.7 und 4.8 enthalten Daten zur Bereitstellung der Technical Assistance vor Ort nach Fächern und Regionen, zur vermehrten Unterstützung durch Geber und zur Bereitstellung der Technical Assistance vor Ort nach Fächern und Thematik.

Schaubild 4.6Bereitstellung von Technical Assistance vor Ort im GJ 2013 nach Fächern und Regionen

(In Personenjahren)

Quelle: IWF, Institut für Kapazitätsentwicklung mit Daten von den Abteilungen Fiskalpolitik, Recht, Geld- und Kapitalmärkte sowie Statistik.

Schaubild 4.7Ausweitung der Kapazitätsentwicklung mithilfe der Unterstützung von Gebern

(Millionen US-Dollar)

Quelle: IWF, Büro für Haushalt und Planung sowie Institut für Kapazitätsentwicklung.

Schaubild 4.8Bereitstellung von Technical Assistance vor Ort in den GJ 2008–2013 nach Fächern und Thematik

(In Personenjahren)

Quelle: IWF, Institut für Kapazitätsentwicklung.

Hinweis: AML/CFT: Bekämpfung von Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung.

Ausbildung

Lehrgänge und Seminare für Beamte der Mitgliedsländer sind integraler Bestandteil des IWF-Programms der Kapazitätsentwicklung. Der IWF-Stab teilt sein Fachwissen und seine Erfahrung mit zu Themen, die für wirksame makroökonomische und Finanzmarkt-Analyse und die Erstellung von Politiken von entscheidender Bedeutung sind. Die Ausbildung wird vom ICD in Zusammenarbeit mit anderen Abteilungen organisiert und am Hauptquartier des IWF, in den RTCs, im Rahmen regionaler Programme und in den RTACs in aller Welt sowie durch Fernlehrgänge erteilt (Schaubilder 4.9 und 4.10).

Schaubild 4.9Ausbildung nach Abteilung, GJ 2013

(Prozentsatz der Teilnehmerwochen insgesamt)

Quelle: IWF, Institut für Kapazitätsentwicklung.

Schaubild 4.10Ausbildung nach Anbieter, GJ 2000-2013

(Prozentsatz der Teilnehmerwochen insgesamt)

Quelle: IWF, Institut für Kapazitätsentwicklung (ICD).

Der IWF hat zunehmend nach Möglichkeiten gesucht, die Synergien zwischen Technical Assistance und Ausbildung zu verstärken. Ein jüngeres Beispiel hierfür ist die koordinierte Bereitstellung von Technical Assistance und Ausbildung in Afrika südlich der Sahara, die eine Modernisierung der Rahmenwerke zur Geldpolitik bringen soll.

Mit der Unterstützung externer Geber und Ausbildungspartner bot der IWF im Lauf des Jahres Ausbildung gleichbedeutend mit etwas mehr als 12.000 Teilnehmerwochen an, und mehr als 7.700 Beamte nahmen an Ausbildung teil (im Wesentlichen unverändert gegenüber dem Vorjahr).61 Länder mit mittlerem Einkommen erhielten das größte Maß an IWF-Ausbildung mit ungefähr zwei Dritteln der gesamten im Verlauf des Jahres bereitgestellten Ausbildung (Schaubild 4.11). Auf Grund einer Zunahme der Ausbildung in der Region Naher Osten und Zentralasien in den letzten Jahren war das Ausbildungsvolumen, was die regionale Verteilung anbetrifft, in dieser Region vergleichbar mit dem in Afrika und der Region Asien und Pazifik (Schaubild 4.12).

Schaubild 4.11Ausbildung nach Länder-Einkommensgruppe, GJ 2000-2013

(In Teilnehmerwochen)

Quelle: IWF, Institut für Kapazitätsentwicklung.

Schaubild 4.12Ausbildung nach Region, GJ 2000-2013

(In Teilnehmerwochen)

Quelle: IWF, Institut für Kapazitätsentwicklung.

Links: Ein Grubenarbeiter in Breza, Bosnien, misst die Lufttemperatur in 450 Meter Tiefe Rechts: Konzentrierte Aufmerksamkeit bei einem Ausbildungsprogramm des Instituts für Kapazitätsentwicklung des IWF in Washington, D.C.

Links: Verkäuferinnen an einem Stand auf einem Gemüsemarkt in Mutsamudu, Komoren Rechts: Hafenarbeiter verladen von Vietnam importierte Reissäcke auf einen Lastwagen in Dili, Timor-Leste

Die Ausbildungsinhalte des IWF werden ständig an die wechselnden Bedürfnisse der Mitgliedsländer und die Prioritäten der Institution angepasst. Zur Ergänzung seines präsenzbasierten Unterrichts bietet der IWF nunmehr auch online Lernmodule an, um mehr Teilnehmer zu erreichen und auf die starke Nachfrage zu reagieren. Dabei arbeitet der IWF mit edX zusammen, einer Non-Profit-Organisation, die vom Massachusetts Institute of Technology und der Harvard University gegründet wurde.

Externe Unterstützung

Die Unterstützung von Gebern hat es dem IWF erlaubt, die gestiegene Nachfrage nach Kapazitätsentwicklung angemessen zu befriedigen. Geber finanzierten im Lauf des Jahres Maßnahmen im Wert von mehr als 125 Mio. US$ und damit 17 Prozent mehr als im Vorjahr. Die wichtigsten Geber für die Tätigkeit der Technical Assistance waren seit 1990 Japan, Kanada, das Vereinigte Königreich, die Schweiz und die Europäische Union. Der IWF nutzt die externe Unterstützung für Kapazitätsentwicklung beim Einsatz von RTACs, RTCs und regionalen Programmen, thematischen Treuhandfonds und bilateralen Partnerschaften.

RTACs ermöglichen es dem IWF, seine Technical Assistance auf den spezifischen Bedarf einer Region abzustimmen, sich enger mit anderen Dienstleistern abzusprechen und rasch auf neue Bedürfnisse zu reagieren. Es gibt acht RTACs, von denen sich vier in Afrika befinden und je eines in der Karibik, in Mittelamerika, im Nahen Osten und in der Pazifikregion. Wie bereits erwähnt soll ein neuntes RTAC in Ghana Ende 2013 seinen Betrieb aufnehmen.

Unlängst durchgeführte unabhängige Evaluierungen der Zentren in Ost- und Westafrika und in der Karibik haben bestätigt, dass die RTACs dringend benötigte Beratungsdienste in ihren jeweiligen Regionen leisten. Die Prüfer bewerteten die Leistung der Zentren in Afrika in allen Kriterien mit hervorragend bis gut und die Leistungen des Zentrums in der Karibik mit hervorragend und sehr gut. Fundraising-Kampagnen, die die RTACs mit notwendigen Ressourcen ausstatten, sodass sie die große Nachfrage nach Technical Assistance befriedigen können, waren erfolgreich, und die meisten RTACs sind jetzt in der Lage, ihr Angebot zu erweitern.

RTCs helfen dabei, die Ausbildung auf die jeweiligen örtlichen Bedürfnisse auszurichten, und ergänzen insofern die Ausbildung am Hauptquartier des IWF. Mit dem ATI bedient das Netz aus RTCs jetzt die Regionen Afrika (einschließlich der Joint Partnership for Africa in Tunesien), Asien und Pazifikraum (IMF-Singapore Regional Training Institute und Joint China-IMF Training Program), Europa und Zentralasien (Joint Vienna Institute), den Nahen Osten (IMF-Middle East Center for Economics and Finance, mit Sitz in Kuwait) und die westliche Hemisphäre (Joint Regional Training Center for Latin America, mit Sitz in Brasilia). Die sieben RTCs werden jeweils zum Großteil vom Gastgeberland finanziert, einige erhalten jedoch auch Beiträge von anderen Gebern wie Australien, China und Japan.

Thematische Treuhandfonds steigerten ihre Tätigkeit im Verlauf des Jahres. Die “Managing Natural Resource Wealth, Tax Policy und Administration Topical Trust Funds“ unterhalten Projekte in 28 Ländern sowie eine Anzahl von regionalen Projekten und Forschungsprojekten, die weiteren IWF-Mitgliedern nützen. Ein Forschungsprojekt zum RA-FIT war hilfreich für die Erstellung einer Datenbank mit Informationen in Bezug auf Steuerverwaltung, und der “Managing Natural Resource Wealth Topical Trust Fund” hielt Workshops zur Verwaltung von Einkünften für seit Kurzem Erdöl fördernde Länder. Die Prioritäten des South Sudan Topical Trust Fund, der im September 2012 eingerichtet wurde, sind die Kapazitätsentwicklung in der Bank of South Sudan und die Stärkung der Haushaltsaufstellung. Eine unlängst durchgeführte externe Evaluierung des thematischen Treuhandfonds “Bekämpfung von Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung“ (Anti-Money Laundering/Combating the Financing of Terrorism Topical Trust Fund) verzeichnete in den ersten fünf Jahren seines Bestehens beachtliche Erfolge, insofern als 59 Projekte in 33 Ländern verwirklicht werden konnten.

Der IWF vertiefte in diesem Jahr seine bilateralen Partnerschaften mit Japan, Kanada, dem Vereinigten Königreich, der Schweiz, der Europäischen Union, Norwegen und Belgien, wobei jeder dieser Partner sowohl landesspezifische als auch länderübergreifende Projekte finanziert hat. Die Arbeit zur Vertiefung der Partnerschaften mit China und Korea schreitet planmäßig voran.

Japan hat seit 1990 fast die Hälfte der externen Mittel für die Technical Assistance des IWF beigesteuert. Laufende von Japan finanzierte Projekte der Technical Assistance beliefen sich im letzten Jahr auf rund 113 Mio. US$ und bedienten 69 Länder. Kanada, der zweitgrößte Geber, unterstützte in der Karibik und in Nordafrika während des Jahres vier neue Projekte der Technical Assistance, die sich auf Bankenaufsicht und Regulierung sowie Schuldenmanagement konzentrierten. Das Vereinigte Königreich unterstützt den IWF bei der Entwicklung des Capability Assessment Program, vorläufig noch ein Pilotprogramm, das freiwillig teilnehmende Länder auf ihre Fähigkeit prüft, solide Geld- und Fiskalpolitiken zu formulieren und wirksam umzusetzen. Die Schweiz unterstützt 14 Projekte in 12 Ländern, und es laufen Gespräche zu einem neuen Hilfsprojekt in Tunesien. Die Unterstützung vonseiten der Europäischen Union hat sich als äußerst wichtig für RTACs, Topical Trust Funds und eine Reihe hauptsächlich fiskalischer Projekte erwiesen, und es wurden erhebliche Fortschritte bei der Festigung einer langfristigen strategischen Partnerschaft erzielt, die sowohl engen Dialog zu Politikmaßnahmen als auch nachhaltige Kapazitätsentwicklung in aller Welt impliziert.

Der IWF leistete im Verlauf des Jahres weiterhin gemeinsam mit der Weltbank Technical Assistance zu Finanzsektorfragen und Management der öffentlichen Finanzen. Dieser Einsatz der Technical Assistance bietet Ländern umfassende Hilfe, indem das komplementäre Fachwissen der beiden Institutionen zur Wirkung kommt.

Um auf die Kapazitätsentwicklung durch den IWF und die Geberbeiträge aufmerksam zu machen, organisierte der IWF in Zusammenarbeit mit Japan während der Jahresversammlung 2012 das Seminar “Developing Capacity: A Partnership for Sustainable Growth“. Darüber hinaus sponserte die japanische Regierung ein Video mit dem Titel “Partnerships for Change: Japan and the IMF“, das die entscheidende Rolle Japans als wichtigster Geber für die Kapazitätsentwicklung durch den IWF am Beispiel der Arbeit in Kambodscha, Kosovo und Timor-Leste darstellt. Mit der Unterstützung Japans veröffentlichte der IWF Building Capacity: The Japan-IMF PartnershipCountry Success Stories, um die große Bandbreite an erfolgreichen Maßnahmen der von Japan unterstützten Technical Assistance des IWF in 18 Ländern rund um die Welt zu illustrieren.

Initiativen Zu Daten Und Datenstandards

Für eine erfolgreiche Überwachung durch den IWF ist die Qualität der Daten, die die Mitgliedsländer entsprechend dem IWF-Übereinkommen bereitstellen, von größter Wichtigkeit. In diesem Zusammenhang erörterte das Exekutivdirektorium im November 2012 die Bereitstellung von Daten an den IWF zu Überwachungszwecken (siehe Kapitel 3).

Standards für die Datenweitergabe

Standards für die Datenweitergabe tragen dazu bei, dass die für die Verfolgung solider makroökonomischer Politiken unverzichtbaren zeitnahen und umfassenden Statistiken verfügbar sind. Der IWF hat mehrere wichtige Schritte zur Erhöhung von Transparenz und Offenheit unternommen, so etwa die Aufstellung der freiwilligen Standards zur Weitergabe von Wirtschafts- und Finanzdaten.

Der Special Data Dissemination Standard (SDDS - spezieller Datenweitergabestandard) wurde im März 1996 aufgestellt; er gibt Mitgliedern Anleitung zur Bereitstellung ihrer Wirtschafts- und Finanzdaten an die Öffentlichkeit. Das General Data Dissemination System (GDDS—Allgemeines Datenweitergabesystem) wurde im Jahr darauf eingerichtet; es gibt den Ländern ein Regelwerk an die Hand, mithilfe dessen sie ihre Bedürfnisse evaluieren und Prioritäten für die Verbesserung ihrer Statistiksysteme setzen können.62 2012 wurde SDDS Plus geschaffen, um während der globalen Krise identifizierte Datenlücken anzugehen; es enthält die Standards für neun zusätzliche Datenkategorien, deren Einhaltung ein interessiertes Land bis Ende 2019 zusichert.

Der SDDS erhielt während des Geschäftsjahres keine neuen Mitglieder, sodass die Zahl der teilnehmenden Volkswirtschaften zum Jahresende unverändert bei 71 blieb. Mit der finanziellen Unterstützung Japans startete der IWF Projekte, um Entwicklungsländern in Asien, den Pazifikinseln, dem Nahen Osten und Zentralasien sowie südosteuropäischen Ländern bei der Teilnahme am GDDS zu helfen. Bislang haben die Projekte dazu geführt, dass Bosnien und Herzegowina, die Islamische Republik Iran, Komoren, Samoa, Timor-Leste und Tuvalu in diesem Jahr ihre Teilnahme am GDDS aufgenommen haben.63 Zum Jahresende wurden im GDDS 108 Teilnehmerstaaten gezählt (ausgenommen Volkswirtschaften, die vom GDDS in den SDDS aufgerückt sind).64 Heute nehmen mehr als 90 Prozent der Mitgliedsländer des IWF an GDDS oder SDDS teil.

Im Rahmen der Bestrebungen, die ersten Teilnehmer in den SDDS Plus aufzunehmen, wurde im September 2012 ein Workshop für SDDS-Teilnehmer mit systemrelevanten Finanzsektoren veranstaltet. Der Workshop befasste sich mit den Erfordernissen des SDDS Plus in Bezug auf die neun Datenkategorien, wobei Deckung, Periodizität und Aktualität im Blickpunkt standen.

Sonstige datenbezogene Maßnahmen

Auf früheren Maßnahmen aufbauend, die seit Beginn der weltweiten Krise intensiviert wurden, arbeitete der IWF im Jahresverlauf weiterhin an der Verbesserung der Qualität der von den Mitgliedern gelieferten Daten und an der Erleichterung des Zugangs zu den von ihm produzierten und verwalteten Daten.

Neue und überarbeitete Publikationen und Datenbanken

Aktualisierung des Government Finance Statistics Manual 2001

Im Mai 2012 berief der IWF ein Meeting des Government Finance Statistics Advisory Committee65 ein; dieser Ausschuss von Experten aus 14 Ländern und acht internationalen Organisationen arbeitet zusammen mit dem IWF an der Aktualisierung des Government Finance Statistics Manual 2001 (GFSM 2001), das den Rahmen für die Kompilierung von für die Analyse relevanten Fiskalstatistiken bildet. Die Aktualisierung soll das GFSM 2001 an das System of National Accounts 2008, den internationalen Standard für die Kompilierung volkswirtschaftlicher Gesamtrechnungen, angleichen, damit eine Vereinheitlichung der makroökonomischen Datensätze erreicht werden kann. Entwürfe der überarbeiteten Kapitel wurden im Februar 2013 auf der Website des IWF zur Stellungnahme veröffentlicht. Der Eingabezeitraum endete Mitte April, und die Veröffentlichung des überarbeiteten Handbuchs ist Ende 2013 geplant.

Handbook on Securities Statistics

BIZ, EZB und IWF gaben im November 2012 gemeinsam den dritten und letzten Teil des Handbook on Securities Statistics heraus, in dem Aktienemissionen und -bestände behandelt werden.66 Der erste Teil des Handbook, bei dem es um Emissionen von Schuldtiteln geht, wurde im Mai 2009 veröffentlicht und der zweite Teil, der Bestände an Schuldtiteln behandelt, im September 2010. Es ist das Ziel des Handbook, nationale und internationale Behörden bei der Erstellung relevanter, stimmiger und international vergleichbarer Wertpapierstatistiken zu unterstützen, damit diese zur Formulierung von Geldpolitik und zur Analyse der Finanzstabilität eingesetzt werden können. Das Handbook kann von den Websites von BIZ, EZB und IWF heruntergeladen werden.

Überarbeitung der International Financial Statistics und der Datenbank Balance of Payments Statistics

Im August 2012 veröffentlichte der IWF revidierte Fassungen seiner International Financial Statistics (IFS) und der Online-Datenbank Balance of Payments Statistics (BOPS).67 Die Ausgaben für die Jahre 2005-2011 (für die jährliche Serie) haben erstmals Daten zur Zahlungsbilanz und zur internationalen Investmentposition eingeschlossen, die auf der Grundlage der sechsten Auflage des Balance of Payments and International Investment Position Manual (BPM6) des IWF präsentiert werden.

Herausgabe aktualisierter Umfrageergebnisse

Während des Geschäftsjahres wurden aktualisierte Daten für eine Reihe laufender IWF-Umfragen herausgegeben. Im Juni und Dezember 2012 veröffentlichte der IWF die überarbeiteten Ergebnisse für 2009 und 2010 und vorläufige Ergebnisse von 2011 des Coordinated Direct Investment Survey (CDIS).68 Der CDIS ist die globale Erhebung des IWF zu bilateralen ausländischen Direktinvestitionspositionen69, die seit 2009 jährlich durchgeführt wird. Im September 2012 hat der IWF auch die Ergebnisse des dritten jährlichen Financial Access Survey (FAS)70 herausgegeben. Der FAS ist die einzige angebotsorientierte Quelle vergleichbarer geografischer und demografischer Daten über Zugang zu und Nutzung der üblichsten Finanzdienstleistungen für Verbraucher vonseiten der Haushalte und Unternehmen in der ganzen Welt.71 Im November 2012 veröffentlichte der IWF schließlich die vorläufigen Ergebnisse des Coordinated Portfolio Investment Survey (CPIS) 201172, der einzigen weltweiten Erhebung zu Beständen an Portfolioinvestitionen. Der CPIS sammelt Informationen zur Bestandsgröße von grenzüberschreitenden Aktien und lang- und kurzfristigen Schuldtiteln, aufgegliedert nach Sitzland des Emittenten.

Einführung von ArabStat

Im April 2013 billigte der Council of Arab Ministers formell die Einführung von ArabStat, einer regionalen Statistikinitiative, die einen wichtigen Schritt darstellt in Richtung auf eine Stärkung statistischer Systeme im Nahen Osten und Nordafrika. Auf Grund der Empfehlung der Middle East Regional Advisory Group des IWF soll ArabStat laufende Bestrebungen zum Ausbau der statistischen Kapazitäten und Systeme stärken und neue, inländische Initiativen zur Verbesserung von Datenkompilation und Datenweitergabe unterstützen. Die Einführung von ArabStat war das Ergebnis einer engen Zusammenarbeit zwischen dem IWF und Behörden der Region mit dem Ziel, die Qualität der Daten zu verbessern und statistische Systeme weiterzuentwickeln.73

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