Chapter

1. Überblick

Author(s):
International Monetary Fund
Published Date:
October 2010
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Als sich das Geschäftsjahr 2010 seinem Ende zuneigte,1 schien es, als ob die Weltwirtschaft aus der schlimmsten Rezession seit über 60 Jahren auftauchen würde. Die Erholung verlief jedoch sehr uneben, wobei einige der Volkswirtschaften kräftiges Wachstum zeigten und andere sich nur zögerlich erholten, und die Abwärtsrisiken nahmen zu, ein Prozess, der bis zum Anfang des GJ 2011 anhielt. Es besteht ein Bedarf an Politikvorgaben, die diesen Risiken entgegentreten und die Voraussetzungen für die Rückkehr zu starkem und nachhaltigem globalem Wachstum schaffen.

Der IWF verblieb während des ganzen Jahres im Zentrum der Anstrengungen der Internationalen Gemeinschaft, die Weltwirtschaft auf einen nachhaltigen Wachstumspfad zurückzuführen. Die Anstrengungen konzentrierten sich auf die Bereitstellung von Politikberatung an unsere Mitglieder, um die Erholung zu unterstützen, das globale Finanzsicherheitsnetz zu stärken und das internationale Finanzsystem zu festigen. Zudem schritt die Arbeit im Zusammenhang mit der Stärkung des Fonds voran, wobei das Hauptaugenmerk der Überprüfung des Geschäftsauftrags der Institution sowie der Modernisierung ihrer Überwachungsarbeit galt, bei gleichzeitiger Sicherstellung der erforderlichen Finanzmittel und einer Reform der Organisations- und Entscheidungsstrukturen (Governance). Auf anderen Gebieten wurde die Umstrukturierung der Einkommens- und Ausgabenseite des Budgets fortgesetzt, zusätzlich zu einer Anpassung der Personalpolitik sowie einer Verstärkung der Transparenz und Ausweitung der Öffentlichkeitsarbeit.

Das Auftauchen Aus Der Grossen Rezession

Die globale Finanzkrise, die 2008 zum Ausbruch kam, zeitigte katastrophale Folgen für die Weltwirtschaft. Der Zugang zu Krediten wurde gedrosselt, der Handel kollabierte, Kapitalflüsse versickerten, Wachstum befand sich auf einer Talfahrt und Arbeitslosigkeit erlebte einen rasanten Anstieg. Während sich das Epizentrum der Krise in einer Reihe von fortgeschrittenen Volkswirtschaften befand (und insbesondere in den Finanzsektoren dieser Länder), breitete sich die Krise rasch in alle Ecken der Welt aus.

Politikentscheidungsträger reagierten auf die Krise, indem sie eine Reihe von mutigen und aggressiven Politikmaßnahmen auf den Währungs-, Fiskal- und Finanzsektoren trafen und in einem Umfeld von beispielloser Kooperation durchführten. Mithilfe dieser gemeinschaftlich unternommenen Politikaktionen gelang es, den negativen Trend der Wirtschaftsspirale zunächst zu bremsen und dann umzukehren. Die Bedingungen auf den Finanzmärkten verbesserten sich, und die ersten Zeichen einer anfänglichen Erholung wurden in der zweiten Jahreshälfte 2009 evident, wobei Anfang 2010 verstärktes Wachstum einsetzte. Die Erholung verlief jedoch uneben und hielt sich in bescheidenem Rahmen, wobei das Wachstum in fortgeschrittenen Ländern eher schwach verblieb und aufstrebende Schwellenmarktländer und einkommensschwache Länder im Allgemeinen eine robustere Erholung erlebten.

Obwohl die Erholung voranschreitet, sind die Zukunftsaussichten von wesentlichen Risiken überschattet. Eines der wichtigsten zukünftigen Ziele besteht in einer Reduzierung der Krisenanfälligkeiten auf staatlicher Ebene, die eine Bedrohung der finanziellen Stabilität darstellen und die Krise weiter ausdehnen könnten, da der Umfang der öffentlichen Verschuldung stark angestiegen ist. Die Rücknahme der monetären Akkommodation, obwohl notwendig und in größeren aufstrebenden Schwellenmarktländern und einigen fortgeschrittenen Volkswirtschaften bereits unterwegs, wird in den größeren fortgeschrittenen Volkswirtschaften eventuell noch warten müssen zugunsten einer Anpassung der Staatsfinanzen und des Entzugs von Notunterstützung für den Finanzsektor. Die anhaltende hohe Arbeitslosigkeit ist nach wie vor eine der wesentlichsten Politikherausforderungen mit sowohl makro-ökonomischen als auch sozialen Folgen und gibt Anlass zur Befürchtung, dass sich zeitweilige Arbeitslosigkeit in strukturelle Arbeitslosigkeit verwandeln könnte. Finanzreform muss ebenfalls einen vorrangigen Platz in der Politikagenda einnehmen; die wesentlichen Elemente einer derartigen Reform sind klar: größere Quantität und bessere Qualität von Kapital, besseres Management des Liquiditätsrisikos und das Rüstzeug, um sich mit systemischen Risiken im Allgemeinen und, im Besonderen, mit Institutionen, die zu wichtig zu sind, um zu scheitern, auseinanderzusetzen, sowie ein praktisches Rahmenwerk zur Erleichterung der Lösung von grenzübergreifenden Konfliktstoffen. Schlussendlich muss die Nachfrage über Ländergrenzen hinaus ausgeglichen werden, um robustes globales Wachstum wiederherzustellen und aufrechtzuerhalten.

Die Rolle Des IWF Bei Der Förderung Einer Dauerhaften Erholung

Im GJ 2010 spielte der IWF eine Schlüsselrolle in der Unterstützung der Umkehr der globalen Wirtschaftsaktivität. Der Fonds befürwortete Politikantworten, welche die Erholung unterstützten und schaffte die Voraussetzungen für nachhaltiges Wachstum, unter anderem durch eine Schlüsselrolle in Treffen der Gruppe der Zwanzig (G20). Zusätzlich stellte der Fonds vermittels großer Programme Unterstützung für Länder bereit, unter anderem durch vorsorgliche Flexible Kreditlinien (Flexible Credit Line – FCL). Darüber hinaus betrieb der Fonds die Einführung von einer Reihe neuer Maßnahmen sowie die Befürwortung von Politikanpassungen auf mehreren Gebieten:

  • Stärkung des globalen Finanzsicherheitsnetzes. Im GJ 2010 vergrößerte der IWF seine Kreditvergaberessourcen und führte eine allgemeine Zuteilung von Sonderziehungsrechten (SZR) ein, um der Weltwirtschaft Liquidität zuzuführen. Der Fonds revidierte und vergrößerte seine Finanzierungsfazi-litäten, um sicherzustellen, dass dieselben nach wie vor den Bedürfnissen der Mitglieder sowohl während als auch nach der Krise entsprächen. Aufgrund der besonders schwerwie-genden Konsequenzen der Krise für viele einkommensschwache Länder vergrößerte der Fonds seine Kreditfazilität zu Vorzugsbedingungen und modifizierte das für die Durchführung derselben erforderliche Rahmenwerk. Das Exekutivdirektorium des Fonds bewilligte während des Geschäftsjahres 14 nichtkonzessionäre Finanzierungsarrangements im Gesamtumfang von 72,2 Mrd. SZR, wobei eine Mehrheit von 52,2 Mrd. SZR an FCL-Vereinbarungen geknüpft war. Zusätzlich stiegen die Kreditzusagen im Rahmen der konzessionären Fazilitäten des Fonds für einkommensschwache Länder wesentlich an, und zwar auf 2,2 Mrd. SZR.
  • Fortführung der Stimulierungsmaßnahmen zur Konjunkturankurbelung, bis sich eine nachhaltige Erholung in der Privatnachfrage zeigt, bei gleichzeitiger Planung, Kommunikation und beginnender Durchführung von glaubwürdigen mittelfristigen Strategien für die Konsolidierung der Staatsfinanzen, je nach den spezifischen Umständen des betreffenden Landes. Der Ratschlag des Fonds ging dahin, dass die Maßnahmen zur Konjunkturankurbelung in vollem Umfang durchgeführt werden sollten, mit Ausnahme von Ländern, die sich mit größeren Anstiegen von Risikoprämien konfrontiert sahen, wo ein höheres Maß an Dringlichkeit bestand und die Konsolidierung begonnen werden musste. Falls sich die makroökonomische Entwicklung wie im World Economic Outlook (Weltwirtschaftsausblick) des IWF vorhergesehen entfaltet, sollten die meisten fortgeschrittenen Volkswirtschaften die Konsolidierung ihrer Staatsfinanzen im Jahr 2011 in Angriff nehmen. Strategien für die Konsolidierung müssten auf eine möglichst „wachstumsfreundliche” Art durchgeführt werden und von Strukturreformen begleitet sein, die dem potenziellen Wachstum förderlich sind. Insoweit sich Inflationserwartungen im Rahmen hielten, könnte die Geldpolitik weiterhin akkommodierend bleiben, während gleich-zeitig die fiskalische Konsolidierung Fortschritte macht. Die Schwellenmärkte würden die geldpolitische Straffungsphase anführen müssen, da sie eine schnellere Erholung als die fortgeschrittenen Wirtschaften erlebten. Mit Blick auf die Zukunft hat sich der Schwerpunkt der Politikratschläge des Fonds von Konjunkturankurbelung auf Konsolidierung der Staatsfinanzen verlagert.
  • Reformen zur Stärkung des globalen Finanzsystems. Während die Einschätzungen des IWF der von den Finanzsystemen im Laufe der Krise erlittenen Verluste im GJ 2010 abnahmen, als es zu einem Neubeginn des Wachstums kam und eine Erholung der Finanzmärkte erfolgte, verblieben die Bilanzen von Finanzinstitutionen in vielen Fällen angespannt. Laut Beurteilung des Politikratschlags des Fonds würden die Reparatur von erstellten Bilanzen sowie die Neustrukturierung von Finanzsektorregulierung und -überwachung von Bedeutung sein für die Risikoreduzierung und die Förderung des für eine dauerhafte Erholung erforderlichen Kreditwachstums.
  • Politikvorgaben für einen Neuausgleich des globalen Wachstums. Der diesbezügliche Politikratschlag des IWF ging darauf aus, dass Länder, die schon vor der Krise mit außerordentlich hohen externen Defiziten konfrontiert waren, Pläne für die Konsolidierung ihrer öffentlichen Finanzen erstellen müssten, um das Vertrauen von Investoren aufrechtzuerhalten, und zwar wiederum auf eine möglichst wachstumsfreundliche Art. Es würde dann den Ländern mit exzessiven Leistungsbilanzüberschüssen obliegen, die globale Nachfrage durch einen Wechsel von exportbedingtem Wachstum auf Binnennachfrage anzukurbeln. Dies würde zur Folge haben, dass die Währungen von Überschussländern zulegen, während die Währungen von Ländern mit exzessiven Defiziten abnehmen. Der IWF riet dazu, dass dieser Neuausgleich von einer Reform des Finanzsektors sowie angemessenen strukturellen Politikmaßnahmen in sowohl Überschuss- als auch Defizitländern begleitet werden sollte.
  • Kapazitätsausbau. Die Krise erhöhte die Wichtigkeit der technischen Hilfe des IWF für den Kapazitätsausbau in Mitgliedsländern sowohl für die Formulierung wie auch die Durchführung von fundierten makroökonomischen Politikmaßnahmen. Der Fonds reagierte äußerst prompt auf den wachsenden Bedarf auf diesem Gebiet durch die Bereitstellung von technischer Hilfe in einer Reihe von Ländern, und zwar besonders im Zusammenhang mit den makroökonomischen Aspekten der Krise.

Arbeiter einer Fabrik in Cikarang, Indonesien, stellen Flüssiggas-Kanister her.

Sitzung des IMFC bei der Jahresversammlung vom Oktober 2009 im Kongresszentrum in Istanbul, Türkei.

Stärkung Des Fonds Für Die Kommenden Herausforderungen

Zu Ende des GJ 2010 war die Erholung nach wie vor von wesentlichen Risiken bedroht, die erwartungsgemäß noch einige Zeit andauern würden. Aus diesem Grund wurde während des Geschäftsjahres erhöhtes Augenmerk auf die Stärkung des IWF gelegt, um die Institution voll für ihre ständig wachsende Rolle in der Weltwirtschaft auszurüsten. Anlässlich der im Oktober 2009 in Istanbul stattgefundenen Jahresversammlung identifizierte der Internationale Währungs- und Finanzausschuss (International Monetary and Financial Committee – IMFC) die folgenden zukünftigen Schlüsselprioritäten der Institution:

  • Eine Neueinschätzung des Geschäftsauftrags der Institution, um die volle Spanne an makroökonomischen und Finanzsektor-Politikmaßnahmen, die für die globale Stabilität unerlässlich sind, zu umfassen
  • Eine andauernde Stärkung der Finanzierungskapazität der Institution, um ihren Mitgliedern zu helfen, mit Zahlungsbilanzproblemen einschließlich finanzieller Volatilität zurande zu kommen, und um eine Reduzierung des wahrgenommenen Dranges nach exzessiver Akkumulation von Reserven herbeizuführen
  • Eine Verschärfung der multilateralen Überwachung und eine bessere Integration derselben in die bilaterale Überwachung, sowie die weitere Verstärkung von länderübergreifender, regionaler und multilateraler Überwachung
  • Eine Reform der Governance-Strukturen des Fonds, um seine Legitimität und Effizienz zu erhöhen.

Überprüfung des Geschäftsauftrags des IWF

Während der im Oktober 2009 stattgefundenen Jahresversammlung rief der IMFC den IWF auf „seinen Geschäftsauftrag daraufhin zu überprüfen, dass er das volle Spektrum von makroökonomischen und Finanzsektor-Politikmaßnahmen umfasst, die die globale Stabilität beeinflussen”, und verlangte nach einem diesbezüglichen Bericht bis zur Jahresversammlung 2010. Während der letzten Monate des GJ 2010 standen die Themen Überwachung, Finanzierung und Stabilität des internationalen Währungssystems – breite Schwerpunktgebiete in der Arbeit des Fonds, die sich auf dessen Geschäftsauftrag beziehen – im Mittelpunkt von Stabsdokumenten und Diskussionen des Exekutivdirektoriums. Dieser Trend setzte sich bis ins laufende Geschäftsjahr fort.

Finanzierung für das einundzwanzigste Jahrhundert

Finanzressourcen des IWF

Die Sicherstellung von adäquaten Finanzressourcen für den IWF, um potenziellen Bedürfnissen gerecht zu werden, stand im GJ 2010 im Mittelpunkt der Anstrengungen des Exekutivdirektoriums. In Übereinstimmung mit den von den Führern der G20 im April 2009 identifizierten und in der Folge vom IMFC gebilligten Zielsetzungen ergriff der IWF prompte und tatkräftige Schritte, um seine vorhandenen Finanzmittel einzuschätzen und deren anhaltende Adäquatheit für die Bedürfnisse der Mitglieder der Institution sicherzustellen. Im ersten Halbjahr 2009 begannen Diskussionen mit einer Reihe von Mitgliedsländern in Hinblick auf potenzielle bilaterale Darlehensarrangements,2 und 15 weitere Abkommen wurden unterzeichnet und traten im GJ 2010 in Kraft. Im Rahmen eines Regelwerks für die Ausgabe von Schuldtiteln an Mitgliedsländer und Zentralbanken, das im Laufe des Jahres vom Exekutivdirektorium approbiert wurde, wurden drei bilaterale Abkommen zum Ankauf von IWF-Schuldtiteln ebenfalls unterzeichnet und traten in Kraft. Die erste Anwendung der Kreditressourcen, die im Rahmen der verschiedenen Abkommen zur Verfügung gestellt wurden, fand im Juli 2009 statt.

Gleichzeit mit der Bereitstellung von bilateralen Kreditabkommen als einer schnell zugänglichen Quelle von zusätzlichen Finanzmitteln, um den durch die Krise generierten Finanzierungsbedürfnissen gerecht zu werden, unternahm der IWF Schritte, um seine Kreditressourcen auf permanenterer Basis zu erhöhen. Im November 2009 erzielten bereits existierende und potenzielle neue Teilnehmer an den Neuen Kreditvereinbarungen (NKV)3 des IWF ein Abkommen über eine erweiterte und flexiblere NKV. In der Folge traf das Exekutivdirektorium die Entscheidung, die NKV auf 367,5 Mrd. SZR (ungefähr 550 Mrd. US$ zum Wechselkurs am Ende des GJ 2010) zu expandieren und 13 neue Teilnehmer hinzuzufügen, einschließlich einer Reihe von aufstrebenden Schwellenmarktländern. Während einer nachfolgenden Diskussion über die Zulänglichkeit und Zusammensetzung der Kreditressourcen des IWF unterstrichen die Exekutivdirektoren die Tatsache, dass der Fonds eine auf Quoten basierende Institution ist und bleiben soll, trotz des starken Ansteigens der im Rahmen der „neuen” NKV verfügbaren Mittel, und die meisten sahen ein starkes Argument zugunsten einer wesentlichen Erhöhung der Quoten des Fonds, um adäquate Quotenmittel sicherzustellen und den Bedürfnissen der Mitglieder unter den meisten Umständen gerecht zu werden.

Finanzierung für Mitgliedsländer

Im Parallelzug zu seinen Bemühungen, die Zulänglichkeit seiner Finanzressourcen sicherzustellen, unternahm der IWF umfassende Anstrengungen, sein Kreditrüstzeug weiterzuent-wickeln, um den Bedürfnissen seiner Mitgliedsländer während der Krise und auch in der Folgezeit gerecht zu werden. Zum Ende des GJ 2009 hatte das Exekutivdirektorium eine umfassende Neustrukturierung des Rahmenwerks des Fonds für nicht konzessionäre Kreditvergabe bewilligt; im GJ 2010 erwog das Direktorium vorläufige Ideen für weitere Modifizierungen, einschließlich (1) der Verbesserung der FCL durch eine Verlängerung ihrer Laufzeit, eine erhöhte Vorhersagbarkeit der Qualifikation und die Entfernung der informellen Obergrenze für Zugangsbeträge, (2) der Errichtung einer Vorsorglichen Kreditlinie für Länder, die nicht die FCL-Qualifikationsanforderungen erfüllen, jedoch fundierte Politikvorgaben aufweisen und (3) der Entwicklung eines Mechanismus mittels dessen der IWF Liquiditätslinien an Länder mit potenziellen systemischen Auswirkungen offerieren könnte. Zusätzliche Bemühungen sind geplant, um die Verbindungen zu regionalen Finanzierungsarrangements zu stärken.

In Weiterführung der im GJ 2009 begonnenen Anstrengungen zur Reform der nicht-konzessionären Kreditvergabe billigte das Exekutivdirektorium im GJ 2010 Reformen bezüglich Struktur, Konditionalität und Finanzbedingungen der konzessionären Kreditvergabe des IWF für einkommensschwache Länder. Ein neuer Treuhandfonds für Armutslinderung und Wachstum (Poverty Reduction and Growth Trust–PRGT) wurde errichtet, um den existierenden Treuhandfonds zur Armutsbekämpfungs- und Wachstumsfazilität/Fazilität für exogene Schocks (Poverty Reduction and Growth Facility—Exogenous Shocks Facility – PRGF-ESF) mit Wirksamkeit vom Januar 2010 zu ersetzen und gleichzeitig zu erweitern. Zusammen mit dieser Gruppe von neuen Kreditinstrumenten hat der IWF seine Finanzassistenz für einkommensschwache Länder mehr als verdoppelt. Es wird erwartet, dass seine konzessionäre Kreditvergabekapazität bis Ende 2014 auf 17 Mrd. US$ ansteigen wird einschließlich bis zu 8 Mrd. US$ in den ersten zwei Jahren.

Modernisierung der IWF-Überwachung

Die globale Krise unterstrich die Notwendigkeit einer Modernisierung der IWF-Überwachung, um sicherzustellen, dass die Auswirkungen von wirtschaftlichen Entwicklungen und Politikvorgaben von einem Land auf andere Länder sowie die zentrale Einwirkung des Finanzsektors auf wirtschaftliche Resultate hinlänglich in den Überwachungsseinschätzungen erfasst werden. In diesem Zusammenhang erwog das Exekutivdirektorium eine Reihe von Vorschlägen. Dazu gehören:

  • Stärkerer Nachdruck auf die nach außen gerichteten Auswirkungen von Ländern, deren Politikvorgaben bzw. Umstände die allgemeine Stabilität des globalen Systems beeinflussen, wodurch eine Überbrückung zwischen multilateralen und bilateralen Perspektiven gefördert würde
  • Die Initiierung neuer multilateraler Beratungen, die für Zusammenarbeit und gemeinsames Vorgehen bei Spezialthemen erforderlich sind, wo es keine Überschneidung mit existierenden Mechanismen gibt (z.B. im Verfahren der gegenseitigen Bewertung innerhalb der G20) und ein verstärktes Engagement mit bereits existierenden Ländergruppen sowie
  • Stärkung der Finanzsektorüberwachung durch die Darstellung der die Grenzen und Sektoren übersteigenden Querverbindungen sowie der Transmissionskanäle makrofinanzieller Instabilität, das Füllen von Lücken in Finanzsektordaten sowie die Zusammenarbeit mit Schlüsseleinheiten, die an finanzieller Stabilität arbeiten.

Während des Jahres überprüfte das Exekutivdirektorium außerdem das Programm zur Bewertung des Finanzsektors (FSAP) und stärkte etliche seiner Aspekte. Man war sich darüber einig, dass die Erweiterung der Länderdeckung sowie die Stärkung von sowohl Fokus als auch Häufigkeit der Einschätzungen die Nützlichkeit des Programms verstärken würde.

Ein Fischer auf der Halbinsel von Kap Maclear in Malawi trocknet Fische.

Sitzung des IMFC bei der Frühjahrstagung im April 2010 am Hauptsitz des IWF in Washington, D.C.

Als Teil seiner breiteren laufenden Bemühungen, die Koordination mit anderen internationalen Organisationen zu verstärken, was vom Geschäftsführenden Direktor als Priorität identifiziert worden war, unternahm der IWF im GJ 2010 verstärkte Anstrengungen, mit anderen internationalen Körperschaften auf dem Gebiet der Überwachungsaktivitäten zusammenzuarbeiten. Der IWF wurde im September 2009 eingeladen, eine führende Rolle im Zusammenhang mit dem Verfahren der gegenseitigen Bewertung der G20 zu übernehmen, bei dem sich herausgestellt hat, dass eine koordinierte Wirtschaftspolitik das Potenzial besitzt, globales Wachstum auf nachhaltige und ausgewogene Art und Weise zu fördern. Der IWF wurde beauftragt, eine Analyse vorzunehmen, um herauszufinden, wie die jeweiligen nationalen und regionalen Politikrahmenwerke der G20 zusammenpassen, und die von den einzelnen G20-Ländern befolgten Politikrichtlinien dahingehend zu untersuchen, ob sie in ihrer Gesamtheit mit nachhaltigen und ausgewogenen Pfaden für die Weltwirtschaft übereinstimmen. Zusammen mit dem Rat für Finanzstabilität (Financial Stability Board – FSB) entwickelte der IWF außerdem eine halbjährliche Frühwarnübung, um die Kapazitäten für die Einschätzung von Risiken zu verstärken, welche der Weltwirtschaft aus Ereignissen erwachsen könnten, die, falls sie – trotz geringer Wahrscheinlichkeit – eintreffen sollten, schwerwiegende Auswirkungen haben könnten, und Optionen für die Abschwächung solcher Risiken zu identifizieren.

Die Krise unterstrich die Tatsache, dass Unzulänglichkeiten in der Sammlung von Daten die Identifizierung und Bewertung von Schwachstellen erschwerten, wodurch das Bewusstsein der Wichtigkeit von sowohl soliden Daten als auch starker Datenanalyse im Zusammenhang mit Überwachung und Politik erhöht wurde. Der IWF und der FSB unternahmen im GJ 2010 gemeinschaftlich umfassende Beratungen mit offiziellen Nutzern von Wirtschafts- und Finanzdaten in G20-Ländern und an anderen internationalen Institutionen und machten dann Empfehlungen zu wesentlichen Informationsunzulänglichkeiten, die durch die Krise ans Tageslicht gekommen waren. Durch die Lancierung einer Website, welche öffentlichen Zugang zu Indikatoren der finanziellen Gesundheit für ausgewählte Mitgliedsländer gewährt, unternahm der IWF einen wichtigen Schritt auf dem Weg zur internationalen Berichterstattung über diese Indikatoren, eine der Empfehlungen der IWF-FSB-Studie.

Reform der Governance-Strukturen des IWF

Am Ende des GJ 2010 fehlten der jüngsten Quotenreform des IWF, die vom Gouverneursrat im April 2008 bewilligt worden war, nach wie vor die für die Ratifizierung erforderlichen Stimmen. Die besagte Reform bezweckt unter anderem die Förderung des Ziels, den Stimmenanteil dynamischer aufstrebender Schwellenmarktländer zu erhöhen und einkommensschwachen Ländern größeres Gehör zu verschaffen. In seinem Kommuniqué vom April 2010 forderte der IMFC seine Mitglieder zu einer prompten Zustimmung zu dieser Reform auf. Die Arbeit an einer zusätzlichen Quotenreform begann im GJ 2010 im Kontext der Vierzehnten Allgemeinen Quotenüberprüfung, welche plangemäß noch vor Januar 2011 beendet werden soll. In seinem Kommuniqué vom Oktober 2009 drückte der IMFC seine Unterstützung aus für eine Umlegung des Quotenanteils auf dynamische Schwellenmärkte und Entwicklungsländer von mindestens 5 Prozent von überrepräsentierten auf unterrepräsentierte Länder, unter Anwendung der gegenwärtigen Formel als Arbeitsgrundlage, und verpflichtete sich, den Stimmenanteil der ärmsten Mitglieder des Fonds zu beschützen.

Infolge des Verlangens des IMFC nach einem Bericht über die Governance-Strukturen des Fonds, trat das Exekutivdirektorium im Juli 2009 zusammen zu einer anfänglichen Diskussion der Hauptthemen und Reformoptionen, die sich aus mehreren Berichten und Konsultationen mit Mitgliedern der Zivilgesellschaft ergeben hatten. Das Exekutivdirektorium präsentierte seinen „Report to the IMFC on Reform of Fund Governance” vor der Jahresversammlung vom Oktober 2009, worin der IMFC die Wichtigkeit einer Reform der Governance-Strukturen in Hinblick auf die Legitimität und Wirkungsfähigkeit des Fonds hervorhob. In der Folge diskutierte das Exekutivdirektorium Überlegungen über die Größe des Fonds (im Zusammenhang mit der Vierzehnten Allgemeinen Quotenüberprüfung), Reformen des IMFC-Prozesses, das Argument für den Umstieg auf ein ausschließlich durch Wahlen bestimmtes Exekutivdirektorium sowie den Selektionsprozess für das Management.

Finanzen, Organisation Und Verantwortlichkeit

Im Verlauf des GJ 2010 setzte der IWF die Durchführung eines Programms von internen Reformen fort, die vom Exekutivdirektorium im Jahr 2008 bewilligt worden waren, um sowohl Einkommen als auch Ausgaben des IWF umzustrukturieren. Auf der Einkommensseite bestand eine Schlüsselkomponente der Reformen im Verkauf einer beschränkten Quantität an IWF-Gold. Dadurch wurde beabsichtigt, es dem IWF zu ermöglichen, auf ein neues Einkommensmodell umzusteigen und seine Finanzmittel für Kredite zu Vorzugsbedingungen zu ergänzen. Nach erfolgter Bewilligung durch das Exekutivdirektorium im September 2009 wurden während der Periode Oktober/November 2009 Goldverkäufe an drei Zentralbanken getätigt, und die Verkäufe auf dem Markt begannen im Februar 2010. Auf der Ausgabenseite wurden wesentliche Fortschritte im Zusammenhang mit der permanenten Reduktion von Ausgaben und Stabspositionen erzielt.

Auf dem Personalgebiet führte eine im Jahr 2008 durchgeführte Umstrukturierung zu einer Reihe freiwilliger Kündigungen, welche die bestehenden Erwartungen übertraf. Dies erfolgte gerade zu dem Zeitpunkt, da die Arbeit im Zusammenhang mit der Krise die Notwendigkeit für zusätzliche temporäre Arbeitskräfte generierte. Auf eine anfängliche Phase interner Umgruppierungen folgte eine intensive externe Rekrutierungsinitiative, die bis in das GJ 2010 andauerte. Die Rekrutierungsbemühungen, die sich auf unterrepräsentierte Regionen konzentrierten im Zuge der andauernden Bestrebungen, die Diversität des Fonds zu stärken, ergab ermutigende, jedoch etwas gemischte Resultate, und die Institution lancierte eine so genannte „Diversity Scorecard” (Diversitätsbericht) als eine transparente Art, um erzielte Fortschritte im Zusammenhang mit der Erreichung der Diversitätsziele festzuhalten. Reformen, welche die Aufrechterhaltung einer positiven Leistungskultur fördern und Mechanismen zur Belohnung von Mitarbeitern für hohe Leistungen sowie die Möglichkeiten für Karrierefortschritte beinhalteten, wurden ebenfalls eingeführt.

Wichtige Reformen der Transparenzpolitik des IWF, die im GJ 2010 unternommen wurden, setzen eine zehnjährige Progression in Richtung auf größere Offenheit bei den Aktivitäten des Fonds fort. Neben einer Reihe von durchgeführten Änderungen unterstützte das Exekutivdirektorium eine Umstellung auf die Publikation von Länderdokumenten und zugehörigen Politikintentionsdokumenten auf der Basis eines Nichteinwand-Verfahrens und verkürzte die Warteperiode für die Bereitstellung von archivierten Dokumenten an die Öffentlichkeit.

Die Bemühungen des IWF im Zusammenhang mit seiner Öffentlichkeitsarbeit wurden, wie auch viele andere Aspekte seiner Arbeit, als Teil der Reaktion auf die globale Krise expandiert und intensiviert. Exekutivdirektoren und Mitglieder des Managementteams statteten Mitgliedsländern, darunter sehr viele einkommensschwache Länder, häufigere Besuche ab. Bei der Jahresversammlung in Istanbul 2009 gab es im Rahmen der auf weltweite Politikentscheidungsträger ausgerichteten Öffentlichkeitsarbeit ein Politikforum für die Zivilgesellschaft, welches Stabsmitglieder von Weltbank und Fonds, Repräsentanten der Zivilgesellschaft, Regierungsvertreter und andere in einer Reihe von Politikdialogen zusammenführte.

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