Chapter

Kapitel 1: Überblick

Author(s):
International Monetary Fund
Published Date:
October 2009
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Für die Weltwirtschaft war der Zeitraum 2008-09 eine Periode äußerster Instabilität. Damit einher gingen der seit Jahrzehnten stärkste weltweite Abschwung der Wirtschaft und Zusammenbruch des Handels. Kein Land blieb von diesem wirtschaftlichen Unwetter verschont. Der Internationale Währungsfonds hatte an führender Stelle die Aufgabe, den Mitgliedern zu helfen, die Herausforderungen zu bewältigen, die sich unmittelbar aus der Krise ergaben, und damit zu beginnen ein neues, gestärktes globales Finanzsystem aufzubauen. Um diesen Herausforderungen zu begegnen, konzentrierte der Fonds seine Tätigkeit auf (1) die Politikberatung und Bereitstellung zeitnaher, den Bedürfnissen der Mitglieder angepasster finanzieller Unterstützung, (2) die Analyse der Krise mit dem Ziel, das Finanzsystem gegen eine spätere Wiederholung von Krisen zu stärken, sowie (3) die Zusammenstellung der Bausteine für eine neue internationale Finanzarchitektur. Gleichzeitig brachte die Krise einige Elemente im Arbeitsprogramm des IWF zügiger voran und schichtete Ressourcen auf die folgenden Bereiche um: Förderung der Überwachungsprioritäten, Reform des Regelwerks für die Kreditvergabe des IWF, Unterstützung einkommensschwacher Länder, Intensivierung der Fondstätigkeit im Bereich des Kapazitätsaufbaus, Reform der Verwaltungsführung im IWF sowie Aufstockung der Fondsmittel. Die Modernisierungsbestrebungen des IWF, die im Geschäftsjahr 2008 mit der Umstrukturierung des Fonds ihren Anfang nahmen und im GJ 20091 fortgesetzt wurden, sowie weitere institutionelle Arbeiten konzentrierten sich auf die Stärkung der internen Rechenschaftspflicht und Transparenz, auf die Überarbeitung der personellen Funktionen innerhalb der Institution, den Schutz der Finanzen und weitere Tätigkeiten des IWF sowie auf die Schaffung einer stärkeren Finanzgrundlage für die Institution.

Von Turbulenzen auf den Finanzmärkten zur Weltweiten Rezession

Die Saat der weltweiten Krise wurde in den Jahren hohen Wachstums und niedriger Zinsen gesät, welche Optimismus und Risikobereitschaft im Übermaß gedeihen ließen und Versagen in vielen Bereichen herbeiführten: in Marktdisziplin, Finanzregulierung, makroökonomischer Politik und globaler Aufsicht. Während dieses Zeitraums expandierte das globale Finanzsystem massiv und schuf neue Instrumente, die scheinbar höhere Profite mit niedrigeren Risiken boten. Dies wurde gestützt vom allgemeinen Glauben an eine Regulierung mit „leichter Hand“, der auf den Annahmen basierte, dass die Finanzmarktdisziplin leichtsinniges Verhalten unterbinden und Finanzinnovationen das Risiko streuen und nicht konzentrieren würden.

Diese beiden Annahmen erwiesen sich als falsch oder zumindest als unangebracht. Das Ergebnis waren eine unhaltbare Anhäufung außenwirtschaftlicher Ungleichgewichte, riesige Preisblasen für Vermögenswerte in fortgeschrittenen wie aufstrebenden Marktwirtschaften, vor allem aufdem Wohnungsmarkt, des Weiteren ein drastischer Anstieg der Rohstoffpreise und eine gewaltige Zunahme der Fremdverschuldungen und Risiken in maßgeblichen Finanzsystemen innerhalb und außerhalb des formellen Bankensystems.

Die Krise verstehen

Die Ursachen für diese Finanzkrise zu verstehen ist entscheidend für die Wiederherstellung der Stabilität und, wenn eine weitere Krise dieser Größenordnung vermieden werden soll, für den Aufbau eines soliden globalen Finanzsystems. Die Obduktion wird vermutlich noch viele Jahre andauern, aber die anfängliche Analyse des IWF deutete bereits auf das Versagen in der globalen Architektur hin, die es im Vorfeld der Krise nicht vermochte, angemessene Warnhinweise abzugeben; dies gilt besonders für die Überwachung von systemisch wichtigen, fortgeschrittenen Wirtschaftsnationen sowie für das regulatorische Versagen auf mehreren Ebenen:

  • übermäßige Fremdverschuldung und Risikobereitschaft, angetrieben von einer langen Periode mit niedrigen Realzinsen und hohem Wachstum

  • unzureichende Regulierung der internen und internationalen Finanzmärkte

  • fragmentierte Regulierungsstrukturen

  • unangemessene Offenlegung von Risiken sowie

  • Schwächen in Krisenmanagement und Regelwerken für die Auflösung von Banken.

Im Allgemeinen waren die Finanzaufsichtsbehörden nicht dafür gerüstet, die Konzentration von Risiken und die fehlgeleiteten Anreize hinter dem Boom der Finanzinnovationen zu erkennen. Weder Marktdisziplin noch Aufsicht konnten die Risiken eindämmen, die sich aus der raschen Innovation und erhöhten Fremdverschuldung ergaben, die über Jahre hinweg angewachsen waren.

In der makroökonomischen Politik wurden die zunehmenden makroökonomischen Ungleichgewichte, die zum Anschwellen systemischer Risiken im Finanzsystem und auf den Wohnungsmärkten beigetragen hatten, nicht ausreichend berücksichtigt. Es wurde keine effektive politische Zusammenarbeit auf internationaler Ebene erreicht, wodurch die immanenten Risiken, wenn zunehmende Anfälligkeiten und grenzüberschreitende Verknüpfungen nicht erkannt werden können, noch verstärkt wurden. Zentralbanken konzentrierten sich hauptsächlich auf die Inflation und nicht auf die Risiken, die mit hohen Preisen für Vermögenswerte und hoher Fremdverschuldung einhergehen. Und die Finanzaufsichten richteten ihr Augenmerk auf den formellen Bankensektor statt auf die Risiken, die im Schatten des Finanzsystems anwuchsen.

Infolgedessen breitete sich die Finanzkrise im GJ 2009 weiter und schneller aus als erwartet und führte zu einem bisher unerreichten Rückgang in Produktion und Handel weltweit. Die Auswirkungen der Kreditkrise und der Preissturz bei den Vermögenswerten wurden in kürzester Zeit über die Bankensysteme an alle Sektoren und Länder in der Weltwirtschaft weitergeleitet und durch den Zusammenbruch des Vertrauens aufseiten der Verbraucher und Unternehmen noch verstärkt.

Prioritäten der makroökonomischen Politik in Reaktion auf die Krise

Während des gesamten Geschäftsjahres 2009 lenkte der IWF seine Mittel darauf, die unmittelbaren Bedürfnisse seiner Mitglieder im Hinblick auf Finanzierung und Politikberatung zu erfüllen. Viele Länder befanden sich auf Grund des rapiden Anstiegs der Nahrungsmittel- und Kraftstoffpreise 2007-08 in einer schwierigen Finanz- oder Wirtschaftslage; davon waren zu Anfang des Geschäftsjahres viele Länder mit mittlerem und niedrigem Einkommen betroffen, einige auf Grund der sich ausbreitenden finanziellen Instabilität auch später. Als die Finanzkrise die Realwirtschaft (Handel, Produktion und Beschäftigung) erreichte und sich rund um den Erdball ausbreitete, setzte sich der IWF für die folgenden dringenden Prioritäten in der nationalen wie internationalen Politik ein:

  • Wiederherstellung der Bilanzen auf dem Finanzsektor—durchschlagende Maßnahmen zur Rekapitalisierung der Banken und Bereinigung ihrer Bilanzen – ist notwendig, damit die Kreditmärkte wieder funktionieren und wieder Bewegung in die Weltwirtschaft kommt. Bis dies eintritt, sind Versuche zur Wiederherstellung der Nachfrage vermutlich zum Scheitern verurteilt.

  • Erkennung der Bedeutung der Unterstützung in der Geldpolitik, im Einklang mit den jeweiligen binnenländischen Gegebenheiten.

  • Bereitstellung eines globalen fiskalischen Wiederbelebungspakets 2009 und 2010. Der IWF forderte die Industrie- und Entwicklungsländer mit fiskalischem Spielraum dazu auf, diesen Spielraum zur Ankurbelung der Nachfrage auszunützen. Die Krise zeigte, wie wichtig fiskalischer Spielraum ist, denn damit lässt sich sicherstellen, dass während eines wirtschaftlichen Abschwungs eine gegenzyklische Fiskalpolitik möglich ist. Großenteils haben die Länder 2009 die erforderliche fiskalische Stimulierung durchgeführt, doch die Unterstützung muss 2010 fortgesetzt werden.

  • Wesentliche Erhöhung der offiziellen internationalen Finanzierung, vor allem zum Abbau des Drucks auf die Schwellen- und einkommensschwachen Länder. Im April 2009 kamen die Staats- und Regierungschefs der Gruppe der Zwanzig (G20) überein, die reguläre Kreditvergabekapazität des IWF auf 750 Mrd. US$ zu verdreifachen – dabei gleichzeitig die konzessionären Mittel für einkommensschwache Länder mindestens zu verdoppeln – und die globale Liquidität durch eine allgemeine Zuteilung von Sonderziehungsrechten (SZR) um 250 Mrd. US$ auszuweiten; 2 diese Maßnahmen wurden auch vom Politikberatungsorgan des Fonds, dem Internationalen Währungs- und Finanzausschuss (International Monetary and Financial Committee – IMFC), befürwortet. Diese Zusicherung trug zu einer Stärkung der Zuversicht bei, muss aber durch die Umsetzung von Maßnahmen auf nationaler Ebene ergänzt werden.

Länderspezifische Unterstützung

In den ersten Monaten des Geschäftsjahres 2009 stellte der drastische Anstieg der Nahrungsmittel- und Kraftstoffpreise einige Länder mit niedrigem und mittlerem Einkommen vor gewaltige Aufgaben. Der IWF ergriff Maßnahmen, um diesem Druck zu begegnen, und erhöhte die Finanzierung im Rahmen der Armutsbekämpfungs- und Wachstumsfazilität (Poverty Reduction and Growth Facility – PRGF) für eine Reihe einkommensschwacher Länder, erleichterte den Zugang zur Fazilität für exogene Schocks (Exogenous Shocks Facility – ESF), nahm die Anpassung einiger Programme vor, um weitere Haushaltsausgaben zu ermöglichen, und berief ein öffentliches Seminar ein, bei dem die Auswirkungen der gestiegenen Rohstoffpreise auf einkommensschwache und aufstrebende Marktwirtschaften untersucht wurden. Im weiteren Verlauf von 2008 prüfte das Exekutivdirektorium transnationale Übertragungs- und andere Auswirkungen von Haushaltssubventionen, die im Zusammenhang mit dem Anstieg der Rohstoffpreise eingerichtet worden waren.

Als die Finanzkrise globale Dimensionen anzunehmen begann, erhöhte der IWF zur Jahresmitte seine Unterstützung der Mitglieder, indem er raschere Finanzhilfe gewährte, unter anderem durch Einsatz seines Finanzierungsmechanismus für Notfälle (siehe Kasten 3.1). Das Exekutivdirektorium billigte im Rahmen seiner traditionellen nicht-konzessionären Kreditfazilitäten und der neu geschaffenen Flexiblen Kreditlinie (Flexible Credit Line – FCL) im Lauf des Jahres für 15 Länder die Verwendung von Fondsmitteln in Höhe von 65,8 Mrd. SZR (siehe Tabelle 3.2). Das Direktorium genehmigte auch weiterhin neue Vereinbarungen nach der PRGF und ESF (siehe Tabelle 3.3). Mit Stand vom 30. April 2009 wurden die Wirtschaftsprogramme von 28 Mitgliedsländern durch Fondsvereinbarungen im Rahmen dieser Fazilitäten unterstützt, wobei die Zusagen sich auf insgesamt 1,8 Mrd. SZR beliefen. Im Vergleich dazu waren es Ende des Geschäftsjahres 2008 25 Mitgliedsländer und 1,1 Mrd. SZR.

Kasten 3.1Der Finanzierungsmechanismus des IWF für Notfälle

Der 1995 eingerichtete Finanzierungsmechanismus des IWF für Notfälle ermöglicht eine rasche Bewilligung von IWF-Krediten an die Mitgliedsländer. Über den Notfallmechanismus kann das Exekutivdirektorium des IWF rascher reagieren als bei einem normalen Kreditvergabeprogramm des IWF. Diese Notfallmaßnahmen im Rahmen des Mechanismus dürfen nur unter den seltenen Umständen genutzt werden, die eine Krise in den Zahlungsbilanzen eines Mitglieds darstellen oder heraufbeschwören könnten und deshalb unverzügliches Einschreiten vonseiten des Fonds erfordern. Zu den Konditionen für die Aktivierung von Notfallmaßnahmen gehört die Bereitschaft des Mitglieds, sofort beschleunigte Verhandlungen mit dem Fonds aufzunehmen mit der Aussicht auf eine frühe Vereinbarung – und Implementierung – von Maßnahmen, die stark genug sind, um das Problem anzugehen.

Vor der weltweiten Krise wurde dieser Mechanismus nur fünf Mal in Anspruch genommen: 1997 während der Asienkrise für die Philippinen, Thailand, Indonesien und Korea und 2001 für die Türkei. Im GJ 2009 erhielten wegen der Plötzlichkeit und Intensität des globalen Abschwungs sieben weitere Länder (Armenien, Georgien, Island, Lettland, Pakistan, Ukraine und Ungarn) über den Mechanismus beschleunigte Finanzhilfe vom Fonds.

Gemäß den Notfallverfahren informiert die Geschäftsführung des IWF das Exekutivdirektorium über die Absicht, das Notfallverfahren zu aktivieren, und begründet dies. Es wird so schnell wie möglich ein kurzer schriftlicher Bericht in Umlauf gebracht, der die Wirtschaftslage des Mitglieds beschreibt. Sobald mit den Behörden Einvernehmen über ein Programm erzielt worden ist, kommt der Stabsbericht des IWF in Umlauf, und das Direktorium entscheidet über den Programmantrag innerhalb von 72 Stunden. Die vorige Zusammenarbeit des Mitglieds mit dem IWF hat großen Einfluss auf die Geschwindigkeit, mit der der Fonds die Situation beurteilen und eine Vereinbarung über die notwendigen Korrekturmaßnahmen erzielen kann.

Tabelle 3.1Finanzfazilitäten des IWF
RÜCKKAUF-(RÜCKZAHLUNGS-)BEDINGUNGEN
KREDITFAZILITÄT (JAHR DER VERABSCHIEDUNG)ZIELBEDINGUNGENABRUFSTAFFELUNG UND ÜBERWACHUNG1ZUGANGSGRENZEN1GEBÜHREN2LAUFZEITEN (JAHRE)RATENZAHLUNG
KREDITTRANCHEN UND ERWEITERTE FONDSFAZILITÄT3
BEREITSCHAFTSKREDIT-VEREINBARUNGEN (1952)Mittelfristige Hilfe für Länder mit kurzfristigen Zahlungsbilanzproblemen.Die Annahme von Politiken, die erwarten lassen, dass die Zahlungsbilanzprobleme des Mitglieds innerhalb eines annehmbaren Zeitraums gelöst werden können.Vierteljährliche Käufe (Auszahlungen), abhängig von der Einhaltung von Leistungskriterien und sonstigen Auflagen.Jährlich: 200 % der Quote; kumulativ: 600 % der Quote.Gebührensatz plus Aufschlag (200 Basispunkte bei Beträgen über 300 % der Quote; 300 Basispunkte bei Beträgen über 300 % der Quote bei mehr als 3 Jahren).43¼-5Vierteljährlich
FLEXIBLE KREDITLINIE (2009)Flexibles Instrument in den Kredittranchen, das den gesamten potenziellen oder tatsächlichen Zahlungsbilanzbedarf aufgreift.Sehr stark, ex ante, in Bezug auf makroökonomische Eckdaten, wirtschaftspolitisches Regelwerk und politischen Leistungsnachweis.Von vornherein gebilligter Zugang während des gesamten Vereinbarungszeitraums, vorbehaltlich der HalbzeitÜberprüfung für einjährige Vereinbarungen.Keine im Voraus festgelegte Grenze.Gebührensatz plus Aufschlag (200 Basispunkte bei Beträgen über 300 % der Quote; 300 Basispunkte bei Beträgen über 300 % der Quote bei mehr als 3 Jahren).43¼-5Vierteljährlich
ERWEITERTE FONDSFAZILITÄT (1974) (ERWEITERTE KREDITVEREINBARUNGEN)Längerfristige Hilfe für die Unterstützung der Strukturreformen der Mitglieder zur Lösung von langfristigen Zahlungsbilanzschwierigkeiten.Verabschiedung eines Dreijahresprogramms über strukturelle Maßnahmen mit jährlicher ausführlicher Erklärung zu den Politikmaßnahmen für die kommenden 12 Monate.Vierteljährliche oder halbjährliche Käufe (Auszahlungen), abhängig von der Einhaltung von Leistungskriterien und sonstigen Auflagen.Jährlich: 200 % der Quote; kumulativ: 600 % der Quote.Gebührensatz plus Aufschlag (200 Basispunkte bei Beträgen über 300 % der Quote; 300 Basispunkte bei Beträgen über 300 % der Quote bei mehr als 3 Jahren).44½-10Halbjährlich
SONDERFAZILITÄTEN
NOTFALLHILFEHilfe bei Zahlungsbilanzschwierigkeiten im Zusammenhang mit:Keine. Die Hilfe in der Konfliktfolgezeit kann jedoch in zwei oder mehr Käufe aufgeteilt werden.Normalerweise auf 25 % der Quote beschränkt. In Ausnahmefällen können auch Beträge bis zu 50 % bereitgestellt werden.Gebührensatz. Der Gebührensatz kann jedoch auf 0,5 % pro Jahr subventioniert werden, wenn die Mittel dafür vorhanden sind.3¼-5Vierteljährlich
1. Naturkatastrophen (1962)NaturkatastrophenAngemessene Anstrengungen zur Überwindung der Zahlungsbilanzschwierigkeiten.
2. Konfliktfolgezeit (1995)Die Folgezeit nach inneren Unruhen, politischen Umwälzungen oder internationalen bewaffneten Konflikten.Ausrichtung auf Aufbau der institutionellen und administrativen Kapazitäten in Vorbereitung auf eine Vereinbarung in der oberen Kredittranche oder eine PRGF.
FAZILITÄTEN FÜR EINKOMMENSSCHWACHE MITGLIEDER
ARMUTSBEKÄMPFUNGS- UND WACHSTUMSFAZILITÄT (1999)Längerfristige Unterstützung für tief liegende Zahlungsbilanzschwierigkeiten struktureller Art; zielt auf nachhaltiges Wachstum zur Armutsbekämpfung ab.Annahme eines dreijährigen PRGF-Programms, gestützt auf eine Armutsbekämpfungsstrategie, die von dem Land erstellt wird und makroökonomische strukturelle sowie armutsbekämpfende Maßnahmen erfasst.Halbjährliche (gelegentlich vierteljährliche) Auszahlungen, abhängig von der Einhaltung von Leistungskriterien und Überprüfungen.280 % der Quote; in Ausnahmefällen 370 % der Quote.0,5%5½-1OHalbjährlich
FAZILITÄT FÜR EXOGENE SCHOCKS (2006)Kurzfristige Hilfe für vorübergehenden Zahlungsbilanzbedarf, der auf einen exogenen Schock zurückzuführen ist.0,5%5½1OHalbjährlich
1. Komponente für schnellen ZugangSchnelle Hilfe für aktuellen Zahlungsbilanzbedarf, der in erster Linie auf einen exogenen und plötzlichen Schock zurückzuführen ist.Zusicherung angemessener Politikmaßnahmen; in außergewöhnlichen Fällen vorangehende Maßnahmen zur Behandlung des Schocks.In der Regel eine einzige Auszahlung.Bis zu 50 % der Quote pro Schock. Begrenzt auf zwei Schocks in 5 Jahren.
2. Komponente für hohen ZugangUnterstützung für exogene Schocks durch ein 1-2-jähriges Programm in der oberen Kredittranche.Verabschiedung eines 1-2-jährigen Programms mit makroökonomischen Maßnahmen zur Überwindung des Schocks und mit struktureller Reform, die notwendig ist für die Anpassung an den Schock oder auch die Milderung zukünftiger Schocks.Halbjährliche Auszahlung bei Einhaltung von Leistungskriterien und, in den meisten Fällen, Abschluss einer Überprüfung.150 % der Quote (abzüglich etwaiger ausstehender Auszahlungen für denselben Schock unter der Komponente für schnellen Zugang).
Quelle: IWF, Abteilung Finanzen

Mit Ausnahme der PRGF wird die Kreditvergabe des IWF hauptsächlich über das von den Mitgliedsländern gezeichnete Kapital finanziert (bei Bedarf können diese Mittel vorübergehend durch die Aufnahme von Darlehen ergänzt werden); jedem Land wird eine Quote zugeteilt, die seine finanzielle Verpflichtung darstellt. Ein Mitglied zahlt einen Teil seiner Quote in vom IWF akzeptierten Fremdwährungen ein – oder in SZR (siehe „Special Drawing Rights (SDRs)—A Fact Sheet“, verfügbar auf dem Internetauftritt des IWF unter www.imf.org/external/np/exr/facts/sdr.htm) – und den Rest in seiner Landeswährung. Ein IWF-Darlehen wird ausbezahlt oder gezogen, indem der Kreditnehmer mit seiner eigenen Währung vom IWF Aktiva in ausländischen Währungen kauft. Die Rückzahlung des Darlehens wird erreicht, indem der Kreditnehmer seine Inlandswährung vom IWF mit ausländischer Währung zurückkauft (siehe Webkasten 3.3 zum Finanzierungsmechanismus des IWF). Die Kreditvergabe unter der PRGF wird über einen separaten PRGF-Treuhandfonds finanziert.

Der Gebührensatz für Mittel, die aus dem Allgemeinen Konto (General Resources Account – GRA) ausbezahlt werden, wird als Aufschlag auf den wöchentlichen SZR-Zinssatz festgelegt. Der Gebührensatz gilt für den Tagessaldo aller ausstehenden GRA-Ziehungen während der einzelnen Geschäftsquartale des IWF. Zusätzlich wird auf jede Ziehung von IWF-Mitteln aus dem GRA, mit Ausnahme von Ziehungen aus der Reservetranche, eine einmalige Bearbeitungsgebühr von 0,5 Prozent erhoben. Eine im Voraus fällige Bereitstellungsgebühr (25 Basispunkte auf zugesicherte Beträge von bis zu 200 Prozent der Quote, 30 Basispunkte für Beträge zwischen 200 und 1.000 Prozent der Quote sowie 60 Basispunkte für Beträge von über 1.000 Prozent der Quote) wird auf den Betrag angerechnet, der in jeder (jährlichen) Periode unter einer Bereitschaftskredit-Vereinbarung, Flexiblen Kreditlinie (bei 6-monatiger FCL entsprechend heruntergerechnet) oder Erweiterten Vereinbarung gezogen werden kann. Diese Gebühr wird proportional rückerstattet, wenn weitere Ziehungen unter der Vereinbarung erfolgen.

Der Ausdruck Kredittranchen bezieht sich auf die Größe der Käufe (Auszahlungen) im Verhältnis zur Quote, die einem Mitglied im IWF zukommt; so sind Auszahlungen bis zu 25 Prozent der Quote eines Mitglieds Auszahlungen im Rahmen der ersten Kredittranche und verlangen von den Mitgliedern, dass sie angemessene Anstrengungen zur Überwindung ihrer Zahlungsbilanzprobleme nachweisen. Anträge auf Auszahlungen von über 25 Prozent werden als Ziehungen in den oberen Kredittranchen bezeichnet; sie erfolgen in Ratenzahlungen und sind an die Erfüllung bestimmter Leistungskriterien gebunden. Diese Auszahlungen sind normalerweise verbunden mit einer Bereitschafts- oder Erweiterten Kreditvereinbarung. Der Zugang zu IWF-Mitteln außerhalb einer Kreditvereinbarung ist selten und wird es erwartungsgemäß auch bleiben.

Dieses neue Aufschlagssystem (wie es in der Tabelle erscheint) trat am 1. August 2009 in Kraft. Das vorangegangene, im November 2000 eingeführte Aufschlagssystem hatte folgende Aufteilung: 100 Basispunkte über dem Gebührensatz bei ausstehenden Krediten von über 200 Prozent der Quote und weitere 200 Basispunkte Aufschlag bei ausstehenden Krediten von über 300 Prozent der Quote. Ein Mitglied mit ausstehenden Krediten in den Kredittranchen oder unter der Erweiterten Fondsfazilität, die mit Wirkung vor dem 1. August 2009 gebilligt worden waren, konnte sich wahlweise für das neue oder das alte Aufschlagssystem entscheiden.

Quelle: IWF, Abteilung Finanzen

Mit Ausnahme der PRGF wird die Kreditvergabe des IWF hauptsächlich über das von den Mitgliedsländern gezeichnete Kapital finanziert (bei Bedarf können diese Mittel vorübergehend durch die Aufnahme von Darlehen ergänzt werden); jedem Land wird eine Quote zugeteilt, die seine finanzielle Verpflichtung darstellt. Ein Mitglied zahlt einen Teil seiner Quote in vom IWF akzeptierten Fremdwährungen ein – oder in SZR (siehe „Special Drawing Rights (SDRs)—A Fact Sheet“, verfügbar auf dem Internetauftritt des IWF unter www.imf.org/external/np/exr/facts/sdr.htm) – und den Rest in seiner Landeswährung. Ein IWF-Darlehen wird ausbezahlt oder gezogen, indem der Kreditnehmer mit seiner eigenen Währung vom IWF Aktiva in ausländischen Währungen kauft. Die Rückzahlung des Darlehens wird erreicht, indem der Kreditnehmer seine Inlandswährung vom IWF mit ausländischer Währung zurückkauft (siehe Webkasten 3.3 zum Finanzierungsmechanismus des IWF). Die Kreditvergabe unter der PRGF wird über einen separaten PRGF-Treuhandfonds finanziert.

Der Gebührensatz für Mittel, die aus dem Allgemeinen Konto (General Resources Account – GRA) ausbezahlt werden, wird als Aufschlag auf den wöchentlichen SZR-Zinssatz festgelegt. Der Gebührensatz gilt für den Tagessaldo aller ausstehenden GRA-Ziehungen während der einzelnen Geschäftsquartale des IWF. Zusätzlich wird auf jede Ziehung von IWF-Mitteln aus dem GRA, mit Ausnahme von Ziehungen aus der Reservetranche, eine einmalige Bearbeitungsgebühr von 0,5 Prozent erhoben. Eine im Voraus fällige Bereitstellungsgebühr (25 Basispunkte auf zugesicherte Beträge von bis zu 200 Prozent der Quote, 30 Basispunkte für Beträge zwischen 200 und 1.000 Prozent der Quote sowie 60 Basispunkte für Beträge von über 1.000 Prozent der Quote) wird auf den Betrag angerechnet, der in jeder (jährlichen) Periode unter einer Bereitschaftskredit-Vereinbarung, Flexiblen Kreditlinie (bei 6-monatiger FCL entsprechend heruntergerechnet) oder Erweiterten Vereinbarung gezogen werden kann. Diese Gebühr wird proportional rückerstattet, wenn weitere Ziehungen unter der Vereinbarung erfolgen.

Der Ausdruck Kredittranchen bezieht sich auf die Größe der Käufe (Auszahlungen) im Verhältnis zur Quote, die einem Mitglied im IWF zukommt; so sind Auszahlungen bis zu 25 Prozent der Quote eines Mitglieds Auszahlungen im Rahmen der ersten Kredittranche und verlangen von den Mitgliedern, dass sie angemessene Anstrengungen zur Überwindung ihrer Zahlungsbilanzprobleme nachweisen. Anträge auf Auszahlungen von über 25 Prozent werden als Ziehungen in den oberen Kredittranchen bezeichnet; sie erfolgen in Ratenzahlungen und sind an die Erfüllung bestimmter Leistungskriterien gebunden. Diese Auszahlungen sind normalerweise verbunden mit einer Bereitschafts- oder Erweiterten Kreditvereinbarung. Der Zugang zu IWF-Mitteln außerhalb einer Kreditvereinbarung ist selten und wird es erwartungsgemäß auch bleiben.

Dieses neue Aufschlagssystem (wie es in der Tabelle erscheint) trat am 1. August 2009 in Kraft. Das vorangegangene, im November 2000 eingeführte Aufschlagssystem hatte folgende Aufteilung: 100 Basispunkte über dem Gebührensatz bei ausstehenden Krediten von über 200 Prozent der Quote und weitere 200 Basispunkte Aufschlag bei ausstehenden Krediten von über 300 Prozent der Quote. Ein Mitglied mit ausstehenden Krediten in den Kredittranchen oder unter der Erweiterten Fondsfazilität, die mit Wirkung vor dem 1. August 2009 gebilligt worden waren, konnte sich wahlweise für das neue oder das alte Aufschlagssystem entscheiden.

Tabelle 3.2Im GJ 2009 gebilligte Vereinbarungen unter den Hauptfazilitäten(Millionen SZR)
MITGLIEDART DER VEREINBARUNGDATUM DES INKRAFTTRETENSGEBILLIGTER BETRAG
NEUE VEREINBARUNGEN
Armenien128-monatiger Bereitschaftskredit6. März 2009368,0
Belarus15-monatiger Bereitschaftskredit12. Januar 20091.618,1
Costa Rica15-monatiger Bereitschaftskredit11. April 2009492,3
El Salvador15-monatiger Bereitschaftskredit16. Januar 2009513,9
Georgien118-monatiger Bereitschaftskredit15. September 2008477,1
Guatemala18-monatiger Bereitschaftskredit22. April 2009630,6
Island124-monatiger Bereitschaftskredit19. November 20081.400,0
Lettland127-monatiger Bereitschaftskredit23. Dezember 20081.521,6
Mexiko12-monatige Flexible Kreditlinie17. April 200931.528,0
Mongolei18-monatiger Bereitschaftskredit1. April 2009153,3
Pakistan123-monatiger Bereitschaftskredit24. November 20085.168,5
Serbien15-monatiger Bereitschaftskredit16. Januar 2009350,8
Seychellen24-monatiger Bereitschaftskredit14. November 200817,6
Ukraine124-monatiger Bereitschaftskredit5. November 200811.000,0
Ungarn117-monatiger Bereitschaftskredit6. November 200810.537,5
INSGESAMT65.777,3
Quelle: IWF, Abteilung Finanzen

Gebilligt nach den Verfahren des Finanzierungsmechanismus des IWF für Notfälle.

Quelle: IWF, Abteilung Finanzen

Gebilligt nach den Verfahren des Finanzierungsmechanismus des IWF für Notfälle.

Tabelle 3.3Im GJ 2009 gebilligte und erhöhte PRGF- und ESF-Vereinbarungen(Millionen SZR)
MITGLIEDDATUM DES INKRAFTTRETENSGEBILLIGTER BETRAG
NEUE PRGF-VEREINBARUNGEN MIT 3 JAHREN LAUFZEIT
Armenien117. November 20089,2
Burundi7. Juli 200846,2
Côte d’Ivoire27. März 2009374,0
Dschibuti17. September 200812,7
Kongo, Republik8. Dezember 20088,5
Mali28. Mai 200828,0
Niger2. Juni 200823,0
Sambia4. Juni 200848,9
São Tomé und Príncipe2. März 20092,6
Tadschikistan21. April 200978,3
Zwischensumme631,4
AUFSTOCKUNGEN VON PRGF-VEREINBARUNGEN2
Benin16. Juni 20089,3
Gambia18. Februar 20096,2
Grenada7. Juli 20081,5
Guinea28. Juli 200821,4
Haiti20. Juni 200816,4
Haiti11. Februar 200924,6
Kirgisische Republik21. Mai 20088,9
Madagaskar2. Juli 200818,3
Malawi14. Juli 200810,4
Nicaragua10. September 20086,5
Sierra Leone22. Dezember 200810,4
Togo22. September 200818,4
Zentralafrikanische Republik18. Juni 20088,4
Zwischensumme160,6
Insgesamt PRGF791,9
NEUE ESF-VEREINBARUNGEN
Kirgisische Republik (12 Monate)10. Dezember 200866,6
Malawi (18 Monate)3. Dezember 200852,1
Senegal (12 Monate)19. Dezember 200848,5
Zwischensumme167,2
AUSZAHLUNGEN UNTER DER ESF-KOMPONENTE DES SCHNELLEN ZUGANGS
Äthiopien23. Januar 200933,4
Komoren15. Dezember 20082,2
Kongo, Republik11. März 2009133,3
Zwischensumme168,9
Insgesamt ESF336,1
INSGESAMT1.128,0
Quelle: IWF, Abteilung Finanzen.

Die Vereinbarung wurde am 6. März 2009 gekündigt.

Bei den Aufstockungen wird nur der Aufstockungsbetrag angezeigt.

Quelle: IWF, Abteilung Finanzen.

Die Vereinbarung wurde am 6. März 2009 gekündigt.

Bei den Aufstockungen wird nur der Aufstockungsbetrag angezeigt.

Eine Stärkere Rolle Für den IWF

Der Geschäftsführende Direktor führte 2008 weitere grundlegende Veränderungen durch, um eine strategische Neuausrichtung des IWF herbeizuführen und die Dynamik der IWF-Tätigkeit in Reaktion auf die Krise zu erhöhen. Weitere entscheidende Impulse kamen im November 2008 und April 2009, als die Staats- und Regierungschefs der G20 zusammenkamen, um breitere wirtschaftliche Zusammenarbeit zu fördern und eine multilaterale Reaktion auf die Krise in Gang zu setzen. Im Besonderen sprach die G20 deutlich aus, was für eine prioritäre makropolitische Reaktion die Weltgemeinschaft benötigt, und sicherte eine solche zu. Diese Politikmaßnahmen stimmten mit der Politikberatung überein, die der IWF vertritt. Die G20 „betonte die wichtige Aufgabe des IWF bei der Reaktion auf die Krise" und dass der IWF sowie multilaterale Entwicklungsbanken „ausreichende Mittel haben sollten, um ihre Aufgabe bei der Bewältigung der Krise wahrzunehmen“.

Bis zum März 2009 hatte das Exekutivdirektorium eine Reihe von größeren Veränderungen genehmigt, die die Art, zeitliche Nähe und Wirksamkeit der Reaktion des IWF wesentlich verbessern und eine entschiedene Erfüllung der Bedürfnisse seiner gesamten Mitglieder ermöglichen. In dieser Hinsicht rückte der IWF schlagartig in den Mittelpunkt der wirtschaftspolitischen Debatte und Krisenbewältigung. Dies führte denn auch zu Beschlüssen, die Fondsmittel aufzustocken, damit der IWF den stark von der Krise betroffenen Ländern die notwendige Finanzhilfe gewähren kann.

Tabakernte in Malawi.

Reform des Regelwerks zur Kreditvergabe des Fonds

In diesem Zusammenhang brachte das Exekutivdirektorium die Modernisierung der Kreditvergabeinstrumente des IWF weiter voran, damit die Instrumente besser an die sich ändernden Bedürfnisse der Mitgliedsländer angepasst werden können. Dazu gehörten Änderungen in der Politikberatung, bei den Auflagen und den Laufzeiten. Zahlreiche Direktoriumsaussprachen und umfangreiche Arbeiten des Stabs – seit Anfang 2008 – zur Beurteilung und Festlegung der Reformen, anhand derer der IWF sein Kernmandat am besten würde erfüllen können, kulminierten im März 2009 darin, dass das Direktorium einer weit angelegten Überholung des Regelwerks zur Kreditvergabe des IWF stattgab. Zu den gebilligten Reformen gehören die Modernisierung der IWF-Programmauflagen für alle Kreditnehmer, die Einführung einer Flexiblen Kreditlinie für Mitglieder mit sehr starken wirtschaftlichen Eckdaten und Politikgrundsätzen, mehr Flexibilität für die traditionelle Bereitschaftskredit-Vereinbarung und die konzessionären Kreditvergabefazilitäten des IWF, die Verdoppelung der normalen Zugangsgrenzen für nichtkonzessionäre und konzessionäre Mittel, die Vereinfachung der Kosten- und Fälligkeitsstrukturen von Darlehen sowie die Abschaffung gewisser selten genutzter Fazilitäten. Das Exekutivdirektorium genehmigte im GJ 2009, auf vorsorglicher Basis, die erste Vereinbarung unter der neuen FCL des Fonds für Mexiko (31,5 Mrd. SZR). Zusagen an Polen (13,7 Mrd. SZR) und Kolumbien (7 Mrd. SZR) unter der FCL auf vorsorglicher Basis wurden Anfang des Geschäftsjahres 2010 gemacht.

Durch die Stärkung der Kreditvergabeinstrumente, einschließlich der Kreditvergabe auf vorsorglicher Basis, und durch die Modernisierung der Auflagen, die sicherstellen sollen, dass die Konditionen für die Verwendung von Fondsmitteln den Stärken der Politikmaßnahmen und Eckdaten der Mitgliedsländer angepasst sind, wollen die Reformen die Mitglieder dazu auffordern, sich frühzeitig an den IWF zu wenden, und damit die Wahrscheinlichkeit einer Krise reduzieren oder ihre letztendlichen Kosten mildern. Im Verbund mit einer substantiellen Erhöhung der Fonds-Mittel bieten die Reformen eine starke Plattform für robuste Reaktionen des Fonds, um den Mitgliedern bei der Bewältigung der gegenwärtigen wie künftiger Krisen zu helfen.

Die richtigen Grundlagen für das globale Wirtschafts- und Finanzsystem schaffen

Der Fonds verwandte seine Energien auch darauf, die Ursachen, Folgen und das Ausmaß der Krise zu verstehen und seine Zusammenarbeit mit anderen internationalen Finanzorganisationen, vor allem dem Rat für Finanzstabilität (Financial Stability Board – FSB)3 zu stärken. Anfang 2009 erörterte das Exekutivdirektorium des IWF auf Antrag des IMFC durchgeführte Stabsanalysen zu den ersten Lektionen der Krise. Die Exekutivdirektoren unterstrichen die vorläufige Natur der Unterredung sowie die vom Mandat gegebene einzigartige Aufgabe des Fonds, die Krise zu analysieren und eng mit anderen Beteiligten – auf nationaler wie internationaler Ebene – zusammenzuarbeiten, um zur Wiederherstellung von Finanzstabilität und Wirtschaftswachstum weltweit beizutragen.

Arbeiter bei einer Arbeitsvermittlung in Nanchang, Jiangxi, China.

Auf Grund der vielen verschiedenen Ansichten zur relativen Bedeutung der Probleme, die als Verursacher der Krise ausgemacht wurden (siehe oben), sah das Direktorium die Notwendigkeit für Abhilfemaßnahmen auf breiter Front und auf vielen Ebenen gegeben. Für die Politik bedeutet dies eine ehrgeizige Agenda und erfordert koordinierte Maßnahmen. Der IWF benannte vier Kernbreiche, die zum Teil aus dieser Überprüfung resultieren, als hilfreich zur Vermeidung künftiger Krisen: bessere Regulierung, bessere Überwachung, bessere Finanzierungsvereinbarungen und bessere internationale Zusammenarbeit. Der IWF muss in diesen Bereichen eine wichtige, aber anders geartete Rolle spielen, und er begann im GJ 2009 damit, diese Bereiche anzugehen oder gegebenenfalls zu ihrer Lösung beizutragen:

  • Bessere Finanzregulierung und –aufsicht. Das Hauptaugenmerk ist dabei auf die Ausdehnung der regulatorischen Reichweite zu richten, so dass alle Maßnahmen, die wirtschaftsweite und grenzüberschreitende Risiken darstellen, erfasst werden. Wenn der IWF in diesem Bereich auch keine Führung übernimmt, so kann er doch mit Hilfe des Überwachungsprozesses die Umsetzung vereinbarter Ergebnisse verfolgen. Die regulatorische Reichweite muss ausgedehnt werden, damit alle Aktivitäten erfasst werden, die für die Binnenwirtschaft und die ausländischen Märkte Risiken darstellen. Die Marktdisziplin muss gestärkt werden. Initiativen zur Reduzierung von Interessenkonflikten unter Kreditauskunfteien und zur Erhöhung der Sorgfaltspflicht unter Anlegern wurden bereits ergriffen. Schließlich müssen die Zentralbanken ihre Regelwerke im Hinblick auf die systemischen Liquiditätsrücklagen überprüfen. Die Infrastruktur, die maßgeblichen Finanzmärkten zugrunde liegt, muss ebenfalls verbessert werden.

  • Finanzierungsvereinbarungen, die sich den wechselnden Bedürfnissen der Mitglieder und des sich ändernden Markts anpassen. Die Kreditvergabe des IWF muss weiterhin angeglichen werden, damit sie den Umständen des jeweiligen Landes genauer entspricht und die Länder ermutigt, sich frühzeitig an den Fonds zu wenden.

  • Bessere bilaterale Überwachung, die sich auf systemische Risiken konzentriert, internationale Übertragungswirkungen untersucht und auf eine bessere Integration der makroökonomischen und Finanzsektorarbeit abzielt.

  • Bessere internationale Zusammenarbeit und multilaterale Überwachung. Für den IWF wird die Reform der Verwaltungsführung ganz besonders wichtig sein, damit Schwellen- und einkommensschwache Länder sich stärker eingebunden fühlen und die Zusammenarbeit in der globalen Politik gefördert wird. Eine umfassend repräsentative Stimme verleiht dem IWF institutionelle Legitimität und Glaubwürdigkeit und trägt damit zu einer wirksameren Erfüllung seines Mandats bei.

Förderung von Überwachungsprioritäten

Überwachung – der IWF verwendet diesen Begriff für seine Aufsicht über das internationale Finanzsystem und die Überwachung der Wirtschafts- und Finanzpolitik seiner Mitglieder – ist eine der Hauptaufgaben des Internationalen Währungsfonds. Das Exekutivdirektorium reagierte auf Bedenken, die durch die weltweite Krise geschürt wurden, indem es im GJ 2009 seine Bemühungen verstärkte, die Angemessenheit und Wirksamkeit der Überwachungstätigkeit des IWF zu gewährleisten. Im Zusammenhang mit der Dreijahresprüfung der Überwachung des IWF, die im Oktober 2008 abgeschlossen wurde, veröffentlichte das Direktorium zum ersten Mal seine Bekanntgabe der Überwachungsprioritäten (Statement of Surveillance Priorities) und umriss dabei vier wirtschaftliche und vier institutionelle Prioritäten für die Fondsüberwachung bis einschließlich 2011. In der Erörterung bei Abschluss der Überprüfung herrschte unter den Exekutivdirektoren weitgehende Übereinstimmung im Hinblick auf die vier vorrangigen Bereiche für die Überwachungstätigkeit des IWF in den nächsten vier Jahren: Risikobewertung, makrofinanzielle Verknüpfungen, multilaterale Perspektive sowie außenwirtschaftliche Stabilitäts- und Wechselkursbeurteilungen. Im Hinblick auf die ausgewiesenen Prioritäten veranstaltete das Direktorium ein Seminar zur Prüfung der Herausforderungen, die sich bei der Integration von Finanzsektorfragen in die Überwachung stellen. Der IWF brachte außerdem seine Pläne für eine engere Zusammenarbeit mit anderen Organisationen weiter voran, darunter eine Frühwarnübung, die gemeinsam mit dem Rat für Finanzstabilität durchgeführt wurde. In Reaktion auf die Notwendigkeit, die laufenden Initiativen zur Datentransparenz zu stärken, die durch die weltweite Krise offensichtlich wurde, schuf der IWF eine institutionsübergreifende Gruppe, der er vorsteht und die eine gemeinschaftliche und globale Sicht des Bedarfs an Wirtschafts- und Finanzdaten im Angesicht der Krise fördern soll. Als erste Maßnahme erstellte die Gruppe einen Webauftritt mit den wichtigsten globalen Indikatoren (Principal Global Indicators), der Zugang zu den Finanz-, Regierungs-, Außen- und Realwirtschaftsdaten der Volkswirtschaften in der G20 gewährt. Die fortlaufende bilaterale, multilaterale und regionale Überwachungstätigkeit des IWF wurde über das Jahr fortgesetzt, so auch Bemühungen, den Prozess der Artikel-IV-Konsultationen des IWF wirksamer zu gestalten.

Modernisierung des Fonds

Die Arbeit des IWF wurde dieses Jahr deutlich von den Bemühungen beherrscht, den Mitgliedern bei der Bewältigung der Krise zu helfen und Maßnahmen zur Wiederherstellung der Stabilität im globalen Finanzsystem einzuleiten. Doch der IWF blieb sich auch der Notwendigkeit bewusst, seine laufenden Modernisierungsbestrebungen fortzusetzen, – die im GJ 2008 besonders dringlich geworden war. Die Reform der Verwaltungsführung des IWF, ein wichtiger Punkt im GJ 2008, nahm auch im GJ 2009 einen vorrangigen Platz auf der Agenda ein. Die Mitgliedsländer des Fonds begannen mit der Implementierung der Quoten- und Stimmreform, die zum Ende des Geschäftsjahres 2008 vom Gouverneursrat gebilligt wurde. Das Exekutivdirektorium bildete eine Arbeitsgruppe, die die Reaktion des Fonds auf einen Bericht des Unabhängigen Evaluierungsbüros (Independent Evaluation Office – IEO) zur Verwaltungsführung des Fonds leiten und integrieren soll, und die Geschäftsführung des Fonds ernannte einen Sonderausschuss hochrangiger Persönlichkeiten, der Empfehlungen zur Vewaltungsführung des Fonds abgeben wird. Der IMFC forderte Anfang April 2009 eine schnellere Überprüfung der IWF-Quoten, um die Stimmen der Schwellenmärkte und Entwicklungsländer im Fonds zu stärken. Der Fonds-Stab erarbeitete einen umfassenden Plan zur Einbindung der Zivilgesellschaft und anderer betroffener Gruppen in den Reformprozess.

Die verstärkte Ausrichtung des IWF auf einkommensschwache Länder (low-income countries – LECs), die in den letzten Jahren bereits zunehmend an Bedeutung gewonnen hatte, wurde im GJ 2009 besonders dringend. Ursache dafür waren zunächst die drastisch gestiegenen Nahrungsmittel- und Treibstoffpreise in der ersten Jahreshälfte 2008, was Entwicklungsländer besonders anfällig machte, und später die Übertragungswirkungen der globalen Instabilität auf den Finanzmärkten, die in fortgeschrittenen Volkswirtschaften ihren Anfang nahm, sich aber schließlich weltweit ausbreitete, so auch in den einkommensschwachen Ländern (die „dritte Welle" der Krise), die kaum Zeit hatten, sich nach der Beruhigung der Nahrungsmittel- und Treibstoffpreise zu erholen. Das Direktorium betrachtete die Arbeit des Fonds in Niedrigeinkommensländern im Jahresverlauf neu und veröffentlichte eine Absichtserklärung für seine Arbeit in diesen Ländern. Es erörterte außerdem die vorgeschlagenen Reformen für die konzessionären Kreditvergabeinstrumente, um sie enger an die Bedürfnisse der einkommensschwachen Länder, die im Verlauf der Krise entstanden, anzupassen.

Seit mehreren Jahren sind Bestrebungen im Gange, um die kapazitätsfördernden Maßnahmen des IWF besser auszurichten – d.h. Ausbildung und technische Hilfe, die der IWF den Mitgliedsländern zum Aufbau ihrer technischen und sonstigen Kapazitäten zukommen lässt – und sicherzustellen, dass sie die größtmögliche Wirkung bei möglichst effektivem Einsatz der Fondsmittel erzielen. Das Direktorium prüfte das Ausbildungsprogramm und die technische Hilfe des IWF im Jahresverlauf und unterstützte die Dezentralisierung der Ausbildung durch verstärkten Einsatz der regionalen Einrichtungen, die sich sowohl als kosteneffektiv als auch als notwendig, weil flexibler, erweisen. Es befürwortete tiefgreifende Reformen bei der Bereitstellung der technischen Hilfe, die im Rahmen der Neuausrichtung des Fonds im GJ 2008 initiiert wurden. Es billigte außerdem eine neue Politik, nach der Mitgliedsländer für die Inanspruchnahme der Fonds-Leistungen zum Kapazitätsaufbau stufenweise Gebühren zahlen. Der Fonds unternahm neue Anstrengungen zur Beschaffung von Mitteln zur Unterstützung seiner kapazitätsbildenden Maßnahmen und gab Pläne zur Eröffnung neuer regionaler Zentren für technische Hilfe in Afrika, Zentralasien und Mittelamerika bekannt.

Finanzlage, Organisation und Rechenschaftspflicht

Im Geschäftsjahr 2008 wurden im Rahmen der Umstrukturierung des IWF wichtige Reformen eingeleitet, die den Fonds im GJ 2009 zu einer schlankeren und refokussierten Institution machten. Im Bereich der IWF-Finanzierung machte die Übereinkunft des Exekutivdirektoriums über ein neues Einkommensmodell für den IWF, das vom Gouverneursrat zu Beginn des Geschäftsjahres gebilligt wurde, den Weg frei für die Streuung der Einkommensquellen des IWF, vornehmlich durch Ausweitung der Investitionsbefugnis des Fonds. Bestrebungen zur Implementierung des neuen Einkommens-und Ausgabenregelwerks des IWF, das im GJ 2008 geändert wurde und den IWF auf ein solideres und nachhaltigeres finanzielles Fundament stellen soll, wurden im GJ 2009 fortgesetzt. Einsparungen, die hauptsächlich auf Grund der Neuausrichtung im GJ 2008 größer als erwartet ausfielen, sorgten für eine erhebliche Unterschreitung des Verwaltungs budgets im GJ 2009, und das Exekutivdirektorium genehmigte den Übertrag auf das GJ 2010.

Für Personalmaßnahmen des IWF gab es im GJ 2009 neue Herausforderungen, weil sich der IWF-Stab im Zusammenhang mit der weltweiten Krise einer erhöhten Nachfrage gegenübersah – während gleichzeitig der Mitarbeiterstab im Zuge der im GJ 2008 eingeleiteten Umstrukturierung zurückging. Ein Einstellungsstopp, der zu Beginn des GJ 2009 in Kraft war, machte in der zweiten Hälfte des Geschäftsjahres intensiven Anwerbebestrebungen Platz, da eine größere Zahl Mitarbeiter als ursprünglich vorgesehen im Rahmen der Umstrukturierung den IWF verließ. Dadurch entstand Spielraum im Budget, um selbst innerhalb des neuen, niedrigeren Belegschaftsvolumens neue ständige Stabsmitarbeiter einzustellen. Dadurch ergab sich auch Gelegenheit für eine neue Mischung der Kenntnisse innerhalb des Stabs, so dass die teilweise aus der globalen Krise entstandenen neuen Aufgaben für die Belegschaft des Fonds aufgegriffen werden können. Durch die Neueinstellungen wurden zudem Fortschritte im Hinblick auf die Vielfalt der Belegschaft erzielt, die sich im GJ 2009 vor allem in den Bereichen Geschlechterverteilung und Vertretung unterrepräsentierter Regionen verbesserte. In seinen andauernden Bemühungen, ein ausreichend flexibles Regelwerk für das Personalwesen aufrechtzuerhalten, um die sich ändernden geschäftlichen Anforderungen erfüllen zu können, trieb der IWF sein Personal-Managementprojekt weiter voran. Dadurch sollen die Prozesse im Personalwesen verschlankt und die Regelungen vereinfacht werden; auch wurde zum Ende des Geschäftsjahres ein systematischerer Ansatz für die Handhabung der Nachfolge sowie für die Heranbildung von Führungskräften eingeführt.

Aufbauend auf der Arbeit der letzten Jahre setzte die Tätigkeit des IWF 2009 den Trend innerhalb der Institution zu mehr Rechenschaftspflicht, Offenheit und Transparenz fort. In Reaktion auf eine IEO-Evaluierung zur Verwaltungsführung des Fonds, die in diesem Bereich eine Lücke festgestellt hatte, führte das Exekutivdirektorium ein Regelwerk für die Rechenschaftspflicht der Geschäftsführung des Fonds ein und arbeitet es an der Benennung von Leistungskriterien, einzusetzenden Prozessen und Möglichkeiten, Beurteilungen mit Anreizen zu verknüpfen. Im Juni 2008 wurde eine vertrauliche Integritäts-Hotline eingerichtet. Damit wird es dem Stab und anderen ermöglicht, anonym oder mit Namensnennung mutmaßliches Fehlverhalten der Mitarbeiter zu melden. Diese Meldungen werden dann vom Ethikbüro bearbeitet. Mit der Zustimmung des Direktoriums wurde der Geltungsbereich der Hotline schon kurze Zeit später auf den Geschäftsführenden Direktor und auf die Exekutivdirektoren ausgedehnt (jedoch mit einem anderen Mechanismus für die Nachverfolgung). Das Unabhängige Evaluierungsbüro setzte seine Aufgabe weiter fort und führte unabhängige und objektive Evaluierungen der Politikmaßnahmen und Tätigkeiten des IWF durch. Es gab im Verlauf des Jahres Direktoriumsaussprachen im Zusammenhang mit der Beurteilung der Verwaltungsführung des IWF durch das IEO und mit dem Implementierungsplan, den die Geschäftsführung des Fonds als Antwort auf die IEO-Beurteilung der strukturellen Konditionalität in IWF-gestützten Programmen eingeführt hatte; Ende des Geschäftsjahres 2009 brachte das IEO außerdem eine Evaluierung der Beteiligung des Fonds an Fragen zur internationalen Handelspolitik heraus. Im Rahmen der fortlaufenden Bemühungen, die Evaluierung und Handhabung von Risiken zu stärken, wurde das Direktorium über die Übergangsrisiken informiert, die sich aus der Verkleinerung und Umstrukturierung des Fonds ergeben, und prüfte es einen Bericht des beratenden Ausschusses zum Risikomanagement. Der Bericht von 2009 über die Implementierung der Transparenzpolitik des Fonds zeigte Verbesserungen bei mehreren Messwerten für institutionelle Transparenz, so etwa bei der Veröffentlichungsquote für Dokumente in mehreren Kategorien.

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