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Kapitel 2. Stärkung von Überwachung und Krisenprävention

Author(s):
International Monetary Fund
Published Date:
November 2005
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Der IWF verbessert die Qualität und Effektivität seiner Überwachungstätigkeit fortlaufend. Seine Anstrengungen in diesem Bereich, die seit der Krise in den Schwellenmärkten Mitte und Ende der 1990er Jahre intensiv waren, sollen sicherstellen, dass der Fonds die Hilfe für die Mitgliedsländer so effektiv wie möglich gestaltet. Dabei geht es darum, die Leistung und Widerstandskraft ihrer Volkswirtschaft zu verbessern, auf entstehende Probleme zurückzuführende internationale Übertragungswirkungen auf ein Minimum zu begrenzen und potenzielle Schwachstellen im internationalen Finanzsystem zu identifizieren und anzugehen.

Der IWF führte im Geschäftsjahr 2005 eine weitere umfassende zweijährliche Überprüfung seiner Überwachungstätigkeit durch. Dabei wurden Finanzsektorfragen stärker berücksichtigt, unter anderem durch eine Überprüfung des Programms zur Bewertung des Finanzsektors, das der IWF gemeinsam mit der Weltbank durchführt. Des Weiteren beschäftigte er sich mit schuldenbezogenen Schwachstellen der Mitglieder und den möglichen Zusammenhängen mit Finanzkrisen sowie mit Themen, die mit dem Liquiditätsmanagement der Zentralbanken zusammenhängen. Er erörterte den Wunsch einiger Mitglieder, eine neue Art von Politiküberwachung und Signalmechanismen einzuführen, die keine IWF-Finanzierung erfordern, und unterstützte die Mitglieder weiterhin dabei, ihre statistischen Daten zu verbessern und internationale Standards und Kodizes einzuhalten.

Zweijährliche Überprüfung der Überwachungstätigkeit

In der Diskussion des IWF im Rahmen der zweijährlichen Überprüfung der Überwachung1 im Juli 2004 bestätigte das Exekutivdirektorium die Notwendigkeit einer fokussierten Überwachung auf der Grundlage qualitativ hochwertiger Analysen. Die Überprüfung konzentrierte sich auf die Frage, wie die Überwachung für alle Mitglieder effektiv gestaltet werden kann und wie dadurch die Arbeit des Fonds im Bereich der Krisenprävention gestärkt werden kann. Sie stützte sich auf eine Beurteilung des IWF-Stabs, die die Auffassungen von Länderbehörden, Finanzmarktteilnehmern, Denkfabriken und anderen Nichtregierungs-Einrichtungen sowie der Medien berücksichtigte.

Die Direktoren kamen überein, dass die Überwachungstätigkeit des IWF ständig weiter entwickelt und an die Änderungen in der Weltwirtschaft sowie an die Bedürfnisse der Mitgliedsländer angepasst werden sollte. Sie begrüßten die Fortschritte bei der Stärkung der Überwachung, die seit der zweijährlichen Überprüfung von 2002 erzielt wurden, betonten jedoch, dass es noch einige Aufgaben zu bewältigen gibt. Die Direktoren erörterten eine Reihe von Themen angesichts der Aufforderung des Internationalen Währungsund Finanzausschusses, Vorschläge zur Verbesserung der Fokussierung, der Qualität, der Überzeugungskraft, der Auswirkungen und der Wirksamkeit der Überwachung zu unterbreiten.

Fokus und Qualität der Analyse

Die Direktoren bekräftigten, dass die Artikel-IV-Konsultationen trotz des erweiterten Umfangs der Überwachung auf Kernthemen ausgerichtet bleiben müssen. Der Umfang sollte an die jeweiligen Länderumstände angepasst werden, während sich die Themenauswahl auf die makroökonomische Relevanz stützen sollte. Zu den wichtigsten Anliegen des IWF gehörten außenwirtschaftliche Tragfähigkeit, Anfälligkeiten gegenüber Zahlungsbilanz- oder Währungskrisen, nachhaltiges Wachstum und die zur Erreichung dieses Ziels erforderlichen Politikmaßnahmen sowie – bei systemisch wichtigen Ländern – die Bedingungen und Politiken, die die weltweiten oder regionalen Wirtschaftsaussichten betreffen.

Es sei dem IWF weitgehend gelungen, einen breiteren Bereich von Themen abzudecken, ohne den Fokus zu verlieren, so die Direktoren. Die einzelnen Konsultationen könnten jedoch noch verbessert werden durch eine gezieltere Berücksichtigung von Themen außerhalb des traditionellen Expertisebereichs des IWF, eine umfangreichere Nutzung von Informationen angemessener externer Quellen und eine selektivere Berücksichtigung von Handelsfragen (Kasten 2.1); dabei sollte der Schwerpunkt auf solche Fragen gelegt werden, die den größten Einfluss auf Stabilität und Wachstumsaussichten besitzen. Das Direktorium rief den Stab zu einem Meinungsaustausch mit den Mitgliedern auf, um vorrangige Themen festzulegen, betonte jedoch, dass der Stab die Verantwortung für die Auswahl behalten sollte.

Kasten 2.1Die Rolle des IWF im Handel

Handelspolitik ist traditionell ein wichtiger Teil der IWF-Überwachung und in einigen Fällen auch der IWF-gestützten Programme. Alle paar Jahre überprüft der IWF einige Aspekte seiner handelsbezogenen Arbeit. Die im Geschäftsjahr 2005 durchgeführte Überprüfung war umfassender als frühere Überprüfungen.

Bei der Aussprache über die Rolle des IWF im Handel1, die im Februar 2005 stattfand, bekräftigten die Direktoren die handelspolitische Agenda und die Grundsatzpositionen des Fonds. Sie unterstrichen, dass ein erfolgreicher Abschluss der Doha-Runde multilateraler Handelsgespräche von großer Bedeutung ist, um Effizienz und Wachstum zu fördern, die Armut zu verringern und die Verwirklichung der Millennium-Entwicklungsziele zu unterstützen. Die entwickelten Länder spielen eine wichtige Rolle dabei, die noch bestehenden Handelshemmnisse anzugehen, so die Direktoren, indem sie Beschränkungen für Exporte aus Entwicklungsländern abbauen, die Zollabstufung reduzieren und Agrarsubventionen sowie andere Subventionen kürzen. Die Entwicklungsländer ihrerseits müssten sich zu einer weiter gehenden Handelsliberalisierung verpflichten.

Die Direktoren bestätigten im Wesentlichen die Arbeit des Fonds im Bereich des Handels und sprachen sich lediglich für eine Feinabstimmung aus. Sie hielten es für nützlich, die Stabsanalyse von Übertragungswirkungen der Handelspolitik wichtiger Industrieländer auf die Handelspolitik größerer Länder mit mittlerem Einkommen auszudehnen, da diese die Exportaussichten anderer Länder immer stärker beeinflussen. Die Direktoren forderten den Stab außerdem dazu auf, den Handel mit Dienstleistungen angesichts seiner steigenden Bedeutung stärker zu berücksichtigen.

Das Direktorium verwies auf die starke Zunahme von regionalen HandelsintegrationsAbkommen und auf die damit zusammenhängende Zusammenlegung von Handelspolitik-und Verwaltungsentscheidungen. Die Direktoren räumten zwar ein, dass eine multilaterale Handelsliberalisierung auf der Grundlage der Meistbegünstigungsklausel der bevorzugte Weg zur weltweiten Öffnung der Märkte ist, betonten jedoch, dass angemessen strukturierte regionale Handelsabkommen unmittelbare wirtschaftliche Vorteile mit sich bringen und die multilaterale Liberalisierung ergänzen und mit ihr vereinbar sein können.

Der IWF sollte in Zusammenarbeit mit anderen internationalen Institutionen (insbesondere der Weltbank und der Welthandelsorganisation) und mit Spendern auch in Zukunft handelsbezogene Politikberatung für einkommensschwache Länder bieten, um Handelsreformen systematischer in deren Strategiedokumente zur Armutsbekämpfung einzubinden. Diese Beratung sollte sich auf die Arbeit stützen, die innerhalb des Integrierten Rahmens geleistet wird. Dabei handelt es sich um eine Initiative verschiedener Institutionen zur Koordinierung handelsbezogener technischer Hilfe mit den Entwicklungspartnern und zur systematischen Integration des Handels in die nationalen Strategien. Der IWF sollte sich außerdem mit der Frage beschäftigen, wie er innerhalb des Integrierten Rahmens am besten kooperativ mit anderen Partnern zusammenarbeiten kann, um zu untersuchen, wie die Anpassung einkommensschwacher Länder an liberalere Handelsregime noch weiter erleichtert werden kann.

In Bezug auf die Arbeit des IWF im Bereich der Finanzhilfe für die Anpassungs- und Reformprogramme der Mitgliedsländer begrüßten die Direktoren die jüngste Reduzierung der handelspolitischen Auflagen, die unter anderem auf die allgemeine Straffung der strukturpolitischen Auflagen des IWF und die in vielen Ländern eingeleitete offenere Handelspolitik zurückzuführen sei. Die Direktoren bekräftigten die in jüngster Zeit festzustellende stärkere Fokussierung des IWF auf handelsbezogene makroökonomische Schwachstellen, die für die ärmsten Länder mit IWF-unterstütztem Programm nach wie vor ein dringendes Problem darstellten. Ferner begrüßten sie die Einführung des Handelsintegrations-Mechanismus (Trade Integration Mechanism – TIM) zur Lösung dieses Problems (siehe Kapitel 3).

Die Direktoren kamen überein, dass die Beurteilung von handelspolitischen Fragen durch den IWF im Rahmen der Artikel-IV-Überwachung und anderer Aufgabenbereiche unabdingbar bleibt. Sie räumten ein, dass die damit zusammenhängende Arbeit anderer Institutionen wertvolle Erkenntnisse für diese Beurteilungen aus einer anderen Perspektive beisteuern kann, wiesen jedoch darauf hin, dass sie die Arbeit des Fonds nicht ersetzen kann.

1 “IMF Executive Board Reviews Fund’s Work on International Trade”, Öffentliche Informationsmitteilung (PIN) Nr. 05/49, www.imf.org/external/np/sec/pn/2005/pn0549.htm.

Die Direktoren betonten, dass die IWF-Überwachung ein ausgezeichnetes Instrument zur Analyse globaler und regionaler Übertragungswirkungen ist. Sie sahen jedoch noch beträchtliche Verbesserungsmöglichkeiten für die Analyse dieser Fragen durch eine stärkere Integration der länderbezogenen, regionalen und globalen Überwachung. Sie sprachen sich außerdem dafür aus, in allen Konsultationen die globalen Auswirkungen der Wirtschaftslage und -politik in den größten Mitgliedsländern umfassender zu untersuchen und die kurz- und mittelfristigen Risiken gezielter zu erörtern.

Informelle Direktoriumsgespräche über Themen, die verschiedene Regionen betreffen, sind wertvolle Ergänzungen der globalen und länderbezogenen Überwachung, so die Direktoren. Solche Diskussionen böten eine gute Gelegenheit, vergleichende Analysen über die wichtigsten Entwicklungen und Politikmaßnahmen in den einzelnen Regionen durchzuführen und könnten weiteres Licht auf die regionale Übertragung von Schocks werfen.

Die eindeutige und offene Beurteilung von Wechselkursfragen bleibe eine Herausforderung. Die Direktoren verwiesen zwar auf die Sensibilität von Wechselkursfragen, sie betonten jedoch, dass eine gründliche Diskussion dieser Fragen für die Überwachung von entscheidender Bedeutung bleibt. Um diese Diskussion zu vertiefen, forderten die Direktoren

  • eine eindeutige Benennung des De-facto-Wechselkursre-gimes in Stabsberichten;
  • den systematischeren Einsatz eines breiten Fächers von Indikatoren und anderen analytischen Instrumenten zur Beurteilung der außenwirtschaftlichen Wettbewerbsfähigkeit sowie
  • eine gründliche und ausgewogene Darstellung des Politikdialoges zwischen dem Stab und den Behörden des Mitgliedslandes über Wechselkursfragen, insbesondere wenn die Auffassungen des Stabs und der Behörden unterschiedlich sind.

Die Direktoren betonten, dass kein Wechselkursregime für alle Länder oder in allen Umständen angemessen ist.

Anlässlich eines Seminars im Dezember 2004 erörterten die Direktoren die Frage, was ein Land tun sollte, um einen erfolgreichen Übergang von einem festen zu einem flexiblen Wechselkursregime zu sichern (Kasten 2.2).

Kasten 2.2Von festen zu flexiblen Wechselkursen

In den letzten Jahren gingen mehrere IWF-Mitgliedsländer von festen zu flexiblen Wechselkursregimen über. Die meisten dieser Änderungen fanden unter ungeordneten Bedingungen statt. Das Exekutivdirektorium forderte den IWF-Stab auf, die Beratung von Ländern, die einen solchen Übergang bewältigen, angesichts der institutionellen und operationellen Komplexität zu vertiefen.

Auf einem Seminar im Dezember 20041 kamen die Direktoren überein, dass normalerweise vier Merkmale für einen erfolgreichen und geordneten Übergang zu einem schwankenden Wechselkurs wünschenswert sind:

  • ein tiefer und liquider Devisenmarkt;
  • eine kohärente Interventionspolitik;
  • ein geeigneter alternativer nominaler Anker; sowie
  • angemessene Systeme zur Überprüfung und Steuerung des Wechselkursrisikos im öffentlichen und privaten Sektor.

Die Direktoren räumten ein, dass diese vier Merkmale einen idealen Rahmen darstellen und dass einige Länder ihren Wechselkurs erfolgreich frei gegeben haben, ohne alle Bedingungen vollständig zu erfüllen.

Bei der Überprüfung von Schlüsselaspekten der Entwicklung eines tiefen und liquiden Devisenmarktes betonten die Direktoren die Notwendigkeit, die Marktmacher-Rolle der Zentralbanken einzuschränken, den Informationsfluss auf dem Markt zu erhöhen und die Marktmikrostruktur zu verbessern. Sie unterstrichen außerdem die Notwendigkeit sicherzustellen, dass das Risiko auf dem Devisenmarkt in beide Richtungen wirkt, um Risikomanagement-Expertise zu entwickeln und destabilisierende Handelsstrategien auf ein Minimum zu begrenzen.

In Bezug auf Interventionsstrategien verwiesen die Direktoren auf die Schwierigkeiten, die Bedingungen für eine Intervention zu identifizieren und den richtigen Zeitpunkt dafür festzulegen. Sie stellten fest, dass die Identifizierung und Korrektur von WechselkursFehlanpassungen in der Praxis schwierig ist und dass Wechselkursbewegungen wichtige Marktsignale geben können. Sie warnten davor, Interventionen als Ersatz für umsichtige makroökonomische Politikmaßnahmen und Strukturreformen einzusetzen.

Die Direktoren waren sich einig, dass direkte Inflationssteuerung in einem flexibleren Wechselkursregime ein hilfreicher und transparenter nominaler Anker sein kann. In vielen Ländern seien jedoch die institutionellen Voraussetzungen für die rasche und erfolgreiche Durchführung einer direkten Inflationssteuerung nicht gegeben. Des Weiteren betonten die Direktoren, dass auch andere nominale Anker eingesetzt werden können, um eine glaubwürdige inflationsbekämpfende Geldpolitik zu verfolgen, die in Kombination mit einer soliden Fiskalpolitik ein solides Umfeld für ein flexibles Wechselkursregime schaffen kann.

Die Direktoren räumten ein, dass die Freigabe des Wechselkurses einige Risiken auf den Privatsektor überträgt und somit einige Anfälligkeiten mit sich bringen kann. Sie riefen die Länder deshalb auf, die Systeme zur Steuerung des Wechselkursrisikos im Privatsektor bereits zu einem frühen Zeitpunkt zu stärken. Des Weiteren empfahlen sie den Einsatz solcher Systeme auch im öffentlichen Sektor.

Die Direktoriumsmitglieder vertraten einhellig die Auffassung, dass das Tempo beim Aufbau der relevanten Institutionen ein ausschlaggebender Faktor dafür ist, inwieweit frühe Vorbereitungen für eine Wechselkursfreigabe ein Land in die Lage versetzen, den Übergang auf geordnete Art und Weise zu vollziehen.

Die meisten Direktoren kamen überein, dass die Erfahrung deutlich die Risiken aufzeigt, die entstehen, wenn der Kapitalverkehr geöffnet wird, bevor der Wechselkurs frei gegeben wird, insbesondere die Risiken eines plötzlichen Kapitalabzugs. Angesichts der Erfahrungen sprachen sie sich dafür aus, die Flexibilität je nach Lage in den einzelnen Ländern vor oder gleichzeitig mit der Liberalisierung des Kapitalverkehrs zu erhöhen.

1 “IMF Executive Board Discusses Fixed to Float: Operational Aspects of Moving Toward Exchange Rate Flexibility”, Öffentliche Informationsmitteilung (PIN) Nr. 04/141, www.imf.org/external/np/sec/pn/2004/pn04141.htm.

Die Direktoren begrüßten zwar die jüngsten Verbesserungen bei der Erfassung von Finanzsektorfragen in der Überwachung, sie stellten jedoch fest, dass diese Fragen noch nicht in dem Ausmaß untersucht werden, wie das bei anderen wichtigen Themen üblich ist. (Weitere Aspekte der Frage, wie der Fonds die Finanzsektor-Überwachung stärkt, werden weiter unten erörtert.) Sie drängten den Stab, bei der Analyse von Finanzsektorfragen alle einschlägigen und verfügbaren Sachkenntnisse zu nutzen.

Die Direktoren betonten, dass die Anfälligkeit gegen Zahlungsbilanz- und Währungskrisen und die Sicherung der außenwirtschaftlichen Tragfähigkeit ein wichtiges Anliegen sind. Die IWF-Strategie zur Verbesserung der Anfälligkeitsbeurteilungen und der Zahlungsbilanzanalyse zeigten bereits positive Wirkung. Die Direktoren forderten den Stab zu einer weiteren Verfeinerung der Analysetechniken auf, waren sich jedoch der Datenmängel bewusst. Sie forderten eine bessere Integration der verschiedenen Elemente der Anfälligkeitsbeurteilungen, um die Stabsberichte übersichtlicher zu gestalten.

Themenbereiche außerhalb der traditionellen Expertise des IWF, wie zum Beispiel Investitionsklima, institutionelle Reformen und soziale Fragen, seien bei der IWF-Überwachung in bedeutendem Umfang berücksichtigt worden. Die Direktoren vertraten die Auffassung, dass die Analyse des Investitionsklimas und der institutionellen Reformen durch eine größere Selektivität und eine stärkere Nutzung geeigneter externer Informationsquellen verbessert würde. Des Weiteren sollte die frühere und laufende Umsetzung von Politikempfehlungen stärker berücksichtigt werden. Die meisten Direktoriumsmitglieder hielten es für sinnvoll, bei den Artikel-IV-Gesprächen und anderen Kontakten in Mitgliedsländern, in denen Schocks beträchtliche Auswirkungen auf die sozialen Bedingungen haben können, die Meinung der betroffenen Mitgliedsländer zu Fragen einzuholen, die den Schutz der sozialen Sicherungssysteme und andere prioritäre Ausgaben in wirtschaftlich schwierigen Zeiten betreffen.

In Bezug auf die Bemühungen des IWF, eine gute Regierungsführung in seinen Mitgliedsländern zu fördern, vertraten die Direktoren die Auffassung, dass die Umsetzung der 1997 verabschiedeten Richtlinie über Regierungs-führung2 weitgehend zufrieden stellend verlaufen ist. Gleichzeitig, so die Direktoren, sollte die Untersuchung von Fragen der Regierungsführung in Artikel-IV-Gesprächen verfeinert werden, unter anderem durch eine umfassendere Nutzung der vorhandenen Regierungsführungs-Indikatoren. Der Stab des Fonds sollte sich auch systematischer auf die “Berichte über die Einhaltung von Standards und Kodizes” (Reports on the Observance of Standards and Codes – ROSCs) (siehe “Standards und Kodizes sowie Datenbereitstellung an den Fonds”, weiter unten) sowie auf anderes verfügbares Material stützen und den Politikempfehlungen sowie ihrer Umsetzung größere Aufmerksamkeit schenken.

In den Artikel-IV-Berichten für einkommensschwache Länder werden die Wachstumsziele normalerweise umfassend behandelt, da bei vielen dieser Länder die größte Herausforderung darin besteht, auf dem Weg zu makroökonomischer Stabilität hohe Wachstumsraten zu sichern und die Armut zu verringern. In vielen Fällen wurden die Untersuchungen ausgeweitet auf eine Analyse der Ursachen und Hemmnisse für Wachstum. Die meisten Direktoren vertraten die Auffassung, dass die Konsultationsgespräche gegebenenfalls auch zur Analyse alternativer makroökonomischer Szenarien mit verschiedenen Annahmen über die Ströme der Entwicklungshilfe genutzt werden könnten, um dadurch Licht auf nachhaltige makroökonomische Szenarien zu werfen. Die Direktoren drängten den Stab, externen Schocks, die das Wachstum in einkommensschwachen Ländern beeinträchtigen können, sowie Maßnahmen zur Verbesserung der Widerstandsfähigkeit dieser Länder größere Aufmerksamkeit zu schenken. Sie betonten die Bedeutung einer genauen Überprüfung der Fortschritte bei der Verwirklichung der Millennium-Entwicklungsziele durch die internationale Gemeinschaft (siehe Kapitel 4) und sprachen sich dafür aus, zu diesem Zweck bei der IWF-Überwachung in einkommensschwachen Ländern Weltbank-Informationen so weit wie möglich zu berücksichtigen.

Die Direktoren stellten übereinstimmend fest, dass sich die Qualität der Überwachung in Ländern mit IWF-gestützten Programmen seit 2002 verbessert hat. Sie verwiesen darauf, dass die Fortschritte bei der Analyse der kurz- und mittelfristigen wirtschaftlichen Aussichten geringer waren, äußerten jedoch die Hoffnung, dass ein systematischerer Einsatz alternativer Szenarien in diesem Bereich zu Fortschritten führen wird.

Politikdialog mit Länderbehörden

Ein tief greifender und offener Politikdialog zwischen dem IWF und seinen Mitgliedsländern ist entscheidend für eine effektive Überwachung. Die Direktoren betonten deshalb die Bedeutung einer auf Vertrauen gestützten engen Beziehung zu den Behörden der Mitgliedsländer und waren sich einig, dass häufige Kontakte außerhalb der Artikel-IV-Konsultationen hilfreich sind. Sie empfahlen dem Stab außerdem eine stärkere Nutzung länderüberschreitender Untersuchungen.

Bei der Überprüfung der Modalitäten zur Überwachung von Währungsunionen stellten die Direktoren fest, dass die formellen Verfahren für die Überwachung des Euroraums gut funktioniert haben und dass die Modalitäten für die anderen Währungsunionen – die Westafrikanische Wirtschafts- und Währungsunion, die Zentralafrikanische Wirtschafts- und Währungsgemeinschaft sowie die Ostkaribische Währungsunion – auch einen höheren Formalisierungsgrad erreicht haben. Sie sprachen sich dafür aus, in diesen drei Währungsunionen einen geeigneten Rahmen für die Politikdiskussionen mit regionalen Institutionen zu schaffen, der der Tatsache Rechnung trägt, dass diese Diskussionen Teil der Artikel-IV-Konsultationen mit den betroffenen Mitgliedern sein sollten. Solche Schritte würden die Überwachung der Geld- und Wechselkurspolitik, der Handelspolitik sowie der Finanzsektorregulierung und -überwachung stärken.

Kommunikation und Signalwirkung

Eine effektive Vermittlung der wirtschaftspolitischen Leitlinien des IWF ist entscheidend für eine insgesamt wirkungsvollere Überwachung, so die Direktoren. Sie führt zu einer fundierteren wirtschaftspolitischen Diskussion in den Mitgliedsländern und ermutigt die Marktteilnehmer, solide Entscheidungen zu treffen. Andererseits ist zu sagen, dass Kommunikation, einschließlich Publikationen, zwar unerlässlich für Transparenz ist, dass sie jedoch nicht so weit gehen darf, dass die Rolle des IWF als vertraulicher Berater seiner Mitglieder in Frage gestellt wird, weil die Offenheit des Dialogs und der Berichterstattung an das Direktorium beeinträchtigt wird. Um die Vermittlung der wirtschaftspolitischen Standpunkte des IWF zu verbessern, empfahlen die Direktoren dem Stab, ein Programm zur Förderung der Außenwirkung zu entwickeln (siehe Kapitel 8) und die Kontakte mit den Denkfabriken vor Ort zu stärken. Des Weiteren sollten die besten Praktiken und Innovationen bei der Durchführung der Konsultationen aktiver innerhalb des Fonds verbreitet werden.

Die Direktoren erörterten ferner die Frage, wie der IWF am besten auf den Wunsch einiger Mitglieder eingehen soll, die Wirtschaftspolitik häufiger zu überprüfen und ein Signal über die Stärke der Wirtschaftspolitik des jeweiligen Landes zu geben (siehe Überwachung der Wirtschaftspolitik, vorbeugende Vereinbarungen und Signalwirkung).

Beurteilung der Effektivität der Überwachung

Die Direktoren betonten die Bedeutung einer regelmäßigen Beurteilung der Effektivität der Überwachung, wobei sie einräumten, dass es sich dabei um eine gewaltige Aufgabe handelt. Dies sei teilweise darauf zurückzuführen, dass die Handlungskette bei der Reaktion auf die wirtschaftspolitische Beratung des IWF auf Grund des erweiterten Aufgabenbereichs der Überwachung und ihrer Wandlung zu einem stärker in der Öffentlichkeit stehenden Prozess komplexer geworden sei. Die Direktoren begrüßten es deshalb, dass sich die Stabspapiere zum Thema der zweijährlichen Überprüfung nicht nur auf interne Beurteilungen sondern auch auf externe Beiträge stützen. Um weitere Fortschritte zu erzielen, empfahlen sie eine umfassendere Diskussion über die Effektivität der einzelnen Artikel-IV-Konsultationen. Dazu gehörten gegebenenfalls auch die Relevanz oder die Angemessenheit früherer Politikempfehlungen des IWF und deren Aufnahme durch die Behörden sowie eine klarere Abgrenzung und Planung des Schwerpunktes der einzelnen Konsultationsgespräche.

Personaleinsatz

Einige Direktoren vertraten die Auffassung, dass die Gesamtkosten des für die Überwachung eingesetzten Personals bereits beträchtlich hoch sind und sahen daher wenig Spielraum für eine vollständige Umsetzung der ÜberprüfungsEmpfehlungen. Andere Direktoren waren dagegen der Meinung, dass die Überwachung durch eine stärker strategisch ausgerichtete Mittelverwaltung und bessere Prioritätensetzung gestärkt werden könnte. Viele Direktoren sprachen sich dafür aus, Spar- und Ausgleichsmaßnahmen in Erwägung zu ziehen, etwa eine größere Selektivität bei der Festlegung der von den einzelnen Überwachungsberichten erfassten Themenbereiche.

Angesichts der begrenzten Mittel hielten die Direktoren es für notwendig, unter den strategischen Zielen und konkreten Empfehlungen Prioritäten zu setzen, wobei sie jedoch einräumten, dass die Effektivität der IWF-Überwachung von einer ausgewogenen Umsetzung abhängt. Sie befürworteten folgende Prioritäten: schärfere Fokussierung der Artikel-IV-Konsultationen und stärkere Berücksichtigung von Wechselkursthemen in diesen Berichten, Verbesserung der Finanzsektor-Überwachung und umfassendere Untersuchung der regionalen und globalen Übertragungswirkungen in der Länderüberwachung (Kasten 2.3). Dies seien Ziele, die bei der nächsten zweijährlichen Überprüfung überwacht werden können. Des Weiteren würden in der nächsten Überprüfung die Fortschritte bei der Verbesserung der Schuldentragfähigkeit und der Reduzierung der Bilanzschwachpunkte sowie die weitere Arbeit im Bereich der Überwachung in einkommensschwachen Ländern geprüft werden.

Kasten 2.3Bessere Integration der länderbezogenen, regionalen und globalen Überwachung

Um die Analyse der globalen und regionalen Ansteckungseffekte zu verbessern, strebt der IWF die bessere Integration der länderbezogenen, regionalen und globalen Überwachung an. Dies erfolgt im Wesentlichen durch die Überprüfung der wichtigsten mit der globalen Überwachung zusammenhängenden IWF-Dokumente im Exekutivdirektorium. Dabei handelt es sich um den “Weltwirtschaftsausblick” und den “Bericht zur Stabilität des globalen Finanzsystems” (siehe Kapitel 1).

Der Fonds wird außerdem bei der Länderüberwachung globale und regionale Fragen stärker in den Vordergrund rücken. Die Artikel-IV-Gespräche mit systemisch oder regional wichtigen IWF-Mitgliedern müssen sich umfassender mit den grenzüberschreitenden Auswirkungen von deren Wirtschaftsentwicklung und -politik befassen. Bisher hat sich diese Analyse im Wesentlichen auf die systemischen Auswirkungen der Handelspolitik konzentriert. In Zukunft werden die Konsultationen expliziter auf die Verbindung zwischen Wirtschaftsleistung und globalen Wirtschafts- und Finanzbedingungen verweisen und die Analyse der länderspezifischen Anfälligkeiten gegenüber globalen Wirtschafts- und Finanzrisiken vertiefen.

Die regionale und globale Überwachung ergänzt die Länderüberwachung, indem sie auf Ansteckungswirkungen und regionale Themen verweist, und sie muss stärker in die Länderüberwachung integriert werden. Der Fonds hat eine Reihe von Überprüfungen von regionalen Finanzsektorfragen eingeleitet, bei denen länderübergreifend bedeutsame Gemeinsamkeiten und Ansteckungswirkungen festzustellen sind. So erfordert die Geschäftstätigkeit von regionalen Finanzkonglomeraten zum Beispiel eine enge Zusammenarbeit der jeweiligen Aufsichtsbehörden und einen stärkeren Informationsaustausch. Die erste derartige Überprüfung, die sechs Länder in Mittelamerika erfasste, wurde im Geschäftsjahr 2005 durchgeführt.

Zugleich verstärkt die zunehmende Interdependenz der Volkswirtschaften die zentrale Rolle der globalen Überwachung im Verantwortungsbereich des IWF, wenn es darum geht, die Funktionsweise des internationalen Währungssystems zu überprüfen, die globale Finanzstabilität zu sichern und kooperative Maßnahmen zur Korrektur globaler Ungleichgewichte zu fördern. Die Forschungsagenda des IWF konzentriert sich auf die in den Bereichen Überwachung und Programmgestaltung neu entstehenden Prioritäten – einschließlich der Frage internationaler Ansteckungswirkungen – sowie auf die Frage, wie die Mitgliedsländer die Volatilität weltwirtschaftlicher Bedingungen bewältigen können.

Finanzsektor-Überwachung

Ein gut reguliertes und gut überwachtes Finanzsystem ist für jedes Land von entscheidender Bedeutung, um makroökonomische und finanzielle Stabilität zu sichern und Finanzkrisen zu verhindern. In seinen fortdauernden Bemühungen, den Mitgliedsländern in diesem wichtigen Bereich zu helfen, hat der IWF im Geschäftsjahr

  • 24 Beurteilungen im Rahmen des von IWF und Weltbank gemeinsam durchgeführten Programms zur Bewertung des Finanzsektors (FSAP) vorgenommen, von denen sechs eine Aktualisierung waren. Weitere 36 Berichte, darunter acht Aktualisierungen, sind in Arbeit oder für das nächste Geschäftsjahr bzw. später geplant;
  • Direktoriumsseminare und -diskussionen veranstaltet zu Themen wie Lücken in der Finanzsektor-Regulierung und Durchführung der Geldpolitik in verschiedenen Stadien der Marktentwicklung;
  • in zwölf Ländern ein Pilotprogramm eingeleitet, um zu prüfen, wie Finanzthemen in Artikel-IV-Konsultationen besser erfasst werden können;
  • zusätzliche Mittel zur Überprüfung der Finanzsysteme bereitgestellt, insbesondere durch den Einsatz von Indikatoren für die Solidität des Finanzsektors (Kasten 2.4);
  • die erste Phase der Beurteilung von Offshore-Finanzsek-toren abgeschlossen und
  • die Teilnahme von Finanzsektorexperten an Artikel-IV-Delegationsreisen oder eigenständigen Delegationsreisen ausgeweitet und die Weiterbildung in Finanzsektorfragen für Stabsmitglieder, die für Länderüberwachung zuständig sind, intensiviert.

Kasten 2.4Indikatoren für die Solidität des Finanzsektors

Die Mitte bis Ende der 1990er Jahre in einer Reihe von aufstrebenden Märkten aufgetretenen Finanzkrisen machten deutlich, dass neue Instrumente zur Aufdeckung von Schwachpunkten in Finanzsystemen erforderlich sind. Als Reaktion darauf hat der IWF einen breiten Fächer von Indikatoren und Analysetechniken entwickelt. Dazu gehören Indikatoren zur Zustandsbewertung des gesamten Finanzsystems eines Landes, die sich von bankaufsichtlichen Indikatoren unterscheiden, da diese nur für einzelne Institute gelten.

Nach der Verabschiedung der Indikatoren stellte sich die Frage, wie der IWF den nationalen Behörden bei der Entwicklung von Kapazitäten für die Kompilation der Daten helfen kann; diese sollen so erstellt werden, dass sie länderübergreifend vergleichbar sind und verbreitet werden, damit die Markttransparenz erhöht und die Marktdisziplin gestärkt werden kann. Der erste Schritt bestand in der Erstellung eines “Leitfadens über die Zusammenstellung von Indikatoren für die Solidität des Finanzsektors” (Compilation Guide on Financial Soundness Indicators)1, der sich sowohl auf den Konsens der Experten als auch auf Beiträge aus der Öffentlichkeit stützt.

Nach der Fertigstellung des Leitfadens im Juli 2004 empfahl das Exekutivdirektorium des IWF dem Stab, eine koordinierte Datenkompilation durchzuführen. Für die Koordinierung und Zusammenstellung von statistischen Daten zuständige Experten aus etwa 60 Ländern, die freiwillig am Pilotprojekt teilnehmen, trafen sich im November 2004 in Washington, um das Mandat für diese Aufgabe zu diskutieren und festzulegen. Die an dem Projekt teilnehmenden Länder verpflichteten sich, bis Ende 2005 wenigstens einen Kernsatz von zwölf Indikatoren, die den Bankensektor abdecken, zu kompilieren und dem IWF vorzulegen. (Der Leitfaden enthält eine Liste von Basisindikatoren und empfohlenen Indikatoren.) Die Länder werden dazu aufgefordert, den Empfehlungen des Leitfadens so weit wie möglich zu folgen, um die länderübergreifende Vergleichbarkeit der Daten zu fördern, sie können jedoch auch die bestehenden Methoden verwenden. Zur Unterstützung der Datennutzer haben sich die Länder außerdem verpflichtet, Metadaten (Informationen über Daten) zu erstellen, darunter Informationen über Abweichungen ihrer bestehenden Methoden von den Empfehlungen des Leitfadens.

1 Verfügbar unter www.imf.org/external/np/sta/fsi/eng/2004/guide/index.htm.

Programm zur Bewertung des Finanzsektors

Das Programm zur Bewertung des Finanzsektors (FSAP) wurde im Mai 1999 von IWF und Weltbank eingeführt, um die Überwachung der Finanzsysteme zu stärken. Es will Ländern helfen, Krisen und grenzüberschreitende Ansteckungswirkungen zu verhindern und ihre Widerstandskraft dagegen zu stärken sowie nachhaltiges Wachstum zu sichern, indem die Solidität des Finanzsystems und die Vielfalt im Finanzsektor gefördert werden. Die im Rahmen des FSAP durchgeführten Beurteilungen der Finanzsysteme

  • identifizieren die Stärken, Risiken und Schwachpunkte im Finanzsystem sowie die Wechselbeziehung zwischen der Leistung des Finanzsektors und der Gesamtwirtschaft;
  • bestimmen den Entwicklungsbedarf des Finanzsektors und
  • helfen den Länderbehörden bei der Gestaltung angemessener Politikmaßnahmen.

Da die Finanzsektor-Beurteilungen einen weiten Themenbereich abdecken, erfordern sie einen breiten Fächer analytischer Instrumente und Techniken. Dazu gehören Analysen der Finanzstabilität, Stresstests und Szenarioanalysen sowie Beurteilungen, inwieweit die Länder die jeweiligen für den Finanzsektor geltenden internationalen Standards, Kodizes und guten Praktiken einhalten. Bei der Umsetzung des FSAP stützen sich der IWF und die Weltbank auf Beiträge der Exekutivdirektorien der beiden Institutionen, der am Programm teilnehmenden Länder sowie verschiedener internationaler Gruppen. Sie stützen sich außerdem auf das Wissen von Experten aus Zentralbanken, Aufsichtsbehörden, standardsetzenden Behörden und weiteren internationalen Institutionen, die am Programm beteiligt sind, sowie auf externe Experten, die die Expertise von IWF und Weltbank erhöhen.

Bei einer Direktoriumsdiskussion über das Programm zur Bewertung des Finanzsektors, die im März 2005 stattfand3, wiesen die Direktoren darauf hin, dass dieses Programm auch in Zukunft ein zentraler Bereich der Finanzsektorarbeit von IWF und Weltbank in den Mitgliedstaaten sein wird. Etwa 120 Länder, zwei Drittel der Mitglieder, haben bereits am FSAP teilgenommen oder die Teilnahme beantragt. Die Direktoren ließen verlauten, dass sich aus den kommenden Überprüfungen des Programms durch das Unabhängige Evaluierungsbüro (IEO) und die Projektbewertungsabteilung der Weltbank (Operations Evaluation Department - OED) noch weitere Vorschläge ergeben können. Diese Studien und die strategische Überprüfung des Fonds bieten eine Gelegenheit, die bisher erzielten Fortschritte und die Effektivität des Programms eingehender und kritisch zu beurteilen.

Die Beurteilungen würden auch in Zukunft umfassend sein und einen breiten Fächer von FinanzsektorSchwachpunkten erfassen und dabei das Bewusstsein der Mitgliedsländer für internationale Finanzstandards schärfen. Die im Rahmen der Beurteilungen gewonnenen Fachkenntnisse hätten außerdem zu einer Verbesserung der von IWF und Weltbank angebotenen Beratung geführt. Insbesondere bei Beurteilungen über einkommensschwache Länder mit unterentwickelten Finanzsystemen seien größere Anstrengungen unternommen worden, das Fehlen bestimmter Märkte und den begrenzten Zugang zu Finanzdienstleistungen zu erklären. Das Feedback der Länderbehörden unterstreiche den Nutzen des Programms für die Diagnose der Stabilität und des Entwicklungsbedarfs in den Finanzsystemen sowie für die Entwicklung geeigneter Politikmaßnahmen. Die Direktoren ließen verlauten, dass die Bereiche, in denen nach Auffassung der Länderbehörden noch Verbesserungsmöglichkeiten bestehen, für eine Stärkung des FSAP entscheidend sind.

Gemeinschaftsprojekt und freiwillige Teilnahme. Die meisten Direktoren vertraten die Auffassung, dass die beiden Kernmerkmale des FSAP – die gemeinsame Verantwortung von Weltbank und IWF und die freiwillige Teilnahme – unverändert bleiben sollten. Das FSAP sei ein gutes Beispiel für eine effektive Zusammenarbeit zwischen IWF und Weltbank. Diese geteilte Verantwortung bündelt die Mittel der beiden Institutionen, erweitert die Perspektive bei Finanzfragen in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen und erhöht die innere Geschlossenheit der Politikberatung. Des Weiteren führt die freiwillige Teilnahme am FSAP zu einer größeren Eigenverantwortung der Länder. Die Direktoren betonten, dass es auch in Zukunft wichtig ist, die FSAP-Beurteilungen auf den jeweiligen Einzelfall auszurichten, damit sie für die Länder nützlich sind, dabei aber gleichzeitig die Grenzen einzuhalten, die die Integrität des Programms sichern.

Straffung. Die Direktoren stellten fest, dass die jüngste Straffung und Verbesserung der Prioritätensetzung des FSAP dazu geführt hat, dass die Beurteilungen besser auf die Umstände in den einzelnen Ländern zugeschnitten sind. Diese Tatsache sowie die kleinere Durchschnittsgröße der Finanzsysteme, für die in den vergangenen zwei Jahren eine Erstbeurteilung durchgeführt wurde, habe zu einer Reduzierung der Durchschnittskosten pro FSAP geführt. Dadurch seien IWF-Mittel für andere Finanzüberwachungsarbeiten wie FSAP-Aktualisierungen und Teilnahme an Artikel-IV-Delegationsreisen frei geworden. Dies habe es der Weltbank erlaubt, sich stärker auf Themenbereiche zu konzentrieren, die mit dem Aufbau von Finanzsektoren zusammenhängen und habe zu einer gleichmäßigeren Aufteilung der für das Programm eingesetzten Mittel zwischen den beiden Institutionen geführt.

FSAP-Aktualisierungen. Die Direktoren stellten fest, dass die Zahl der FSAP-Aktualisierungen steigt und eines Tages den größten Teil des Programms ausmachen wird. Seit 2001 wurden zwölf durchgeführt und weitere sind geplant. Sie vertraten die Auffassung, dass die Aktualisierungen mindestens eine Bewertung der Finanzsektor-Entwicklungen und der bei der Umsetzung früherer FSAP-Empfehlungen erzielten Fortschritte erfordern. Die Aktualisierungen sollten eine Finanzstabilitätsanalyse, eine Überprüfung der in der Erstbeurteilung genannten entscheidenden Entwicklungen und Strukturfragen sowie eine Bestandsaufnahme hinsichtlich der Kernstandards und -kodizes enthalten. Sie könnten jedoch noch weitere Elemente enthalten, wenn dies auf Grund von neuen Entwicklungen und besonderen Risiken zu rechtfertigen sei. Flexibilität erhöhe den Nutzen des Programms für die Länderbehörden und seinen Beitrag zur Überwachung.

Angesichts des Tempos der Finanzsektorentwicklung und der Notwendigkeit, das für eine effektive Finanzsektorarbeit erforderliche institutionelle Wissen des Stabs ständig auf dem neuesten Stand zu halten, erscheint ein durchschnittlicher zeitlicher Abstand von fünf Jahren für die FSAP-Aktualisierungen angemessen. Im Einzelfall hängt der zeitliche Abstand jedoch ab von den Finanzsektorentwicklungen, der Teilnahmebereitschaft des Landes, der systemischen Bedeutung sowie der Erfolgsbilanz bei der Umsetzung von Empfehlungen aus früheren Bewertungen sowie von den zur Verfügung stehenden Mitteln.

Erfasste Länder und Nachbereitung. Das Direktorium stellte übereinstimmend fest, dass das FSAP eine große Anzahl von Ländern erfasst, insbesondere bei den systemisch wichtigen Ländern, dass der Erfassungsbereich in den einzelnen Regionen jedoch sehr unterschiedlich ausfällt. Viele Direktoren zeigten sich besorgt darüber, dass mehrere systemisch wichtige Länder bisher noch keine Erstbeurteilung beantragt haben, und rieten diesen Ländern, dies zu tun.

Die Direktoren begrüßten zwar die Schritte, die der Stab des Fonds ergriffen habe, um die auf das Programm folgende Überwachung der Finanzsysteme zu verbessern, es müsse allerdings noch mehr getan werden um sicherzustellen, dass die im Rahmen des FSAP aufgeworfenen Fragen anschließend auch Gegenstand der IWF-Überwachung würden. Die Direktoren befürworteten deshalb eine systematischere Einbindung von Finanzsektorspezialisten in Artikel-IV-Konsultationen sowie mehr technische Unterstützung vom Hauptsitz. Sie forderten den Stab außerdem auf, eine systematischere Nachbereitung der technischen Hilfe durchzuführen.

Weitere Arbeiten. Die Direktoren hielten weitere Forschungsarbeiten zu Entwicklungs- und Stabilitätsfragen zur Stärkung der Politikberatung des IWF im Bereich des Finanzsektors für wünschenswert. Sie sahen ein großes Potenzial für regionale Finanzsektorgutachten in Regionen mit beträchtlichen grenzüberschreitenden Verbindungen. Die Direktoren vertraten die Auffassung, dass die Länder von einer Vertiefung dieser Verbindungen profitieren könnten, wenn sie gleichzeitig die damit zusammenhängenden Anfälligkeiten bekämpfen.

Lücken in der Finanzsektor-Regulierung

Im Jahr 2000 verabschiedete das IWF-Exekutivdirektorium eine Reihe von internationalen Standards im Bereich der Finanzsektor-Regulierung als Leitlinien für Politikmaßnahmen und Reformen in den IWF-Mitgliedsländern. Die Überprüfung der Einhaltung dieser Standards durch die FondsMitglieder erfolgt hauptsächlich im Rahmen des FSAP. Das Forum für Finanzstabilität und die standardsetzenden Gremien baten den Fonds um regelmäßige Berichte über den Beurteilungsprozess, über neu entstehende Fragen für Regulierungsbehörden sowie über die Angemessenheit der internationalen Leitlinien.

Im Oktober 2004 erörterte das Direktorium ein Stabspapier zu dem Thema “Finanzsektor-Regulierung: Fragen und Lücken” (Financial Sector Regulation: Issues and Gaps).4 Das Papier prüft Fragen der Finanzregulierung im Banken-, Versicherungs- und Wertpapiersektor und weist auf einige Probleme hin, die bei der Umsetzung der Regulierung in diesen drei Sektoren auftreten. Es überprüft die Umsetzung der Finanzsektor-Regulierung in 36 IWF-Mitgliedsländern, in denen die Regulierungssysteme aller drei Sektoren im Rahmen des 2000-2003 durchgeführten FSAP begutachtet wurden. Der sektorübergreifende Ansatz der Überprüfung der Regulierungssysteme wurde gewählt, um es dem Fonds zu ermöglichen, häufig auftretende Regulierungsfragen zu erkennen.

Die Direktoren führten eine weit reichende Diskussion, die unter anderem folgende Aspekte erfasste: die Rolle eines guten regulatorischen Umfelds, einige Fragen bezüglich der eigentlichen Standards, die Herausforderungen, die Finanzkonglomerate und die Internationalisierung des Finanzwesens für die Finanzsektor-Regulierungsbehörden darstellen, sowie strukturelle Faktoren wie Dollarisierung und Staatsbesitz von Finanzinstituten. Sie vertraten die Auffassung, dass eine gute Finanzregulierung ein Kernelement der Finanzstabilität darstellt und wichtig für die IWFÜberwachung ist. Sie kamen ferner überein, dass bestimmte Voraussetzungen – darunter eine vernünftige Wirtschaftspolitik, angemessene Regelwerke und Standards im Rechtsund Rechnungslegungssystem sowie die Verfügbarkeit von Personal und Finanzmitteln – für eine effektive Finanzregulierung von entscheidender Bedeutung sind.

Umsetzung der Geldpolitik in verschiedenen Stadien der Marktentwicklung

Die Zentralbanken der Schwellenmärkte und der Entwicklungsländer greifen bei der Durchführung der Geldpolitik immer stärker auf Geldmarktgeschäfte zurück. Der Fonds unterstützt diesen Prozess und bietet technische Hilfe für den Übergang. Die bisherigen Erfahrungen dieser Volkswirtschaften mit marktgestützten geldpolitischen Operationen sind gemischt. Der Einsatz von Geldmarktgeschäften wird durch einen begrenzten Wettbewerb auf den Finanzmärkten erschwert, insbesondere in einigen kleineren Ländern. Einige größere Länder haben zwar erfolgreich mit Marktoperationen begonnen, andere können jedoch bei der Liquiditätssteuerung trotz langer Übergangsfristen noch nicht vollständig auf Geldmarktgeschäfte zurückgreifen.

Auf einem informellen Seminar im November 20045 erörterte das Direktorium die Bemühungen des IWF-Stabs, Leitlinien für die Entwicklung von guten Rahmenbedingungen für geldpolitische Operationen zu erstellen.

Die Direktoren hielten es für sinnvoll, eine Reihe von Alternativen für die Durchführung der Geldpolitik zu erarbeiten, die mögliche Hemmnisse für die Marktentwicklung berücksichtigen. Dazu gehören das Ausmaß der Dollarisierung, die Größe des Landes, der Finanzierungsbedarf der Regierung, ein struktureller Liquiditätsüberschuss, die Kapazitäten der Zentralbank sowie die Stärke des Bankensystems. Sie befürworteten eine Fortsetzung der Arbeit, um die Politikberatung des IWF an Länder, die ihre Geldmärkte entwickeln, weiter zu verfeinern.

Chile

Chiles Volkswirtschaft wuchs im Kalenderjahr 2004 mit einer Jahresrate von 6,1 Prozent, ein Niveau, das seit Mitte der 1990er Jahre nicht mehr erreicht worden war. Dies war auf die starke Verbesserung im realen Austauschverhältnis und die positive Entwicklung der Rohstoffexporte und nicht-traditionellen Ausfuhren zurückzuführen. Die Privatinvestitionen stiegen beträchtlich, unter anderem im Bergbau, und der Wachstumsausblick für den Rest des Jahres 2005 bleibt günstig.

Im Zeitraum 2004/2005 setzten die chilenischen Behörden ihre umsichtige makroökonomische Politik fort. Im Einklang mit der Regel des strukturellen Haushaltsgleichgewichts, die einen konjunkturell bereinigten Überschuss von einem Prozent des BIP vorsieht, verzeichnete der Zentralstaat 2004 einen Überschuss von 2¼ Prozent des BIP. Die Zentralbank setzte ihre umsichtige Geldpolitik im Rahmen der direkten Inflationssteuerung fort und im April 2005 lag die Gesamtinflation bei etwa drei Prozent, dem Mittelwert der Bandbreite des Inflationsziels der Zentralbank.

Im August 2004 schlossen der IWF und die Weltbank die Beurteilung der Stabilität des Finanzsystems (FSSA) für Chile ab. Dazu gehörten Berichte über die Einhaltung von Standards und Kodizes (ROSCs) hinsichtlich der Transparenz der Geld- und Finanzpolitik, der Bankenaufsicht und der Wertpapierregulierung. Die FSSA stellte fest, dass Chiles Finanzsystem robust ist und sie unterbreitete Vorschläge für weitere Verbesserungen, darunter eine Stärkung des Wettbewerbs bei den Finanzdienstleistungen, die Modernisierung der Wertpapiermarkt-Infrastruktur und die Verbesserung der Finanzaufsicht.

Zusammenarbeit zwischen Chile und IWF im GJ 2005
August 2004Abschluss der Artikel-IV-Gespräche für das Jahr 2004 und Veröffentlichung der FSSA und der damit zusammenhängenden ROSCs
September 2004Besuch des Geschäftsführenden Direktors Rodrigo de Rato
Oktober 2004Veröffentlichung einer detaillierten Beurteilung der Einhaltung des IWF-Verfahrenskodex zur Transparenz der Geld- und Finanzpolitik im Rahmen des Programms zur Bewertung des Finanzsektors
Dezember 2004Stabsbesuch
März 2005Veröffentlichung der Empfehlungen des ROSC und der Aktionsgruppe zur Bekämpfung der Geldwäsche für den Kampf gegen Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung

Offshore-Finanzplätze

Während des Geschäftsjahres 2005 wurde die erste Phase der Beurteilung von Offshore-Finanzplätzen (offshore financial centers – OFCs) abgeschlossen. Diese Finanzplätze machen einen beträchtlichen Teil der weltweiten Finanzströme aus und sind deshalb wichtig für die globale Finanzstabilität. In Anerkennung dieser Tatsache forderte das Forum für Finanzstabilität im Juni 2000 die OFCs auf, Schritte zur Einhaltung internationaler Standards und Kodizes einzuleiten, und bat den IWF, vorläufige Gutachten über sie zu erstellen. Das IWF-Exekutivdirektorium würdigte im November 2003 bei der Überprüfung des OFC-Beurteilungsprogramms die beträchtlichen Fortschritte, die seit Beginn des Programms im Jahr 2000 erzielt wurden, und beschloss eine Fortsetzung des Programms.

Einige Offshore-Finanzplätze halten internationale Standards und Verhaltenskodizes besser ein als viele Länder. Es gibt jedoch noch Schwachpunkte, insbesondere bei den Anstrengungen der OFCs zur Bekämpfung von Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung, bei der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit sowie beim Informationsaustausch zwischen den einzelnen Jurisdiktionen und den heimischen Behörden. In seinen Beurteilungen über die Offshore-Finanzplätze bewertet der IWF die Einhaltung internationaler Standards im Banken-, Versicherungs- und Wertpapierwesen sowie die Einhaltung von Verfahren, Gesetzen und Methoden, die zur Verhinderung von Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung erforderlich sind.

Die Evaluierung der ersten Phase des IWF-Programms, die im Februar 2005 abgeschlossen wurde6 – 41 von 44 Jurisdiktionen wurden beurteilt und die Berichte wurden veröffentlicht –, zeigte Fortschritte bei der Erfüllung der folgenden vier vom Exekutivdirektorium gestellten Prioritäten:

  • regelmäßige Überprüfung der Entwicklungen an den Finanzplätzen;
  • verbesserte Transparenz durch ein Informationsnetz, das der IWF-Stab in Konsultation mit den OFCs entwickelt hat;
  • erweiterte technische Hilfe durch den Fonds sowie
  • größere Zusammenarbeit mit standardsetzenden Organisationen sowie Onshore- und Offshore-Aufsichtsbehörden.

Auf einem informellen Seminar im März 2005 erörterte das Exekutivdirektorium außerdem ein Stabspapier über mögliche Modalitäten zur Schaffung eines Regulierungsrahmens, der es ermöglicht, informelle Überweisungssysteme in den formellen Sektor zu integrieren. Damit soll der Gefahr vorgebeugt werden, dass informelle Systeme für Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung missbraucht werden.

Bilanzansatz, Schulden und Liquidität

Der “Bilanzansatz” stellt einen wichtigen Beitrag dar, wenn es darum geht, die Anfälligkeit einer Volkswirtschaft gegenüber Finanzkrisen zu analysieren. Außerdem führt er zu neuen Erkenntnissen über die Ursachen von Kapitalbilanzkrisen. Untersucht werden dabei die Aktiva und Passiva in den wichtigsten Sektoren einer Volkswirtschaft im Hinblick auf Asymmetrien bei Fälligkeiten, Währungen und Kapitalstrukturen.7 Im Laufe des Geschäftsjahres 2005 wurde die Bilanzanalyse zunehmend in die Geschäftstätigkeit des Fonds integriert, wobei der Schwerpunkt auf die Rolle der öffentlichen Schulden gelegt wurde. Die Analyse von Bilanzschwachpunkten wird zunehmend in die Artikel-IV-Konsultationen und andere Überwachungstätigkeiten aufgenommen.8

Bei der Zweijährlichen Überprüfung der Überwachung im Juli 2004 bekräftigten die Direktoren, dass die Anfälligkeit gegenüber Zahlungsbilanz- und Währungskrisen sowie die außenwirtschaftliche Tragfähigkeit zu den wichtigsten Anliegen des IWF gehören. Sie stellten fest, dass sich die gegenwärtige Strategie zur Verbesserung der Anfälligkeitsbeurteilungen und der Bilanzanalyse bereits positiv auswirkt und drängten den Stab, die Analysetechniken trotz der bestehenden Datenmängel weiter zu verfeinern. Einige Direktoren vertraten die Meinung, dass die Schuldentragfähigkeits-Beurteilungen verbessert werden könnten, wenn sie unabhängig von der regulären Länderarbeit durchgeführt würden. Andere Direktoren dagegen waren der Auffassung, dass qualitativ hochwertige Anfälligkeitsbeurteilungen von einer genauen Analyse der länderspezifischen Bedingungen abhängen, was wiederum die Sachkenntnisse der Länderabteilungen erfordert. Alle Direktoren hielten es für notwendig, die verschiedenen Elemente der Anfälligkeitsbeurteilungen besser zu integrieren, um das Ausmaß der Schwachpunkte in den Stabsberichten übersichtlicher zum Ausdruck zu bringen. Eine Reihe von Direktoren wiesen darauf hin, dass die Bilanzanalyse zur Beurteilung von Schwachstellen sowohl in fortgeschrittenen Volkswirtschaften als auch in aufstrebenden Marktwirtschaften eingesetzt werden kann.

Die Direktoren veranstalteten außerdem Seminare über verwandte Themen, darunter Innovationen zur Senkung der Anfälligkeiten, die sich aus der heutigen Struktur der Staatsschulden ergeben (Kasten 2.5) sowie Liquiditätssteuerung. Sie forderten die kreditnehmenden Länder zum regelmäßigen Dialog mit ihren privaten Gläubigern auf (Kasten 2.6).

Kasten 2.5Strukturieruung von Staatsschulden als Krisenprävention

Wie sollten Staatsschulden strukturiert werden, um die Wahrscheinlichkeit von Krisen zu verringern? Eine Studie des IWF-Stabs1 untersucht neuere Analyseansätze zur Strukturverbesserung von Staatsschulden. Sie stützt sich dabei auf die bestehenden Schuldeninstrumente und beschreibt die Vor- und Nachteile sowie die praktischen Herausforderungen einer Reihe von Innovationen.

Aus dieser Analyse ergeben sich drei Erkenntnisse:

  • Die Glaubwürdigkeit der Fiskal- und Geldpolitik hat großen Einfluss auf die Bereitschaft der Anleger, langfristige Anleihen in lokaler Währung zu halten. Die Glaubwürdigkeit hängt sowohl von der Qualität der Institutionen eines Landes als auch vom Ruf eines Landes ab, einen soliden politischen Kurs zu verfolgen. Es kann Jahre dauern, einen guten Ruf zu erwerben, eine Kombination aus makroökonomischer Stabilisierung und institutionellen sowie strukturellen Reformen kann diesen Prozess jedoch beschleunigen.
  • Der Schutz privater Gläubiger vor einer Verwässerung von Staatsschulden könnte die Finanzierungskosten reduzieren, den Marktzugang von Ländern mit niedrigen Schulden erhöhen und Überschuldung und riskante Schuldenstrukturen verhindern helfen. Eine Schuldenverwässerung entsteht, wenn neue Schulden die Forderung reduzieren, die die bestehenden Gläubiger im Falle eines Zahlungsausfalls eintreiben können. Das Problem der Verwässerung ist seit langem im Rahmen von Unternehmensschulden bekannt, wo es durch Anleiheklauseln und ausdrücklichen Vorrang bestimmter Forderungen angegangen wird. Das Stabspapier des IWF befürwortet eine Untersuchung ähnlicher Innovationen im Bereich der Staatsschulden.
  • Instrumente mit aktienähnlichen Merkmalen, die niedrigere Zahlungen im Falle von negativen Schocks und im Falle einer schwachen Wirtschaftsleistung vorsehen, können staatlichen Kreditnehmern helfen, die Schuldentragfähigkeit und die internationale Risikoteilung zu verbessern. BIP-indexierte Anleihen würden einen beträchtlichen Versicherungsschutz sowohl für fortgeschrittene als auch für aufstrebende Marktwirtschaften bieten, sie sind jedoch nur schwer umzusetzen.
1 Das Papier wurde im Januar 2005 in revidierter Form veröffentlicht als “IMF Occasional Paper No. 237”, Sovereign Debt Structure for Crisis Prevention, Eduardo Borensztein et al. (Washington: International Monetary Fund), www.imf.org/external/pubs/nft/op/237/op237.pdf.

Kasten 2.6Programme zur Förderung von Anlegerbeziehungen

Eine Reihe von Ländern und multinationalen Unternehmen haben ein Programm zur Förderung der Anlegerbeziehungen eingeführt, weil sie erkannt haben, dass eine bessere Kommunikation zwischen Anlegern und Gläubigern entscheidend ist für die Vermeidung und Lösung von Finanzkrisen. Das Exekutivdirektorium des IWF betont immer wieder, wie wichtig es ist, dass Länder, die auf den internationalen Kapitalmärkten Kredite aufnehmen, Verfahren für einen regelmäßigen Dialog mit ihren privaten Gläubigern einführen. Es forderte daher den Stab des Fonds auf, diesen Aspekt bei den Artikel-IV-Gesprächen mit Schwellenländern zu berücksichtigen.

Laut einer Studie des IWF-Stabs1 sind Länder und Anleger der Auffassung, ein Programm zur Förderung der Anlegerbeziehungen sollte mehrere Elemente enthalten, die sich aber von Land zu Land unterscheiden können:

  • Weitergabe von Daten und Informationen über die aktuelle Wirtschaftsentwicklung und Politikinitiativen auf einer Webseite oder durch E-Mail;
  • Einrichtung von Kanälen (formell oder informell), um die Fragen der Anleger zu beantworten und Feedback zu ihren Anliegen einzuholen;
  • Kontakte zwischen hochrangigen politischen Entscheidungsträgern und Anlegern in der Form von Sitzungen, Telekonferenzen und Informationsveranstaltungen, um Themen von gegenseitigem Interesse zu erörtern; sowie
  • Koordinierung zwischen den einzelnen Regierungsbehörden bei der Bereitstellung von Informationen über die Wirtschaftslage eines Landes an die Anleger sowie Förderung eines Dialoges zwischen Anlegern und Regierung.

Viele Länder haben seit 2001 in all diesen Bereichen beträchtliche Fortschritte gemacht.

1 “Investor Relations Programs—Recent Developments and Issues”, Oktober 2004, www.imf.org/external/np/icm/2004/102604.htm.

Schuldenbezogene Anfälligkeiten

Im Oktober 2004 veranstaltete das Direktorium ein Seminar zur Beurteilung der Arbeit des IWF-Stabes, die darauf abzielt, die Anfälligkeitsanalysen durch den Bilanzansatz zu verbessern. Die Diskussion konzentrierte sich auf das Stabspapier zu dem Thema “Schuldenbezogene Anfälligkeiten und Finanzkrisen – Anwendung des Bilanzansatzes bei aufstrebenden Ländern” (Debt-Related Vulnerabilities and Financial Crises—An Application of the Balance Sheet Approach to Emerging Market Countries), das einen umfassenden Blick auf die in den letzten zehn Jahren festzustellende Entwicklung verschiedener Bilanzindikatoren in aufstrebenden Märkten wirft und mehrere in jüngster Zeit aufgetretene Krisen und Fast-Krisen näher untersucht.9 (Siehe “Schuldenerleichterung und -tragfähigkeit” in Kapitel 4.)

Die Direktoren wiesen darauf hin, dass sich die Überprüfung von Währungs- und Fälligkeitsinkongruenzen in Sektorbilanzen als nützliche Ergänzung der traditionellen, strömungsbasierten Analyse des Fonds erwiesen hat. Die länderübergreifende Analyse des Stabes und Ex-post-Fallstudien zeigten, wie die Schuldenstruktur und Bilanzunstimmigkeiten zu Finanzkrisen beitragen können. Der Fonds hat außerdem die Arbeiten zur Entwicklung eines umfassenden Ansatzes der Risikoanalyse auf der Grundlage von Bilanzen begonnen (Kasten 2.7). Die Direktoren erklärten sich weitgehend einverstanden mit der besonnenen Art, in der der Stab die Erkenntnisse des Bilanzansatzes in die Geschäftstätigkeit des Fonds integriert, insbesondere im Hinblick auf die Länderüberwachung. Die Notwendigkeit, einen mechanistischen Ansatz zu vermeiden, könne nicht häufig genug betont werden und es sei bisher noch nicht geplant, den Bilanzansatz als Standardelement in die IWFÜberwachung aufzunehmen. Der Fonds wird gemeinsam mit den Mitgliedsländern daran arbeiten, die Statistikgrundlagen für eine sinnvollere Beurteilung von Bilanzanfälligkeiten zu verbessern und dabei Kosten und Nutzen einer solchen Initiative für die Mitgliedsländer sorgfältig abwägen.

Kasten 2.7Messung und Analyse des Bilanzrisikos mit Hilfe von Eventualforderungen

Bei dem Eventualforderungsansatz (contingent claims approach – CCA) handelt es sich um ein finanzwirtschaftliches ökonomisches Modell, das zur Analyse der Anfälligkeit von Bilanzen im Unternehmens- und Finanzsektor sowie im öffentlichen Sektor eingesetzt wird.

Dieser Ansatz verwendet Bilanz- und Finanzmarktdaten, um eine zu Marktpreisen bewertete Bilanz und einen Satz von KreditrisikoIndikatoren zu erstellen. Er unterscheidet sich von anderen Anfälligkeitsanalysen, indem er mit Hilfe des Faktors Volatilität aktuelle Schätzungen der risikoträchtigen Positionen ableitet. Dadurch bietet der Ansatz einen umfassenden und zukunftsorientierten Messwert für Bilanzrisiken. Der CCA wird im Unternehmenssektor häufig zur Risikoeinschätzung eingesetzt und zunehmend auch im Finanzsektor benutzt, denn dieses Instrument kann den politischen Entscheidungsträgern helfen, Strategien zur Reduzierung von Bilanzrisiken zu entwerfen und umzusetzen und die verschiedenen Politikoptionen zu bewerten.

Auf einem informellen Direktoriumsseminar über den Eventualforderungsansatz forderten die Exekutivdirektoren den IWF-Stab dazu auf, das Modell zu einem Instrument zur Identifizierung der wichtigsten Schwachstellen weiterzuentwickeln. Der IWF-Stab arbeitet zurzeit daran, einen Rahmen zur Einschätzung des Kreditrisikos im Unternehmens- und Finanzsektor sowie im öffentlichen Sektor zu entwickeln.

Die Bilanzanalyse sollte nach Möglichkeit bei allen Ländern angewendet werden. Wegen der knapp bemessenen Mittel muss jedoch Ländern, deren Bilanzschwachpunkte – insbesondere Währungsinkongruenzen – am größten scheinen und bei denen die Arbeit des Fonds am meisten zu einer Reduzierung von Anfälligkeiten beitragen könnte, Priorität eingeräumt werden. Dazu gehören aufstrebende Länder und Länder von systemischer Bedeutung. Der Stab wird auch weiterhin mit den Industrieländern zusammenarbeiten, um die Bilanzanalyse zu verfeinern und die Beurteilungen gegebenenfalls in die Artikel-IV-Konsultationen zu integrieren. In seinen Untersuchungen über die potenziellen Risiken von Aktien- und Immobilienpreisblasen in reifen Ländern wird der Stab auch in Zukunft Bilanzkonzepte anwenden. Die Direktoren wiesen darauf hin, dass die Entwicklung eines Bilanzansatzes eine kontinuierliche Arbeit darstellt und dass sowohl auf der analytischen als auch auf der operationellen Ebene noch viel zu tun ist.

Liquiditätssteuerung

Im Mai 2004 veranstaltete das Exekutivdirektorium ein Seminar, um den Zusammenhang zwischen internationalen Reserven, der Verwaltung öffentlicher Schulden und der Steuerung privater Verbindlichkeiten bei der Begrenzung der Liquiditätsrisiken eines Landes zu erörtern. Die Liquiditätssteuerung durch die Mitgliedsländer ist wichtig für die Vermeidung von Finanzkrisen, und die Anstrengungen des IWF im Bereich der Liquiditätssteuerung ergänzen seine übrige Arbeit im Bereich der Schuldentragfähigkeitsanalyse und der Finanzsektorüberwachung.

Die Direktoren wiesen darauf hin, dass die Devisenreserven und der Wechselkurs eines Landes eine wichtige Rolle spielen, weil sie die Länder bei der Bewältigung externer Schocks unterstützen. Sie bauen einen vorübergehenden Puffer auf, durch den plötzliche Störungen begrenzt werden können, und geben ihnen Zeit, geeignete politische Maßnahmen zu ergreifen. Reserven können ferner zu einer Steigerung des Marktvertrauens führen, wenn sie mit einem soliden politischen Kurs einhergehen und dadurch die wirtschaftliche und finanzielle Stabilität stärken. Die Direktoren betonten jedoch, dass internationale Reserven weder ein Ersatz für solide makroökonomische Politikmaßnahmen und umsichtiges Schuldenmanagement sein können noch grundlegende externe Ungleichgewichte ausgleichen können.

Die Direktoren ließen verlauten, dass Reserveindikatoren nur ein Richtwert und ein Ansatzpunkt für die Analyse der Angemessenheit der Reserven sind, und warnten vor einem undifferenzierten Ansatz. Diese Indikatoren müssen sorgfältig auf der Grundlage einer umfassenden Analyse und einer sorgfältigen Beurteilung der makroökonomischen Umstände eines Landes interpretiert werden.

Die jüngsten Kapitalbilanzkrisen haben gezeigt, dass sowohl die Struktur als auch die Höhe der öffentlichen Schulden beträchtliche Schwachpunkte in den Bilanzen eines Landes verursachen können. Eine umsichtige Steuerung der Passivseite sowohl im öffentlichen wie auch im privaten Sektor kann dazu beitragen, die Exponierung gegenüber Zins-, Währungs- und Refinanzierungsrisiken, die auf die Struktur der nationalen Bilanzen zurückzuführen sind, zu begrenzen. Die Direktoren hielten es deshalb für sinnvoll, die Politikberatung des IWF im Bereich der Verwaltung der öffentlichen Schulden zu verbessern und sich dabei auf die Leitlinien von IWF und Weltbank für die Verwaltung öffentlicher Schulden zu stützen (Guidelines for Public Debt Management)10. Sie betonten, dass kurzfristige fremdwährungsbezogene Schulden ein wichtiger Faktor für Krisenanfälligkeit sind und dass deshalb die Kombination von Währungs- und Fälligkeitsrisiken in der Schuldenstruktur überwacht und gesteuert werden muss. Die Direktoren verwiesen auf die Notwendigkeit, die Analyse der öffentlichen Schulden mit der Analyse makroökonomischer Entwicklungen und wirtschaftspolitischer Bereiche wie Wechselkursfragen und Währungszusammensetzung der Schulden zu verbinden.

Die Direktoren ermutigten den IWF-Stab, weitere analytische und empirische Studien zu Fragen des Liquiditätsmanagements durchzuführen, die Entwicklung eines Diagnoseinstrumentariums fortzusetzen und die Analyse im Bereich der Liquiditätssteuerung weiter in die Länderarbeit zu integrieren.

Überwachung, vorbeugende Vereinbarungen und Signalwirkung

Während des Geschäftsjahres 2005 wurde die Diskussion über die Instrumente fortgesetzt, die dazu dienen, den Märkten und der Öffentlichkeit Signale über IWF-Beurteilungen von Politikmaßnahmen der Mitglieder zu geben, die außerhalb einer Finanzvereinbarung durchgeführt werden. Des Weiteren wurde die aktuelle und potenzielle Funktion von vorbeugenden Vereinbarungen in Bezug auf die Signalwirkung und den Schutz vor Entstehen und Verbreitung von Kapitalbilanzkrisen erörtert. In früheren Direktoriumsgesprächen war in diesen Problembereichen kein Konsens erzielt worden, weil es Meinungsunterschiede zu der Frage gab, ob die gegenwärtige Geschäftspolitik des Fonds für die Bedürfnisse der Mitglieder angemessen ist.

Einige Mitglieder halten es nach wie vor für wünschenswert, dass der IWF auch außerhalb von Finanzvereinbarungen die wirtschaftspolitischen Maßnahmen häufiger überprüft und Signale über die Stärke der Wirtschafts- und Finanzpolitik abgibt. Sie suchen aus innenpolitischen Gründen oder als Signal für internationale Gläubiger und Spender einen Mechanismus, der nach außen hin zeigt, dass sie einen vernünftigen politischen Kurs verfolgen, sie benötigen aber keine IWF-Finanzierung oder ziehen es vor, keine IWF-Mittel zu beantragen. Spender und Gläubiger haben ebenfalls Interesse an einem Signalmechanismus des IWF bekundet.

Eine Reihe von Mechanismen kommen in Frage – und sind in der Vergangenheit auch eingesetzt oder untersucht worden –, um die Nachfrage der Mitglieder nach einer Signalwirkung zu erfüllen. Das Direktorium setzte seinen Meinungsaustausch über die mögliche Gestaltung des vorgeschlagenen Signalinstruments, der so genannten Politiküberwachungs-Vereinbarung (Policy Monitoring Arrangement) im September 2004 fort. Dies erfolgte vor dem Hintergrund einer allgemeinen Überprüfung der Geschichte der Signalwirkung im IWF.11 Die Direktoren waren sich weitgehend einig, dass ein neuer Signalmechanismus an den Fächer der IWF-Instrumente angepasst werden müsste, der von der Überwachung bis zu IWF-gestützten Programmen reicht. Sie wiesen auch darauf hin, dass sich vorbeugende Bereitschaftskredit-Vereinbarungen sowie PRGF-Vereinbarungen mit niedrigen Zugangsgrenzen als nützliche Instrumente erwiesen haben. Zu den wichtigsten Verfahrensfragen eines solchen Instruments gehörten der Standard für die Aktivierung des Mechanismus, die Überprüfungsmodalitäten sowie die Veröffentlichung.

Ghana

Im Mai 2003 verabschiedete das Exekutivdirektorium des IWF im Rahmen der Armutsbekämpfungs- und Wachstumsfazilität (PRGF) eine dreijährige Vereinbarung für Ghana für den Zeitraum 2003-05. In dieser Zeit hat Ghana bei den meisten Programmzielen Fortschritte erreicht und die wirtschaftliche Entwicklung des Landes war zufrieden stellend.

Das reale BIP-Wachstum übertraf 2004 die Programmprojektionen zum zweiten Mal nacheinander und Ghana baute viel schneller als erwartet internationale Reserven als Puffer gegen externe Schocks auf. Die Inflationsrate blieb zwar über dem Zielwert der Zentralbank, ging aber bis Ende 2004 um einen halben Prozentpunkt zurück. Gleichzeitig wurde die Relation zwischen Inlandsschuld und BIP – der fiskalpolitische Anker der Regierung – beträchtlich zurückgeführt, was sowohl auf größere Haushaltsdisziplin als auch auf schnelleres BIP-Wachstum zurückzuführen war.

Eine zufrieden stellende Umsetzung der Politikmaßnahmen trug dazu bei, dass Ghana im Juli 2004 den Abschlusspunkt im Rahmen der erweiterten Initiative für hochverschuldete arme Länder (HIPCs) erreichte. Das Land erhielt Schuldenerleichterung in Höhe von etwa 2,2 Mrd. $ auf Basis des Gegenwartswerts und kann deshalb in den nächsten zehn Jahren jährlich etwa 1,2 Prozent des BIP an Schuldendienstzahlungen einsparen.

Zusammenarbeit zwischen Ghana und IWF im GJ 2005
Juni 2004Vorlage des Fortschrittsberichts über Ghanas Strategiedokument zur Armutsbekämpfung
Juli 2004Abschluss der zweiten Überprüfung von Ghanas PRFG-gestütztem Programm
Ghana wird das vierzehnte Land, das den Abschlusspunkt unter der erweiterten HIPC-Initiative erreichte
Veröffentlichung der IWF-Weltbank-Beurteilung des PRSP-Fortschrittsberichts
Veröffentlichung des Berichts über die Einhaltung von Standards und Kodizes (Modul für Transparenz der öffentlichen Haushalte)

Im September 200412 erörterte das Direktorium außerdem den möglichen Einsatz von vorbeugenden BereitschaftskreditVereinbarungen zur Vermeidung von Kapitalbilanzkrisen, ein Thema, das das Direktorium in den letzten Jahren mehrfach geprüft hat. Vorbeugende Vereinbarungen sind ein wichtiges Instrument, um Signale über die wirtschaftspolitische Disziplin zu senden und eine Eventualfinanzierung zu gewähren. Der Einsatz dieser Instrumente ist besonders relevant für Länder, die nach einer langjährigen Verwendung von IWF-Mitteln in Zukunft auf diese Mittel verzichten wollen. Sie sind außerdem wichtig, um die Anstrengungen der Mitglieder zur Reduzierung ihrer Anfälligkeiten gegenüber Kapitalbilanzkrisen zu unterstützen. Eine schwierige Frage im Zusammenhang mit dieser Krisenpräventionsfunktion ist allerdings der mögliche Einsatz von vorbeugenden Vereinbarungen mit außergewöhnlich hohem Zugang.

Viele Direktoren waren der Auffassung, dass der Auslauf der Vorbeugenden Kreditlinie (Contingent Credit Line – CCL) Ende 2003 eine Lücke im Instrumentarium des IWF hinterlassen hat. Eine neue Politik, die ex ante die Zusage einer angemessenen Finanzunterstützung ermöglicht, könne die Rolle des Fonds bei der Krisenprävention stärken. Viele andere Direktoren vertraten dagegen die Auffassung, dass die regulären vorbeugenden Vereinbarungen innerhalb der normalen Zugangsgrenzen eine ausreichende Unterstützung für die Mitgliedsländer mit einer soliden Politik darstellen und dass Innovationen in der IWFÜberwachung sowie Anstrengungen zur Erhöhung der Transparenz bereits erste Früchte tragen.

Wie bei früheren Direktoriumsdiskussionen zu diesem Themenbereich wurde kein Konsens erzielt.

Die gegenwärtige Geschäftspolitik ermöglicht bereits eine häufige Konsultation mit Mitgliedern, die keine Finanzvereinbarung mit dem Fonds haben, und bietet deshalb eine Grundlage für Stabsbeurteilungen über die Wirtschaftspolitik der Mitglieder. Diese Bewertungen können für die Öffentlichkeit oder für Gläubiger oder Spender freigegeben werden, sind jedoch nicht als eine Billigung der Wirtschaftspolitik oder eine Erklärung, dass diese Politik einen bestimmten Standard erfüllt, zu verstehen. In letzter Zeit wurden bei einer Reihe von Ländern verschiedene Varianten dieses Ansatzes eingesetzt (Kasten 2.8). Auf Antrag des Internationalen Währungs- und Finanzausschusses vom April 2005 wird das Direktorium im Geschäftsjahr 2006 ein Dokument erörtern, das das Thema der Signalwirkung für Länder, die Hilfe im Rahmen der Armutsbekämpfungs- und Wachstumsfazilität in Anspruch nehmen können, behandelt (siehe Kapitel 4).

Kasten 2.8Signalwirkung im Rahmen der Überwachung

Die IWF-Beurteilung der Wirtschaftspolitik und -entwicklung in den Mitgliedsländern enthält Informationen oder “Signale”, die von anderen Akteuren – wie Anlegern und Spendern – für die Entscheidungsfindung eingesetzt werden können. So können zum Beispiel die IWF-Beurteilungen im Bereich der Wirtschaftsentwicklung und -politik, die in Publikationen wie dem “Weltwirtschaftsausblick” und dem “Bericht zur Stabilität des globalen Finanzsystems” zu finden sind, bei Anlegerentscheidungen eine Rolle spielen und der auf die Artikel-IV-Konsultation folgende Bericht über die Wirtschaftspolitik einkommensschwacher Länder kann die Entscheidungen von Gebern beeinflussen.

Auf Anfrage liefert der Fonds der Gebergemeinschaft normalerweise direkt schriftliche oder mündliche Gutachten. Gelegentlich äußert jedoch ein Mitgliedsland, das bei Spendern oder Kreditgebern Finanzhilfe beantragt, den Wunsch, diesen die IWF-Beurteilung zu übermitteln. Die Bewertungen sollen die Empfänger in die Lage versetzen, sich ein klares Urteil über die Stärken und Schwächen der Wirtschafts- und Strukturpolitik eines Landes zu bilden.

Um eine regelmäßigere Bereitstellung von Signalen zu gewährleisten, baten einige Mitgliedsländer um häufigere Besuche des IWF-Stabs und in einigen Fällen um mehr Berichte an das Direktorium als nur einmal pro Jahr im Rahmen der jährlichen Artikel-IV-Konsultationen. Einige dieser Länder wollen einen ständigen Dialog mit der Gebergemeinschaft oder der Weltbank fördern, während andere einen intensiveren Dialog mit dem IWF-Stab und häufigere unabhängige Berichte über die Wirtschaftslage als positiv ansehen. In den Fällen Jamaika, Libanon und Nigeria erstellt der IWF-Stab zwei Berichte pro Jahr für das Exekutivdirektorium. Obwohl die Veröffentlichung der Berichte auf freiwilliger Basis erfolgt, wurden in letzter Zeit die meisten dieser Berichte veröffentlicht und obwohl diese Berichte keine formelle Billigung der Wirtschaftspolitik darstellen, halten diese Länder diese intensivierte Beziehung zum IWF für sinnvoll.

Standards und Kodizes sowie Datenbereitstellung an den Fonds

Der IWF und die Weltbank begutachten die Politik der Mitgliedsländer in zwölf Bereichen – Datenqualität, Transparenz der Geld- und Finanzpolitik, Transparenz im Bereich der öffentlichen Haushalte, Bankenaufsicht, Wertpapiere, Versicherung, Zahlungssysteme, Bestimmungen zur Bekämpfung der Geldwäsche, Unternehmensführung, Rechnungslegung, Rechnungsprüfung sowie Insolvenz und Gläubigerrechte – und vergleichen sie mit internationalen Standards und Kodizes, die als Richtwerte für gute Praktiken dienen.13 Diese Beurteilungen sollen den Ländern helfen, Schwächen in ihrer Politik aufzudecken, und andererseits die Marktteilnehmer bei Investitionsentscheidungen unterstützen (Kasten 2.9).

Kasten 2.9ROSCs und Datenstandard-Initiativen

Berichte über die Einhaltung von Standards und Kodizes (ROSCs). Es gibt zwölf verschiedene ROSC-Module. Dabei handelt es sich um eine Bewertung zu der Frage, inwieweit ein Land Richtwerte und damit zusammenhängende Standards in den jeweiligen Bereichen einhält, die für die operationelle Arbeit von IWF und Weltbank von Nutzen sind. Die Berichte – etwa 75 Prozent wurden bisher veröffentlicht – untersuchen drei breite Themenbereiche: (1) transparente Arbeitsweise und Entscheidungsfindung auf Regierungsebene (Datenweitergabe, Transparenz im Bereich der öffentlichen Haushalte, Transparenz im Bereich der Geld- und Finanzpolitik), (2) Finanzsektorstandards (Bankenaufsicht, Zahlungssysteme, Wertpapierregulierung, Versicherungsaufsicht sowie Anstrengungen zur Bekämpfung von Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung – AML/CFT) sowie (3) Marktintegritäts-Standards für den Unternehmenssektor (Unternehmensführung, Rechnungslegung, Rechnungsprüfung, Insolvenz und Gläubigerrechte). Die Zahl der Teilnehmer an der Initiative für Standards und Kodizes wächst ständig. Ende April 2005 waren 723 ROSC-Beurteilungen und -Aktualisierungen für 122 Länder, d.h. zwei Drittel der IWF-Mitglieder, abgeschlossen und die meisten systemisch wichtigen Länder hatten sich zu einer Beurteilung bereit erklärt. Mehr als 300 ROSCs befassten sich mit Finanzsektorstandards. Etwa ein Drittel betraf die Bankenaufsicht, die übrigen verteilten sich ziemlich gleichmäßig auf die anderen Standards und Kodizes (mit Ausnahme der ROSC-Module für AML/CFT, die erst später beurteilt wurden).

Spezieller Datenweitergabestandard (SDDS). Der SDDS, der 1996 eingeführt wurde, ist ein freiwilliger Standard, dessen Teilnehmer - Länder, die Zugang zu internationalen Finanzmärkten haben oder anstrebensich verpflichten, international anerkannte Normen über die Erfassung, Häufigkeit und Aktualität von Daten einzuhalten. Die Teilnehmer erklären sich außerdem bereit, einen Zeitplan über Datenfreigabe herauszugeben und gute Praktiken in Bezug auf Datenintegrität und -qualität sowie öffentlichen Zugang zu verfolgen. Die SDDS-Teilnehmer liefern Informationen über ihre Praktiken im Bereich der Zusammenstellung und Verbreitung der Daten (Metadaten), die anschließend in die IWF-Informationstafel zu Datenweitergabestandards (Dissemination Standards Bulletin Board - DSBB)1 eingestellt werden. Die Teilnehmer sind außerdem verpflichtet, einen elektronisch mit der DSBB verbundenen Internet-Auftritt zu unterhalten, der die eigentlichen Daten enthält. Die SDDS-Teilnehmer begannen im September 2003 mit der vorgeschriebenen Weitergabe von Daten über die Auslandsverschuldung. Mit Stand vom 30. April 2005 gab es 60 Teilnehmer am SDDS. Belarus, Ägypten und Russland kamen im Geschäftsjahr 2005 hinzu.

Allgemeines Datenweitergabesystem (GDDS). Das GDDS-Regelwerk wurde 1997 eingeführt, um IWF-Mitgliedsländern zu helfen, ihre Statistiksysteme zu verbessern. Die freiwillige Teilnahme ermöglicht es den Ländern, ihr eigenes Tempo festzulegen, und bietet gleichzeitig ein ausführliches Regelwerk, das den Einsatz international anerkannter Methodikgrundsätze, die Annahme strenger Kompilationspraktiken und die Erhöhung der Professionalität nationaler Statistikbehörden fördert. Die 79 IWF-Mitglieder, die Ende April 2005 am GDDS teilnahmen, stellen Metadaten bereit, die ihre Praktiken zur Datenkompilation und Datenweitergabe beschreiben, und legen ausführliche Verbesserungspläne vor. Diese Daten werden dann in die IWF-Informationstafel zu Datenweitergabestandards eingestellt. Die Teilnahme am GDDS hat sich seit 2001 fast vervierfacht.

Der Stab des Fonds entwickelte außerdem in Zusammenarbeit mit anderen internationalen Organisationen einen “Standard für den Austausch von statistischen Daten und Metadaten” (Statistical Data and Metadata Exchange – SDMX). Der SDMX will durch die Bereitstellung von standardisierten Praktiken, kohärenten Protokollen und anderen Infrastrukturentwürfen für die Berichterstattung und den Austausch und die Einstellung von Daten in Webseiten den effizienten elektronischen Austausch statistischer Informationen zwischen nationalen und internationalen Behörden erleichtern und die elektronische Verwaltung dieser Daten verbessern.

System für die Beurteilung der Datenqualität (Data Quality Assessment Framework - DQAF). Das DQAF ist eine Begutachtungsmethode, die im Anschluss an die vierte Überprüfung der Datenstandards-Initiative im Jahre 2001 in die Struktur des ROSC-Daten-moduls aufgenommen wurde. Der breiter gefasste Ansatz des DQAF bei der Bereitstellung von Leitlinien für die Verbesserung der Datenqualität wurde inzwischen sowohl in das Datenqualitätsprogramm als auch, in stärkerem Umfang, in die Artikel-IV-Konsultationen integriert.

1 Die Adresse der Webseite lautet dsbb.imf.org/Applications/web/dsbbhome/.

Entwurf eines Leitfadens für Transparenz der Einnahmen aus der Rohstoffwirtschaft

Im Dezember 2004 legte der IWF der Öffentlichkeit den “Entwurf eines Leitfadens für Transparenz der Einnahmen aus der Rohstoffwirtschaft” (Draft Guide on Resource Revenue Transparency) zur Stellungnahme vor. Der Leitfaden soll den Ländern bei der Haushaltsverwaltung von Mitteln helfen, die in der Rohstoffwirtschaft in Bereichen wie Erdöl, Erdgas und Bergbau erzielt werden. Er unterstreicht, dass eine Stärkung der Institutionen und eine Verbesserung der Transparenz sowohl für die Regierungen als auch für die Steuerzahler beträchtliche Vorteile mit sich bringen kann. Ein höheres Maß an Transparenz im Bereich der öffentlichen Haushalte fördert eine fundiertere öffentliche Debatte und hilft den Ländern auf ihrem Weg zu einer solideren Fiskalpolitik.

Der Leitfaden wendet den IWF-Kodex zur Transparenz der öffentlichen Haushalte14 an und ergänzt das “Handbuch über Transparenz im Bereich der öffentlichen Haushalte” (Manual on Fiscal Transparency)15, das 2001 im Rahmen der Arbeit des IWF im Bereich von Standards und Kodizes veröffentlicht wurde. Auf der Webseite des IWF wurden bisher für etwa 70 Mitgliedsländer Berichte über die Transparenz im Bereich der öffentlichen Haushalte oder “Berichte über die Einhaltung von Standards und Kodizes” (ROSCs) veröffentlicht. Diese Berichte beurteilen die Länderpraktiken und vergleichen sie mit den Praktiken, die im Kodex zur Transparenz im Bereich der öffentlichen Haushalte beschrieben werden. Der “Entwurf eines Leitfadens für Transparenz der Einnahmen aus der Rohstoffwirtschaft” kann vom IWF zur Begutachtung der Transparenz der öffentlichen Haushalte in rohstoffreichen Ländern eingesetzt werden und ist außerdem nützlich für den Politikdialog des IWF mit diesen Ländern. Der IWF wird bei der Verabschiedung des Leitfadens die aus der Öffentlichkeit eingegangenen Stellungnahmen berücksichtigen.

Datenstandards

Die Datenstandard-Initiativen des IWF zielen darauf, die öffentliche Verfügbarkeit von zuverlässigen, aktuellen und umfassenden Statistiken über die Mitgliedsländer zu erhöhen und es dadurch den Marktteilnehmern zu ermöglichen, fundierte Anlageentscheidungen zu treffen, die Funktionsweise der Finanzmärkte zu verbessern und die Wahrscheinlichkeit von Schocks zu reduzieren, die zu einer Krise führen können.

Überprüfung des GDDS-Leitfadens

Im Oktober 2004 gab der IWF einen revidierten “Leitfaden für das Allgemeine Datenweitergabesystem” (GDDS) heraus, um die Verfügbarkeit von statistischen Daten zu fördern, die sich auf die Millennium-Entwicklungsziele beziehen (siehe Kapitel 4). Der Leitfaden, der in Zusammenarbeit mit regionalen und internationalen Organisationen, darunter die Weltbank, entwickelt wurde, erkennt die Bedeutung der diesbezüglichen Indikatoren und der Entwicklung eines geeigneten statistischen Überprüfungssystems ausdrücklich an.

Online-Datenbank über Auslandsverschuldung

Im November 2004 richteten Weltbank und IWF eine Online-Datenbank ein, die die Statistiken über die Auslandsverschuldung von 41 Ländern zusammenträgt, die am Speziellen Datenweitergabestandard (SDDS) des IWF teilnehmen. Bis Ende April 2005 war die Zahl der Teilnehmer, die Daten übermitteln, auf 49 gestiegen. Die Datenbank bietet den politischen Entscheidungsträgern und Marktteilnehmern zeitnahe Daten in einem Format, das länderübergreifende Vergleiche ermöglicht und eine bessere Grundlage für die Bilanzanalysen und Überwachungsinitiativen darstellt. Die Vierteljährliche Statistik der Auslandsverschuldung (Quarterly External Debt Database), die von der Weltbank unterhalten wird16, stellt einen konkreten Schritt der beiden Institutionen dar, die weltweite Weitergabe von Daten über die Auslandsverschuldung zwischen möglichst vielen Ländern zu erleichtern und zu fördern.

Die Daten werden von den Ländern in international vereinbarten Formaten bereit gestellt. Die Teilnahme an der Datenbank ist freiwillig. Obwohl die Datenbank zunächst nur die Länder abdeckt, die am SDDS teilnehmen, besteht das Ziel darin, die Teilnahme auf alle Länder auszuweiten, deren Auslandsverschuldungsdaten im Einklang mit den SDDS-Anforderungen weitergegeben werden können.

Daten und Metadaten über Portfolio- und Direktinvestitionen

Die Ergebnisse der “Koordinierten Erhebung über Portfolio-Investitionen” (Coordinated Portfolio Investment Survey – CPIS) für Ende Dezember 2003 wurden im März 2005 auf der externen Webseite des Fonds freigegeben. Die Erhebung, die seit 2001 jährlich durchgeführt wird, liefert Daten aus 70 Jurisdiktionen, darunter die meisten großen Volkswirtschaften, die Anlegerinteressen haben. Die berichteten Daten beziehen sich auf die grenzüberschreitenden Portfolio-Investitionen der einzelnen Jurisdiktionen und werden nach Aktien sowie lang- und kurzfristigen Schuldtiteln sowie nach Jurisdiktion der Wertpapieremittenten aufgegliedert. Wertpapierbestände, die Teil der Devisenreserven sind, sowie Bestände ausgewählter internationaler Organisationen werden ebenfalls berichtet und nach dem gleichen Schema aufgegliedert.

Die Daten sollen Lücken in den Studien über regionale Konzentration, Finanzintegration, Übertragungswirkungen zwischen Jurisdiktionen (Ansteckung) und Globalisierung füllen und Daten über Partnerländer bereitstellen, die Lücken in den Statistiken über den Auslandsvermögensstatus der einzelnen Jurisdiktionen füllen. Die Erfassung von Offshore-Finanzplätzen und führenden ölexportierenden Ländern wird ständig verbessert. Metadaten, die die Kompilationspraktiken der teilnehmenden Jurisdiktionen beschreiben, werden ebenfalls in die externe Webseite des Fonds eingestellt.

Im März 2005 wurden Metadaten in die Webseite eingestellt, die beschreiben, wie die Länder ausländische Direktinvestitionen messen. Inzwischen sind Informationen über 56 Länder auf der Webseite des IWF verfügbar. Sie stützen sich auf die Ergebnisse der im Jahr 2003 durchgeführten gemeinsamen “IWF/OECD-Erhebung über die Umsetzung der methodischen Standards für Direktinvestitionen” (IMF/OECD Survey of Implementation of Methodological Standards for Direct Investment – SIMSDI).

Die Metadaten beschreiben sowohl für die CPIS- als auch für die SIMSDI-Erhebung Datenverfügbarkeit, Quellen, Kompilationspraktiken sowie die verwendeten Methoden und sie geben an, ob die Praktiken der einzelnen Jurisdiktionen internationalen Richtlinien für Statistiken entsprechen. Zurzeit wird eine Machbarkeitsstudie durchgeführt um festzustellen, ob nach dem Muster der CPIS-Erhebung eine “Koordinierte Erhebung über Direktinvestitionen” (Coordinated Direct Investment Survey) durchgeführt werden kann.

Verbesserte Datenübermittlung an den IWF

Bei den Bemühungen um eine bessere Qualität der Daten, die der IWF zum Zwecke der Überwachung von seinen Mitgliedern erhält, hat das Direktorium in den letzten Jahren Maßnahmen ergriffen, um die Informationskategorien, über die die Mitgliedsländer (nach Artikel VIII Abschnitt 5 des IWF-Übereinkommens) Bericht erstatten müssen, zu erweitern und neue Verfahren und Rechtsbehelfe für die Fälle einzuführen, in denen Mitglieder ihren Verpflichtungen nicht nachkommen.

Im Januar 2004 verabschiedete das Direktorium einen Beschluss über die Ausweitung der Liste der Mindestdaten, die die IWF-Mitglieder auf kontinuierlicher Basis bereitstellen müssen. Mit der erweiterten Anforderung, die am 1. Januar 2005 in Kraft trat, wurde der rechtliche Rahmen des IWF für das Berichtswesen stärker an den gegenwärtigen Datenbedarf angepasst. Die Angabe von Daten, die ausdrücklich in Artikel VIII Abschnitt 5 aufgelistet sind, bleibt weiterhin verbindlich. Unterlassene Datenübermittlung gilt als Bruch der Verpflichtungen eines Mitglieds, es sei denn, das Mitglied verfügt nicht über die notwendigen Kapazitäten. Der Beschluss des Direktoriums beschreibt ausführliche Verfahren für den Umgang mit Fällen von unterlassener oder fehlerhafter Berichterstattung von Daten, die nach Artikel VIII Abschnitt 5 erforderlich sind.

In dem Direktoriumsbeschluss werden die Mitglieder außerdem zur Anwendung international anerkannter Kompilationsmethoden aufgerufen. Sollten die Mitglieder diesem Beschluss nicht folgen, sind sie verpflichtet, Datenbeschreibungen vorzulegen, die mit der allgemein anerkannten Bedeutung der einzelnen Indikatoren im Einklang stehen. Der IWF-Stab ist gehalten, sich mit den spezifischen Konzepten und Definitionen dieser Indikatoren sowie mit den Kompilationspraktiken und Datenüberprüfungsmethoden vertraut zu machen. Wenn ein Mitglied Daten nach Maßgabe dieser Vorgaben bereitstellt oder überprüft, ist es nicht in Gefahr, eines Vertragsbruchs für schuldig befunden zu werden.

1

Die Diskussion des Direktoriums wird in der Öffentlichen Informationsmitteilung (PIN) Nr. 04/95 zusammengefasst, www.imf.org/external/np/sec/pn/2004/pn0495.htm; die Überprüfung ist einzusehen unter www.imf.org/external/np/pdr/surv/2004/082404.htm.

2

Die Mitteilung ist verfügbar unter www.imf.org/external/np/sec/nb/1997/nb9715.htm#I2.

3

Die Diskussion wird in der Öffentlichen Informationsmitteilung (PIN) Nr. 05/47 zusammengefasst, www.imf.org/external/np/sec/pn/2005/pn0547.htm. Die Stabspapiere über das FSAP sind verfügbar unter www.imf.org/external/np/fsap/2005/022205.htm und www.imf.org/external/np/fsap/2005/022205a.htm.

4

Verfügbar unter www.imf.org/external/np/mfd/2004/eng/102504.htm; siehe auch “Financial Sector Regulation: Issues and Gaps—Background Paper”, www.imf.org/external/np/mfd/2004/eng/081704.htm, sowie die Zusammenfassung der Direktoriumsdiskussion in der Öffentlichen Informationsmitteilung (PIN) Nr. 04/131, www.imf.org/external/np/sec/pn/2004/pn04131.htm.

5

Die Direktoriumsdiskussion wird zusammengefasst in der Öffentlichen Informationsmitteilung (PIN) Nr. 05/15, www.imf.org/external/np/sec/pn/2005/pn0515.htm. Das Papier ist verfügbar unter www.imf.org/external/np/mfd/2004/eng/102604.htm.

6

“Offshore Financial Centers: The Assessment Program—A Progress Report”, www.imf.org/external/np/pp/eng/2005/022505.htm.

7

Siehe zum Beispiel die Studie “Integrating the Balance Sheet Approach into Fund Operations” (23. Februar 2004), www.imf.org/external/np/pdr/bal/2004/eng/022304.htm.

8

Zu den Beispielen gehören “Bulgaria: Selected Issues and Statistical Appendix”, IWF-Länderbericht Nr. 04/177, Juni 2004, www.imf.org/external/pubs/ft/scr/2004/cr04177.pdf; “Australia: 2004 Article IV Consultation—Staff Report”, IWF-Länderbericht Nr. 04/353, November 2004, www.imf.org/external/pubs/ft/scr/2004/cr04353.pdf; “Republic of Estonia: Selected Issues”, IWF-Länderbericht Nr. 04/357, November 2004, www.imf.org/external/pubs/ft/scr/2004/cr04357.pdf; sowie “Ukraine: Selected Issues”, IWF-Länderbericht Nr. 05/20, Januar 2005, www.imf.org/external/pubs/ft/scr/2005/cr0520.pdf.

9

“IMF Executive Board Discusses Balance Sheet Approach to Analysis of Debt-Related Vulnerabilities in Emerging Markets”, Öffentliche Informationsmitteilung (PIN) Nr. 05/36, www.imf.org/external/np/sec/pn/2005/pn0536.htm.

11

Für weitere Informationen siehe “Signaling by the Fund – A Historical Review”, www.imf.org/external/np/pdr/signal/2004/071604.htm, sowie die Zusammenfassung der Direktoriumsdiskussion in der Öffentlichen Informationsmitteilung (PIN) Nr. 04/114, www.imf.org/external/np/sec/pn/2004/pn04114.htm.

12

Siehe “Crisis Prevention and Precautionary Arrangements—Status Report”, www.imf.org/external/np/pdr/cp/eng/2004/090304.htm, sowie die Zusammenfassung der Direktoriumsdiskussion in der Öffentlichen Informationsmitteilung (PIN) Nr. 04/117, www.imf.org/external/np/sec/pn/2004/pn04117.htm.

13

Das Direktorium hat bisher noch keinen Standard für Insolvenz und Gläubigerrechte, einer der zwölf Bereiche, verabschiedet.

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