Chapter

Kapitel 1. Die Praxis der Überwachung im Geschäftsjahr 2005

Author(s):
International Monetary Fund
Published Date:
November 2005
Share
  • ShareShare
Show Summary Details

Die Überwachung stellt eine der drei Hauptaktivitäten des IWF dar. Die beiden anderen Hauptaktivitäten sind die finanzielle und die technische Unterstützung seiner Mitgliedsländer. Während die finanzielle und technische Unterstützung, auf die in den Kapiteln drei bis sechs eingegangen wird, nur Ländern gewährt wird, die sie beantragen und benötigen, überwacht der IWF kontinuierlich die Volkswirtschaften aller Mitgliedsländer sowie die Weltwirtschaft und das Weltfinanzsystem. Die Aufgaben des IWF in diesem Bereich sind in Artikel IV des IWFÜbereinkommens beschrieben. Sie bestehen darin, das Weltwährungssystem zu überwachen, um dessen effektive Funktionsweise zu gewährleisten, und zu prüfen, inwieweit jedes einzelne Mitgliedsland seine Verpflichtungen zur Zusammenarbeit mit dem IWF und anderen Mitgliedern erfüllt, um ein geordnetes und stabiles Wechselkurssystem, eine größere wirtschaftliche und finanzielle Stabilität sowie ein solides Wirtschaftswachstum zu fördern. Der Beitrag des IWF zur Vermeidung von Finanz- und Wirtschaftskrisen erfolgt hauptsächlich durch seine Überwachungsaktivitäten.

Der IWF übt seine Überwachung durch die Beobachtung der Wirtschafts- und Finanzentwicklung und durch Konsultationen mit den Behörden der Mitgliedsländer aus. Die Überwachung wird auf globaler und regionaler Ebene sowie auf Länderebene durchgeführt.

Im Rahmen der globalen (oder “multilateralen”) Überwachung beobachtet der IWF die wirtschaftliche Lage und die Entwicklungen an den internationalen Kapitalmärkten und bewertet die globalen Auswirkungen von bedeutsamen wirtschaftlichen und finanziellen Entwicklungen wie die Lage am Ölmarkt oder außenwirtschaftliche Ungleichgewichte. Die Geschäftsleitung und der Mitarbeiterstab des IWF beteiligen sich auch an wirtschaftspolitischen Diskussionen der Finanzminister, Notenbankgouverneure und anderer Amtsträger, die in verschiedenen Gruppen durchgeführt werden. Dazu gehören die Gruppe der sieben führenden Industrieländer (G7), die Gruppe der 20 Industrie- und Schwellenländer (G20) und die Gruppe der 24 Entwicklungsländer (G24).

In seiner länderbezogenen (oder “bilateralen”) Überwachung pflegt der IWF den Dialog mit jedem einzelnen Mitgliedsland über Entwicklungen in der jeweiligen Volkswirtschaft und über nationale und internationale Auswirkungen seiner Wirtschafts- und Finanzpolitik.

In der regionalen Überwachung untersucht der IWF wirtschaftspolitische Maßnahmen, die im Rahmen von regionalen Vereinbarungen wie dem Eurogebiet, der Ostkaribischen Währungsunion (ECCU) und der Westafrikanischen Wirtschafts- und Währungsgemeinschaft (WAEMU) ergriffen werden, sowie die regionalen Auswirkungen von globalen Entwicklungen.

Zu den Höhepunkten der Überwachung des IWF im Geschäftsjahr 2005 zählen (siehe Kasten 1.1 für eine Zusammenfassung der wichtigsten Wirtschafts- und Finanzentwicklungen im Geschäftsjahr 2005):

  • Die halbjährlichen Beurteilungen der Weltwirtschaft durch das Exekutivdirektorium, die im September 2004 und im März 2005 im “Weltwirtschaftsausblick” (World Economic Outlook – WEO) veröffentlicht wurden, konzentrierten sich insbesondere auf Maßnahmen zur Beseitigung der globalen LeistungsbilanzUngleichgewichte, die Auswirkungen eines weltweiten Anstiegs der Zinssätze und die Entwicklungen an den Ölmärkten. Im März 2005 erwarteten die Exekutivdirektoren für den Rest des Jahres ein solides Wachstum, das aber Risiken durch ein zunehmend ungleichgewichtiges Wachstum, eine deutliche Straffung der Bedingungen an den Finanzmärkten und einen weiteren steilen Anstieg der Ölpreise ausgesetzt sei.

  • Im August 2004 und März 2005 erörterte das Direktorium die Entwicklungen an den Finanzmärkten, die in dem veröffentlichten halbjährlichen “Bericht zur Stabilität des globalen Finanzsystems” (Global Financial Stability Report – GFSR) dargestellt sind. Das Direktorium verwies dabei auf die größere Widerstandsfähigkeit des globalen Finanzsystems, aber auch auf die gestiegenen Risiken einer Korrektur der Marktentwicklungen auf Grund der überreichlichen Liquiditätsversorgung und der niedrigeren Risikoprämien.

  • Bei einem Seminar über die Lage am Ölmarkt, das im März 2005 stattfand, stimmten die Direktoren darin überein, dass die Marktsituation wahrscheinlich auf absehbare Zeit angespannt bleibt. Als Ursache dafür wurden der anhaltende Anstieg der globalen Nachfrage, die an ihre Grenzen gestoßene Ölförderung in den Nicht-OPECLändern sowie potenzielle Angebotsstörungen genannt.

  • Der IWF schloss Konsultationen mit 130 Mitgliedsländern ab. In einigen Fällen beinhalteten diese Konsultationen eine strategische Bestandsaufnahme. Sie wurde ergänzt durch die Bewertung von Ländern nach dem Ende fondsunterstützter Anpassungsprogramme, die über einen längeren Zeitraum durchgeführt worden waren.

  • Im Rahmen der regionalen Überwachung von Währungsgemeinschaften bewertete das Direktorium im Geschäftsjahr 2005 die Entwicklungen im Eurogebiet, in der Ostkaribischen Währungsunion und in der Westafrikanischen Wirtschafts- und Währungsgemeinschaft.

Kasten 1.1Wichtige Wirtschafts- und Finanzentwicklungen im Zeitraum Mai 2004 bis April 2005

Das Wachstum der Weltwirtschaft betrug im Jahr 2004 5,1 Prozent und war damit das stärkste in den vergangenen drei Jahrzehnten (siehe Schaubild 1.1). Besonders erfreulich war das starke Wachstum in vielen der ärmsten Länder, einschließlich der afrikanischen Staaten südlich der Sahara, wo das durchschnittliche Wachstum den höchsten Wert in den letzten zehn Jahren erreichte. Nach dem außergewöhnlich starken Anstieg im Jahr 2004 ließ das globale Wachstum Anfang 2005 etwas nach, blieb aber solide. Dieses Gesamtbild verdeckt jedoch die zunehmenden Wachstumsdivergenzen zwischen den Regionen, wobei die Vereinigten Staaten und China weiterhin den Aufschwung anführen, gefolgt vom robusten Wachstum in den aufstrebenden Marktwirtschaften und Entwicklungsländern. Im Gegensatz dazu blieb das Wachstum im Eurogebiet und in Japan in der zweiten Jahreshälfte 2004 unterdurchschnittlich. Diese Entwicklungen standen im Zusammenhang mit den sich ausweitenden Leistungsbilanz-Ungleichgewichten und der Abwertung des US-Dollars. Das Wachstum des Welthandelsvolumens ging nach der Beschleunigung Anfang 2004 etwas zurück und erreichte wieder seinen Trendpfad. Die Nettokapitalzuflüsse in die Entwicklungsländer stiegen an, da die Nettoportfolioinvestitionen und die ausländischen Direktinvestitionen im Jahr 2004 erneut zunahmen.

Schaubild 1.1Reales Wachstum des Welt-BIP und Handelsvolumen

(Jährliche prozentuale Veränderung)

Im Geschäftsjahr 2005 beschleunigte sich das Wachstum in nahezu allen Regionen mit aufstrebenden Marktwirtschaften. In vielen Fällen wurde der Aufschwung in zunehmendem Maße von der inländischen Nachfrage getragen, was mit einer geringeren Abhängigkeit vom außenwirtschaftlichen Umfeld einherging.

Das Wachstum in Lateinamerika überstieg erneut die Erwartungen. Es wurde unterstützt durch hohe Rohstoffpreise, ein gestärktes Vertrauen des Auslands, Fortschritte bei Strukturreformen sowie in einzelnen Fällen durch eine Erholung von früheren krisenbedingten Schwächephasen. Die Expansionsraten stiegen in Argentinien, Brasilien und einigen weiteren Ländern an, politische Unsicherheiten belasteten jedoch nach wie vor das Wachstum in anderen Ländern.

Das Wachstum in den aufstrebenden Marktwirtschaften Asiens mit Ausnahme von China schwächte sich im Verlauf des Geschäftsjahres 2005 etwas ab. Dies war zurückzuführen auf den Rückgang des weltwirtschaftlichen Wachstums, eine Korrektur am Halbleitermarkt und höhere Ölpreise. Die Entwicklungen im ersten Quartal 2005 wurden bestimmt durch die Tsunami-Katastrophe und den damit einhergehenden verheerenden Verlust an Menschenleben und Eigentum in Indonesien, Sri Lanka, Indien, Thailand und verschiedenen anderen Ländern. Allerdings blieben die Auswirkungen auf das BIP-Wachstum in den meisten Fällen, mit Ausnahme der Malediven und in geringerem Ausmaß Sri Lankas, gering. Das regionale Wachstum war Anfang 2005 relativ stark, wobei die Expansion in China robust blieb. Das Wachstum in Indien ging im Geschäftsjahr 2005 leicht zurück. Dabei wurden die Auswirkungen der ungleichmäßigen Monsunregen und der höheren Ölpreise durch die lebhafte Industrieproduktion und hohe Investitionen ausgeglichen.

Während des Geschäftsjahrs 2005 erlebte Mittel- und Osteuropa insgesamt betrachtet das stärkste Wachstum seit dem Beginn des Transformationsprozesses. Die Leistungsbilanzdefizite weiteten sich aus, da das rapide Kreditwachstum und die expansive Fiskalpolitik die Importe anregten. Die Nettozuflüsse durch ausländische Direktinvestitionen stellten erneut eine wichtige Finanzierungsquelle dar, in einigen Ländern war jedoch eine ehrgeizigere Haushaltskonsolidierung, begleitet von fortgesetzten Reformanstrengungen zur Verbesserung des Geschäftsklimas und zur Anregung der inländischen Ersparnis, erforderlich. Die während des größten Teils des Geschäftsjahres 2005 festzustellenden steigenden Ölpreise sowie positive inländische Faktoren stärkten das Wachstum in den Erdöl exportierenden Ländern der früheren Sowjetunion. Die Erdöl importierenden Länder der Region verzeichneten ebenfalls eine starke BIP-Zunahme, die von einer robusten inländischen Nachfrage getragen wurde.

Das Wachstum im Nahen Osten profitierte im Jahr 2004 von den steigenden Ölpreisen und der höheren Ölförderung, wobei sich die freien Kapazitätsreserven weiter verringerten. Angesichts der Anfang 2005 auf hohem Niveau verharrenden Ölpreise blieben die Aussichten positiv. Diese Situation erlaubte es einigen dieser Länder, notwendige Reformen zu beginnen, die der Stärkung des mittelfristigen Wachstums und der Erhöhung der Beschäftigung ihrer rapide wachsenden Bevölkerungen im erwerbsfähigen Alter dienen. Gleichwohl bleibt noch mehr zu tun.

In Afrika verstärkte sich das Wachstum im Geschäftsjahr 2005. Es wurde unterstützt durch eine verbesserte makroökonomische Politik, günstige Wetterbedingungen, eine geringere Anzahl von Konflikten und einen Schuldenerlass im Rahmen der HIPC-Initiative (Heavily Indebted Poor Countries Initiative). Höhere Preise für Öl und in geringerem Maße für andere Rohstoffe trugen ebenfalls dazu bei, in einer Reihe von Rohstoff exportierenden Ländern ein hohes Wachstumstempo aufrechtzuerhalten.

Die Geldpolitik behielt in den meisten Ländern ihren akkommodierenden Kurs bei. Allerdings erhöhten viele Länder, insbesondere die Vereinigten Staaten, angesichts der steigenden Inflation ihre Zinssätze. Im Hinblick auf die Fiskalpolitik waren unterschiedliche Entwicklungen zu verzeichnen. Obwohl sich der haushaltspolitische Kurs in den Vereinigten Staaten kaum veränderte, wurde an dem Ziel festgehalten, das Haushaltsdefizit in den nächsten vier Jahren zu halbieren. Im Eurogebiet war der haushaltspolitische Kurs im Wesentlichen neutral und brachte nahezu keine Konsolidierung mit sich.

Die Lage an den wichtigsten Finanzmärkten blieb günstig. Die Finanzmarktstabilität wurde durch vorteilhafte wirtschaftliche Fundamentaldaten unterstützt. Hierzu zählten Erwartungen auf ein solides, wenngleich sich abschwächendes Wachstum, stabile Inflationserwartungen, anhaltend solide Unternehmensbilanzen in den Industrieländern sowie weitere Verbesserungen der Kreditqualität der Schuldner in aufstrebenden Marktwirtschaften. Vor diesem Hintergrund blieben die Volatilität der Finanzmärkte, die Renditen langfristiger Staatsanleihen in den fortgeschrittenen Märkten und die international berechneten Zinsaufschläge gering.

Nach einer Kursrally im Geschäftsjahr 2004 entwickelten sich die globalen Aktienmärkte ohne einen klaren Trend, wobei sich der Handel während des Geschäftsjahres in engen Bandbreiten bewegte. Dies beruhte zum Teil auf Befürchtungen, dass sich das Wachstum wegen steigender Ölpreise abschwächen könnte (siehe Schaubild 1.2). Die tatsächliche Marktvolatilität und die auf der Basis von Optionspreisen für eine Reihe von Vermögenswerten ermittelte implizite Volatilität blieben gering. Der Standards & Poors 500-Index stieg um 10,4 Prozent, gab dann aber den größten Teil dieser Kursgewinne wieder ab, als sich die Zinserwartungen kurz vor dem Ende des Geschäftsjahres veränderten und höhere Ölpreise das Vertrauen dämpften. Die Aktienmärkte in Europa folgten einem ähnlichen Muster. Nach einem Anstieg um 17,7 Prozent von ihrem Tiefpunkt Mitte 2004 gaben sie diese Kursgewinne bis zum Ende des Geschäftsjahres teilweise wieder ab. In Japan erholten sich die Aktienkurse von ihrem Tiefpunkt im Oktober 2004 und stiegen deutlich um 12,3 Prozent an, als sich das Wachstum der japanischen Volkswirtschaft verstärkte; danach gingen sie aber bis zum Jahresende um 6,4 Prozent zurück.

Schaubild 1.2Entwicklung der Aktienkurse

(Mai 2004 = 100)

Nach einer Verkaufswelle im Mai 2004 erlebten die aufstrebenden Märkte im verbleibenden Teil des Jahres 2004 und Anfang 2005 ein außergewöhnlich günstiges wirtschaftliches Umfeld mit vorteilhaften Finanzierungsbedingungen. Die Zinssätze und Zinsaufschläge blieben gering. Angesichts der reichlichen Liquidität hatten die Anleger ein starkes Interesse an Neuemissionen von Schuldnern aus den aufstrebenden Markt-wirtschaften. Dies ermöglichte ein hohes Emissionsvolumen zu niedrigen Kosten. Gestützt auf die verbesserten Fundamentaldaten, ein günstiges außenwirtschaftliches Umfeld und reichliche Liquidität fiel der Zinsaufschlag für den EMBI Global-Index von 549 Basispunkten im Mai 2004 auf 322 Basispunkte im März 2005, womit nahezu ein Rekordtiefstand erreicht wurde (siehe Schaubild 1.3). Niedrige nominale Renditen und eine starke Nachfrage von Anlegern erleichterten die Emission von Anleihen durch Schuldner in den aufstrebenden Marktwirtschaften, von denen viele versuchten, sich die attraktiven Finanzierungskosten durch eine Vorfinanzierung des zukünftigen Finanzierungsbedarfs zu sichern. Die Begebung von Anleihen am Primärmarkt erreichte im Zeitraum Januar bis April 2005 ein Volumen von etwa 49 Mrd. $. Damit wurde der Finanzierungsbedarf der aufstrebenden Marktwirtschaften für das gesamte Kalenderjahr zu fast 80 Prozent gedeckt.

Schaubild 1.3Aufschlag auf Staatsanleihen

(Basispunkte)

1 JP Morgan Chase & Co. Emerging Markets Bond Index Global.

Die Neuemission von Aktien in den aufstrebenden Marktwirtschaften war im Geschäftsjahr ebenfalls lebhaft und wurde weiterhin von Asien dominiert. Eine bedeutende Entwicklung im Geschäftsjahr 2005 war die Verbreiterung der Anlegerbasis für Emissionen aus aufstrebenden Marktwirtschaften. Aufgrund der niedrigen Zinssätze in den fortgeschrittenen Märkten und der attraktiven risikobereinigten Renditen, die auf die breit gefasste Erhöhung der Kreditratings zurückzuführen waren, wurden sie von den institutionellen Anlegern weltweit als attraktiv beurteilt. Bemerkenswert war auch das Interesse ausländischer Investoren an Anleihen von aufstrebenden Marktwirtschaften, die in nationaler Währung denominiert sind.

Kanada

Seit Mitte der 1990er Jahre hat Kanada das schnellste Wachstum und die stärkste Haushaltsposition der großen Industrieländer zu verzeichnen. Diese beeindruckende Leistung stützt sich auf einen soliden makroökonomischen Rahmen mit direkter Inflationssteuerung und dem fiskalpolitischen Ziel eines “mindestens ausgeglichenen Haushalts”. Eine weitere Stütze sind Reformen, darunter die Umstrukturierung der Arbeitslosenversicherung, Steuersenkungen und Handelsliberalisierung. Die Artikel-IV-Gespräche des IWF mit Kanada, die im Februar 2005 abgeschlossen wurden, konzentrierten sich auf die Herausforderungen, die sich aus der starken Aufwertung des kanadischen Dollar und der Alterung der kanadischen Bevölkerung ergeben.

Die robuste Inlandsnachfrage stützt sich auf steigende Ausgaben der privaten Haushalte, Beschäftigungswachstum und eine Erhöhung der Nettovermögen. Die Steigerung der Unternehmensinvestitionen ist zurückzuführen auf hohe Unternehmensgewinne, niedrige Zinssätze und einen Rückgang der Kosten importierter Investitionsgüter. Die rasche Aufwertung des kanadischen Dollar in der zweiten Hälfte des Jahres 2004 war allerdings eine Belastung für die Nettoexporte. Aus diesem Grund ließ die kanadische Zentralbank nach einer Straffung der Geldpolitik im September und Oktober 2004 die Zinsen unverändert. Im Jahresvergleich lag die Inflationsrate im April 2005 bei 1¾ Prozent, etwas niedriger als der Mittelwert der Bandbreite der kanadischen Zentralbank in Höhe von 2 Prozent.

Das Ziel eines “mindestens ausgeglichenen Haushalts” ist weiterhin die Basis der Fiskalpolitik, die 2004 durch die Ergänzung eines mittelfristigen Schuldenziels noch gestärkt wurde. Das Verhältnis zwischen Staatsverschuldung und BIP wird deshalb voraussichtlich weiter zurückgeführt werden, was dazu beiträgt, dass Kanada die fiskalischen Kosten der Bevölkerungsalterung besser bewältigen kann. Kanadas Haushalt für das Jahr 2005 lässt jedoch nur wenig Spielraum, wenn ungünstige fiskalische Entwicklungen eintreten. Da das staatliche Rentensystem auf einer soliden finanziellen Grundlage ruht, besteht die wichtigste langfristige Herausforderung des Landes darin, Kostensteigerungen im Gesundheitssystem zu begrenzen. Des Weiteren gibt es noch beträchtlichen Spielraum für weitere Strukturreformen, u.a. im Steuersystem und bei Sozialprogrammen, um die wirtschaftliche Effizienz und Flexibilität zu erhöhen.

Zusammenarbeit zwischen Kanada und IWF im GJ 2005
Februar 2005Abschluss der Artikel-IV-Gespräche des Jahres 2005

Globale Überwachung

Das Exekutivdirektorium des IWF führt die globale Überwachung im Rahmen seiner Überprüfungen der Entwicklungen und Aussichten der Weltwirtschaft und der internationalen Finanzmärkte durch. Diese Überprüfungen basieren zum Teil auf den “Berichten über die weltwirtschaftlichen Aussichten” (WEO) und den “Berichten zur Stabilität des globalen Finanzsystems” (GFSR), die üblicherweise jeweils zweimal jährlich vom Mitarbeiterstab des IWF vor den Treffen des Internationalen Währungsund Finanzausschusses, denen sie als Vorlagen dienen, erstellt und veröffentlicht werden. Die WEO-Berichte enthalten eine Analyse der weltwirtschaftlichen Aussichten und der für die verschiedenen Länder angemessenen wirtschaftspolitischen Maßnahmen. Die GFSR-Berichte analysieren die Entwicklungen und Risiken an den internationalen Kapitalmärkten. Darüber hinaus erörtert das Direktorium häufiger auf informeller Basis die Entwicklung der Weltwirtschaft und der internationalen Finanzmärkte, während der Mitarbeiterstab des IWF kontinuierlich die Tendenzen an den fortgeschrittenen und aufstrebenden Finanzmärkten und die weltwirtschaftlichen Entwicklungen beobachtet.

Weltwirtschaftsausblick

Weltwirtschaftsausblick, September 2004

Bei ihrer Aussprache im September 2004 über den Weltwirt-schaftsausblick1 stellten die Exekutivdirektoren fest, dass der globale Aufschwung nach wie vor robust ist und dass das für 2004 prognostizierte Wirtschaftswachstum die höchste Rate seit nahezu 30 Jahren erreichen wird. Das Wachstum stütze sich auf einen anhaltend akkommodierenden wirtschaftspolitischen Kurs, eine steigende Profitabilität der Unternehmen sowie Vermögenseffekte, die auf steigende Aktienkurse und Immobilienpreise zurückzuführen sind. Das globale Wachstum werde weiterhin von den Vereinigten Staaten angeführt und in starkem Maße von Asien, insbesondere China, unterstützt. Die Wirtschaftsleistung in Lateinamerika und einigen anderen aufstrebenden Marktwirtschaften hätte sich ebenfalls deutlich verbessert, die Aussichten für Afrika seien besser geworden und die wirtschaftlichen Auftriebskräfte im Eurogebiet hätten sich belebt. Die Direktoren riefen die politisch Verantwortlichen dazu auf, den konjunkturellen Aufschwung zu nutzen, um den zentralen mittelfristigen Anfälligkeiten mit folgenden Maßnahmen zu begegnen:

  • Abbau der globalen Ungleichgewichte. Eine Beseitigung dieser Ungleichgewichte erfordere eine mittelfristige Haushaltskonsolidierung in den Vereinigten Staaten zur Erhöhung der inländischen Ersparnis, Strukturreformen zur Belebung des Wachstums in Europa, Japan und anderswo sowie Schritte zu einer größeren Wechselkursflexibilität in Asien.

  • Beschleunigung von Strukturreformen zur Verstärkung der wirtschaftlichen Flexibilität und der Widerstandsfähigkeit. Damit würden die Länder eine günstige Ausgangsposition erreichen, um die Möglichkeiten der Globalisierung und der Revolution in der Informationstechnologie nutzen und ihre Widerstandsfähigkeit bei zukünftigen Schocks verstärken zu können. Unter Hinweis auf die zentrale Bedeutung offener Märkte für die Förderung der Wettbewerbsfähigkeit und der Effizienz sprachen sich die Direktoren für eine weit reichende Handelsliberalisierung im Rahmen der Doha-Welthandelsrunde aus.

  • Stärkung der mittelfristigen Haushaltspositionen sowohl in den Industrie- als auch in den Entwicklungsländern. Dies erfordere eine Kombination aus drei Elementen: eine Haushaltskonsolidierung mit genügend Spielraum für die automatischen Stabilisatoren, strukturelle Maßnahmen, darunter Steuerreformen und ein strengeres Regelwerk für die öffentlichen Ausgaben zur Verbesserung der Schuldentragfähigkeit, sowie eine Reform der Renten- und Gesundheitssysteme.

Bei der im September 2004 geführten Diskussion über die Industrieländer begrüßten die Direktoren die Stabsanalyse zum globalen Immobilienpreisboom und zu den möglichen Auswirkungen steigender Zinssätze in den Industrieländern auf die Immobilienmärkte. Die Direktoren stellten fest, dass die Analyse, die die Verbindungen zwischen wirtschaftlicher Aktivität und Zinssätzen darstellt, eine bemerkenswerte Synchronisation der Immobilienpreise in den Industrieländern aufzeigt (wobei sie sich der Unzulänglichkeiten der Daten durchaus bewusst waren). Angesichts der Bedeutung der Immobilienpreise für den privaten Verbrauch auf Grund der Vermögens- und Kreditkanäle regten viele Direktoren an, dass die Regierungen die Entwicklungen an den Immobilienmärkten aufmerksam beobachten sollten. Eine Straffung der Geldpolitik beim Übergang zu einem neutraleren geldpolitischen Kurs könnte zu einer Verlangsamung oder zu einer Umkehr des Wachstums der Immobilienpreise führen.

Die Direktoren begrüßten ferner die Analyse des Stabs zum demographischen Wandel. Um die Herausforderungen einer alternden Bevölkerung bestehen zu können, müssten die Industrieländer ihr Arbeitsangebot, ihre Ersparnisbildung und ihre Produktivität erhöhen. Angesichts des Ausmaßes des bevorstehenden demographischen Wandels sei hierfür eine Kombination von Reformen erforderlich, damit die Maßnahmen politisch akzeptabel seien. Von besonderer Bedeutung sei die Auswahl der Reformmaßnahmen, insbesondere im Hinblick auf die Renten- und Gesundheitssysteme: Diese müssten einer Vielzahl möglicher zukünftiger demographischer Änderungen gewachsen sein. Für die Entwicklungsländer bestünden die zentralen Prioritäten der Wirtschaftspolitik darin, die Flexibilität der Arbeits- und Gütermärkte zu erhöhen und einen effektiven Einsatz der Arbeitskräfte und der Ersparnisse sicherzustellen. Diese Länder müssten frühzeitig die Grundlagen für eine letztendlich eintretende Alterung der Bevölkerung schaffen, einschließlich einer Stärkung der Renten- und Gesundheitssysteme. Dies stelle eine besondere Herausforderung für diejenigen Ländern dar, deren mittelfristige Haushaltslage bereits angespannt sei. Die Direktoren stimmten darin überein, dass die Effektivität der Maßnahmen zur Erleichterung des Waren- und Kapitalverkehrs sowie der Mobilität der Arbeitskräfte zwischen den Ländern einen großen Einfluss darauf hat, wie schnell und in welcher Art die globale Anpassung an die unterschiedlich ausgeprägte Alterung der Bevölkerung erfolgt.

Weltwirtschaftsausblick, März 2005

Die Exekutivdirektoren stellten bei ihrer Diskussion über den Weltwirtschaftsausblick2 im März 2005 fest, dass das globale Wachstum im Wesentlichen zufrieden stellend verläuft und von einer im Großen und Ganzen unterstützenden makroökonomischen Politik sowie von günstigen Bedingungen an den Finanzmärkten untermauert wird. Das Wachstum werde nach der kräftigen Entwicklung im Jahr 2004 im Jahr 2005 eine langsamere Gangart einschlagen, die auf Dauer besser aufrecht zu erhalten sei. Gleichzeitig sei das Wachstum unausgewogener geworden, wobei der starken Expansion in den Vereinigten Staaten, China und den meisten aufstrebenden Marktwirtschaften und Entwicklungsländern eine enttäuschende Entwicklung in Europa und Japan gegenüberstehe.

Weltweit betrachtet bleibe der Inflationsdruck relativ niedrig. Die Direktoren gingen davon aus, dass die Inflation angesichts der geldpolitischen Straffung, die in den meisten Ländern, die sich in einem fortgeschrittenen Stadium des Aufschwungs befinden, eingeleitet wurde sowie angesichts insgesamt moderater Inflationserwartungen weiterhin verhalten bleibt. Die Direktoren vertraten dennoch die Ansicht, dass die Inflationsrisiken sorgfältig beobachtet werden sollten. Dabei solle insbesondere den in vielen Industrieländern infolge zunehmender Anspannungen am Arbeitsmarkt festzustellenden steigenden Lohnstückkosten sowie der in einer Reihe von aufstrebenden Marktwirtschaften mit hohen externen Kapitalzuflüssen durchgeführten Geldpolitik besondere Aufmerksamkeit geschenkt werden.

Mit Blick in die Zukunft vertraten die Direktoren die Ansicht, dass das moderatere, aber nach wie vor solide globale Wachstum im Jahr 2005 durch eine akkommodierende Wirtschaftspolitik, verbesserte Unternehmensbilanzen, günstige Bedingungen an den Finanzmärkten, einen graduellen Anstieg der Beschäftigung und ein anhaltend starkes Wachstum in China gestützt wird. Als zentrale Risiken für die kurzfristigen Aussichten wurden angesehen:

  • die zunehmend unausgewogene Struktur des Wachstums in Verbindung mit der starken Abhängigkeit des globalen Wachstums von den Vereinigten Staaten und von China,

  • eine deutliche Straffung der Konditionen an den Finanzmärkten, die die inländische Nachfrage in den Vereinigten Staaten belasten würde, einen Rückgang der Verschuldung für Anlagezwecke und eine breiter angelegte Preiskorrektur bei den Vermögenswerten auslösen und zu einer Verschlechterung der Finanzierungsbedingungen für aufstrebende Marktwirtschaften führen würde sowie

  • ein weiterer steiler Anstieg der Ölpreise (siehe unten den Abschnitt “Entwicklung der Ölmärkte”).

Die Direktoren waren besorgt über die im letzten Jahr festzustellende erneute Ausweitung der globalen Leistungsbilanz-Ungleichgewichte. Einige gaben zu Bedenken, dass dadurch das Risiko abrupter Wechselkursbewegungen erhöht wird. Die Direktoren stellten fest, dass eine umfassende Einigung über die Strategie zur Unterstützung eines geordneten Abbaus dieser Ungleichgewichte erzielt worden ist. Zu den zentralen Elementen zählten die Haushaltskonsolidierung in den Vereinigten Staaten, Schritte zu einer größeren Flexibilität der Wechselkurse und weitere Reformen des Finanzsektors in den aufstrebenden Marktwirtschaften in Asien sowie anhaltende Strukturreformen zur Stärkung des Wachstums und der inländischen Nachfrage in Japan und in Europa. Die Direktoren bekräftigten die gemeinsame Verantwortung der Mitglieder, dafür Sorge zu tragen, dass die Strategie zeitgerecht und effektiv umgesetzt wird.

Die Direktoren nannten eine Anzahl von zentralen mittelfristigen Themen, die behandelt werden müssten:

  • Die Haushaltslage sei in vielen Ländern nach wie vor sehr schwierig, insbesondere vor dem Hintergrund der weltweiten Alterung der Bevölkerung, und stelle auf mittlere Sicht eine Bedrohung für die makroökonomische Stabilität dar.

  • Strukturreformen müssten vorangetrieben werden, um Hemmnisse zu beseitigen und die Binnenwirtschaften in die Lage zu versetzen, die Möglichkeiten, die die Globalisierung biete, vollständig zu nutzen.

  • Eine erfolgreiche und angemessen ehrgeizige Handelsliberalisierung im Rahmen der Doha-Welthandelsrunde sei auf mittelfristige Sicht in allen Ländern als unterstützender Faktor für das globale Wachstum von entscheidender Bedeutung. Dazu gehöre auch ein verbesserter Marktzugang für Entwicklungsländer. Wichtige Fragen seien noch im Agrarbereich zu klären und außerdem sei ein schnellerer Fortschritt beim Handel mit Dienstleistungen erforderlich.

  • Ungeachtet des in den vergangenen Jahren festzustellenden stärkeren Wachstums stelle die Erfüllung der Millennium-Entwicklungsziele (MDGs) für die meisten Entwicklungsländer eine große Herausforderung dar (siehe Kapitel 4). Die Direktoren hielten fest, dass das Jahr 2005 für die MDGs ein entscheidendes Jahr ist, und sie riefen die betroffenen Länder dazu auf, Reformen der Wirtschaftspolitik und der Regierungsführung voranzutreiben, um das Investitionsklima und das Wachstum des Privatsektors zu stärken. An die Industrieländer appellierten sie, diese Anstrengungen durch eine deutlich höhere finanzielle Unterstützung zu fördern.

Industrieländer

Mit Blick auf die Industrieländer begrüßten die Direktoren das anhaltend starke Wachstum der Volkswirtschaft der Vereinigten Staaten, das sich auch 2005 fortsetzen werde. Angesichts der Ersparnisbildung der privaten Haushalte von nahezu Null stelle ein Rückgang des privaten Verbrauchs jedoch ein Risiko dar, insbesondere wenn sich der Anstieg der Immobilienpreise abschwächen sollte. Da der Inflationsdruck relativ gering sei, bleibe die maßvolle Straffung der Geldpolitik angemessen. Dennoch müssten die aktuellen Wirtschaftsdaten im Hinblick auf mögliche Aufwärtsrisiken bei den Inflationsaussichten, die auf Anspannungen am Arbeitsmarkt oder weiter steigende Öl-preise zurückzuführen seien, sorgfältig beobachtet werden. Die Direktoren betonten die Notwendigkeit einer umfassenden Haushaltskonsolidierung, um eine mittelfristige Tragfähigkeit zu sichern und eine geordnete Rückführung der globalen Leistungsbilanz-Ungleichgewichte zu erleichtern.

Die Direktoren äußerten sich enttäuscht darüber, dass der Aufschwung im Eurogebiet in der zweiten Jahreshälfte 2004 an Schwung verloren habe, wenngleich sie für 2005 eine Stärkung des Wachstums erwarteten. Eine weitere Aufwertung des Euro und hohe und volatile Ölpreise blieben die zentralen Risiken für die Perspektiven dieser Region. Da der Inflationsdruck unter Kontrolle sei, solle die Geldpolitik solange ihren Kurs beibehalten, bis ein selbsttragender Aufschwung in Gang gekommen sei. Im Hinblick auf die Fiskalpolitik betrachteten die Direktoren den eingeschlagenen Kurs als unzureichend, um die Budgetanpassungen zu erzielen, die erforderlich seien, um die durch die Alterung der Bevölkerung entstehenden Belastungen zu tragen. Die Direktoren hoben hervor, dass ein starker fiskalischer Rahmen ein integraler Bestandteil der Währungsunion in Europa ist und dass die Reform des Stabilitäts- und Wachstumspakts deshalb so umgesetzt werden sollte, dass die Haushaltsdisziplin nicht geschwächt wird. Die Direktoren betonten ferner die Bedeutung von weiteren Fortschritten bei der Umsetzung von Strukturreformen. Dabei solle der Beseitigung von Verzerrungen an den Arbeitsmärkten und der Förderung des Wettbewerbs an den Gütermärkten eine größere Aufmerksamkeit geschenkt werden.

Die Direktoren stellten fest, dass die japanische Volkswirtschaft in den letzten drei Quartalen des Jahres 2004 ins Stocken geraten ist. Dies sei zurückzuführen auf die schwache globale Nachfrage nach Produkten der Informationstechnologie und zurückgehende Konsumausgaben, die aktuelleren Daten seien jedoch ermutigender. Die Direktoren vertraten die Ansicht, dass das Wachstum angesichts der besseren Verfassung der Bank- und Unternehmensbilanzen im Jahr 2005 an Schwung gewinnen wird, und zwar ungeachtet der Abwärtsrisiken, die auf höhere Ölpreise und mögliche ungünstige Auswirkungen einer starken Yen-Aufwertung auf die Exporte zurückzuführen sind. Der Deflationsdruck habe in den letzten Jahren zwar nachgelassen, so die Direktoren, doch solle die Bank von Japan solange einen sehr akkommodierenden geldpolitischen Kurs beibehalten, bis die Deflation eindeutig überwunden sei. Angesichts der hohen öffentlichen Verschuldung und der zunehmenden demographischen Belastungen in Japan besitze die Haushaltskonsolidierung weiterhin eine hohe Priorität. Die Direktoren betonten ferner die Notwendigkeit einer Stärkung des Banken- und Unternehmenssektors und einer Beschleunigung von Strukturreformen, einschließlich Maßnahmen zur Verstärkung des Wettbewerbs und zur Erhöhung der Flexibilität der Arbeitsmärkte, um den Weg für ein mittelfristig tragfähiges Wachstum zu bahnen.

Aufstrebende Märkte und Entwicklungsländer

Nach dem starken Wachstum in den aufstrebenden Volkswirtschaften Asiens im Jahr 2004 verlangsamte sich die Expansion in den meisten Ländern mit Ausnahme Chinas spürbar. Für 2005 wurde erwartet, dass das Wachstum in der Region etwas schwächer ausfallen werde. Dabei stünden Aufwärtsrisiken auf Grund eines über den Erwartungen liegenden Wachstums in China den Abwärtsrisiken auf Grund einer länger anhaltenden Korrektur im IT-Sektor oder einer schleppenden Nachfrage aus Japan und Europa gegenüber. Die Direktoren äußerten ihr Mitgefühl für die Verluste an Menschenleben und Eigentum infolge der jüngsten Tsunami-Katastrophe (siehe Kasten 1.2). Obwohl die Wiederaufbaukosten und die Auswirkungen auf die fiskalischen und außenwirtschaftlichen Ungleichgewichte sehr umfangreich seien, ergäben sich in den meisten Ländern nur geringe Auswirkungen auf das BIP-Wachstum. Zu den wirtschaftspolitischen Herausforderungen in der Region zähle die geldpolitische Straffung, die in den meisten Ländern mit Ausnahme Koreas, wo die inländische Nachfrage schwach bleibe, bereits eingeleitet worden sei. Die Lage der öffentlichen Haushalte habe sich zwar im Allgemeinen verbessert, doch sei die öffentliche Verschuldung in einer Reihe von Ländern auf einem hohen Niveau geblieben und mache eine stärkere Haushaltskonsolidierung erforderlich. Darüber hinaus bestehe in mehreren Ländern ein Bedarf an Strukturreformen, um die Anfälligkeiten im Banken- und Unternehmenssektor zu verringern und die Investitionen zu steigern.

Kasten 1.2IWF-Unterstützung für die vom Tsunami im Dezember 2004 betroffenen Länder

Das Erdbeben der Stärke 9,0 und die dadurch ausgelösten Flutwellen, die die Länder am Indischen Ozean im Dezember 2004 trafen, stellen eine Naturkatastrophe mit tragischen Ausmaßen dar. Die geschätzte Zahl der Toten und Vermissten betrug nahezu 300 000, und etwa 1½ Millionen Menschen verloren ihr Zuhause. Die menschlichen Kosten dieser Katastrophe lassen sich nicht beziffern.

Der IWF und die Weltbank unterstützten die Regierungen der betroffenen Länder im Geschäftsjahr 2005, um die Folgen der Katastrophe zu überwinden. Die Weltbank übernahm mit der Asiatischen Entwicklungsbank und anderen internationalen Institutionen die führende Rolle bei der Unterstützung der Behörden in der Abschätzung der Schäden und des Bedarfs. Der Stab des IWF legte den Schwerpunkt auf die Beurteilung der Folgen der Katastrophe für die Wirtschaftspolitik, einschließlich der Wirkungen auf das Wachstum sowie die Haushaltslage und die außenwirtschaftliche Position.1 Beide Institutionen, der IWF und die Weltbank, leiteten außerdem die schnelle Bereitstellung einer finanziellen Nothilfe und einer längerfristigen finanziellen Unterstützung ein. (Nähere Informationen zur Nothilfe des IWF bei Naturkatastrophen enthalten die Kapitel 3 und 4.)

1 “Preliminary Assessment of the Macroeconomic Impact of the Tsunami Disaster on Affected Countries and of Associated Financing Needs”, www.imf.org/external/np/oth/2005/020405.htm.

Die Direktoren stellten fest, dass das Wachstum in Lateinamerika die Erwartungen übertroffen hat. Nachdem die Wirtschaftsaktivitäten zunächst vom günstigen außenwirtschaftlichen Umfeld unterstützt worden seien, leiste nun die inländische Nachfrage den stärksten Beitrag zum Wachstum. Ungeachtet einer Anzahl von Abwärtsrisiken, wie ein unerwarteter Anstieg der globalen Zinssätze oder eine längere Schwäche auf den wichtigsten Exportmärkten, gingen die Direktoren davon aus, dass die Region im Jahr 2005 erneut kräftig expandieren wird. Sie wurden bestärkt durch die verbesserte Haushaltsentwicklung in vielen Volkswirtschaften Lateinamerikas, selbst wenn die öffentliche Verschuldung – trotz des Rückgangs – im Allgemeinen hoch geblieben sei. Sie betonten daher die Notwendigkeit einer Haushaltskonsolidierung und zusätzlicher Maßnahmen zur Verbesserung der Tragfähigkeit der öffentlichen Schulden. Die Direktoren stimmten darin überein, dass die Straffung der Geldpolitik in einer Reihe von Ländern als Reaktion auf die jüngste Verstärkung der Inflation angemessen war. Sie wiesen in diesem Zusammenhang darauf hin, dass die Wechselkursflexibilität eine entscheidende Rolle bei der Unterstützung der Geldpolitik und bei der Verbesserung der Widerstandsfähigkeit der Region gegen Schocks gespielt hat.

Die aufstrebenden Marktwirtschaften in Europa erzielten ihre höchsten Wachstumsraten seit dem Beginn des Transformationsprozesses. Die Direktoren begrüßten die erwartete Verringerung der Wachstumsraten auf tragfähigere Niveaus. Zu den bedeutendsten Risiken für diese Länder zählten eine nachhaltige Abschwächung in Westeuropa und eine weitere Aufwertung des Euro. Viele Direktoren wiesen darauf hin, dass eine starke inländische Nachfrage durchweg zu einer Ausweitung der Leistungsbilanzdefizite geführt habe, die einen zentralen Faktor für die Anfälligkeit der Region darstellten. Die notwendigen Korrekturmaßnahmen zur Verringerung dieser Defizite seien von Land zu Land verschieden. In den baltischen Staaten und den Ländern in Süd- und Südosteuropa seien eine Begrenzung des Kreditwachstums und eine Erhöhung der privaten Ersparnisbildung besonders wichtig, während in Mitteleuropa eine ehrgeizige Haushaltskonsolidierung und Strukturreformen erforderlich seien.

In der Gemeinschaft unabhängiger Staaten sei ein lebhaftes Wachstum zu verzeichnen, das sich auf eine starke inländische Nachfrage sowie auf hohe Energie- und Metallpreise stütze. Die Direktoren erwarteten zwar einen leichten Rückgang des Wachstums im Jahr 2005, beurteilten die Aussichten im Allgemeinen aber als günstig. Sie warnten jedoch vor den Risiken für die Preisentwicklung und das Wachstum auf Grund von Kapazitätsengpässen und unzureichenden Investitionen in einer Reihe von Ländern. Angesichts der starken Kapitalzuflüsse äußerten sich die Direktoren besorgt darüber, dass sich das Tempo des Inflationsrückgangs in der Region verlangsamen könnte. Sie hoben die Notwendigkeit hervor, dass die Regierungen die zusätzlichen Einnahmen von Erdöl- und Rohstoffexporten umsichtig verwalten und gleichzeitig eine größere Flexibilität der Wechselkurse zulassen.

Im Nahen Osten sei ein starkes Wachstum in den Erdöl exportierenden Ländern zu verzeichnen, das von gestiegenen Erlösen aus Erdölexporten, einer soliden Finanzpolitik und von Fortschritten bei Strukturreformen getragen werde. Die Direktoren drängten die politisch Verantwortlichen, die günstige Gelegenheit der hohen Ölpreise zu nutzen, um Reformen voranzutreiben, die für eine Verstärkung der mittelfristigen Wachstums- und Beschäftigungsaussichten und für die Verringerung von Anfälligkeiten, zu denen in einigen Ländern auch eine hohe öffentliche Verschuldung zähle, erforderlich seien. Eine Erhöhung der staatlichen Ausgaben für die Ausbildung von hoch qualifizierten Arbeitskräften und für Infrastrukturprojekte könnte zusammen mit einer Beschleunigung der Strukturreformen dazu beitragen, diese Volkswirtschaften auf einen dauerhaft höheren Wachstumspfad zu heben sowie die soziale Lage durch die Schaffung von Arbeitsplätzen zu verbessern. Die Länder der Region, die kein Erdöl fördern, hätten ebenfalls von den positiven Auswirkungen der jeweils durchgeführten Reformen und auch vom starken Wachstum in den Erdöl exportierenden Ländern der Region profitiert.

Afrika südlich der Sahara verzeichnete das höchste Wachstum in den letzten zehn Jahren. Es wurde von der Stärke der Weltwirtschaft, hohen Preisen für Öl und andere Rohstoffe, einer verbesserten Wirtschaftspolitik und Fortschritten bei Strukturreformen getragen. Die Direktoren beurteilten die Wachstumsaussichten der Region im Allgemeinen als günstig, wiesen aber auf eine Reihe von Abwärtsrisiken hin. So hätten eine weniger dynamische globale Wirtschaftsentwicklung und eine weitere starke Abwertung des US-Dollars ungünstige Folgen für eine Reihe von Ländern. Während höhere Ölpreise für einige Länder vorteilhaft seien, gelte dies nicht für andere Staaten. Außerdem müssten sich viele Länder wegen der Aufhebung der Handelsquoten für Textilien anpassen. Um die verbesserte Wachstumsentwicklung in der Region aufrecht erhalten zu können, legten die Direktoren den Regierungen nahe, ihre Reformanstrengungen durch die Förderung von Investitionen des privaten Sektors, die Entwicklung der Infrastruktur und die Stärkung der Institutionen (einschließlich Verbesserungen in den Bereichen Transparenz, Regierungsführung und Eigentumsrechte) zu intensivieren. Sie riefen die internationale Gemeinschaft dazu auf, diese Politik mit höheren Hilfsleistungen, einer Schuldenerleichterung und einem verbesserten Marktzugang zu unterstützen.

Bericht zur Stabilität des globalen Finanzsystems

Bericht zur Stabilität des globalen Finanzsystems, August 2004

Bei der Aussprache des Direktoriums im August 2004 über die globalen Finanzmärkte3 begrüßten die Direktoren die Verbesserung der weltweiten Finanzstabilität und der Verfassung von wichtigen Finanzintermediären. Die Kombination aus der Verbreiterung des Wachstums der Weltwirtschaft und niedrigen Inflationserwartungen habe ein günstiges Umfeld für die Finanzmärkte geschaffen. Das starke Wirtschaftswachstum habe die Gewinne im Unternehmens- und Bankensektor steigen lassen, eine weitere Verbesserung der Bilanzen ermöglicht und die Kreditqualität erhöht. Gleichzeitig habe der geringe Inflationsdruck zur Stabilität und zu relativ niedrigen Renditen an den wichtigsten Anleihemärkten beigetragen. Davon hätten auch die aufstrebenden Marktwirtschaften profitiert, da die Wachstumsaussichten und die Kreditqualität verbessert worden seien und da ihr Zugang zu externen Finanzmitteln zu relativ geringen Kosten erleichtert worden sei.

Indien

Der Politikdialog des IWF mit den indischen Behörden legte im Geschäftsjahr 2005 den Schwerpunkt auf die Notwendigkeit, in einem breiten Fächer von Reformen rasche Fortschritte zu erzielen, so dass Indien auf den jüngsten Erfolgen aufbauen und seine ehrgeizigen Ziele erreichen kann, insbesondere die Schaffung von Arbeitsplätzen und die Bekämpfung der Armut. Der Fonds forderte die Behörden auf, die fiskalische Anpassung fortzusetzen, inflationären Tendenzen vorzubeugen, die Handelsliberalisierung und die Arbeitsmarktreform zu beschleunigen und den Finanzsektor weiter zu öffnen.

Die Behörden sind nach wie vor entschlossen, die mittelfristigen Ziele des Gesetzes über eine verantwortungsvolle Fiskalpolitik zu erreichen. Indien hat die Geldpolitik verschärft, die Zölle gesenkt, wichtige Sektoren für ausländische Direktinvestitionen geöffnet und einen Zeitplan für die Bankenreform angekündigt. Indien hat in diesem Jahr zum ersten Mal der Veröffentlichung des IWF-Stabsberichts über die Artikel-IV-Gespräche zugestimmt.

Indien nahm außerdem an der IWF-Pilotstudie über öffentliche Investitionen teil. Die Studie betont die Notwendigkeit, die öffentliche Ersparnis zu erhöhen, die Verwaltung des öffentlichen Investitionsprogramms weiter zu verbessern, die Kapitalmärkte zu stärken, regulatorische Risiken, die Privatinvestitionen begrenzen, anzugehen und die Rechnungslegung sowie das Berichtswesen für schuldenähnliche Verpflichtungen, die sich aus außer-budgetären Infrastrukturprogrammen ergeben, zu verbessern.

Indien erhielt technische Hilfe von der IWF-Abteilung für Fiskalpolitik für die Einrichtung einer fiskalischen Datenbank und eines Schuldenregisters auf der Ebene der Bundesstaaten. Der Fonds betonte, dass es kurzfristig erforderlich ist, die Rechnungslegung der Bundesstaaten zu konsolidieren und dass das Land mittelfristig zu einem integrierten computergestützten Finanzverwaltungssystem übergehen sollte.

Zusammenarbeit zwischen Indien und IWF im GJ 2005
Dezember 2004Leistung technischer Hilfe durch die IWF-Delegation für die fiskalische Datenbank der Bundesstaaten
Januar 2005Abschluss der Artikel-IV-Gespräche mit Indien im Exekutivdirektorium des IWF
März 2005Besuch des Geschäftsführenden Direktors Rodrigo de Rato
April 2005Herausgabe des Direktoriumspapiers über öffentliche Investitionen und Fiskalpolitik (“Public Investment and Fiscal Policy - Lessons from the Country Studies”)

Ungeachtet dessen verwiesen die Direktoren auf eine Reihe von bedeutenden Risiken für die weiteren Aussichten:

  • Ein unvorhergesehener Anstieg der Inflation könne die Annahmen der Marktteilnehmer im Hinblick auf das wahrscheinliche Tempo einer geldpolitischen Straffung verändern und zu Marktturbulenzen führen.

  • Es gebe ein Potenzial für Marktinstabilität durch die anhaltend großen globalen außenwirtschaftlichen Ungleichgewichte.

  • Die aufstrebenden Marktwirtschaften könnten zukünftigen externen Schocks ausgesetzt sein. Diese Länder sollten die günstigen Finanzierungsbedingungen dazu nutzen, ihre Widerstandsfähigkeit zu verbessern und wachstumssteigernde Strukturreformen voranzutreiben. Maßnahmen zur Senkung des öffentlichen Schuldenstands auf ein tragfähiges Niveau und zur Verbesserung der Struktur der öffentlichen Verschuldung hätten für viele aufstrebende Marktwirtschaften weiterhin hohe Priorität.

Die in den vergangenen Jahren zu verzeichnenden hohen Kapitalzuflüsse in Hedgefonds, insbesondere von institutionellen Anlegern, deuteten darauf hin, dass diese Fonds eine wichtige Anlegergruppe an den globalen Finanzmärkten darstellten. Die Steuerung des Gegenparteirisikos durch große Banken und Kursmakler im Hinblick auf Hedgefonds habe sich in den vergangenen Jahren verbessert, und die Verschuldung der Hedgefonds befinde sich auf einem relativ moderaten Niveau. Die Direktoren waren sich dennoch einig, dass mehr Informationen über Hedgefonds und deren Marktaktivitäten hilfreich wären, um zu klären, wie diese Anlegergruppe die Stabilität der Märkte beeinflussen kann.

Bei der Diskussion über die Untersuchung des IWF-Mitarbeiterstabs zu den Pensionsfonds stellten die Direktoren fest, dass die Größe und das projizierte Wachstum der Pensionsfonds ihre zunehmende Bedeutung für die internationalen Kapitalmärkte und die internationale Finanzstabilität sowie ihre Rolle als langfristige institutionelle Anleger deutlich machen. Die Direktoren wiesen darauf hin, dass sich der Stellenwert staatlicher Renten, betrieblicher Rentenpläne und individueller Sparpläne beim Aufbau der Altersversorgung von Land zu Land unterscheidet. In Bezug auf die betrieblichen Rentenpläne könnten gut gestaltete Pläne mit festen Auszahlungen, festen Beitragszahlungen und Mischformen weiterhin zur Förderung eines effizienten Altersvorsorgesparens beitragen.

Die im Zeitraum 2000 bis 2002 an den Finanzmärkten verzeichneten Kursverluste hätten zwar die längerfristigen Anfälligkeiten vieler Pensionsfonds an den Tag gebracht, doch biete die seitdem erzielte partielle Kurserholung den politisch Verantwortlichen eine günstige Gelegenheit, Maßnahmen zu ergreifen, die zu verbesserten Praktiken der Risikosteuerung und zu mehr stabilitätsorientierten Beitragsstrategien führten. Die Direktoren wiesen darauf hin, dass sich Arbeitgeber und Regierungen inzwischen der Herausforderungen stärker bewusst sind, die sich aus der Alterung der Bevölkerung und den Anlagerisiken von kapitalgedeckten Rentenplänen ergeben. Sie betonten die Bedeutung einer wirksamen Vermittlung der Rentenproblematik und politischen Prioritäten, um in der Öffentlichkeit ein breites Verständnis und eine breite Unterstützung für Rentenreform-maßnahmen sicherzustellen.

Das Exekutivdirektorium erörterte das Thema Aufstrebende Marktwirtschaften als Netto-Kapitalexporteure im Lichte der landläufigen Auffassung, dass das Kapital normalerweise von fortgeschrittenen Volkswirtschaften, die reichlich über Kapital verfügen, in die aufstrebenden Marktwirtschaften, denen es an Kapital mangelt, fließt. Die Direktoren stellten fest, dass der Wandel der aufstrebenden Marktwirtschaften zu Netto-Kapitalexporteuren im Zeitraum 2002 bis 2004 mit dem beispiellosen Anstieg ihrer internationalen Nettoreserven zusammenhängt. Dies gehe darauf zurück, dass sie eine Politik des exportgetriebenen Wachstums verfolgten, die von wettbewerbsorientierten Wechselkursen begleitet werde. Die Direktoren räumten ein, dass es schwierig ist, ein allgemeines Maß für das wünschenswerte Niveau von internationalen Reserven zu finden, da sich die Umstände und Anfälligkeiten von Land zu Land unterscheiden. Sie vertraten die Auffassung, dass die politisch Verantwortlichen weiter alternative Verfahren zur eigenen Absicherung gegen plötzliche Umschwünge der Kapitalströme untersuchen sollten, darunter Finanzsektorreformen, die Entwicklung von lokalen Wertpapiermärkten sowie Schritte zur Verbesserung der Verwaltung der internationalen Reserven.

Die Direktoren riefen die aufstrebenden Volkswirtschaften dazu auf, einen Erfolgsnachweis von dauerhaft soliden wirtschaftspolitischen Maßnahmen und Reformen zu erbringen, um ihre risikobereinigte Rendite zur verbessern und stabile Kapitalzuflüsse anzuziehen. Eine geordnete Lösung der globalen Leistungsbilanz-Ungleichgewichte würde ebenfalls zur Schaffung eines Umfelds beitragen, das dauerhafte private Kapitalzuflüsse in aufstrebende Marktwirtschaften fördere.

Bericht zur Stabilität des globalen Finanzsystems, März 2005

Bei ihrer Diskussion über die Weltfinanzmärkte im März 20054 begrüßten die Direktoren die während der vorangegangenen sechs Monate festzustellende weitere Stärkung des Finanzsystems, die von einem soliden globalen Wirtschaftswachstum und einer kontinuierlichen Verbesserung der Bilanzen des Unternehmens-, Finanz- und Haushaltsektors in vielen Ländern unterstützt wurde. Die Aussichten für eine anhaltende Finanzstabilität basierten auf dem nach wie vor günstigen Ausblick für die Weltwirtschaft und dem zunehmend höheren Entwicklungsstand der Finanzmärkte, der zu einer Streuung der Risiken beigetragen habe. Dennoch könnten die niedrigen langfristigen Zinssätze und Zinsaufschläge tiefer liegende Anfälligkeiten kaschieren und Risiken für einen Marktumschwung bergen. Dies gelte insbesondere für weniger kreditwürdige Staaten und Unternehmen. Die Direktoren gingen zwar davon aus, dass diese Risiken angesichts der Stärke der Finanzinstitutionen im Allgemeinen zu bewältigen sind, sie betonten jedoch die Notwendigkeit, weiterhin wachsam zu sein und erforderliche wirtschaftspolitische Maßnahmen rechtzeitig zu ergreifen.

In den fortgeschrittenen Märkten sei die Entwicklung während der Phase der Zinserhöhungen geordnet verlaufen. Dies sei durch eine zunehmend transparente Kommunikationsstrategie großer Zentralbanken begünstigt worden. Die reichliche globale Liquiditätsausstattung und eine verbesserte Kreditqualität hätten die Anleiherenditen sowie die Volatilität an den Finanzmärkten in den fortgeschrittenen Märkten niedrig gehalten. Die relativ niedrigen langfristigen Anleiherenditen seien auch zurückzuführen auf die Erwartungen, dass die Inflation unter Kontrolle gehalten werde sowie auf die geringe Nachfrage von Unternehmen nach zusätzlichen Krediten und die wachsende Nachfrage von Pensionsfonds und Lebensversicherungsunternehmen nach langfristigen Anleihen. Allgemein betrachtet hätten die niedrigen kurzfristigen Zinssätze die Anleger dazu angeregt, sich zu verschulden und bei ihrem Streben nach höheren Renditen auf risikoreichere Anlageformen überzugehen. Dadurch seien die Kurse belebt und die Zinsaufschläge gesenkt worden.

Die Direktoren stellten fest, dass die verbesserte Bilanzsituation der Unternehmen in den fortgeschrittenen Märkten und ihr Renditestreben die Anleger dazu ermutigt haben, Positionen mit höherem Kreditrisiko einzugehen. Dies habe zu einem Rückgang der Zinsaufschläge für Unternehmensanleihen und möglicherweise zu einer geringeren Risikodifferenzierung der Anleger geführt. Das Wachstum der Märkte für Kreditderivate habe zwar den Handel mit und die Absicherung von Kreditrisiken erleichtert, doch wiesen mehrere Direktoren darauf hin, dass das Wachstum der Derivatemärkte einige Anleger möglicherweise in die Situation bringen könne, Verluste auf kreditfinanzierte Anlagen realisieren zu müssen, die durch potenzielle Liquiditätsprobleme noch verstärkt werden könnten.

Die wesentlichen Einflussfaktoren für die jüngsten Entwicklungen der aufstrebenden Finanzmärkte seien neben der Verbesserung der Fundamentaldaten in vielen dieser Länder die reichliche Liquiditätsausstattung und das Streben nach hohen Renditen. Die Zinsaufschläge für Schuldtitel der aufstrebenden Marktwirtschaften seien nahezu auf Rekordtiefstände gesunken und das Interesse der Anleger an Vermögenstiteln der aufstrebenden Märkte habe deutlich zugenommen. Die Direktoren erwarteten, dass die Finanzierungsaussichten für die aufstrebenden Marktwirtschaften im Allgemeinen solide bleiben. Ursächlich dafür seien die günstigen Bedingungen an den Finanzmärkten und weitere Verbesserungen in der Kreditqualität der Schuldner in den aufstrebenden Marktwirtschaften.

Im Hinblick auf die Risiken stellten die Direktoren fest, dass die lang anhaltende Periode mit reichlicher Liquiditätsausstattung und niedriger Volatilität bei einigen Anlegern ein Gefühl der Sorglosigkeit erzeugt hat. Außerdem habe der Rückgang von Inflation und Risikoprämien wenig Spielraum für Fehlbewertungen von Vermögenstiteln gelassen. Vor diesem Hintergrund erfordere das Risiko eines plötzlichen Anstiegs der langfristigen Zinssätze eine anhaltende Wachsamkeit. Ein einzelnes Ereignis könne zwar einen solchen Anstieg nicht auslösen, die meisten Direktoren warnten jedoch vor der Möglichkeit einer Kombination oder Korrelation solcher Ereignisse. Sie verwiesen auf das potenzielle Risiko einer ungeordneten Anpassung der globalen Ungleichgewichte, möglicherweise im Zusammenhang mit einer Diversifizierung von US-Dollar-Anlagen durch internationale Anleger. Darüber hinaus verwiesen die Direktoren auf die Möglichkeit eines unerwarteten Anstiegs der Inflation, insbesondere in Verbindung mit Erdöl- und anderen Rohstoffpreisen.

Um die globale Finanzstabilität zu erhöhen und potenzielle Risiken zu mildern, erörterten die Direktoren eine Reihe von Schritten, insbesondere die Notwendigkeit einer Zusammenarbeit und glaubwürdiger wirtschaftspolitischer Maßnahmen zur Verbesserung des Vertrauens der Marktteilnehmer in einen geordneten Abbau der globalen Ungleichgewichte. Auf mikroökonomischer Ebene müssten die Aufsichts- und Regulierungsbehörden das Risikoprofil der Finanzintermediäre und deren Anfälligkeit für Marktpreisrisiken infolge unerwarteter Schocks aufmerksam beobachten. Die Behörden der aufstrebenden Volkswirtschaften sollten weiterhin einen umsichtigen wirtschaftspolitischen Kurs steuern, der zu einer Verringerung ihres Finanzierungsbedarfs führt, und gleichzeitig die derzeit günstigen Marktbedingungen dazu nutzen, um ihren externen Finanzierungsbedarf zu decken. Darüber hinaus sollten sie die Struktur ihrer Verschuldung verbessern und Maßnahmen zur Weiterentwicklung ihrer lokalen Finanzmärkte vorantreiben. Des Weiteren stellten Strukturreformen zur Verbesserung der Wachstumsaussichten den entscheidenden Weg zur Verringerung der Schuldenquoten auf ein besser handhabbares Niveau dar.

Die Direktoren erörterten ferner die Auswirkungen des Risikotransfers vom Finanzsektor an die privaten Haushalte sowie Trends bei der Unternehmensfinanzierung in aufstrebenden Marktwirtschaften. Die Trends bei der Entwicklung der Bilanzen der privaten Haushalte in den verschiedenen Ländern seien den Haushalten in verschiedener Form zugute gekommen. Hierzu zähle ein auf Kursgewinne zurückzuführender beträchtlicher Anstieg der Nettovermögen im Verhältnis zum Einkommen. Gleichzeitig führe der Übergang von Einlagen bei Banken und Sparkassen zu stärker marktsensitiven Vermögenstiteln zu einer größeren Exponierung der Haushalte gegenüber Marktrisiken. Die geplanten Reformen der öffentlichen und privaten Ruhestandsbezüge könnten bewirken, dass den Haushalten eine noch größere Eigenverantwortung für die Verwaltung ihrer finanziellen Angelegenheiten zuwachse. Solche Reformen hätten eine Reihe von Vorteilen mit sich gebracht, unter anderem die Übertragbarkeit von Rentenplänen mit fester Leistungszusage oder von gemischten Rentenplänen. Des weiteren hätten die Reformen zwar einzelne Risiken verringert, doch führten sie andererseits auch dazu, dass die Haushalte einem größeren Anlage- und Marktrisiko sowie dem möglicherweise schwerwiegenderen finanziellen Risiko einer höheren Lebenserwartung ausgesetzt seien.

Die Direktoren sahen es weitgehend als die Aufgabe von Regierungen an, Kommunikationsstrategien zu entwickeln, um die privaten Haushalte über die finanziellen Herausforderungen im Zusammenhang mit ihrem Ruhestand zu informieren. Außerdem sollte in Zusammenarbeit mit dem Privatsektor eine Fortbildung in Finanzfragen erfolgen. Sie verwiesen auf die Bedeutung von erhöhten Anstrengungen zur Verbesserung der Erhebung, zeitgerechten Verfügbarkeit und Vergleichbarkeit von Daten über den Sektor der privaten Haushalte, um die Übertragung von Finanzrisiken im Finanzsystem und insbesondere das Risikoprofil der privaten Haushalte zu bewerten.

Bei der Aussprache über eine Untersuchung des IWF-Mitarbeiterstabs zum Thema Unternehmensfinanzierung in aufstrebenden Marktwirtschaften stellten die Direktoren fest, dass nicht klar erkennbar ist, ob der Rückgang der inländischen Kreditvergabe der Banken an Unternehmen (außerhalb von China und Indien) das Ergebnis eines geringeren externen Finanzierungsbedarfs ist oder auf Engpässe bei den Finanzierungsquellen zurückgeht. Ungeachtet dessen riefen die Direktoren die aufstrebenden Marktwirtschaften dazu auf, ihren institutionellen Rahmen dahingehend zu verbessern, dass die Unternehmen einen leichteren Zugang zur Eigenkapitalfinanzierung zu angemessenen Konditionen erhalten. Sie sahen ferner die Notwendigkeit, die bestehenden Lücken bei der Umsetzung und Durchsetzung von breit akzeptierten Prinzipien der Unternehmensführung, Offenlegung und Transparenz zu schließen. Dabei müssten aber die länderspezifischen rechtlichen und institutionellen Umstände sowie der Stand der Marktentwicklung berücksichtigt werden. Die Bewertung der finanziellen Anfälligkeit des Unternehmenssektors sei wichtig auf Grund der gestiegenen Bedeutung von Unternehmen im Verhältnis zu Staaten auf den internationalen Märkten und angesichts der potenziellen Risiken im Fall einer Verschlechterung der Marktbedingungen.

Entwicklung an den Ölmärkten

Angesichts rapide steigender Ölpreise, die im Jahr 2004 um 30 Prozent und von Ende 2004 bis Mitte März 2005 um weitere 35 Prozent in die Höhe schnellten, veranstaltete das Direktorium im März 2005 ein Seminar, um die Marktentwicklungen zu erörtern.5 Die Preise hatten nominal Rekordstände erreicht, real betrachtet lagen sie jedoch deutlich unterhalb der Höchststände aus den siebziger Jahren. Die Direktoren stimmten überein, dass die Aussichten für die Preisentwicklung einer großen Unsicherheitsmarge unterliegen, die vorherrschende Meinung war jedoch, dass ein Teil der jüngsten Preissteigerungen wahrscheinlich dauerhaft sein wird. Die Direktoren stimmten ferner weitgehend darin überein, dass das gegenwärtig niedrige Niveau ungenutzter Förderkapazitäten in Verbindung mit einem starken Nachfrageanstieg und möglichen Angebotsstörungen das Risiko einer größeren Preisvolatilität erhöht.

Zur Frage von Investitionen in neue Ölförderkapazitäten vertraten viele Direktoren die Ansicht, dass das derzeit niedrige Niveau der unausgenutzten Förderkapazitäten und der starke Nachfrageanstieg Anlass für höhere Investitionen in neue Förderkapazitäten geben. Einzelne andere Direktoren verwiesen demgegenüber auf frühere Erfahrungen mit Überinvestitionen und sehr niedrigen Preisen und stellten fest, dass auch andere Faktoren als Kapazitätsgrenzen einen Beitrag zu den hohen Preisen leisten. Die Direktoren gingen zwar davon aus, dass ein dauerhafter Preisanstieg Investitionen anregt, sie wiesen jedoch auch auf eine Reihe anderer Faktoren hin, die Investitionen beeinflussen: die hohen anfänglichen Investitionskosten, der lange Zeitraum bis zur Amortisation, Unsicherheiten bei der Vorhersage der langfristigen Preisentwicklung sowie geopolitische Risiken. Die Direktoren stimmten darin überein, dass die Mitgliedsländer versuchen sollten, unnötige Hindernisse für Investitionen zu beseitigen. Sie betonten darüber hinaus die Bedeutung von angemessenen Investitionen in Raffinerien und andere nachgelagerte Aktivitäten, in denen strukturelle Hemmnisse bestünden.

Die Direktoren stimmten weitgehend darin überein, dass die Auswirkungen der derzeit hohen Ölpreise auf die Weltwirtschaft nicht zu groß waren und dass die Wachstumsaussichten weiterhin günstig sind. Darüber hinaus lägen die Ölpreise in realer Betrachtung weit unter ihren historischen Höchstständen. Sie begründeten die relativ begrenzten Auswirkungen zum Teil mit der fortgesetzten Reduzierung der Ölintensität des Verbrauchs und der Produktion, insbesondere in den Industrieländern, sowie mit der größeren Glaubwürdigkeit des wirtschaftspolitischen Kurses der Verbraucherländer. Die Direktoren äußerten sich zuversichtlich, dass viele Erdöl importierende Entwicklungsländer in der Lage sind, ohne unbotmäßige Härten mit einer Kombination aus Anpassung, Nutzung von Reserven und externer Finanzierung auf die Preiserhöhungen zu reagieren. Dennoch habe es signifikante Auswirkungen auf einige Erdöl importierende Entwicklungsländer gegeben. Die Direktoren betonten daher die Notwendigkeit, aufmerksam zu bleiben, insbesondere wenn die Preise weiter steigen sollten.

Die Direktoren sprachen sich dafür aus, dass die wirtschaftspolitischen Maßnahmen der Erdöl exportierenden Länder mehrere Gesichtspunkte berücksichtigen sollten: ihre aktuelle makroökonomische Lage, die Höhe der unerwarteten zusätzlichen Öleinnahmen im Verhältnis zur Größe der Volkswirtschaft, die Höhe der Ölreserven, die bestehenden Liquiditätsreserven, die externe und öffentliche Verschuldung sowie die Kapazitäten zur Erstellung und Umsetzung sinnvoller Ausgabenprogramme. Sie ermutigten die Erdöl exportierenden Länder, angesichts des ungewissen Ausblicks für die Preisentwicklung umsichtig zu handeln, und verwiesen auf die Bedeutung von Transparenz und Verantwortlichkeit bei der Verwaltung der Öleinnahmen (siehe Kapitel 2 zur Diskussion über den “Entwurf eines Leitfadens für Transparenz der Einnahmen aus der Rohstoffwirtschaft” – Draft Guide on Resource Revenue Transparency). Die Reaktion der Erdöl importierenden Länder auf die hohen Ölpreise erfordere weiterhin eine Kombination aus höherer externer Kreditaufnahme, Reduzierung der Reserven und Anpassung. Hierzu gehöre auch die Eröffnung eines Spielraums für eine reale Abwertung des Wechselkurses. Die Direktoren stimmten darin überein, dass der IWF weiterhin darauf vorbereitet sein sollte, eine temporäre Zahlungsbilanzfinanzierung bereitzustellen, wenn dies eine nützliche Ergänzung der von den Ländern selbst ergriffenen Anpassungsmaßnahmen darstellt.

Die Direktoren verwiesen darauf, dass stabile Ölmärkte für den weltweiten Wohlstand wichtig sind und sie betonten die Bedeutung eines engen Dialoges zwischen Verbrauchern und Produzenten. Sie stimmten in diesem Zusammenhang überein, dass die Aktualität, Genauigkeit und Vollständigkeit der Daten über Ölangebot und -nachfrage verbessert werden sollte, einschließlich der Daten über die Lagerbestände. Sie vertraten die Auffassung, dass solche Verbesserungen dazu beitragen können, die Unsicherheit und Preisvolatilität zu verringern und die Entscheidungsfindung von Produzenten und Verbrauchern zu verbessern. Die Direktoren kamen überein, dass der Fonds die Anstrengungen der für die Erhebung von Ölmarktdaten zuständigen internationalen Behörden weiterhin unterstützen sollte, und sie sprachen sich für eine Vertretung des IWF bei den Tagungen dieser Gremien aus. Der IWF wird auch in Zukunft technische Hilfe an Länder leisten, um ihren institutionellen Rahmen unter anderem im Statistikrecht und im Statistikwesen zu verbessern. Die Direktoren kamen überein, dass der Fonds die Mitglieder auch in Zukunft ermutigen sollte, ihre Teilnahme an den datenbezogenen Initiativen des Fonds zu verstärken.

Viele Direktoren wiesen ferner auf den bedeutenden Beitrag hin, den Länder durch eine Begrenzung der Nachfrage nach Ölprodukten zu einer stabilen Marktentwicklung leisten könnten. Zu diesen Maßnahmen zählten die Verbesserung der Energieeffizienz, die Förderung der Energieeinsparung und Nutzung alternativer Brennstoffe sowie die Erleichterung der Übertragung von internationalen Preisänderungen auf die Endverbraucherpreise. In diesem Zusammenhang sollten die Verkaufspreise von Ölprodukten, einschließlich Steuern und Abgaben, nicht nur die Marktkosten, sondern auch die sozialen Kosten der Nutzung der Ölprodukte reflektieren. Die Direktoren wiesen darauf hin, dass diese Maßnahmen, soweit erforderlich, angemessen sozial abgefedert werden sollten.

Länderüberwachung

Zur Durchführung der Überwachung auf der Basis des Artikels IV entsendet der IWF regelmäßig Mitarbeiterteams in die Mitgliedsländer. Förmliche “Artikel-IV-Konsultationen” werden gewöhnlich einmal pro Jahr (in einzelnen Ländern weniger oft) durchgeführt, während informelle Besuche des IWF-Mitarbeiterstabs häufig zwischen diesen Konsultationen erfolgen. Das Team sammelt Wirtschafts- und Finanzdaten und erörtert mit Regierungs- und Zentralbankmitarbeitern die seit der vorausgegangenen Konsultation eingetretenen wirtschaftlichen Entwicklungen sowie die Wechselkurs-, Geld-, Fiskal-, Finanzsektor- und Strukturpolitik des Landes. Das Mitarbeiterteam kann sich auch mit nichtoffiziellen Gruppen wie Mitgliedern der gesetzgebenden Körperschaften, Vertretern von Gewerkschaften, Wissenschaftlern und Finanzmarktteilnehmern treffen, um deren Ansichten über die wirtschaftliche Lage einzuholen. Gegen Ende des Besuchs erstellt das Team eine Zusammenfassung seiner Erkenntnisse und der wirtschaftspolitischen Empfehlungen, die den nationalen Behörden übergeben wird. Diese haben dann die Möglichkeit, sie zu veröffentlichen.

Türkei

Unter dem vorangegangenen IWF-gestützten Programm der Türkei führte die Regierung eine ehrgeizige Wirtschafts- und Strukturpolitik durch, die die Grundlage für eine weitere Verbesserung der wirtschaftlichen Lage im Geschäftsjahr 2005 legte. Das neue Dreijahres-Programm der Türkei sollte dazu beitragen, diese Erfolge zu konsolidieren.

Das Wirtschaftswachstum erreichte im Jahr 2004 beeindruckende zehn Prozent. Um die öffentlichen Schulden und das Leistungsbilanzdefizit zurückzuführen, ging die Regierung 2004 über ihr Haushaltsziel hinaus und erreichte einen Primärüberschuss von sieben Prozent des BSP. Dadurch wurde die Schuldenlast der Türkei auf 63 Prozent des BSP gesenkt, fast 30 Prozentpunkte niedriger als nach der Krise 2000-01. Die solide Geldpolitik der Zentralbank reduzierte die Inflation auf einstellige Zahlen, die niedrigsten Werte seit einer Generation. In Anerkennung dieses Erfolges kündigte die Zentralbank der Türkei an, im Jahr 2006 zu einem System der direkten Inflationssteuerung überzugehen. Die Behörden führten außerdem im Januar 2005 eine neue Währung ein – die neue türkische Lira – und strichen sechs Nullen von der alten Währung. Im Rahmen des neuen IWF-gestützten Programms hat die Regierung außerdem wichtige Reformen eingeleitet, unter anderem in den Bereichen Steuerverwaltung, Sozialversicherung und Bankengesetz. Diese Strukturreformen werden den institutionellen Rahmen der Türkei stärken und die mittelfristigen Wachstumsaussichten verbessern.

Aufgrund dieser Fortschritte und großer Kapitalzuflüsse war auf dem Finanzmarkt eine beeindruckende Entwicklung festzustellen. Der Richtzinssatz für Anleihen ging auf weit unter 20 Prozent zurück, im Vergleich zu 25 Prozent Ende April 2004, die Zinsaufschläge auf Anleihen sind beträchtlich gesunken, die Börse hat Rekordwerte erreicht und die Lira bleibt stark.

Zusammenarbeit zwischen Türkei und IWF im GJ 2005
Mai 2004Besuch der Ersten Geschäftsführenden Direktorin Anne O. Krueger
Juli 2004Abschluss der achten Überprüfung der Leistung der Türkei unter der Bereitschaftskredit-Vereinbarung sowie der Artikel-IV-Gespräche durch das Exekutivdirektorium des IWF
April 2005Ansprache des Geschäftsführenden Direktors Rodrigo de Rato im zweiten Istanbul Investment Advisory Council

Nach der Rückkehr in die Zentrale des IWF verfasst das Mitarbeiterteam einen Bericht, in dem die wirtschaftliche Situation und der Inhalt der Diskussionen mit den Behörden beschrieben werden und eine Bewertung der Wirtschaftspolitik des Landes vorgenommen wird. Der Bericht wird vom Exekutivdirektorium erörtert und es wird eine Zusammenfassung der Aussprache erstellt. Im Rahmen dieser Konsultationen versucht der IWF, die Stärken und Schwächen der Wirtschaftspolitik festzustellen, auf mögliche Anfälligkeiten hinzuweisen und die Länder, sofern erforderlich, im Hinblick auf angemessene Korrekturmaßnahmen zu beraten. Wenn das Mitgliedsland zustimmt, wird der vollständige Artikel-IV-Konsultationsbericht veröffentlicht. Dem Bericht wird eine Öffentliche Informationsmitteilung (Public Information Notice – PIN) beigefügt, die Hintergrundinformationen und eine Zusammenfassung der Direktoriumsaussprache enthält. Das Mitgliedsland kann sich auch dafür entscheiden, nur die PIN zu veröffentlichen. Im Geschäftsjahr 2005 hat das Direktorium insgesamt 130 Artikel-IV-Konsultationen mit Mitgliedsländern durchgeführt (siehe Tabelle 1.1). (Alle PINs werden in die Webseite des IWF eingestellt, und das Gleiche gilt für die Artikel-IV-Berichte, deren Veröffentlichung genehmigt wurde.)

Tabelle 1.1Im Geschäftsjahr 2005 abgeschlossene Artikel-IV-Konsultationen
LandDatum der DirektoriumsaussprachePIN bekannt gegebenVeróffentlichung des Staabsberichts
Afghanistan, Islamische Republik19. Januar 200527. Januar 20054. Februar 2005
Ägypten24. Mai 200412. Juli 2004
Albanien28. Februar 200510. März 200510. März 2005
Algerien12. Januar 200528. Januar 200515. Februar 2005
Angola4. März 2005
Antigua und Barbuda15. November 200422. November 200424. November 2004
Äquatorialguinea25. April 20056. Mai 20056. Mai 2005
Armenien1. Dezember 200410. Dezember 200417. Dezember 2004
Aserbaidschan22. Dezember 200421. Januar 200521. Januar 2005
Äthiopien13. September 200431. Januar 200531. Januar 2005
Australien27. Oktober 20048. November 20048. November 2004
Bahrain14. Juni 200424. August 2004
Barbados3. Mai 200414. Mai 200426. Mai 2004
Belarus7. Mai 200419. Mai 200419. Mai 2004
Belgien18. Februar 20053. März 20053. März 2005
Benin6. Oktober 200412. November 200424. November 2004
Brasilien21. März 200525. März 2005
Brunei Darussalam21. Mai 200423. September 2004
Bulgarien14. Juni 200418. Juni 200428. Juni 2004
Chile4. August 20045. August 200413. September 2004
China, Volksrepublik28. Juli 200425. August 20045. November 2004
Costa Rica2. Juli 200419. August 200420. September 2004
Dänemark2. August 20046. August 20046. August 2004
Deutschland25. Oktober 20042. November 20042. November 2004
Ecuador26. Juli 200412. August 2004
El Salvador31. Januar 200514. Februar 2005
Eritrea3. September 20049. Februar 2005
Estland8. November 200411. November 200411. November 2004
Fidschi23. August 200414. September 2004
Finnland28. Januar 20057. Februar 20057. Februar 2005
Frankreich20. Oktober 20043. November 20043. November 2004
Gabun28. März 200526. April 20053. Mai 2005
Griechenland2. Februar 20059. Februar 20059. Februar 2005
Guinea27. August 20043. Oktober 20047. Dezember 2004
Guinea-Bissau19. November 200410. Dezember 200411. März 2005
Guyana24. Januar 200511. März 2005
Honduras28. März 200513. April 2005
Hongkong, SVR2. Februar 200521. Februar 200521. Februar 2005
Indien24. Januar 20053. Februar 200510. März 2005
Indonesien3. Mai 20049. Mai 20042. Juli 2004
Iran, Islamische Republik10. September 200427. September 200427. September 2004
Irland29. Oktober 20044. November 20044. November 2004
Israel21. März 200529. März 200518. April 2005
Italien7. Februar 20059. Februar 200510. Februar 2005
Jamaika2. August 200416. August 200416. August 2004
Japan28. Juli 200411. August 200411. August 2004
Jemen, Republik14. März 200524. März 200523. März 2005
Kambodscha13. September 200427. September 200422. Oktober 2004
Kamerun22. April 200529. April 2005
Kasachstan21. Juli 200420. September 200428. Oktober 2004
Kanada16. Februar 200529. März 200529. März 2005
Katar14. März 2005
Kenia20. Dezember 2004
Kirgisische Republik19. November 200414. Januar 200510. Februar 2005
Kolumbien29. April 20059. Mai 20059. Mai 2005
Kongo, Republik10. Juni 200422. Juli 20042. August 2004
Korea21. Januar 20054. Februar 200511. Februar 2005
Kroatien4. August 200412. August 200412. August 2004
Kuwait25. April 200513. Mai 2005
Laos, Dem. Volksrepublik29. November 200412. Januar 200512. Januar 2005
Lettland4. August 20046. August 200416. August 2004
Libanon7. Mai 20047. Juli 2004
Liberia20. April 2005
Libyen28. Januar 20058. März 20058. März 2005
Litauen23. März 200531. März 200531. März 2005
Malawi29. Oktober 200424. November 20046. Dezember 2004
Malaysia7. Februar 200514. März 2005
Malediven24. Mai 200423. Juli 2004
Marokko5. Mai 200412. Mai 20049. Juni 2004
Mauritius21. Juli 200425. August 2004
Mexiko18. Oktober 200423. Dezember 200423. Dezember 2004
Mikronesien25. Februar 200522. März 200522. März 2005
Moldau, Republik7. Februar 200517. Februar 200517. Februar 2005
Myanmar25. März 2005
Namibia14. Februar 20059. März 200511. März 2005
Niederlande8. September 200417. September 200422. September 2004
Niger28. Juni 200419. Juli 200424. August 2004
Nigeria16. Juli 20043. August 20046. August 2004
Oman8. Oktober 2004
Österreich2. August 20044. August 20045. August 2004
Pakistan1. Dezember 200420. Dezember 200420. Dezember 2004
Panama23. März 200512. April 2005
Papua-Neuguinea2. Juni 200410. November 200410. November 2004
Paraguay30. Juli 200416. September 200418. Februar 2005
Philippinen7. März 200520. März 200521. März 2005
Polen12. Juli 200426. Juli 200426. Juli 2004
Ruanda6. Oktober 200416. November 20043. Dezember 2004
Rumänien7. Juli 200427. Juli 200427. Juli 2004
Russische Föderation1. September 200430. September 200430. September 2004
Salomonen16. Juli 200412. August 200412. August 2004
San Marino28. Juli 20044. August 200413. August 2004
Saudi-Arabien22. Dezember 200412. Januar 2005
Schweden4. August 20049. August 20049. August 2004
Schweiz2. Juni 200418. Juni 200418. Juni 2004
Senegal7. März 2005
Seychellen21. Januar 2005
Sierra Leone12. November 200419. Januar 200524. Januar 2005
Simbabwe7. Juli 200417. September 200417. September 2004
Singapur7. Februar 200528. April 200528. April 2005
Slowakische Republik11. Februar 200517. Februar 20052. März 2005
Slowenien7. Mai 200424. Mai 200424. Mai 2004
Spanien9. Februar 200517. Februar 200517. Februar 2005
St. Kitts und Nevis15. November 2004
St. Lucia5. Mai 200415. November 20048. Dezember 2004
St. Vincent und die Grenadinen5. Mai 200419. Mai 2005
Südafrika3. September 20042. Dezember 20042. Dezember 2004
Sudan29. April 2005
Suriname25. März 200520. April 200525. April 2005
Swasiland18. Februar 2005
Tadschikistan18. März 200525. März 200515. April 2005
Tansania6. August 20047. September 20047. September 2004
Thailand1. September 20041. Dezember 2004
Timor-Leste16. Juli 200412. Oktober 200412. Oktober 2004
Tonga23. Juni 200429. Juli 2004
Trinidad und Tobago22. Oktober 20048. Dezember 20045. Januar 2005
Tschechische Republik6. August 200417. August 200417. August 2004
Tunesien27. Oktober 20048. November 200412. November 2004
Türkei30. Juli 200410. August 2004
Turkmenistan4. Juni 2004
Uganda23. Februar 2005
Ukraine25. Oktober 200424. Januar 200524. Januar 2005
Ungarn10. Mai 200424. Mai 200424. Mai 2004
Usbekistan7. Juni 2004
Vanuatu25. Februar 200511. März 200531. März 2005
Venezuela13. September 2004
Vereinigte Arabische Emirate28. Mai 200429. Juni 200429. Juni 2004
Vereinigte Staaten23. Juli 200430. Juli 200430. Juli 2004
Vereinigtes Königreich2. März 20058. März 20058. März 2005
Vietnam22. November 20045. Januar 20054. Mai 2005
Zypern18. Februar 200522. März 200522. März 2005

Als Ergänzung zu diesen systematischen und regelmäßigen Überprüfungen der einzelnen Mitgliedsländer beurteilt das Exekutivdirektorium die wirtschaftliche Entwicklung und die Wirtschaftspolitik derjenigen Mitgliedsländer, die Finanzmittel vom IWF ausleihen. Das Exekutivdirektorium tagt außerdem auch häufig informell, um Entwicklungen in einzelnen Ländern zu erörtern. Die Länderüberwachung des IWF erhält auch Informationen durch freiwillige Beurteilungen im Rahmen des “Programms zur Bewertung des Finanzsektors” (Financial Sector Assessment Program – FSAP) (siehe Kapitel 2).

Bei seiner Zweijahresüberprüfung der Überwachung im Juli 2004 vereinbarte das Direktorium, dass die Artikel-IV-Konsultationen mit systemisch oder regional bedeutenden Mitgliedsländern die grenzüberschreitenden Auswirkungen ihrer wirtschaftlichen Situation und ihrer Wirtschaftspolitik umfassender untersuchen sollten. Die Direktoren vereinbarten ferner, dass die Konsultationen in Zukunft deutlicher auf die Verbindungen zwischen der wirtschaftlichen Entwicklung und der globalen Wirtschafts- und Finanzlage eingehen sollten und dass die Analyse länderspezifischer Anfälligkeiten für globale Wirtschafts- und Finanzrisiken ausgeweitet werden sollte. (Auf die Zweijahresüberprüfung wird in Kapitel 2 detailliert eingegangen.)

Regionale Überwachung

Der IWF hat seine regionale Überwachung durch die Verstärkung der Diskussionen über die regionalen Währungsunionen und eine stärkere Beachtung der regionalen Dimensionen von Wirtschaftsentwicklungen und Fragen der Wirtschaftspolitik erweitert. Von diesen Diskussionen wird beispielsweise erwartet, dass sie eine vergleichende Analyse von Entwicklungen und wirtschaftspolitischen Maßnahmen innerhalb einer Region ermöglichen und zu zusätzlichen Erkenntnissen über die regionale Übertragung von Schocks führen.

Afrika südlich der Sahara

Als Teil dieser Anstrengungen hat der Mitarbeiterstab damit begonnen, dem Direktorium periodisch einen regionalen Überblick vorzulegen. Der erste Überblick, den das Direktorium bei einem informellen Seminar im April 2005 erörterte, beschäftigte sich mit den afrikanischen Ländern südlich der Sahara6. Der Bericht zu dem Thema “Afrika südlich der Sahara: Regionale wirtschaftliche Aussichten” legte dar, dass die Aufrechterhaltung und Beschleunigung des Wirtschaftswachstums die wichtigste Herausforderung ist, der sich die Region gegenübersieht. Dabei wurde festgestellt, dass sogar die zuletzt verbesserten Wachstumsraten, die im Jahr 2004 mit fünf Prozent einen Höchststand der vergangenen acht Jahre bedeuteten, nicht ausreichen, um das MillenniumEntwicklungsziel einer Halbierung der Armut bis 2015 zu erreichen (siehe Kapitel 4).

Ostkaribische Währungsunion (ECCU)

Angesichts einer Reihe von Rückschlägen, darunter Naturkatastrophen, der langsame Auslauf bevorzugter Handelsvereinbarungen für Bananen und Zucker, zurückgehende Aktivitäten in Offshore-Zentren, die Abschwächung der weltwirtschaftlichen Entwicklung sowie die Folgewirkungen des 11. September, haben die Länder der Ostkaribischen Währungsunion (Eastern Carribean Currency Union – ECCU) einen expansiven fiskalpolitischen Kurs verfolgt, um das Wachstum anzuregen. Dieser wirtschaftspolitische Kurs hat jedoch in vielen Ländern zu einer Belastung in Form einer rapide steigenden Verschuldung und einer schwachen Haushaltslage geführt.

Das Exekutivdirektorium erörterte am 5. Mai 2004 die Lage in der ECCU7 und legte es den regionalen Behörden nahe, die Haushaltssituation zu verbessern und die Verschuldung zügig zu verringern. Gleichzeitig sollten Reformen eingeleitet werden, um den Wirtschaftsstandort und die Wettbewerbsfähigkeit zu verbessern und dadurch das Wachstum zu beleben.

Um die Ursachen für die Anfälligkeiten der Region zu verringern, rieten die Direktoren dazu, die Abhängigkeit von der traditionellen Landwirtschaft abzubauen, die strukturelle Haushaltsposition zu stärken und die Wirksamkeit der Finanzaufsicht zu steigern. Ebenfalls bedeutsam sei eine Stärkung der institutionellen Kapazitäten der Region, um die Auswirkungen von Naturkatastrophen zu mildern. Sie ermutigten die Behörden dazu, die Übereinstimmung der Fiskalpolitik der einzelnen Staaten mit der Currency-Board-Vereinbarung der Region zu gewährleisten und sie begrüßten die eingeleiteten Maßnahmen zur Entwicklung von landeseigenen Stabilisierungsprogrammen.

Eurogebiet

Das Exekutivdirektorium erörterte im Juli 2004 die Wirtschaftspolitik im Eurogebiet. Die Direktoren räumten ein, dass sich die kurzfristigen Aussichten verbessert haben, sie wiesen aber darauf hin, dass die seit langem bestehenden strukturellen Herausforderungen noch angegangen werden müssen. Die Direktoren machten darauf aufmerksam, dass die Übertragung des Wachstumsschubs auf die inländische Nachfrage insbesondere in einigen der größeren Volkswirtschaften weiterhin nur langsam stattfindet.

Die Direktoren stimmten darin überein, dass die Geldpolitik angemessenen ist. Das gelte insbesondere im Hinblick auf die Beharrlichkeit der Inflation während der konjunkturellen Abschwächung. Mit Blick in die Zukunft vertraten die Direktoren die Ansicht, dass die Geldpolitik den Aufschwung der Binnennachfrage weiterhin unterstützen sollte, solange die mittelfristigen Aussichten für die Preisstabilität günstig sind. Die Risiken für Zweitrundeneffekte infolge der höheren Ölpreise, aber auch auf Grund des Anstiegs indirekter Steuern und administrierter Preise müssten zwar weiterhin aufmerksam beobachtet werden, die unausgenutzten Kapazitäten am Arbeitsmarkt und die anhaltende Lohnzurückhaltung seien jedoch positiv für die Inflationsentwicklung.

Die Direktoren wiesen gleichzeitig darauf hin, dass der erneute Aufwertungsdruck auf den Euro, der von den globalen Leistungsbilanz-Ungleichgewichten ausgeht, ein mittelfristiges Abwärtsrisiko für das Wachstum darstellt.

Die Direktoren hoben hervor, dass der Konsens über die Aufrechterhaltung eines starken und disziplinierenden Rahmens für die Fiskalpolitik zurückgewonnen werden muss. Dies gelte insbesondere vor dem Hintergrund der sich aus der rapiden Alterung der Bevölkerung ergebenden haushaltspolitischen Herausforderungen. Die meisten Direktoren vertraten die Ansicht, dass ein fehlender Konsens über die Reform des Stabilitäts- und Wachstumspakts (SWP) schwerwiegende Konsequenzen für die Europäische Wirtschafts- und Währungsunion (EWU) und ihre Mitgliedsländer haben kann, da sich viele dieser Länder auf den SWP als Instrument der externen Verpflichtung zur Einhaltung der Haushaltsdisziplin verlassen. Die Direktoren riefen in diesem Kontext und vor dem Hintergrund des sich belebenden Aufschwungs die Mitgliedsländer dazu auf, das Tempo der Haushaltskonsolidierung zu beschleunigen.

In Bezug auf die Wachstumsaussichten sahen die Direktoriumsmitglieder die zentrale strukturpolitische Herausforderung des Eurogebiets darin, das langfristige Wachstum zu erhöhen. Dies solle in erster Linie durch stärkere Anreize zur Annahme einer Arbeitsstelle geschehen. Eine Umkehr des langfristigen Rückgangs des Arbeitseinsatzes durch eine Reform der Steuervorteile und eine Verlängerung der Lebensarbeitszeit sei in den meisten Mitgliedsländern ein zentrales Element in der Strategie zur Stützung der sozialen Sicherungssysteme. Hinsichtlich der Reformbereiche begrüßten die Direktoren die spürbaren Fortschritte bei der Deregulierung und Integration von Güter- und Finanzmärkten, drängten aber auf weitere Maßnahmen zur Liberalisierung des Dienstleistungssektors.

Der fehlende Reform-Elan sei ein Grund zur Besorgnis, so die Direktoren, insbesondere im Hinblick auf Arbeitsmarkt-und Rentenreformen. Die zentrale Herausforderung für das gesamte Eurogebiet bestehe darin, den auf nationaler Ebene durchgeführten Strukturreformen durch eine entschlossenere Führung auf der Ebene der Europäischen Union mehr Auftrieb zu geben.

Die Direktoren begrüßten die neuen Anstrengungen der Europäischen Union zum Neubeginn der ins Stocken geratenen Doha-Welthandelsrunde. Das jüngste Angebot der Europäischen Union, alle Subventionen für landwirtschaftliche Exporte auslaufen zu lassen und die Verhandlungen über die vier “Singapur-Fragen” (Handel und Investitionen, Wettbewerbspolitik, Transparenz der öffentlichen Beschaffungsverfahren und Handelsförderung) weiter zu begrenzen, sorge für einen frischen und dringend benötigten Impuls, um eine Vereinbarung über einen Verhandlungsrahmen zu erreichen. Die WTO-Mitglieder hatten auf der Ministerkonferenz im Jahr 1996 in Singapur beschlossen, die Arbeit an diesen Fragen aufzunehmen. Die Direktoren sprachen sich dafür aus, diese Anstrengungen durch ein ehrgeizigeres multilaterales Angebot über den Marktzugang zu ergänzen.

Westafrikanische Wirtschafts- und Währungsunion (WAEMU)

Zum Zeitpunkt der Aussprache des Direktoriums im Oktober 2004 wurden die wirtschaftlichen Aussichten der Westafrikanischen Wirtschafts- und Währungsunion (West African Economic and Monetary Union – WAEMU) für 2004 durch die Krise in Côte d’Ivoire, Druck auf die außenwirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit, höhere Ölpreise und eine Heuschreckeninvasion getrübt. Die Wettbewerbsfähigkeit der Region hatte zwar keine signifikanten Verluste zu verzeichnen, die Direktoren legten es den Behörden jedoch nahe, einen angemessenen wirtschaftspolitischen Kurs zu verfolgen und Strukturreformen durchzuführen, um die Effizienz des Exportsektors zu verbessern und somit die außenwirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit zu stärken und die Aussichten für ein dauerhaftes Wachstum und den Abbau der Armut zu verbessern.

Die Entwicklung zu makroökonomischer Konvergenz innerhalb der WAEMU habe an Schwung verloren und das politische Engagement für eine weitere Handelsliberalisierung habe nachgelassen. Die Direktoren hoben hervor, dass konzertierte und glaubwürdige Maßnahmen aller Länder im Hinblick auf die Erfüllung all ihrer regionalen Verpflichtungen notwendig sind, um eine Konvergenz im Wirtschafts- und Finanzbereich zu erzielen und es der Region zu ermöglichen, von den Vorteilen einer weiteren Handelsliberalisierung zu profitieren.

Die Direktoren stellten fest, dass die Währungsvereinbarung der WAEMU dazu beigetragen hat, die Inflation niedrig zu halten und das Vertrauen in die Währung zu sichern. Sie begrüßten die jüngsten Maßnahmen zur Abschaffung der Finanzierung der nationalen Haushalte durch die Zentralbank. Dadurch werde die Haushaltsdisziplin verbessert. Als Schutz gegen das Risiko kumulierter Zahlungsrückstände oder exzessiver Auslandsverschuldung infolge dieses Schritts sollten die von der WAEMU festgelegten Obergrenzen für die Verschuldung und den Aufbau von Zahlungsrückständen strikt eingehalten werden.

Trotz der begrenzten Integration der Finanzmärkte in der WAEMU empfahlen die Direktoren den Behörden, die Formulierung und Umsetzung der Geldpolitik zunehmend eher an regionalen als an länderspezifischen Zielen zu orientieren, sobald die durch die geringe Finanzintegration verursachten Einschränkungen verringert worden seien. Die Direktoren betonten, dass es zur Stärkung der Kreditinstitute erforderlich ist, den aufsichtlichen Rahmen durch eine Reform der Regulierung und eine effektivere Durchsetzung zu verbessern. Abschließend begrüßten die Direktoren die verstärkte Zusammenarbeit zwischen der WAEMU-Kommission und dem Exekutivsekretariat der Wirtschaftsgemeinschaft der Westafrikanischen Staaten (Economic Community of West African States – ECOWAS), die auf die Errichtung eines einheitlichen regionalen Marktes innerhalb der ECOWAS abzielt.

Eine Zusammenfassung der Direktoriumsaussprache findet sich unter www.imf.org/external/pubs/ft/weo/2004/02/pdf/annex.pdf; der Bericht ist verfügbar unter www.imf.org/external/pubs/ft/weo/2004/02/index.htm.

Eine Zusammenfassung der Direktoriumsaussprache findet sich unter www.imf.org/external/pubs/ft/weo/2005/01/pdf/annex.pdf; der Bericht ist verfügbar unter www.imf.org/external/pubs/ft/weo/2005/01/index.htm.

Eine Zusammenfassung der Direktoriumsaussprache findet sich unter www.imf.org/external/pubs/FT/GFSR/2004/02/pdf/annex.pdf. Der Bericht ist abrufbar unter www.imf.org/external/pubs/FT/GFSR/2004/02/index.htm.

Eine Zusammenfassung der Diskussion des Direktoriums findet sich unter www.imf.org/external/pubs/FT/GFSR/2005/01/pdf/annex.pdf; der Bericht kann abgerufen werden unter www.imf.org/external/pubs/FT/GFSR/2005/01/index.htm.

Die Direktoriumsaussprache wird in der Öffentlichen Informationsmitteilung (PIN) Nr. 05/48 zusammengefasst; siehe www.imf.org/external/np/sec/pn/2005/pn0548.htm.

Der vollständige Bericht findet sich unter www.imf.org/external/pubs/ft/AFR/REO/2005/eng/01/SSAREO.htm.

Eine Zusammenfassung der Diskussion findet sich in der Öffentlichen Informationsmitteilung (PIN) Nr. 04/101, www.imf.org/external/np/sec/pn/2004/pn04101.htm.

    Other Resources Citing This Publication