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IWF-Überwachung: Förderung von Wachstum und Stabilität

Author(s):
International Monetary Fund
Published Date:
October 2004
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Eine der Hauptaufgaben des Internationalen Währungsfonds besteht darin, mit den Mitgliedsländern einen Dialog über die nationalen und internationalen Auswirkungen ihrer Wirtschafts-und Finanzpolitik zu führen. Dieser Prozess der Beobachtung und Beratung, der als Überwachung („surveillance”) bezeichnet wird, basiert auf dem in Artikel IV des IWF-Übereinkommens enthaltenen Auftrag und stellt den Kern der Bemühungen des IWF dar, Krisen zu verhindern.

Der IWF übt seine Verantwortung im Bereich der Überwachung auf verschiedene Weisen aus (siehe Kasten 1.1). Zu den Höhepunkten der Überwachungstätigkeiten im Geschäftsjahr 2004 gehören die Folgenden:

  • Im August 2003 und im März 2004 führte das Exekutivdirektorium im Rahmen der Überwachung der Weltwirtschaft durch den IWF seine zweimal jährlich stattfindende umfassende Beurteilung des Weltwirtschaftsausblicks (World Economic Outlook) durch. Angesichts der Aussichten für eine schrittweise, wenn auch mäßige Erholung der Weltkonjunktur sprachen sich die Direktoren im August 2003 für einen weiterhin angemessenen unterstützenden wirtschaftspolitischen Kurs und für eine Verstärkung der strukturpolitischen Maßnahmen aus. Im März hatte sich der einsetzende Aufschwung gefestigt und an Breite gewonnen, und die Direktoren kamen überein, dass sich die Wirtschaftspolitik auf mittelfristige Maßnahmen konzentrieren sollte, die einen dauerhaften Aufschwung unterstützen und gleichzeitig Spielraum für Reaktionen auf mögliche zukünftige Schocks schaffen. Des Weiteren verwiesen sie auf die zentrale Herausforderung, den Übergang zu einem Umfeld mit höheren Zinssätzen zu bewerkstelligen.

  • Im August 2003 und im März 2004 erörterte das Direktorium außerdem die Entwicklungen auf den weltweiten Finanzmärkten. Es stützte sich dabei auf den vom Stab erstellten Bericht zur Stabilität des globalen Finanzsystems (Global Financial Stability Report). Im August 2003 stellten die Direktoren fest, dass die Finanzmärkte trotz der andauernden Wachstumsschwäche robust geblieben sind, sie äußerten sich jedoch besorgt über mehrere Abwärtsrisiken und betonten die wirtschaftspolitischen Auswirkungen dieser Marktentwicklungen. Im März 2004 hatten sich die Aussichten für Finanzstabilität aufgehellt und die Direktoren wiesen unter anderem darauf hin, dass das relativ günstige Umfeld in den entwickelten und aufstrebenden Märkten eine gute Gelegenheit bietet, den Schwerpunkt der Wirtschaftspolitik auf einige wesentliche Strukturreformen zu legen.

  • Nach Maßgabe von Artikel IV des IWF-Übereinkommens führte das Direktorium 115 Konsultationen mit einzelnen Mitgliedsländern durch.

  • Die Exekutivdirektoren erörterten mehrfach die regionalen Entwicklungen. Sie diskutierten dabei insbesondere über die Politikmaßnahmen im Euroraum (September 2003), die Einführung des Euro in einigen EU-Mitgliedsländern in Mitteleuropa (Februar 2004) sowie über die Entwicklungen und Politikmaßnahmen in der Zentralafrikanischen Wirtschafts-und Währungsgemeinschaft (November 2003).

Länderüberwachung

Zur Durchführung der Länderüberwachung auf der Basis des Artikels IV besucht ein Mitarbeiterteam des IWF jedes Mitgliedsland und trifft sich mit Vertretern der Regierung und der Zentralbank, um Wirtschaftsund Finanzinformationen zu sammeln und zu analysieren. Gegenstand dieser Konsultationen sind die aktuelle Wirtschaftsentwicklung und die in dem jeweiligen Land durchgeführte Geld-, Wechselkurs-und Finanzpolitik sowie relevante Maßnahmen im Bereich der Strukturpolitik. Der für das Land zuständige Exekutivdirektor nimmt in der Regel als Beobachter teil. Das Team trifft sich im Allgemeinen auch mit anderen Gruppen wie Mitgliedern von Gremien der Legislative, Vertretern von Gewerkschaften und Arbeitgeberorganisationen, Wissenschaftlern und Finanzmarktteilnehmern. Das Mitarbeiterteam des IWF fertigt gewöhnlich eine abschließende Erklärung oder ein Memorandum an, in dem die Feststellungen und wirtschaftspolitischen Empfehlungen des Mitarbeiterteams zusammengefasst werden. Diese Erklärung wird den nationalen Behörden übergeben, die die Möglichkeit haben, sie zu veröffentlichen.

Kasten 1.1Formen der IWF-Überwachung

Mit seiner nahezu den ganzen Globus abdeckenden Mitgliedschaft von 184 Ländern dient der IWF den Mitgliedern als internationales Forum zur Beobachtung der wirtschaftlichen Entwicklung auf globaler, länderbezogener und regionaler Ebene. Die IWF-Überwachung hat drei Hauptformen:

  • Lãnderbezogene (oder bilaterale) Überwachung. Gemäß dem Auftrag in Artikel IV des Übereinkommens führt der IWF mit jedem Mitgliedsland regelmäßig Konsultationen über dessen Wirtschafts-und Finanzpolitik sowie über die internationalen Auswirkungen dieser Politik durch. Im Rahmen dieser „Artikel-IV-Konsultationen”, die sich auf Berichte des Mitarbeiterstabs stützen, zielt der IWF darauf ab, Stärken und Schwachstellen der Wirtschaftspolitik festzustellen, mögliche Anfälligkeiten anzuzeigen und die Länder im Hinblick auf angemessene Korrekturen ihrer Wirtschaftspolitik zu beraten. Der IWF führt die bilaterale Überwachung außerdem im Rahmen seines Programms zur Bewertung des Finanzsektors (Financial Sector Assessment Program -FSAP) durch (siehe Kapitel 2).

  • Globale (oder multilaterale) Überwachung. Das Exekutivdirektorium des IWF überprüft regelmäßig die wesentlichen internationalen Wirtschafts-und Finanzmarktentwicklungen. Die Überprüfungen basieren zum Teil auf den Berichten über die weltwirt schaftlichen Aussichten und den Berichten zur Stabilität des globalen Finanzsystems, die jeweils zweimal jährlich vom Mitarbeiterstab des IWF erstellt werden. Darüber hinaus erörtert das Direktorium häufiger auf informeller Basis die Entwicklung der Weltwirtschaft und der internationalen Finanzmärkte. Die Tendenzen an den entwickelten und aufstrebenden Finanzmärkten werden ständig beobachtet und u. a. in einem täglichen internen Bericht des Mitarbeiterstabs dargestellt.

  • Regionale Überwachung. Als Ergänzung zu den Länderkonsultationen untersucht der IWF auch die im Rahmen von regionalen Vereinbarungen verfolgte Wirtschaftspolitik. Es finden regelmäßig Diskussionen mit regionalen Wirtschaftsinstitutionen wie der Europäischen Kommission, der Europäischen Zentralbank, der Zentralafrikanischen Wirtschafts-und Währungsunion, der Ostkaribischen Währungsunion und der Westafrikanischen Wirtschafts-und Währungsgemeinschaft statt.

Der IWF ist darüber hinaus beteiligt an wirtschaftspolitischen Diskussionen von Finanzministern. Zentralbankgouverneuren und anderen offiziellen Vertretern in verschiedenen Gruppen wie der Gruppe der sieben führenden Industrieländer, der Gruppe der 24 und dem Forum für asiatisch-pazifische wirtschaftliche Zusammenarbeit (siehe auch Kapitel 6 zu Fragen der Führung des IWF).

Nach der Rückkehr in die Zentrale verfassen die IWF-Mitarbeiter einen Bericht, in dem die wirtschaftliche Situation in dem betreffenden Land und der Inhalt der wirtschaftspolitischen Diskussionen mit den Behörden des Landes beschrieben werden und eine Bewertung der Wirtschaftspolitik vorgenommen wird. Der Bericht wird dann vom Exekutivdirektorium erörtert. Die Standpunkte der Behörden werden vom Exekutivdirektor des jeweiligen Landes vertreten. Die Äußerungen der Exekutivdirektoren während der Sitzung werden vom Vorsitzenden (oder dem amtierenden Vorsitzenden) des Direktoriums zusammengefasst und es wird ein schriftliches Resümee erstellt. Wenn das betreffende Land zustimmt, wird der gesamte Bericht über die Artikel-IV-Konsultation zusammen mit einer Öffentlichen Informationsmitteilung (PIN) veröffentlicht. Diese enthält eine schriftliche Zusammenfassung der Direktoriumsaussprache und Hintergrundmaterial. Die Behörden des Landes können die Veröffentlichung einer PIN auch dann genehmigen, wenn sie die Veröffentlichung des gesamten Berichts nicht wünschen. Im Geschäftsjahr 2004 hat das Direktorium 115 Artikel-IV-Konsultationen mit den Mitgliedsländern durchgeführt (siehe Tabelle 1.1). Alle PINs und die Berichte über Artikel-IV-Konsultationen, deren Veröffentlichung die Behörden gebilligt haben, werden auf der Webseite des IWF veröffentlicht.

Tabelle 1.1Im Geschäftsjahr 2004 abgeschlossene Artikel-IV-Konsultationen
LandDatum der

Direktoriumsaussprache
PIN

bekannt gegeben
Veröffentlichung

des Stabsberichts
Afghanistan, Islamischer Staat21. November 200322. Dezember 200322. Dezember 2003
Algerien14. Januar 200429. Januar 200410. Februar 2004
Angola25. Juli 200310. September 200310. September 2003
Antigua und Barbuda24. Oktober 2003
Äquatorialguinea12. November 20039. Dezember 20039. Dezember 2003
Aserbaidschan14. Mai 20034. Juni 20036. Juni 2003
Australien22. Oktober 200329. Oktober 200329. Oktober 2003
Bahamas2. Juli 200323. Juli 200323. Juli 2003
Bangladesch20. Juni 200311. Juli 200311. Juli 2003
Belgien13. Februar 200427. Februar 200427. Februar 2004
Belize24. März 200416. April 200416. April 2004
Bolivien7. Juli 200320. August 200320. August 2003
Bosnien und Herzegowina25. Februar 20045. März 200416. März 2004
Botsuana24. März 200430. Juli 200430. Juli 2004
Burkina Faso11. Juni 200330. Juni 200330. Juni 2003
Burundi23. Januar 200410. Februar 200420. Februar 2004
Chile18. August 200320. August 200326. September 2003
China31. Oktober 200318. November 2003
Cöte d’Ivoire31. März 200421. April 2004
Deutschland3. November 20036. November 20036. November 2003
Dominikanische Republik29. August 200314. Oktober 2003
Dschibuti7. Januar 200419. März 200419. März 2004
El Salvador18. Juli 200322. Dezember 2003
Eritrea2. Mai 20031. Juli 20031. Juli 2003
Estland22. Oktober 200327. Oktober 200327. Oktober 2003
Finnland8. Oktober 200317. Oktober 200317. Oktober 2003
Frankreich8. Oktober 200329. Oktober 200329. Oktober 2003
Gabun10. November 200320. November 20035. Februar 2004
Gambia8. März 200418. Mai 200418. Mai 2004
Georgien17. Oktober 20037. November 20037. November 2003
Ghana9. Mai 200316. Mai 200321. Mai 2003
Griechenland16. Mai 200311. Juni 200311. Juni 2003
Guinea16. Juli 200314. August 200314. August 2003
Honduras5. Mai 2003
Hongkong, SVR16. Mai 200330. Mai 200330. Mai 2003
Indien18. Juli 200321. August 2003
Iran, Islamische Republik25. August 20035. September 20035. September 2003
Irland30. Juli 20035. August 20036. August 2003
Island22. August 200329. August 200329. August 2003
Israel19. April 200429. April 20043. Juni 2004
Italien7. November 200313. November 200313. November 2003
Jamaika9. Juni 200323. März 200423. März 2004
Japan20. August 20035. September 20035. September 2003
Jemen. Republik22. Dezember 2003
Jordanien2. April 200428. April 20044. Mai 2004
Kanada18. Februar 200410. März 200410. März 2004
Kasachstan28. Mai 200317. Juni 200318. Juli 2003
Kenia2. Mai 20039. Juli 20039. Juli 2003
Kiribati16. Juni 20037. Juli 2003
Komoren30. April 200414. Mai 2004
Kongo, Republik13. Juni 200330. Juni 200330. Juni 2003
Korea20. Februar 200425. Februar 200425. Februar 2004
Kuwait9. Februar 200425. Februar 200412. Juli 2004
Lesotho21. Januar 20045. Februar 20045. Februar 2004
Libyen18. August 200323. Oktober 200323. Oktober 2003
Litauen5. September 20039. September 200311. September 2003
Luxemburg28. April 20044. Mai 20045. Mai 2004
Malaysia9. Februar 200424. März 2004
Mali15. Dezember 200312. Januar 200412. Januar 2004
Malta18. August 20033. September 20033. September 2003
Marshallinseln26. Januar 200413. Februar 2004
Mauretanien18. Juli 200313. August 200310. Oktober 2003
Mauritius30. Juni 20036. August 200314. Oktober 2003
Mexiko15. Oktober 200330. Oktober 2003
Moldau, Republik26. Januar 20042. Februar 200418. Februar 2004
Mosambik10. Dezember 200322. Dezember 20035. März 2004
Myanmar17. März 2004
Nepal22. August 20035. September 20035. September 2003
Neuseeland30. April 20045. Mai 20045. Mai 2004
Niederlande30. Juli 20038. August 20038. August 2003
Niederländische Antillen4. Juni 200313. Juni 200313. Juni 2003
Norwegen22. März 200431. März 20042. April 2004
Oman6. Oktober 200322. Oktober 2003
Österreich24. November 200326. November 200326. November 2003
Palau27. Februar 20042. März 20041. April 2004
Panama22. März 200426. März 2004
Papua-Neuguinea4. Juni 200325. Juni 200325. Juni 2003
Peru23. Februar 200428. Mai 200428. Mai 2004
Philippinen5. März 200430. März 2004
Polen9. Juni 200319. Juni 200325. Juni 2003
Portugal15. März 200422. März 200422. März 2004
Russische Föderation2. Mai 20039. Mai 200330. Mai 2003
Sambia7. April 200416. Juli 200421. Juli 2004
Samoa2. Juni 200330. Juni 200330. Juni 2003
Säo Tomé und Principe17. März 20042. April 200419. Januar 2004
Saudi-Arabien10. Oktober 20035. Dezember 2003
Schweden25. Juli 20035. August 20035. August 2003
Schweiz23. Mai 20032. Juni 20032. Juni 2003
Seychellen20. Februar 2004
Simbabwe6. Juni 200328. Juli 200328. Juli 2003
Singapur15. März 200426. April 200426. April 2004
Slowakische Republik23. Juli 20035. August 20035. August 2003
Spanien19. März 20042. April 20042. April 2004
Sn Lanka5. März 200412. März 200416. März 2004
St. Kitts und Nevis24. Oktober 20034. November 2003
Südafrika20. August 20031. Juli 20041. Juli 2004
Sudan31. Oktober 200319. Dezember 200319. Dezember 2003
Suriname17. Oktober 200319. November 200319. November 2003
Swasiland9. Februar 200425. Mai 2004
Syrien, Arabische Republik30. April 2004
Thailand25. August 200317. September 2003
Timor-Leste14. Juli 200328. Juli 200328. Juli 2003
Togo28. April 200413. Mai 2004
Tnnidad und Tobago23. Juni 200310. Juli 20034. August 2003
Tschad19. März 200429. April 200429. April 2004
Tschechische Republik22. August 20035. September 20039. Januar 2004
Tunesien25. Juli 20037. August 200321. August 2003
Ukraine14. Mai 200313. Juni 200319. Juni 2003
Ungarn2. Mai 20039. Mai 20039. Mai 2003
Uruguay11. Juli 20034. August 20037. August 2003
Usbekistan19. Mai 2003
Vereinigte Staaten30. Juli 20035. August 20035. August 2003
Vereinigtes Königreich3. März 20045. März 20045. März 2004
Vietnam3. Oktober 20031. Dezember 20035. Dezember 2003
Zentralafrikanische Republik2. April 200414. April 200410. Juni 2004

Darüber hinaus bewertet das Direktorium die Wirtschaftslage und die Wirtschaftspolitik der Mitgliedsländer, die Finanzmittel vom IWF ausleihen. Dies erfolgt im Rahmen der Diskussionen über die Kreditvereinbarungen, mit denen die Wirtschaftsprogramme von Mitgliedsländern unterstützt werden. Das Direktorium setzt auch häufig informelle Treffen an, um die Entwicklungen in einzelnen Ländern zu erörtern.

Globale Überwachung

Die Durchführung der globalen Überwachung durch das Exekutivdirektorium stützt sich im Wesentlichen auf zwei Berichte des Mitarbeiterstabs – den Weltwirtschaftsausblick und den Bericht zur Stabilität des globalen Finanzsystems – sowie auf regelmäßige Aussprachen über die Weltwirtschaftund über die Entwicklungen an den Finanzmärkten.

Weltwirtschaftsausblick

Die zweimal pro Jahr stattfindenden Überprüfungen im Rahmen des Weltwirtschaftsausblicks sind integraler Bestandteil der Überwachung der Wirtschaftsentwicklung und -politik in den Mitgliedsländern sowie des Weltwirtschaftssystems durch den IWF. Diese Untersuchungen über die Aussichten und Politikmaßnahmen sind das Ergebnis einer umfassenden Überprüfung der weltwirtschaftlichen Entwicklungen und sie analysieren die kurz-und mittelfristigen Aussichten der Weltwirtschaft sowie der einzelnen Länder und Ländergruppen. Sie stützen sich im Wesentlichen auf die Informationen, die in den Stabskonsultationen mit den Mitgliedsländern gesammelt werden, und bieten einen Rahmen für die Beurteilung der Auswirkungen der wirtschaftspolitischen Maßnahmen der IWF-Mitglieder.

Im Geschäftsjahr 2004 hat das Direktorium zwei Berichte über die weltwirtschaftlichen Aussichten diskutiert. Dies geschah im August 2003 und im März 2004. (Siehe Kasten 1.2, der eine Chronologie von wichtigen wirtschaftlichen Entwicklungen im Geschäftsjahr 2004 enthält.)

Weltwirtschaftsausblick -August 2003

Zum Zeitpunkt der Erörterung des Berichts über die weltwirtschaftlichen Aussichten im August 2003 deuteten Konjunkturdaten in verschiedenen Ländern und vorausschauende Indikatoren, insbesondere an den Finanzmärkten, auf eine Stärkung des globalen Wachstums in der zweiten Jahreshälfte von 2003 und im Jahr 2004 hin. Die Exekutivdirektoren stellten fest, dass Aussichten auf einen graduellen, wenngleich moderaten Aufschwung bestünden.

Vor diesem Hintergrund sprachen sich die Direktoren für einen weiterhin angemessen unterstützenden wirtschaftspolitischen Kurs und für eine Verstärkung der strukturpolitischen Maßnahmen aus, um das Vertrauen zu verbessern und auf mittlere Sicht die Anfälligkeiten zu vermindern. Dabei solle insbesondere die Geldpolitik in den Industrieländern vorläufig akkommodierend bleiben. Die Direktoren waren zudem der Meinung, dass in den meisten Regionen angesichts des sehr moderaten Inflationsdrucks Spielraum für weitere Lockerungen vorhanden sei, falls der Aufschwung ins Stocken gerate oder der Preisanstieg die Inflationsziele deutlich unterschreite. Die geordnete Abwertung des US-Dollars wurde allgemein begrüßt. Des Weiteren stimmten die meisten Direktoren darin überein, dass der kooperative Ansatz, der zur Unterstützung des globalen Anpassungsprozesses erforderlich sei, durch Wechselkursanpassungen auf breiter Basis erleichtert würde und dass einige aufstrebende asiatische Volkswirtschaften eine größere Wechselkursflexibilität nach oben vergleichsweise gut verkraften könnten.

Die Direktoren stimmten darin überein, dass die Fiskalpolitik über einen sehr viel kleineren Handlungsspielraum verfügt. Sie betonten, dass die automatischen Stabilisatoren zwar allgemein zur Wirkung kommen sollten, dass jedoch einer glaubwürdigen und effektiven Haushaltskonsolidierung eine höhere Priorität eingeräumt werden müsse, um der jüngsten Verschlechterung der Haushaltsperspektiven in den größten Volkswirtschaften und den bevorstehenden Belastungen durch die Alterung der Gesellschaften zu begegnen. Die Direktoren riefen ferner die Industrieländer und die aufstrebenden Volkswirtschaften dazu auf, weitere Fortschritte bei der energischen Umsetzung von laufenden Strukturreformen anzustreben.

Die Direktoren hoben die besondere Bedeutung eines erfolgreichen Abschlusses der WTO-Konferenz auf Ministerebene in Cancún im September 2003 hervor, um protektionistische Bestrebungen einzudämmen und eine weiter gehende Handelsliberalisierung zu erreichen. Dies würde dazu beitragen, das Vertrauen in die wirtschaftliche Erholung zu stärken. Fortschritte bei Agrarreformen, insbesondere in den größten Industriestaaten, seien besonders wichtig, um die Wachstumsperspektiven der Entwicklungsländer zu verbessern und Fortschritte bei der Armutsverringerung zu erzielen. Die Direktoren betonten in diesem Zusammenhang ihre entschlossene Unterstützung für die Initiativen von IWF und Weltbank, die darauf abzielen, die Anstrengungen der Entwicklungsländer zur Liberalisierung ihrer Handelssysteme stärker zu fördern.

Weltwirtschaftsausblick -März 2004

Zum Zeitpunkt der zweiten Aussprache des Exekutivdirektoriums über den Weltwirtschaftsausblick hatte der Mitte 2003 einsetzende Aufschwung begonnen sich auszuweiten Die Direktoren begrüßten die Verstärkung und Verbreiterung der globalen Konjunkturerholung und verwiesen insbesondere auf den raschen Aufschwung in den Vereinigten Staaten und in den aufstrebenden asiatischen Volkswirtschaften, den kräftigen Anstieg der Industrieproduktion und des Welthandels, das gestärkte Vertrauen von Unternehmen und Konsumenten sowie auf das Wachstum der Investitionen in den meisten Regionen. Dieser Aufschwung werde unterstützt durch breit angelegte Kursgewinne an den Finanzmärkten, einschließlich eines Anstiegs der Aktienkurse, einen Rückgang der Anleihespreads und durch einen Wiederanstieg der privaten Kapitalströme in die aufstrebenden Märkte. Das Wachstum habe zwar zugenommen und die Erdöl-und Rohstoffpreise seien gestiegen, die weltweite Inflation bleibe jedoch verhalten. Dies sei zurückzuführen auf nach wie vor bestehende Überkapazitäten, unausgelastete Arbeitsmärkte und eine wettbewerbsorientierte Preisgestaltung auf den inländischen und globalen Märkten.

Kasten 1.2Wichtige Wirtschafts-und Finanzentwicklungen im Zeitraum Mai 2003 -April 2004

Im Verlauf des Jahres 2003 verstärkte sich die Erholung der Weltwirtschaft und das Wachstum erreichte nahezu seine langfristige Trendrate (siehe Schaubild 1.1). Durch den unterstützenden wirtschaftspolitischen Kurs in den Industrieländern und die Aufhellung des Vertrauens seit Beginn des zweiten Quartals 2003 beschleunigte und verbreiterte sich das Wachstum. Die Expansion des Welthandelsvolumens erreichte ebenfalls ein höheres Tempo, gestützt auf den zunehmenden intraregionalen Handel in Asien. Dazu trugen besonders China und Japan bei. Die Nettokapitalzuflüsse in die aufstrebenden Märkte und die Entwicklungsländer nahmen zu. da Portfolioinvestitionen wieder anstiegen und auch die ausländischen Direktinvestitionen (FDI) zulegten. Die Zinsaufschläge für Anleihen aus den aufstrebenden Märkten gingen zurück, und viele Regierungen aus diesen Ländern nutzten die angesichts der niedrigen Zinssätze günstige Gelegenheit Anleihen zu begeben.

Schaubild 1.1Reales Wachstum des Welt-BIP und Handelsvolumen

(Güter und Dienstleistungen)

Die Basis des Aufschwungs verbreiterte sich zwar zunehmend, es gab jedoch deutliche Unterschiede im Hinblick auf Tempo und Struktur. Im Verlauf des Geschäftsjahres fiel das Wachstum in den aufstrebenden marktwirtschaftlichen Ländern Asiens, insbesondere in China, sowie in den Vereinigten Staaten am stärksten aus. Im Eurogebiet war es am schwächsten. Die Erholung in den Vereinigten Staaten und in Japan beschleunigte sich. Dies war zurückzuführen auf eine Zunahme des privaten Verbrauchs und einen Anstieg der Unternehmensinvestitionen in den Vereinigten Staaten sowie auf eine Zunahme der Nettoexporte, der Untemehmensinvestitionen und des Verbrauchs in Japan. Das Wachstum der Beschäftigung verlief in den Vereinigten Staaten jedoch über weite Strecken des Geschäftsjahres gedämpfter als in vergleichbaren Phasen früherer Konjunkturzyklen und zog erst zum Ende des Geschäftsjahres an. Im Eurogebiet waren erstmals im zweiten Halbjahr 2003 Anzeichen für einen Aufschwung erkennbar. Das Wachstum blieb aber deutlich unter der Potenzialrate und die Zunahme der inländischen Nachfrage war schwach. Der kon junkturbedingte Verlust von Arbeitsplätzen war im Eurogebiet zwar weniger ausgeprägt, der graduelle Aufschwung reichte jedoch nicht aus. um die Arbeitslosenquote unter den Stand von fast 9 % sinken zu lassen.

Im Geschäftsjahr 2004 verbreiterte sich die Erholung, und das Wirtschaftswachstum erhöhte sich in allen Regionen mit aufstrebenden Marktwirtschaften. In vielen Fällen wurde der Aufschwung zunächst vom Export getragen, allmählich nahm jedoch auch die inländische Nachfrage zu und trug zum Wachstum bei.

In den meisten Ländern Lateinamerikas verstärkte sich das Wachstum. In Argentinien war nach der tiefsten Rezession seit 20 Jahren eine kräftige Erholung des Wachstums zu verzeichnen. Die Expansion in Brasilien belebte sich während des Geschäftsjahres, aber in einer Reihe anderer Staaten, insbesondere in Venezuela und Bolivien, beeinträchtigten politische Unsicherheiten weiterhin das Wachstum. Zum Ende des Geschäftsjahres 2004 wurde die wirtschaftliche Entwicklung, die anfangs vom Export getragen wurde, zunehmend von der inländischen Nachfrage gestützt.

Die aufstrebenden Marktwirtschaften in Asien verzeichneten nach wie vor das stärkste Wachstum, wobei sich diejenigen Länder, die zu Beginn des Geschäftsjahres von der Epidemie des Schweren Akuten Atemwegssyndroms (Severe Acute Respiratory Syndrom -SARS) betroffen waren, rasch erholten. Der Region ist etwa die Hälfte der globalen Produktionssteigerung im Jahr 2003 zuzurechnen. Dies verdeutlicht ihre Rolle als Motor der Weltkonjunktur. In China hielt die starke Expansion an, wobei zum Ende des Geschäftsjahres erste Anzeichen für eine Überhitzung erkennbar wurden. Das Wachstum in Indien beschleunigte sich, was sowohl auf konjunkturelle als auch auf strukturelle Faktoren zurückzuführen war.

Mittel-und Osteuropa verzeichnete trotz der schwachen wirtschaftlichen Entwicklung des größten Handelspartners, nämlich des Euro raums, ein relativ kräftiges Wachstum. Inein zelnen Ländern stiegen die Leistungsbilanzdefizite an, da ein starkes Kreditwachstum und eine expansive Haushaltspolitik die Importe stimulierten. Die Netto-FDI-Zuflüsse trugen weniger als in früheren Jahren zum Wachstum bei, die Risiken für eine Umkehr der Kapitalströme blieben jedoch in den meisten Ländern begrenzt. Die gestiegenen Weltmarktpreise für Erdöl sowie positive inländische Faktoren erhöhten das Wachstum in den Erdöl exportierenden Ländern der früheren Sowjetunion. Die Erdöl importierenden Länder in dieser Region verzeichneten ebenfalls eine starke BIP-Zunahme, hinter der eine robuste Binnennachfrage stand.

Die Länder im Nahen Osten profitierten ebenfalls von den steigenden Erdölpreisen und der erhöhten Ölförderung (einschließlich der wieder aufgebauten Produktionskapazitäten im Irak). Durch die zunehmenden Feindseligkeiten im Irak zum Ende des Geschäftsjahres verdichteten sich jedoch die Aussichten, dass es emeut zu Störungen der Erdölförderung kommen könnte.

Das Wachstum in Afrika erhöhte sich im Geschäftsjahr 2004. Es wurde von einer verbesserten Wirtschaftspolitik, günstigen Wetterbedingungen, der Verringerung von Konflikten sowie vom Schuldenabbau im Rahmen der Initiative für hoch verschuldete arme Länder (HIPC) unterstützt. Höhere Preise für Erdöl und Nicht-Energie-Rohstoffe trugen ebenfalls zur Sicherung höherer Wachstumsraten in einer Reihe von Rohstoff exportierenden afrikanischen Ländern bei.

Im Gefolge des sich verstärkenden Aufschwungs zogen die Produzentenpreise und die Preise für Nicht-Energie-Rohstoffe an. Die Erdölpreise überstiegen das vor dem Irakkrieg erreichte Niveau. Ausschlaggebend dafür waren die höhere Nachfrage und Unsicherheiten hinsichtlich der Förderung auf Grund geopolitischer Risiken. Die Teuerung der Verbraucherpreise blieb relativ gering, was zum Teil auf erhebliche Überkapazitäten und moderate Lohnsteigerungen zurückzuführen war. Der US-Dollar wertete sich während des Geschäftsjahres auf handelsgewichteter Basis ab. Zum Ende des Geschäftsjahres stabilisierte sich der Dollar jedoch und der Euro fiel unter seinen Höchststand. Die Währungen der aufstrebenden Marktwirtschaften Asiens werteten ebenfalls auf handelsgewichteter Basis ab. Diese Entwicklung wurde begleitet von einem weiteren deutlichen Anstieg der offiziellen Devisenreserven in Ländern mit relativ unflexiblen Wechselkurssystemen.

Die Geldpolitik blieb in den meisten Ländern akkommodierend. In einzelnen Ländern, die im Konjunkturzyklus schon weiter fortgeschritten waren (einschließlich des Vereinigten Königreichs), wurden die Zinssätze jedoch erhöht, während die geldpolitischen Entscheidungsträger in anderen Ländern die Marktteilnehmer auf einen solchen Schritt vorbereiteten. Der Kurs der Fiskalpolitik war unterschiedlich. Während eine lockere Fiskalpolitik das Wachstum in den Vereinigten Staaten über weite Strecken des Jahres belebte, schränkte der Stabilitäts-und Wachstumspakt den Spielraum der Haushaltspolitik in einigen Ländern des Eurogebiets ein.

Was die Entwicklung an den wichtigen Finanzmärkten betrifft, so erreichten die nominalen Anleiherenditen in den Vereinigten Staaten Mitte 2003 den tiefsten Stand seit vierzig Jahren. Die Anleger wurden durch eine reichliche globale Liquiditätsversorgung, das an Breite gewinnende Wachstum sowie die verbesserte Kreditqualität von Schuldnern aus den entwickelten und aufstrebenden Marktwirtschaften dazu ermutigt, sich mehr und mehr für risikoreichere Anlageformen zu entscheiden. Infolgedessen näherten sich die Zinsaufschläge für entwickelte und aufstrebende Anleihemärkte einander an, und die Kosten für die Absicherung von Zahlungsausfällen gingen zurück. Zum Ende des Geschäftsjahres, als sich die Erwartungen auf einen Anstieg der offiziellen Zinssätze in den Vereinigten Staaten verstärkten, begannen Marktteilnehmer damit, Zinsdifferenzgeschäfteaufzulösenund Anlagerisikenzu verringern.

Dieglobalen Aktienmärkte verzeichneten auf Grund der Erwartung eines anhalend starken globalen Wachstums undder damit einhergehenden Verbesserungen der Unternehmensgewinne sowie niedriger Zinssätzeeine Kurserholung (siehe Schaubild 1.2). DerS&P500 Index stiegum 45 % ausgehendvon seinem Tiefstand im März 2003. Danachgaber einen Teildieser Gewinne wieder, ab. als sichdie Zinserwartungen kurzvor dem Ende des Geschäftsjahres änderten. Die Kurse an den europäischen Aktienmärkten folgten einem ähnlichen Muster mit einem Anstieg um 50 % von ihrem Tiefstand Mitte März 2003 und einem anschließenden Verlust eines Teils dieser Kursgewinne bis zum Ende des Geschäftsjahres, ln Japan zogen die Aktienkurse um nahezu 60 % an, als sich das Wachstum der japanischen Volkswirtschaft beschleunigte, bevor sie anschließend zusammen mit anderen Indizes entwickelter Märkte leicht zurückgingen.

Schaubild 1.2Entwicklung der Aktienkurse

(Mai 2003 = 100)

Eine zunehmende Risikoneigung und das Streben nach hohen Renditen führten zu starken Kapitalzuflüssen in die aufstrebenden Volks wirtschaften. Vor dem Hintergrund verbesserter Fundamentaldaten und reichlicher Liquidität fiel der EMBI+-Spread schlagartig von 756 Basispunkten Ende Januar 2003 auf 384 Basispunkte Anfang Januar 2004, was nahezu einen Rekordtiefstand darstellt (siehe Schaubild 1.3). Die niedrige Nominalverzinsung und die starke Nachfrage von Anlegern belebten die Anleiheemission von Schuldnern aus den aufstrebenden Märkten, da sich viele von ihnen die attraktiven Finanzierungskosten durch eine Vorfinanzierung des zukünftigen Finanzierungsbedarfs sichern wollten. Die Anleihebegebung von aufstrebenden Volkswirtschaften am Primärmarkt erreichte im Januar 2004 einen Monats-Rekordwert. Sie belief sich im Zeitraum Januar bis April auf etwa 40 Mrd. $ und deckte mehr als die Hälfte des Finanzierungsbedarfs für das Kalenderjahr ab. Etwa 56 % der in diesem Zeitraum begebenen Anleihen Stammten von nichtstaatlichen Schuldnern. Brasilianische Anleihen erlebten eine ihrer längsten Anstiegsphasen in der Geschichte, wobei sich die Zinsaufschläge in 15 aufeinander folgenden Monaten verringerten. In ähnlicher Weise fiel der türkische EMBI+ -Teilindex, nachdem er im März 2003 mit 1100 Basispunkten einen Höchststand erreicht hatte, in weniger als einem Jahr um nahezu drei Viertel. Gegen Ende des Geschäftsjahres begannen die Zinsaufschläge für Anleihen aus den aufstrebenden Märkten jedoch wieder zu steigen, da die Anleiherenditen in den Vereinigten Staaten in Erwartung einer Zinserhöhung nach oben tendierten. Beider erstmaligen Begebung von Aktien waren im Geschäftsjahr in den aufstrebenden Volkswirtschaften ebenfalls starke Aktivitäten zu verzeichnen. Allerdings ließ das Interesse der Anleger zum Ende des Jahres nach.

Schaubild 1.3Aufschlag auf Staatsanleihen

(Basispunkte)

Die Direktoren nahmen die erheblichen Aufwärtskorrekturen der globalen Wachstumsprognosen für 2004 und 2005 zur Kenntnis und merkten an, dass die Stärke des laufenden Aufschwungs kurzfristig auf Aufwärtsrisiken hindeute. Sie stellten aber auch eine Reihe von Abwärtsrisiken fest. Die Terroranschläge in Madrid am 11. März 2004 und die Entwicklungen im Nahen Osten riefen in ernüchternder Weise die anhaltenden geopolitischen Unsicherheiten, die die globalen Aussichten prägten, in Erinnerung. Die jüngsten Wechselkursanpassungen wurden zwar angesichts der großen globalen Leistungsbilanz-Ungleichgewichte als hilfreich angesehen, die Mehrzahl der Direktoren riet jedoch zur Vorsicht, da diese Ungleichgewichte nach wie vor groß seien und somit Risiken potenziell ungeordneter Wechselkursentwicklungen und verstärkter protektionistischer Maßnahmen beinhalteten. Die meisten Direktoren wiesen ferner darauf hin, dass ein plötzlicher Anstieg der Zinssätze von ihrem gegenwärtig sehr niedrigen Niveau in Ländern mit einem boomenden Immobilienmarkt möglicherweise größere Volatilität an den Märkten und ungünstige Folgen für den privaten Verbrauch hervorrufen könne.

Vor dem Hintergrund der verbesserten globalen Aussichten stimmten die Direktoren darin überein, dass sich die Wirtschaftspolitik auf mittelfristige Maßnahmen konzentrieren sollte, die einen dauerhaften Aufschwung unterstützen und gleichzeitig Spielraum für Reaktionen auf mögliche zukünftige Schocks schaffen. In den meisten Ländern, in denen sich das Wachstum verstärke, liege eine zentrale Herausforderung für die Geldpolitik in der nächsten Zeit darin, den Übergang zu einem Umfeld mit höheren Zinssätzen zu bewerkstelligen. Auch wenn sich die Lage in den einzelnen Ländern vermutlich je nach Tempound Struktur des Aufschwungs merklich unterscheide, sei doch zu erwarten, sodie Direktoren, dass die Zinssätze in den meisten Staaten mitzunehmender Dauer des Aufschwungs in Richtung eines neutraleren Niveaus steigen müssten. In diesem Zusammenhang sei es besonders wichtig, dass die Zentralbanken den Finanzmärkten ihre geldpolitischen Absichten deutlich mitteilten, um das Risiko plötzlicher Erwartungsänderungen zu reduzieren. Ebenso wichtig sei es, dass Zinserhöhungen, wenn sie vorgenommen würden, die Fundamentalfakten reflektierten.

Die Direktoren riefen die Mitgliedsländer zur Verfolgung einer glaubwürdigen und kooperativen Strategie auf, die mittelfristig eine Nachfrageanpassung zwischen den Ländern und Regionen erleichtert, um einen geordneten Abbau der globalen Ungleichgewichte bei sich fortsetzendem Wachstum der Weltwirtschaft zu unterstützen. Wesentliche Elemente dieser Strategie seien eine glaubwürdige mittelfristige Haushaltskonsolidierung in den Vereinigten Staaten, eine Beschleunigung der Strukturreformen im Eurogebiet, weitere Banken-und Unternehmensreformen in Japan sowie ein gradueller Übergang zu einer größeren Wechselkursflexibilität in Verbindung mit zusätzlichen Strukturreformen zur Anregung der Binnennachfrage in den meisten aufstrebenden Volkswirtschaften Asiens. Die Direktoren bekräftigten die außerordentliche Bedeutung freier Märkte zur Unterstützung eines breit basierten globalen Wirtschaftswachstums und der Verringerung der Armut in einkommensschwachen Ländern und sprachen sich für eine frühzeitige Wiederaufnahme und einen erfolgreichen Abschluss der multilateralen Handelsgespräche im Rahmen der Doha-Runde aus.

Die Direktoren hoben hervor, dass die relativ günstigen wirtschaftlichen Aussichten eine vorteilhafte Gelegenheit zur Beseitigung von Schwachstellen darstellten. So sollten insbesondere tatkräftig Maßnahmen umgesetzt werden, um auf mittlere Sicht wieder eine tragfähige Haushaltsposition zu erreichen. Dies setze in den meisten Industrieländern neben einer zeitgerechten Haushaltskonsolidierung auch glaubwürdige und effiziente Maßnahmen zur Reform der Renten-und Gesundheitssysteme voraus. Aufstrebende Volkswirtschaften und andere Entwicklungsländer sollten außerdem vorrangig Steuerreformen zur Reduzierung der Volatilität der Einnahmen durchfuhren, Schritte zur Stärkung der fiskalischen Institutionen vornehmen und Maßnahmen zur Verbesserung der Schuldenstruktur ergreifen, um noch bestehende Besorgnisse hinsichtlich der Tragfähigkeit der öffentlichen Verschuldung zu beseitigen.

Die großen Währungsgebiete

Die Direktoren begrüßten das zuletzt starke Wachstum in den Vereinigten Staaten. Sie vertraten die Auffassung, dass die Tragfähigkeit des Aufschwungs angesichts der langsam ausklingenden Impulse früherer fiskal-und geldpolitischer Stimuli nun zunehmend von einem anhaltend starken Investitions-und Produktivitätswachstum und einem Anstieg der Beschäftigung, der bis dahin recht zögerlich gewesen sei, abhänge. In Anbetracht des schwach ausgelasteten Arbeitsmarkts und der niedrigen Inflation unterstützten die Direktoren die Entscheidung der US-Notenbank, weiterhin einen stark akkommodierenden geldpolitischen Kurs zu verfolgen. Künftig solle jedoch, so die Direktoren, mehr und mehr der Boden für einen Schritt hin zu einem neutraleren geldpolitischen Kurs bereitet werden. Die Direktoren erkannten an, dass die von der US-Regierung betriebene expansive Finanzpolitik in den vergangenen Jahren das Wachstum in den USA unterstützt und positive Auswirkungen auf die globale Produktion gezeigt habe. Sie betonten jedoch, dass künftig einer dauerhaften Haushaltskonsolidierung Priorität eingeräumt werden sollte. Auf der Basis der Untersuchungen des IWF-Mitarbeiterstabs über die weltweiten Wirkungen der US-Finanzpolitik unterstützten die meisten Direktoren die Schlussfolgerung, dass ein ehrgeizigerer finanzpolitischer Konsolidierungspfad als derzeit vorgesehen erhebliche Vorteile bringen würde, insbesondere durch die Begrenzung des Risikos der Verdrängung produktiver Investitionen durch höhere Realzinsen. Deshalb forderten die Direktoren die US-Behörden auf, einen tragfähigen Rahmen für den Haushalt zu erstellen mit dem Ziel, auf mittlere Sicht zu einem ausgeglichenen Budget (ohne staatliche Rentenversicherung) zurückzukehren und Reformen zur Stärkung der Finanzlage der staatlichen Rentenversicherung und der Unterstützungsprogramme im Gesundheitswesen durchzuführen.

Der Aufschwung im Eurogebiet blieb verhalten. Die Aussichten für ein stärker von der Binnennachfrage getragenes Wachstum würden zwar durch den erwarteten Anstieg der Anlageinvestitionen gestützt, die Direktoren verwiesen jedoch auf verschiedene Faktoren, die diese Aussichten trüben könnten. Hierzu zählten die Folgen der Euro-Aufwertung, die anhaltenden Bilanzanpassungen sowie mögliche Auswirkungen der Bombenanschläge von Madrid auf das Vertrauen. Angesichts dieses fragilen Umfelds plädierten die Direktoren für die Beibehaltung des derzeitigen geldpolitischen Kurses bis eindeutige Anzeichen für einen selbsttragenden Aufschwung der inländischen Nachfrage vorlägen. Im Hinblick auf die Fiskalpolitik sollten Länder mit einer schwachen Haushaltsposition eine dauerhafte Anpassung der zu Grunde liegenden Ungleichgewichte anstreben, um eine Haushaltskonsolidierung im Rahmen des Stabilitätsund Wachstumspakts zu erreichen. Die Direktoren begrüßten die jüngsten Fortschritte bei Strukturreformen, einschließlich der Agenda-2010-Initiative in Deutschland und der Rentenreform in Frankreich. Sie vertraten jedoch die Ansicht, dass mehr getan werden müsse, um den langfristigen Wachstumspfad zu erhöhen und die Schockanpassungsfähigkeit des Eurogebiets zu stärken. Insbesondere sollten, so die Direktoren, angesichts der zukünftigen demographischen Veränderungen die Funktionsweise der Arbeits-und Gütermärkte weiter verbessert sowie die Erwerbsbeteiligung und das Produktivitätswachstum gesteigert werden.

In Japan hat die Stärke des Aufschwungs die Erwartungen erneut deutlich übertroffen. Dabei gab es willkommene Anzeichen, dass eine Erholung des privaten Verbrauchs eine Ergänzung zu den wichtigsten Wachstumsmotoren, Exporte und Unternehmensinvestitionen, darstellt. Die deflationären Spannungen sind ebenfalls schwächer geworden, und die Behörden haben Fortschritte bei der Stärkung des Banken-und Unternehmenssektors erzielt. Die Direktoren ermutigten die japanischen Behörden, mit weiteren durchgreifenden Maßnahmen zur Sicherung des Aufschwungs auf diesen Erfolgen aufzubauen. Sie empfahlen in diesem Zusammenhang die Fortsetzung der lockeren quantitativen Geldpolitik, um der Deflation entschlossen ein Ende zu setzen, die Verabschiedung eines klar umrissenen Plans zur Haushaltskonsolidierung, um die sehr schwierige Lage der öffentlichen Finanzen anzugehen, sowie weitere Reformen des Finanz-und Unternehmenssektors mit Schwerpunkt auf den kleineren Banken und Unternehmen.

Die Direktoren erörterten die Untersuchungen des IWF-Mitarbeiterstabs über die Erfahrungen der Industrieländer mit Strukturreformen, die nützliche Einsichten für das weitere Vorgehen zeitigten. Die Reformen hätten im Allgemeinen in den Bereichen die schnellsten Fortschritte gemacht, in denen sich rasch Erfolge gezeigt hätten. Die Erfahrungen der vergangenen beiden Jahrzehnte deuteten jedoch darauf hin, dass das Ende einer längeren Periode mit schwachem Wachstum besonders günstige Bedingungen biete, um schwierigere Reformen in Angriff zu nehmen, In einem solchen Umfeld hätten Politiker und Wähler vor Augen, welche Kosten ein schwaches Wachstum verursache, und gleichzeitig mildere der beginnende wirtschaftliche Aufschwung die kurzfristigen Anpassungskosten. Die Direktoren ermutigten deshalb die verantwortlichen Politiker, den Aufschwung zu nutzen, die Umsetzung ihrer Agenden für Strukturreformen fortzusetzen und dabei sorgfältig auf komplementäre Beziehungen zwischen den verschiedenen Reformbereichen zu achten.

Aufstrebende Länder und andere Entwicklungsländer

Die Direktoren begrüßten den Aufschwung in den aufstrebenden Volkswirtschaften und den anderen Entwicklungsländern, der von verbesserten Fundamentalfaktoren, starken privaten Kapitalzuflüssen und historisch niedrigen Zinsaufschlägen begünstigt worden sei. Es sei zu erwarten, dass sich das BIP-Wachstum in den meisten Regionen verstärke, wenngleich die Aussichten, insbesondere für Länder mit einem nach wie vor hohen Schuldenstand, durch eine Verschlechterung der externen Finanzierungsbedingungen, beispielsweise als Folge eines abrupten oder unerwarteten Anstiegs der Zinssätze, beeinträchtigt werden könnten. Die Direktoren wiesen anerkennend darauf hin, dass der Rückgang der Zinsaufschläge für Anleihen der aufstrebenden Volkswirtschaften – abgesehen von der reichlichen Liquidität an den globalen Finanzmärkten -auch auf erhebliche Fortschritte vieler Länder bei der Stärkung ihrer Fundamentalfaktoren und der Verbesserung der Struktur der Staatsschulden zurückzuführen sei.

Das Direktorium zeigte sich ermutigt von den günstigeren Aussichten für Lateinamerika, da die stärkere inländische Nachfrage mehr und mehr zu dem anfangs nur exportgestützten Aufschwung beitrage. Um die Aussichten für eine weitere Stärkung des Aufschwungs zu erhalten, müssten die Länder weiterhin entschlossene Maßnahmen zum Abbau ihrer Anfälligkeit bei einer möglichen Verschlechterung der Bedingungen an den globalen Finanzmärkten und zur Stärkung des Vertrauens der Anleger ergreifen. Eine Reihe von Ländern in der Region steht vor der Herausforderung, bei einem unverändert hohen öffentlichen Schuldenstand auf dringende soziale Bedürfnisse einzugehen. In diesem Zusammenhang wiesen die Direktoren auf die Bedeutung von breit angelegten Reformstrategien hin, die auf ein starkes und dauerhaftes Wachstum ausgerichtet sind. Diese Strategien sollten von zielgerichteten Sozialprogrammen und -investitionen begleitet werden.

Irak

Irak war eines der Gründungsmitglieder des Internationalen Währungsfonds im Jahre 1946. Von 1980 bis 2002 hatte der IWF jedoch aufgrund interner politischer Entwicklungen, dreier Kriege und internationaler Sanktionen nur wenige offizielle Kontakte mit der Regierung Iraks. Nach dem Fall von Saddam Husseins Regierung im März 2003 nahm der Fonds wieder Kontakte mit irakischen Amtsträgern auf, die mit dem Regierungsrat Iraks zusammenarbeiteten. Einige Delegationsreisen nach Bagdad wurden durchgeführt, bis der Bombenanschlag gegen das UN-Gebäude im August 2003 zur Aussetzung aller IWF-Dienstreisen in den Irak führte. Seit diesem Zeitpunkt wird der Dialog zwischen dem Fonds und dem Irak an Orten außerhalb des Irak fortgesetzt. Der IWF-Mitarbeiterstab konzentriert sich bei seiner Arbeit auf zwei Bereiche: (1) Entwicklung eines makroökonomischen Rahmens und (2) Bereitstellung technischer Hilfe. Außerdem ist der Geschäftsführende Direktor im Internationalen Überwachungsbeirat (International Advisory and Monitoring Board -IAMB) vertreten, der nach den Richtlinien des UN-Sicherheitsrats eingesetzt wurde, um die Rechnungsprüfung des Entwicklungsfonds für Irak und der Ölexporteinnahmen, die in den Entwicklungsfonds fließen, sowie die Finanzkontrollen in den einzelnen Ministerien zu überwachen.

Die ersten Arbeiten am makroökonomischen Rahmen dienten als Beitrag zur Bedarfsprüfung, die für die Geberkonferenz in Madrid im Oktober 2003 erstellt wurde. Auf dieser Konferenz, an der Vertreter von 73 Ländern und 20 internationalen Organisationen teilnahmen, wurden Zusagen in Höhe von etwa 33 Mrd. $ an Zuschüssen und Darlehen zur Unterstützung des Wiederaufbaus im Irak für den Zeitraum 2003-07 gemacht. Im April 2004 nahm der Fonds an einer Tagung im US-Finanzministenum in Washington teil, auf der die Kerngruppe von Gebern und Institutionen mit den Vorbereitungen für die Internationale Fazilität der Treuhand-fonds für den Wiederaufbau Iraks begann.

In Konsultation mit irakischen Amtsträgern und Vertretern der Provisorischen Behörde der Koalition (Coalition Provisional Authority -CPA) erstellte der IWF-Mitarbeiterstab eine Schuldentragfähigkeitsanalyse. Nach Rücksprache mit 50 Ländern, die nicht Mitglied des Pariser Clubs sind, hinsichtlich der ausstehenden Kredite an den Irak schätzte der IWF die Schulden gegenüber den Gläubigern außerhalb des Pariser Clubs auf 60 bis 65 Mrd. $ ein. im Vergleich zu etwa 42 Mrd. $ gegenüber den Gläubigern des Pariser Clubs und 15 Mrd. $ gegenüber kommerziellen Gläubigern. Ende Mai 2004 wurde diese Analyse dem Pariser Club zur Prüfung einer möglichen Schuldenerleichterung für Irak vorgelegt. Der G8-Gipfel im Juni ließ verlauten, dass nach Konsultation innerhalb der G-8, innerhalb des Pariser Clubs und mit Gläubigern außerhalb des Pariser Clubs auf Basis der Schuldentragfähigkeitsanalyse des IWF bis Ende 2004 ein Abkommen über Schuldenerleichterung erreicht werden sollte.

Am 8. Juni 2004 billigte der UN-Sicherheitsrat die Bildung der Interimsregierung Iraks, die nach der Auflösung der CPA am 28. Juni die Regierungsverantwortung übernahm. Die Interimsregierung soll ihr Mandat ausüben, bis eine gewählte Übergangsregierung ihr Amt antritt, was bis zum 31. Dezember 2004 oder spätestens bis zum 31. Januar 2005 geschehen soll. Die UN-Bestätigung soll den Weg für eine internationale Anerkennung der Übergangsregierung ebnen und eine Normalisierung der Beziehungen Iraks mit dem IWF ermöglichen.

Der IWF ist seit Sommer 2003 führend bei der Bereitstellung von technischer Hilfe an den Irak. Er hat in mehreren Bereichen umfangreiche technische Hilfe geleistet. Dazu gehören die Einführung einer neuen Währung. Zentralbank-und Geschäftsbankgesetze, das Zahlungssystem. Haushaltsvollzug und Verwaltung der öffentlichen Ausgaben, Steuerpolitik, die Verwaltung der öffentlichen Einnahmen sowie die Zusammenstellung und Veröffentlichung von volkswirtschaftlichen statistischen Daten. Des Weiteren wurden Ausbildungsprogramme für irakische Beamte im makroökonomischen, fiskalischen, monetären und statistischen Bereich durchgeführt.

Die Direktoren hoben das außergewöhnlich hohe Wachstum in den aufstrebenden asiatischen Volkswirtschaften hervor, das von einer akkommodierenden makroökonomischen Politik, einer wachsenden inländischen Nachfrage, wettbewerbsfähigen Wechselkursen sowie einer Belebung des Informationstechnologiesektors getragen werde. Die Wirtschaftsaktivitäten in der Region profitierten vom lebhaften Wachstum in China. Vor dem Hintergrund der sich beschleunigenden Expansion und vereinzelt auftretender finanzieller Ungleichgewichte stünden viele Länder in der Region vor der Notwendigkeit, ihre makroökonomische Politik im Zeitraum 2004-05 allmählich zu straffen. In einer Reihe von Ländern seien eine beschleunigte Haushaltskonsolidierung und eine Stärkung der Aufsicht über das Bankensystem wünschenswert um sicherzustellen, dass Kreditgeber die Risiken angemessen bewerten und steuern. Die meisten Direktoren vertraten die Auffassung, dass zeitgerechte graduelle Schritte hin zu einer größeren Wechselkursflexibilität – in Verbindung mit Fortschritten bei der Entwicklung des Devisenmarktes und einer Stärkung des Bankensektors – in China auf längere Sicht zur Preisstabilität beitragen würden, da dadurch der ständige Anstieg der Devisenreserven eingedämmt würde. Derartige Schritte würden auch anderen Ländern in der Region, die mit der Notwendigkeit einer geldpolitischen Straffung konfrontiert seien, ähnliche Maßnahmen erleichtern und die Region als Ganzes in die Lage versetzen, einen Beitrag zu einem ausgewogeneren globalen Wachstum zu leisten. Die Direktoren erörterten die Auswirkungen des raschen Wachstums und der schnellen Integration Chinas auf die Weltwirtschaft. Sie stellten dabei fest, dass China selbst eindeutig am meisten von diesem Prozess profitiere. Aber auch die übrige Welt werde weiterhin langfristige Vorteile vom wirtschaftlichen Aufstieg Chinas haben, wie die dynamischen Produktivitätssteigerungen bereits zeigten. Um den größtmöglichen Nutzen aus dieser Entwicklung ziehen zu können, so betonten die Direktoren in diesem Zusammenhang, seien in allen Ländern anhaltende Anstrengungen zur Erhöhung der Flexibilität der jeweiligen Volkswirtschaft wichtig, um die Mobilität der Ressourcen zwischen den Sektoren zu steigern.

Die Direktoren begrüßten die robuste Wirtschaftsentwicklung in den meisten anderen aufstrebenden Ländern. Die Aussichten für ein anhaltend starkes Wachstum seien in allen Regionen günstig, sofern weiterhin rechtzeitig Maßnahmen ergriffen würden, um Schwachstellen zu beseitigen und die Grundlagen für ein vom Privatsektor getragenes Wachstum zu stärken. Für viele Länder in Mittel-und Osteuropa sei es wichtig, die Haushaltskonsolidierung voranzutreiben, insbesondere in Ländern, in denen ein starker Anstieg des Leistungsbilanzdefizits entschlossene Maßnahmen zur Wiederherstellung der Haushaltsdisziplin nahe lege. In den Ländern der Gemeinschaft unabhängiger Staaten (GUS) sollten Reformen zur Verbesserung des Investitionsstandorts, zur Stärkung des Banken-und Rechtssystems sowie zum Abbau von intraregionalen Handelshemmnissen weiterhin Priorität haben. Die Direktoren hoben die Bedeutung einer Haushaltskonsolidierung in den meisten Erdöl exportierenden Ländern im Nahen Osten hervor, um ihre Anfälligkeit im Hinblick auf Ölpreisschwankungen zu verringern. Für die Region insgesamt seien eine stabilere Sicherheitslage und verringerte geopolitische Spannungen sowie beschäftigungsfördernde Reformen von entscheidender Bedeutung, um das mittelfristige Wachstum zu beschleunigen.

Die Direktoren untersuchten außerdem die Frage übermäßig starker Kreditexpansionen in aufstrebenden Volkswirtschaften und dabei insbesondere das Risiko, dass solche Entwicklungen Vorläufer eines starken wirtschaftlichen Abschwungs und von Finanzkrisen sein könnten. Übermäßige Kreditexpansionen sind schwer vorherzusehen. Daher müssen die Behörden wachsam sein, insbesondere wenn rasches Kreditwachstum einhergeht mit anderen Anzeichen für makroökonomische Ungleichgewichte, wie beispielsweise Leistungsbilanzungleichgewichte, starke Investitionszuwächse oder ein Anstieg der relativen Preise von nichthandelbaren Gütern. Eine Begrenzung übermäßig starker Kreditexpansionen erfordert üblicherweise eine verstärkte Überwachung des Bankensystems und eine genaue Untersuchung der Kreditaufnahme von Unternehmen in Phasen starken Wachstums.

Die Direktoren zeigten sich ermutigt durch die weitere Verbesserung der wirtschaftlichen Entwicklung Afrikas und die Erwartungen, dass sich das Wachstum im nächsten Geschäftsjahr weiter beschleunigen wird. Ungeachtet dessen sind zusätzliche dauerhafte Maßnahmen vordringlich, um das Wachstum zu verstärken und das Millennium-Entwicklungsziel der Halbierung der Armut bis zum Jahr 2015 zu erreichen. Hierzu sind stärkere wirtschaftliche Aktivitäten und Investitionen des Privatsektors, die Verringerung der Anfälligkeit für externe Schocks, die Entwicklung der Infrastruktur sowie die Stärkung von Institutionen, Regierungsführung und Transparenz erforderlich. Ferner sind entschlossene Maßnahmen notwendig, um ein erneutes Auftreten von Konflikten zu verhindern. Die Direktoren begrüßten die jüngsten regionalen Initiativen zur Beschleunigung des Fortschritts in diesen Bereichen, einschließlich des Mechanismus der afrikanischen Staaten zur gleichberechtigten gegenseitigen Beurteilung (African Peer Review Mechanism) und der Verabschiedung einer Konvention zur Verhütung und Bekämpfung von Korruption durch die Afrikanische Union. Sie betonten außerdem, dass zusätzliche Unterstützung durch die internationale Gemeinschaft nach wie vor von entscheidender Bedeutung für die Entwicklung Afrikas sei und forderten die Ausweitung der Entwicklungshilfe, weitere Schuldenerleichterungen und, als wichtigstes Element, einen besseren Zugang zu den Märkten der Industrieländer.

Bericht zur Stabilität des globalen Finanzsystems

Der Bericht zur Stabilität des globalen Finanzsystems (GFSR) ist ein weiteres zentrales Instrument zur Beobachtung der globalen Entwicklungen und wird ebenso wie der Weltwirtschaftsausblick zweimal im Jahr veröffentlicht. Der GFSR stellt die Finanzmärkte der Welt in den Mittelpunkt, enthält Berichte über die Entwicklungen an den fortgeschrittenen und aufstrebenden Märkten und analysiert relevante strukturelle Fragestellungen hinsichtlich des globalen Finanzsystems. Der Bericht zielt darauf, potenzielle Schwachstellen im globalen Finanzsystem zu entdecken, um damit einen Beitrag zur Vermeidung von Systemkrisen zu leisten. Das Exekutivdirektorium erörterte zwei Berichte, einen im August 2003 und einen weiteren im März 2004.

Bericht zur Stabilität des globalen Finanzsystems -August 2003

Bei ihrer Aussprache im August stellten die Direktoren fest, dass sich die Finanzmärkte im ersten Halbjahr 2003 ungeachtet des anhaltend schwachen Wachstums, der geopolitischen Unsicherheiten und einer hohen Volatilität an den Märkten als widerstandsfähig erwiesen hätten. Es gab jedoch noch Bedenken in Bezug auf die Risiken für die weitere wirtschaftliche Entwicklung, den Anstieg der langfristigen Anleiherenditen, die Möglichkeit niedriger Unternehmensgewinne und die Anfälligkeit der Anleihemärkte der aufstrebenden Volkswirtschaften gegenüber einer Marktkorrektur.

Die Direktoriumsmitglieder verwiesen auf verschiedene wirtschaftspolitische Implikationen der Entwicklungen an den Finanzmärkten. Sie forderten die Behörden in den führenden Finanzplätzen auf, Reformen zur Stärkung der Marktgrundlagen unbeirrt fortzusetzen. Dazu gehören die Verbesserung der Unternehmensführung zur Rückgewinnung des Anlegervertrauens, der Ausbau der Regulierung und der Aufsicht für Versicherungsunternehmen sowie eine Verbesserung der Rechnungslegungsvorschriften und -praktiken für Pensionsfonds mit festen Leistungszusagen.

Die externen Finanzierungsbedingungen für die aufstrebenden Länder haben sich im Jahr 2003 zwar etwas verbessert, die Direktoren warnten jedoch, dass die öffentliche Verschuldung in diesen Ländern nach wie vor hoch sei und dass es keinen Grund zur Selbstzufriedenheit bei den Kreditnehmern gebe. Sie forderten die Länder dringend dazu auf, den verbesserten Zugang zu den internationalen Kapitalmärkten zu nutzen, um die Umsetzung einer soliden Wirtschaftspolitik voranzutreiben und die Struktur ihrer Verbindlichkeiten zu verbessern, einschließlich der Verlängerung der Fälligkeitsfristen und der Verringerung der Abhängigkeit von der an den US-Dollar gekoppelten Verschuldung. Die Direktoren stellten fest, dass mehrere Länder bereits erfolgreiche Maßnahmen zur Umstrukturierung ihrer Verbindlichkeiten unternommen hätten. Sie zeigten sich zudem erfreut über den in letzter Zeit verstärkt auftretenden Einsatz von Kollektivklauseln (collective action clauses – CACs) bei der Begebung von staatlichen Anleihen.

Die Direktoriumsmitglieder begrüßten die Erörterung der Volatilität von Kapitalströmen in die aufstrebenden Märkte im Bericht zur Stabilität des globalen Finanzsystems und stimmten darin überein, dass ausländische Direktinvestitionen angeregt werden sollten. Die Direktoren wiesen aber darauf hin, dass die Länder durch eine solide Wirtschaftspolitik und Transparenz zu einer größeren Stabilität der Kapitalströme beitragen könnten, selbst wenn Kapitalströme zwangsläufig etwas volatil seien. Darüber hinaus gebe es viele Möglichkeiten für aufstrebende Volkswirtschaften, sich selbst gegen die Folgen der Volatilität zu „versichern”. Hierzu zählten das Management von Forderungen und Verbindlichkeiten, die Anpassung des Wechselkursregimes an den Grad der Offenheit der Kapitalbilanz, eine Stärkung der heimischen Finanzinstitutionen, eine Verbesserung von Aufsicht und Regulierung sowie die Entwicklung lokaler Wertpapiermärkte. Die Direktoren wiesen darauf hin, dass die Erschließung effizienter und stabiler lokaler Finanzierungsquellen an Bedeutung gewonnen habe, nachdem sich die aufstrebenden Märkte als Gruppe in den letzten Jahren zum Nettokapitalexporteur gewandelt hätten. Das Direktorium erörterte ferner die Auswirkungen der gestiegenen internationalen Reserven in einzelnen Ländern.

Bericht zur Stabilität des globalen Finanzsystems -März 2004

Die Bedingungen an den Finanzmärkten hatten sich bis zur Erörterung des GFSR durch das Exekutivdirektorium im März 2004 aufgehellt und die Aussichten für die globale Finanzstabilität erschienen günstiger. Die Direktoren stellten fest, dass die verbesserten Aussichten durch eine Verstärkung der globalen Konjunkturerholung, steigende Unternehmensgewinne und eine Verbesserung der Unternehmensbilanzen unterstützt werden. Die Kreditnehmer aus den aufstrebenden Volkswirtschaften, von denen viele Maßnahmen eingeleitet hätten, um ihre öffentlichen Finanzen auf eine solidere Grundlage zu stellen und die Struktur ihrer internen und externen Verschuldung zu verbessern, profitierten von der gestiegenen Exportnachfrage und den höheren Rohstoffpreisen.

Überwachung der globalen Finanzmärkte

Die Direktoren stellten fest, dass es im Jahr 2003 an den globalen Finanzmärkten als Reaktion auf die günstigeren Aussichten und die außergewöhnlich niedrigen kurzfristigen Zinssätze eine breit angelegte Kursrallye gegeben habe. Die niedrigen kurzfristigen Zinssätze beeinflussten zwar weiterhin das Verhalten der Anleger und führten in manchen Fällen auch zu einer größeren Risikoübernahme beim Streben nach höheren Renditen, die meisten Indizes für fortgeschrittene und aufstrebende Märkte schienen jedoch auf eine Konsolidierungsphase hinzudeuten, in der sich die Anleger wieder vorsichtiger verhielten und stärker nach Risiken unterschieden.

Die verbesserten Aussichten für die Finanzstabilität seien, so die Direktoren, nicht ohne Risiken, die nicht zuletzt wegen ihrer gegenseitigen Verflechtungen eine aufmerksame Beobachtung erforderten. Eine erste Gruppe von Risiken resultiere aus dem Umfeld anhaltend niedriger Zinssätze und reichlicher Liquidität. Unter diesen Bedingungen können die Werte von Vermögenstiteln über die fundamental gerechtfertigten Niveaus hinaus steigen und schließlich in den fortgeschrittenen Märkten einen Übergang zu höheren Zinssätzen erforderlich machen. Ein solches Ergebnis kann größere Auswirkungen haben, einschließlich einer höheren Volatilität an den Anleihemärkten, wenn sich Anleger plötzlich veranlasst sehen, ihre Zinsvorausschätzungen zu ändern -wie es während der Verkaufswelle an den Anleihemärkten im Jahr 1994 der Fall war -oder wenn die Bewertungen von Vermögenstiteln, die auf der Basis von ungewöhnlich niedrigen Niveaus risikofreier Zinssätze vorgenommen wurden, plötzlich korrigiert werden. Um sich vor diesen Risiken zu schützen, empfahlen die Direktoren den wirtschaftspolitischen Entscheidungsträgern, zeitnahe und vorausschauende Kommunikationsstrategien zu entwickeln, die die Anleger dazu anregen, ihre Entscheidungen primär auf Fundamentaldaten zu stützen und nicht auf die Erwartung, dass die Zinssätze dauerhaft auf sehr niedrigem Niveau gehalten werden. Die Direktoren stellten fest, dass die potenziellen Folgen höherer Zinssätze für die aufstrebenden Volkswirtschaften gemildert würden, da viele dieser Länder Fortschritte bei der Reduzierung ihrer Anfälligkeiten erzielt hätten. Gleichzeitig werde auch das stärkere globale Wachstum dazu beitragen, die Auswirkungen von höheren Zinssätzen auszugleichen.

Das Direktorium diskutierte auch über die Möglichkeit, dass die großen globalen außenwirtschaftlichen Ungleichgewichte zu einer höheren Volatilität der Märkte führen, einschließlich der Gefahr, dass ungünstige Entwicklungen an den Devisenmärkten auf andere Finanzmärkte ausstrahlen. Die Abwertung des US-Dollar gegenüber anderen bedeutenden Währungen sei bislang geordnet verlaufen. Die meisten Direktoren vertraten die Ansicht, dass das Risiko einer starken Währungsabwertung, die möglicherweise höhere Zinssätze in den USA und eine Korrektur der Bewertung der Vermögenstitel nach sich zieht, angesichts der erheblichen Kapitalzuflüsse, die die US-Volkswirtschaft weiterhin anziehen muss dennoch nicht ausgeschlossen werden kann. Entschlossene und dauerhafte gemeinsame Bemühungen mit dem Ziel, auf mittlere Sicht eine reibungslose Anpassung der globalen Ungleichgewichte zu gewährleisten, seien für die internationale Gemeinschaft weiterhin von hoher Dringlichkeit.

Im Bezug auf die verbesserten externen Finanzierungsbedingungen für Kreditnehmer in den aufstrebenden Volkswirtschaften wiesen die Direktoren darauf hin, dass die verbesserte Kreditqualität vieler Kreditnehmer in den aufstrebenden Märkten und niedrige Zinssätze in den bedeutenden Finanzzentren zu der im Jahr 2003 festzustellenden eindrucksvollen Verringerung der Zinsaufschläge für Anleihen aus diesen Ländern beigetragen haben. Die Direktoren sprachen vielen aufstrebenden Märkten ihre Anerkennung für die Schritte aus, die sie unter den derzeit günstigen Bedingungen zur Deckung eines erheblichen Teils ihres Finanzierungsbedarfs, zur Verbesserung ihrer Verschuldungsstruktur und zur Verlängerung der Fälligkeitsfristen unternommen haben. Die im Jahr 2004 erfolgte Korrektur der im Jahr 2003 in vielen lateinamerikanischen Ländern festzustellenden überzogenen Abwertungen gibt Anlass zu der Erwartung, dass sich die Schuldentragfähigkeit dieser Länder verbessern wird. Die Direktoren begrüßten außerdem die Tendenz, bei der Begebung von staatlichen Anleihen standardmäßig Kollektivklauseln in die Anleihebedingungen aufzunehmen. Ungeachtet der ermutigenden wirtschaftlichen Entwicklung der Region insgesamt hat es den Anschein, dass einzelne Länder ihre haushalts-und strukturpolitischen Reformanstrengungen gelockert haben. Falls dies nicht rechtzeitig korrigiert wird, besteht den Direktoren zufolge für diese Länder das erhöhte Risiko, dass ihre fundamentalen Schwachstellen bei einer Änderung der derzeit günstigen externen Finanzierungsbedingungen offen zu Tage treten.

Die Direktoriumsmitglieder begrüßten die im Laufe des Jahres 2003 festzustellende fortschreitende Verbesserung der Bilanzstrukturen bei den privaten Haushalten, den Unternehmen und im Bankensektor. Dies sei darauf zurückzuführen, dass Unternehmen und Haushalte weiter Liquiditätsreserven aufgebaut hätten und der Anstieg der Vermögenswerte das Eigenkapital ausgeweitet habe. Ungeachtet dessen können steigende Zinssätze die Schuldendienstbelastung vergrößern, insbesondere in einer Reihe europäischer Länder, in denen das Verschuldungsniveau des Unternehmenssektors hoch ist. Die Direktoren stellten fest, dass der Rückgang der langfristigen Renditen die Refinanzierungsaktivitäten am US-Hypothekenmarkt erhöht habe, was neue Möglichkeiten für Hedging-Aktivitäten eröffne, die die Renditebewegungen verstärken könnten. Sie begrüßten in diesem Zusammenhang Vorschläge, die Regulierung der Hypothekenagenturen in den USA zu stärken und sich mit der diesbezüglichen impliziten Regierungsgarantie auseinanderzusetzen.

Die Direktoren betonten, dass die insgesamt relativ günstigen Bedingungen in den fortgeschrittenen und aufstrebenden Märkten eine gute Gelegenheit darstellen, in der Wirtschaftspolitik die Aufmerksamkeit auf besonders wichtige Strukturreformen zu richten, um die Finanzstabilität auf längere Sicht zu stärken, In den fortgeschrittenen Volkswirtschaften unterstrichen Skandale in der Investmentfondsbranche und in einzelnen Unternehmen, wie beispielsweise bei Parmalat, erneut die Notwendigkeit, die Anstrengungen zur Stärkung der Unternehmensführung und der Marktmechanismen fortzusetzen. Die Direktoren riefen insbesondere dazu auf, Schritte zu unternehmen, die eine bessere Einsichtnahme von Anlegern und Regulierungsbehörden in Unternehmen mit einer komplexen Eigentümer-und Finanzierungsstruktur ermöglichen und die öffentliche Aufsicht über die Praktiken von Wirtschaftsprüfern verstärken. Die Agenda der aufstrebenden Länder sollte die folgenden Schwerpunkte setzen: eine weitere Verringerung des Niveaus und der Anfälligkeit der öffentlichen Verschuldung, die Entwicklung von lokalen Kapitalmärkten sowie weitere entschlossene Maßnahmen zur Verbesserung des Umfelds für ausländische Direktinvestitionen, die trotz des generellen Anstiegs der Kapitalströme auf einem enttäuschend niedrigen Niveau geblieben seien.

Japan

Im Geschäftsjahr 2004 konzentrierte sich der Politikdialog des IWF mit den japanischen Behörden auf Initiativen, die mittelfristig Impulse für hohes und dauerhaftes Wachstum geben können. In der jüngsten Artikel-IV-Konsultation betonte der Fonds die Notwendigkeit, den Unternehmens-und Finanzsektor neu zu beleben, die Deflation zu bekämpfen, den Saldo der öffentlichen Finanzen auf eine solide mittelfristige Grundlage zu stellen und ordnungspolitische Reformen durchzuführen, um die Reallokation von Ressourcen zu erleichtern.

Die Behörden teilten die Auffassung des IWF und haben Maßnahmen ergriffen, diese Probleme anzugehen. Sie haben ein Regelwerk für die Sanierung des Unternehmensbereichs geschaffen, die Bankenaufsicht und -regulierung gestärkt, geldpolitische Schritte unternommen, um der Deflation entgegenzuwirken, die Ausgaben für öffentliche Projekte gesenkt und die Mittelzuteilung effizienter gestaltet und eine Deregulierung wichtiger Sektoren eingeleitet.

Japan hat außerdem am Programm zur Bewertung des Finanzsektors teilgenommen. Die Behörden werden die in der Bewertung aufgeworfenen Fragen weiterhin angehen. Besonders betont wurde in diesem Zusammenhang die Notwendigkeit, die Bankenreformen fortzusetzen und das Engagement der Regierung im japanischen Bankensektor mittelfristig zu reduzieren.

Zusammenarbeit zwischen Japan und IWF Im GJ 2004
August 2003Abschluss der Artikel-IV-Konsultation im Exekutivdirektorium des IWF
September 2003Veröffentlichung der Beurteilung der Stabilität des Finanzsystems (FSSA) zusammen mit Zusatzinformationen
Februar 2004Besuch des Geschäftsführenden Direktors Horst Köhler

Risikotransfer und Versicherungsbranche

Das Direktorium erörterte eine Reihe von Fragen zur Regulierung und Offenlegung von Informationen in Bezug auf den Risikotransfer von Banken an Nichtbanken in den fortgeschrittenen Märkten, einschließlich der Hedgefonds-Branche, in der trotz der genaueren Überprüfung der Gegenparteien und der Anleger anscheinend eine größere und systematischer angelegte Transparenz der Engagements und Praktiken notwendig ist. Die Direktoren hielten fest, dass sich der Mitarbeiterstab künftig intensiver mit der Hedgefonds-und Pensionsfondsbranche beschäftigen wird.

Die Direktoren vertraten die Ansicht, dass die Verlagerung von Kreditrisiken hin zum Versicherungssektor sowie Verbesserungen im Risikomanagement des Sektors anscheinend zu einer insgesamt höheren Finanzstabilität beigetragen haben. Darüber hinaus verfügen viele Lebensversicherungs-Gesellschaften durch die Anlage eines größeren Anteils ihres Portfolios in Kreditforderungen über eine besser vorhersehbare Einnahmestruktur. Die Anlage in Kreditforderungen seitens der Versicherungsunternehmen verdient Unterstützung, es ist jedoch wichtig, so die Direktoren, dass diese Entwicklung Hand in Hand mit dauerhaften Anstrengungen zur Verbesserung des Risikomanagements und der regulatorischen Beaufsichtigung des Sektors geht. Zu den empfohlenen Verbesserungen zählen eine verstärkte Anwendung von risikobasierten Eigenkapitalstandards durch die Regulierungsbehörden, die Ausweitung der Ressourcen für die Aufsicht in vielen fortgeschrittenen Volkswirtschaften, ein verbesserter Informationsaustausch zwischen den Aufsichtsbehörden sowie verstärkte Offenlegungspflichten. Die Direktoren begrüßten die laufende Diskussion über die internationalen Rechnungslegungsstandards für Versicherungsunternehmen und sprachen sich aus für die Entwicklung von konvergierenden Standards, die eine genaue Darstellung der Finanzpositionen von Versicherungsunternehmen gewährleisten. Die Direktoren wiesen darauf hin, dass die Offenlegungspflichten umfassend sein und auch Informationen über Anfälligkeiten und Risiken berücksichtigen sollten. Rating-Agenturen spielen bei der Verbreitung von Informationen über Risiken zwar eine hilfreiche Rolle, die Direktoren warnten jedoch davor, sie als Ersatz für eine angemessene Aufsicht anzusehen.

Institutionelle Anleger in aufstrebenden Märkten

Im Bezug auf die Gruppe der institutionellen Anleger mit Forderungen gegenüber aufstrebenden Märkten vertraten die Direktoren die Ansicht, dass eine stabile Investorengruppe von zentraler Bedeutung für die Verringerung der Volatilität der Kapitalströme in die aufstrebenden Volkswirtschaften ist. Die zurzeit stattfindenden Veränderungen trügen zwar zu einer willkommenen Verbreiterung und Diversifizierung der Anlegerbasis bei, der Rückgang der auf diese Märkte spezialisierten Anleger -im Vergleich zu den die Märkte wechselnden Investoren -könne jedoch auch zu einer Erhöhung der Volatilität der Kapitalströme geführt haben. Eine weitere Ursache für eine potenzielle Volatilität sei auf die Tatsache zurückzuführen, dass selbst kleine Änderungen der Portfoliopositionen von institutionellen Anlegern angesichts der Größe der verwalteten Vermögen große Auswirkungen auf die aufstrebenden Märkte haben können. Die Direktoren stimmten darin überein, dass es erforderlich ist, die Faktoren, die die Veränderung der Anlegerbasis beeinflussen und ihre wirtschaftspolitischen Implikationen, einschließlich der Politik und Praxis des Schuldenmanagements in den aufstrebenden Märkten, einer sorgfältigen Untersuchung zu unterziehen. Sie betonten die Bedeutung einer angemessenen Transparenz und Offenlegung von Informationen über wirtschaftspolitische Maßnahmen der Regierung und Entwicklungen im Unternehmenssektor, wobei Programme zur Pflege der Beziehungen zu den Investoren als besonders nützlich anzusehen seien. Die Direktoren stellten darüber hinaus fest, dass die Entwicklung einer effizienten Marktinfrastruktur in aufstrebenden Volkswirtschaften hilfreich ist, um institutionelle Anleger aus fortgeschrittenen und aufstrebenden Volkswirtschaften anzuziehen.

Die Direktoren gingen auch ein auf die Folgen der wachsenden Portfolios von nicht dem Bankensektor angehörenden institutionellen Anlegern, insbesondere der rasch expandierenden Pensionsfonds, auf die Bankenaufsicht und -regulierung in den aufstrebenden Volkswirtschaften. Angesichts des zunehmenden Ungleichgewichts zwischen den von diesen Fonds verwalteten Vermögen und den verfügbaren Wertpapieren sei eine enge Abstimmung zwischen Änderungen des regulatorischen Rahmens, der Entwicklung der lokalen Kapitalmärkte und der graduellen Lockerung von Obergrenzen für Auslandsanlagen von Pensionsfonds zur Erweiterung ihrer Möglichkeiten zur Portfoliodiversifizierung erforderlich. Die Direktoren maßen der Entwicklung von lokalen Wertpapiermärkten eine zentrale Bedeutung bei, um ein ordnungsgemäßes Risikomanagement der Versicherungsbranche zu gewährleisten. Die Direktoren erklärten, dass es angesichts des zügigen Wachstums und der zunehmenden Differenziertheit der Aktivitäten von lokalen institutionellen Anlegern, die sowohl auf den lokalen als auch auf den internationalen Märkten tätig sind, ebenfalls bedeutsam ist, weiterhin große Anstrengungen zu unternehmen, um die Fähigkeiten von Anlegern und Regulierungsbehörden im Hinblick auf das Risikomanagement zu verbessern.

Regionale Überwachung

Wirtschaftspolitik im Eurogebiet

Das Exekutivdirektorium diskutierte im September 2003 über die Wirtschafts-und Handelspolitik der Europäischen Union (EU).

Die Direktoren stellten fest, dass die Behörden des Eurogebiets mit einer Reihe von Herausforderungen konfrontiert sind. Hier sei insbesondere zu erwähnen, dass das Wachstum im vierten Quartal des Jahres 2002 fast zum Stillstand gekommen ist, dass der Außenbeitrag und die Investitionen rückläufig sind und dass die Arbeitslosigkeit zugenommen hat. Darüber hinaus zeichneten sich weitere Herausforderungen ab, da die alternde Bevölkerung und der langsamere Anstieg der Erwerbspersonenzahl zu einer steigenden Belastung für das Potenzialwachstum, die Tragfähigkeit der öffentlichen Haushalte und die Sicherheit der Alterseinkünfte führe. Die EU-Erweiterung bringe zwar Vorteile für alle Beteiligten, schaffe aber neue Herausforderungen. Die Direktoren erklärten hierzu, dass ein dauerhafter Übergang zu einer stärker vorausschauenden Wirtschaftspolitik und eine entschlossene Umsetzung von Strukturreformen erforderlich sind, um alle diese Herausforderungen erfolgreich zu bewältigen. Zwar habe nun der Druck der Verhältnisse zur Einleitung solcher vorausschauender Maßnahmen, insbesondere im Bereich der Strukturreformen, beigetragen, doch sei es wichtig, so das Direktorium, diese viel versprechenden Schritte fortzusetzen, wenn die derzeitigen wirtschaftlichen Schwierigkeiten nachließen.

Die Direktoren vertraten die Ansicht, dass die wirtschaftliche Schwäche im Euroraum auf eine Reihe von Schocks sowie auf strukturelle Hemmnisse und wirtschaftspolitische Fehler zurückzuführen ist. Zu den Schocks zähle das Platzen der Blase an den Aktienmärkten, das geringe Vertrauen der Unternehmen und Verbraucher, die gedrückte externe Nachfrage, die Korrektur des Euro-Wechselkurses hin zu einem längerfristigen Gleichgewichtsniveau sowie geopolitische Unsicherheiten. Rigiditäten auf den Arbeitsmärkten und ein geringeres Maß an marktbasierten Finanzierungen hätten bis zu einem gewissen Grade die Auswirkungen dieser Schocks begrenzt. Sie hätten aber auch die durch das Platzen der Blase bedingten und die innerhalb des Eurogebiets erforderlichen Anpassungen verlangsamt. Deshalb sei zu erwarten, dass die Stagnation im Euroraum nur allmählich überwunden werde, wobei das Wachstum bis in das Jahr 2004 hinein unterdurchschnittlich bleiben werde. Die Direktoriumsmitglieder zeigten sich jedoch ermutigt durch die Verbesserungen der Umfrageergebnisse und der Vertrauensindikatoren, die auf eine graduelle Zunahme des Wachstums in der zweiten Hälfte des Jahres 2003 hindeuteten. Sie waren der Meinung, dass die Risiken für die wirtschaftliche Entwicklung ausgewogener sind als zuvor.

Trotz der möglichen Folgen der jüngsten Aufwertung des Euro für die kurzfristigen Perspektiven des Eurogebiets beurteilten die Direktoren die Aufwertung insgesamt als vorteilhaft. Sie habe zur Verringerung der Inflation beigetragen und dazu geführt, dass die Wettbewerbsfähigkeit des Eurogebiets wieder ihrem langfristigen Durchschnitt entspreche. Die meisten Direktoren stimmten darin überein, dass das Eurogebiet einen überproportional großen Teil der durch den schwächeren US-Dollar herbeigeführten Anpassungslast getragen hat und sie sprachen sich für eine gleichmäßigere globale Verteilung von zukünftigen Anpassungslasten aus, um die Ungleichgewichte in der Weltwirtschaft zu verringern und ein ausgewogenes Wachstum in den großen Währungsgebieten zu erreichen.

Die Direktoren hatten den Eindruck, dass die Geldpolitik einen guten Beitrag geleistet und ihre Glaubwürdigkeit gefestigt hat. Die Geldpolitik habe im Einklang mit der Preisund Produktionsentwicklung gestanden und das geldpolitische Instrumentarium sei in angemessener Weise auf der Grundlage der in den zurückliegenden fünf Jahren gesammelten Erfahrungen modifiziert worden. Insbesondere sei hervorzuheben, dass die Europäische Zentralbank (EZB) durch die Festlegung der Zielvorgabe für die Preisentwicklung auf „unter aber nahe an 2 %” den Spielraum für mögliche Missverständnisse erheblich reduziert und einen stabilen Anker für die langfristigen Inflationserwartungen bereitgestellt hat. Die meisten Direktoren wiesen darauf hin, dass das Anstreben einer solchen Preisentwicklung auf mittlere Sicht einen Spielraum für Inflationsdifferenzen zwischen den Mitgliedsländern und einen Puffer gegen Schocks darstellt, die sonst zu einer Deflation im Euroraum führen könnten. Die Direktoren begrüßten ebenfalls die Klarstellung der Rolle der langfristigen monetären Analyse und der kurzfristigen ökonomischen Analyse im Rahmen der Strategie der EZB zur Inflationsbekämpfung.

Die Direktoren stimmten darin überein, dass die EZB Vorkehrungen gegen die Abwärtsrisiken bei der Preisentwicklung treffen sollte, da der Inflationsdruck nachgelassen habe. Die Abwärtsrisiken hätten sich zwar auf Grund der Gegenbewegung beim Euro-Wechselkurs etwas vermindert, doch werde der Gesamteffekt aus dem geringen Wachstum, den sich weiterhin abschwächenden Arbeitsmärkten und der vorangegangenen kräftigen Aufwertung des Euro die Inflationsrate bis Ende 2004 deutlich unter 2 % drücken. Die Direktoren waren der Ansicht, dass die Kosten einer Unterschreitung der Inflationsvorgabe größer sind als die Kosten eines Überschreitens. Eine niedrige Inflation sei bei der Bereinigung der Bilanzen nicht hilfreich und biete weniger Spielraum für die erforderliche Anpassung der relativen Preise im Eurogebiet und erhöhe dadurch ihre Kosten. Diese Überlegungen, so die Direktoren, sowie das Risiko einer Euro-Aufwertung sprächen dafür, dass die Geldpolitik ihren akkommodierenden Kurs beibehalten sollte, um das Vertrauen zu stärken, bis ein selbsttragender Aufschwung der inländischen Nachfrage in Gang gekommen sei.

Es bestehe die Notwendigkeit einer vorausschauenden Fiskalpolitik, um die Qualität der öffentlichen Finanzen zu verbessern und ihre langfristige Tragfähigkeit vor dem Hintergrund der potenziellen fiskalischen Belastungen auf Grund der alternden Bevölkerung zu sichern. Das Direktorium wies in diesem Zusammenhang darauf hin, dass die Entwicklung der öffentlichen Finanzen nicht positiv ist. Dies gelte insbesondere für die drei größten Volkswirtschaften, wo die meisten Maßnahmen kurzfristig orientiert seien und eine zu großzügige Haushaltspolitik in der Hochkonjunkturphase zu den Schwierigkeiten bei der Einhaltung der nominalen Defizitobergrenzen beigetragen habe. Die Direktoren stimmten darin überein, dass diese Entwicklungen die Notwendigkeit eines finanzpolitischen Rahmens in der Europäischen Wirtschafts-und Währungsunion (EWU) unterstreichen. Die Direktoren vertraten die Auffassung, dass die grundlegenden Bestimmungen des EU-Vertrags und des Stabilitäts-und Wachstumspakts (SWP) aus langfristiger Perspektive im Großen und Ganzen angemessen sind. Hinsichtlich der im Mittelpunkt stehenden Verletzungen der Defizitobergrenze von 3 % betonten die Direktoren, dass frühere Vernachlässigungen der Haushaltsdisziplin – und nicht der finanzpolitische Rahmen selbst – für den begrenzten haushaltspolitischen Spielraum der drei größten Volkswirtschaften des Eurogebiets verantwortlich waren. Die zunehmende Alterung der Gesellschaft erfordere in den meisten Ländern des Eurogebiets Maßnahmen, um sich zumindest auf mittlere Sicht zu einem ausgeglichenen strukturellen Haushalt hin zu bewegen. Wenn dies geschehe, sei Spielraum vorhanden, um die automatischen Stabilisatoren wirken zu lassen. Die Defizitobergrenze von 3 % stelle dann nur bei außergewöhnlichen Umständen ein Problem dar, und der Vertrag sehe dafür Sonderregelungen vor.

Es gebe einen möglichen Konflikt zwischen einem kurzfristigen Bedarf an finanzpolitischen Stimuli zur Anregung des Wirtschaftswachstums und der Notwendigkeit der Haushaltskonsolidierung, um das Vertrauen in den SWP zurückzugewinnen und einen tragfähigen Haushalt zu erreichen. Die Direktoren gingen jedoch davon aus, dass eine stärker vorausschauende Finanzpolitik der langfristigen Tragfähigkeit dient und gleichzeitig eine größere Flexibilität auf kurze Sicht ermöglichen kann. Der SWP solle sowohl auf Wachstum als auch auf Stabilität abzielen, aber zur Steigerung des Wachstums seien in erster Linie Strukturreformen und weniger eine kurzfristige Nachfragesteuerung erforderlich. Die meisten Direktoren räumten ein, dass es in einem solchen Rahmen möglich ist, eine kurzfristige Haushaltskonsolidierung durch glaubwürdige mehrjährige Verpflichtungen zur Durchführung von Wachstums-und konsolidierungsorientierten Strukturreformen zu ersetzen, insbesondere durch Ausgabenkürzungen und verbesserte Anreize anstelle von Steuererhöhungen. Die Direktoren erkannten zwar durchaus an, dass ein solches Vorgehen Risiken für die Glaubwürdigkeit des SWP mit sich bringt, da es weitere Verletzungen der Drei-Prozent-Obergrenze impliziert, die Grundforderung an Länder mit einer schwachen strukturellen Haushaltsposition, nämlich diskretionäre finanzpolitische Maßnahmen zu ergreifen, um eine strukturelle Konsolidierung des Haushalts um 0,5 Prozentpunkte des BIP pro Jahr zu erreichen, bleibt jedoch bestehen. Viele Direktoren vertraten jedoch die Ansicht, dass Verzögerungen, die die Grundforderung, d. h. eine Anpassung um 1,5 Prozentpunkte des BIP, bei kumulativer Betrachtung über den Zeitraum 2004-06 erfüllen, ebenfalls eine angemessene Balance zwischen lang-und kurzfristigen Zielen sichern können, sofern diese Maßnahmen durch beträchtliche Fortschritte bei den langfristigen strukturpolitischen und makroökonomischen Aufgaben untermauert werden. Eine Reihe von Direktoren wandte sich jedoch gegen Abweichungen von der Verpflichtung, die strukturellen Haushaltsdefizite stetig um 0,5 % des BIP pro Jahr anzupassen.

Die Direktoriumsmitglieder sprachen sich für eine stetigere und tatkräftigere Umsetzung von Strukturreformen aus. Sie wiesen darauf hin, dass die niedrigen Wachstumsraten zwar zu großen Teilen auf das langsame Bevölkerungswachstum zurückzuführen sind, dass es aber auch einen erheblichen Spielraum gibt für die Erhöhung der Erwerbsquote sowie für eine Steigerung des technologischen Fortschritts und der Innovationstätigkeit. Lange Verzögerungen bei der Umsetzung einer höheren Erwerbsbeteiligung machten frühzeitige abgestimmte Maßnahmen erforderlich, um die alterungsbedingte Verringerung des potenziellen Pro-Kopf-Wachstums und die Verschlechterung der öffentlichen Haushalte zu verlangsamen, wenn nicht sogar umzukehren. Die Direktoren hoben in diesem Zusammenhang die Bedeutung von Arbeitsmarkt-und Rentenreformen hervor. Der Verlust des Wechselkurses als Anpassungsmechanismus in der Währungsunion, insbesondere bei einer begrenzten Arbeitsmobilität, mache eine größere Flexibilität der Güterund Arbeitsmärkte notwendig.

Die Direktoren begrüßten die viel versprechenden von einzelnen Ländern in jüngster Zeit unternommen Reformschritte, betonten aber auch, dass noch viel mehr getan werden muss, um die vom Europäischen Rat im Jahr 2000 beschlossenen Ziele der Lissabon-Agenda zu erreichen. Die Direktoren zeigten sich besonders ermutigt durch die Fortschritte bei der Schaffung eines einheitlichen Marktes für Finanzdienstleistungen. Darüber hinaus sei der Reformprozess in den größeren Ländern, insbesondere im Hinblick auf Arbeitsmärkte und die sozialen Sicherungssysteme, neu belebt worden. In einzelnen Fällen überträfen die Fortschritte frühere Erwartungen. Man habe auch mehr und mehr erkannt, dass die noch größtenteils unausgeschöpften Synergieeffekte zwischen Strukturreformen, einer günstigeren wirtschaftlichen Entwicklung und der Tragfähigkeit der öffentlichen Finanzen genutzt werden können. Diese Synergieeffekte versprächen eine Verbesserung der mittelfristigen Wachstumsaussichten und eine Wiederherstellung der Glaubwürdigkeit des SWP. Die Direktoren stellten jedoch fest, dass die Agenda der erforderlichen Reformen lang sei und in den einzelnen Ländern unterschiedlich ausfalle, während die Widerstände gegen die Reformen nach wie vor stark seien und sich mit der Verbesserung der wirtschaftlichen Situation vermutlich noch vergrößern würden. Es sei daher wichtig, dass der neue Reformwille nicht nur eine Reaktion auf ungünstige wirtschaftliche Entwicklungen darstelle, sondern eine Reihe von Jahren durchgehalten werde. Die Direktoren begrüßten daher die von der Kommission unternommenen und vom Ecofin-Rat bestätigten Schritte, die Grundzüge der Wirtschaftspolitik sowohl zielorientierter als auch vorausschauender zu gestalten und die Überwachung dadurch zu verstärken.

Die Direktoren befürworteten die jüngste Entscheidung zur Reform der Gemeinsamen Agrarpolitik und stellten fest, dass die vereinbarte „Abkoppelung” der Hilfen für die Landwirtschaft von der Produktion den Abwärtsdruck auf die Weltmarktpreise vermindern wird. Viele Direktoren wiesen darauf hin, dass eine stärkere Verpflichtung zur Öffnung der Märkte in der EU wichtig ist, um die Ziele der Doha-Runde im Rahmen der multilateralen Handelsgespräche zu erreichen. Außerdem seien mehr Konzessionen der EU und anderer fortgeschrittener Volkswirtschaften an die Entwicklungsländer erforderlich, um ein der wirtschaftlichen Entwicklung und der Reduzierung der Armut förderliches Umfeld für den multilateralen Handel zu schaffen.

Einführung des Euro in Mitteleuropa

Die Exekutivdirektoren erörterten im Februar 2004 die Herausforderungen, vor denen die fünf früheren mitteleuropäischen Reformländer (MEL) – Polen, die Slowakei, Slowenien, die Tschechische Republik und Ungarn – sowie die baltischen Staaten, Malta und Zypern auf ihrem Weg zur Einführung des Euro stehen.

Die Diskussion konzentrierte sich auf zwei grundsätzliche Fragen: Zu welchem Zeitpunkt sollte der Euro eingeführt werden und wie kann man sich am besten darauf vorbereiten? Die Direktoren wiesen darauf hin, dass zwar alle Beitrittsstaaten zur Europäischen Union mit Herausforderungen konfrontiert sind, dass jedoch die makroökonomischen Fragestellungen im Zusammenhang mit der Einführung des Euro für die MEL auf Grund ihrer flexiblen Wechselkurssysteme besonders komplex sind. Diese Fragestellungen, so die Direktoren, erforderten eine sorgfältige einzelfallbezogene Bewertung. Außerdem unterschieden sich angesichts der spezifischen Verhältnisse in den einzelnen Ländern der Pfad und das Tempo der Euro-Einführung.

Die Direktoren vertraten die Ansicht, dass die Einführung des Euro den MEL auf lange Sicht erhebliche Vorteile bringen kann. Voraussetzung dafür sei allerdings eine solide Wirtschaftspolitik. Die Vorteile basierten auf dem Wegfall des Wechselkursrisikos, niedrigeren Transaktionskosten, einer verbesserten wirtschaftspolitischen Disziplin, niedrigeren Realzinsen und einer größeren Preistransparenz. Wenngleich eine Quantifizierung schwierig sei, zeigten sich die Gewinne in erster Linie in der Expansion des Außenhandels und der Investitionen sowie in einem stärkeren Produktivitäts-und Einkommenswachstum. Um diese Gewinne auszuschöpfen, sei es wichtig, so die Direktoren, solide makroökonomische und strukturelle Rahmenbedingungen zu gewährleisten und die Entwicklung des privaten Sektors zu fördern. Dabei sollten insbesondere die Güter-und Faktormärkte flexibel sein und die öffentlichen Finanzen sollten auf einen tragfähigen Pfad mit möglichst geringen Starrheiten von Seiten der nichtdiskretionären Ausgaben gebracht werden. Die Direktoren stellten fest, dass die wirtschaftspolitischen Strategien der MEL bereits in vielen Bereichen auf einem viel versprechenden Kurs zur Erfüllung dieser Bedingungen sind.

Die Direktoren wiesen darauf hin, dass die Einführung des Euro auch Kosten mit sich bringt. Diese resultierten aus dem Verlust der Geldpolitik als Instrument, das bei der Abfederung asymmetrischer Nachfrageschocks eine Rolle spielen und einen vorhandenen Nachfragedruck dämpfen könne. Die weitere Konvergenz der Konjunkturzyklen werde zwar dazu beitragen, das Risiko von asymmetrischen Schocks zu vermindern, doch seien die Länder gut beraten, eine hohe Flexibilität der Wirtschaftspolitik zu schaffen, um jeglichen sonstigen Schocks vor der Einführung des Euro begegnen zu können. Der Beitritt zum Eurogebiet werde im Endergebnis das hohe Maß an Wechselkursvolatilität beseitigen, denen die MEL ausgesetzt seien.

Der Weg zur Einführung des Euro beinhaltet die Teilnahme am Wechselkursmechanismus (WKM II) und die Einhaltung der Maastricht-Kriterien. In der Diskussion des Exekutivdirektoriums wurde bestätigt, dass die Entscheidungen über die zeitliche Gestaltung dieser Schritte für jeden einzelnen Fall unter umfassender Berücksichtigung sämtlicher wirtschaftspolitischer Aspekte separat getroffen werden müssen. Drei Überlegungen sind hier von besonderer Bedeutung um sicherzustellen, dass die Kandidaten gut auf eine erfolgreiche Teilnahme an der EWU vorbereitet sind:

  • Vor der Einführung des Euro sollte die Harmonisierung der wirtschaftlichen Verhältnisse, insbesondere die Korrelation der Konjunkturzyklen und der Handelsbeziehungen, weit fortgeschritten sein. Es ist zwar davon auszugehen, dass die Konjunkturzyklen nach der Einführung des Euro noch synchroner verlaufen werden, ein ausreichendes Maß an konjunktureller Konvergenz vor der Einführung des Euro würde jedoch dazu beitragen, die Aussichten auf eine erfolgreiche Entwicklung im Eurogebiet zu verbessern.

  • Anpassungsmechanismen, d. h. Lohn-und Preisflexibilität sowie der Spielraum für eine antizyklische Fiskalpolitik, sollten vorhanden sein um sicherzustellen, dass asymmetrische Schocks ohne das Instrument der Geldpolitik in wirksamer Weise absorbiert werden können.

  • Die Kandidaten für die Einführung des Euro müssen ein angemessenes Maß an nomineller Konvergenz erreichen. Die Direktoren wiesen darauf hin, dass die Frage, wie die Eignung der Standards für die nominelle Konvergenz am besten beurteilt werden kann, noch weiterer Überlegungen bedarf. Mehrere Direktoren sprachen sich für den Vorschlag aus, bei der Festlegung der im Maastricht-Vertrag vorgesehenen Inflationsobergrenze das Inflationsziel der EZB als Grundlage für die Definition des „besten Ergebnisses auf dem Gebiet der Preisstabilität” zu verwenden. Ein solcher Ansatz würde gewährleisten, dass die in den Beitrittsländern herrschenden Verhältnisse in angemessener Weise in Betracht gezogen werden. Andere Direktoren rieten jedoch zur Vorsicht gegenüber einer Interpretation der Kriterien des Maastricht-Vertrags, die die Frage der Ungleichbehandlung von neuen und alten EUMitgliedsländern aufwerfen könnte.

Um diese Bedingungen zu erfüllen, seien weitere Anstrengungen erforderlich, so die Direktoren. Sie wiesen aber auch darauf hin, dass die MEL in vielerlei Hinsicht, insbesondere hinsichtlich der Integration des Außenhandels, bereits mindestens so weit fortgeschritten sind wie einige der derzeitigen EWU-Mitgliedsländer im gleichen Stadium ihres Beitrittsprozesses.

In der Aussprache wurde auf verschiedene Ursachen für Anfälligkeiten aufmerksam gemacht, die sorgfältig behandelt werden sollten. Die Direktoren wiesen in diesem Zusammenhang darauf hin, dass die MEL weiterhin Kapitalzuflüsse anziehen werden, die allein auf Grund ihrer Größe und ihrer Beeinflussbarkeit durch Spekulationen über den Zeitpunkt und die Bedingungen der Euro-Einführung volatil sein können. Sie stellten zudem fest, dass die Aussichten auf ein rasches Wachstum der Kreditvergabe auf der Basis des gegenwärtig niedrigen Ausgangsniveaus der Banken-Intermediation mögliche Risiken für eine Überhitzung und eine Preisblase bei den Vermögenswerten mit sich bringen. Die Direktoren gaben zu bedenken, dass eine solide und konsistente Wirtschaftspolitik sowie eine starke und wirksame Bankenaufsicht von zentraler Bedeutung sind, um diese Anfälligkeiten zu mindern und die MEL in eine günstige Ausgangsposition für eine erfolgreiche Beteiligung am WKM II und für die ersten Jahre im Eurogebiet zu bringen. Es wurde zwar anerkannt, dass temporäre Beschränkungen der Kapitalzuflüsse unter ganz bestimmten Umständen als begleitende Maßnahmen eine Rolle spielen können, es wurde jedoch auch angemerkt, dass diese Option dem Ziel einer stärkeren Integration widerspricht.

Die Direktoren stimmten darin überein, dass weitere Fortschritte bei der Haushaltskonsolidierung wahrscheinlich die größte Herausforderung für die MEL bei der Vorbereitung auf die Einführung des Euro darstellen. Sie wiesen darauf hin, dass zur Haushaltskonsolidierung sowohl die Aufstellung von glaubwürdigen und auf einem breiten Konsens beruhenden Plänen für die mittelfristige Haushaltsanpassung als auch der Nachweis von stetigen Fortschritten bei der Einhaltung dieser Anpassungsziele erforderlich sind. In diesem Zusammenhang wurde auch angeregt, dass die MEL bereit sein sollten, im Falle eines sehr starken Wachstums der Bankkredite das Tempo der Haushaltskonsolidierung zu beschleunigen. Die Direktoren räumten zwar ein, dass dieses Ziel eine große Herausforderung darstellt, sie sahen aber große Vorteile in einer mittelfristigen Strategie, mit der das strukturelle Haushaltsdefizit bis zum Zeitpunkt der Einführung des Euro deutlich unter das Defizitkriterium des Maastricht-Vertrags von 3 % des BIP gesenkt würde. Dies erlaube im Falle einer ungünstigen Konjunkturlage in vollem Umfang den Einsatz der automatischen Stabilisatoren. Geringere Haushaltsdefizite würden es den MEL außerdem erleichtern, öffentliche Verschuldungsquoten zu erreichen, die angesichts der volatilen Haushaltseinnahmen und der Starrheiten bei den Ausgaben hinreichend solide sind. Die Notwendigkeit, die öffentlichen Investitionen zur Förderung der realen Konvergenz auf hohem Niveau zu halten, unterstreicht gleichzeitig die Bedeutung qualitativ anspruchsvoller Haushaltsanpassungen, die auf eine Kürzung wenig produktiver Ausgaben, wie sozialpolitisch motivierter Transfers und Subventionen, abzielen.

In der Diskussion wurden mehrere für die Einführung des Euro wichtige Aspekte des WKM II angesprochen. Bei den Entscheidungen über die Leitkurse für den Beitritt der MEL zum Wechselkursmechanismus, seien schwierige und heikle Abwägungen zu der Frage vorzunehmen, wie die Parität vor dem Hintergrund der Unsicherheiten über den Gleichgewichtswechselkurs festgesetzt werden sollte. In jedem Fall müssten die Mitglieder der EWU der Parität und den Umrechnungskursen zustimmen.

Die Teilnahme am WKM II erfordere außerdem eine durchdachte wirtschaftspolitische Strategie der MEL. In diesem Zusammenhang fand die Ansicht Unterstützung, dass die Länder erst dann dem WKM II beitreten sollten, wenn sie erhebliche Fortschritte hin zu einer niedrigen Inflation, der Korrektur von Haushaltsungleichgewichten und der Umsetzung von Strukturreformen gemacht haben. Dadurch würde es möglich, die Teilnahme am WKM II auf die Mindestperiode von zwei Jahren zu beschränken. Es wurde aber auch die Auffassung vertreten, dass der WKM II den teilnehmenden Ländern einen nützlichen und flexiblen Rahmen bietet, einerseits die Konsistenz ihrer Wirtschaftspolitik und die Angemessenheit ihres Leitkurses zu testen und andererseits ihre Wirtschaftspolitik an dem Ziel der dauerhaften Konvergenz und der Verminderung der Wechselkursvolatilität auszurichten. Aus diesem Blickwinkel gibt es gute Argumente gegen eine Tendenz, die Dauer der Teilnahme am WKM II, die in den verschiedenen Ländern unterschiedlich ausfallen kann, zu verkürzen. Gleichzeitig wurde in der Diskussion betont, dass die Einführung des Euro in Ländern mit soliden Fundamentaldaten und einer Wirtschaftspolitik, die mit einem uneingeschränkten Beitritt zum Eurogebiet vereinbar ist, auf Grund der potenziellen Risiken spekulativer Störungen bei einer übermäßig langen Teilnahme am WKM II nicht unnötig lange hinausgeschoben werden sollte. Außerdem bestehe im Rahmen des Maastricht-Vertrags die Verpflichtung, den Euro einzuführen, sobald alle Konvergenzkriterien erfüllt seien.

Die Direktoren verwiesen auf die Bedeutung eines eindeutig definierten geldpolitischen Rahmens während der Teilnahme am WKM II. Das Ziel sollte sein, mit Unterstützung einer soliden Wirtschaftspolitik ein Rahmenwerk einzurichten, das die stabilisierenden Effekte eines angemessenen Leitkurses verstärkt, die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass die Kriterien für Wechselkursstabilität und Inflation erreicht werden, und einen Schutz gegen spekulative Störungen bietet. Die Direktoren erörterten eine Reihe möglicher Regelwerke, rieten aber zur Vorsicht, da ein einzelnes geldpolitisches Regime nicht den Anforderungen in allen Ländern gerecht werden könne. Dementsprechend betonten sie die konstruktive Rolle, die der IWF-Stab und regionale Institutionen dabei spielen könnten, die nationalen Behörden in den Beitrittsländern zu ermutigen, Entscheidungen über ihr jeweiliges geldpolitisches Regime unter voller Berücksichtigung aller Vor-und Nachteile und der möglichen Risiken zu treffen. Wichtig sei es auch, so die Direktoren, dass das jeweilige Regelwerk den Finanzmärkten deutlich mache, in welcher Weise die Geldpolitik auf verschiedene Arten von möglichen Schocks reagieren würde.

Das Direktorium wies abschließend darauf hin, dass jedes Land angesichts der erheblichen wirtschaftspolitischen Herausforderungen großen Wert darauf legen sollte, eine breite gesellschaftliche Unterstützung für seine Strategie zur Einführung des Euro zu sichern. Eine eindeutige und zeitnahe Kommunikation mit den Marktteilnehmern sowie zwischen den MEL, der Europäischen Kommission und der EZB ist dabei hilfreich. Dabei können auch Unsicherheiten bezüglich der Kriterien, anhand derer die Einhaltung der Bedingungen für die Einführung des Euro beurteilt werden, vermindert und gleichzeitig ein Interpretationsspielraum für die abschließende Bewertung der Einhaltung der Maastricht-Kriterien gewährleistet werden.

Mosambik

Mosambik hat im Zeitraum 1987-2003 vier IWF-gestützte Programme abgeschlossen. Diese Programme haben dem Land geholfen, weit reichende Strukturreformen durchzuführen -im Übergang von einer Zentralverwaltungswirtschaft zu einer Marktwirtschaft makroökonomische Stabilität zu erreichen und die Schuldenlast beträchtlich zu reduzieren. Das durchschnittliche jährliche BIP-Wachstum lag während des Zeitraums bei fast 7 %. Das Land hat den Bestand an Devisenreserven erhöht und der Nettogegenwartswert der öffentlichen Auslandsschulden von Mosambik fiel von über 500 % der Exporte Ende 1998 auf unter 100 % Ende 2003. Der Anteil der Bevölkerung, der unterhalb der Armutsgrenze lebt, ist seit 1997, als er bei 70 % lag, um etwa 15 Prozentpunkte zurückgegangen.

Das Regierungsprogramm für das Kalenderjahr 2004 zielt auf die Förderung eines breiten und dauerhaften Wachstums durch die Fortsetzung einer umsichtigen makroökonomischen Steuerung und die Umsetzung der umfangreichen Agenda eingeleiteter Reformen zur Beschleunigung der Entwicklung des Privatsektors.

Der Fonds bietet in enger Zusammenarbeit mit Entwicklungspartnern, die auch Finanzhilfe gewähren, ein beträchtliches Volumen an technischer Hilfe im finanziellen und fiskalischen Bereich. Diese Hilfe hat Mosambik dazu in die Lage versetzt, große Fortschritte bei der Verbesserung der öffentlichen Finanzen, einschließlich Zoll-und Steuerverwaltung, zu erzielen.

Zusammenarbeit zwischen Mosambik und IWF Im GJ 2004
Juni 2003Abschluss der fünften Überprüfung von Mosambiks Erfolgsbilanz im Rahmen des PRGF-gestützten Programms des Landes
Juli 2003Besuch des Geschäftsführenden Direktors Horst Köhler, der auch an der zweiten Tagung der Staatschefs der Afrikanischen Union in Maputo teilnahm
November 2003Mosambik begann mit der Teilnahme am Allgemeinen Datenveröffentlichungs System des Fonds; Veröffentlichung der Beurteilung der Stabilität des Finanzsystems (FSSA) durch IWF und Weltbank
Dezember 2003Abschluss der Artikel-IV-Konsultation und der Ex-post-Beurteilung der Erfolgsbilanz Mosambiks unter den IWF-gestützten Programmen im Exekutivdirektorium des IWF

Zentralafrikanische Wirtschafts-und Währungs-gemeinschaft

Das Exekutivdirektorium erörterte im November 2003 die Entwicklung sowie regionale wirtschaftspolitische Fragen in der Zentralafrikanischen Wirtschafts-und Währungsgemeinschaft (CAEMC), deren Mitglieder Äquatorialguinea, Gabun, Kamerun, die Republik Kongo, der Tschad und die Zentralafrikanische Republik sind.

Die makroökonomische Entwicklung in der CAEMC-Region sei im Jahr 2002 im Großen und Ganzen zufrieden stellend verlaufen. Das Wachstum sei lebhaft und die Inflation moderat gewesen. Zudem hätten die offiziellen Währungsreserven zugenommen. Die Region sei jedoch nach wie vor übermäßig stark vom Erdölsektor abhängig und die Indikatoren für die menschliche Entwicklung hätten sich trotz der reichen Ausstattung der Region mit natürlichen Rohstoffen nur wenig verbessert. Die Direktoren vertraten die Ansicht, dass generell eine stärkere Konvergenz der Finanz-, Geldund Handelspolitik der Mitglieder der CAEMC helfen würde, das Potenzial der wirtschaftlichen Integration voll auszuschöpfen.

Vor diesem Hintergrund bedauerten die Direktoren die langsamen Fortschritte bei der makroökonomischen Konvergenz und plädierten dafür, sich wirtschaftspolitisch stärker auf den Überwachungsprozess zu konzentrieren und diesen zu intensivieren. Sie begrüßten die Einführung verbesserter Konvergenzkriterien und regten an, den Prozess der gleichberechtigten gegenseitigen Beurteilung zu verstärken. Angesichts der Volatilität der Öleinnahmen machten sie den CAEMC-Behörden den Vorschlag, das Kriterium für den Primärsaldo des Haushalts durch eine Haushaltsregel zu modifizieren und eine größere Transparenz bei der Verwaltung der Erdölressourcen im Einklang mit international anerkannten Praktiken einzuführen. Die Direktoren begrüßten die Pläne, die Verwaltung der nationalen Stabilisierungsfonds und der „Fonds für zukünftige Generationen” zu flexibilisieren und regten an, über Möglichkeiten nachzudenken, wie diese Mittel bei der Bank der zentralafrikanischen Staaten (BEAC) besser angelegt werden könnten.

Die Direktoren vertraten die Ansicht, dass die BEAC im Jahr 2002 einen im Wesentlichen umsichtigen geldpolitischen Kurs verfolgt hat und dass die geldpolitische Strategie im Jahr 2003 im Großen und Ganzen im Einklang mit dem regionalen Inflationsziel war. Die Direktoren wiesen aber auch darauf hin, dass größere Fortschritte bei der Beseitigung der schon lange bestehenden strukturellen Schwächen, die eine wirksame Umsetzung der Geldpolitik in der Region behindern, erforderlich sind. Die Direktoren rieten den CAEMC-Behörden nachdrücklich dazu, den Übergang von der monetären Finanzierung von Haushaltsdefiziten durch die BEAC zu einer Begebung von Staatsanleihen nicht weiter zu verzögern. Sie ermutigten die BEAC in diesem Zusammenhang, über die Emission eigener handelbarer Einlagezertifikate nachzudenken. Dadurch könnten die Möglichkeiten der Liquiditätssteuerung verbessert werden, bis Regierungsanleihen in größerem Umfang verfügbar seien. Die Direktoren wiesen auch darauf hin, dass die länderspezifischen Mindestreservebestimmungen zu Verwerfungen an den Finanzmärkten in der Region führen können, die ihrerseits die Wettbewerbsfähigkeit der Anbieter von Finanzdienstleistungen in einzelnen Mitgliedsländern einschränken können, und sie plädierten deshalb für eine Angleichung. Die Direktoriumsmitglieder sprachen sich außerdem für zusätzliche Maßnahmen aus, wie die Freigabe der Zinssätze, die Verbesserung der Zahlungsverkehrssysteme und die Vereinfachung der Verfahren für Offenmarktgeschäfte, um die Funktionsweise des Interbankenmarkts zu verbessern.

Dauerhafte Anstrengungen seien erforderlich, um das Bankensystem, das trotz der Umstrukturierung in Bedrängnis geratener Banken anfällig geblieben sei, zu stärken. Die Direktoren betonten in diesem Zusammenhang die Aufgabe der Zentralafrikanischen Bankenkommission (COBAC), die Einhaltung der Aufsichtsnormen durch die Banken zu gewährleisten. Sie empfahlen, die COBAC als allein verantwortliche Behörde für die Ausgabe und Einziehung von Banklizenzen einzusetzen und die gemeinsamen Regeln für die Lizenzvergabe an Banken zu überarbeiten, um die Eröffnung von Bankfilialen in der ganzen Region zu erleichtern. Die Direktoren begrüßten die Pläne der COBAC, die Mindesteigenkapitalquoten schrittweise anzuheben, betonten aber auch die Notwendigkeit, die Eigenkapitalanforderungen an die in den Volkswirtschaften der CAEMC bestehenden und auf ihre wenig diversifizierte Wirtschaftsstruktur zurückzuführenden hohen operationellen Risiken anzupassen.

Die Direktoren rieten den CAEMC-Behörden dazu, andere Reformen des Finanzsektors, darunter die frühzeitige und wirksame Umsetzung neuer Regelungen für den Mikrofinanzsektor, voranzutreiben. Sie begrüßten die Verabschiedung von Vorschriften zur Bekämpfung der Geldwäsche, merkten aber an, dass noch weitere Schritte notwendig sind, um diese voll wirksam werden zu lassen. Vor dem Hintergrund der sehr geringen Größe des Privatsektors in den CAEMC-Ländern äußerten die Direktoren ihre Präferenz für eine Vereinigung der im Aufbau befindlichen regionalen Aktienbörse in Libreville mit der bestehenden Börse in Douala. Zudem solle die jüngst umorganisierte regionale Entwicklungsbank (CASDB) bei der Geschäftspolitik einen vorsichtigen Kurs steuern und im Einklang mit soliden Finanzierungskriterien die Höhe der Kreditvergabe auf ein Refinanzierungsvolumen begrenzen, das sich auf die eigenen Mittel und die am regionalen Markt langfristig geliehenen Mittel stütze.

Die Direktoren äußerten ihr Bedauern darüber, dass die Mitgliedsländer weiterhin die Vorgaben für die gemeinsamen Außenzollssätze (CET) nicht einheitlich anwenden und sahen die Beschleunigung der Integration des Handels zwischen den CAEMC-Ländern als dringlich an. Noch bestehende nichttarifäre Handelshemmnisse sollten beseitigt, Zollverfahren, Zollwertermittlung und Zollbefreiungen harmonisiert und der CET überarbeitet werden, wobei der höchste Zollsatz von 30 % gesenkt werden sollte. Die Direktoren ermutigten die Behörden, auch in anderen Bereichen eine Steuerharmonisierung vorzunehmen sowie die Eintreibung von regionalen Steuern auf Importe zu verbessern, um die Finanzierung der regionalen Institutionen und der regionalen Integrationsfonds zu gewährleisten.

Die Direktoren stellten fest, dass ein Teil der durch die Abwertung des CFA-Franc im Jahre 1994 herbeigeführten Verbesserungen der Wettbewerbsfähigkeit mittlerweile aufgezehrt ist. Um die außenwirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit der Region und die Position auf den Exportmärkten zu erhalten, sei es erforderlich, so die Direktoren, wirtschaftspolitische Maßnahmen mit dem Ziel der Verbreiterung der produktiven Basis und der Diversifizierung der Volkswirtschaften zu ergreifen, einschließlich einer Beschleunigung von Strukturreformen, einer Verbesserung der grundlegenden Infrastruktur und der Verabschiedung einer gemeinsamen sektoralen Wirtschaftspolitik.

Die Direktoren riefen die Behörden dazu auf, die Qualität, die Harmonisierung und die Verteilung von Wirtschaftsdaten der CAEMC, insbesondere im Hinblick auf Preisindizes, den realwirtschaftlichen Bereich und die öffentlichen Finanzen, zu verbessern. Angesichts der weit verbreiteten Armut in der Region sei die Erhebung von Sozialstatistiken sehr wichtig, um Fortschritte bei der Verringerung der Armut und bei den Indikatoren für die menschliche Entwicklung überprüfen zu können. Die Direktoren sprachen sich dafür aus, die regionalen Diskussionen über wirtschaftliche Entwicklungen und Maßnahmen auf die Ebene einer förmlichen regionalen Überwachung CAEMC-weiter Aspekte im Rahmen der Artikel-IV-Konsultationen mit den Mitgliedsländern zu verlagern.

Strukturreformen und Wachstum

Ein immer wiederkehrendes Thema in vielen Diskussionen des Exekutivdirektoriums während des Geschäftsjahres war die in vielen Ländern bestehende Notwendigkeit, größere Anstrengungen bei Strukturreformen zu zeigen, um damit insbesondere das Wachstum zu stärken. Diese Thematik tauchte in ganz verschiedenen Zusammenhängen auf: nicht nur bei Diskussionen im Rahmen der Überwachung auf länderbezogener, regionaler oder globaler Ebene, sondern auch bei Diskussionen über wirtschaftspolitische Programme, die durch Finanzmittel des IWF unterstützt werden.

Viele wirtschaftliche Probleme basieren auf einer eingeschränkten Funktionsweise von Märkten und weniger auf Ressourcenknappheiten oder einem Überschuss beziehungsweise einem Mangel an gesamtwirtschaftlicher Nachfrage. Es gibt eine breite Übereinstimmung, dass beim Vörliegen solcher Probleme Strukturreformen, d. h. wirtschaftspolitische Maßnahmen, die den institutionellen und regulatorischen Rahmen für das Verhalten der Märkte verändern, zu einer effizienteren Allokation und Verwendung von Ressourcen und stärkeren Anreizen für Innovationen führen können. Dadurch erhöhen sich nicht nur die Produktivität und das Pro-Kopf-Einkommen, sondern auch das langfristige Wachstum. Strukturreformen können das Wachstum auch auf kurze Sicht fördern, wenn sie die Renditen von Investitionen steigern und der Wirtschaftspolitik den Spielraum gewähren, die Volkswirtschaft mit einer höheren Kapazitätsauslastung arbeiten zu lassen, ohne dass Inflationsdruck entsteht. Leider führen viele Strukturreformen auf kurze Sicht jedoch zu Belastungen für einzelne Personen oder soziale Gruppen, und diejenigen, die sich als mögliche Verlierer betrachten, wehren sich häufig erfolgreich gegen Reformen.

Ein IWF-Mitarbeiterteam untersuchte für den Bericht über die weltwirtschaftlichen Aussichten vom April 2004 Strukturreformen in Industrieländern, um Lehren aus den Erfahrungen der vergangenen drei Jahrzehnte zu ziehen. Dabei wurde insbesondere untersucht, welche Hindernisse für Reformen bestehen und wie sie überwunden werden können. Die Untersuchungen ließen darauf schließen, dass verschiedene Überlegungen den Erfolg von Reformen beeinflussen können:

  • Die Phase der Erholung nach einem wirtschaftlichen Abschwung ist ein guter Zeitpunkt Reformen zu starten. Schwierige wirtschaftliche Verhältnisse bringen die Notwendigkeit von Reformen oft deutlicher zum Vorschein. Dadurch werden traditionell starke Interessengruppen geschwächt.

  • Es ist vorteilhaft, mit Reformen zu beginnen, die zu schnellen und deutlich sichtbaren Vorteilen führen. Handels-und Finanzmarktreformen bringen zum Beispiel kurzfristig Vorteile. Wenn diese Reformen erfolgreich sind, demonstrieren sie nicht nur die positive Wirkung von Reformen, sondern erhöhen auch den Wettbewerbsdruck und erleichtern weitere Reformen.

  • Eine starke Haushaltsposition versetzt Länder in die Lage, den Menschen, die von Reformen am stärksten belastet werden, eine Kompensation anzubieten. Daraus lässt sich schließen, dass Länder danach streben sollten, ihre Haushaltslage zu verbessern, um damit Spielraum für eine derartige Unterstützung von Reformen zu gewinnen.

  • Eine Unterstützung von außen für Reformen kann sich als hilfreich erweisen. Die Unterzeichnung einer internationalen Vereinbarung oder der Beitritt zu einer internationalen Institution kann einen von außen kommenden disziplinierenden Druck erzeugen, der das Tempo von Reformen beschleunigt. So fördert beispielsweise die Mitgliedschaft in der Welthandelsorganisation die Liberalisierung des Außenhandels. Die Mitgliedschaft im IWF ist ein weiteres Beispiel.

Das Exekutivdirektorium setzte sich auch im zurückliegenden Geschäftsjahr im Rahmen der durch den IWF bereitgestellten Überwachung, finanziellen Unterstützung und technischen Hilfe in vielen Ländern für Strukturreformen ein und hob die Erfolge von früheren Reformen hervor.

Im Rahmen der Überwachung der Wirtschaftspolitik in den Industrieländern, d. h. bei den Diskussionen über den Weltwirtschaftsausblick und bei den entsprechenden Länderüberwachungen, stellte das Exekutivdirektorium fest, dass wachstumsfördernde Strukturreformen sowohl für das Eurogebiet als auch für Japan besonders wichtig sind, da diese Länder in den vergangenen Jahren unter einem geringen Wachstum gelitten haben und da angesichts des niedrigen Niveaus der Zinssätze sowie wegen der gegenwärtigen und prognostizierten Haushaltsdefizite der Spielraum für eine Lockerung der Wirtschaftspolitik fehlt. Strukturreformen im Eurogebiet und in Japan seien deshalb ein bedeutendes Element einer für die Verringerung der globalen Wachstumsdifferenzen und den Abbau der Zahlungsbilanz-Ungleichgewichte erforderlichen Wirtschaftspolitik. Das Direktorium hob außerdem hervor, dass in vielen Ländern Europas Arbeitsmarktreformen notwendig sind, um die Probleme der Langzeitarbeitslosigkeit zu überwinden.

Für viele Schwellenländer sei es wichtig, so das Direktorium, die öffentlichen Finanzen und den Finanzsektor zu reformieren, um ein stabileres Wachstum zu erreichen. Die drei baltischen Staaten, Estland, Lettland und Litauen, seien Beispiele für erfolgreiche Reformen, bei denen der IWF eine wichtige Rolle bei der Beratung der Behörden vor schwierigen Entscheidungen gespielt habe. Diese drei Länder haben in den letzten Jahren trotz eines schwierigen globalen Umfelds Wachstumsraten von 6 bis 9 % pro Jahr bei einer niedrigen Inflationsrate erzielt -eine bemerkenswerte Erholung von der durch die Finanzkrise in Russland im Jahr 1998 ausgelösten Rezession. Dieser Aufschwung gründe sich in starkem Maße sowohl auf eine solide Wirtschaftspolitik als auch auf schmerzhafte Strukturreformen im Vorgriff auf den Beitritt zur Europäischen Union im Mai 2004.

Für viele einkommensschwache Länder bestehe, so das Direktorium, vor allem ein Bedarf an Reformen zur Verbesserung der Regierungsführung und anderer das Investitionsklima beeinflussender Faktoren. Dies hänge mit der Bedeutung eines attraktiven Standorts, der private Investitionen auch aus dem Ausland anziehe, und einer Stärkung der inländischen Ersparnisbildung für das Wachstum und die Verringerung der Armut zusammen.

In vielen Artikel-IV-Konsultationen auf Länderebene und im Rahmen der multilateralen und regionalen Überwachung wurde über spezielle Reformagenden für den Finanzsektor, für Handels-und Steuersysteme sowie für Güter-und Arbeitsmärkte diskutiert. Dieser Bericht enthält viele Beispiele dafür, wie verschiedene Länder von der Unterstützung des IWF bei Strukturreformen und von seiner Beratung in wirtschaftspolitischen Fragen profitiert haben.

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