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Kapite 2. Die Überwachung durch den IWF in der Praxis

Author(s):
International Monetary Fund
Published Date:
October 2002
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In der heutigen Weltwirtschaft, in der sich wirtschaftliche Entwicklungen und wirtschaftspolitische Maßnahmen in einem Land auf andere Länder auswirken und in der sich Finanzmarkt-Informationen ohne Zeitverzögerungen um den Globus verbreiten, ist die Rolle des IWF bei der Beobach tung wirtschaftlicher und finanzieller Tendenzen und wirtschaftspolitischer Maßnahmen in den Mitgliedsländern wichtiger als jemals zuvor. Der IWF hat im Rahmen des IWF-Übereinkommens die Aufgabe, die Wechselkurspolitik seiner Mitgliedsländer zu überwachen, um ein effektives Funktionieren des internationalen Währungssystems zu gewährleisten. Der IWF übt diese Aufgabe der „Überwachung” (surveil lance) aus durch regelmäßige Diskussionen mit den Mitgliedsländern über ihre Wirtschafts- und Finanzpolitik und durch eine kontinuierliche Beobachtung und Beurteilung der wirtschaftlichen und finanziellen Entwicklungen auf Länderebene sowie auf regionaler und globaler Ebene. Auf diese Weise kann der IWF auf entstehende Gefahren aufmerksam machen und die Mitglieder in die Lage versetzen, frühzeitig Korrekturmaßnahmen zu ergreifen.

Die wirtschaftspolitische Überwachung durch den IWF hat sich im Laufe der Zeit weiterentwickelt, um den sich ändernden weltwirtschaftlichen Realitäten gerecht zu werden. Sowohl die Praxis als auch die geltenden Grundsätze der Überwachung durch den IWF werden vom Exekutivdirektorium alle zwei Jahre überprüft (siehe Kasten 2.1). Eine zentrale Aufgabe besteht darin, die Überwachung zu einem effektiveren Instrument der Krisenprävention und der Förderung eines weltwirtschaftlichen Umfelds zu machen, das ein dauerhaftes Wachstum unterstützt. Das Ziel beinhaltet weder die unrealistische Absicht, alle Risiken zukünftiger Krisen zu beseitigen, noch das nicht zu haltende Versprechen, eindeutige Warnungen vor allen zukünftigen Krisen abzugeben. Vielmehr konzentrieren sich die Bemühungen des IWF darauf, die Anreize für die Behörden der Länder und für die Marktteilnehmer zu stärken, die Risiken angemessen einzuschätzen sowie ihre Wirtschaftspolitik und Anlagestrategien auf diese Einschätzung zu stützen. Eine gut funktionierende Marktwirtschaft bezieht ihre Stärke und Dynamik aus dem ständigen Streben von Produzenten, Anlegern und Konsumenten nach besseren Ergebnissen. Dies wird stets zu einem gewissen Maß an Übertreibungen und Korrekturen führen, insbesondere an den Märkten für Vermögenswerte. Daher ermutigt der IWF die Regierungen, wirtschaftspolitische Maßnahmen, einschließlich institutioneller Reformen, durchzuführen, um die Widerstandsfähigkeit der Volkswirtschaften der Mitgliedsländer gegen schädliche Entwicklungen und finanzielle Belastungen zu stärken; hierzu zählen insbesondere angemessene Wechselkursregime, eine solide Fiskalpolitik, vorsichtige Verschuldungs- und Schuldenverwaltungs-Strategieu, tiefere, stärkere und diversifiziertere Finanzsysteme und inländische Kapitalmärkte sowie effizientere soziale Sicherungsnetze.

In gleicher Weise bedeutsam sind Maßnahmen, die ein dauerhaftes Wachstum und ein offenes Außenhandelssystem fördern, da Wachstum, Handel, Schuldendienstfähigkeit und außenwirtschaftliche Leistungsfähigkeit unauflösbar miteinander verbunden sind. Der IWF spielt daher eine Rolle bei der Förderung der Handelsliberalisierung und beschäftigt sich bei seinen Konsultationen zur Überwachung der Mitgliedsländer zunehmend mit Fragen des Marktzugangs. Der IWF ermutigt ferner die Länder zur Liberalisierung des Außenhandels, indem er in Bereichen, in denen er über eigene Expertise verfügt, Mitgliedsländern technische Hilfe zur Verfügung stellt, um die Grundlagen für zunehmenden Handel zu schaffen. Zudem gewährt er finanzielle Unterstützung an Länder, die ein offeneres Handelssystem entwickeln.

Wirksame Überwachung und Krisenprävention beinhalten zwei Schlüsselelemente: eine solide Politikberatung und Anreize um sicherzustellen, dass diese Beratung Wirkung zeigt. Der IWF verbessert laufend seine analytische Kapazität, um Quellen entstehender Anfälligkeit zu identifizieren und um Strategien zur Verringerung von Anfälligkeiten, zur Förderung der Stabilität und zur Stärkung des Wachstums zu entwickeln. Gleichzeitig achtet der IWF stärker auf Faktoren, die die Wirksamkeit seiner Politikberatung bestimmen.

***

Der IWF führt die Überwachung auf verschiedene Weise durch, durch Länder- (oder bilaterale) Überwachung einerseits und durch globale sowie regionale (oder multilaterale) Überwachung andererseits:

  • Länderüberwachung: Gemäß dem Auftrag in Artikel IV des IWF-Übereinkommens führt der IWF mit jedem Mitgliedsland „Artikel-IV-Konsultationen” über dessen Wirtschaftspolitik durch; sie finden üblicherweise jährlich statt. Diese Konsultationen werden ergänzt durch regelmäßige Analysen der Wirtschaftsund Finanzentwicklungen, die vom Mitarbeiterstab des IWF erstellt werden, durch informelle Kontakte mit dem Stab und den nationalen Behörden sowie bei Bedarf durch Aussprachen im Direktorium.

  • Globale Überwachung: Das Exekutivdirektorium des IWF überprüft regelmäßig die internationalen Wirtschafts- und Finanzmarktentwicklungen. Die Überprüfungen basieren zum Teil auf den Berichten über die weltwirtschaftlichen Aussichten (World Economic Outlook), die zweimal jährlich vom Mitarbeiterstab des IWF erstellt werden, und auf den Berichten über die internationalen Finanzmärkte. Darüber hinaus erörtert das Direktorium häufig informell die Entwicklungen in der Weltwirtschaft und an den Finanzmärkten.

  • Regionale Überwachung: Als Ergänzung zu den Länderkonsultationen untersucht der IWF auch die im Rahmen von regionalen Vereinbarungen verfolgte Wirtschaftspolitik. Es finden regelmäßig Diskussionen mit regionalen Wirtschaftsinstitutionen wie der Europäischen Union, der Westafrikanischen Wirtschafts- und Währungsunion, der Zentralafrikanischen Wirtschafts- und Währungsgemeinschaft und der Ostkaribischen Währungsunion statt. Die Geschäftsleitung und der Mitarbeiterstab des IWF haben außerdem ihre Beteiligung an regionalen Initiativen von Mitgliedsländern verstärkt; dazu zählen die Entwicklungsgemeinschaft des südlichen Afrika, der Gemeinsame Markt für das östliche und südliche Afrika (COMESA), die Manila Framework Group, der Verband Südostasiatischer Staaten, das Treffen der Finanzminister der westlichen Hemisphäre und der Kooperationsrat der arabischen Golfstaaten (siehe auch Anhang IV).

  • Die Geschäftsleitung und der Mitarbeiterstab des IWF nehmen darüber hinaus an wirtschaftspolitischen Diskussionen der Finanzminister, Zentralbankgouverneure und anderer Beamten von Ländergruppen wie der Gruppe der sieben großen Industrieländer (G7), dem Forum für asiatisch-pazifische wirtschaftliche Zusammenarbeit und den mit der Europäischen Union assoziierten Maghreb-Staaten (Algerien, Marokko und Tunesien) teil.

Länderüberwachung

Ein Mitarbeiterteam des IWF trifft sich mit Vertretern der Regierung und der Zentralbank jedes Mitgliedslandes sowie mit anderen Gruppen, wie zum Beispiel Gewerkschaften, Arbeitgeberorganisationen, Akademikern, Gesetzgebern und Finanzmarktteilnehmern, um die wirtschaftliche Entwicklung und die Wirtschaftspolitik zu überprüfen. Diese Treffen finden in der Regel einmal jährlich statt (wenn notwendig gibt es zusätzliche Gespräche). Bei diesen Konsultationen werden die wesentlichen Aspekte der makroökonomischen und finanzsektorspezifischen Politik angesprochen. Es werden aber auch andere Politikmaßnahmen behandelt, die Einfluss auf die Wirtschaftsentwicklung haben, darunter, wenn relevant, Fragen der Strukturpolitik und der Regierungsführung.

Um die Grundlagen für die Länderüberwachung zu schaffen, besucht ein Mitarbeiterteam des IWF das Land, sammelt wirtschaftliche und finanzielle Informationen und erörtert mit den Behörden des Landes die aktuelle wirtschaftliche Entwicklung sowie die Geldund Haushaltspolitik und relevante Bereiche der Strukturpolitik, die das Land verfolgt. Der für das Land zuständige Exekutivdirektor nimmt in der Regel daran teil. Das Mitarbeiterteam des IWF erstellt gewöhnlich eine abschließende Erklärung (ein Memorandum). Darin werden die Diskussionen mit dem Mitgliedsland und die Erkenntnisse des Mitarbeiterteams zusammengefasst. Die Erklärung wird den Behörden des Landes übergeben, die die Möglichkeit haben, sie zu veröffentlichen. Nach der Rückkehr in die Zentrale verfassen die IWF-Mitarbeiter einen Bericht, in dem die wirtschaftliche Situation in dem Land und der Inhalt der wirtschaftspolitischen Diskussionen mit den Behörden des Landes beschrieben und die Wirtschaftspolitik beurteilt wird. Der Bericht wird dann vom Exekutivdirektorium, in dem alle Mitgliedsländer vertreten sind, erörtert. Das Land wird in der Direktoriumssitzung von seinem Exekutivdirektor vertreten. Die Äußerungen der Exekutivdirektoren während der Sitzung werden vom Vorsitzenden des Direktoriums (dem Geschäftsführenden Direktor) oder dem amtierenden Vorsitzenden (ein Stellvertretender Geschäftsführender Direktor) zusammengefasst, und es wird eine schriftliche Zusammenfassung erstellt. Wenn der Exekutivdirektor, der das Land vertritt, zustimmt, wird der gesamte Bericht über die Artikel-IV-Konsultation zusammen mit einer Öffentlichen Informationsmitteilung (PIN), die den zusammenfassenden Text der Direktoriumsaussprache und Hintergrundmaterial enthält, veröffentlicht. Andernfalls besteht die Möglichkeit, nur eine PIN zu veröffentlichen. Im Geschäftsjahr 2002 hat der IWF 130 Artikel-IV-Konsultationen mit Mitgliedsländern durchgeführt (siehe Tabelle 2.1). Die PINs und die Berichte über die Artikel-IV-Konsultationen werden auf der Webseite des IWF veröffentlicht.

Tabelle 2.1Im Geschäftsjahr 2002 abgeschlossene Artikel-IV-Konsultationen
LandDatum der

Direktoriumsaussprache
PIN

bekannt gegeben
Veröffentlichung

des Stabsberichts
Ägypten31. Oktober 20015. November 2001
Albanien13. Juli 200127. Juli 200127. Juli 2001
Algerien29. August 200119. September 200119. September 2001
Angola29. März 2002
Antigua and Barbuda15. März 2002
Aquatorialguinea31. August 200111. Oktober 2001
Armenien21. Mai 20012. April 20022, April 2002
Aruba22. August 20017. September 20017. September 2001
Aserbaidschan20. Februar 20028. März 20028. März 2002
Bahamas1. August 200114. August 200127. August 2001
Bangladesch29. April 200215. Mai 20027. Juni 2002
Barbados26. November 2001
Belarus23. Januar 200219. Februar 200219. Februar 2002
Belgien1. März 200213. März 200213. März 2002
Belize9. Juli 20012. August 200127. August 2001
Bhutan7. Mai 200123. Mai 2001
Bolivien8. Juni 200125. Juni 200125. Juni 2001
Bosnien und Herzegowina25. Februar 200222. März 200222. März 2002
Brasilien23. Januar 20027. Febniar 2002
Brunei Darussaiam4. März 2002
Burkina Faso2. Juli 200116. Juli 2001
Burkina Faso9, April 20021. Mai 20021. Mai 2002
Chile16. Juli 200127. Juli 200127. Juli 2001
China, Volksrepublik23. Juli 200124. August 2001
Costa Rica30. Juli 200124. April 200224. April 2002
Côtc d’Ivoire31. August 20012. Oktober 20012. Oktober 2001
Deutschland24. Oktober 20017. November 20017. November 2001
Dominica15. Juni 200113. Juli 200120. Juli 2001
Dschibuti30. November 2001
El Salvador23. Juli 2001
Eritrea26. November 2001
Estland27. Juni 20019. Juli 20019. Juli 2001
Finnland9. November 200121. November 200121. November 2001
Frankreich26. Oktober 200131. Oktober 20015. November 2001
Gabun1. April 20023. Mai 20023. Mai 2002
Gambia13. Juli 200126. Juli 200120. August 2001
Georgien26. Oktober 200131. Oktober 200126. November 2001
Ghana27. Juni 20019. August 20019. August 2001
Grenada11. Juli 200120. Juli 20011. August 2001
Griechenland22. Februar 20021. März 200215. März 2002
Guatemala14. Mai 200125. Mai 2001
Haiti18. Januar 20028. Februar 20028. Februar 2002
Honduras5. Oktober 200126. Oktober 2001
Indien20. Juni 200114. August 2001
Indonesien26. April 2002
Iran, Islamische Republik6. September 200118. September 2001
Irland1. August 200113. August 200113. August 2001
Island2. Mai 200124. Mai 200112. Juni 2001
Israel30. Juli 20016. August 20013. August 2001
Italien5. November 200120. November 200120. November 2001
Jamaika30. Mai 20016. Juni 200114. Juni 2001
Japan3. August 200110. August 200110. August 2001
Jordanien29. April 20023. Mai 2002
Kambodscha6. Februar 20021. März 20021. März 2002
Kamerun16. Juli 200126. Juli 20016. August 2001
Kanada4. Februar 200212. März 200212. März 2002
Kap Verde15. Juni 20013. Oktober 20013. Oktober 2001
Kasachstan23. Januar 20025. Februar 200219. März 2002
Kenia15. März 200219. April 200219. April 2002
Kirgisische Republik30. November 200119. Dezember 200119. Dezember 2001
Kiribati25. Juni 200121. September 200121. September 2001
Komoren18. Juli 200131. Juli 20019. August 2001
Kongo, Demokratische Republik13. Juli 200120. Juli 200130. Juli 2001
Kongo, Republik6. Februar 200225. Februar 2002
Korea11. Februar 200212. Februar 2002
Kuwait27. Juni 200129. Juni 200120. Juli 2001
Lesotho18. März 200221. März 20023. Mai 2002
Lettland18. Januar 200225, Januar 200225. Januar 2002
Libanon17. Oktober 200129. Oktober 2001
Liberia25. Februar 200218. Juli 200218. Juli 2002
Litauen16. Januar 200224. Januar 200224. Januar 2002
Madagaskar5. Dezember 200113. Dezember 2001
Malaysia29. August 20012. November 2001
Malediven30. August 2001
Mali17. Dezember 20019. Januar 20029. Januar 2002
Malta30. Juli 20013. August 20013. August 2001
Marokko11. Juli 20012. August 200113. November 2001
Marshallinseln18. Januar 200222. Februar 2002
Mauretanien9. Mai 2001
Mauritius14. Mai 200122. Mai 200122. Mai 2001
Mazedonien, e. j. R.4. März 20028. März 20028. März 2002
Mexiko2. August 200127. September 200125. Oktober 2001
Namibia11. Februar 200222. Februar 2002
Nepal31. August 200121. September 20013. Oktober 2001
Neuseeland22. März 200227. März 200227. März 2002
Nicaragua19. September 20012. Oktober 20012. Oktober 2001
Niederlande6. Juni 20016. Juli 20016. Juli 2001
Niederländische Antillen7. Mai 200117. Mai 200117. Mai 2001
Niger8. Februar 20021. März 20021. März 2002
Nigeria29. Juni 20016. August 20016. August 2001
Norwegen1. März 20027. März 20027. März 2002
Österreich11. Juni 200114. Juni 200114. Juni 2001
Palau4. Januar 200228. März 200228. März 2002
Paraguay11. Mai 200118. Mai 200115. Juni 2001
Portugal25. März 200226. April 200226. April 2002
Russische Föderation8. März 20024. April 20024. April 2002
Sambia7. November 20016. Dezember 2001
Samoa9. Mai 200111. Juli 2001
San Marino5. Dezember 200121. Dezember 200121. Dezember 2001
Säo Tome und Principe30. Januar 200228. Februar 200228. Februar 2002
Saudi Arabien10. Oktober 20017. November 2001
Schweden31. August 200125. September 200125. September 2001
Schweiz9. Mai 200121. Mai 200121. Mai 2001
Senegal28. September 200118. Oktober 200124. Oktober 2001
Sierra Leone11. März 2002
Simbabwe14. Dezember 200119. Juni 200225. Juni 2002
Singapur25. Juni 2001
Slowakische Republik27. Juli 20011. August 20016. August 2001
Slowenien11. Mai 200121. Mai 200121. Mai 2001
Slowenien20. März 20024. April 20024. April 2002
Spanien1. Februar 200228. Februar 200213. März 2002
St. Vincent und die Grenadint28. Januar 200219. Februar 200219. Februar 2002
Sudan14. November 2001
Suriname9. Mai 200124. Mai 2001
Swasiland20. März 2002
Syrien, Arabische Republik3. Dezember 2001
Tansania24. September 2001
Thailand2. August 200116. August 2001
Tonga4. September 200131. Oktober 2001
Trinidad und Tobago6. Juli 200117. Juli 200124. Juli 2001
Tschad16. Januar 200225. Februar 200225. Februar 2002
Tschechische Republikl6. Juli 200125. Juli 200125. Juli 2001
Türkei15. April 200219. April 20025. Juli 2002
Ukraine24. April 20028. Mai 200216. Juli 2002
Ungarn4. Mai 200118. Mai 2001
Usbekistan11. März 2002
Vereinigte Arabische Emirate12. Oktober 2001
Vereinigte Staaten27. Juli 200114. August 200114. August 2001
Vereinigtes Königreich4. März 20027. März 20027. März 2002
Vietnam21. November 20014. Januar 20029. Januar 2002

Kasten 2.1Überprüfung der IWF-Überwachung im zweijährigen Turnus

Das Exekutivdirektorium überprüft etwa alle zwei Jahre die Grundsätze und die Durchführung der Überwachung durch den IWF. Die jüngste Zweijahresüberprüfung der Überwachungsaktivitäten wurde im April 2002 weitgehend abgeschlossen. Bei der Über prüfung wurde die evolutionäre Entwicklung der Überwachung im Hinblick aul den Rahmen, in dem sie stattfindet, und auf ihre Durchführung untersucht.

Die Direktoren stellten fest, dass weitere Diskussionen zur Überprüfung der Überwachung und über verschiedene damit zusammenhängende Fragen, einschließlich der Transparenzpolitik des IWF, geführt würden. Die bisherige Überprüfung habe schon eine Reihe von wichtigen Ergebnissen gebracht. Erstens habe sich der Themenbereich der Überwachung im Laufe der Jahre vergrößert, und zwar ausgehend von der Konzentration auf den engeren Bereich der Geld-, Finanz- und Wechselkurspolitik hin zu einem breiteren Untersuchungsrahmen, der die Bewertung der externen Anfälligkeit, die Analyse der externen Schuldentragfähigkeit, die Anfälligkeit des Finanzsektors sowie strukturpolitische und institutionelle Maßnahmen (siehe Kapitel 3) umfasse. Dabei wurde festgestellt, dass der verbreiterte Rahmen eine notwendige und angemessene Anpassung der Überwachung an ein sich änderndes globales Umfeld darstelle, insbesondere an die schnelle Ausweitung der internationalen Kapitalströme. Zweitens habe die Überwachung des IWF im Allgemeinen erfolgreich diesen breiteren Bereich abgedeckt, ohne an Zielorientierung zu verlieren. Die bei den einzelnen Artikel-IV-Konsultationen behandelten Fragen würden im Allgemeinen nach ihrer makroökonomischen Bedeutung in dem jeweiligen länderspezifischen Kontext festgelegt. Das derzeitige System der multilateralen (oder globalen) Überwachung funktioniere gut und die multilaterale Überwachung der Kapitalmärkte werde durch die Einrichtung der Abteilung Internationale Kapitalmärkte (ICM) verbessert.

Vor dem Hintergrund dieser Gesamtbetrachtung des Untersuchungsbereichs und der Zielorientierung wurde eine Reihe von spezifischen Aspekten aufgelistet, die weitere Anstrengungen erfordern, um eine solide und überzeugende Politikberatung des IWF zu gewährleisten.

  • Offenere und umfassendere Beurteilungen der Wechselkursregime und der Wechselkurse innerhalb des Rahmens der makroökonomischen Politik sollten normale Praxis bei allen Mitgliedsländern werden.

  • Die Behandlung von Fragen des Finanzsektors sollte der Behandlung anderer Bereiche der Überwachung angeglichen werden. Die freiwillige Teilnahme an den Programmen zur Bewertung des Finanzsektors (FSAPs) habe eine vertiefte Erörterung von Fragen des Finanzsektors ermöglicht. Wenn ein Land jedoch nicht an dem FSAP teilnehme, variiere die Qualität der Überwachung des Finanzsektors unter den Mitgliedsländern. Mechanismen zur Verbesserungdieser Situation müssten gefunden werden.

  • Zur besseren Beurteilung der Anfälligkeit müsse die Analyse der Schuldentragfähigkeit, insbesondere durch aussagefähige Belastungstests und Alternativszenarien, verbessert werden. Außerdem müsse der Belastbarkeit der Bilanzen des privaten Sektors bei Schocks, die von den Zinssätzen, den Wechselkursen und dem allgemeinen makroökonomischen Umfeld ausgehen, mehr Aufmerksamkeit geschenkt werden. Das gleiche gelte für die Erhebung von Daten zur Beurteilung der Anfälligkeit.

  • Die Behandlung institutioneller Fragen, wie zum Beispiel die Regierungs- und Unternehmensfuhrung in bestimmten Ländern, werde gelegentlich durch einen Mangel an Expertise behindert und sollte verstärkt werden. Berichte über die Einhaltung von Standards und Kodizes (ROSCs) und generell die Arbeit an den Standards und Kodizes leisteten einen wichtigen Beitrag zum Erreichen dieses Ziels.

  • Strukturpolitische Fragen außerhalb der traditionellen Expertise des IWF seien zeitweise von zentraler Bedeutung für die makroökonomische Situation eines Landes und müssten daher vom IWF behandelt werden. Um mit solchen Fällen umgehen zu können, sollte der IWF die Expertise kompetenter Institutionen, insbesondere der Weltbank, wirksam nutzen.

  • In einzelnen Fällen und Bereichen gebe es einen gewissen Spielraum für die Verbesserung der Zielorientierung der Überwachung. Insbesondere die Erörterung der Handelspolitik sollte durch eine Konzentration auf Länder verstärkt werden, deren Handelspolitik entweder einen gewichtigen globalen beziehungsweise regionalen Einiluss oder signifikante negative Auswirkungen auf die inländischen makroökonomischen Aussichten habe.

  • Die Ergebnisse der multilateralen (oder globalen) Überwachung und der komparative Vorteil des IWF bei der vergleichenden Länderanalyse sollten umfassend und konsistent in die bilaterale (Länder-) Überwachung einfließen. Im Rahmen der Artikel-IV-Konsultationen mit den einzelnen Ländern sollte den systemischen Auswirkungen von Politikentscheidungen der größten Volkswirtschaften weiterhin besondere Aufmerksamkeit geschenkt werden.

  • Artikel-IV-Konsultationen mit Ländern, die ein IWF-unterstütztes Programm in Anspruch genommen haben, sollten eine effektive Neubeurteilung der aktuellen Wirtschaftslage und der Wirtschaftspolitik liefern. Dies erfordere eine neue Perspektive und eine angemessene Distanz von der alltäglichen Programmumsetzung.

Die Direktoren hoben hervor, dass der IWF in vielen Fällen die solide Politikberatung im Hinblick auf wirtschaftspolitische Ziele um Diskussionen mit den Behörden der Länder über alternative Wege zur Erreichung dieser Ziele ergänzen könne. Ein wichtiger Bestandteil solcher Diskussionen seien Erörterungen von sozialen, politischen und institutionelle Faktoren, um die Akzeptanz von Poltikempfehlungen zu verbessern und die Wahrscheinlichkeit einer erfolgreichen Politikumsetzung zu erhöhen.

Kasten 2.2Der IWF beginnt mit der Herausgabe des vierteljährlichen Berichts über die globalen Finanzmärkte

Am 14. März 2002 gab der IWF erstmals den Bericht zur Stabilität des globalen Finanzsystems (Global Financial Stability Report) heraus, der eine neue Publikation über den Zustand des Weltfinanzsystems darstellt. Der Bericht, der vierteljährlich veröffentlicht wird, zielt darauf ab, als Bestandteil der vom IWF intensivierten Beobachtung der Finanzmärkte aktuell und umfassend über die entwickelten und aufstrebenden Finanzmärkte zu informieren.

Die rasche Expansion der Finanzmärkte im vergangenen Jahrzehnt unterstreicht die Rolle der Finanzströme des privaten Sektors als Motor des weltwirtschaftlichen Wachstums. Diese Finanzströme können aber auch im Zentrum krisenhafter Entwicklungen stehen. Um zukünftigen Krisen entgegenzuwirken, versucht der Bericht zur Stabilität des globalen Finanzsystems die Kenntnisse der politischen Entscheidungsträger über mögliche Mängel im System zu vertiefen und Schwachstellen zu identifizieren, die potenzielle Krisenaustlöscr sein könnten.

In der Ausgabe vom März 2002 wurde die Stabilität des internationalen Finanzsystems vor dem Hintergrund eines beginnenden globalen Wirtschaftsaufschwungs beurteilt. Dabei wurde den Risiken einer sich langsamer als erwartet entfaltenden Erholung und der jüngst stark zunehmenden Verwendung von komplexen Verfahren zur Übertragung von Kreditrisiken, wie z.B. Kreditderivate und Schuldenswaps, besondere Aufmerksamkeit geschenkt. In dem Bericht wurde außerdem die Genauigkeit von ausgewählten Frühwarnsystemen, d. h. von statistischen Modellen zur Vorhersage von Finanzkrisen, untersucht und alternative Verschuldungsinstrumente geprüft, die Kreditnehmer aus aufstrebenden Marktwirtschaften einsetzen könnten, um Mittel an den globalen Kapitalmärkten aufzunehmen.

Der Bericht wird von der Abteilung des IWF für internationale Kapitalmärkte erstellt. Diese Abteilung wurde im Jahr 2001 eingerichtet, um die Aktivitäten des IWF im Bereich der Überwachung, Krisenprävention und Krisenbewältigung zu verstärken. Er ersetzt sowohl den jährlichen Bericht über die internationalen Kapitalmärkte (International Capital Markets report), der seit 1980 veröffentlicht wurde, als auch den vierteljährlichen Bericht über die Finanzierung der aufstrebenden Markwirtschaften (Emerging Markets Financing report), der seit dem Jahr 2000 publiziert wurde.

(Weitere Einzelheiten der bilateralen Überwachung des IWF, wie zum Beispiel Programme zur Bewertung der Stabilität des Finanzsystems, finden sich in Kapitel 3 unter „Krisenprävention”.) Zusätzlich beurteilt das Direktorium die Wirtschaftslage und -politik von Mitgliedsländern, die Mittel vom IWF ausleihen, im Rahmen von Diskussionen über die Kreditvereinbarungen, mit denen die Wirtschaftsprogramme von Mitgliedsländern unterstützt werden (siehe Kapitel 4).

Globale Überwachung

Bei der Durchführung der globalen Überwachung stützt sich das Exekutivdirektorium im Wesentlichen auf Berichte des Mitarbeiterstabs über die weltwirtschaftlichen Aussichten und die internationalen Finanzmärkte sowie auf die Aussprachen über die Entwicklungen in der Weltwirtschaft und auf den Finanzmärkten (siehe Kasten 2.2).

Weltwirtschaftliche Aussichten

Die Berichte über die weltwirtschaftlichen Aussichten (World Economic Outlook) beinhalten umfassende Analysen über die Perspektiven der Weltwirtschaft, einzelner Länder und Regionen und untersuchen auch aktuelle Fragestellungen. Diese Berichte werden vom Mitarbeiterstab des IWF erstellt und vom Exekutivdirektorium in der Regel zweimal jährlich erörtert (und später veröffentlicht). Sie können aber auch häufiger angefertigt und erörtert werden, wenn rasche Veränderungen der weltwirtschaftlichen Lage dies notwendig erscheinen lassen.

Das Direktorium diskutierte im Geschäftsjahr 2002 drei Berichte über die weltwirtschaftlichen Aussichten. Zwei regelmäßige Diskussionen fanden im September 2001 und im März 2002 statt; eine dritte Aussprache wurde im Dezember 2001 nach den Terroranschlägen in den Vereinigten Staaten am 11. September 2001 geführt. In den beiden Diskussionen im Kalenderjahr 2001 standen die Anzeichen für eine Abschwächung des weltwirtschaftlichen Wachstums, die durch die Ereignisse vom 11. September erheblich, wenn auch nur temporär, verstärkt wurden, im Mittelpunkt. Im März 2002 lagen jedoch ermutigende Anzeichen vor, dass die Abschwächung ihren Tiefpunkt erreicht hatte und das globale Wirtschaftswachstum wieder anzog.

Bei der Erörterung des Berichts über die weltwirtschaftlichen Aussichten im September 2001 stimmte das Direktorium darin überein, dass sich die Perspektiven für das weltweite Wachstum seit der Veröffentlichung des vorangegangenen Berichts über die weltwirtschaftlichen Aussichten im Mai eingetrübt hätten. Die Direktoren verwiesen insbesondere auf den substanziellen Wachstumsrückgang in den Vereinigten Staaten im vergangenen Jahr, eine ernsthafte Verschlechterung der wirtschaftlichen Aussichten in Japan, eine schwächere Konjunkturlage und ungünstigere Aussichten in Europa sowie eine Reduzierung der Projektionen für das Wachstum der meisten Entwicklungsländer. Sie stellten fest, dass das langsamere BIP-Wachstum in nahezu allen Regionen mit einem starken Rückgang des Handelswachstums einhergegangen sei. Die Finanzierungsbedingungen für aufstrebende Marktwirtschaften hätten sich ebenfalls verschlechtert, doch sahen es die Direktoriumsmitglieder als ermutigend an, dass die Ansteckungseffekte geringer als in früheren Phasen gewesen seien.

Die Direktoren merkten an, dass eine Reihe von miteinander verbundenen Faktoren zu der Abschwächung beigetragen habe. Dazu zählten eine Neubewertung der Ertragskraft der Unternehmen und die damit einhergehende Anpassung der Aktienkurse, höhere Energie- und Nahrungsmittelpreise sowie die Straffung der Geldpolitik zur Eindämmung des Nachfragedrucks in den Vereinigten Staaten und in Europa. Aus einer breiteren Perspektive sei die unerwartet rasche Abschwächung auch eine Folge der immer deutlicher werdenden intensiven grenzüberschreitenden Handels- und Finanzverbindungen zwischen den Ländern.

In ihrer Sitzung im Dezember 2001 über die revidierten Projektionen für den Bericht über die weltwirtschaftlichen Aussichten erörterten die Direktoren die Auswirkungen der Anschläge vom 11. September auf die Weltwirtschaft. Sie stellten dabei fest, dass es vor den Anschlägen dem Anschein nach begründete Aussichten für einen Aufschwung im späteren Verlauf des Jahres 2001 gegeben habe. Neuere Daten, auf die sich der Zwischenbericht über die revidierten weltwirtschaftlichen Aussichten stütze, deuteten jedoch darauf hin, dass die Lage vor den Anschlägen in vielen Regionen, darunter die Vereinigten Staaten, Europa und Japan, schwächer gewesen sei als zuvor prognostiziert. Die Direktoren zogen daraus den Schluss, dass die tragischen Ereignisse des 11. September eine bereits sehr schwierige Situation für die Weltwirtschaft noch verschärft hätten.

Die Direktoren stellten fest, dass das Vertrauen der Verbraucher und der Unternehmen auf der ganzen Welt nach den Anschlägen vom 11. September weiter gesunken sei. Es habe insbesondere in den Vereinigten Staaten eine deutliche Primärwirkung auf Nachfrage und Produktion gegeben. An den Finanzmärkten sei es sowohl an den reifen als auch an den aufstrebenden Märkten zu einer allgemeinen Umschichtung weg von risikoreichen Vermögenswerten gekommen, was zu einer substanziellen Verschlechterung der Finanzierungsbedingungen für aufstrebende Marktwirtschaften geführt habe. Zwischen Ende September und Anfang Dezember 2001 hätten die Finanzmärkte jedoch an Stärke gewonnen, da sich die Aktienmärkte erholt hätten und die „Flucht in die Qualität” umkehrt worden sei. Es habe nur moderate Bewegungen der Wechselkurse der bedeutenden Währungen gegeben, während die Preise für Rohstoffe, insbesondere für Erdöl, vor dem Hintergrund der schwächeren Aussichten für das weltweite Wachstum weiter gefallen seien.

Die wirtschaftliche Abschwächung und die sich verschlechternden Finanzierungsbedingungen hätten, so die Direktoren, ungünstige Auswirkungen auf viele aufstrebende Marktwirtschaften aehabt. Die Netto-Kapitalströme, einschließlich ausländischer Direktinvestitionen, seien eingeschränkt worden. Diejenigen Länder, die substanzielle externe Finanzmittel benötigten, seien für Neubewertungen der Wirtschaftsausichten und für weitere Schocks an den internationalen Kapitalmärkten anfällig geworden.

Die Direktoriumsmitglieder äußerten sich besorgt darüber, dass die Entwicklungsländer und insbesondere die ärmsten Länder durch die schwächere externe Nachfrage und fallende Rohstoffpreise in Mitleidenschaft gezogen würden, wobei die Erdöl exportierenden Länder besonders betroffen seien. Exportländer von Nicht-Öl-Rohstoffen erlitten ebenfalls durch den weiteren Fall der bereits niedrigen Preise Verluste, obwohl bei einigen dieser Länder die Minderausgaben auf Grund der niedrigeren Ölpreise die Ausweitung des externen Finanzierlingsbedarfs begrenzten. Vor diesem Hintergrund vertraten die Direktoren die Ansicht, dass die Aussichten für die einzelnen Länder stark variierten, obwohl für die Gruppe insgesamt ein vergleichsweise hohes Wachstum prognostiziert werden könne.

Angesichts des begrenzten Handlungsspielraums der Geldpolitik in dem zu dieser Zeit durch schwaches Vertrauen und Überkapazitäten gekennzeichneten Umfeld stimmten die meisten Direktoren bei der Diskussion im Dezember darin überein, dass die Finanzpolitik, insbesondere durch das Wirkenlassen der automatischen Stabilisatoren, ebenfalls eine Rolle spielen sollte.

Die Direktoren wiesen auch daraufhin, dass die bei dem Treffen der Welthandelsorganisation in Doha, Katar (siehe Kasten 2.3) im November 2001 erreichte Vereinbarung, neue Verhandlungen über den Welthandel zu beginnen, von besonderer Bedeutung sei, da hiervon auf mittlere Sicht ein substanzieller Beitrag für das weltweite Wachstum zu erwarten sei.

Zum Zeitpunkt der Diskussion des Direktoriums im März 2002 sei eine spürbare Verbesserung der weltwirtschaftlichen Aussichten zu beobachten. Die Direktoren begrüßten die zunehmenden Anzeichen dafür, dass die Abschwächung seit Dezember 2001 die Talsohle überwunden habe und dass eine globale Erholung eingesetzt habe. Anzeichen für diese Erholung gebe es in den Vereinigten Staaten und in Kanada sowie zu einem geringeren Maße in Europa und in einzelnen Ländern in Asien. Die Finanzmärkte hätten sich nach dem Schock vom 11. September deutlich erholt, die Rohstoffpreise hätten zu steigen begonnen und die Finanzierungsbedingungen für aufstrebende Marktwirtschaften hätten sich deutlich verbessert. Gleichwohl bestünden immer noch ernste Besorgnisse bezüglicheiner Reihe von Ländern, insbesondere in Japan und Argentinien.

Die Direktoren stellten fest, dass verschiedene Faktoren die Erholung unterstützten. Am bedeutendsten sei die erhebliche Lockerung der makroökonomischen Politik in den fortgeschrittenen Volkswirtschaften, insbesondere in den Vereinigten Staaten, aber auch in einer Reihe von aufstrebenden Marktwirtschaften, vor allem in Asien. Der Spielraum für eine derartige wirtschaftspolitische Unterstützung sei früheren Fortschritten zu verdanken, die bei der Senkung der Inflation, der Verbesserung der öffentlichen Finanzen und der Verringerung anderer Quellen der Anfälligkeit erzielt worden seien. Diese hätten die Mitgliedsländer in die Lage versetzt, umgehend und wirksam auf die schwierige Situation zu reagieren, der sich die Weltwirtschaft im vergangenen Jahr gegenüber gesehen habe. Die Direktoren merkten ferner an, dass die Anpassung der Lagerbestände in den Vereinigten Staaten und einzelnen anderen fortgeschrittenen Volkswirtschaften anscheinend weit vorangekommen sei und dass dies ebenfalls dazu beitragen werde, die Produktion in den folgenden Monaten zu steigern. Die Erholung in den großen Währungsgebieten sei auch durch den niedrigen Ölpreis unterstützt worden, wenngleich dieser Faktor nach den starken Preiserhöhungen seit Ende Februar 2002 als weniger bedeutend einzustufen sei. Die Direktoren hoben die Bedeutung stabiler Ölpreise für eine dauerhafte weltwirtschaftliche Erholung hervor.

Insgesamt stimmten die Direktoren darin überein, dass die Risiken für die Weltwirtschaft seit der Diskussion im Dezember 2001 ausgewogener seien. Tatsächlich seien aktuelle Indikatoren für das Vertrauen, die Beschäftigung und die Produktion in den Vereinigten Staaten überraschend positiv und deuteten darauf hin, dass der Aufschwung stärker sein dürfte als zuvor angenommen.

Gleichzeitig, so die Direktoren, erfordere eine Reihe potenzieller Abwärtsrisiken stete Aufmerksamkeit. Erstens habe es zum Teil auf Grund der synchronen Abschwächung nur einen vergleichsweise geringen Fortschritt beim Abbau der hartnäckigen Ungleich – gewichte in der Weltwirtschaft gegeben; dazu zählten insbesondere das hohe Leistungsbilanzdefizit der USA und die Überschüsse anderer Länder, die niedrige private Sparquote in den USA, die offensichtliche Überbewertung des US-Dollars und die Unterbewertung des Euro sowie die relativ hohe Verschuldung der Haushalte und Unternehmen in einer Reihe von Ländern. Da die Vereinigten Staaten den Aufschwung anführten, könnten diese Ungleichgewichte nach Ansicht der Direktoren zumindest kurzfristig weiter zunehmen.

Bei der Diskussion der Folgen dieser zu erwartenden Tendenzen für die globalen Perspektiven stellten die Direktoren fest, dass anhaltend günstige Aussichten für das Produktivitätswachstum in den USA und für Kapitalzuflüsse das Risiko einer ungeordneten Verringerung der Leistungsbilanz-Ungleichgewichte reduzieren könnten. Die meisten Direktoren stimmten dahingehend überein, dass die Wirtschaftspolitik und insbesondere die Strukturpolitik in den großen Währungsgebieten so gestaltet werden solle, dass sie eine geordnete Verringerung der Leistungsbilanz-Ungleichgewichte gewährleiste, was die Dauerhaftigkeit des globalen Aufschwungs verbessere.

Die Direktoren stellten eine zweite Risikoquelle fest. Die globalen Aktienkurse erschienen infolge der starken Aufwärtsbewegung in den vergangenen Monaten erneut als teuer bewertet. Dies könne übermäßig optimistische Erwartungen hinsichtlich der Unternehmensgewinne widerspiegeln. Sollte das Gewinnwachstum enttäuschend ausfallen, gebe es erneute Risiken für einen Rückschlag an den Finanzmärkten sowie für eine Abschwächung des Vertrauens und der Produktion. Die Untersuchung des Einflusses von Preisen für Vermögenswerte auf den Konsum, die im Kapitel 2 des Berichts über die weltwirtschaftlichen Aussichten vom April 2002 vorgestellt werde, deute daraufhin, dass die Preise für Vermögenswerte, insbesondere die Aktienkurse, im Laufe der Zeit als Bestimmungsfaktor der Konsumausgaben an Bedeutung gewonnen hätten. Vor dem Hintergrund einer alternden Bevölkerung in den Industrieländern und der weiteren Finanzmarktentwicklung werde sich dieser Trend voraussichtlich fortsetzen. Daraus lasse sich schließen, dass die Entwicklung der Preise für Vermögenswerte für die Formulierung der makroökonomischen Politik immer wichtiger werde.

Zu den von den Direktoren besonders hervorgehobenen Besorgnissen zählten die ungünstigen Effekte, die die anhaltenden wirtschaftlichen Schwierigkeiten in Japan und Argentinien – obgleich sie unterschiedlicher Art seien – auf andere Länder in diesen Regionen haben könnten. Die meisten Direktoren bedauerten die Entscheidung der US-Behörden Anfang 2002, die Zölle auf Stahlimporte zu erhöhen, sowie die zu erwartenden Gegenmaßnahmen anderer Länder. Sie bekräftigten, wie wichtiges für alle Länder ist, protektionistischen Forderungen zu widerstehen und sicherzustellen, dass substanzielle Fortschritte bei den multilateralen Handelsgesprächen im Rahmen der Doha-Runde erzielt werden.

Die Direktoren waren sich einig, dass die makroökonomische Politik in den meisten Industrieländern generell eine unterstützende Rolle für den sich entwickelnden Aufschwung spielen sollte. Sie wiesen aber darauf hin, dass mit Ausnahme Japans kein Bedarf für eine zusätzliche Lockerung der Politik erkennbar sei und dass in Ländern, in denen der Aufschwung weiter fortgeschritten sei, die Aufmerksamkeit sich rechtzeitig auf die Umkehr der früheren geldpolitischen Lockerung richten solle. Auf mittlere Sicht solle die Wirtschaftspolitik versuchen, ein dauerhaftes Wachstum zu fördern, und dabei eine geordnete Verringerung der globalen Ungleichgewichte anstreben. Dies erfordere weitere Strukturreformen zur Anregung des Wachstums im Eurogebiet und in einigen aufstrebenden Marktwirtschaften in Asien, entschlossene Maßnahmen in Japan zur Wiederbelebung der Wirtschaft und die Erreichung der mittelfristigen haushaltspolitischen Ziele in den Vereinigten Staaten. Die Direktoren betonten auch, wie wichtig es sei, den Aufschwung zu nutzen, um weitere Fortschritte bei der Verringerung der Anfälligkeit zu erzielen. Dazu zählten verstärkte Anstrengungen zur Lösung der wachsenden Probleme durch die Alterung der Bevölkerung in den Industrieländern, nachhaltige Bemühungen, um ausgeglichene Haushalte im Eurogebiet zu erreichen, die Entwicklung eines mittelfristigen Plans zur Haushaltskonsolidierung in Japan, die Reform des Unternehmens- und Finanzsektors in Asien und mittelfristige Anstrengungen zur Verbesserung der Haushaltspositionen in China, Indien und vielen lateinamerikanischen Ländern.

Die Direktoren waren sich einig, dass ein dauerhaftes und breitfundiertes Wachstum von entscheidender Bedeutung sei, um einen höheren Lebensstandard zu erreichen und die Armut in den Entwicklungsländern dauerhaft zu verringern. Sie stellten fest, dass das BIP Wachstum in Afrika südlich der Sahara trotz ermutigender Fortschritte in einer Reihe von Ländern deutlich unter dem geblieben sei, was für eine spürbare Armutsverringerung notwendig sei. Die nationale Politik müsse eine führende Rolle bei der Verbesserung der wirtschaftlichen Entwicklung spielen. Erforderlich seien insbesondere Politikmaßnahmen zur Verbesserung der Bedingungen für die Ersparnisbildung, Investitionen und privatwirtschaftliche Aktivitäten. Dabei sei eine stärkere internationale Unterstützung für eine solide Wirtschaftspolitik sehr wichtig. In diesem Zusammenhang begrüßten die Direktoren die Fortschritte der Konferenz über Entwicklungsfinanzierung in Monterrey, Mexiko, im März 2002 (siehe Kasten 5.6), wozu die Ankündigung von erhöhten Zielen für die Entwicklungshilfe der Europäischen Union und der Vereinigten Staaten gehöre. Sie betonten dabei besonders die vitale Bedeutung des Abbaus handelsverzerrender Subventionen und der Gewährung eines besseren Zugangs für Exporte aus Entwicklungsländern zu den Weltmärkten.

Die großen Währungsgebiete. Im Hinblick auf die Aussichten für die wichtigsten Währungsgebiete stimmten die Direktoren darin überein, dass die jüngsten Indikatoren zunehmend eine Erholung in den Vereinigten Staaten anzeigten. Das Vertrauen und die Aktienmärkte hätten sich erholt, die Ausgaben der privaten Haushalte seien auf hohem Niveau geblieben, und die Industrieproduktion habe sich stabilisiert. Einige Direktoren merkten an, dass die Produktion noch schneller als derzeit prognostiziert ansteigen könnte, insbesondere auf Grund des Umfangs der geplanten Konjunkturmaßnahmen und der anhaltenden Stärke des Produktivitätswachstums. Einige andere Direktoren wiesen jedoch auf die Möglichkeit hin, dass der Aufschwung weniger dauerhaft oder weniger robust ausfallen könnte, wenn beispielsweise schwache Unternehmensgewinne oder Überkapazitäten die Investitionen bremsten, die Aktienkurse die jüngsten Steigerungen nicht halten könnten oder wenn die privaten Haushalte mehr sparten.

Angesichts der ausgeglichenen Risiken unterstützten die Direktoren die Entscheidung des Direktoriums der US-Notenbank, die Zinssätze zunächst unverändert zu lassen. Sie äußerten die Auffassung, dass die Geldpolitik nicht vorzeitig gestrafft werden solle, dass aber eine gewisse Straffung notwendig würde, wenn sich das Wachstum weiter verstärke. Sie stimmten ferner darin überein, dass weitere fiskalische Anreize gegenwärtig nicht erforderlich seien. Die Direktoren erkannten zwar an, dass die Verschlechterung der Haushaltssituation im Verlauf des vergangenen Jahres auf einer Kombination von verschiedenen Faktoren beruhe; hierzu zählten die Steuersenkungen, das konjunkturpolitisch motivierte Ausgabenpaket sowie die nach dem 11. September erfolgten Notfall- und Sicherheitsausgaben. Sie wiesen aber daraufhin, dass der Zeitpunkt gekommen sei, um die Aufmerksamkeit auf mittelfristige Maßnahmen zu richten, die das Haushaltsgleichgewicht sicherten und dem vom sozialen Sicherungssystem herrührenden Ausgabendruck begegneten.

Die Direktoren äußerten sich sehr besorgt über die wirtschaftliche Lage und die Aussichten in Japan. Die Volkswirtschaft des Landes befinde sich in der dritten Rezession innerhalb eines Jahrzehnts. Das Vertrauen und die Produktion seien nach wie vor sehr schwach, und der Bankensektor sei schweren Belastungen ausgesetzt. Die Direktoren begrüßten zwar die ergriffenen Initiativen und stellten einige Anzeichen für ein mögliches Auslaufen des Produktionsrückgangs fest, sie forderten aber die Behörden auf, entschlossen Maßnahmen voranzutreiben, die auf eine Umstrukturierung des Banken- und Unternehmenssektors abzielten und von zentraler Bedeutung für die Wiedergewinnung von Vertrauen und für die Wiederherstellung solider Wachstumsperspektiven seien. Wenngleich nur wenig Spielraum für weitere makroökonomische Anreize vorhanden sei, solle die Geldpolitik den Direktoren zufolge weiter auf die Beendigung der Deflation hinwirken. Vor dem Hintergrund der hohen öffentlichen Verschuldung und steigender langfristiger Zinssätze betonten die Direktoren die Notwendigkeit, dass sich die Behörden eindeutig und glaubwürdig zu einer mittelfristigen Haushaltskonsolidierung verpflichteten. Diese müsse durch Reformen des Steuersystems, der öffentlichen Unternehmen und des Gesundheitssektors unterstützt werden.

Die Direktoren zeigten sich ermutigt davon, dass die jüngsten Umfragen zum Geschäftsklima und das Anziehen der Industrieproduktion auf einen beginnenden Aufschwung im Eurogebict hindeuteten. Dieser Aufschwung werde voraussichtlich etwas langsamer vorankommen und später als in den Vereinigten Staaten beginnen. Eine Reihe von Direktoriumsmitgliedern hob den Beitrag hervor, den die starken Fundamentaldaten in Europa für die globale Stabilität geleistet hätten. Autbauend auf jüngsten Fortschritten solle zusätzlichen Reformmaßnahmen zur Unterstützung eines starken und dauerhaften Aufschwungs jedoch weiterhin höchste Priorität eingeräumt werden. Die Direktoren betonten, dass die Volkswirtschaften des Eurogebiets die Strukturreformen, insbesondere im Finanzsektor, auf den Arbeitsmärkten und bei den Rentenversicherungssysiemen vorantreiben müssten. Sie merkten an, die Einführung der Eurobanknoten und –münzen im Januar 2002 bedeute, dass solche Strukturreformen jetzt noch günstigere Auswirkungen hätten. Die Direktoren unterstützten den geldpolitischen Kurs der Europäischen Zentralbank, die darauf abziele, die Zinssätze unverändert zu lassen, gleichzeitig aber bereit sei, sich je nach makroökonomischer Entwicklung in verschiedene Richtungen zu bewegen. Zur Finanzpolitik merkten sie an, dass Länder mit großen strukturellen Defiziten ihre Haushaltslage verbessern sollten, wenn sich das Wachstum beschleunige. Damit solle sowohl ein Spielraum für das Greifen der automatischen Stabilisatoren bei einer nachfolgenden Abschwächung geschaffen als auch dem von der alternden Bevölkerung ausgehenden Druck auf die öffentlichen Haushalte begegnet werden.

Aufstrebende Marktwirtschaften. Die Direktoren vertraten die Auffassung, dass der bevorstehende Aufschwung in den Industrieländern – neben weiteren Anstrengungen zur Stärkung der wirtschaftlichen Fundamentalfaktoren zur Verringerung der Anfälligkeit und zur Erhöhung des Produktivitätswachstums – die Produktion in den aufstrebenden Marktwirtschaften merklich beleben werde. In Asien, das mit Ausnahme Chinas und Indiens besonders hart von der globalen Abschwächung betroffen sei, gebe es klare Anzeichen für einen Konjunkturaufschwung, der auch durch die gerade in Gang gekommene Erholung des Elektroniksektors und eine lockerere makroökonomische Politik in einer Reihe von Ländern gefördert werde. Die beginnende Erholung müsse durch anhaltende Reformen in der ganzen Region, insbesondere im Finanz- und Unternehmenssektor, unterstützt werden. Die Direktoren betrachteten im Falle Indiens strukturelle Reformen der öffentlichen Finanzen als notwendig, um die erforderliche substanzielle Haushaltskonsolidierung zu bewerkstelligen, während China Reformen auf den Weg bringen müsse, um den wettbewerblichen Herausforderungen auf Grund der Mitgliedschaft in der WTO und vor allem den Schwierigkeiten bei den staatseigenen Unternehmen, im Bankensektor und im System der Rentenversicherung zu begegnen.

Die Direktoren erörterten die gemischten Aussichten für Lateinamerika. Sie stellten besorgt fest, dass die Situation in Argentinien sehr schwierig bleibe und dass ein erheblicher Produktionseinbruch im Jahr 2002 unvermeidbar erscheine. Die Direktoren nahmen die von den Behörden unternommenen Schritte zur Überwindung der schwierigen Wirtschaftslage zur Kenntnis, betonten aber auch die Notwendigkeit, das Haushaltsdefizit zu begrenzen und das Bankensystem zu stärken. Sie forderten die Behörden dringend auf, zügig ein tragfähiges Wirtschaftsprogramm zu beschließen, das von der internationalen Gemeinschaft finanziell gefördert werden könne. Bisher seien anscheinend nur geringe Ansteckungseffekte von Argentinien auf andere Volkswirtschaften in der Region ausgegangen (mit der Ausnahme Uruguays); solche Ansteckungseffekte stellten aber weiterhin ein potenzielles Risiko dar. Die Direktoren hielten fest, dass der Aufschwung in Mexiko und Mittelamerika wahrscheinlich am stärksten sein werde, also in zwei Regionen, die enge wirtschaftliche Verbindungen mit den Vereinigten Staaten aufwiesen, sowie in einigen Ländern der Andenregion. In anderen Ländern werde das Tempo des Aufschwungs voraussichtlich langsamer sein.

Die Direktoren begrüßten die Analyse der Schuldenkrisen in Lateinamerika in dem Bericht über die weltwirtschaftlichen Aussichten. Sie warnten jedoch vor Verallgemeinerungen in Bezug auf die einzelnen Länder und die verschiedenen Stadien ihres Reformprozesses. Sie machten aber deutlich, dass der hohe Grad der relativen Abgeschlossenheit der Region im Hinblick auf den Außenhandel, die höhere makroökonomische Volatilität, die vergleichsweise unterentwickelten inländischen Finanzmärkte und niedrige Sparquoten eine Erklärung für die Häufigkeit von Schuldenkrisen in der Region sein könnten. Viele Länder hätten in den letzten Jahren Fortschritte bei der Verringerung der Anfälligkeit erzielt. Dies sei im Wesentlichen durch die Einführung flexiblerer Wechselkursregime und die Entwicklung der inländischen Kapitalmärkte geschehen. Die Analyse habe erneut den Nutzen herausgestellt, den Länder dieser Region aus weiteren Fortschritten bei der Stärkung der Haushaltssituation und aus fortgesetzten Reformen ihrer Außenhandels- und Finanzsysteme ziehen könnten.

Das Wachstum in den meisten Ländern Mittel- und Osteuropas, die Kandidaten für eine Mitgliedschaft in der Europäischen Union seien, habe sich während der globalen Abschwächung gut gehalten. Eine robuste inländische Nachfrage habe die schwächere Exportentwicklung ausgeglichen, und es werde erwartet, dass sich das Wachstum weiter verstärke, wenn der globale Aufschwung Tritt fasse. Die hohen Leistungsbilanzdefizite in vielen dieser Länder seien bisher ohne Schwierigkeiten durch ausländische Direktinvestitionen und andere Kapitalzuflüsse finanziert worden. Sie stellten jedoch eine Quelle der Anfälligkeit dar, die nach Ansicht der Direktoren die Bedeutung einer anhaltenden Haushaltsdisziplin und von Strukturreformen für die Sicherung eines investitions- und wachstumsfreundlichen Klimas unterstrichen. Die Direktoren begrüßten die jüngsten Verbesserungen der Wirtschaftsindikatoren in der Türkei. Sie gingen davon aus, dass eine Erhöhung des Vertrauens und der Exporte zu einem anhaltenden Aufschwung im Jahr 2002 führen werde, falls die entschlossene Umsetzung solider makroökonomischer und strukturpolitischer Maßnahmen fortgesetzt werde.

In den Ländern der Gemeinschaft unabhängiger Staaten (GUS) habe sich das Wachstum ebenfalls bemerkenswert widerstandsfähig gegenüber der globalen Abschwächung gezeigt, stellten die Direktoren fest. Sie gingen aber davon aus, dass sich das Wachstumstempo im Jahr 2002 – hauptsächlich auf Grund der sinkenden Nachfrage in den Erdöl exportierenden Ländern der Region – etwas verlangsamen werde. Die Direktoriumsmitglieder begrüßten die beschleunigten Strukturreformen in Russland, wiesen aber auch darauf hin, dass Maßnahmen zur Verbesserung des Investitionsklimas nach wie vor höchste Priorität hätten. Die zentrale Herausforderung für die Region insgesamt sei weiterhin eine Beschleunigung der Strukturreformen, insbesondere im Hinblick auf die Schaffung von Institutionen und die Regierungsführung, die Umstrukturierung im Unternehmens- und Finanzsektor sowie die Verringerung der Rolle des Staates. Anlass zu ernster Besorgnis bleibe die hohe Auslandsverschuldung in einer Reihe der ärmsten GUS-Länder, die weiterhin aufmerksam überwacht werden müsse.

Die Direktoren zeigten sich dadurch ermutigt, dass sich das Wachstum in Afrika im Jahr 2001 gut gehalten habe und zu erwarten sei, dass es im Jahr 2002 vergleichsweise stark bleiben werde. Die Aussichten für den Großteil der Region seien weiterhin in hohem Maße von den Entwicklungen an den Rohstoffmärkten sowie von weiteren Fortschritten bei der Beendigung von bewaffneten Konflikten und der Beseitigung von anderen Spannungsquellen in der Bevölkerung abhängig. Als bedeutsam wurden auch Maßnahmen zur Eingrenzung der Hungersnot im südlichen Afrika angesehen. Die Direktoren hoben die zentrale Rolle hervor, die eine solide Wirtschaftspolitik in den vergangenen Jahren in den sich günstig entwickelnden afrikanischen Ländern für eine merkliche Steigerung des Wachstums des Pro-Kopf-Einkommens gespielt habe. Ein dauerhaftes Wachstum und eine Diversifikation der Volkswirtschaft erforderten zügigere Strukturreformen, einschließlich Verbesserungen der öffentlichen Dienstleistungen und der Infrastruktur, der Liberalisierung des Handels, der Stärkung von Institutionen mit ordnungspolitischen Aufgaben sowie einer höheren Sicherheit und Stabilität von Eigentumsrechten. Die Direktoren begrüßten die im Juli 2001 von den Führern der Organisation für Afrikanische Einheit (OAU) beschlossene Neue Partnerschaft für die Entwicklung Afrikas, die die Reformbereitschaft, die Führungsrolle und die Verantwortlichkeit Afrikas für die Verbesserung der Grundlagen von Wachstum und Armutsbekämpfung herausstelle. Sie betonten, dass diese Anstrengungen durch ausländische Hilfen, einschließlich eines weiteren Abbaus von Handelshemmnissen und höherer Entwicklungshilfeleistungen, insbesondere gegen HIV/AIDS, und Hilfe bei der Schaffung von Kapazitäten, unterstützt werden müssten (siehe Kasten 5.5).

Die Direktoren stellten fest, dass im Jahr 2002 für den Nahen Osten eine Abschwächung des Wachstums prognostiziert werde. Ob dies eintrete, sei aber in starkem Maße von der Entwicklung der Ölmärkte und den Auswirkungen der regionalen Sicherheitslage abhängig. Sie merkten an, dass die ungünstigen Einflüsse der niedrigeren Ölpreise im Jahre 2001 auf die Erdöl exportierenden Länder durch die in den vergangenen Jahren geführte solide Wirtschaftspolitik begrenzt werden konnte. Auf mittlere Sicht blieben Maßnahmen zur Diversifikation der Produktion in Bereiche außerhalb des Energiesektors eine zentrale wirtschaftspolitische Priorität, um die Abhängigkeit von den Öleinnahmen zu verringern.

Hintergrundanalysen. Die Direktoren begrüßten die Untersuchung von früheren Rezessionen und Aufschwungphasen in Industrieländern (siehe Kapitel 3 des Berichts über die weltwirtschaftlichen Aussichten vom April 2002). Sie bemerkten, dass der synchrone Verlauf der jüngsten globalen Abschwächung viele Gemeinsamkeiten mit früheren Konjunkturabschwüngen habe, wohingegen die relativ unsynchronen Rezessionen zu Beginn der neunziger Jahre eine Ausnahme darstellten, die unterschiedliche Schocks in einzelnen Ländern widerspiegelte. Der mit dem Platzen der Technologieblase einhergehende Einbruch der Investitionsausgaben in der jüngsten Abschwungphase stehe außerdem im Einklang mit den starken Rückgängen der Anlageinvestitionen, die in den vergangenen Jahrzehnten üblicherweise zu Beginn einer Rezession zu beobachten gewesen seien.

Die geringe Schärfe der jüngsten globalen Abschwächung stehe im Einklang mit dem Trend zu schwächeren Rezessionen. Allerdings lasse sich aus der Kürze und der geringen Schärfe der jüngsten Abschwächung nicht ableiten, dass die Erholung langsam oder schwach sein werde. Die Erhöhungen der Zinssätze vor den jüngsten Abschwächungen seien geringer als früher gewesen, was mit den relativ niedrigen Inflationsraten in der vorausgegangenen Aufschwungphase zusammenhänge. Damit lasse sich auch erklären, warum die nachfolgenden Abschwächungen relativ mild ausgefallen seien.

Im Hinblick auf die Geldpolitik in einem Umfeld niedriger Inflation stimmten die Direktoren überein, dass ein wesentlicher Grund für den bemerkenswerten Rückgang der Inflation in den Industrieländern im Verlauf der zurückliegenden Jahrzehnte darin liege, dass die Zentralbanken der Preisstabilität eine größere Bedeutung beigemessen hätten und es dadurch zu positiven Verhaltensänderungen im privaten Sektor gekommen sei. Bei der Erörterung der Herausforderungen für Zentralbanken warnten viele Direktoren vor übereilten Schlussfolgerungen und verwiesen darauf, dass das Umfeld der niedrigen Inflation in vielen Ländern die Wirksamkeit der Geldpolitik nicht nennenswert beeinträchtigt habe. Sie vertraten die Auffassung, dass die Glaubwürdigkeit der auf Inflationsbekämpfung ausgerichteten Geldpolitik ein bedeutendes Gut sei, dass erhalten werden solle.

Internationale Kapitalmärkte und globale Finanzmarktstabilität

Das Direktorium nahm im Juni 2001 zum letzten Mal seine Überprüfung der Entwicklungen an den reifen und aufstrebenden internationalen Kapitalmärkten im Zusammenhang mit dem jährlichen Bericht über die internationalen Kapitalmärkte (International Capital Markets report) vor. Der seit 1980 veröffentlichte Bericht über die internationalen Kapitalmärkte (International Capital Markets) wurde mit dem Bericht zur Finanzierung der aufstrebenden Marktwirtschaften (Emerging Market Finance) vereinigt und erscheint als der neue Bericht zur Stabilität des globalen Finanzsystems (Global Financial Stability Report) (siehe Kasten 2.2). Dieser Bericht konzentriert sich auf die aktuelle Lage an den globalen Finanzmärkten und zielt darauf ab, dem IWF dabei behilflich zu sein, künftige Entwicklungen zu erkennen und politische Schlussfolgerungen zur Stärkung seiner Rolle bei der Förderung der internationalen Finanzmarktstabilität und der Krisenprävention zu ziehen. Die Häufigkeit des Berichts, der vierteljährlich erscheint, und die Konzentration auf aktuelle Fragestellungen sollen es dem Direktorium ermöglichen, mit den schnellen Veränderungen an den Finanzmärkten Schritt zu halten.

Der neue Bericht stellt ein Element der breit angelegten Bemühungen des IWF zur Stärkung der Überwachung der internationalen Finanzmärkte dar. Weitere Elemente sind die Berichte über die weltwirtschaftlichen Aussichten (World Economic Outlook), die regelmäßigen Analysen der weltwirtschaftlichen Tendenzen und der Marktentwicklungen durch das Direktorium, die laufenden Arbeiten zur Einbeziehung des privaten Sektors in die Vorbeugung und Bewältigung von Finanzkrisen, die Arbeiten an Standards und Kodizes, das Programm zur Bewertung des Finanzsektors (FSAP) sowie der Spezielle Datenveröffentlichungs-Standard (SDDS)

Bericht über die internationalen Kapitalmärkte vom Juni 2001

Bei ihrer Diskussion im Juni 2001 stellten die Direktoren fest, dass das vorausgegangene Jahr von Perioden mit einer erhöhten Volatilität der Preise für Vermögenswerte, von einem nachlassenden Wachstum der Weltwirtschaft und von Krisen in bedeutenden aufstrebenden Marktwirtschaften geprägt gewesen sei. Anpassungen der Kapitalmärkte zeigten sich in einer Neubewertung von Risiken an zahlreichen Märkten für Aktien und für hochverzinsliche Anleihen. Die Direktoren vertraten die Auffassung, dass die starke Korrelation der Preisbewegungen für Vermögenswerte zwischen den Ländern die Globalisierung des Finanzwesens sowie die Tendenz bei Investoren widerspiegele, sich bei Anlageentscheidungen zunehmend an Industriesektoren oder Ratings und weniger am geographischen Standort zu orientieren.

Das nachlassende weltweite Wirtschaftswachstum sei antizipiert worden und habe sich in starken Kursverlusten an den globalen Aktienmärkten, insbesondere bei Technologieaktien, und einem sehr kräftigen Anstieg der Risikoaufschläge für hochverzinsliche Kredite niedergeschlagen. Allerdings hätten sich die Finanzmärkte nach der Lockerung der Geldpolitik in den größeren Ländern wieder deutlich erholt. Die Direktoren stellten eine bemerkenswerte Parallelbewegung der Preise für Vermögenswerte in den größeren fortgeschrittenen Volkswirtschaften, insbesondere an den europäischen und den US-Aktienmärkten, fest. Die bedeutendste Ausnahme stelle Japan dar, das sich anscheinend von den globalen Märkten etwas abgekoppelt habe. Darin spiegele sich die bedeutendere Rolle der inländischen im Vergleich zu ausländischen Anlegern sowie die anhaltende Schwäche des Unternehmens- und Finanzsektors des Landes wider.

Bei der Erörterung der Risiken, denen sich die internationalen Finanzmärkte in der nächsten Zeit gegenübersehen, setzten sich die Direktoren mit der weiterhin bestehenden Gefahr auseinander, dass die Stimmung an den Märkten anfällig gegenüber der wirtschaftlichen Entwicklung in den USA bleiben könnte, obwohl ein Teil der in den vergangenen Jahren bestehenden Ungleichgewichte durch den Kursrückgang an den Aktienmärkten korrigiert worden sei. Weitere Quellen der Anfälligkeit könnten in Besorgnissen über die Fähigkeit der Geldpolitik, wirtschaftliche Schwächephasen zu bekämpfen, und über die Dauerhaftigkeit des hohen Produktivitätswachstums liegen. Wenn darüber hinaus Zweifel an der Tragfähigkeit der gegenwärtig hohen wirtschaftlichen Ungleichgewichte bei Haushalten, Unternehmen und in der Außenwirtschaft der USA entstünden, könnte es zu umfangreichen und potenziell ungeordneten Umschichtungen von inländischen und internationalen Portfolios kommen. Dies könnte die Wechselkursrelationen zwischen den Schlüsselwährungen beeinflussen. Die Bewertung der Risiken werde durch eine Reihe von strukturellen Veränderungen erschwert; hierzu zählten die stärkere Konzentration in den größeren Finanzsystemen, die zunehmende Verwendung von im Freiverkehr gehandelten derivativen Finanzinstrumenten sowie strukturelle Änderungen an den wichtigen Märkten für Staatstitel. Diese strukturellen Veränderungen hätten anscheinend die Transparenz hinsichtlich der Verteilung der Risiken im internationalen Finanzsystem verringert; eine größere Offenheit könne dazu beitragen, die Marktdisziplin zu erhöhen und die staatliche Überwachung zu verbessern. Die Direktoriumsmitglieder stellten fest, dass die US-Banken ungeachtet dessen offenbar widerstandsfähiger als in früheren Abschwungphasen und ausreichend kapitalisiert seien, um eine mögliche Verschlechterung von Kreditrisiken abzufedern.

Die Direktoren überprüften die Risiken in Europa und in Japan. Sie warnten davor, dass die europäischen Kapitalmärkte für Übertragungs- und Ansteckungseffekte, die von der Volatilität an den Kapitalmärkten in den USA ausgingen, sowie für Schocks, die diese großen Volkswirtschaften anscheinend gleichzeitig träfen, empfänglich seien, wohingegen sich die Banken nach wie vor in einer soliden Verfassung befanden. Die Direktoren drückten ferner ihre Besorgnis darüber aus, dass Rückstellungen für Kredite im japanischen Bankensektor unzureichend sein könnten und dass dieser Sektor außerdem in starkem Maße von den Anleiheund Aktienkursen an den japanischen Märkten abhängig sei. Gleichzeitig betrachteten sie den japanischen Bankensektor als anfällig im Hinblick auf eine anhaltend schwache makroökonomische Entwicklung im Inland, große unerwartete außenwirtschaftliche und finanzielle Schocks sowie Volatilität an den japanischen Finanzmärkten.

Die Direktoren stellten fest, dass die inländische Entwicklung von zentraler Bedeutung für die Kapital- Zuflüsse in die aufstrebenden Marktwirtschaften sei. Allerdings sei der Zugang von aufstrebenden Marktwirtschaften zu den internationalen Kapitalmärkten im vergangenen Jahr in starkem Maße von Ereignissen an den entwickelten Märkten und von Krisen in aufstrebenden Märkten beeinflusst worden. Infolgedessen sei es für viele aufstrebende Marktwirtschaften schwierig gewesen, einen ständigen Marktzugang aufrechtzuerhalten. Während in früheren Jahren Wechselkurs- und Bankenkrisen in den aufstrebenden Märkten und die daraus folgenden Ansteckungseffekte zu einem abrupten Verlust des Marktzugangs geführt hätten, sei der Marktzugang von vielen aufstrebenden Marktwirtschaften im vergangenen Jahr hauptsächlich durch Ereignisse an den entwickelten Märkten verloren gegangen, wie z.B. durch den Einbruch der Aktienkurse an der Nasdaq-Börse in den Vereinigten Staaten.

Die Direktoren stimmten darin überein, dass Verschiebungen in der Gruppe der Anleger, die in Finanzinstrumente der aufstrebenden Marktwirtschaften investierten, die Anfälligkeit der kapitalimportierenden aufstrebenden Marktwirtschaften für Veränderungen der Stimmung oder der Anlagestrategie der Investoren erhöht hätten. Da die Bestände von Vermögenswerten der aufstrebenden Marktwirtschaften bei langfristig orientierten („dedicated”) Anlegern begrenzt blieben, hätten kurzfristig orientierte („crossover”) Investoren, die nur einen kleinen Teil ihrer Mittel in Finanzinstrumenten der aufstrebenden Marktwirtschaften anlegten, aber großen Einfluss auf diesen Märkten hätten, zunehmend die Gruppe der Anleger dominiert. Die Direktoren bemerkten, dass diese Anleger wahrscheinlich ihre Bestände an Vermögenswerten aus aufstrebenden Marktwirtschaften verringern oder vollständig abbauen würden, wenn sich die Aussichten für die aufstrebenden Marktwirtschaften verschlechterten, attraktivere Anlagemöglichkeiten an den entwickelten Märkten aufträten oder die Risikoaversion der Manager zunähme. Dies könne zu einem plötzlichen Verlust des Marktzugangs für Kreditnehmer aus den aufstrebenden Marktwirtschaften führen, der nicht notwendigerweise mit den Fundamentaldaten dieser Länder zusammenhänge. Die Direktoren stellten aber fest, dass sich Kreditnehmer in den aufstrebenden Marktwirtschaften in begrüßenswerter Weise, insbesondere durch syndizierte Kredite, eine Vorfinanzierung von Zahlungsverpflichtungen und die Verwendung von verschiedenen Währungen, an die durch Unterbrechungen gekennzeichnete Art des Marktzugangs angepasst hätten. Solche Anpassungen könnten aber die Kosten des Zugangs zu den internationalen Finanzmärkten erheblich erhöhen. Es sei nur schwer abzuschätzen, ob sich diese Verschiebungen in den Gruppen der Anleger als dauerhaft erwiesen. In jedem Fall sollten die aufstrebenden Marktwirtschaften nicht davon abgebracht werden, eine solide und transparente Politik zu verfolgen. Dies könne im Verlauf der Zeit dazu beitragen, die Rolle der Anleger als Finanziers für die aufstrebenden Märkte wieder zu festigen und dadurch die Volatilität zu verringern.

Die Direktoren überprüften die Aussichten für Kapitalzuflüsse in die aufstrebenden Märkte vor dem Hintergrund von Daten, die auf eine weitere Abschwächung der weltwirtschaftlichen Perspektiven hindeuteten. Sie erkannten an, dass die Qualität der Politik in den kapitalimportierenden Ländern für die Verteilung der Kapitalströme wichtig sei, wenngleich diese Ströme von Entwicklungen an den entwickelten Märkten und den Aussichten für die Weltwirtschaft beeinflusst würden. Bei niedrigeren Zinssätzen und einer relativ weichen konjunkturellen Landung könne sich das Bruttovolumen der Neuemissionen von internationalen Anleihen, Aktien und syndizierten Krediten erhöhen, und die Nettokapitalströme in die aufstrebenden Märkte, vor allem in die nicht zu den Erdölexporteuren zählenden aufstrebenden Marktwirtschaften, könnten sich im Gefolge des weltwirtschaftlichen Aufschwungs erholen. Die Direktoren stellten gleichwohl fest, dass sich die Kapitalströme in die aufstrebenden Marktwirtschaften, einschließlich der ausländischen Direktinvestitionen (FDI), spürbar verlangsamen könnten, wenn die weltweite Abschwächung des Wirtschaftswachstums stärker als erwartet ausfalle. Die Direktoren vertraten die Ansicht, dass der Stab die FDI-Ströme angesichts der Tatsache, dass sie nach wie vor die ergiebigste Kapitalquelle in allen Regionen darstellten, aufmerksam beobachten sowie die Voraussetzungen und die wirtschaftspolitischen Maßnahmen zur Förderung einer größeren Stabilität bewerten solle.

Die wichtigsten Märkte für Staatstitel. Die Direktoren waren übereinstimmend der Meinung, dass die laufenden strukturellen Veränderungen an den wichtigsten Märkten für Staatstitel Auswirkungen auf die Finanzmärkte hätten und weiter beobachtet werden sollten. Sie wiesen darauf hin, dass das sinkende Angebot an US-Staatspapieren bereits zu bedeutsamen Veränderungen an den US- und internationalen Finanzmärkten geführt habe, da die Marktteilnehmer in zunehmendem Maße auf andere Finanzinstrumente auswichen, unter anderem auf Swaps. Die Direktoren merkten jedoch an, dass private Finanzinstrumente nicht ohne weiteres und nicht in vollem Umfang einen Ersatz für Staatstitel als inländischer und internationaler sicherer Hafen darstellen könnten.

Im Eurogebiet sei es bereits zu einer gewissen Harmonisierung der Regulierung und zur Konvergenz der Emissions- und Handelspraktiken an den Märkten für Staatstitel gekommen. Im Laufe der Zeit werde eine stärkere Konvergenz und Integration voraussichtlich eine einheitliche Benchmark-Zinsstrukturkurve für das Eurogebiet fördern und zu einem Anstieg der Liquidität an den Märkten im Eurogebiet führen. Gleichzeitig habe der regionale Markt für Unternehmensanleihen Fortschritte bei der Integration erzielt und sei stark gewachsen.

Die Direktoren erörterten die Lage in Japan, wo die anhaltende wirtschaftliche Unsicherheit und die finanziellen Ungleichgewichte die finanziellen Aktivitäten der Unternehmen eingeschränkt und das Angebot an Staatsanleihen stark ausgeweitet hätten. Die Kombination von niedrigen Zinssätzen und technisch verursachten Veränderungen des Angebots und der Nachfrage bei japanischen Regierungsanleihen habe zusammen mit Unzulänglichkeiten der Marktinfrastruktur, die die Marktliquidität ungünstig beeinflusst hätten, die Volatilität dieses Marktes erhöht, während die Zinsaufschläge am Markt für Unternehmensanleihen stark komprimiert worden seien. Diese Situation konfrontiere die Finanzinstitutionen mit Herausforderungen bei der Risikosteuerung und verdeutliche außerdem die Herausforderungen für die japanischen Behörden bei der Handhabung der Kosten und Risiken eines großen und steigenden Angebots von staatlichen Schuldtiteln. Die Direktoren nahmen Kenntnis von den Maßnahmen zur Verbesserung der Infrastruktur des Marktes für japanische Regierungsanleihen mit dem Ziel, die Effizienz und Attraktivität dieses Marktes für inländische und internationale Anleger zu steigern.

Konsolidierung des Finanzsektors in aufstrebenden Märkten. Viele aufstrebende Märkte hätten eine Konsolidierung des Finanzsektors durchgeführt, deren Umfang und Tempo jedoch in den verschiedenen Regionen unterschiedlich gewesen seien. Die Direktoren betrachteten diesen Prozess als eine Facette der voranschreitenden Globalisierung der internationalen Finanzaktivitäten, die einer „lautlosen” Öffnung der Kapitalbilanz-Transaktionen gleiche. Die Abwanderung von Finanzaktivitäten zu kostengünstigen Finanzzentren bedeute eine grundlegende Veränderung der Finanzsysteme vieler aufstrebender Marktwirtschaften, sie stelle aber auch eine Verbindung zu den internationalen Finanzmärkten her.

Die Direktoren wiesen darauf hin, dass sich der Konsolidierungsprozess in einigen Punkten von den in den entwickelten Märkten gemachten Erfahrungen unterscheide; dies gelte etwa hinsichtlich der Rolle von grenzüberschreitenden Unternehmenszusammenschlüssen und -kaufen, die in den reifen Märkten selten aufgetreten seien. Darüber hinaus habe die Konsolidierung in den aufstrebenden Märkten häufig der Umstrukturierung des Finanzsystems nach einer größeren Finanzkrise gedient, während die Konsolidierung in den entwickelten Märkten öfter mit dem Ziel des Abbaus von Überkapazitäten verbunden gewesen sei. Ferner hätten die Behörden bei der Umsetzung der Konsolidierung in den aufstrebenden Märkten eine wesentliche Rolle gespielt, während in den entwickelten Märkten die Marktkräfte dominiert hätten.

Die Direktoren stellten fest, dass der Prozess der Konsolidierung des Finanzsektors in den aufstrebenden Märkten eine Reihe von komplexen wirtschaftspolitischen Fragen aufwerfe; hierzu zähle die Frage, wie eine ausreichende Marktdisziplin erzielt und eine staatliche Aufsicht für Institute, die als zu groß für einen Zusammenbruch angesehen würden, eingerichtet werden könne. Die Erfahrungen der entwickelten Märkte deuteten darauf hin, dass zur Behandlung dieser Probleme eine Stärkung der Kapazitäten der Aufsicht zur Beobachtung der Aktivitäten der großen und komplexen Finanzinstitute, die Aufstellung von eindeutigen Regeln für den Marktzutritt und -austritt sowie unverzügliche Korrekturmaßnahmen für angeschlagene Institutionen erforderlich seien.

Die Direktoren merkten an, dass das Auftreten von Finanzkonglomeraten, die eine breite Palette von Produkten und Dienstleistungen anböten, die Bankenaufsicht und -regulierung erschwere. Solche Konglomerate würden die Frage aufwerfen, wie die Regulierungsbehörden, die Banken, Wertpapierhäuser und Versicherungen beaufsichtigten, strukturiert sein sollten. Die Direktoren waren der Meinung, dass die Antwort darauf von den besonderen Umständen in den einzelnen Ländern oder Regionen abhängig sei.

Zur Frage des elektronischen Finanzwesens stellten die Direktoren fest, dass sich diese Entwicklung in den meisten aufstrebenden Märkten zwar erst in einem frühen Stadium befinde, die Verwendung des Internets jedoch bei der Erbringung und Bereitstellung von Finanzdienstleistungen stetig wachse. Dies unterstreiche die Notwendigkeit eines verbesserten Liquiditätsmanagements auf der Ebene der Finanzinstitute sowie einer besseren Aufsicht.

Bericht zur Stabilität des globalen Finanzsystems, Februar – März 2002

Bei der erstmaligen Erörterung des im März veröffentlichten Berichts zur Stabilität des globalen Finanzsystems (Global Financial Stability Report) im Februar begrüßten die Direktoren die weltweite Aufwärtsbewegung an den globalen Märkten und den Rückgang der weltweiten Risikoaversion seit dem vierten Quartal 2001. Sie verwiesen auf den bemerkenswerten Umschwung der Marktstimmung angesichts der Stärke und Geschwindigkeit des von den USA geführten Aufschwungs der Weltwirtschaft. Insgesamt gesehen hätten die Finanzmärkte recht gut auf die Unsicherheiten reagiert, die während der Abschwächung und infolge der Ereignisse des 11. September aufgekommen seien, und sie hätten sich rasch wieder erholt, nachdem deutlich geworden sei, dass sich die wirtschaftlichen Aussichten verbesserten.

Die reifen Aktienmärkte hätten sich Anfang 2002 lustlos entwickelt. Die Direktoren stellten fest, dass dies weit verbreitete Besorgnisse über Bilanzierungspraktiken widerspiegele, die unter anderem die Transparenz über das wahre Ausmaß der von den Unternehmen und Finanzinstituten während der Boomjahre aufgenommenen Verschuldung reduziert hätten.

Eingehend auf die aufstrebenden Märkte stimmten die Direktoren darin überein, dass die Ansteckung durch den Zahlungsausfall und die Abwertung in Argentinien nur gering gewesen sei. Zu der Widerstandsfähigkeit der aufstrebenden Märkte im vierten Quartal 2001 und danach hätten eine sorgfältigere Unterscheidung zwischen den aufstrebenden Märkten seitens der Anleger, eine Reihe technischer Faktoren, die Verfolgung einer soliden und auf flexiblere Wechselkursregime ausgerichteten Wirtschaftspolitik, höhere Währungsreserven, eine niedrigere kurzfristige Verschuldung und stärkere Leistungsbilanzpositionen beigetragen. Allerdings bestünden noch Risiken, da sich die Ereignisse in Argentinien noch weiter entwickelten und nach wie vor eine erhebliche Unsicherheit vorhanden sei. Ansteckungseffekte könnten sich in Form von langsameren Kapitalzuflüssen, unter anderem bei ausländischen Direktinvestitionen, in einzelne aufstre bende Märkte zeigen. Darüber hinaus, so die Direktoren, könne sich jede unerwartete Veränderung der globalen Risikosituation oder der weltweiten Wirtschaftsaussichten ungünstig auf die Kreditnehmer in den aufstrebenden Märkten auswirken.

Auswirkungen der globalen Finanzmarktbedingngen auf die Stabilität. Die Direktoren stellten fest, dass sich das internationale Finanzsystem zwar als widerstandsfähig gegenüber ernsthaften Verwerfungen gezeigt habe, dass es aber im Jahr 2001 zu einer Verschlechterung der globalen Finanzmarktbedingungen für eine Vielzahl von Märkten, Institutionen und Sektoren gekommen sei. Die Verschlechterung der Kreditqualität und der Rückgang der Unternehmensgewinne spiegelten sich in höheren Zinsaufschlägen für Unternehmensanleihen und in niedrigeren Aktienkursen wider. Diese Preisanpassungen hätten ungünstige Auswirkungen auf die Vermögenslage von Unternehmen und Haushalten. Die Abschwächung habe außerdem die Finanzinstitute belastet, wenngleich die größten Institute in den Vereinigten Staaten und in Europa anscheinend ausreichend kapitalisiert seien. Die Direktoren nahmen die erhöhten Spannungen im japanischen Finanzsystem zur Kenntnis und betonten die Bedeutung von entschlossenen Maßnahmen der japanischen Behörden zur Bekämpfung der seit langem bestehenden Schwächen im Banken-, Versicherungs- und Unternehmenssektor.

Bezüglich der Aussichten für die globalen Finanzmärkte stimmten die Direktoren darin überein, dass die Hauptrisiken mit der Möglichkeit eines schwachen oder verzögerten Aufschwungs in Verbindung stünden. Da die Preise für Vermögenswerte anscheinend die Erwartungen eines bald bevorstehenden Wirtschaftsumschwungs reflektierten, könnte ein schwacher oder verzögerter Aufschwung zu Kurskorrekturen führen. In diesem Szenario, so die Direktoren, könnten Japan und die Kreditnehmer in den aufstrebenden Märkten besonders ungünstigen Einflüssen ausgesetzt sein. Im Rahmen des Anpassungsprozesses könnte es auch zu einer vorübergehenden und selektiven Verweigerung von Risikoübernahmen durch die Finanzinstitute kommen. Gleichzeitig gebe aber die Widerstandsfähigkeit des internationalen Finanzsystems während der Finanzmarktturbulenzen in den neunziger Jahren Anlass zu der optimistischen Sicht, dass die Anpassungen zu bewältigen seien.

Der Markt für den Transfer von Kreditrisiken. Die Direktoren stellten fest, dass die Märkte für den Transfer von Kreditrisiken sehr schnell gewachsen seien; dies deute daraufhin, dass sie eine nützliche Rolle für die Streuung der Risiken zwischen den Wirtschaftssubjekten und für die Diversifikation von Portfolios spielten und alternative Liquiditätsquellen darstellten. Bedenken wegen der Aktivitäten von neuen und nur wenig regulierten Kreditmarkt-Teilnehmern könne durch eine verbesserte Offenheit und Transparenz begegnet werden. Viele Direktoren sprachen sich für eine verstärkte Überwachung von Nichtbanken und Nichrfinanz-Unternehmen aus, die an den Finanzmärkten aktiv seien. Sie äußerten sich besorgt darüber, dass eine Regulierungs-Arbitrage die Risiken auf diejenigen Institutionen verlagern könnte, die am wenigsten in der Lage seien, diese zu tragen, und dass die Standards und Praktiken des Rechnungs- und Prüfungswesens in mehreren großen Ländern Mängel aufweisen könnten. Diese Direktoren regten an, dass der Aktualisierung des Rahmens für Aufsicht und Regulierung in der nächsten Zeit oberste Priorität eingeräumt werden solle, um mit den sich entwickelnden Märkten für den Transfer von Kreditrisiken Schritt zu halten.

Weiterentwicklung der Modelle für Frülnvarnungssysteme. Die Direktoren stimmten darin überein, dass die Entwicklung von Modellen, die frühzeitige Warnsignale über die Krisenanfälligkeit eines Landes und die Ansammlung von systemischen Risiken an den Finanzmärkten abgeben, für eine wirksame Marktüberwachung und Krisenvorbeugung wichtig sei. Auch wenn solche frühen Warnsignale nützlich sein könnten, indem sie dem IWF helfen, rechtzeitig Ratschläge zur Krisenprävention zu geben, sollten diese Frühwarnsysteme (EWS) vor dem Hintergrund ihrer derzeit nur begrenzten Vorhersagekraft nur sehr vorsichtig und in Verbindung mit qualitativen Verfahren und anderen Methoden der Bewertung der Anfälligkeit verwendet werden. Mit dieser Einschränkung unterstützten die Direktoren die Anstrengungen zur Verfeinerung der Frühwarnsysteme, die gegenwärtig vom IWF eingesetzt werden. Diese Anstrengungen könnten auch die Arbeiten an Frühwarnsystemen auf nationaler Ebene ergänzen. Mit dem Hinweis, dass Währungskrisen nicht die einzige Bedrohung für die Finanzmarktstabilität darstellten, begrüßten die meisten Direktoren Anstrengungen zur Entwicklung von Grundelementen für ein umfassenderes Frühwarnsystem, das auch in der Lage sei, andere Alten von Krisen, einschließlich Schuldenund Bankenkrisen, vorherzusagen.

Alternative Finanzinstrumente. Die Direktoren rieten zur Vorsicht im Hinblick auf die Verwendung von alternativen Verschuldungsinstrumenten, d. h. von anderen Formen als den einfach strukturierten Anleihen und der üblichen Darlehensaufnahme, um in Zeiten finanzieller Schwierigkeiten den Zugang zu den globalen Kapitalmärkten aufrecht zu erhalten. Obwohl sie anerkannten, dass einige dieser Instrumente unter bestimmten Bedingungen nützlich sein könnten, betonten die Direktoren, dass diese eine gute Wirtschaftspolitik und solide Praktiken der Schuldenverwaltung nicht ersetzen könnten, die die Hauptgrundlage für einen dauerhaften Zugang der Kreditnehmer aus den aufstrebenden Märkten zu den internationalen Kapitalmärkten darstellten. Sie machten darauf aufmerksam, dass einige dieser alternativen Instrumente die Probleme in Situationen vergrößern könnten, in denen hohe Zinsaufschläge für Anleihen die Besorgnisse der Anleger über die Zahlungsfähigkeit eines Landes zum Ausdruck brächten.

Regionale Überwachung

Zentralafrikanische Wirtschafts- und Währungsgemeinschaft

Im Mai 2001 diskutierten die Exekutivdirektoren über Entwicklungen und wirtschaftspolitische Fragen der Zentralafrikanischen Wirtschafts- und Währungsgemeinschaft (CEMAC), zu deren Mitgliedern Äquatorialguinea, Gabun, Kamerun, die Republik Kongo, Tschad und die Zentralafrikanische Republik zählen. Sie sprachen den Behörden der CEMAC-Länder Anerkennung für die im Jahr 2000 erzielten Fortschritte bei der Stärkung der wirtschaftlichen Integration aus. Der wirtschaftspolitische Dialog mit den regionalen Behörden der CEMAC habe in nützlicher Weise die bilaterale Überwachung ergänzt, da das Spektrum der wirtschaftspolitischen Fragen, die auf regionaler Ebene behandelt würden, größer werde. Sie ermutigten die Behörden, den Prozess der Integration beim nächsten Treffen des Ministerrats fortzusetzen.

Die Direktoren stellten fest, dass der starke Anstieg der Exporterlöse und der Staatseinnahmen der Erdöl produzierenden CEMAC-Länder im Jahr 2000 zu einer erheblichen Verringerung der aggregierten Haushalts- und außenwirtschaftlichen Ungleichgewichte der Region und zu einer kräftigen Zunahme der internationalen Reserven der Bank der zentralafrikanischen Staaten (BEAC) geführt habe. Sie betrachteten die Wettbewerbsposition der CEMAC als im Großen und Ganzen angemessen, merkten aber an, dass die wirtschaftliche Lage labil bleibe. Die Region sei anfallig für externe Schocks, insbesondere für einen Rückgang der Rohölpreise und eine Abwertung des US-Dollars gegenüber dem Euro, an den der CFA-Franc gebunden sei. Die Direktoren hoben in diesem Zusammenhang die Notwendigkeit weiterer Strukturreformen und Maßnahmen zur Diversifizierung der Wirtschaftsstruktur und zur Herstellung eines stabilen makroökonomischen Umfelds hervor. Sie drückten ihre Besorgnis über den starken Anstieg der inländischen Nachfrage im Jahr 2001 aus, der wahrscheinlich zu einem höheren Leistungsbilanzdefizit führen werde. Die Direktoren betonten daher auch die Bedeutung einer weiteren Haushaltskonsolidierung mit Schwerpunkt auf der strikten Kontrolle der Staatsausgaben und der Bildung von Ersparnissen aus unerwarteten Öleinnahmen.

Ungeachtet der im Jahr 2000 erzielten Fortschritte würde die Glaubwürdigkeit der CEMAC durch ein beschleunigtes Tempo der wirtschaftlichen Integration erhöht. Die Direktoren ermutigten die Behörden, die regionalen Institutionen zu stärken und ein solides Rahmenwerk für die Koordinierung der Haushaltsund Strukturpolitik zu errichten, das eine wichtige Stütze des gemeinsamen Wechselkursregimes darstellen würde. Der Erfolg der Anstrengungen zur Stärkung der Integration sei aber abhängig von der Umsetzung kohärenter und umfassender Konvergenzprogramme in den einzelnen Mitgliedsländern sowie von der Einrichtung eines wirksamen Systems der gegenseitigen regionalen Überwachung der Wirtschaftspolitik der Mitgliedsländer. Ein solches System solle bindende Regeln und quantitative Kriterien, periodische Überprüfungen sowie einen Mechanismus beinhalten, um einzelne Länder im Falle von Zielverfehlungen zu Korrekturmaßnahmen zu zwingen.

Die Direktoren ermutigten die Behörden, die Durchführung der Geldpolitik zu verbessern und Schritte zu unternehmen, um die Funktionsweise des regionalen Interbankenmarktes zu stärken, der von grundlegender Bedeutung für eine effiziente Verteilung der Bankenliquidität sei. Sie begrüßten die Entscheidung, die automatische Bereitstellung von Krediten der Zentralbank an die Regierungen auslaufen zu lassen, legten den Mitgliedern aber dringend nahe, eine sehr vorsichtige Haltung gegenüber dem Vorschlag einzunehmen, wonach die Zentralbank Garantien für die von den Regierungen begebenen Anleihen übernehmen solle.

Die Direktoren erkannten die jüngsten Fortschritte bei der Sanierung des Bankensektors an, äußerten sich aber besorgt über dessen anhaltende Labilität. Sie sahen viele Möglichkeiten einer weiteren Stärkung des Managements der Banken und der Bankenaufsicht. Eine große Anzahl von Banken erfüllten die von der Bankenaufsicht vorgegebenen Kernquoten nicht. Die Direktoren betonten, wie wichtig es sei, die Programme zur Umstrukturierung und zur Privatisierung der Banken abzuschließen. Sie wiesen ferner auf die Notwendigkeit hin, die Central African Banking Commission (COBAC) zu stärken und sie von politischer Einflussnahme frei zu halten, und betonten den hohen Stellenwert einer Reform der Justizsysteme um sicherzustellen, dass diese nicht zu einer Schwächung der nationalen Bankensysteme beitragen.

Die Direktoren begrüßten die Entscheidung der Mitgliedsländer, den Außenhandel durch eine Vereinfachung der gegenwärtigen Struktur des gemeinsamen Außenzolls, eine Senkung der durchschnittlichen Zollsätze sowie die Beseitigung der verbliebenen intraregionalen Handelshemmnisse weiter zu liberalisieren. Sie ermutigten die Behörden, an einer gemeinsamen sektoralen Politik zu arbeiten, die für die regionale Integration wichtig sei, um die Länder in die Lage zu versetzen, den Nutzen aus wirtschaftlichen Größenvorteilen zu ziehen und die Wettbewerbsfähigkeit der inländischen Unternehmen zu verbessern. Dabei solle der Schwerpunkt auf der Infrastruktur, dem Transportwesen, der Kommunikation und dem Energiesektor liegen. Sie betonten ferner die Bedeutung eines günstigen Umfelds für private Investitionen durch die Umsetzung von Initiativen in den Bereichen Unternehmensrecht. Investitionsgenehmigungen und Wettbewerbspolitik.

Die Direktoren ermutigten die Behörden, technische Hilfe in Anspruch zu nehmen, um die Erhebung von regionalen Statistiken zu verbessern und zu harmonisieren, insbesondere in den Bereichen Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung, Konsumentenpreisindizes, Außenhandel, Zahlungsbilanz sowie öffentliche Finanzen. Sie vertraten die Ansicht, dass der IWF technische Hilfe für die Verbesserung der Wirtschaftsstatistiken sowie zur Förderung der makroökonomischen Konvergenz und zur Stärkung der Kapazitäten der COBAC für die Durchführung der regionalen Überwachung gewähren solle.

Westafrikanische Wirtschafts- und Währungsunion

Das Direktorium erörterte im Oktober 2001 die jüngsten wirtschaftlichen Entwicklungen und die wichtigsten wirtschaftspolitischen Fragen der Westafrikanischen Wirtschafts- und Währungsunion (WAEMU), zu deren Mitgliedern Benin, Burkina Faso, Cöte d’Ivoire. Guinea-Bissau, Mali, Niger, Senegal und Togo zählen. Die 1999 einsetzende Verlangsamung des Wachstums der WAEMU-Region habe sich fortgesetzt. Die negativen Auswirkungen der ungünstigen externen Einflüsse auf die makroökonomische Entwicklung der Region seien durch die Verschlechterung der wirtschaftlichen und finanziellen Lage in Côte d’Ivoire noch verstärkt worden. Es bestehe die Möglichkeit, dass die wirtschaftliche Abkühlung über das Jahr 2001 hinaus anhalte, wenn sich das globale Umfeld und die Rohstoffpreise weiter abschwächten. Vor diesem Hintergrund betonten die Direktoren die Notwendigkeit einer Stärkung der makroökonomischen Politik, der Vertiefung von Strukturreformen und der Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit in den Ländern der WAEMU, um die angestrebten Ziele der wirtschaftlichen Integration im Hinblick auf Wachstum und Armutsverringerung zu erreichen.

Die Direktoren lobten die Behörden der WAEMU für die Fortschritte beim Integrationsprozess im Jahr 2000, zu denen das Inkrafttreten der Zollunion und Schritte zur Umsetzung des im Dezember 1999 beschlossenen Konvergenz-, Stabilitäts-, Wachstums- und Solidaritätspakts zählten. Die Direktoren begrüßten die Verabschiedung von mittelfristigen Konvergenzprogrammen durch alle Mitgliedsländer, stellten aber fest, dass sich die Einhaltung der regionalen Konvergenzkriterien seitens der Mitgliedsländer wegen Mängeln bei der Politikumsetzung und der Wirtschaftsabschwächung in der Region als schwierig erwiesen habe. Dies habe die Lage zum Jahresende 2000 deutlich gezeigt. Sie vertraten die Auffassung, dass für die Einhaltung der Konvergenzkriterien bis zum Jahresende 2002 eine stärkere politische Entschlossenheit, die Umsetzung von Korrekturmaßnahmen durch die Regierungen der Mitgliedsländer und die Stärkung der institutionellen Kapazitäten sowohl auf nationaler Ebene als auch auf Seiten der WAEMU-Kommission zur Überwachung des Konvergenzprozesses erforderlich seien. Die Direktoren maßen einer stärkeren politischen Entschlossenheit der Mitgliedsregierungen, die noch bestehenden Hindernisse für die Schaffung eines einheitlichen regionalen Marktes und die Errichtung einer umfassenden Zollunion zu beseitigen, eine besondere Bedeutung bei. Sie betonten ferner den hohen Stellenwert externer Unterstützung, um den Integrationsprozess voranzutreiben, sowie der Rolle der technischen Hilfe, um die regionalen Institutionen zu stärken und die wirksame Umsetzung der verschiedenen regionalen politischen Initiativen zu gewährleisten.

Die Direktoren stellten fest, dass eine solide Geldpolitik zu einer weiteren Erhöhung des Devisenbestandes der Zentralbank der Westafrikanischen Staaten (BCEAO) und zu einer Inflationsrate geführt habe, die im Großen und Ganzen der Rate im Eurogebiet entsprochen habe. Seit Mitte 2000 habe es keine Anpassung der Schlüsselzinssätze der BCEAO mehr gegeben. Die Direktoren sahen vor dem Hintergrund des schwächeren Wirtschaftswachstums einen möglichen Spielraum für eine größere Flexibilität der monetären Steuerung. Sie betonten jedoch, dass eine solide Haushaltspolitik und die damit einhergehende Begrenzung des inländischen Finanzierungsbedarfs der Regierungen sehr wichtig seien zur Unterstützung einer angemessenen Geldpolitik. Sie wiesen in diesem Zusammenhang besonders auf die Notwendigkeit einer Rückführung der öffentlichen Verschuldung auf ein tragfähiges Niveau und die Vermeidung von Zahlungsrückständen hin.

Die Direktoren unterstrichen die Bedeutung einer Vertiefung des regionalen Interbankenmarktes und einer engeren Integration der Finanzmärkte der WAEMU-Region, um das Wirtschaftswachstum des privaten Sektors und die finanzielle Stabilität zu stärken. Sie begrüßten die Entscheidung, ausstehende Kredite der Zentralbank an Regierungen abzubauen und einen regionalen Markt für Wertpapiere der Regierungen der Mitgliedsländer einzurichten; sie empfahlen aber, sich bei der Umsetzung dieser Entscheidungen an einem realistischen Zeitplan zu orientieren. Die Direktoren ermutigten die Behörden, Hindernisse für einen regionalen Interbankenmarkt zu identifizieren und zu beseitigen. Derartige Reformen würden die Finanzierung von Haushaltsdefiziten über Nicht-Banken erleichtern, die Fähigkeit der BCEAO zur marktmäßigen Steuerung der Liquidität im Bankensystem verstärken und die Entwicklung eines effizienten und wettbewerbsfähigen Finanzsektors fördern.

Ungeachtet der Fortschritte bei der Sanierung des Bankensektors und der Durchführung einer wirksamen Bankenaufsicht in den vergangenen zehn Jahren sei die Einhakung der jüngst revidierten Aufsichtsvereinbarungen und der Verordnungen über interne Kontrollen anscheinend unzureichend geblieben. Schritte zur Verbesserung der Kreditportfolios der Banken in der Region sollten auch Maßnahmen zur konsequenteren Einhaltung der von der Aufsicht vorgegebenen Kennziffern durch die Banken, zur Stärkung der Verfahren zur Eintreibung der Kredite und zur Verbesserung des rechtlichen Rahmens umfassen. Die Direktoren wiesen darauf hin, dass eine wirksamere Bankenaufsicht von grundlegender Bedeutung für die erfolgreiche Entwicklung eines regionalen Finanzmarktes sei.

Die Direktoren unterstützten die jüngsten Schritte zur Harmonisierung der indirekten Steuern in der WAEMU, zur Formulierung des Entwurfs für einen gemeinsamen Investitionskodex, zur Stärkung der gemeinsamen sektoralen Politik und zur Einrichtung von Strukturfonds; alle diese Maßnahmen könnten einen Beitrag zur Verringerung der regionalen Unterschiede leisten. Sie ermutigten die Behörden, die verbliebenen Aufgaben tatkräftig anzugehen, zu denen die Harmonisierung der Besteuerung der Erdölprodukte, die Förderung von gemeinsamen Steuerregelungen und einer konzertierten Anstrengung zur Kontrolle von Steuerbefreiungen sowie notwendige Verbesserungen bei der Besteuerung von kleinen Unternehmen zählten.

Die Direktoren stimmten darin überein, dass die außenwirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit der Volkswirtschaften der WAEMU – einigen traditionellen Wechselkurs-Indikatoren zufolge - angemessen sei. Im Hinblick auf die langfristigen Strukturprobleme, die die Volkswirtschaften der WAEMU belasteten, solle für die Behörden jedoch die oberste Priorität darin liegen, Maßnahmen zu ergreifen, die auf eine Verbreiterung der wirtschaftlichen Basis, eine Verbesserung der Produktivität und die Steigerung der Kosteneftizienz bei der Bereitstellung von zentralen öffentlichen Versorgungs- und Dienstleistungen abzielten. Die Direktoren ermutigten die Behörden, neuere Indikatoren für die Wettbewerbsfähigkeit, wie z.B. Marktanteile auf Exportmärkten, zu entwickeln und zu beobachten.

Die Direktoren nahmen Kenntnis von den laufenden Anstrengungen zur Integration der WAEMU in die regionale Vereinbarung der Wirtschaftsgemeinschaft der westafrikanischen Staaten (ECOWAS)1 um einen größeren regionalen Markt zu schaffen und den gemeinsamen monetären Rahmen auf eine größere Gruppe von Ländern in der Region auszuweiten. Um dieses Ziel zu erreichen, seien eine weitere Harmonisierung der makroökonomischen Politik und der Handelspolitik zwischen den WAEMU-Mitgliedern und den nicht der WAEMU angehörenden Mitgliedern der ECOWAS sowie die Einrichtung eines glaubwürdigen Überwachungsverfahrens zur Förderung der Konvergenz unter den Mitgliedstaaten von entscheidender Bedeutung. Ungeachtet der Tatsache, dass eine solche stärkere Konvergenz wünschenswert sei und trotz der starken politischen Unterstützung des Integrationsprozesses innerhalb der ECOWAS sei das Ziel, bis zum Jahr 2004 eine einheitliche Währungsunion in Westafrika zu schaffen, aus einer Reihe von ökonomischen Gründen und wegen begrenzter institutioneller Kapazitäten als sehr ehrgeizig anzusehen.

Die Direktoren vertraten die Ansicht, dass eine Strategie zur regionalen Integration auch Maßnahmen zur Erhebung von zeitgerechten und verlässlichen regionalen Statistiken, insbesondere in den Bereichen Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung, inländische Verschuldung, Außenhandel und Zahlungsbilanz sowie die Einführung neuer Indizes zur Messung von Preis- und Faktorkosten Veränderungen einschließen solle.

Geld- und Wechselkurspolitik des Eurogebiets und Handelspolitik der Europäischen Union

Die Exekutivdirektoren diskutierten im Oktober 2001 über die Geld- und Wechselkurspolitik im Eurogebiet und die handelspolitischen Entwicklungen in der Europäischen Union.

Wirtschaftspolitik im Eurogebiet. Die Direktoren stellten fest, dass sich das Wirtschaftswachstum in der Region angesichts großer und globaler Störeinflüsse, darunter der frühere Anstieg der Energiepreise, die abwärtsgerichtete Korrektur der Aktienkurse und die spürbare Verringerung der Expansion des Welthandels, weniger widerstandsfähig als erwartet erwiesen habe. Vor diesem bereits schwachen Hintergrund sei davon auszugehen, dass die wirtschaftlichen Auswirkungen der Ereignisse vom 11. September die Wachstumsaussichten in der näheren Zukunft weiter belasten würden. Die makroökonomischen Fundamentaldaten des Eurogebiets seien gleichwohl solide, insbesondere auf Grund der niedrigen Inflation und deutlich verbesserter Haushaltspositionen, die durch wirtschaftspolitische Unterstützungsmaßnahmen ergänzt würden, die die Grundlage für einen neuen Konjunkturaufschwung legten.

Der konjunkturelle Rückschritt im Eurogebiet solle nicht den Blick auf die beträchtlichen makroökonomischen Erfolge in den vergangenen Jahren verstellen, die sich auf Preisstabilität, beschäftigungsfreundliche Lohnabschlüsse, Haushaltskonsolidierung und strukturelle Reformmaßnahmen gründeten. Diese Elemente hätten die Basis für ein schnelleres Einkommenswachstum und die Schaffung von Arbeitsplätzen gelegt, insbesondere in den Ländern, die Arbeitsmarktreformen durchgeführt und eine moderate Lohnentwicklung beibehalten hätten. Die strukturellen Hemmnisse seien jedoch weiterhin ausgeprägt. Die Direktoren rieten dringend zu einer Beschleunigung der Reformanstrengungen im gesamten Eurogebiet, insbesondere in den Ländern, in denen die Arbeitsmarktreformen in den letzten Jahren nur zögerlich vorangekommen seien. Insgesamt betrachtet hoben die Direktoren die positiven Auswirkungen hervor, die wachstumsfördernde makroökonomische und strukturpolitische Maßnahmen in den Ländern des Eurogebiets auf die globalen Wirtschaftsaussichten hätten.

Im Hinblick auf die Geldpolitik merkten die Direktoren an, dass die Risiken für die Preisstabilität zurückgingen und dass die Europäische Zentralbank (EZB) in angemessener Weise einen deutlichen Teil der im Jahr 2000 durchgeführten geldpolitischen Straffung zurückgenommen habe. Sie lobten die unverzügliche Reaktion der EZB in Zusammenarbeit mit der US-Notenbank und anderen Zentralbanken, um nach den Ereignissen vom 11. September das Vertrauen zu stärken und eine ausreichende Liquidität des Bankensystems zu gewährleisten.

Mit Blick auf die Zukunft erwarteten die Direktoren eine weitere Abnahme der Risiken für die Preisstabilität, insbesondere da schwächere Wachstumsaussichten und ein sinkender Preisdruck die Wahrscheinlichkeit einer fortgesetzten Lohnmäßigung im Jahr 2002 erhöht hätten. Das zuletzt über den Referenzwert der EZB hinausgehende M3-Wachstum erscheine in einem gewissen Umfang als Reflex der vorübergehend auf die Umlaufgeschwindigkeit wirkenden Schocks, unter anderem auf Grund von Portfolioumschichtungen, und sollte deshalb bei der geldpolitischen Beurteilung kein zu großes Gewicht erhalten. Vor diesem Hintergrund sahen die Direktoren Spielraum für eine weitere geldpolitische Lockerung, insbesondere dann, wenn der Euro an Wert gewinne. Eine Reihe von Direktoren legte den Behörden nahe, sich weiter um ein besseres Verständnis der Marktteilnehmer hinsichtlich des Rahmens, der den geldpolitischen Entscheidungen der EZB zugrunde liege, zu bemühen.

Bei der Erörterung der Faktoren, die für die Schwäche des Außenwerts des Euro verantwortlich seien, verwiesen viele Direktoren auf die Rolle, die der wesentlich stärkere Anstieg der Aktienmarktkapitalisierung in den USA im Vergleich zum Eurogebiet gespielt habe, auf die anhaltende internationale Diversifikation seitens der Anleger des Eurogebiets und auf die zunehmende Begebung von Euro-denominierten Schuldtiteln durch Gebietsfremde.

Im Hinblick auf die Fiskalpolitik unterstützten die Direktoren entschieden das im Stabilitäts- und Wachstumspakt (SWP)2 festgelegte Ziel, dass die Mitgliedsländer auf mittlere Sicht nahezu ausgeglichene Haushaltspositionen oder Überschüsse ausweisen sollen. Dieses Ziel stelle einen Anker zur Sicherung der Haushaltsdisziplin dar, erlaube aber variierende Haushaltsergebnisse im Konjunkturzyklus und zwischen den Ländern, was für eine gut funktionierende Währungsunion mit einem hohen Grad an haushaltspolitischer Dezentralisierung notwendig sei.

Bei der Erörterung der Frage, wie dieses Ziel am besten erreicht werden könne, diskutierten die Direktoren über die Vorteile eines Rahmens, der das freie Spiel der automatischen Stabilisatoren mit der Einhaltung von vorher angekündigten Ausgabepfaden kombinieren würde. Eine Reihe von Direktoren vertrat die Ansicht, dass ein zentraler Vorteil dieses Ansatzes darin liege, dass er zugleich die Sicherung der mittelfristigen Orientierung des SWP gewährleiste und einen stabilisierenden Rahmen für die Überwachung der Haushaltsposition jedes Mitgliedslandes auf der Grundlage seiner mittelfristigen Defizitgrenze biete. Im Gegensatz dazu würde die Konzentration auf die Einhaltung von jährlichen nominalen Defizitzielen im Lichte der globalen Konjunkturabschwächung Gegenmaßnahmen für das Greifen der automatischen Stabilisatoren erfordern und damit den erwarteten Aufschwung verzögern. Andere Direktoren waren dagegen der Ansicht, dass die Bezugnahme auf Ausgabepfade in nützlicher Weise die Erreichung der mittelfristigen SWP-Ziele unterstützen könne, aber die nominalen Defizitgrenzen nicht ersetzen solle.

Die Direktoren begrüßten die jüngsten Anzeichen, dass die Haushaltsentwicklung im gesamten Eurogebiet, wenngleich mit Unterschieden zwischen den Ländern, anscheinend einen angemessenen Kompromiss zwischen konjunkturellen Überlegungen und mittelfristigen Konsolidierungszielen darstelle. Die meisten Direktoren stimmten darin überein, dass man die automatischen Stabilisatoren, insbesondere vor dem Hintergrund der derzeitigen allgemeinen Konjunkturabschwächung, wirken lassen solle. Sie sahen generell keine Notwendigkeit für merkliche diskretionäre haushaltspolitische Maßnahmen, um der Wachstumsabschwächung zum gegenwärtigen Zeitpunkt entgegenzuwirken, da die negativen Schocks wahrscheinlich nur vorübergehender Natur seien und solche Maßnahmen Auswirkungen auf die Haushaltspositionen hätten.

Entschlossenen und breit angelegten Strukturreformen wurde eine zentrale Rolle bei der Steigerung des Wachstumspotenzials des Eurogebiets und des Vertrauens der Unternehmen und Verbraucher beigemessen. Die Direktoren begrüßten die jüngsten Fortschritte zu stärker wettbewerbsorientierten Gütermärkten. Sie erwarteten weitere Schritte in Bereichen wie öffentliche Auftragsvergabe, staatliche Hilfen, Verwaltungsreformen und Abbau der regulativen Belastungen der Unternehmen. Sie bedauerten, dass nur relativ wenig unternommen worden sei, um negative Anreize für die Aufnahme einer Arbeit abzubauen, die in vielen Ländern des Eurogebiets von den Steuer- und den Sozialleistungssystemen ausgingen, und um die Arbeitsmärkte zu liberalisieren, unter anderem durch einen flexibleren Lohnfindungsprozess. Unter Hinweis auf die von einzelnen Ländern schrittweise erzielten Fortschritte drängten die Direktoren die Behörden, deutliche Verbesserungen der wirtschaftlichen Entwicklung anzustreben, die sich aus einer tatkräftigeren Umsetzung von Arbeitsmarktreformen ergeben würden. Einzelne Direktoren merkten an, dass erneute Bemühungen um Strukturreformen, die auf eine Steigerung des Produktivitätswachstums des Eurogebiets abzielten, auch im Laufe der Zeit zu einer Stärkung des Euro beitragen könnten.

Die Direktoren drückten ihre Anerkennung für die intensiven Vorbereitungen aus, die unternommen worden seien, um eine reibungslose Umstellung auf Euro-Banknoten und -Münzen zu gewährleisten. Sie begrüßten ferner die Zusicherung, dass die Euro-Umstellung nicht zu einer Erhöhung der Preise führen werde. Sie äußerten die Erwartung, dass diese Reform, die eine bisher beispiellose Größenordnung habe, erfolgreich abgeschlossen und zu einer stärkeren Transparenz der Preise sowie zu einem verstärkten Wettbewerb führen werde.

Unter Hinweis darauf, dass die Integration der Kapitalmärkte einen der größten potenziellen Vorteile der Europäischen Wirtschafts- und Währungsunion (EWWU) darstelle, äußerten die Direktoren die Hoffnung, dass die Empfehlungen des Lamfalussy-Berichts3 für eine Straffung des Gesetzgebungsverfahrens bald umgesetzt würden. Sie ermutigten die Behörden, die Umsetzung des Aktionsplans für Finanzdienstleistungen (Financial Services Action Plan) zu beschleunigen. Integrierte Kapitalmärkte stellten neue Herausforderungen hinsichtlich Vorbeugung und Bewältigung von Finanzkrisen. Notwendig sei eine erhebliche Verstärkung des Informationsaustauschs zwischen den Bankenaufsehem und eine Verbesserung ihrer Entscheidungsprozesse.

Die Direktoren hielten weitere Verbesserungen bei der Verfügbarkeit, der zeitlichen Nähe und der Qualität von Statistiken für das Eurogebiet für sehr wünschenswert, insbesondere, was kurzfristige Konjunkturindikatoren und die Zahlungsbilanzstatistik betreffe. Sie legten den Behörden dringend nahe, ihre Verbesserungsbemühungen in diesen Bereichen fortzusetzen.

Die Direktoren begrüßten den Abschluss der drei Berichte über Standards und Kodizes (ROSCs) für das Eurogebiet (sie beziehen sich auf Fragen des Zahlungsverkehrssystems sowie auf die Transparenz der Geldpolitik und auf die Zahlungsverkehrsaufsicht) und sie stimmten den Ergebnissen zu.

Jüngste handelspolitische Entwicklungen in der EU. Im Hinblick auf die Handelspolitik der Europäischen Union (EU) als Ganzes äußerten die Direktoren die Überzeugung, dass die neue Doha-Handelsrunde den globalen Wachstumsaussichten einen dringend benötigten Schub geben werde. Sie drängten die EU, einer Einigung über den Anwendungsbereich einer solchen Runde weiterhin höchste Priorität beizumessen sowie Führungskraft und Flexibilität zu zeigen, um die Verhandlungen voranzubringen. Sie begrüßten die Initiative „Alles außer Waffen” („Everything-but-Arms”) der EU für die am wenigsten entwickelten Länder und die vorgeschlagenen Schritte zur Vereinfachung des Allgemeinen Präferenzsystems der EU. Die Direktoren betonten, dass diese Initiativen zwar helfen würden, den Marktzugang für berechtigte Länder zu verbessern, dass jedoch ein rascherer Fortschritt bei der Öffnung von stark geschützten Sektoren für alle Handelspartner nicht nur den Entwicklungsländern nützen, sondern auch der EU selbst beträchtliche Gewinne einbringen würde. Sie hoben in diesem Zusammenhang den grundlegenden Beitrag hervor, den eine umfassende Reform der Gemeinsamen Agrarpolitik der ELT für die Unterstützung der Handelsliberalisierung und für die Vorbereitung der EU-Erweiterung leisten würde.

Kasten 2.3Entwicklungsagenda von Doha

Bei der Vierten Konferenz der Welthandelsorganisation (WTO) auf Ministerebene, die vom 9. bis 14. November 2001 in Doha, Katar, stattfand, wurde eine neue Runde multilateraler Verhandlungen über den Welthandel – die Entwicklungsagenda von Doha – eingeleitet. Diese neue Runde ist die neunte seit der Unterzeichnung des Aligemeinen Zoll- und Handelsabkommens (GATT) im Jahr 1947 und die erste seit dem Abschluss der Uruguay-Runde im Jahr 1994, die zur Emchtung der WTO führte.

Die neue Runde verfolgt einen umfassenden Ansatz und zielt auf die Liberalisierung des Handels einer breiten Palette von handelbaren Gütern und Dienstleistungen sowie auf eine Aktualisierung und Stärkung der Regeln des multilateralen Handeissystems. Die Runde erweitert außerdem die Arbeit der WTO auf grundlegend neue Bereiche wie Investitionen, Wettbewerbspolitik und Umwelt. Das Aufstellen von Regeln stellt einen wesentlichen Anteil des Arbeitsprogramms dar und hat die Klarstellung und Verbesserung disziplinarischer Maßnahmen bei Handelsverstößen (z.B. Antidumping-Maßnahmen), regionaler Handelsvereinbarangen, handelsrelevanter geistiger Eigentumsrechte und des Streitschlichtungs Verfahrens- zum Ziel.

Die vollständigere Integration von Entwicklungsländern in das Handelssystem ist ein zentrales Thema auf der Doha-Agenda. Die auf der Doha-Konferenz verabschiedete Ministererklärung versucht, die Bedürfnisse und Interessen der Entwicklungsländer in den Mittelpunkt des Arbeitsprogramms zu stellen. Dies drückt sich in der Bedeutung aus, die dem Ziel des zoll- und quotenfreien Marktzugangs für Produzenten aus den am wenigsten entwickelten Ländern, der Berücksichtigung von besonderen Umständen und den Schwierigkeiten der Umsetzung von Regeln in Entwicklungsländern sowie Programmen für handelsbezogene technische Hilfe und für den Aufbau institutioneller Kapazitäten beigemessen wird. Die entwicklungspolitischen Vorgaben in der Erklärung enthalten Verpflichtungen, die spezielle und differenzierte Behandlung präziser, effektiver und praktikabler zu machen, sowie die Verpflichtung zur Einrichtung spezieller Arbeitsprogramme für die am wenigsten entwickelten Länder (LDCs) und kleine Volkswirtschaften zur Förderung ihrer Integration in das Welthandelssystem.

Der Beginn der neuen Welthandelsrunde setzte ein deutliches Signal der Ablehnung einer binnenorientierten Politik und des Protektionismus und löste einen Schub des Vertrauens in den Markt und in die globalen Perspektiven aus. Damit die neue Runde ein Erfolg wird, ist es jedoch erforderlich, dass die in der Agenda von Doha formulierten Absichten in Maßnahmen umgesetzt werden. Hierzu zählen die Öffnung der Märkte, insbesondere für solche Güter und Dienstleistungen, die von größter Bedeutung für die Entwicklungsländer sind.

Fragen des Handels und des Marktzugangs

Das Direktorium erörterte im September 2001 die Rolle des IWE im Bereich des Handels. Die Direktoren stimmten darin überein, dass der IWF eine substanzielle Rolle bei der Unterstützung eines offenen internationalen Handelssystems und der Handelsliberalisierung zu spielen habe. Sie sahen vier Kanäle, durch die der IWF einen wirksamen Beitrag leisten könne. Erstens solle er weiterhin die Notwendigkeit eines erfolgreichen Starts der Doha-Handelsrunde (siehe Kasten 2.3) und die damit verbundenen Vorteile herausstellen, zu denen die Erhöhung des Lebensstandards in allen Ländern und die Sicherung eines stabilen Welthandelssystems zählten.

Zweitens solle der IWF nach Auffassung der Direktoren weiterhin im Rahmen der Überwachung und von IWF-unterstützten Anpassungsprogrammen handelspolitische Fragen ansprechen und die Handelsliberalisierung fördern, wo dies angemessen sei. Es habe bereits Fortschritte bei der gezielten Erörterung von Fragen des Marktzugangs im Rahmen von Artikel-IV-Konsultationen mit Industrieländern gegeben, es müsse aber mehr getan werden um festzustellen, welche Praktiken die Exporte von Entwicklungsländern behinderten. Entwicklungsländer sollten auch dazu ermutigt werden, weitere Maßnahmen zur Handelsliberalisierung zu ergreifen, um die Effizienz zu verbessern und ein dauerhaftes Wachstum zu stärken. Die Direktoren betonten, dass Handelsreformen unter Beachtung einer geeigneten Reihenfolge und der Auswirkungen, die sie insbesondere auf kurze Sicht auf Einnahmen und die Leistungsbilanz hätten, gestaltet werden sollten. Jede sich auf handelspolitische Maßnahmen erstreckende Konditionalität im Rahmen von IWF-unterstützten Anpassungsprogrammen solle mit den Richtlinien und der sich entwickelnden Praxis zur Straffung der Konditionalität im Einklang stehen.

Drittens vertraten die Direktoren die Auffassung, dass die technische Hilfe des IWF weiterhin eine zentrale Rolle bei der Schaffung der Grundlagen für eine erfolgreiche Handelsliberalisierung spielen solle. Reformen von Mitgliedsländern in Bereichen, in denen der IWF eine besondere Expertise habe, namentlich öffentliche Einnahmensysteme sowie Steuer- und Zollverwaltutig, seien oftmals von entscheidender Bedeutung gewesen, um einen reibungslosen Übergang zu einem liberaleren Handelsregime bei minimalen Auswirkungen auf die Haushaltseinnahmen zu erleichtern.

Viertens solle der IWF weiterhin eng mit der Welthandelsorganisation (WTO) und der Weltbank zusammenarbeiten, um Doppelarbeiten zu vermeiden und um sicherzustellen, dass sich die Arbeiten der drei Institutionen im Bereich der Handelspolitik ergänzten. Unter Hinweis auf die strategische Bedeutung des Außenhandels für ein dauerhaftes Wachstum und die Verringerung der Armut in den ärmsten Ländern begrüßten die Direktoren die kooperativen Anstrengungen von IWF, Weltbank, WTO und anderen zur Wiederbelebung des Integrierten Rahmens für handelsbezogene technische Hilfe (Integrated Framework for Trade-Related Technical Assistance). Sie unterstützten die Maßnahmen der Weltbank und des IWF, um armen Ländern zu helfen, das Thema Handel in ihre übergeordnete Entwicklungs- und Armutsbekämpfungs-Strategie einzubeziehen und um in diesem Rahmen die technische Hilfe besser auszurichten und zu koordinieren, damit ihre Wirksamkeit steige.

Die Direktoren stimmten darin überein, dass die Finanzierungsfazilitäten des IWF im Allgemeinen angemessen seien, um die Anstrengungen der Mitglieder zur Liberalisierung des Handels zu unterstützen. Der IWF sei in Anbetracht der Bedeutung eines stabilen makroökonomischen Umfelds, einer angemessenen Wechselkurspolitik sowie des Anreizschemas insgesamt für den Erfolg der Handelsliberalisierung gut vorbereitet, um Mitglieder zu unterstützen. Neben den Auswirkungen der Handelsreform auf die Einnahmen und die Zahlungsbilanz stellten die Direktoren andere Bereiche fest, in denen sie weitere Arbeiten des IWF zusammen mit der Weltbank als notwendig für die Gestaltung der Handelsliberalisierung betrachteten; hierzu zählten eine geeignete Reihenfolge der Schritte der Handelsliberalisierung, die Auswirkungen auf die Armen, die kurzfristigen Anpassungskosten bei Produktion und Beschäftigung, Maßnahmen, um diese Kosten zu mildern sowie das Potenzial für eine Diversifikation der Exporte in den relevanten Fällen.

In seinem nach der Sitzung am 20. April 2002 herausgegebenen Kommunikee stellte der Internationale Währungs- und Finanzausschuss des Gouverneursrates des IWF fest, dass die Ausweitung des Marktzugangs für Entwicklungsländer und der Abbau von handelsverzerrenden Subventionen sowohl den Industrie- wie auch den Entwicklungsländern nützen würden. Der Ausschuss begrüßte die bei der Konferenz der Vereinten Nationen in Monterrey, Mexiko, im März. 2002 wiederholte Verpflichtung, auf das Ziel eines zoll- und quotenfreien Marktzugangs für die Exporte der am wenigsten entwickelten Länder hinzuarbeiten. Der Ausschuss wies auch auf die zunehmenden Chancen hin, die in der Verringerung der Handelshemmnisse zwischen Entwicklungsländern lägen.

Mitglieder der ECOWAS sind Benin, Burkina Faso, Cöte d’Ivoire, Gambia, Ghana, Guinea, Guinea-Bissau, Kap Verde, Liberia, Mali, Niger, Nigeria, Senegal, Sierra Leone und Togo.

Vereinbarung des Europäischen Rats vom Juni 1997 zur Sicherung der Haushaitsdisziplin in den Mitgliedsstaaten in der letzten Stufe der Europäischen Wirtschafts-und Währungsunion; der SWP fordert auch die Vorlage von jährlich aktualisierten mittelfristigen Stabilitätsprogrammen.

Alexandre Lamfalussy (Vorsitzender) und andere, 2001: „Abschlussbericht des Ausschusses der Weisen über die Regulierung der europäischen Wertpapiermärkte” (Brüssel, Europäische Union, Rat der Wirtscharts- und Finanzminister (ECOFIN), 15. Februar); zugänglich im Internet unter: http://europa.eu.int/comm/internaLmarket/en/finances/general/lamfalussyen.pdf

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