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Kapite 1. Globale Wirtschafts- und Finanzentwicklung im Geschäftsjahr 2002

Author(s):
International Monetary Fund
Published Date:
October 2002
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Die Weltwirtschaft erlitt im Jahr 2001 – nach dem ungewöhnlich starken Wachstum des vorausgegangenen Jahres – eine synchrone und weit verbreitete Konjunkturabschwächung. Die Wachstumsverlangsamung war in jeder größeren Wirtschaftsregion mit Ausnahme Afrikas festzustellen (Tabelle 1.1 und Schaubild 1.1). Die Abkühlung hing mit einer Reihe von miteinander verbundenen Entwicklungen im Jahr 2001 zusammen. Dazu zählen die Korrektur der Aktienkurse nach unten (vor allem im Informationstechnologiesektor), der Anstieg der Energiepreise sowie die Straffung der Geldpolitik in einigen Industrieländern als Reaktion auf Anzeichen eines steigenden Nachfragedrucks. Die sich bereits abschwächende Weltwirtschaft wurde durch die Terroranschläge in den Vereinigten Staaten am 11. September 2001 zusätzlich belastet, die einen erheblichen, wenn auch im Wesentlichen vorübergehenden Einfluss auf die makroökonomischen Bedingungen hatten. In den ersten Monaten des Jahres 2002 gab es jedoch vermehrte Anzeichen, dass die Konjunktur in den meisten Regionen ihren Tiefpunkt erreicht hat und sich das Wachstum in manchen Regionen – insbesondere in Nordamerika und in einigen ostasiatischen Ländern – wieder verstärkt. Diese Entwicklung ist zumindest teilweise auf die erhebliche Lockerung der makroökonomischen Politik in den fortgeschrittenen Ländern im Jahr 2001, insbesondere in den Vereinigten Staaten und einer Reihe aufstrebender Länder in Asien, sowie auf den zu Ende gehenden Lagerhaltungszyklus zurückzuführen. Zum Teil auf Grund der Verlangsamung des Wachstums im Jahr 2001 blieb die Inflation fast überall sehr niedrig. In Japan führte die anhaltende Deflation zu einer Verschlechterung der bereits schwierigen Wirtschaftslage.

Schaubild 1.1Globale Indikatoren1

(Jährliche prozenluale Veränderung, falls nicht anders angegeben)

Quelle: IWF World Economic Outlook, April 2002

1 Die Berechnung der Aggregate erfolgt auf Basis der gewichteten Kaufkraftparitäten, falls nicht anders angegeben.

2 Durchschnittliche Wachstumsraten der einzelnen Lander, aggregiert unter Verwendung der gewichteten Kaufkraftparität; diese ändert sich im Laufe der Zeit zu Gunsten schneller wachsender Länder, wodurch die Kurve nach oben steigt.

3 BIP-gewichteter Durchschnitt der Rendite mit einer zehnjährigen joder der am nächsten liegenden) Loufzeil, abzüglich der Inflationsrate, für die Vereinigten Staaten, Japan, Deutschland, Frankreich, Italien, das Vereinigte Königreich und Kanada. Ausgenommen Italien vor 1972.

Tabelle 1.1Weltwirtschaftlicher Überblick(Jälirliche Veränderung in Prozent, insoweit nicht anders vermerkt)
19941995199619971998199920002001
Weltwirtschaftliche Gesamtproduktion3,73,64,04,22,83,64,72,5
Fortgeschrittene Volkswirtschaften3,42,73,03,42,73,33,91,2
Wichtige fortgeschrittene Volkswirtschaften3,12,32,83,22,82,93,51,1
Vereinigte Staaten4,02,73,64,44,34,14,11,2
Japan1,11,53,61,8−1,00,72,2−0,4
Deutschland2,31,70,81,42,01,83,00,6
Frankreich1,91,81,11,93,53,03,62,0
Italien2,22,91,12,01,81,62,91,8
Vereinigtes Königreich4,72,92,63,43,02,13,02,2
Kanada4,72,81,64,33,95,14,41,5
Sonstige fortgeschrittene Volkswirtschaften4,64,33,84,32,25,05,31,6
Merkposten
Europäische Union2,82,41,72,63,02,73,41,7
Euroraum2,42,31,52,52,92,73,51,6
Neu industrialisierte Volkswirtschaften in Asien7,77,56,35,8−2,48,08,50,8
Entwicklungsländer6,76,16,55,83,53,95,74,0
Afrika2,33,05,63,13,42,63,03,7
Entwicklungsländer in Asien9,69,08,36,64,06,16,75,6
China12,610,59,68,87,87,18,07,3
Indien6,87,67,55,05,86,75,44,3
ASEAN-417,68,17,33,4−9,42,95,12,6
Naher Osten und Türkei20,54,24,85,63,91,05,82,1
Westliche Hemisphäre5,01,83,65,22,30,24,00,7
Brasilien5,94,22,63,30,20,84,41,5
Transformationsländer−8,5−1,5−0,51,6−0,83,66,65,0
Mittel- und Osteuropa3,05,64,02,62,32,23,83,1
Gemeinschaft unabhängiger Staaten und Mongolei−14,5−5,5−3,31,1−2,84,68,36,2
Russland−13,5−4,2−3,40,9−4,95,49,05,0
Ohne Russland−16,6−8,6−3,11,51,72,87,08,8
Merkposten
Wachstum der Weltwirtschaft, gemäß Marktwechselkursen3,12,83,33,52,33,04,01,4
Welthandelsvolumen (Güter und Dienstleistungen)8,89,76,810,54,25,312,4−0,2
Einfuhren
Fortgeschrittene Volkswirtschaften9,58,76,49,35,97,811,6−1,5
Entwicklungsländer6,519,19,611,7−0,81,316,02,9
Transformationsländer6,011,28,915,2−0,2−7,013,210,8
Ausfuhren
Fortgeschrittene Volkswirtschaften8,68,36,010,54,05,211,7−1,3
Entwicklungsländer11,611,09,613,84,84,315,03,0
Transformationsländer3,09,46,69,03,6−0,714,66,3
Rohstoffpreise (US-Dollar)
Öl3−5,07,918,4−5,4−32,137,557,0−14,0
Rohstoffe ohne Brennstoffe (Durchschnittswerte gestützt auf gewichteten Weltrohstoffexport)13,48,4−1,3−3,0−14,7−7,01,8−5,5
Verbraucherpreise
Fortgeschrittene Volkswirtschaften2,62,62,42,11,51,42,32,2
Entwicklungsländer55,323,215,410,010,66,96,15,7
Transformatiousländer252,5133,842,527,321,844,120,215,9
Londoner Interbanken-Angebotssatz (LIBOR) für Sechsmonatsgeld (Prozent)
US-Dollar- Einlagen5,16,15,65,85,55,56,63,7
Yen-Einlagen2,41,30,70,70,60,20,30,2
Euro-Einlagen5,75,73,73,53,73,04,64,1
Quelle: IWF, World Economic Outlook (April 2002).

Indonesien, Malaysia, die Philippinen und Thailand.

Einschließlich Malta.

Der einfache Durchschnitt der Kassanotieungen Ihr Brem-ÖLans Großbritannien, Dubai Öl und Rohöl aus West-Texas.

Quelle: IWF, World Economic Outlook (April 2002).

Indonesien, Malaysia, die Philippinen und Thailand.

Einschließlich Malta.

Der einfache Durchschnitt der Kassanotieungen Ihr Brem-ÖLans Großbritannien, Dubai Öl und Rohöl aus West-Texas.

Die Kapitalströme in die aufstrebenden Volkswirtschaften folgten einem weitgehend ähnlichen Muster und waren im Jahr 2001 zumeist schwach, da die Besorgnisse der Investoren wegen der Risiken zunahmen, und zwar vor allem infolge der Krise in der Türkei zu Beginn des Jahres, der Terroranschläge im September und der zunehmenden Schwierigkeiten in Argentinien. Die Auswirkungen der Terroranschläge erwiesen sich aber als weniger dauerhaft als ursprünglich befürchtet, und die Krise in Argentinien hatte gegen Ende des Jahres 2001 nur relativ geringe unmittelbare Ansteckungswirkungen auf andere Länder. Infolgedessen verstärkten sich die Kapitalströme in die aufstrebenden Volkswirtschaften im ersten Quartal 2002, und die Risikoprämien gingen, wie im EMBI+ dargestellt, auf ein Niveau zurück, das zuletzt vor der Krise in Russland im Jahr 1998 erreicht worden war.

Weltwirtschaftliches Umfeld

Die Entwicklungen an den Rohstoffmärkten wurden von heftigen Schwankungen des Ölpreises bestimmt, die sowohl nachfrage- als auch angebotsseitige Faktoren widerspiegelten. Die Ölpreise blieben während des Großteils des Jahres 2001 in dem von der Organisation Erdöl exportierender Staaten (OPEC) festgelegten Referenzbereich von 22–28 US-Dollar pro Barrel, da der Nachfragerückgang auf Grund der Wachstumsabschwächung im Wesentlichen durch Produktionskürzungen der OPEC ausgeglichen wurde. Die Terroranschläge im September führten wegen Besorgnissen über Angebotsstörungen zu einem sehr kurzlebigen Preissprung. Danach fielen die Preise rasch unter die untere Grenze des Referenzbereichs der OPEC, da die Konjunkturabkühlung die aktuelle und erwartete Nachfrage sinken ließ. Sie erreichten ihren Tiefpunkt bei rund 19 US-$ pro Barrel. Diese Absenkung wurde Anfang 2002 weitgehend rückgängig gemacht, als sich die Nachfrage belebte und die OPEC sowie einzelne nicht der OPEC angehörende Länder mit weiteren Förderkürzungen auf die Preisschwäche reagierten. Im Verlauf des April bewegten sich die Preise sehr volatil um ein Niveau von 25 US-$ pro Barrel, da eine Reihe von im Wesentlichen nichtökonomischen Faktoren, wie die Verschärfung der Spannungen im Nahen Osten und politische Entwicklungen in Venezuela, Anlass zu Sorgen über Angebotsstörungen gab.

Die Preise der Nicht-Öl-Rohstoffe verharrten 2001 und Anfang 2002 im Allgemeinen auf einem niedrigen Niveau, da die Wirtschaftsflaute die längerfristige und im Wesentlichen von angebotsseitigen Faktoren sowie Subventionen der Industrieländer verursachte Preisschwäche verstärkte. Anfang 2002 konnten einzelne Preissteigerungen festgestellt werden, insbesondere für stärker konjunkturabhängige Metalle, aber insgesamt blieben die Preise für Nicht-Öl-Rohstoffe unter dem Niveau zu Beginn des Jahres 2001. Die Preise für Halbleiter, deren Märkte mehr und mehr die Merkmale von Märkten für „traditionelle” Rohstoffe aufweisen, sanken im Verlauf des Jahres 2001 kräftig, da die Nachfrage nach Produkten der Informationstechnologie stark schrumpfte, bevor sie sich Anfang 2002 nach Anzeichen einer Wachstumserholung etwas belebte.

Das Volumen des Welthandels ging im Jahr 2001 infolge der Konjunkturflaute, insbesondere im Bereich der Industrieerzeugnisse und speziell der Informationstechnologie, d. h. in Sektoren, die relativ handelsintensiv sind, zurück. Davon waren wegen der allgemeinen und synchronen Wirtschaftsabschwächung alle Regionen betroffen. Der Exportrückgang war in den aufstrebenden Volkswirtschaften Asiens (China und Indien ausgenommen) wegen der Bedeutung der Herstellung von Informationstechnologiegütern in dieser Region am stärksten ausgeprägt. Im Gegensatz zu anderen Messgrößen der Wirtschaftsaktivität, wie z. B. der Industrieproduktion, gab es zu Beginn des Jahres 2002 nur wenige Anzeichen für einen Anstieg der Handelsvolumina.

Die Kapitalströme in die aufstrebenden Marktwirtschaften schwächten sich im Jahr 2001 ab. Besonders betroffen waren die Portfolioinvestitionen, die vor allem von den Kapitalabflüssen im Gefolge der Krisen in Argentinien und der Türkei, dem Schrumpfen der Spekulationsblase im Bereich der Informationstechnologie und der Wirtschaftsabschwächung in den Vereinigten Staaten beeinflusst wurden. Dies führte zu einer allgemeinen Umorientierung der Anleger zu Vermögenswerten mit höherer Qualität. Nach den Terroranschlägen vom 11. September waren die Anleihemärkte für Neuemittenten sogar weitgehend verschlossen. In den letzten Monaten des Jahres 2001 belebten sich die Aktien- und Anleihenmärkte jedoch wieder, als sich ein globaler Wirtschaftsaufschwung abzuzeichnen begann. Außerdem verbesserte sich der Zugang der aufstrebenden Marktwirtschaften zu den Finanzmärkten, und die Kapitalströme stiegen an. Trotz eines Rückgangs bei den weltweiten ausländischen Direktinvestitionen (FDI) sowie bei den grenzüberschreitenden Unternehmenszusammenschlüssen und -übernahmen sind die Netto-FDI-Kapitalströme in die aufstrebenden Marktwirtschaften Schätzungen zufolge auf 175 Mrd. $ gestiegen. Im Verlauf des Jahres setzten die aufstrebenden Marktwirtschaften die Rückzahlung ihrer Außenverschuldung gegenüber internationalen Banken fort.

An den Anleihemärkten sind die Zinsstrukturkurven in den Vereinigten Staaten und im Eurogebiet in Erwartung eines Wirtschaftsaufschwungs recht steil geworden. Im Gegensatz dazu deutet die steilere Zinsstrukturkurve für Yen-Anleihen auf erneute Besorgnisse über den Zustand des japanischen Bankensektors hin. Auch am Markt für Unternehmensanleihen zeigte sich der Optimismus hinsichtlich eines Aufschwungs in den USA, da sich die Zinsaufschläge in den letzten beiden Monaten des Jahres verengten. Die Stärke des Marktes für langfristige Anleihen stand in Kontrast zu den Turbulenzen an den kurzfristigen Märkten. Schuldner ersetzten ihre kurzfristigen Verbindlichkeiten durch längerfristige Emissionen, da sich die Märkte für Geldmarktpapiere von Großunternehmen (commercial paper) zunehmend verteuerten.

Neue Anleiheemissionen von aufstrebenden Marktwirtschaften gingen im Jahr 2001 zurück. Wesentliche Ursache dafür war, dass zwei der größeren Emittenten von öffentlichen Anleihen, Argentinien und die Türkei, von Finanzkrisen betroffen waren und daher ihre traditionell umfangreichen Emissionsprogramme nicht aufrechterhalten konnten. Im ersten Quartal 2002, als einige Staaten erfolgreich die internationalen Märkte in Anspruch nahmen, erreichten die Anleiheemissionen von aufstrebenden Marktwirtschaften wieder die üblichen Größenordnungen.

An den Anleihemärkten der aufstrebenden Marktwirtschaften waren die direkten Auswirkungen der Krise und des Zahlungsausfalls von Argentinien zunächst begrenzt, was teilweise darauf zurückzuführen war, dass die Marktteilnehmer bei der Beurteilung von Investitionen stärker nach Ländern differenzierten. Zu den weiteren Faktoren, durch die Ansteckungseffekte eingeschränkt wurden, zählen die generell bessere Wirtschaftspolitik, die von vielen aufstrebenden Marktwirtschaften betrieben wurde, darunter die Einrichtung flexiblerer Wechselkursregime. Die Ereignisse zu Beginn des Geschäftsjahres 2003 zeigten jedoch, dass die aufstrebenden Marktwirtschaften anfällig waren, da die Anleger risikoscheuer wurden und die Sorgen über die Kontinuität der Wirtschaftspolitik und die Schuldenstruktur wichtiger verschuldeter aufstrebender Marktwirtschaften größer wurden. Diese Entwicklungen belasteten lateinamerikanische Länder besonders, da die Ansteckungswirkungen durch Kanäle des Bankensektors und einen erschwerten Zugang zu neuen Krediten deutlich wurden.

An den globalen und aufstrebenden Aktienmärkten verlief die Kursrallye vom Januar 2001, die durch die überraschende Zinssenkung in den USA ausgelöst worden war, im Februar und März rasch im Sande, als sich die Anzeichen einer Wirtschaftsabkühlung in den USA und Berichte über schwache Unternehmensgewinne mehrten. Eine weitere Kursrallye im April und Mai 2001 mündete in eine Verkaufswelle im Juni. In den Monaten vor den Terroranschlägen am 11. September lösten ungünstige Wirtschaftsindikatoren eine erhebliche Schwäche an den globalen Aktienmärkten aus. Nach starken Rückgängen in den ersten beiden Wochen nach den Anschlägen erreichten die Aktienkurse bis Mitte Oktober wieder die Niveaus, die sie vor den Anschlägen inne hatten. Die Ende September 2001 einsetzende und über das Jahresende hinaus anhaltende Kursrallye war die längste Rallye seit April 2000. Bis Mitte November kehrten die meisten Aktienmärkte zu zweistelligen Wachstumsraten zurück, nachdem das Vertrauen der Anleger auf Grund von Erwartungen über einen nahe bevorstehenden Wirtschaftsaufschwung gewachsen war. Das gestiegene Vertrauen spiegelte teilweise die zügigen geldpolitischen Reaktionen in einigen Industrieländern wider. Allerdings blieben die Aktienkurse in den Vereinigten Staaten und in Europa im ersten Quartal 2002 trotz verbesserter globaler Aussichten weitgehend unverändert, da der unerwartete Zusammenbruch von Enron und anderer großer Unternehmen zu Besorgnissen über die Qualität der Gewinnmeldungen von Unternehmen geführt hatte. Die Aktienmärkte der aufstrebenden Volkswirtschaften entwickelten sich im ersten Quartal 2002 deutlich besser als die reifen Aktienmärkte, wobei die aufstrebenden Märkte in Asien auf Grund eindrucksvoller Gewinne von Technologieunternehmen am besten abschnitten.

An den Devisenmärkten blieb der US-Dollar im Jahr 2001 ungeachtet der Wirtschaftsabschwächung im vierten Quartal bemerkenswert stark. Diese Stärke hielt im ersten Quartal 2002 an, da die Märkte erwarteten, dass sich die US-Volkswirtschaft als erste von der globalen Konjunkturflaute erholen würde. Im April 2002, als sich die Einstellung zum US-Dollar eintrübte, gab der Dollarkurs jedoch vor dem Hintergrund zunehmender Unsicherheit über die Gewinnaussichten der Unternehmen nach. Der Euro war im Jahr 2001 und im ersten Quartal 2002 gegenüber dem US-Dollar schwach, tendierte aber im April nach oben, während der japanische Yen fest blieb und die Kursgewinne des Dollars begrenzte. In den aufstrebenden Marktwirtschaften verlor die türkische Lira im Jahr 2001 mehr an Wert als jede andere Währung, nachdem die Türkei den Wechselkurs am Anfang des Jahres freigeben musste. Der südafrikanische Rand sowie in geringerem Umfang auch das ägyptische Pfund, der brasilianische Real und der chilenische Peso schwächten sich während des Jahres ebenfalls erheblich ab. Im Gegensatz dazu zogen der mexikanische Peso sowie die Währungen der Tschechischen Republik, von Ungarn und Polen merklich an. Anfang 2002 sah sich Argentinien dazu gezwungen, die Currency-Board-Vereinbarung aufzugeben. Daraufhin verlor der argentinische Peso erheblich an Wert. Bis Mai 2002 hatte sich der südafrikanische Rand von seinem Tiefstand im Jahr 2001 wieder erholt und erwies sich – infolge höherer Rohstoffpreise – als die Währung unter den aufstrebenden Marktwirtschaften mit der stärksten Aufwertung in den ersten Monaten des Jahres 2002, gefolgt von der indonesischen Rupie, die von Fortschritten bei der Umsetzung von Reformen profitierte.

Zentrale Entwicklungen in den aufstrebenden Marktwirtschaften und den Industrieländern

In den aufstrebenden Marktwirtschaften Lateinamerikas ging das Wachstum während des Großteils des Jahres 2001 zurück. Dieser Rückgang spiegelt die Abschwächung in den Industrieländern, schwierige externe Finanzierungsbedingungen, die wegen des hohen externen Finanzierungsbedarfs, der Region besonders bedeutsam sind und während der Krise in Argentinien gegen Ende des Jahres 2001 einen Höhepunkt erreichten, sowie eine Reihe von länderbezogenen Faktoren wider. Nach Beginn der Krise in Argentinien gingen die Wirtschaftsentwicklungen auseinander. So herrschten in Argentinien sehr schwierige Bedingungen, während es in anderen Ländern mehr und mehr Anzeichen für ein Ende der Abschwächung gab. Dies gilt insbesondere für die Länder mit den engsten Handelsverbindungen zu den Vereinigten Staaten, zu denen die Staaten in Zentralamerika und der Karibik zählen. Die Inflation blieb wegen der schwachen Konjunktur und verbesserter wirtschaftspolitischer Rahmenbedingungen niedrig.

Die aufstrebenden Marktwirtschaften in Asien erlebten im Jahr 2001 – mit den bedeutenden Ausnahmen China und Indien – eine spürbare Wachstumsverlangsamung. Im Jahr 2002 wurden hier aber erste Anzeichen für einen Umschwung erkennbar. Die Inflation in der Region blieb gering. Die Wirtschaftsentwicklung wurde weitgehend vom externen Umfeld, einschließlich der rückläufigen Tendenzen in der globalen- Informationstechnologie Industrie und der Ölpreisentwicklung, bestimmt. In den meisten Erdöl importierenden Ländern führten die hohen Preise Ende 2000 und im Großteil des Jahres 2001 zu einer Abschwächung von Einkommen und Nachfrage. In der Folgezeit unterstützten die niedrigeren Ölpreise gegen Ende des Jahres 2001 und Anfang 2002 den Aufschwung, obwohl die Preiserhöhungen Anfang 2002 diese Impulse verminderten. Das umgekehrte Muster gilt für die Ölproduzenten der Region. Ungünstigere externe Bedingungen im Jahr 2001 breiteten sich auch auf die binnenwirtschaftlichen Sektoren aus. Dadurch wurden die Nachfrage, das Vertrauen und die Beschäftigung weiter reduziert, wobei wirtschaftliche und politische Unsicherheiten in einzelnen Ländern das Wachstum zusätzlich verringerten. Im Gegensatz dazu war die Wirtschaftsaktivität in China und in geringerem Maße in Indien weiterhin relativ lebhaft. Dies ist im Wesentlichen darauf zurückzuführen, dass beide Länder weniger abhängig vom Außenhandel sind als andere Volkswirtschaften in der Region, aber auch auf eine stärkere Binnennachfrage, auch wenn hier die Wachstumsraten seit dem Jahr 2000 ebenfalls etwas zurückgegangen sind.

Die wirtschaftliche Entwicklung in Mittel- und Osteuropa verlief im Vergleich zu anderen Regionen mit aufstrebenden Marktwirtschaften während der globalen Abschwächung im Allgemeinen recht gut. Es ist nicht überraschend, dass die Exporte, die vorwiegend in die Europäische Union geliefert werden, im Gefolge der geringen externen Nachfrage im Jahr 2001 und Anfang 2002 sanken. In einzelnen Fällen wurde dieser Rückgang durch einen Zugewinn an Marktanteilen teilweise ausgeglichen. Zumeist wurde der Ausfall an externer Nachfrage durch eine relativ robuste inländische Nachfrage weitgehend kompensiert, die im Allgemeinen durch eine geringe Inflation, niedrige Zinssätze, hohe (oft durch ausländische Direktinvestitionen angetriebene) Investitionsausgaben sowie fiskalpolitische Impulse in verschiedenen Ländern unterstützt wurde. Es gab eine bedeutende Ausnahme. Die Türkei erlitt im Jahr 2001 die schwerste Rezession seit über 50 Jahren. Die Ereignisse am 11. September machten dabei die ersten Anzeichen eines Aufschwungs nach der Wirtschaftsund Finanzkrise zu Beginn des Jahres, insbesondere durch die negativen Einflüsse auf Handel, Tourismus und das Vertrauen an den Finanzmärkten, zunichte. Die realwirtschaftlichen und finanziellen Indikatoren deuteten gegen Ende des Jahres 2001 und Anfang 2002 daraufhin, dass sich die Bedingungen wieder verbesserten; die Kapazitätsauslastung erhöhte sich in der zweiten Jahreshälfte 2001, die Zinssätze fielen ab Mitte Oktober deutlich, und der Wechselkurs sowie die Aktiennotierungen tendierten nach oben.

Die Wachstumsraten in der Gemeinschaft unabhängiger Staaten zeigten sich bemerkenswert widerstandsfahig gegenüber der globalen Abschwächung im Jahr 2001; sie fielen nur geringfügig auf durchschnittlich 6¼%. Dies ist das höchste Expansionstempo unter den größeren Entwicklungs- und Transformationsländerregionen. Diese Entwicklung wurde vom anhaltend starken Wachstum in den größten Volkswirtschaften getragen. Wegen der starken Handels- und Finanzbeziehungen profitierten davon auch die übrigen Länder der Region. Das robuste Wachstum wurde in vielen Fällen durch eine bessere makroökonomische Stabilität und Politik sowie durch länderspezifische Faktoren gefördert.

Das Wachstum in Afrika hielt sich im Jahr 2001 und Anfang 2002 im Vergleich zu anderen Teilen der Welt, ungeachtet des schwächeren externen Umfelds, ebenfalls gut. Die zentralen Faktoren, die die Aussichten für den Großteil der Region beeinflussten, waren erneut das Zusammenwirken von Entwicklungen an den Rohstoffmärkten, die Durchführung der Wirtschaftspolitik sowie das Ausmaß von bewaffneten Konflikten und andere Formen von Spannungen in der Bevölkerung. Die Schwankungen der Ölpreise hatten unterschiedliche Auswirkungen: Höhere Ölpreise unterstützten die Wirtschaftsaktivität in Erdöl produzierenden Ländern, hatten aber schädliche Auswirkungen auf viele andere Rohstoff exportierende Länder in der Region. Zu diesen zählen viele der ärmsten Länder, die außerdem von niedrigeren Preisen für Nicht-Öl-Rohstoffe in Mitleidenschaft gezogen wurden. Ungeachtet dessen ist festzustellen, dass es in jeder dieser Gruppen sowohl Länder mit einer starken als auch Länder mit einer schwachen Entwicklung gibt. Dabei spielte die Qualität der nationalen Politik und das Ausmaß von Konflikten eine zentrale Rolle, ob ein Land der externen Abschwächung widerstehen konnte.

Das Wachstum im Nahen Osten verlangsamte sich im Jahr 2001 und Anfang 2002 erheblich. Ursächlich dafür waren im Wesentlichen die globale Abschwächung, eine geringere Ölförderung und nach den Terroranschlägen am 11. September die regionale Sicherheitslage. Die Verringerung der Ölförderung gemäß der OPEC Vereinbarung zur Stützung fallender Ölpreise verringerte das reale BIP in den Erdöl exportierenden Ländern. Darüber hinaus dämpfte auch die Sicherheitslage die Wirtschaftsaktivität, einschließlich des Tourismus. Davon waren vor allem Ägypten, Israel, Jordanien und die Arabische Republik Syrien betroffen.

In den Industrieländern war im Jahr 2001 ein schwaches Wachstum zu verzeichnen. Die Konjunkturabkühlung war in den Vereinigten Staaten und in Kanada, teilweise als Reaktion auf das stärkere Wachstum im Jahr 2000, besonders ausgeprägt. In beiden Volkswirtschaften gab es in den ersten Monaten des Jahres 2002 mit positiven Wachstumsraten im letzten Quartal 2001 und einer substanziellen Wachstumsbeschleunigung im ersten Quartal 2002 deutliche Anzeichen für einen Aufschwung. Auch in Europa kam es zu einer signifikanten Verlangsamung der Expansion. Innerhalb Europas fiel das Wachstum in Deutschland und Italien besonders schwach aus, während es sich in Frankreich und im Vereinigten Königreich vergleichsweise robust zeigte. Die Stärke der inländischen Nachfrage war dabei für viele der Unterschiede zwischen den Ländern verantwortlich. In Australien und Neuseeland blieb das Wachstum relativ kräftig; dies hing im Wesentlichen mit der kräftigen inländischen Nachfrage zusammen. Im Gegensatz dazu geriet Japan in die dritte und schwerste Rezession des vergangenen Jahrzehnts. Auch wenn externe Faktoren die Abschwächung förderten, so spielte die inländische Nachfrageschwäche ebenfalls eine maßgebliche Rolle. Anfang 2002 gab es jedoch Anzeichen dafür, dass die Wirtschaft ihren Tiefpunkt erreicht hatte.

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