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Kapitel 5. Artikel IV-Konsultationen

Author(s):
International Monetary Fund
Published Date:
October 1997
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Gemäß den Bestimmungen des Artikels IV des IWF-Übereinkommens hält der Fonds bilaterale Konsultationen mit allen seinen Mitgliedern ab, in den meisten Fällen einmal im Jahr. Im Rahmen dieser Konsultationen besucht eine Gruppe aus dem Stab des Fonds ein Land, um mit hochrangigen Vertretern des jeweiligen Landes die wirtschaftlichen Entwicklungen sowie die Geld-, Finanz- und Strukturpolitik der Behörden zu erörtern. Die Gruppe sammelt auch relevante wirtschaftliche und finanzielle Informationen über die wirtschaftliche Lage des Landes. Nach ihrer Rückkehr in die Zentrale des Fonds erstellt die Gruppe einen Bericht, der die Wirtschaftslage analysiert und die Politik bewertet und als Grundlage für die Aussprache im Direktorium dient. Am Ende der Aussprache faßt der Geschäftsführende Direktor als Vorsitzender des Direktoriums die Stellungnahmen der Direktoren zusammen. Diese Zusammenfassung wird an die Behörden des Landes weitergeleitet. Im April 1997 kam das Direktorium überein, nach Abschluß von Artikel IV-Konsultationen mit Mitgliedern Presse-Informations-Mitteilungen auf freiwilliger Basis zu veröffentlichen (siehe Kapitel 4, Abschnitt über die zweijährliche Überwachung und Anhang V). Im Jahre 1996/97 hat der Fonds 150 Artikel IV-Konsultationen abgeschlossen (siehe Tabelle 3).

Tabelle 3Im Geschäftsjahr 1997 abgeschlossene Artikel IV-Konsultationen
Ägypten11. Oktober 1996
Albanien28. Februar 1997
Algerien26. Juni 1996
Antigua und Barbuda19. Juli 1996
Äquatorialguinea27. November 1996
Argentinien30. Oktober 1996
Armenien23. September 1996
Aserbaidschan20. Dezember 1996
Äthiopien1. Mai 1996
Australien19. Februar 1997
Bahamas11. Oktober 1996
Bangladesch28, August 1996
Barbados15. November 1996
Belarus31. Juli 1996
Belgien7. Februar 1997
Benin28. August 1996
Bhutan6. Dezember 1996
Bosnien und Herzegowina26. August 1996
Botsuana5. Mär/ 1997
Brasilien3. März 1997
Brunei Darussalam1. Mai 1996
Burkina Faso14. Februar 1997
Chile30. August 1996
Costa Rica14. Juni 1996
Cõte d'Ivoire15. November 1996
Dänemark24. Februar 1997
Deutschland6. September 1996
Dominica1. Juli 1996
Dominikanische Rcp,15. Mai 1996
Eritrea12. Juni 1996
Estland29. Juli 1996
Fidschi21. August 1996
Finnland29. Juli 1996
Frankreich16. Oktober 1996
Georgien23. September 1996
Georgien21. März 1997
Ghana21, Juni 1996
Grenada29. Mai 1996
Griechenland2. August 1996
Guatemala16. Oktober 1996
Guinea13. Januar 1997
Guinea-Bissau21. März 1997
Guyana9. Oktober 1996
Haiti18. Oktober 1996
Honduras2. Dezember 1996
Hongkong, China21. Februar 1997
Indien4, November 1996
Indonesien26. Juli 1996
Iran, Islamische Rcp.23. August 1996
Irland1. Juli 1996
Island10. Februar 1997
Israel18. Dezember 1996
Italien4. April 1997
Jamaika26. Juli 1996
Japan24. Juli 1996
Jemen, Rep.15. Juli 1996
Jordanien10. Februar 1997
Kambodscha3. Februar 1997
Kamerun9. Oktober 1996
Kanada29. Januar 1997
Kap Verde26. August 1996
Katar7. Juni 1996
Kenia21. März 1997
Kirgiesisehe Rcp.31. Juli 1996
Komoren30. August 1996
Kongo, Rep.28. Juni 1996
Korea15. November 1996
Kroatien12. März 1997
Kuwait19. August 1996
Laos, Demokrat. Volksrcp.8. Mai 1996
Lesotho23, September 1996
Lettland25. November 1996
Libanon3. Juli 1996
Libyen28. August 1996
Litauen26. Juni 1996
Madagaskar17. Mai 1996
Malawi19. Juni 1996
Malaysia30. August 1996
Malediven10. Juli 1996
Mali25. November 1996
Marokko6. Dezember 1996
Mars hall in sein21. August 1996
Mauritius10. März 1997
Mazedonien, e.j.R.11. April 1997
Mexiko2, August 1996
Mikronesicn21. August 1996
Moldau23. September 1996
Mosambik18. November 1996
Myanmar5. März 1997
Namibia3. Juli 1996
Nepal29. Mai 1996
Neuseeland25. November 1996
Nicaragua9. Oktober 1996
Niederlande3. Juni 1996
Niederländische Anrillen3. März 1997
Niger12. Juni 1996
Nigeria3. Februar 1997
Norwegen24. Februar 1997
Oman21. März 1997
Österreich24. Mai 1996
Panama19. Juli 1996
Papua-Neuguinca20. Dezember 1996
Paraguay19. Juli 1996
Philippinen20. Dezember 1996
Polen7. März 1997
Portugal18. Oktober 1996
Ruanda18. November 1996
Rumänien23. April 1997
Salomonen26. Juni 1996
Sambia8. Juli 1996
Samoa12. März 1997
San Marino24. Juli 1996
Säo Tome und Principe21. Juni 1996
Saudi-Arabien24. Februar 1997
Schweden9. September 1996
Schweiz12. Februar 1997
Senegal28. Juni 1996
Singapur7. Februar 1997
Slowakische Rep,19. März 1997
Slowenien16. Dezember 1996
Spanien3. Mai 1996
Spanien19 März 1997
Sri Lanka31. Juli 1996
St. Lticia15, November 1996
St. Vincent und die Grcnadincn8. November 1996
Südafrika29. Mai 1996
Sudan12. Februar 1997
Swasiland7. März 1997
Syrien24. März 1997
Tadschikistan8. Mai 1996
Tansania8. November 1996
Thailand17, Juli 1996
Togo3. Februar 1997
Tonga27. Januar 1997
Trinidad und Tobago24. März 1997
Tschad22. Mai 1996
Tschechische Rep.27. November 1996
Türkei26. August 1996
Uganda1. Mai 1996
Uganda23. April 1997
Ungarn28. August 1996
Uruguay26. Juli 1996
Usbekistan26. Juni 1996
Vanuatu26. Juni 1996
Venezuela12. Juli 1996
Vereinigte Arab. Emirate9. Oktober 1996
Vereinigte Staaten22. Juli 1996
Vereinigtes Königreich23. Oktober 1996
Vietnam27. November 1996
Zcntralafrikan. Rcp.21. Februar 1997

In diesem Abschnitt werden die wichtigsten Elemente der Direktoriumsaussprache über die Artikel IV-Konsultationen mit einer Reihe von Ländern dargestellt. Dabei wurden die einzelnen Länder aufgrund ihrer globalen oder regionalen wirtschaftlichen Bedeutung ausgewählt; einige kleinere Länder werden turnusmäßig abwechselnd in den Bericht aufgenommen. Der Abschnitt über jedes Land enthält einen kurzen Überblick über wichtige makroökonomische und strukturelle Entwicklungen zum Zeitpunkt der Konsultation und eine Tabelle mit den wichtigsten Wirtschaftsdaten, die dem Direktorium zu diesem Zeitpunkt Vorlagen. Anschließend folgt eine Zusammenfassung der Schlußfolgerungen der Direktoriumsaussprache. In einer Reihe von Fällen, in denen eine Konsultation früh im Geschäftsjahr abgehalten wurde und in denen es nachträglich bedeutende Entwicklungen gegeben hatte, ist der Tabelle der ausgewählten Wirtschaftsindikatoren eine zusätzliche Spalte mit aktualisierten Schätzungen des Stabes hinzugefügt worden. Außerdem ist der Text in einigen Fällen, in denen es in dem betreffenden Mitgliedsland seit Abschluß der Konsultation einige bedeutende wirtschaftspolitische Veränderungen gegeben hat, um einen zusätzlichen Absatz ergänzt worden.

Fortgeschrittene Volkswirtschaften

Wichtige Industrieländer

Vereinigte Staaten

Das Direktorium schloß die ArtikelIV-Konsultation mit den Vereinigten Staaten im Juli 1996 ab. Dies geschah nach einem Jahr sich erholender wirtschaftlicher Aktivität (siehe Tabelle 4). Das Wachstum beschleunigte sich im dritten Quartal 1995, verlangsamte sich im vierten Quartal und stieg erneut auf 2,3% (Jahresrate) im ersten Quartal 1996. Im letzten Vierteljahr wurde das Wachstum weitgehend von der Stärke des Verbrauchs und der privaten Anlageinvestition getragen, die die negativen Auswirkungen der Entwicklung der Lagerinvestitionen und der Nettoexporte mehr als ausglichen. Die Arbeitslosenquote schwankte um einen Tiefstand von etwa 5,6% im Jahre 1995 und Anfang 1996, da die Beschäftigung stark anstieg und der Anteil der Erwerbstätigen an der Gesamtbevölkerung zunahm.

Tabelle 4Vereinigte Staaten: Konjunkturindikatoren

(Bei der Direktoriumsaussprache im Juli 1996 vorliegende Daten)1

1993199419951996
Vorausschätzungen

zum Zeitpunkt

der Direktoriums-

aussprache
Ergebnis2
Prozent
Binnenwirtschaft
Veränderung des realen BIP2,33,52,02,22,4
Arbeitslosenquote6,96,15,65,65,4
Veränderung der Verbraucherpreise (Periodenende)2,82,72,52,93,3
Milliarden US-Dollar1
Außenwirtschaft
Ausfuhren, fob450,8502,5575,9615,2611,7
Einfuhren, fob−589,4−668,6−749,4−788,9−799,3
Leistungsbilanz−99,9−148,4−148,2−150,9−165,1
Direktinvestitionen−35,1−4,7−35,3−4,4
Portfolioinvestitionen−41,831,095,6180,9
Kapitalbilanz56,4134,7116,6218,2
Bruttoreserven70,845,6100,0129,4
Leistungsbilanz (Prozent des BIP)−1,5−2,1−2,0−2,0−2,2
Veränderung des realen effektiven Wechselkurses (Prozent)2,6−1,1−5,55,9
Prozent des BIP1
Finanzielle Größen
Finanzierungssaldo des gesamten Staatssektors−3,6−2,3−2,0−1,5−1,4
Bruttoersparnis14,315,215,916,016,8
Bruttoinvestitionen316,517,717,717,8
Veränderung der breit abgegrenzten Geldmenge (M2; Jahresvcrglcich; Prozent)1,11,42,14,9
Zinssatz für Dreimonats-US-Schatzwechsel (Jahresdurchschnitt; Prozent)3,04,25,55,25,1

Soweit nicht anders vermerkt.

Aktualisierte IWF-Schätzungen.

Einschließlich der von den Vereinigten Staaten erhaltenen Nettokapitalzuschüsse.

Soweit nicht anders vermerkt.

Aktualisierte IWF-Schätzungen.

Einschließlich der von den Vereinigten Staaten erhaltenen Nettokapitalzuschüsse.

Der Anstieg der Verbraucherpreise bewegte sich 1995 mit 2,8% in der gleichen Größenordnung wie im Durchschnitt der letzten vier Jahre, während die Inflation gemessen am Index der Erzeugerpreise und dem BIP-Deflator einen leichten Anstieg verzeichnete. Auf der Verbraucher- und Produzentenebene stieg die Inflation während der ersten fünf Monate von 1996 infolge wetterbedingter Erhöhungen der Lebensmittel- und Energiepreise.

Stetige Fortschritte wurden bei der Reduzierung des Budgetdefizits erzielt, das von 3% des BIP im Haushaltsjahr 1994 (das jeweils im September endet) auf 2,3% im Haushaltsjahr 1995 fiel, worin sich Ausgabenkürzungen, Steuererhöhungen und die Auswirkungen des wirtschaftlichen Aufschwungs widerspiegelten. Infolge der höher als erwarteten Einnahmen in den ersten sieben Monaten des Haushaltsjahres 1996 und aufgrund von Ausgabenbeschränkungen wurde zum Zeitpunkt der Konsultation damit gerechnet, daß das Budgetdefizit des Bundes im laufenden Haushaltsjahr auf etwa 1,6% des BIP sinken werde.

Die Federal Reserve hatte im Juli 1995 in Reaktion auf eine Verlangsamung des Wirtschaftswachstums und auf Anzeichen dafür, daß sich der potentielle Inflationsdruck verringerte, die Geldpolitik zu lockern begonnen. Der Zielsatz für Federal Funds wurde bis Januar 1996 auf 5¼% gesenkt und dort während der ersten Hälfte von 1996 belassen. Die langfristigen Sätze fielen 1995 um mehr als 2 Prozentpunkte, stiegen aber um über 100 Basispunkte in der ersten Hälfte von 1996, was in erster Linie darauf zurüczuführen war, daß sich das Wirtschaftswachstum in der ersten Hälfte von 1996 anscheinend rascher als erwartet erholte.

Der Dollar, der sich Ende 1995 von den historischen Tiefstständen gegenüber dem Yen und der D-Mark erholt hatte, gewann Anfang 1996 aufgrund des An-stiegs der US-Zinsen etwas weiter an Wert. Das Leistungsbilanzdefizit der USA verringerte sich 1995 geringfügig auf 2,0% des BIP. Das Defizit im Warenhandel belief sich unverändert auf 2,4% des BIP. Die privaten Nettokapitalzuflüsse sanken 1995 erheblich, da in den Bereichen des Bankensektors und der Direktinvestitionen im Gegensatz zum Vorjahr Nettoabflüsse zu verzeichnen waren, die nur teilweise durch eine deutliche Zunahme des ausländischen Netto-Erwerbs von US-Wertpapieren ausgeglichen wurde.

In ihrer Aussprache würdigten die Direktoren die günstige Entwicklung der US-Wirtschaft, wobei sie insbesondere das anhaltende Wachstum hervorhoben, das mit einer beeindruckenden Zahl neuer Arbeitsplätze und niedrigen Arbeitslosenquoten einhergegangen sei, während die Inflation unter Kontrolle gehalten worden sei. Sie lobten auch die sachkundige Handhabung der Geldpolitik und den Erfolg beim Abbau des Haushaltsdefizits.

Die Direktoren stimmten darin überein, daß die unmittelbare Herausforderung darin bestehe, die erreichten Fortschritte auf dem Gebiet der Inflationsbekämpfüng zu bewahren. Das Tempo der wirtschaftlichen Aktivität habe sich seit Anfang 1996 mit rasch steigender Inlandsnachfrage beschleunigt. Im Ergebnis sei die Kapazitätsauslastung der Wirtschaft hoch, und die Arbeitslosenquote sei auf niedrige Werte gefallen. Zudem scheine sich die erhebliche Stärke der Wirtschaft in der zweiten Hälfte des Jahres fortzusetzen. Unter diesen Bedingungen stimmten die meisten Direktoren darin überein, daß eine frühe Straffung des geldpolitischen Kurses erforderlich sei, um sicherzustellen, daß kein neuer Inflationsdruck auftrete, und um zu verhindern, daß sich negative Erwartungen und Unsicherheiten an den Aktien- und Rentenmärkten aufbauen.

Im Hinblick auf das niedrige Niveau der inländischen Ersparnis in den USA und das Ungleichgewicht zwischen Ersparnis und Investitionen glaubten die meisten Direktoren, daß das Defizit im Bundeshaushalt die bedeutendste wirtschaftspolitische Herausforderung auf mittlere Sicht bleibe. Daher sei es wichtig, den Konsens, bis zum Haushaltsjahr 2002 ein ausgeglichenes Budget zu erreichen, in gesetzliche Maßnahmen umzusetzen. Einige Direktoren erklärten, daß die notwendige Anstrengung zum Ausgleich des Haushalts größer sein könne als erwartet. Gefragt wurde, ob weitere erhebliche Kürzungen der disponiblen Ausgaben durchführbar seien und ob die Ersparnis aus den vorgeschlagenen Reformen im Bereich der Sozialleistungen so groß wie angenommen sein würde. Außerdem erklärten die Direktoren, daß Steuersenkungen aufgeschoben werden sollten, bis erhebliche Fortschritte in Richtung auf einen ausgeglichenen Haushalt erzielt worden seien, da ein Großteil des von den Behörden beabsichtigten Defizitabbaus erst gegen Ende des haushaltspolitischen Zeithorizonts erreicht werde. Es sei auch wichtig, schnell zu handeln, um den kommenden Haushaltsproblemen zu begegnen, die aufgrund der Alterung der US-Bevölkerung erwartet würden.

Bezüglich der mittelfristigen Ausrichtung der Geldpolitik stimmten die Direktoren darin überein, daß die Preisstabilität das vorrangige langfristige Ziel sein solle. Sie unterstützten die Handhabung der Geldpolitik durch die Federal Reserve, einschließlich ihres aufmerksamen Achtens auf sich abzeichnende Inflationsgefahren. Sie lobten ihre Bereitschaft, auf der Basis ihrer Einschätzung vorbeugend zu handeln; dies habe zu den beneidenswerten Preisstabilitätsergebnissen beigetragen.

Die Direktoren äußerten im wesentlichen Genugtuung darüber, daß die Stärkung des US-Dollar geholfen habe, die Gesamtnachfrage in den Vereinigten Staaten zu dämpfen, und daß sie zum wirtschaftlichen Aufschwung in anderen wichtigen Industrieländern beigetragen habe. Sie stellten jedoch fest, daß das Leistungsbilanzdefizit der USA groß bleibe und daß die Netto-Auslandsverbindlichkeiten der Vereinigten Staaten weiter wüchsen. Sie sahen in einer weiteren Straffung der Fiskalpolitik auf mittlere Sicht das beste Mittel, um die inländische Ersparnis zu erhöhen und zu einem Abbau der Beanspruchung der globalen Ersparnis durch die USA beizutragen.

Die Direktoren begrüßten die Unterstützung der USA für die Handelsliberalisierung in multilateralen und regionalen Gremien. Sie forderten die Behörden auf, die verbesserten Streitschlichtungsverfahren der Welthandelsorganisation (WTO) voll zu nutzen, und sie betonten, daß einseitige handelspolitische Maßnahmen der Vereinigten Staaten das Risiko beinhalteten, die Effektivität des multilateralen Handelssystems zu untergraben. Die Direktoren sprachen ihr Bedauern über den Rückgang der offiziellen Entwicklungshilfe der USA im Verhältnis zum BIP und über die Zahlungsrückstände gegenüber multilateralen Institutionen aus.

Nach der Konsultation verlangsamte sich das wirtschaftliche Wachstum im dritten Quartal 1996; aber es beschleunigte sich deutlich im vierten Quartal und behielt Anfang 1997 ein sehr hohes Tempo bei. Die Wirtschaft erreichte ein sehr hohes Niveau der Kapazitätsauslastung; das Wachstum der Produktion übertraf das geschätzte Potential-Wachstum, und die Arbeitslosenquote fiel von 5,8% Anfang 1996 auf 5,2% bis 5,4% in der zweiten Hälfte 1996 und Anfang 1997. Trotz anhaltend hoher Kapazitätsauslastung gab es wenig direkte Anzeichen inflationären Drucks, und die Kern-Verbraucherpreissteigerungsrate (der Vebraucherpreisindex ohne Lebensmittel- und Energiepreise) verringerte sich während des Jahres 1996 bis ins Jahr 1997 hinein etwas. Dennoch beschloß der Offenmarktausschuß — unter Hinweis auf die Notwendigkeit vorausschauenden Handelns für die Geldpolitik und angesichts der Besorgnisse über die anhaltende Stärke der Gesamtnachfrage mit ihren Risiken für die Inflationsaussichten —, die Geldpolitik zu straffen, indem er den Zielbereich für den Federal-Funds-Satz um ¼% auf 5,5% im März 1997 erhöhte. Das Haushaltsdefizit wurde 1996 auf 1,4% des BIP reduziert, verglichen mit 3,6% 1993, und eine Einigung wurde über einen finanzpolitischen Rahmenplan erzielt, der bis 2002 den Haushaltsausgleich ermöglichen wird.

Japan

Das Direktorium schloß die Artikel-IV-Konsultation mit Japan im Juli 1996 ab. Das Tempo des Aufschwungs hatte sich nach dem Platzen der “Preisblase” bei Vermögenswerten (asset price bubble) 1990-91 seit Mitte 1995 beschleunigt (siehe Tabelle 5), und das reale BIP-Wachstum erreichte 3% im ersten Quartal 1996 und eine durchschnittliche Jahresrate von 6,5% in den drei Quartalen seit Mitte 1995. Diese deutliche Beschleunigung beruhte auf einer Ausweitung aller wichtigen Komponenten der Inlandsnachfrage. Die Arbeitslosenquote stieg Ende 1995 auf einen historischen Höchststand von beinahe 3,5%; andere Indikatoren deuteten jedoch auf den Beginn eines Umschwungs in der Lage auf dem Arbeitsmarkt hin.

Tabelle 5Japan: Konjunkturindikatoren

(Bei der Direktoriumsaussprache im Juli 1996 vorliegende Daten)1

1993199419951996
Vorausschätzungen

zum Zeitpunkt

der Direktoriums-

aussprache
Ergebnis2
Prozent
Binnenwirtschaft
Veränderung des realen BIP0,10,50,93,43,6
Arbeitslosenquote2,52,93,13,33,4
Veränderung der Verbraucherpreise (Periodendurchschnirt)1,30,7−0,10,20,1
Milliarden US-Dollar1
Außenwirtschaft
Ausfuhren, fob352,9386,0429,4420,6400,2
Einfuhren, fob213,3241,5297,2327,8316,7
Leistungsbilanz132,0130,6111,469,566,0
Direktinvestitionen−13,7−17,2−22,7−23,323,5
Portfolioinvestitionen−70,7−26,7−36,2−43,6−43,6
Kapitalbilanz−1,5−1,9−2,3−0,2−0,2
Bruttoreserven398,5125,9183,2216,6216,6
Leistungsbilanz (Prozent des BIP)3,12,82,21,51,4
Veränderung des realen effektiven Wechselkurses (Prozent)22,17,65,7−13,3−14,8
Prozent des BIP1
Finanzielle Größen
Finanzierungssaldo des gesamten Staatssektors−1,6−2,1−3,1−4,0−4,6
Finanzierungssaldo des gesamten Staatssektors (ohne Sozialversicherung)−4,8−5,0−5,9−6,8−7,3
Bruttoersparnis32,831,530,831,131,2
Bruttoinvestitionen29,728,728,729,929,8
Veränderung der breit abgegrenz ten Geldmenge (M3; Prozent)3,94,03,0
Zinssatz für Dreimonats-Einlagenzertifikate (Durchschnitt; Prozent)2,82,12,1

Soweit nicht anders vermerkt.

Aktualisierte IWF-Sehätzungen.

Ohne Gold.

Soweit nicht anders vermerkt.

Aktualisierte IWF-Sehätzungen.

Ohne Gold.

Nach leicht deflationärem Druck im Jahre 1995 begannen die Verbraucherpreise in der ersten Hälfte von 1996 etwas zu steigen, was mehr auf die Folgewirkungen der Yen-Abwertung als auf angespanntere Markt-Verhältnisse zurückzuführen war. Die meisten Indikatoren deuteten auf anhaltend große unausgelastete Kapazitäten auf den Produktionsund Arbeitsmärkten hin. Die Ausgaben der Konsumenten nahmen 1995 nur bescheiden zu, machten aber im ersten Quartal 1996 einen Sprung um 2,5%. Aktuellere Verbrauchsdaten deuteten daraufhin, daß die starke Belebung der Wirtschaftsaktivität im ersten Quartal ein vorübergehendes Phänomen war, wie auch die Daten über öffentliche Investitionen und den Wohnungsbau, die Industrieproduktion und die Beschäftigung zeigten.

Seit Mitte 1995 lockerte sich die geldpolitische Lage erheblich auf, da die Zinssätze sanken und der Yen wieder zurückfiel. Das Wachstum der breiten Geldmenge (M3) blieb stabil bei etwa 4%, aber niedrigere Zinssätze führten zu einer Umschichtung in liquidere Einlagen und Bargeld, wodurch das Wachstum von M2 plus Depositenzertifikate (Certificates of Deposits - CDs) auf etwa 3% zunahm, während die Ausweitung von Ml auf über 15% emporschnellte. Nach erneut flachem Verlauf im Jahre 1994 erholte sich 1995 sowohl die Expansion der inländischen Kredite als auch die der Bankenausleihungen. Die Umschichtung von Einlagen bei Banken in solche des Postsparsystems hielt an, und das Verhältnis von Postspareinlagen zu M2 plus CDs erreichte beinahe 40%.

Der Finanzierungssaldo des gesamten Staatshaushalts (ohne Sozialversicherung) verschlechterte sich von einer ungefähr ausgeglichenen Lage im Haushaltsjahr 1990 in ein Defizit von 6,5% des BIP im Haushaltsjahr 1995, und zwar in erster Linie infolge der schwachen Konjunktur und ihrer Rückwirkungen auf die Einnahmen sowie einer Umkehr des vorübergehenden Einnahmeanstiegs aufgrund der spekulativen Preissteigerungen bei Vermögenswerten. Die Verschlechterung der Wirtschaftslage Anfang 1995 veranlaßte die Behörden, im September 1995 ein wirtschaftliches Stimulierungspaket zu beschließen, das öffentliche Investitionen im Volumen von 8 Billionen Yen und die Verlängerung einer Einkommensteuersenkung um ein weiteres Jahr vorsah. Im Haushaltsjahr 1996 gingen daher von der Finanzpolitik erhebliche expansive Impulse auf die Wirtschaft aus.

Die außenwirtschaftlichen Salden sanken angesichts des Rückgangs des realen gewogenen Außenwertes des Yen seit Mitte 1995 sowohl nominal als auch real gerechnet kräftig bis auf ein Niveau in der Nähe historischer Trends. Die Verminderung der außenwirtschaftlichen Salden wurden zum Teil auf das starke Wachstum der inländischen Nachfrage und auf strukturelle Änderungen in den Handelsbeziehungen zurückgeführt. Die realen Netto-Exporte verringerten sich erheblich, und die Warenimporte nahmen sehr viel stärker zu, als man hätte erwartet können. Sowohl die Exporte als auch die Importe wurden durch die weitere Verlagerung inländischer Produktion ins Ausland beeinflußt.

In ihrer Aussprache begrüßten die Direktoren die Zeichen, die darauf hindeuteten, daß Japan nach längerer Zeit nun in eine Erholungsphase eintrete, was teils auf die entschlossenen Stimulierungsmaßnahmen des vergangenen Jahres und die Korrektur der Überbewertung des Yen zurückzuführen sei. Die meisten Direktoren glaubten, daß diese Korrektur den Wechselkurs auf einen Wert zurückgeführt habe, der weitgehend im Einklang mit den volkswirtschaftlichen Grunddaten stehe. Die Direktoren vertraten die Auffassung, daß das kurz zuvor erfolgte Anschwellen des BIP-Wachstums wahrscheinlich die zugrundeliegende Stärke der Wirtschaftsaktivität überzeichne. Gleichzeitig deuteten der anhaltend große Output-gap, die höher als übliche Arbeitslosigkeit und das Fehlen von Lohn- und Preisdruck daraufhin, daß es wenig unmittelbare Gefahren einer wirtschaftlichen Überhitzung gebe, und die Direktoren kamen zu dem Schluß, daß die gegenwärtige Politik zunächst beibehalten und später im Jahr erneut überprüft werden solle. Längerfristig seien eine Reihe von Strukturreformen notwendig, um die Leistungsfähigkeit zu erhöhen und dauerhaftes Wachstum zu sichern.

Bezüglich der Fiskalpolitik stimmten die Direktoren darin überein, daß frühere Stimulierungspakete der wirtschaftlichen Aktivität weiterhin die erwünschte Stütze gäben. Die Haushaltsposition habe sich jedoch seit dem Zusammenbruch der “Blasen”-Wirtschaft (bubble economy) stark verschlechtert, und es sei eine erhebliche Zunahme der öffentlichen Verschuldung zu verzeichnen. Die meisten Direktoren betonten, daß die außerordentliche fiskalische Stimulierung durch die zurückliegenden Maßnahmen 1997 auslaufen sollten, wenn sich der Aufschwung wie erwartet fortsetze. Einige Direktoren stellten jedoch auch fest, daß angesichts der im historischen Vergleich hohen Arbeitslosenquote und der Risiken für die weitere wirtschaftliche Entwicklung die Notwendigkeit bestehen könne, die fiskalischen Unterstützungsmaßnahmen fortzusetzen - insbesondere wenn sich das Wachstum im weiteren Jahresverlauf abschwäche. Die Direktoren äußerten Besorgnis über die Verschlechterung der längerfristigen Haushaltsaussichten Japans und wiesen auf die schwerwiegenden Herausforderungen hin, die die alternde Bevölkerung des Landes mit sich bringe. Sie betonten, daß es wünschenswert sei, entschlossene und vorausschauende Maßnahmen zu ergreifen, um die Haushaltslage auf ein tragfähiges Fundament zu stellen, und sie begrüßten die Absicht der Behörden, die fiskalische Konsolidierung in einen mittelfristigen Rahmenplan einzubetten.

Die geldpolitische Lage war so entspannt und aufgelockert wie nie zuvor seit Beginn der Rezession, stellten die Direktoren fest. Da die Kapazitäten bei weitem nicht ausgelastet und die inflationären Risiken vernachlässigbar seien, kamen die Direktoren im wesentlichen zu dem Schluß, daß die gegenwärtige akkommodierende Ausrichtung der Geldpolitik angemessen sei und beibehalten werden solle, bis es klare Zeichen dafür gebe, daß sich die Wirtschaft auf einem sicheren Erholungspfad befinde. Einige Direktoren betonten, daß es wünschenswert sei, die Unabhängigkeit der geldpolitischen Entscheidungsträger zu stärken, wobei sie daraufhinwiesen, daß dies die Ausrichtung an längerfristigen Zielen der Politik erleichtern würde.

Die Direktoren begrüßten den im vergangenen Jahr geänderten Ansatz der Behörden zur Überwindung von Spannungen im Finanzsektor. Die Rückgewinnung der Stärke sowie des Vertrauens in den Finanzsektor werde Zeit erfordern, und sie sahen in der Verabschiedung der Gesetze, die sich mit dem jusen-Problem (der Zahlungsunfähigkeit mehrerer Wohnungsbau-Finanzierungsunternehmen) befaßten, einen wichtigen Schritt zum Abbau von Unsicherheiten. Dennoch äußerten viele Direktoren Besorgnis über die mangelnde Transparenz des beschlossenen Ansatzes zur Lösung des jusen-Problems und betonten die Notwendigkeit eines klar definierten und umfassenden Plans zur Überwindung der verbleibenden Schwierigkeiten, der sich nicht auf weitere ad-hoc-Lösungen stütze.

Die Direktoren unterstrichen die Schlüsselrolle, die die strukturelle Anpassung für die mittel- und langfristigen Wachstumsperspektiven spiele. Aus der Sicht einer Reihe von Direktoren stellte dies die wichtigste politische Herausforderung dar, und sie forderten die japanischen Behörden auf, die Anstrengungen zur Deregulierung der Wirtschaft zu beschleunigen, einschließlich der Reform des Arbeitsmarktsektors und der Umsetzung von Reformen in bezug auf die Nutzung von Grund und Boden sowie im Hinblick auf den Telekommunikationssektor. Entschlossenes Voranbringen solcher Maßnahmen werde Japans Wohlstand erhöhen und der internationalen Gemeinschaft nützen. Sie lobten Japans Rolle als der Welt größtem Geber von Finanzhilfen an Entwicklungsländer und begrüßten Japans großzügige Unterstützung der ESAF und der technischen Hilfen des Fonds.

Seit Durchführung der Konsultation haben die Behörden Japans die Einführung von Verfahrensweisen und sonstigen Maßnahmen, die im Falle des Scheiterns von Finanzinstitutionen anzuwenden sind, abgeschlossen. Das Bank von Japan-Gesetz ist mit dem Ziel, die Unabhängigkeit zu stärken, revidiert worden.

Deutschland

Das Direktorium schloß die Artikel IV-Konsultation mit Deutschland im September 1996 ab. Das reale BIP, das 1994 und in der ersten Hälfte 1995 mit beinahe 3% gewachsen war, verharrte in der zweiten Hälfte 1995 auf kaum verändertem Niveau, wodurch sich ein jährliches Wachstum von nur 1,9% ergab (siehe Tabelle 6). Im ersten Vierteljahr 1996 ging das reale BIP leicht zurück. Der private Verbrauch verzeichnete weiterhin eine moderate Wachstumsrate (0,5% pro Quartal). Die Arbeitslosigkeit erreichte im März 1996 mit 10,4% ihren höchsten Nachkriegsstand, bevor sie sich im Juni leicht auf 10,3% verminderte.

Tabelle 6Deutschland: Konjunkturindikatoren

(Bei der Direktoriumsaussprache im September 1996 vorliegende Daten)1

1993199419951996
Vorausschätzungen

zum Zeitpunkt

der Direktoriums-

aussprache
Ergebnis2
Prozent
Binnenwirtschaft
Veränderung des realen BIP−1,22,91,91,01,4
Arbeitslosenquote8,99,69,410,310,3
Veränderung der Verbraucherpreise (Periodendurchschnitt)4,52,71,81,61,5
Milliarden US-Dollar1
Außenwirtschaft
Ausfuhren, fob445,0493,3588,1594,5604,2
Einfahren, fob436,6481,9563,5558,1574,4
Leistungsbilanz−16,0−21,8−17,3−10,9−17,1
Direktinvestitionen−15,3−16,7−34,9−30,5
Portfolioinvestjtionen119,4−33,226,750,9
Kapitalbilanz0,50,2−0,711,9
Bruttoreserven14,22,0−7,2−1,3
Leistungsbilanz (Prozent des BIP)−0,9−1,0−0,7−0,5−0,7
Veränderung des realen effektiven Wechselkurses (Prozent)8,02,27,9−0,6
Prozent des BIP1
Finanzielle Größen
Finanzierungssaldo des gesamten Staatssektors−3,5−2,6−3,5−4,0−3,8
Primäre Strukturbilanz30,81,70,91,41,2
Bruttoersparnis20,621,721,720,820,7
Bruttoinvestitionen21,422,722,421,321,5
Veränderung der breit abgegrenzten Geldmenge (M3; Jahresdurchschnitt; Prozent)8,28,50,16,547,5
Zinssatz für Drehnonars-Interbank-gelder (Prozent)7,25,34,53,353,3

Soweit nicht anders vermerkt.

Aktualisierte IWF-Schätzungen.

Finanzierungssalden des gesamten Staatssektors für 1995 und 1996 wurden beeinflußt von der Einbeziehung bisher außerbudgetärer Ausgaben (hauptsächlich Zinsen), so daß Veränderungen in der primären Strukturbilanz (d. h. die Budget-Position, ausschließlich Zinstransaktionen, die bei einer Übereinstimmung von tatsächlicher und potentieller Produktion zu beobachten wäre) einen besseren Maßstab für den fiskalischen Impuls bieten.

Durchschnitt Januar-Mai 1996, gegenüber dem Durchschnitt Januar-Mai 1995.

Durchschnitt Januar-Juni 1996.

Soweit nicht anders vermerkt.

Aktualisierte IWF-Schätzungen.

Finanzierungssalden des gesamten Staatssektors für 1995 und 1996 wurden beeinflußt von der Einbeziehung bisher außerbudgetärer Ausgaben (hauptsächlich Zinsen), so daß Veränderungen in der primären Strukturbilanz (d. h. die Budget-Position, ausschließlich Zinstransaktionen, die bei einer Übereinstimmung von tatsächlicher und potentieller Produktion zu beobachten wäre) einen besseren Maßstab für den fiskalischen Impuls bieten.

Durchschnitt Januar-Mai 1996, gegenüber dem Durchschnitt Januar-Mai 1995.

Durchschnitt Januar-Juni 1996.

Die Verbraucherpreise stiegen 1995 infolge der Stärke der Deutschen Mark, des Wettbewerbdrucks im Bereich der handelbaren Güter und der Schwäche der Inlandsnachfrage nur um 1,75%. In der ersten Hälfte 1996 erhöhten sich die Verbraucherpreise nur um 1,5% im Vergleich zum entsprechenden Zeitraum von 1995, während die Großhandels-, die Produzenten- und die Importpreise fielen.

Die Haushaltsdefizite waren 1995 und 1996 erheblich höher als erwartet und überschritten die Maastricht-Referenzwerte. Anstrengungen zur Korrektur der fiskalischen Ungleichgewichte, die durch die Wiedervereinigung bedingt waren, erfuhren 1995 einen unerwarteten Rückschlag, als sich das Finanzierungsdefizit des gesamten Staatssektors um fast einen Prozentpunkt auf 3,5% des BIP erhöhte. Trotz Ausgabenbeschränkungen wurde für 1996 ein weiterer Anstieg des Defizits im Bundeshaushalt um fast einen halben Prozentpunkt des BIP erwartet, da Einnahmen infolge ungewöhnlich ausgeprägter Nachwirkungen der Rezession 1992/93 auf die Steuereinnahmen und der extensiven Nutzung spezieller Steuervergünstigungen für Investitionen in Ostdeutschland und im Wohnungsbau unerwartet stark zurückgegangen waren.

Die breit abgegrenzte Geldmenge (M3) wuchs 1995 nur um 2,7% gegenüber dem Durchschnitt des vierten Quartals 1994 und blieb damit unter dem Zielband von 4-6%, aber die Sechs-Monatsrate für M3 erhöhte sich — auf Jahresbasis umgerechnet — bis Dezember auf 6%, und bis zum Juni 1996 wuchs M3 mit einer Jahresrate von 9,3% gegenüber dem vierten Quartal 1995. Die Behörden senkten 1995 den Diskont- und Lombardsatz um insgesamt 150 Basispunkte auf 3% bzw. 5% Ende 1995, und die kurzfristigen Marktzinsen fielen im Einklang mit den offiziellen Sätzen. Trotz raschem M3-Wachstums senkte die Bundesbank den Diskont- und Lombardsatz im April erneut und brachte sie dadurch auf historische Tiefststände. Dies spiegelte den Ansatz der Behörden wider, eine Vielzahl realer, finanzieller und internationaler Indikatoren bei der Bewertung der Angemessenheit der monetären Lage zu berücksichtigen. Die Zurücknahme der Sätze durch die Bundesbank signalisierte die Auffassung, daß die Marktzinsen sinken könnten; der Pensionssatz wurde jedoch bis August 1996 unverändert bei 3,3% belassen. Die langfristigen Sätze waren volatil.

Seit Ende 1995 hat sich die D-Mark gegenüber dem US-Dollar und vielen anderen europäischen Währungen außerhalb des Wechselkursmechanismus (WKM) des Europäischen Währungssystems (EWS) — insbesondere der Lira und dem Pfund Sterling — abgeschwächt; ihr nominaler gewogener Außenwert sank bis Juni 1996 um 3,5%. Turbulenzen in den USBörsen führten jedoch dazu, daß der Dollar gegenüber der D-Mark im Juli wieder um 2% sank.

In ihrer Aussprache begrüßten die Direktoren den projektierten Wiederanstieg der wirtschaftlichen Aktivität nach der beträchtlichen Abschwächung 1995, stellten aber gleichzeitig fest, daß noch ein gewisser Weg zurückzulegen sei, bevor ein robuster Aufschwung Platz greifen könne. Sie zeigten sich durch die moderaten Lohnabschlüsse im laufenden Jahr ermutigt, die helfen würden, die bezüglich der Kosten geschwächte deutsche Wettbewerbsfähigkeit zu erhöhen. Umfassende Maßnahmen sowohl auf makroökonomischem als auch auf strukturellem Gebiet seien notwendig, um die volkswirtschaftlichen Grunddaten zu verbessern, die Abhängigkeit von Regulierungen und Subventionen zu vermindern, das Vertrauen zu stärken und die Arbeitslosigkeit abzubauen.

Die Direktoren stellten fest, daß die umsichtige Geldpolitik der vergangenen Jahre eine Rückkehr zu niedriger Inflation ermöglicht hätte. Unter den gegenwärtigen Umständen begrüßten sie die neuerliche Lokkerung des geldpolitischen Kurses. Sie würdigten nachdrücklich die jüngste Senkung des Pensionssatzes, welche die Wachstumsrisiken vermindere, insbesondere angesichts der erheblichen Haushaltskürzungen, die gleichzeitig in Deutschland und seinen wichtigsten europäischen Handelspartnern stattfänden. Einige Direktoren betonten, daß es im Hinblick auf die Ankerfunktion Deutschlands im WKM notwendig sei, der Geldpolitik auch künftig große Aufmerksamkeit zu widmen.

Die Direktoren unterstützten das Paket von finanzpolitischen Maßnahmen und Strukturreformen und drängten darauf, daß es voll umgesetzt werde. Sie sahen darin eine angemessene Reaktion auf die Herausforderungen, die sowohl von der heimischen Wirtschaft als auch auf dem Weg zur Wirtschafts- und Währungsunion (EWWU) in Europa ausgingen. Falls jedoch das Wachstum geringer als erwartet ausfalle, sollte die Fiskalpolitik nach Auffassung der Direktoren weiterhin an mittelfristigen strukturellen Zielen orientiert werden. Die Direktoren unterstützten die mittelfristigen finanzpolitischen Ziele der Behörden, einschließlich weiterer Konsolidierungsanstrengungen, der Rückführung des Anteils der Staatsausgaben am BIP auf das Niveau vor der Wiedervereinigung und der Senkung der hohen Steuer- und Sozialabgabenbelastung.

Die Direktoren wiesen daraufhin, daß die hohe Arbeitslosenquote weiterhin Deutschlands drückendstes wirtschaftliches Problem sei, und sie betonten die Notwendigkeit durchgreifender Strukturreformen, um die Arbeitsmarktflexibilität zu verwirklichen, die erforderlich sei, um eine dauerhafte Senkung der Arbeitslosigkeit zu erreichen. Größere Strukturreformen seien auf den Güter- und Dienstleistungsmärkten, in den Gesundheits- und Alterssicherungssystemen und auf dem Arbeitsmarkt nötig. Die Behörden seien bei der Behandlung dieser Fragen noch in einem frühen Stadium, und die Direktoren ermutigten sie, damit fortzufahren, die Wirtschaft flexibler und wettbewerbsfähiger zu machen.

Die Direktoren nahmen die erheblichen Fortschritte zur Kenntnis, die in den vergangenen fünf Jahren bei der Integration der neuen Länder in die deutsche Marktwirtschaft erzielt worden seien, aber sie betonten, daß schwerwiegende Herausforderungen bestehen blieben, einschließlich des Ungleichgewichts zwischen Ersparnis und Investition im Osten, des deutlichen Arbeitskostennachteils in den neuen Ländern und der öffentlichen Transfers und Subventionen vom Westen, die Gefahr liefen, das Anspruchsdenken zu fördern und die Ressourcenallokation zu verzerren.

Verschiedene Direktoren lobten die Behörden für ihre erhebliche Unterstützung der Transformationsländer, aber es wurde die Hoffnung ausgesprochen, daß sich der Rückgang der öffentlichen Entwicklungshilfe, der in den vorausgegangenen Jahren zu beobachten war, umkehren werde.

Frankreich

Das Direktorium schloß die Artikel IV-Konsultation mit Frankreich im Oktober 1996 ab. Die wirtschaftliche Entwicklung blieb 1995 mit einer Zunahme des realen BIP von insgesamt 2¼% (siehe Tabelle 7) bei weitem hinter den Erwartungen zurück. Die Produktion erholte sich Anfang 1996 nach dem Ende der weit verbreiteten Streiks im November und Dezember 1995, flachte aber im zweiten Quartal 1996 ab. Die Arbeitslosigkeit sank 1995 leicht auf 11,5%, stieg aber bis Mitte 1996 auf das Rekordhoch von 12,5%. Die Grundtendenz der Inflation lag 1995 unter dem verzeichneten Anstieg der Verbraucherpreise von 2% und blieb bis Juni 1996 niedrig.

Tabelle 7Frankreich: Konjunkturindikatoren

(Bei der Direktoriumsaussprache im Oktober 1996 vorliegende Daten)1

1993199419951996
Vorausschätzungen

zum Zeitpunkt

der Direktoriums-

aussprache
Ergebnis2
Prozent
Binnenwirtschaft
Veränderung des realen BIP−1,32,82,21,31,5
Arbeitsloseuquote11,612,311,612,412,4
Veränderung der Verbraucherpreise (Periodenende)2,11,62,11,81,7
Milliarden US-Dollar1
Außenwirtschaft
Ausfuhren, fob196,3221,6267,5271,5270,5
Einfuhren, fob189,4216,2258,0257,5257,3
Leistungsbilanz9,27,016,622,321,2
Direktinvestitionen0,3−6,35,0−4,4
Portfolioinvestitionen3,0−55,8−13,5−60,9
Kapitalbilanz−11,8−11,1−21,3−20,1
Bruttoreserven22,626,326,926,8
Leistungsbilanz (Prozent des BIP)0,70,61,21,41,4
Veränderung des realen effektiv Wechselkurses (Prozent)2,10,00,4−1,13−1,9
Prozent dis BIP1
Finanzielle Größen
Finanzierungssaldo des gesamten Staatssektors−5,8−5,8−5,0−4,0−4,2
Bruttoerspamis18,219,019,819,118,8
Bruttoinvcstiüonen417,218,418,317,517,1
Veränderung der breit abgegrenzten Geldmenge (M3; Prozent)−3,21,74,70,63−1,5
Zinssatz für Dreimonats-Interbankgelder (Periodendurchschnitt; Prozent)8,45,86,64,053,9

Soweit nicht anders vermerkt.

Aktualisierte IWF-Schätzungen.

Zweites Quartal gegenüber dem entsprechenden Quartal 1995.

Aufstockung der Lagerbestände eingeschlossen.

Durchschnitt bis zum 18. September 1996.

Soweit nicht anders vermerkt.

Aktualisierte IWF-Schätzungen.

Zweites Quartal gegenüber dem entsprechenden Quartal 1995.

Aufstockung der Lagerbestände eingeschlossen.

Durchschnitt bis zum 18. September 1996.

Im Jahr 1995 ergriff die Regierung Maßnahmen, um die anfänglichen Fehlentwicklungen im Bereich der öffentlichen Finanzen zu korrigieren und um eine weitreichende Reform der Sozialversicherung einzuleiten. Dies waren wichtige Schritte zur Bewältigung des strukturellen Haushaltsproblems und zur Verbesserung der Aussichten auf das Erreichen der Kriterien der EWWU im vorgesehenen Zeitrahmen. Die fiskalischen Reformen begrenzten das Defizit auf die angestrebten 5% des BIP, was sich positiv von dem Ergebnis der vorausgegangenen vier Jahre abhob. Für 1996 verkündete die Regierung eine Obergrenze für das Haushaltsdefizit von 4% des BIP, wodurch die französische Finanz-politik auf einen Kurs gebracht wurde, der dazu fuhren sollte, das Maastricht-Ziel von 3% im Jahre 1997 zu erreichen.

Was die Geldpolitik anlangt, war es der Bank von Frankreich seit dem Herbst 1995 gelungen, den Franc in das frühere enge Band des Europäischen Währungssystems (EWS) zurückzuführen und die Zinsdifferenzen zu Deutschland abzubauen. Insgesamt trug das wiedergewonnene Marktvertrauen zu einer erheblichen Lockerung der monetären Lage bei.

Die Exporte schwächten sich während der zweiten Hälfte 1995 spürbar ab; aber der Leistungsbilanzüberschuß erreichte 1995 bei relativ gedämpfter Inlandsnachfrage 1¼% des BIP. Die offiziellen Reserven (ohne Gold) erhöhten sich leicht auf 27 Mrd US-Dollar. Das finanzpolitische Reformpaket spielte bei der Stärkung des Franc eine zentrale Rolle.

In ihrer Aussprache lobten die Direktoren die Behörden für den Fortschritt, den sie bei der Konsolidierung der öffentlichen Finanzen erzielt hätten, sowie für das Festhalten an ihrer umsichtigen Geldpolitik und für ihre starke Selbstverpflichtung auf den Fortgang der finanzpolitischen Konsolidierung sowie die Teilnahme an der EWWU von Beginn an — eine Politik, die belohnt worden sei durch eine beeindruckende Verbesserung der Lage an den Märkten. Die wirtschaftliche Aktivität sei jedoch schwächer als erwartet gewesen, und etwas Unsicherheit trübe den Ausblick auf 1997.

Bezüglich der Finanzpolitik glaubten die Direktoren, daß es noch möglich sei, das Defizit 1996 auf die geplanten 4% des BIP zu begrenzen, falls der Aufschwung wie erwartet verlaufe. Sie waren jedoch besorgt über Unzulänglichkeiten beim Abbau des Defizits der Sozialversicherung und wiesen auf die Risiken weiterer Überschreitungen bei den Gesundheitsausgaben hin. Die Direktoren begrüßten die Ankündigung eines Haushalts für 1997, der danach strebe, den Maastricht-Referenzwert von 3% des BIP zu erreichen, wenngleich sie feststellten, daß der Haushalt wenig Reserven für unerwartet ungünstige Entwicklungen enthalte. Sie wiesen auch darauf hin, daß der Rückgang des Defizits 1997 zu einem großen Teil auf einer einmaligen Übertragung von einem öffentlichen Unternehmen beruhe. Sie drängten die Behörden, Anfang 1997 zusätzliche Maßnahmen zu ergreifen, um eine angemessene strukturelle Anpassung sicherzustellen und um eine Erhöhung des Defizits im Falle eines schwächer als erwarteten Wirtschaftswachstums zu vermeiden, da dies das Vertrauen der Märkte in die Verwirklichung der EWWU gefährden könne. Frankreich sehe sich längerfristig aufgrund der demographischen Veränderungen einem schwerwiegenden Druck auf die öffentlichen Finanzen gegenüber, und das Haushaltsdefizit solle daher in den nächsten Jahren auf nahezu Null abgebaut werden. Das Niveau der öffentlichen Ausgaben sei deutlich zu hoch.

Die Direktoren begrüßten die geschickte Handhabung der Geld- und Wechselkurspolitik. Die Inflation bleibe niedrig, und der Rückgang der Zinssätze spiegele die Glaubwürdigkeit sowohl der Geld- als auch der Finanzpolitik wider. Die Direktoren unterstützten den vorsichtigen Ansatz der Bank von Frankreich hinsichtlich einer weiteren monetären Lockerung und die Priorität, die der Aufrechterhaltung des stabilen und günstigen monetären Umfeldes eingeräumt werde.

Die Direktoren waren besorgt über das hohe Niveau der Arbeitslosigkeit, die zu einem großen Teil auf strukturelle Probleme am Arbeitsmarkt zurückzuführen sei. Weitreichende Reformen seien notwendig, um die Arbeitslosigkeit abzubauen, die sowohl ein schwerwiegendes soziales Problem als auch eine potentielle Gefahr für die Glaubwürdigkeit der fiskalischen Anpassung sei.

Die Direktoren forderten die Behörden auf, ihre Anstrengungen zu verstärken, um die Probleme in den staatseigenen Banken zu bewältigen. Die Behörden sollten die Privatisierung zügig fortsetzen, Verzerrungen beseitigen und ein Umfeld möglichst gleicher Bedingungen für alle schaffen, die Aufsicht verstärken und die Integrität der Politik im Unternehmensbereich (corporate governance) sowie die internen Kontrollmechanismen im allgemeinen verbessern. Sie drängten auch auf Fortschritte bei der Privatisierung und auf Reformen in anderen Sektoren, in denen der Staat mit kommerziellen Interessen engagiert sei.

Die Direktoren lobten Frankreichs traditionell großzügiges Engagement bei der Entwicklungshilfe, und sie forderten die Behörden auf, die Hilfen, die unter den Haushaltsbeschränkungen gelitten hatten, auf so hohem Niveau wie möglich aufrechtzuerhalten.

Vereinigtes Königreich

Das Direktorium schloß die Artikel IV-Konsultation mit dem Vereinigten Königreich im Oktober 1996 ab. Das reale Wachstum des BIP verlangsamte sich auf etwa 2% p.a. im zweiten Quartal 1996, als die wirtschaftliche Abschwächung in den Partnerländern des Vereinigten Königreiches dessen Nettoexporte beeinträchtigte (siehe Tabelle 8). Die schwache Nachfrage führte zudem zu überschüssigen Lagerbeständen, die Produktionseinschränkungen verursachten, wodurch sich das Wachstum weiter verlangsamte, und die Rindfleischkrise wirkte sich negativ auf die landwirtschaftliche Erzeugung aus. Angesichts der unerwarteten Schwäche der Produktion und ihrer ungewissen Dauer blieben die privaten Anlageinvestitionen verhalten. Dennoch sank die Arbeitslosigkeit im Juli 1996 auf ein Fünfjahrestief von 7,5% (2% unter dem Durchschnitt der Europäischen Union), zum Teil dank aktiver Maßnahmen gegen die langfristige Arbeitslosigkeit.

Tabelle 8Vereinigtes Königreich: Konjunkturindikatoren

(Bei der Direktoriumsaussprache im Oktober 1996 vorliegende Daten)1

1993199419951996
Vorausschätzungen

zum Zeitpunkt

der Direktoriums-

aussprache
Ergebnis2
Prozent
Binnenwirtschaft
Veränderung des realen BIP2,13,82,52,22,1
Arbeitsioscnquote10,39,38,27,67,5
Veränderung der Verbraucherpreise (Periodcndurchschnitt)33,02,42,82,82,9
Milliarden US-Dollar1
Außenwirtschaft
Ausfuhren, cif182,3206,3240,5251,0259,4
Einfuhren, fob202,6222,8258,8273,2278,5
Leistungsbilanz−16,2−3,7−6,2−1,80,0
Direktinvestitionen−10,1−17,7−8,0−10,9
Portfolioinvcstitionen−59,177,5−37,0−48,0
Kapitalbilanz19,6−4,10,7−4,6
Bruttoreserven43,643,050,142,742,7
Leistungsbilanz (Prozent des BIP)−1,7−0,4−0,6−0,20,0
Veränderung des realen effektiven Wechselkurses (Prozent)−8,2−0,8−4,33,83,3
Prozent des BIP1
Finanzielle Größen
Finanzierungssaldo des gesamten Staatssektors−7,8−6,8−5,5−4,4
Bruttoerspanis13,715,715,816,1
Bruttoinvestitionen15,015,415,615,3
Veränderung der breit abgegrenzten Geldmenge (M4; Prozent)4,94,09,99,49,5
Zinssatz für Dreimonats-Inter-bankgelder (Periodendurchschnitt; Prozent)5,95,56,76,06,0

Soweit nicht anders vermerkt.

Aktualisierte IWF-Schätzungen.

Ausschließlich Hypothekenzinsen.

Soweit nicht anders vermerkt.

Aktualisierte IWF-Schätzungen.

Ausschließlich Hypothekenzinsen.

Die Inflation blieb begrenzt, trotz starker Erhöhungen der Vorproduktkosten im Jahre 1995 im Zusammenhang mit der Abwertung des Pfundes und einem Anstieg der Rohstoffpreise. Zu den Faktoren, die zu der gedämpften Inflation beitrugen, gehörten das moderate Wirtschaftswachstum mit unveränderter Kapazitätsauslastung, der zunehmende Wettbewerb infolge struktureller Änderungen im Einzelhandel und die Preispolitik privatisierter Versorgungsunternehmen.

Nach anfänglichen Erfolgen wurden die fiskalischen Konsolidierungsanstrengungen durch Fehlentwicklungen beeinträchtigt. Die Netto-Kreditaufnahme des öffentlichen Sektors belief sich 1995/96 auf 4,9% des BIP, verglichen mit 3,4%, die im Haushalt vom November 1994 projektiert waren. Die Einnahmenentwicklung war für etwa vier Fünftel der Abweichung verantwortlich; die nominalen Ausgaben wurden erfolgreich innerhalb der beschlossenen Vorgaben gehalten, wenngleich die realen Ausgaben aufgrund der niedriger als erwarteten Inflation etwas höher als ursprünglich angenommen waren. Insgesamt war der Haushalt vom November 1995 weitgehend neutral; Einkommensteuersenkungen von etwa 0,5% des BIP wurden durch Kürzungen bei den laufenden und bei den Investitionsausgaben in etwa ausgeglichen.

Im Einklang mit dem mittelfristigen geldpolitischen Rahmenplan wurden die offiziellen Zinssätze Ende 1994 und Anfang 1995 in mehreren Schritten erhöht. Als sich jedoch das Wachstum abschwächte und die Inflationsaussichten verbesserten, wurden die offiziellen Sätze zwischen Dezember 1995 und Juni 1996 in vier Schritten um insgesamt etwa 1 Prozentpunkt gesenkt. Die monetäre Situation entspannte sich erheblich als Folge der Pfundabwertung Anfang 1995. Die monetären Aggregate nahmen relativ rasch zu, wobei das Wachstum von Sterling M4 auf fast 10% stieg. Die Kreditaggregate weiteten sich ebenfalls stark aus. Begrenzte Fortschritte waren bei der Stärkung der Glaubwürdigkeit der Politik zu verzeichnen, wie durch die Renditen der indexierten Regierungsanleihen und die langfristigen Zinsdifferenzen zu Deutschland deutlich wurde.

Die Leistungsbilanz blieb nahezu ausgeglichen, wobei wachsende Überschüsse bei den Dienstleistungen und im Ölhandel den Rückgang im Nicht-Öl-Handel ausglichen. Die internationale Wettbewerbsfähigkeit war gemessen an früheren Standards günstig.

In ihrer Aussprache begrüßten die Direktoren die jüngere Wirtschaftsentwicklung im Vereinigten Königreich, die angesichts des verhaltenen Wachstums im übrigen Europa besonders bemerkenswert sei. Die Direktoren stellten fest, daß die Aussichten für 1997 positiv seien: Das Wachstum werde sich wahrscheinlich verstärken, die Arbeitslosigkeit weiter abnehmen und der Preisauftrieb gedämpft bleiben. Die Direktoren unterstrichen, daß zur Erzielung dieser Ergebnisse eine solide Politik wichtig sei, die das Schwergewicht auf mittelfristige Stabilität, fiskalische Konsolidierung und flexible Märkte lege.

Die Direktoren wiesen dennoch auf die Notwendigkeit zur Stärkung der Glaubwürdigkeit der Politik der Behörden hin, und zwar insbesondere im fiskalischen Bereich. In diesem Zusammenhang vertraten sie die Auffassung, daß die fiskalischen Ungleichgewichte zu groß und daß weitere Konsolidierungsmaßnahmen erforderlich seien. Die Direktoren stellten fest, daß sich das Verhältnis zwischen den laufenden Ausgaben und dem BIP in den letzten Jahren trotz des beträchtlichen Rückgangs der Arbeitslosenquote erhöht habe. Sie setzten sich dafür ein, daß die laufenden Ausgaben die Hauptlast zusätzlicher fiskalischer Kürzungen tragen sollten, wobei sie die möglichen Auswirkungen auf die Einkommensverteilung berücksichtigten. Viele Direktoren glaubten, daß es im kommenden Haushalt keinen Spielraum für weitere Steuersenkungen gebe. Schritte sollten unternommen werden, um die Einnahmen generierende Eigenschaft des Steuersystems zu fördern, auch durch den Abbau von Befreiungen und anderen Vorteilen.

Eine Reihe von Direktoren vertrat die Auffassung, daß die Glaubwürdigkeit durch eine größere Unabhängigkeit der Zentralbank gestärkt werden könne. Die Direktoren stellten fest, daß das Konzept des “Inflation-Targeting” beeindruckende Ergebnisse erbracht habe. Sie warnten im allgemeinen vor weiteren Senkungen der kurzfristigen Zinsen.

Die Direktoriumsmitglieder begrüßten das anhal-tend aktive Engagement des Vereinigten Königreichs in den Beratungen über die Vorbereitung der EWWU in Europa und die Auffassung der Behörden, daß die wirtschaftlichen Kriterien des Maastrichtvertrags sehr wünschenswerte Ziele für die Politik des Vereinigten Königreichs seien, unabhängig davon, ob sich das Land letztlich dafür oder dagegen entscheiden werde, der Währungsunion beizutreten.

Die strukturellen Maßnahmen des Vereinigten Königreichs, insbesondere auf dem Gebiet der Privatisierung, der Arbeitsmarktreformen und der Deregulierung, hatten nach Einschätzung des Direktoriums maßgeblich zur Verbesserung der wirtschaftlichen Entwicklung und der weiteren Entwicklungsaussichten beigetragen. Zusammen mit makroökonomischen Maßnahmen zur Stärkung der Stabilität auf mittlere Sicht sollten diese strukturellen Reformen eine Basis zur Verbesserung der mittelfristigen Wachstumsperspektiven schaffen.

Die Direktoren nahmen zur Kenntnis, daß die offizielle Entwicklungshilfe, die sich auf einem Niveau von 0,3% des BIP bewegte, wahrscheinlich noch weiter sinken werde, und forderten die Behörden auf, diese Hilfsleistungen zu erhöhen.

Italien

Die Direktoren traten im April 1997 zusammen, um die Artikel IV-Konsultation 1996 mit Italien abzuschließen — vor dem Hintergrund eines starken Rück-gangs der Inflation, aber eines schwachen wirtschaft-lichen Aufschwungs (siehe Tabelle 9). Das Wachstum des BIP wurde 1996 auf 0,7% und die Arbeitslosigkeit auf etwa 12% geschätzt. Die Inflation (Jahresrate) wurde von 6% im November 1995 auf etwas über 2% Anfang 1997 mehr als halbiert, wodurch das offizielle Ziel für 1997 (2,5%) erreicht werden dürfte.

Tabelle 9Italien: Konjunkturindikatoren(Bei der Direktoriumsaussprache im April 1997 vorliegende Daten)
19931994199519961
Prozent
Binnenwirtschaft
Veränderung des realen BIP−1,22,13,00,7
Arbeitsloscnquore210,211,312,012,1
Veränderung der Verbraucherpreise (Perioden ende)4,34,05,62,6
Milliarden US-Dollar3
Außenwirtschaft
Ausfuhren, fob226,8250,3298,9329,9
Einfuhren, fob192,7212,9253,5266,3
Leistungsbilanz11,415,127,242,3
Direktinvestitionen−3,5−2,9−0,9−3,4
Portfolioinvestitionen72,6−5,130,341,6
Kapitalbilanz9,5−13,8−4,0−5,1
Bruttoreserven53,756,755,869,4
Leistungsbilanz (Prozent des BIP)1,11,52,53,5
Veränderung des realen effektiven Wechselkurses (Prozent)−16,2−6,3−8,010,4
Prozent des BIP3
Finanzielle Größen
Finanzierungssaldo des gesamten Staatssektors−10,0−9,6−7,0−6,7
Bruttoersparnis18,118,920,621,1
Bruttoinvestitionen16,917,118,117,8
Veränderung von M2 (Prozent)47,81,72,12,7
Dreimonats-Zinssatz für Schatzwechscl (Periodendurchschnitt; Prozent)10,58,810,78,6

IWF-Schätzungen.

Ohne am Lohnergänzungsfonds beteiligte Arbeitskräfte.

Soweit nicht anders vermerkt.

Periodenende, gleitender Dreimonatsdurchschnitt; die zur Zielüberwachung benutzte Wachstumsrate.

IWF-Schätzungen.

Ohne am Lohnergänzungsfonds beteiligte Arbeitskräfte.

Soweit nicht anders vermerkt.

Periodenende, gleitender Dreimonatsdurchschnitt; die zur Zielüberwachung benutzte Wachstumsrate.

Die Leistungsbilanz verbesserte sich 1996 deutlich: Zwar verlangsamte sich das Exportwachstum ab Ende 1995 stark, die Abschwächung der Inlandsnachfrage führte aber auch zu einem spürbaren Rückgang der Importe. Zusätzlich begünstigt durch eine Verbesserung der Terms of Trade erhöhte sich der Handelsüberschuß auf nahezu 5% des BIP.

Der bemerkenswerte Fortschritt in den Jahren 1992-95 beim Abbau des fiskalischen Ungleichgewichts kam 1996 zum Stillstand, als das Finanzierungsdefizit des gesamten Staatssektors schätzungsweise 6,7% des BIP erreichte und damit über den offiziellen Zielen lag. Die Zielüberschreitung war in erster Linie eine Folge des erheblich schwächeren Wachstums sowie der zugrundeliegenden Dynamik bei den laufenden Ausgaben im Primärhaushalt.

Für 1997 setzte sich die Regierung das Ziel, an der EWWU von Anfang an teilzunehmen, und präsentierte einen Haushalt, der darauf abstellte, ein Finanzierungsdefizit des gesamten Staatssektors von 3% des BIP zu erreichen. Anfang 1997 kamen die Behörden zu dem Schluß, daß das Defizitziel verfehlt werde, falls keine zusätzlichen Maßnahmen ergriffen würden. Vor diesem Hintergrund legten die Behörden am 27. März ein korrigierendes Fiskalpaket vor (im Volumen von 0,8% des BIP), mit dem Ziel, das MaastrichtDefizitkriterium zu erreichen, und kündigten den Beginn von Verhandlungen mit den Sozialpartnern über eine Reform des Sozialsystems an.

Die Behörden verfolgten weiterhin eine straffe Geldpolitik, die auf den Abbau der Inflation ausgerichtet war. Mit den Fortschritten auf diesem Gebiet wurden die offiziellen Sätze schrittweise zurückgenommen, was den Diskontsatz nach der letzten Senkung im Januar 1997 auf 6 ¾% brachte. Die langfristigen Zinssätze gingen während des vergangenen Jahres stark zurück — auf ein Niveau, das im Einklang mit dem Zinskriterium des Maastrichtvertrags stand. Bis zum Januar 1997 hatten die langfristigen Zinssatzdifferenzen gegenüber Deutschland einen Tiefstand von weniger als 150 Basispunkten erreicht, wenngleich sie sich danach aufgrund von Unsicherheiten auf den Märkten hinsichtlich des EWWU-Prozesses etwas ausweiteten. Die verbesserte Inflationsentwicklung und relativ hohe Geldmarktsätze trugen zur Aufwertung der italienischen Währung bei. Im Herbst 1996 kamen die Behörden zu dem Schluß, daß sich die Lira ausreichend und nachhaltig befestigt habe, um den Wiedereintritt in den WKM zu rechtfertigen, und die Lira trat dem WKM im November bei.

In ihrer Aussprache würdigten die Direktoren die erheblichen Fortschritte, die Italien seit 1992 in Richtung auf Preisstabilität, die Konsolidierung der öffentlichen Finanzen und die Verbesserung der außenwirtschaftlichen Position erzielt hatte. Diese Fortschritte hätten das Land in die Lage versetzt, sich um die Teilnahme an der EWWU von Anfang an zu bemühen, und es sei durch gestiegenes Vertrauen der Märkte belohnt worden. Die Direktoren begrüßten insbesondere den bemerkenswerten Rückgang der Inflation, zu dem die Lohnzurückhaltung und die feste Geldpolitik der Behörden beigetragen hätten.

Gleichzeitig betonten die Direktoren, daß sich Italien mehreren zentralen Herausforderungen gegenübersehe, einschließlich eines langsamen wirtschaftlichen Aufschwungs, relativ inflexiblen Arbeitsmärkten, hoher Arbeitslosigkeit, die sich im Süden konzentriere, und der Notwendigkeit, eine dauerhafte strukturelle Stärkung der öffentlichen Finanzen zu erreichen. Hinsichtlich des Arbeitsmarktes begrüßten die Direktoren die positiven Aspekte des jüngsten Pakts für Beschäftigung, unterstrichen aber die Notwendigkeit weitergehender Maßnahmen in Richtung auf mehr Arbeitsmarktflexibilität, insbesondere durch größere regionale und sektorale Lohndifferenzierung und eine stärkere Nutzung nicht-traditioneller Arbeitsverträge.

Angesichts seiner hohen Staatsverschuldung und der Risikoprämie im Zins könne sich Italien viel von einer Teilnahme an der EWWU versprechen. Es sehe sich jedoch der schweren Aufgabe gegenüber, die größte fiskalische Korrektur unter den Anwärtern für eine frühe EWWU-Teilnahme durchführen zu müssen, und dies bei schwachen Wachstumsaussichten. Die Direktoren begrüßten die Entscheidung der Behörden, das Tempo der fiskalischen Anpassung 1997 zu beschleunigen. Jedoch wiesen sie daraufhin, daß die finanzpolitischen Anpassungsmaßnahmen vom März 1997 zwar das Defizit in die Nähe des Maastricht-Referenzwertes für 1997 bringen werden, der Rückgriff auf Einnahme-erhöhungen und Einmalmaßnahmen jedoch Fragen über die Durchhaltbarkeit der fiskalischen Anpassung nach 1997 aufwerfe. Dauerhafte Einsparungen auf solchen zentralen Ausgabengebieten wie im Bereich der Altersversorgung, der Gesundheit und des öffentlichen Dienstes seien entscheidend. Die Direktoren begrüßten die Absicht der Behörden, sich im Haushalt 1998 auf strukturelle Maßnahmen zu stützen, sowie die Ankündigung des bevorstehenden Beginns der Gespräche über die Reform der Sozialausgaben.

Die Direktoren wiesen daraufhin, daß die Währungsunion mit dem zunehmenden Wettbewerbdruck, den sie mit sich bringe, die Herausforderungen für das italienische Bankensystem verstärken werde. Die Direktoren erkannten an, daß die gegenwärtigen Schwierigkeiten sowohl bedeutende zyklische als auch regionale Komponenten hätten, betonten aber die Wichtigkeit anhaltender Anstrengungen zur Bewältigung der Probleme notleidender Kredite, übermäßiger Personalausstattung und hoher Betriebskosten. Eine beschleunigte Privatisierung der wichtigsten Banken wurde als entscheidend für die Überwindung der strukturellen Probleme im Bankensektor angesehen.

Kanada

Das Direktorium erörterte die Artikel IV-Konsultation mit Kanada im Januar 1997. Kanada hat bei der Umsetzung seiner wirtschaftspolitischen Strategie beachtenswerte Erfolge erzielt. In dem (im März 1997 endenden) Fiskaljahr 1996/97 lag das Haushaltsdefizit des Bundes — Schätzungen zufolge — unter der Zielgröße von 3% des BIP. Dies war durch Maßnahmen erreicht worden, die in den Haushaltsplänen 1994, 1995 und 1996 enthalten waren; hierdurch wurden die Subventionen für die Unternehmen und die Landwirtschaft gekürzt, staatliche Ausgabenprogramme gestrafft, Benutzergebühren eingeführt und der Staatsverbrauch durch Einschränkungen bei den meisten Ausgabenprogrammen, die Kürzung der Verteidigungsausgaben und den Abbau von etwa 55.000 Arbeitsplätzen im Staatsdienst verringert.

Das reale BIP-Wachstum belebte sich 1996, angeführt von Zuwachsen beim Wohnungsbau und den Ausrüstungsinvestitionen, von 0,7% im Verlauf von 1995 (viertes Quartal gegenüber viertem Quartal) auf eine Jahresrate von 1,3% in der ersten Jahreshälfte 1996 und auf 3,3% im dritten Quartal. Der private Verbrauch legte im ersten Quartal 1996 kräftig zu, stieg im zweiten und dritten Quartal aber nur mäßig. Die Arbeitslosenquote verharrte in der ersten Jahreshälfte 1996 bei ungefähr 9,5%, erhöhte sich dann aber im Dezember geringfügig auf 9,7% (siehe Tabelle 10).

Tabelle 10Kanada: Konjunkturindikatoren(Bei der Direktoriumsaussprache im Januar 1997 vorliegende Daten)
19931994199519961
Prozent
Binnenwirtschaft
Veränderung des realen BIP2,24,12,31,4
Arbeitslosenquote11,210,49,59,7
Veränderung der Verbraucherpreise (Periodenende)1,70,11,81,6
Milliarden US-Dollar2
Außenwirtschaft
Ausfuhren, fob161,9183,1212,3226,5
Einfuhren, fob164,4179,9198,3206,4
Leistungsbilanz−22,3−16,2−8,20,3
Direktinvestitionen−0,8−0,25,0
Portfolioinvestitionen21,09,014,7
Kapitalbilanz29,414,34,4
Bruttoreserven12,113,115,3
Leistungsbilanz (Prozent des BIP)−4,0−3,0−1,40,0
Veränderung des realen effektiven Wechselkurses (Prozent)−3,3−6,7−3,9
Prozent des BSP2
Finanzielle Größen
Finanzierungssaldo des gesamten Staatssektors−7,3−5,3−4,1−2,1
Bruttoersparnis13,615,317,017,5
Bruttoinvestitionen18,219,018,217,5
Veränderung der breit abgegrenzten Geldmenge (Prozent)3,12,74,02,3
Zinssatz für Dreimonats-Schatz Wechsel (Prozent)4,85,57,04,2

IWF-Vorausschätzungen.

Soweit nicht anders vermerkt.

IWF-Vorausschätzungen.

Soweit nicht anders vermerkt.

Die Kerninflation auf der Verbraucherstufe ging von 4,6% im Jahr 1989 bis zum Jahresbeginn 1996 auf unter 2% zurück. In den ersten elf Monaten von 1996 fiel sie als Folge der wirtschaftlichen Flaute weiter auf 1,7%.

Die monetäre Lage lockerte sich 1995 und 1996 beträchtlich auf. Das Zinsband für Tagesgeld der Bank of Canada wurde schrittweise von 5,5% - 6% Anfang Januar auf 2 ¾% - 3 ¼% im November herabgesetzt. Die kurzfristigen Zinsen Kanadas waren seit März 1996 niedriger als die vergleichbaren US-Zinsen — ein einmaliger Vorgang in den letzten Jahrzehnten —, während sich die Unterschiede bei den langfristigen Zinsen zwischen Kanada und den USA auf ein Niveau deutlich unterhalb des langjährigen Durchschnitts verringerten. Hierin spiegeln sich Kanadas anhaltend niedrige Inflationsrate und der stetige Fortschritt beim Abbau des Haushaltsdefizits des Bundes wider.

Die Leistungsbilanz wies 1995 ein Defizit von 1,4% des BIP auf und verbesserte sich 1996 weiter; im zweiten und dritten Quartal waren kleine Überschüsse zu verzeichnen. Diese Verbesserung war hauptsächlich auf die gute Verfassung der US-Wirtschaft zurückzufuhren und auf die mit zeitlicher Verzögerung eingetretenen Wirkungen der realen Abwertung des kanadischen Dollar Anfang der neunziger Jahre.

Kanada verzeichnete 1995 und in den ersten drei Quartalen von 1996 hohe Nettozuflüsse an Direktinvestitionen und Portfoliokapital, während gleichzeitig umfangreiche kurzfristige Kapitalexporte der kanadischen Banken und Verkäufe von Geldmarktpapieren festgestellt wurden.

Bei ihrer Erörterung lobten die Direktoren die Behörden für die bei der Umsetzung ihrer wirtschaftspolitischen Strategie im vergangenen Jahr erzielten beeindruckenden Fortschritte. Sie stellten fest, daß die Inflationsrate auf einem niedrigen Niveau gehalten worden sei, die Ziele für das Haushaltsdefizit des Bundes übererfüllt worden seien und die Regierungen der Provinzen erhebliche Anstrengungen zum Ausgleich ihrer Haushalte unternommen hätten. Eine solide Makropolitik habe zusätzliches Vertrauen der Finanzmärkte gewonnen, was im negativen Spread bei den kurzfristigen Zinsen zwischen Kanada und den USA zum Ausdruck komme. Diese beachtlichen Fortschritte bei den wirtschaftlichen Fundamentaldaten hätten Kanadas Perspektiven für ein nachhaltiges Wachstum verbessert.

Die Direktoren stimmten darin überein, daß die geldpolitische Lokkerung im Jahr 1996 angesichts der anhaltend niedrigen Inflationsrate, der kräftigen Anpassung der Haushalte auf allen staatlichen Ebenen und der spürbaren Wirtschaftsflaute angemessen gewesen sei. Vor dem Hintergrund der erheblichen Anstoßeffekte früherer wirtschaftspolitischer Aktionen und der zeitlichen Verzögerung zwischen geldpolitischen Maßnahmen und ihren Auswirkungen auf die Wirtschaft müsse eine weitere Lockerung der monetären Zügel allerdings mit Vorsicht vorgenommen werden. Die Direktoren merkten an, daß das kräftige Wachstum im dritten Quartal 1996 und die Konjunkturindikatoren für das vierte Quartal die lang erwartete Kräftigung der wirtschaftlichen Aktivitäten in Kanada anzuzeigen schienen.

Die Direktoren waren von den Plänen ermutigt, die Haushaltsungleichgewichte auf der Ebene des Bundes und der Provinzen in den nächsten Jahren zu beseitigen. Sie verwiesen auf die Qualität der fiskalischen Anpassung, die sich hauptsächlich auf Augabenkürzungen statt auf einnahmeerhöhende Maßnahmen stütze. Es sei wichtig, daß die Regierung an dem in den Haushaltsplänen des Bundes für 1995 und 1996 vorgesehenen fiskalpolitischen Kurs festhalte, um die für die kommenden Jahre vorgesehenen Ziele für den Defizitabbau zu realisieren. Mit diesen Maßnahmen könne bis 1999/2000 ein ausgeglichener Haushalt erreicht werden.

Die Direktoren waren weiterhin über die hartnäckig hohen Arbeitslosenzahlen besorgt. Sie stellten auch fest, daß das staatliche Rentensystem in Anbetracht der älter werdenden Bevölkerung in Kanada und der hohen ungedeckten Finanzierungsverpflichtungen des Systems vor großen Herausforderungen stehe. Sie lobten die Initiativen der Behörden zur Bewältigung dieser Herausforderungen und forderten die Behörden des Bundes und der Provinzen nachdrücklich dazu auf, sich bald auf ein ausgewogenes Paket von Beitragserhöhungen und Leistungskürzungen zu verständigen, um die Finanzen des kanadischen Rentensystems abzustützen. Nach der Direktoriumserörterung haben die Regierungen des Bundes und der Provinzen eine Übereinkunft zur Regelung der längerfristigen Finanzierungserfordernisse des Systems erreicht.

Die Direktoren lobten Kanadas konsequentes Eintreten für einen freien Handel, einschließlich der multilateralen Handelsliberalisierung sowie regionaler und bilateraler Marktöffnungsmaßnahmen in einer Art und Weise, die das multilaterale Handelssystem stärkten. Sie unterstützten den weiteren Abbau von Zöllen für eine Reihe von Gütern und die Vereinfachung des kanadischen Zollsystems.

Die Direktoren fänden Kanadas Absicht ermutigend, seine offizielle Entwicklungshilfe, sobald dies die Umstände zuließen, dem Ziel von 0,7% des BIP anzunähern.

Andere fortgeschrittene Volkswirtschaften

Griechenland

Das Direktorium erörterte die Artikel IV-Konsultation mit Griechenland im August 1996. Griechenlands wirtschaftliche Entwicklung hatte sich 1995 verbessert, als sich das Wirtschaftswachstum auf 2% beschleunigte, wenngleich die Arbeitslosigkeit im Jahresverlauf geringfügig auf 10% anstieg (siehe Tabelle 11). Die Inflationsrate fiel 1995 zum ersten Mal in zwei Jahrzehnten auf einen einstelligen Wert.

Tabelle 11Griechenland: Konjunkturindikatoren(Bei der Direktoriumsaussprache im August 1996 vorliegende Daten)
19931994199519961
Prozent
Binnenwirtschaft
Veränderung des realen BIP−1,01,52,02,5
Arbeitslosenquote9,79,610,09,8
Veränderung der Verbraucherpreise (Periodenende)12,110,88,15,0
Milliarden US-Dollar2
Außenwirtschaft
Ausfuhren, fob5,05,25,8
Einfuhren, cif17,618,722,9
Leistungsbilanz−0,7−0,1−2,9
Kapitalbilanz4,46,93,1
Bruttoreserven8,615,315,7
Leistungsbilanz (Prozent des BIP)−0,40,2−1,5−1,8
Veränderung des realen effektiven Wechselkurses (Prozent)−3,61,33,7
Prozent des BIP2
Finanzielle Größen
Finanzierungssaldo des gesamten Staatssektors−14,2−12,1−9,2−7,0
Brurtoersparnis21,121,020,321,0
Brurtoinvesdtionen21,520,821,822,8
Veränderung der breit abgegrenzten Geldmenge (Prozent)15,313,98,39-12
Zinssatz für Drcimonats-Schatzwechsel (Prozent)18,218,214,5

IWF-Schätzungen.

Soweit nicht anders vermerkt.

IWF-Schätzungen.

Soweit nicht anders vermerkt.

Bei der Haushaltskonsolidierung wurden weitere Fortschritte erzielt. Das Defizit der Zentralregierung ging von 12,7% des BIP 1994 auf 11,2% im Jahr 1995 zurück, verglichen mit einem Budgetziel von 10% des BIP. Die Zielüberschreitung war im wesentlichen auf Steuermindereinnahmen, insbesondere bei den indirekten Steuern, und auf verspätete Zahlungen der Europäischen Union zurückzuführen. Das Ziel des Konvergenzprogramms für das Defizit des öffentlichen Gesamthaushalts hielten die Behörden jedoch ein. Die Geldpolitik war weiterhin auf das vorab angekündigte Wechselkursziel ausgerichtet. Das Abwertungsziel von 3% für die Drachme gegenüber der Europäischen Währungseinheit (ECU) wurde 1995 erreicht. Diese Politik und die erfolgreiche Abwehr der spekulativen Attacke auf die Drachme im Mai 1994 hatten einen kräftigen Anstieg der Kapitalimporte ausgelöst. Die Bank von Griechenland reagierte auf die Zuflüsse mit einer vorsichtigen Politik — sie senkte die Interventionssätze nur langsam, sterilisierte die meisten Zuflüsse, erhöhte die Mindestreservesätze von 9% auf 11% und dehnte die Reservebasis auf kurzfristige Fremdwährungsverbindlichkeiten des Bankensektors aus.

Nach zwei Jahren mit einer fast ausgeglichenen Leistungsbilanz weitete sich das Defizit 1995 aufgrund des kräftigen Anstiegs der Investitionsgüterimporte auf 1,5% des BIP aus. Die Kapitalverkehrsbilanz verzeichnete weiterhin Zuflüsse, wenngleich der Überschuß geringer ausfiel als im Jahr 1994. Die Währungsreserven stiegen geringfügig.

Im Gegensatz zu den positiven Perspektiven auf kurze Sicht zeigte die gesamtwirtschaftliche Grundkonstellation im Jahr 1996 Anzeichen von Verspannungen. Die Inflationsrate erhöhte sich zu Beginn des Jahres, bevor sie wieder auf einen nach unten gerichteten Pfad einschwenkte, das Tempo der Haushaltskonsolidierung ließ nach, die Bank von Griechenland hatte zunehmend Schwierigkeiten, zinspolitische Maßnahmen zur Begrenzung des Kreditwachstums und zur Verringerung des Inflationsdrucks einzusetzen, und die Forderungen nach höheren Ausgaben wurden lauter.

Bei ihrer Erörterung lobten die Direktoren die Behörden für ihre anhaltenden Anstrengungen zur Haushaltskonsolidierung und bei der Inflationsbekämpfung. Gleichwohl sahen es die Direktoren als dringend notwendig an, die Anpassungsanstrengungen zu verstärken.

Die Direktoren machten auf die Gefahr aufmerksam, daß das Defizitziel für 1996 um etwa 1 Prozentpunkt des BIP verfehlt werden könnte, und wiesen warnend daraufhin, daß ein solches Ergebnis ein bedauerlicher Rückschlag wäre. Sie begrüßten das im Juli 1996 angekündigte Paket wirtschaftspolitischer Maßnahmen, das einen Abbau der Beschäftigung im Staatssektor, eine Überprüfung der Nebenhaushalte und eine Verstärkung der Finanzkontrolle bei öffentlichen Einrichtungen vorsehe. Die Direktoren forderten die Behörden mit Nachdruck dazu auf, sofort weitere Korrekturmaßnahmen zu ergreifen, insbesondere auf der Ausgabenseite. Sie lobten die Anstrengungen der Behörden, die Steuerbasis zu verbreitern, unterstrichen aber, daß die Realisierung einer dauerhaften Haushaltskonsolidierung Ausgabenkürzungen erforderlich mache. Die Direktoren äußerten sich besorgt darüber, daß sich das Tempo der Haushaltskonsolidierung trotz eines über Erwarten kräftigen Wachstums verlangsamt habe.

Die Direktoren merkten an, daß die Politik der “harten Drachme” während der letzten Jahre zum Inflationsabbau beigetragen habe und sahen die vorsichtige Zinspolitik der Behörden als angemessen an. Sie wiesen jedoch daraufhin, die Kapitalzuflüsse hätten illustriert, daß die Geldpolitik allein nicht in der Lage sei, in dem gegenwärtigen wirtschaftspolitischen Umfeld einen weiteren Inflationsabbau sicherzustellen. Die Direktoren forderten die Regierung mit Nachdruck dazu auf, im öffentlichen Sektor eine strenge Lohn- und Beschäftigungspolitik zu verfolgen, die für die Privatwirtschaft Signalcharakter hätte.

Die Direktoren unterstrichen, daß eine Beschleunigung der Strukturreformen notwendig sei, um Griechenlands längerfristige Wachstumsperspektiven zu verbessern und reale Konvergenz mit Europa zu gewährleisten. Sie begrüßten den Strukturreformplan der Behörden, der eine Straffung und Neuausrichtung staatlicher Ausgaben, Managementverbesserungen in Behörden, erhöhte Verantwortlichkeit im öffentlichen Sektor und eine Reform der Arbeitslosenversicherung beinhalte. Sie forderten die Behörden mit Nachdruck dazu auf, den Umfang der Privatisierung auszuweiten und das Privatisierungstempo zu steigern. Die Direktoren wiesen auch auf die Notwendigkeit hin, die Präsenz des Staates im Bankensektor zu verringern.

Hongkong, China

Die Direktoren erörterten im Februar 1997 den Stabsbericht für die Artikel IV-Konsultation 1996 mit Hongkong, China4 vor dem Hintergrund eines durchschnittlichen jährlichen Wachstums des realen BIP von fast 7% während der letzten 15 Jahre. Diese Leistung war in einem Umfeld dramatischer Veränderungen der Wirtschaftsstruktur erzielt worden; die Bedeutung des industriellen Sektors und der Exporte von im Inland hergestellten Waren war kräftig zurückgegangen, und Hongkong hatte sich zu einer reifen, dienstleistungsorientierten Volkswirtschaft entwickelt.

Obwohl sich das Wachstum seit 1994 verlangsamt hatte, gab es in der zweiten Jahreshälfte von 1996 doch Anzeichen für eine moderate Erholung. Die Umsätze des Einzelhandels und die Grundstückspreise zogen an, die private Bautätigkeit belebte sich. Allerdings blieb das Wachstum der Warenexporte, das üblicherweise den Aufschwung begleitet, verhalten, da das Exportvolumen während der ersten neun Monate von 1996 nur um 5% anstieg. Zum Zeitpunkt der Direktoriumserörterung wurde damit gerechnet, daß das reale BIP im Gesamtjahr um 4,5% wachsen würde (siehe Tabelle 12). Anschließend wurde die Schätzung auf 4 ¾% nach oben revidiert und entsprach damit der Wachstumsrate von 1995. Die Inflationsrate ging von 8 ¾% im Jahr 1995 auf etwa 6% im Jahr 1996 zurück, wofür im wesentlichen eine Abschwächung der Inlandsnachfrage zusammen mit aufwertungsbedingt sinkenden Importpreisen und einer gewissen Flaute auf dem Arbeitsmarkt verantwortlich waren. Die Arbeitslosigkeit, die aufgrund des erhöhten Arbeitskräfteangebots im Jahr 1995 kräftig gestiegen war, ging 1996 allmählich auf etwa 2,5% zurück.

Tabelle 12Hongkong, China: Konjunkturindikatoren(Bei der Direktoriumsaussprache im Februar 1997 vorliegende Daten)
19931994199519961
Prozent
Binnenwirtschaft
Veränderung des realen BIP6,15,44,74,5
Arbeitslosenquote2,02,03,32,6
Veränderung der Verbraucherpreise (Periodendurchschnirt)8,58,18,76,0
Milliarden US-Dollar2
Außenwirtschaft
Ausfuhren, fob163,1182,5209,2222,5
Einfuhren, cif155,0181,0214,8221,0
Leistungsbilanz38,21,5−4,91,6
Bruttoreserven43,049,355,463,8
Leistungsbilanz (Prozent des BIP)37,01,6−2,31,0
Veränderung des realen effektiven Wechselkurses (Prozent)10,51,5−1,24,1
Prozent des BIP2
Finanzielle Größen
Finanzierungssaldo des gesamten Staatssektors42,52,31,3−0,3
Bruttoersparnis535,833,831,033,0
Bruttoinlandsinvestitionen27,631,934,532,0
Veränderung der breit abgegrenzten Geldmenge (M4; Prozent)15,613,613,613,1
Kreditzins für erste Adressen (Prozent)6,58,58,88,5

IWF-Schätzungen.

Soweit nicht anders vermerkt.

Bilanz der Waren und Nichtfaktordienstleistungen.

Angaben für jeweils im März endende Haushaltsjahre.

Auslandsanteil der Ersparnis nur für 1993 und 1994 eingeschlossen.

IWF-Schätzungen.

Soweit nicht anders vermerkt.

Bilanz der Waren und Nichtfaktordienstleistungen.

Angaben für jeweils im März endende Haushaltsjahre.

Auslandsanteil der Ersparnis nur für 1993 und 1994 eingeschlossen.

Das Direktorium lobte die Behörden Hongkongs für die erfolgreiche Steuerung der Wirtschaft. Die Direktoren stellten fest, daß die kurzfristig wichtigsten Herausforderungen die Erhaltung des Vertrauens und die Gewährleistung eines reibungslosen Übergangs in die chinesische Souveränität seien. Sie vertraten die Meinung, daß dies am besten durch ein weiteres Festhalten an dem überwiegend regelgebundenen wirtschaftspolitischen Rahmen erreicht werden könne, der hauptsächlich in der Anbindung des Wechselkurses an den US-Dollar, einer konservativen Fiskalpolitik und einer straffen Regulierung des Finanzwesens bestehe.

Die Direktoren billigten ohne Abstriche die Beibehaltung der Wechselkursanbindung als einen wichtigen Anker für Stabilität und Vertrauen. Sie begrüßten die erneute Versicherung der chinesischen Behörden, die geldpolitische Unabhängigkeit Hongkongs auch nach der Übergabe der Staatshoheit unangetastet zu lassen. Angesichts des unterschiedlichen Entwicklungsstandes der Finanzsysteme in Hongkong und auf dem chinesischen Festland unterstützten die Direktoren das Festhalten an zwei getrennten monetären Systemen und Währungen sowie an zwei selbständigen geldpolitischen Behörden. Das Direktorium unterstrich auch die Notwendigkeit, einen in etwa neutralen und nicht interventionistischen Ansatz in der Haushaltspolitik beizubehalten. Die Direktoren vertraten die Meinung, vor dem Hintergrund der mit einer alternden Bevölkerung verbundenen haushaltsmäßigen Konsequenzen seien weiterhin moderate Überschüsse im Staatshaushalt angemessen. Die Direktoren lobten die Behörden auch dafür, daß sie dem Erhalt eines strengen Bankenaufsichtssystems Priorität einräumten. Sie unterstrichen, in Anbetracht der Abhängigkeit der Banken von Immobilienkrediten und der enger werdenden Verbindungen mit der chinesischen Wirtschaft seien eine unverändert sorgfältige Überwachung der Qualität von Vermögenswerten und die Beibehaltung hoher aufsichtsrechtlicher Standards notwendig. Die Direktoren begrüßten auch, daß sich die Währungsbehörde von Hongkong an den Neuen Kreditvereinbarungen (NAB - New Arrangements to Borrow) beteiligt.

Das Direktorium vertrat die Auffassung, Hongkong besitze sehr gute Chancen für ein mittelfristig weiterhin hohes Wirtschaftswachstum. Hongkongs Zukunft bestehe darin, seine dienstleistungsorientierten Exportindustrien auszubauen und seine Stellung als internationales Finanzzentrum zu bewahren. In diesem Zusammenhang ermutigte das Direktorium die Behörden, ihre Pläne zur Deregulierung der Märkte für nichthandelbare Güter und für Dienstleistungen durchzuführen. Die Direktoren führten auch aus, daß der Schutz von Hongkongs Institutionen und seiner Werte, insbesondere die Rechtsstaatlichkeit, die Unparteilichkeit der richterlichen Gewalt, die Neutralität des öffentlichen Dienstes und die Informationsfreiheit, für Hongkongs mittelfristige Perspektiven bedeutsam seien. Die Direktoren sahen dem Erfolg des “ein-Land-zwei-Systeme”-Rahmens und dem weiteren Gedeihen der Wirtschaft Hongkongs erwartungsvoll entgegen.

Israel

Das Direktorium erörterte die Artikel IV-Konsultation mit Israel im Dezember 1996. Die kräftige, aber recht ausgewogene Aufwärtsentwicklung der israelischen Wirtschaft seit 1989 — mit einem BIP-Wachstum von mehr als 6% pro Jahr — schlug 1995/96 in eine allgemeine wirtschaftliche Überhitzung um (siehe Tabelle 13). Die Basisinflation erhöhte sich von 9% 1994/95 auf eine Rate von 12% zur Jahresmitte 1996, als die Reallöhne in der ersten Hälfte des Jahres um 2,5% anstiegen. Vorläufigen Schätzungen zufolge nahm die Inlandsnachfrage um 5,5% zu, und die Arbeitslosigkeit erhöhte sich leicht auf 6,5%.

Tabelle 13Israel: Konjunkturindikatoren

(Bei der Direktoriumsaussprache im Dezember 1996 vorliegende Daten)1

1993199419951996
Vorausschätzungen

zum Zeitpunkt

der Direktoriums-

aussprache
Ergebnis2
Prozent
Binnenwirtschaft
Veränderung des realen BIP3,56,87,14,34,4
Arbeitslosenquote10,07,86,36,36,7
Veränderung der Verbraucherpreise (Perioden ende)11,214,58,112,010,6
Milliarden US-Dollar1
Außenwirtschaft
Ausfuhren, fob14,816,719,019,920,2
Einfuhren, cif20,422,626,728,928,3
Leistungsbilanz−1,1−2,3−3,9−5,2−4,9
Direktinvestitionen−0,21,21,6
Kapitalbilanz2,41,63,96,1
Bruttoreserven6,46,88,211,4
Leistungsbilanz (Prozent des BIP)−1,7−3,2−4,5−5,6−5,2
Veränderung des realen effektiven Wechselkurses (Prozent)−0,62,43,53,3
Prozent des BIP1
Finanzielle Größen
Finanzierungssaldo des gesamten Staarssektors−3,5−2,2−3,4−4,2
Brurtocrsparnis (Prozent des Volkseinkommens)20,218,718,1
Bruttoinvestitionen (Prozent des Volkseinkommens)21,822,022,6
Veränderung der breir abgegrenzten Geldmenge (Prozent)22,024,621,72,4
Zinssatz am Diskontschalter (Prozent)11,313,415,516,1

Soweit nicht anders vermerkt.

Aktualisierte IWF-Schätzungen.

Soweit nicht anders vermerkt.

Aktualisierte IWF-Schätzungen.

Der Übergang zu einer expansiven Finanzpolitik leistete der Entwicklung vom Wachstum zur Überhitzung Vorschub. Ende 1994 nahmen die Behörden als Folge eines letztendlich nur vorübergehenden Anstiegs der Staatseinnahmen kräftige Lohnerhöhungen im öffentlichen Dienst vor und senkten gleichzeitig die Steuern, was mit haushaltsmäßigen Belastungen in Höhe von 2,5% des BIP verbunden war. Seither war das Steueraufkommen beständig hinter den Erwartungen zurückgeblieben, und die Ziele für das Haushaltsdefizit waren weit verfehlt worden. Für das Jahr 1996 wurde das Defizit des öffentlichen Gesamthaushalts auf 4,2% des BIP geschätzt.

In Anbetracht einer lockerer werdenden Haushaltspolitik und der sich überhitzenden Wirtschaft wurde die Geldpolitik nach 1994 gestrafft, was zu umstrittenen Nebeneffekten führte. Der Wechselkurs festigte sich innerhalb seines gleitenden Bandes und wertete sich gemessen am Index der Verbraucherpreise und der Lohnstückkosten seit 1993 real um ungefähr 5% auf. Die Kapitalzuflüsse schnellten in die Höhe; sie beliefen sich 1995 und 1996 auf durchschnittlich 2,5% des BIP pro Jahr. Zudem waren die inländischen Finanzmärkte durch die restriktive Geldpolitik in Unruhe versetzt worden.

Die Überhitzung der Wirtschaft kam besonders deutlich in der Zahlungsbilanz zum Ausdruck. Das Leistungsbilanzdefizit erhöhte sich 1996 auf über 5% des BIP — eine Größenordnung, die seit Anfang der achtziger Jahre nicht mehr verzeichnet worden war.

Bei ihrer Erörterung lobten die Direktoren die Behörden für ihre geschickte Steuerung der Wirtschaft in den letzten sechs Jahren, die sich durch eine — nahezu erreichte — Halbierung der Inflationsrate und der Arbeitslosenquote sowie durch die erfolgreiche Eingliederung von Einwanderern ausgezeichnet habe. Sie äußerten sich allerdings besorgt über die noch immer hartnäckige Inflation und das hohe Leistungsbilanzdefizit. Das wichtigste wirtschaftspolitische Erfordernis für die Behörden sei die Erhöhung der inländischen Ersparnis mit einem ehrgeizigeren Ansatz zur Haushaltskonsolidierung. Die Direktoren waren der Ansicht, daß die mittelfristige Strategie der Behörden zur Haushaltskonsolidierung, zum Inflationsabbau und für Strukturreformen die angemessene Richtung für die notwendige Anpassung aufzeige.

Da die Haushaltspolitik auschlaggebend für die Überhitzung von 1995/96 gewesen sei, unterstrichen die Direktoren, daß es darauf ankomme, die öffentliche Ersparnis zu erhöhen; sie forderten zur strikten Einhaltung des Defizitziels für 1997 auf. Sie sahen die kürzlich bekanntgegebenen Pläne für zusätzliche Ausgabenkürzungen und die Schaffung einer Notfallreserve als wichtig an. Sie fanden die Absicht der Behörden hilfreich, den Schwerpunkt auf Ausgabenbegrenzungen zu legen, und regten an, realistischere Schätzungen des Steueraufkommens vorzunehmen. Im allgemeinen erachteten die Direktoren die bestehenden mittelfristigen Haushaltsziele als unzureichend, um die zur Aufrechterhaltung eines hohen Investitionsniveaus und zur Realisierung einstelliger Inflationsraten in fünf Jahren erforderliche inländische Ersparnis hervorzubringen. Sie forderten daher nachdrücklich zur Aufstellung ehrgeizigerer mittelfristiger Ziele auf Sie empfahlen auch größere Transparenz und klarere Verantwortlichkeiten in der Haushaltspolitik, insbesondere indem auch Defizitschätzungen vorgelegt würden, die die aufgelaufenen Verbindlichkeiten einschlössen, die mit der Indexierung verbunden seien und die gegenwärtig nicht berücksichtigt würden. Auch sollte die Methodik des staatlichen Rechnungswesens der Öffentlichkeit erläutert werden.

Die Direktoren stellten fest, daß die Geldpolitik während der letzten beiden Jahre die Hauptlast bei der Inflationsbekämpfung getragen habe; sie waren jedoch der Ansicht, daß ein Übergang zu einer weniger restriktiven geldpolitischen Linie erst erfolgen dürfe, wenn bei der Haushaltskonsolidierung glaubhafte Fortschritte erzielt worden seien. Sie meinten im allgemeinen, die verstärkte Betonung von Inflationszielen im Rahmen des gleitenden Wechselkursbandes habe sehr deutlich den Zweck und die Ziele klargelegt, was der angestrebten Rückführung der Inflationsrate dienlich sein könne. Sie forderten mit Nachdruck dazu auf, eine in die Zukunft gerichtete Anti-Inflationsstrategie zu verfolgen, die zweckmäßigerweise strukturelle Aspekte einbeziehen könne — Maßnahmen zur Freigabe öffentlichen Grundbesitzes, die Privatisierung und Regulierung von Versorgungsunternehmen sowie wettbewerbsfördernde Maßnahmen.

Die Direktoren waren der Ansicht, daß Israels Erfolge auf strukturpolitischem Gebiet uneinheitlich ausgefallen seien. Obwohl es bei der Handelsliberalisierung, der Verstärkung der Kartell- und Wettbewerbspolitik sowie bei der Rückführung der Beteiligung von Banken an Wirtschaftsunternehmen außerhalb des Finanzsektors Fortschritte gegeben habe, bestehe die Notwendigkeit, die Privatisierung zu beschleunigen und andere Formen der staatlichen Einflußnahme auf die Wirtschaft zu vermindern. Die Direktoren begrüßten die Pläne zur Verbesserung der steuerlichen und aufsichtsrechtlichen Behandlung von Finanzmarktinstrumenten; sie glaubten aber, daß noch wesentlich mehr zu tun sei, wenn Israel einen widerstandsfähigen und effizienten Kapitalmarkt schaffen wolle.

Korea

Das Direktorium erörterte die Artikel IV-Konsultation mit Korea im November 1996. Nach zwei Jahren einer kräftigen, von einer dynamischen Investitions- und Exportkonjunktur getragenen Expansion schwächte sich das Wirtschaftswachstum gegen Ende 1995 und Anfang 1996 als Folge der zuvor erfolgten Straffung der Geldpolitik und eingetrübter kurzfristiger Exportperspektiven ab. Die Inlandsnachfrage wurde drastisch gedämpft, als sich das Wachstum der Ausrüstungsinvestitionen infolge des hohen Kapazitätsaufbaus in den vergangenen Jahren sowie der weniger günstigen Exportaussichten abschwächte. Ende 1995 und in der ersten Jahreshälfte von 1996 war der Arbeitsmarkt angespannt, mit einer Arbeitslosenquote von etwa 2%. Unter dem Einfluß ungünstiger Entwicklungen bei den Agrarpreisen beschleunigte sich der Preisniveauanstieg auf der Verbraucherstufe in der ersten Jahreshälfte von 1996 auf 5,0%, nach 4,5% im Jahr 1995 (siehe Tabelle 14).

Tabelle 14Korea: Konjunkturindikatoren

(Bei der Direktoriumsaussprache im November 1996 vorliegende Daten)1

1993199419951996
Vorausschätzungen

zum Zeitpunkt

der Direktoriums-

aussprache
Ergebnis2
Prozent
Binnenwirtschaft
Veränderung des realen BIP5,88,69,07,17,1
Arbeitslosenquote2,82,42,02,02,0
Veränderung der Verbraucherpreise (Periodenende)5,85,64,74,94,5
Miliiardm US-Dollar1
Außenwirtschaft
Ausführen, fob80,993,7123,2129,4128,3
Einfuhren, fob79,196,8128,0139,8143,5
Leistungshbilanz0,4−4,5−8,9−17,7−23,7
Direktinvestitionen−0,5−1,3−1,9−1,7
Portfolioinvestitionen10,76,88,511,3
Kapitalbilanz2,69,116,024,6
Bruttoreserven20,225,632,733,2
Leistungsbilanz (Prozent des BIP)0,1−1,2−2,0−3,6−4,8
Auslandsschulden (Prozent des BIP)13,314,717,222,9
Schuldendienst (Prozent der Ausfuhr von Waren und Diensten)9,16,25,4
Veränderung des realen effektiven Wechselkurses (Prozent)−1,80,71,13,6
Prozent des BIP1
Finanzielle Größen
Finanzierungssaldo des gesamten Staatssektots0,30,50,4
Bruttoersparnis35,234,935,134,5
Bruttoinvestitionen35,136,137,138,0
Veränderung der breit abgegrenzten Geldmenge (Periodenende; Prozent)17,317,613,717,8
Dreimonats-Einlagenzcrrifikate (Prozent)12,314,811,713,5

Soweit nicht anders vermerkt.

Aktualisierte IWF-Schätzungen.

Soweit nicht anders vermerkt.

Aktualisierte IWF-Schätzungen.

Die Haushaltssituation Koreas blieb als Folge der langen Tradition einer konservativen Fiskalpolitik solide. Seit Jahren waren die Haushaltsausgaben, die im internationalen Vergleich relativ niedrig sind, in etwa so hoch gewesen wie die Staatseinnahmen, was sich in einer geringen Staatsverschuldung und einer hohen öffentlichen Ersparnis niedergeschlagen hat. Die monetäre Entwicklung 1995 und 1996 stand im großen und ganzen mit den Zielen der Regierung im Einklang, die Basisinflation zu verringern und eine sanfte Landung zu erreichen. Das Wachstum des breit abgegrenzten Geldmengenaggregates verlangsamte sich — trotz eines kräftigen Expansionstempos zum Jahresanfang — bis Dezember auf 13,7% und lag ziemlich genau in der Mitte des Zieltrichters von 12% bis 16%. Die anderen monetären Aggregate wiesen ein ähnliches Verlaufsmuster auf.

Seit 1994 hatte sich das Leistungsbilanzdefizit kräftig ausgeweitet, anfänglich im Gleichschritt mit der rasch wachsenden Wirtschaft, danach jedoch hauptsächlich aufgrund ungünstiger Entwicklungen bei den Terms of Trade. Gleichwohl hatten die Kapitalimporte, die als Folge der zunehmenden Lockerung der Kontrollen für ausländische Beteiligungen und aufgrund des liberaleren Zugangs zu Handelsfinanzierungen angestiegen waren, dieses Defizit problemlos finanziert. Im Jahr 1995 erhöhte sich der Überschuß in der Kapitalverkehrsbilanz auf 16 Mrd $, und in der ersten Jahreshälfte von 1996 wurden Nettozuflüsse von 14 Mrd $ verzeichnet. Seit 1994 haben die Behörden schrittweise die Handelsbarrieren abgebaut und die Zölle im Einklang mit der Uruguay-Runde verringert; mit Ausnahme einer geringen Anzahl von Produkten mit potentiell schädlichen Folgen für die Gesundheit oder die Sicherheit werden Importgenehmigungen jetzt automatisch erteilt. Der gewogene nominale Außenwert ist seit Ende 1994 praktisch unverändert geblieben, trotz großer Schwankungen der Wechselkurse wichtiger Währungen in diesem Zeitraum.

Während der letzten zehn Jahre hatten die Behörden zwei Programme zur Privatisierung staatseigener Unternehmen teilweise umgesetzt; das im Dezember 1993 begonnene Programm sah in den Jahren 1994 bis 1998 die Privatisierung von 58 von 133 staatseigenen Unternehmen vor. Bis zur Jahresmitte 1996 waren 16 Unternehmen privatisiert worden.

Bei ihrer Erörterung begrüßten die Direktoren Koreas weiterhin beeindruckende gesamtwirtschaftliche Entwicklung; das Wachstum habe sich von dennicht durchhaltbar hohen Raten der vorangegangenen zwei Jahre abgeschwächt, die Inflation sei trotz einer geringfügigen Beschleunigung in den Monaten vor der Konsultation verhalten geblieben, und die Vergrößerung des Leistungsbilanzdefizits resultiere im wesentlichen aus einer temporären Verschlechterung der Terms of Trade. Sie begrüßten Koreas künftige Mitgliedschaft in der OECD und bei der BIZ und verwiesen auf die Aufgabe, sicherzustellen, daß das Tempo der Strukturreformen im Finanzsektor und im Kapitalverkehr mit dem Erfordernis im Einklang stehe, Korea in eine von der Industrie geprägte Volkswirtschaft umzuwandeln.

Die Direktoriumsmitglieder hoben hervor, daß sich die Geldpolitik entschlossen auf das Endziel der Preisstabilität konzentrieren müsse, und stimmten darin überein, daß die Geldpolitik durch einen flexibleren Wechselkurs unterstützt werden solle, insbesondere wenn sich die Kapitalzuflüsse nach weiteren Maßnahmen zur Kapitalverkehrsliberalisierung verstärken würden. Größere Wechselkursflexibilität werde durch eine Vertiefung des Terminmarktes für den koreanischen Won gefördert und werde ihrerseits zur Vertiefung beitragen.

Die Direktoren lobten die Behörden für ihre beneidenswerten Haushaltsergebnisse und wiesen darauf hin, daß die Fiskalpolitik zur Stärkung der mittelfristigen wirtschaftlichen Entwicklung am besten durch Beibehaltung einer soliden Haushaltsposition beitragen könne, während dringend notwendige Ausgaben für die soziale Infrastruktur durchgeführt würden. Sie begrüßten auch die in jüngster Zeit beschleunigte Liberalisierung des Kapitalverkehrs; obwohl einige Direktoren mit dem von den Behörden gewählten graduellen Ansatz zur Liberalisierung des Kapitalverkehrs einverstanden waren, meinte eine Reihe von Direktoren, daß eine rasche und vollständige Liberalisierung bei Koreas wirtschaftlichem Entwicklungsstand zahlreiche Vorteile biete. Die Direktoren pflichteten der Absicht der Behörden bei, die Kapitalbilanzliberalisierung nicht streng an die Verringerung der Zinsdifferentiale zu den Partnerländern zu binden, und merkten an, daß die Liberalisierung als solche wichtig sei, um die koreanischen Zinsen von ihrem gegenwärtig hohen Niveau herunterzubringen.

Die Direktoren äußerten die Meinung, daß die jüngste Beschleunigung der Kapitalbilanzliberalisierung die Notwendigkeit für weitere Reformen des inländischen Finanzsektors verstärke. Trotz erheblicher Fortschritte bei der Reform des Finanzsektors schienen die Bankzinsen unbeweglich zu bleiben, und Sekundärmärkte für viele Finanzprodukte seien entweder nur rudimentär entwickelt oder überhaupt nicht vorhanden. Außerdem habe die Geldpolititk den Übergang zu indirekten Instrumenten noch nicht abgeschlossen. Die Direktoren stellten fest, daß raschere Fortschritte auf diesen Gebieten dazu beitragen würden, die Effizienz des Finanzsektors zu verbessern und die Wirksamkeit der Geldpolitik zu steigern.

Das Direktorium begrüßte die Ausweitung der Strukturreformen, einschließlich der Arbeitsmarktreform und der Privatisierung, die zu Produktivitätsgewinnen beitragen und die anhaltende Wettbewerbsfähigkeit der koreanischen Wirtschaft gewährleisten sollten.

Neuseeland

Das Direktorium erörterte die Artikel IV-Konsultation mit Neuseeland im November 1996. Zum Zeitpunkt der Erörterung war die wirtschaftliche Entwicklung in Neuseeland weiterhin zufriedenstellend. Das Wachstum des realen BIP hatte sich auf durchhaltbare 3% verlangsamt, was eher einer sanften Landung entsprach als einer Rezession, die ein typisches Merkmal früherer Konjunkturzyklen gewesen war. Die Beschäftigungszunahme blieb hoch, und die Basisinflation bewegte sich in der Nähe von 2%. Die Obergrenze des Zielbereichs wurde damit leicht durchbrochen, was zum Teil auf den starken Anstieg der Wohnungspreise zurückzuführen war. Der straffe Kurs in der Geld- und Finanzpolitik wurde beibehalten: Der Haushaltsüberschuß war 1995/96 auf beinahe 4% des BIP gestiegen, die Realzinsen wurden auf einem relativ hohen Niveau gehalten, der gewogene Außenwert hatte sich sowohl nominal wie auch real um 5% aufgewertet (siehe Tabelle 15). Obwohl sich das Leistungsbilanzdefizit 1995/96 auf 4% des BIP vergrößert hatte, blieb das Vertrauen der Märkte groß.

Tabelle 15Neuseeland: Konjunkturindikatoren1

(Bei der Direktoriumsaussprache im November 1996 vorliegende Daten)2

1993/941994/951995/961996/97
Vorausschätzungen

zum Zeitpunkt

der Direktoriums-

aussprache
Ergebnis3
Prozent
Binnenwirtschaft
Veränderung des realen BIP6,25,22,82,52,0
Arbeitslosenquote9,56,96,56,56,4
Veränderung der Verbraucherpreise (Periodendurchschnitt)1,42,43,32,42,2
Milliarden US-Dollar2
Außenwirtschaft
Ausfuhren, fob10,812,613,414,515,2
Einfuhren, cif9,111,312,814,414,7
Leistungsbilanz−0,6−2,0−2,4−2,8−2,8
Direktinvestitionen0,51,24,54,24,4
Portfolioinvestitionen1,30,41,21,41,2
Kapitalbilanz1,01,82,92,82,9
Bruttoreserven3,83,94,54,74,4
Leistungsbilanz (Prozent des BIP)−1,3−3,9−4,1−4,5−4,3
Veränderung des realen effektiven Wechselkurses (Prozent)6,45,35,7
Prozent des BIP2
Finanzielle Größen
Finanzierungssaldo des gesamten Staatssektors0,93,13,83,12,0
Brurroersparnis18,917,918,417,918,2
Bruttoinvestitionen20,221,822,622,422,5
Veränderung der breit abgegrenzten Geldmenge (Prozent)6,56,712,015,010,0
Zinssatz für Bankschuldverschreibungen mit einer Laufzeit von 90 Tagen (Prozent)5,49,48,99,9

Angaben für jeweils im März endende Haushaltsjahre.

Soweit nicht anders vermerkt.

Aktualisierte IWF-Schätzungen.

Angaben für jeweils im März endende Haushaltsjahre.

Soweit nicht anders vermerkt.

Aktualisierte IWF-Schätzungen.

Es wurde davon ausgegangen, daß sich das Wirtschaftswachstum, angetrieben von den im Haushalt für 1996/97 enthaltenen Steuersenkungen, im Jahr 1997 fortsetzen werde. Im Rahmen des Haushalts war vorgesehen, die steuerliche Belastung 1996/97 und 1997/98 um mehr als 1% des BIP zu verringern, die persönlichen Einkommensteuern zu senken und die Sozialleistungen zu erhöhen. Trotzdem wurde für 1996/97 ein Haushaltsüberschuß von 3% des BIP vorhergesagt, was einen weiteren Abbau der staatlichen Nettoverschuldung auf 28% des BIP möglich machen werde.

Die Direktoren lobten die Behörden für die standhafte Durchführung einer strengen Geld- und Finanzpolitik und umfassender Strukturreformen im letzten Jahrzehnt — eingebettet in einen von Transparenz und Verantwortlichkeit gekennzeichneten Ordnungsrahmen. Sie begrüßten die Absicht der Behörden, ihre wirtschaftspolitische Ausrichtung mittelfristig beizubehalten. Sie hielten den wirtschaftspolitischen Kurs einer straffen Geldpolitik und einer Kontrolle der Staatsausgaben für angemessen, weil diese Linie zur Inflationsbekämpfung beitrage, die Tragfähigkeit der Außenwirtschaftsposition gewährleiste und die Grundlage für die Wiedergewinnung eines mittelfristig kräftigeren Wachstums lege.

Die Direktoren glaubten, daß der geldpolitische Rahmen, zu dem auch die Vorgabe von Inflationszielen gehöre, zur Begrenzung der Inflationserwartungen und zur Bewahrung des Vertrauens der Märkte in die gesamte Wirtschaftsstrategie beigetragen habe. Während einige Direktoren meinten, die Ausweitung des Zielbandes von 0% - 2% werde der Geldpolitik mehr Flexibilität ermöglichen, warnten die meisten Direktoren vor einer solchen Maßnahme, zumindest bis die Inflation wieder in das Band zurückgeführt worden sei, um nicht die Glaubwürdigkeit der AntiInflationspolitik zu gefährden.

Die Direktoren pflichteten der mittelfristigen Haushaltsstrategie, die für anhaltende Überschüsse sorge und einen stetigen Rückgang der Verschuldungsquote der öffentlichen Hand zur Folge habe, mit großem Nachdruck bei. Sie mahnten bei der Reform des öffentlichen Dienstes und des Sozialhilfesystems weitere Fortschritte an, um Mittel für höhere Ausgaben im Gesundheits- und Erziehungswesen verfügbar zu machen; außerdem sollten die noch im Staatsbesitz befindlichen Anteile an Außenhandelsunternehmen beschleunigt privatisiert werden. Eine Reihe von Direktoren hielt es für ratsam, die zweite Steuersenkungsrunde solange aufzuschieben, bis Ausgabeneinsparungen klar erkennbar seien.

Eine Reihe von Direktoren meinte, daß die Höhe des Leistungsbilanzdefizits angesichts der Störanfälligkeit Neuseelands gegenüber außenwirtschaftlichen Schocks und veränderten Markteinschätzungen ein Risiko darstelle. Die Direktoren glaubten, es sei für die Behörden ratsam, die Finanzpolitik nötigenfalls zu straffen, um eine Ausweitung des Leistungsbilanzdefizits zu verhindern. Finanzielle Stabilität und weitere Strukturreformen würden dazu beitragen, den Sektor der handelbaren Güter wettbewerbsfähig zu halten und private Kapitalimporte zu gewährleisten.

Die Direktoren unterstrichen, zur Stärkung des Wachstumspotentials sei es wichtig, die Strukturreformen fortzusetzen. Insbesondere waren sie der Meinung, daß die Anstrengungen zur Erhöhung der privaten Investitionen und der Ersparnis — im Verhältnis zum BIP — fortgesetzt werden sollten und daß zur Steigerung der Arbeitsproduktivität das Erziehungswesen und die Ausbildungseinrichtungen verbessert werden müßten. Sie begrüßten die Absicht der Behörden, weitere multilaterale und regionale Initiativen zur Handelsliberalisierung zu unterstützen.

Nach der Konsultation übernahm im Dezember 1996 eine neue Koalitionsregierung die Amtsgeschäfte. Auch wenn der wirtschaftspolitische Kurs nicht grundlegend modifiziert worden ist, so sind doch zwei Änderungen von Bedeutung. Erstens wurde das Inflationsband von 0% - 2% auf 0% - 3% ausgeweitet, und die Notenbank signalisierte ihre Absicht, die Inflationsrate im mittleren Bereich des neuen Bandes zu halten. Inzwischen hat sich der Preisauftrieb weiter abgeschwächt; die Basisinflation für das Märzquartal 1997 lag bei 0,2%, und für den im März 1997 endenden Zwölfmonatszeitraum betrug sie durchschnittlich 2%. Zweitens wurden die im Haushalt vorgesehenen Ausgaben für das Gesundheits- und das Erziehungswesen sowie für Justiz und innere Sicherheit für die nächsten Jahre um jährlich 1,5% des BIP erhöht, und die für Juli 1997 angekündigte Steuersenkung wurde um ein Jahr verschoben. Allerdings werden auch künftig größere Haushaltsüberschüsse angestrebt.

Schweden

Das Direktorium erörterte die Artikel IV-Konsultation mit Schweden im September 1996. Von 1990 bis 1993 hatte Schweden die schlimmste Wirtschaftskrise der Nachkriegszeit durchlebt, aber seit dem zweiten Quartal 1993 hatte sich die Wirtschaft, angetrieben von einer kräftigen Exportentwicklung, spürbar erholt. Das reale BIPWachstum lag im Jahr 1995 bei 3,6% (siehe Tabelle 16), dem höchsten Wert seit 1987. Der Preisanstieg auf der Verbraucherstufe hat sich seit Januar 1996 auf unter 2% abgeschwächt, wofür zum Teil die Aufwertung der Krone und sinkende Hypothekenzinsen ausschlaggebend waren. Die Lohnerhöhungen blieben allerdings weiterhin beunruhigend hoch, und obwohl sich die Arbeitslosigkeit etwas verringert hat, lag sie im ersten Quartal 1996 weiterhin über 12%.

Tabelle 16Schweden: Konjunkturindikatoren

(Bei der Direktoriumsaussprache im September 1996 vorliegende Daten)1

1993199419951996 Voraussehätzungen
zum Zeitpunkt der Direktoriums-aussprächeErgebnis2
Prozent
Binnenwirtschaft
Veränderung des realen BIP−2,23,33,61,11,1
Arbcitsloscnquote8,28,07,78,08,0
Veränderung der Verbraucher-preise (Periodendurchschnitt)4,62,22,50,50,5
Milliarden US-Dollar1
Außenwirtschaft
Ausfuhren, fob49,460,079,784,5
Einfuhren, cif42,551,364,966,6
Leistungsbilanz−4,00,84,96,26,1
Direktinvestitionen2,4−0,43,10,6
Portfolioinvestitionen4,14,8−5,2−3,5
Kapitalbilanz3,8−0,8−5,0−6,0
Bruttoreserven2,53,13,42,92,9
Leistungsbilanz (Prozent des BIP)−2,20,42,12,52,4
Veränderung des realen effektiven Wechselkurses (Prozent)−23,7−2,2−1,211,69,9
Prozent des BIP1
Finanzielle Größen
Finanzierungssaldo des gesamten Staatssektors−12,3−10,8−8,0−4,0−2,5
Bruttoersparnis11,314,517,517,717,2
Bruttoinvestitionen13,314,115,515,114,7
Veränderung der breit abgegrenzten Geldmenge (M3; Prozent)4,00,32,711,711,7
Zinssatz für Dreimonats-Interbankgelder (Periodendurchschnitt; Prozent)8,57,68,86,06,0

Soweit nicht anders vermerkt.

Aktualisierte IWF-Schätzungen.

Soweit nicht anders vermerkt.

Aktualisierte IWF-Schätzungen.

Nachdem das gesamtstaatliche Defizit im Jahr 1993 12,3% erreicht hatte, hat Schweden seine öffentlichen Finanzen entschlossen auf Konsolidierungskurs gebracht. Das EWU-Konvergenzprogramm, das die Regierung im Juni 1995 verabschiedete, beinhaltete Maßnahmen, die bis 1998 einen Defizitabbau um 7,5% des BIP erwarten ließen, wobei der Abbau hälftig zwischen Ausgabenkürzungen und Steuererhöhungen aufgeteilt war. Angesichts des kräftigen Wirtschaftswachstums wurde erwartet, daß sich das Haushaltsdefizit im Jahr 1997 auf 2,5% verringern würde (Maastrichter Kriterium erfüllt), aber die Ende 1995 eingetretene Wachstumsabschwächung hat diese Vorhersage verändert. Der Nachtragshaushalt vom April 1996 sah daher zusätzliche Ausgabenkürzungen im Umfang von 12 Mrd SKr vor, um das Defizit im Jahr 1997 auf unter 3% des BIP zu senken. Die positive Aufnahme dieses Gesetzes an den Märkten führte auch zu nachlassendem Druck auf die Krone und die Zinsen. Bis Mitte Juli 1996 hat sich die Krone gegenüber ihrem Tiefstand des Jahres 1995 um 18% aufgewertet, und das Zinsdifferential gegenüber den langfristigen Zinsen in Deutschland hat sich auf 160-170 Basispunkte — oder etwa ein Drittel seines Höchststandes von Anfang 1995 — verringert.

Bei ihrer Erörterung merkten die Direktoren an, daß die schwedische Wirtschaft sich von der Krise der Jahre 1990-93 gut erholt habe. Die schwedische Inflation gehöre zu den niedrigsten in Europa. Die Direktoren lobten die Behörden für die entschlossene Umsetzung eines soliden Haushaltskonsolidierungsprogramms und für die erfolgreiche Überwindung der Bankenkrise. Diese Erfolge hätten die Glaubwürdigkeit der Regierung an den Märkten gestärkt. Die Direktoren betonten allerdings, daß es notwendig sei, auf dem Arbeitsmarkt Strukturreformen durchzufuhren, um zur Dämpfung der Lohninflation beizutragen und die hohe Arbeitslosigkeit zu verringern; auch müsse das Haushaltskonsolidierungsprogramm vollständig umgesetzt werden. Unter Hinweis auf die Abhängigkeit der Haushaltskonsolidierung von der Wachstumsentwicklung begrüßten die Direktoren sowohl die Verabschiedung zusätzlicher finanzpolitischer Maßnahmen im Nachtragshaushalt vom April 1996, die darauf angelegt waren, das Haushaltskonsolidierungsprogramm auf Kurs zu halten, als auch das größere Gewicht, das im Rahmen dieser Maßnahmen auf Ausgabenkürzungen gelegt werde.

Da es Hinweise dafür gebe, daß die wirtschaftspolitischen Entscheidungen zunehmend als glaubwürdig angesehen würden, und in Anbetracht der hohen Arbeitslosigkeit stimmten die Direktoren darin überein, daß die Lockerung der Geldpolitik eine angemessene Maßnahme gewesen sei. Die meisten Direktoren waren der Ansicht, das geldpolitische Konzept der Reichsbank, einschließlich der Vorgabe von Inflationszielen, habe zum Inflationsabbau beigetragen. Einige Direktoren meinten, eine eindeutigere Absichtserklärung, EWU-Mitglied zu werden, werde dazu beitragen, die günstige Markteinschätzung abzusichern.

Die Direktoren begrüßten die Aufwertung der Krone im vorangegangenen Jahr und stimmten im allgemeinen der Ansicht der Behörden zu, daß sich die Krone im oder nahe am Gleichgewicht zu befinden scheine. Sie waren allerdings über die hohen Lohnzuwächse besorgt, die die Inflation anfachen, die Wettbewerbsfähigkeit und das Wachstumstempo schwächen sowie den Abbau der Arbeitslosigkeit verlangsamen könnten.

Die Direktoren begrüßten die im Rahmen des Beschäftigungsgesetzes vorgesehenen Maßnahmen, obgleich eine Reihe von Direktoren diese zur Realisie-rung der Beschäftigungsziele der Behörden als unzureichend ansah. Sie forderten mit Nachdruck Reformen zur Flexibilisierung des Arbeitsmarktes und unterstützten die Etablierung eines neuen Lohnfindungssystems. Mehrere Direktoren unterstrichen, daß es wichtig sei, die Löhne stärker zu differenzieren und Maßnahmen zur Förderung der Beschäftigung von Berufseinsteigern zu ergreifen.

Spanien

Das Direktorium erörterte die Artikel IV-Konsultation mit Spanien im März 1997. Die aktuelle wirtschaftliche Entwicklung des Landes war damals im allgemeinen günstig. Der Anstieg des privaten Verbrauchs hatte sich zur Jahresmitte 1996, als boomende Aktien- und Rentenmärkte das Vermögen der privaten Haushalte erhöhten, auf etwa 2,5% (im Quartalsvergleich, auf Jahresrate hochgerechnet) beschleunigt. Im gesamten Jahr 1996 wuchs das BIP um schätzungsweise 2,2% (siehe Tabelle 17). Die Inflation auf der Verbraucherstufe ging auf 3,2% im Dezember 1996 zurück (Vorjahresvergleich), den niedrigsten Wert in drei Jahrzehnten. Bei einer immer noch unterhalb des Produktionspotentials liegenden Wirtschaftsleistung blieb die Arbeitslosigkeit ein ernstes wirtschaftliches und soziales Problem. Nach einem Anfang 1994 erreichten Höchststand von über 24% hat sich die Arbeitslosenquote im Zuge der anschließenden konjunkturellen Erholung bis zum dritten Quartal 1996 auf 22% der Erwerbspersonen verringert; sie war damit aber immer noch wesentlich höher als in irgendeinem anderen Industrieland.

Tabelle 17Spanien: Konjunkturindikatoren(Bei der Direktoriumsaussprache im März 1997 vorliegende Daten)
1993199419951996
Prozent
Binnenwirtschaft
Veränderung des realen BIP−1,22,12,82,2
Arbeitslosenquote (Periodendurchschnitt)22,724,222,922,2
Veränderung der Verbraucherpreise14,94,34,33,2
Milliarden US-Dollar2
Außenwirtschaft
Ausfuhren, fob62,174,092,7103,1
Einfuhren, cif77,088,8110,4116,9
Leistungsbilanz−5,8−6,81,22,9
Nettoinvestitionen354,2−15,823,41,0
Sonstige Portfolioinvestitionen, netto4−54,521,2−31,018,7
Kapitalbilanz2,92,66,05,9
Bruttoreserven (Periodenende)45,344,538,261,8
Leistungsbilanz (Prozent des BIP)−1,1−1,40,20,6
Veränderung des realen effektiven Wechselkurses (Prozent)−10,5−4,81,42,3
Prozent da BIP2
Finanzielle Größen
Finanzierungssaldo des gesamten Staatssektors (auf Maastricht-Basis)−7,4−6,2−6,6−4,4
Bruttoersparnis18,718,621,321,0
Bruttoinvestitionen19,920,021,120,6
Veränderung der breit abgegrenzten Geldmenge (Periodenende; Prozent)10,17,09,26,3
Zinssatz für Dreimonats-Inrerbankgelder (Periodendurchschnitt; Prozent)11,78,09,47,5

Periodenende, prozentuale Veränderung im Jahresvergleich (Dezember gegenüber Dezember des Vorjahres).

Soweit nicht anders vermerkt.

Einschließlich ausländischer Direktinvestitionen und marktfähiger Wertpapiere.

Einschließlich Darlehen, Einlagen und Rücknahmeoperationen.

Periodenende, prozentuale Veränderung im Jahresvergleich (Dezember gegenüber Dezember des Vorjahres).

Soweit nicht anders vermerkt.

Einschließlich ausländischer Direktinvestitionen und marktfähiger Wertpapiere.

Einschließlich Darlehen, Einlagen und Rücknahmeoperationen.

Seit Ende 1994 war die Geldpolitik primär mit der Aufgabe befaßt, die Inflation zu zügeln. Inflation und Geldmengenwachstum schwächten sich 1996 ab; dies ermöglichte es der Bank von Spanien, im Januar 1997 den Referenzsatz für zehntägige Wertpapierpensionsgeschäfte auf 6% zu senken, von 9 ¼% im Dezember 1995. Die Haushaltspolitik zielte darauf ab, Spanien für einen EWUBeitritt 1999 zu qualifizieren. Das dem Europäischen Rat im Juli 1994 vorgelegte Konvergenzprogramm sah vor, das Defizit der öffentlichen Haushalte von 7,4% des BIP im Jahr 1993 auf 3,0% im Jahr 1997 zu verringern, und zwar hauptsächlich über Ausgabenkürzungen. Von 1994 bis 1996 wurden für eine Reihe von Jahren Obergrenzen für den Anstieg der Löhne und Gehälter im öffentlichen Dienst festgelegt, mit den örtlichen und regionalen Regierungen wurden Vereinbarungen zur Defizitbegrenzung getroffen, die steigenden Ausgaben für das Gesundheitswesen wurden einer Kontrolle unterworfen, und die Arbeitslosenunterstützung wurde gekürzt. Obwohl der 1995 bei der Haushaltskonsolidierung erzielte Fortschritt enttäuschend ausgefallen war, verbesserte sich die Situation im Jahr 1996. Vorläufige Daten ließen erwarten, daß das Defizitziel von 4,4% des BIP für den öffentlichen Gesamthaushalt auf VGR-Basis erreicht wurde.

Spaniens Außenwirtschaftsposition blieb stark. Die Leistungsbilanz wies 1996 aufgrund von Verbesserungen in der Handelsbilanz und im Reiseverkehr einen Überschuß von 0,6% des BIP auf, nach 0,2% im vorangegangenen Jahr. Vor dem Hintergrund erheblicher Nettokapitalzuflüsse erhöhten sich die Währungsreserven von 36 Mrd $ im März 1995 bis Ende Januar 1997 auf 65,3 Mrd $. Im gleichen Zeitraum hielt sich die Peseta ziemlich genau in der Mitte des WKM-Bandes.

Bei ihrer Erörterung lobten die Direktoren die Behörden für ihre solide makroökonomische Politik und insbesondere für die bei der Haushaltskonsolidierung und den Strukturreformen erzielten Fortschritte. Sie stellten fest, daß Spanien im Jahr 1997 vor einer Kräftigung der konjunkturellen Erholung und mittelfristig vor einem nachhaltigen Wachstum stehen dürfte. Sie begrüßten auch Spaniens feste Absicht, 1997 die Maastrichter Konvergenzkriterien zu erfüllen, und waren der Meinung, daß die Behörden dieses Ziel erreichen könnten. Sie stimmten überein, daß die Behörden bereit sein sollten, zusätzliche finanzpolitische Maßnahmen zu ergreifen, sofern dies zur Einhaltung der Maastrichter Kriterien erforderlich sei.

Die Direktoren forderten die Behörden mit Nachdruck dazu auf, den Haushaltskonsolidierungsprozeß durch frühzeitiges Handeln auf eine tragfähige Grundlage zu stellen. Sie führten aus, daß es erforderlich sei, über temporäre Ausgabenkürzungen hinauszugehen und eine umfassende Restrukturierung der Staatsausgaben vorzunehmen. Unter Bezugnahme auf die Staatseinnahmen empfahlen einige Direktoren den Behörden, das Steuersystem durch eine Verringerung der Grenzsteuersätze zu verbessern.

Die Direktoren lobten die Bank von Spanien für ihre Erfolge bei der Inflationsbekämpfung; sie führten aus, daß die größere Unabhängigkeit der Bank und ihre auf die Realisierung von Inflationszielen ausgerichtete Strategie gut funktioniert hätten. Sie stimmten mit den Behörden überein, daß die in letzter Zeit niedrigen Inflationsdaten vorsichtige Zinssenkungen erlauben könnten; allerdings sollten nachfolgende Zinssenkungen von eindeutigen Fortschritten an der Haushaltsfront abhängig gemacht werden.

Wegen der soliden Entwicklung des Außenwirtschaftssektors in den letzten Jahren stimmten die Direktoren im allgemeinen überein, daß mangelnde Wettbewerbsfähigkeit kein akutes Problem darstelle. Gleichwohl unterstrichen sie, daß es notwendig sei, strukturelle Reformen durchzuführen und auf eine moderate Lohnentwicklung zu achten, um auf mittlere Frist die internationale Wettbewerbsfähigkeit zu bewahren. Mit Blick auf den Binnenwettbewerb ermutigten sie die Behörden, mit ihren Maßnahmen zur Verbesserung der städtischen Immobilienmärkte, der Dienstleistungen und des Einzelhandels voranzuschreiten und ein stärker marktorientiertes, unabhängiges Regelwerk für Monopole einzuführen.

Die Direktoren stellten fest, daß die hohe Arbeitslosenquote und die gravierenden Verkrustungen am Arbeitsmarkt weiterhin die dringendsten wirtschaftspolitischen Herausforderungen seien. Spaniens bevorstehender Beitritt zur Währungsunion mache es unumgänglich, daß die Behörden unverzüglich Arbeitsmarktreformen durchführen.

Entwicklungsländer

Ägypten

Das Direktorium erörterte die Artikel IV-Konsultation mit Ägypten im Oktober 1996 und genehmigte Ägyptens Antrag auf eine zweijährige Bereitschaftskreditvereinbarung mit Vorsorgecharakter. Seit 1991 hat Ägypten mit der Unterstützung von zwei aufeinanderfolgenden Bereitschaftskreditvereinbarungen des Fonds weitreichende Stabilisierungsmaßnahmen und Strukturreformen durchgeführt. Die Zuwachsrate des realen BIP, das 1991/92 stagniert hatte, wurde zum Zeitpunkt der Erörterung fur 1995/96 auf über 4% geschätzt; dagegen wurde die Jahresinflation von mehr als 21% auf etwas über 7% zurückgeführt (siehe Tabelle 18).

Tabelle 18Ägypten: Konjunkturindikatoren1(Bei der Direktoriumsaussprache im Oktober 1996 vorliegende Daten)
1992/931993/941994/951995/96
Prozent
Binnenwirtschaft
Veränderung des realen BIP0,52,93,24,2
Veränderung der Verbraueherpreise (Periodendurchschnitt)11,19,09,47,1
Milliarden US-Dollar2
Außenwirtschaft
Ausfuhren, fob3,43,35,04,6
Einfuhren, cif10,710,611,913,7
Leistungsbilanz2,20,21,60,2
Direktinvestitionen0,51,30,70,5
Portfolioinvestitionen0,00,00,1
Kapitalbilanz0,82,1−0,40,8
Bruttoreserven15,517,018,418,9
Leistungsbilanz (Prozent des BIP)35,60,42,70,2
Auslandsschulden (Prozent des BIP)65,858,055,747,1
Schuldendienst (Prozent der leistungsbilanz einnahmen, dnsehlieiíEieh aller Übertragungen)13,612,110,310,7
Veränderung des realen effektiven Wechselkurses (Prozent)47,910,4−0,42,4
Prozent lies BIP2
Finanzielle Größen
Finanzierungssaldo des gesamten Staatssektors−3,5−2,1−1,3−1,3
Bruttoersparnis17,017,219,417,2
Bruttoinvestitionen10,216,816,717,0
Veränderung der breit abgegrenzten Geldmenge (Prozent)16,412,411,110,5
Durchschnitts-Zinssatz für Dreimonats-Schatzwechscl (Prozent)16,313,911,010,5

Angaben für jeweils im Juni endende Haushaltsjahre.

Soweit nicht anders vermerkt.

Einschließlich offizieller Übertragungen.

Für 1995/96 bezieht sich die Veränderung auf den im Mai 1996 abgelaufenen Zwölfmonats-zeitraum.

Angaben für jeweils im Juni endende Haushaltsjahre.

Soweit nicht anders vermerkt.

Einschließlich offizieller Übertragungen.

Für 1995/96 bezieht sich die Veränderung auf den im Mai 1996 abgelaufenen Zwölfmonats-zeitraum.

Bei der Haushaltskonsolidierung sind wesentliche Fortschritte erzielt worden. Das Defizit des gesamten öffentlichen Sektors, das Ende der achtziger Jahre über 15% des BIP betragen hatte, belief sich 1995/96 auf etwa 1,3% des BIP; dies entsprach dem Budgetziel und lag in etwa auf dem Niveau des vorangegangenen Jahres. Während der Anteil der Staatseinnahmen am BIP zurückging, sanken auch die Ausgaben im gleichen Umfang, obwohl prioritäre soziale Bereiche wie Gesundheit und Erziehung von Kürzungen ausgenommen wurden.

Es kam zu weiteren Zinssenkungen, und die Überschußreserven der Geschäftsbanken gingen zurück. Der Zinssatz für dreimonatige Schatzwechsel sank auf 10 ½%, von etwa 14% vor zwei Jahren. Der nominale Wechselkurs des Pfund blieb gegenüber dem US-Dollar praktisch konstant; der gewogene reale Wechselkurs des Pfund wertete sich um 9% auf, worin sich der gestiegene Dollarkurs widerspiegelte. Insgesamt gesehen hat sich die Aufwertung des gewogenen realen Wechselkurses des Pfund seit 1993 merklich verlangsamt, weil der Inflationsunterschied zwischen Ägypten und seinen Handelspartnern zurückgegangen ist und die Kapitalimporte geringer geworden sind.

Die Zahlungsbilanz verzeichnete weiterhin Überschüsse, was zu einem beträchtlichen Aufbau von Nettowährungsreserven führte, die im Oktober 1996 etwa 15 Importmonate ausmachten. Aufgrund begrenzter Kreditaufnahmen im Ausland und zusätzlicher Schuldenerleichterungen durch den Pariser Klub ging die Auslandsverschuldung bis Mitte 1996 auf etwa 47% des BIP zurück, und die Schuldendienstquote sank auf etwa 11% der Leistungsbilanzeinnahmen (einschließlich aller Übertragungen).

Trotz einer beträchtlichen Ausweitung des Handelsbilanzdefizits, eines Rückgangs der privaten Übertragungen und geringer Veränderungen bei den öffentlichen Übertragungen wurde 1995/96 weiterhin ein Leistungsbilanzüberschuß erzielt; dieser fiel allerdings niedriger aus als 1994/95 (0,2% bzw. 2,7% des BIP). Die Vergrößerung des Handelsbilanzdefizits auf 14% des BIP 1995/96 war zurückzuführen auf den Rückgang der Exporte von ihrem außergewöhnlich hohen Niveau 1994/95, die Auswirkungen eines kräftigeren Wirtschaftswachstums auf die Importe — Zwischenprodukte und Investitionsgüter machten einen Großteil des Importanstiegs aus — und anziehende Weltmarktpreise für den Import von Weizen und Mais. Höhere Tourismuseinnahmen federten die Verschlechterung in der Handelsbilanz etwas ab. In der Kapitalverkehrsbilanz trugen größere Nettozuflüsse (hauptsächlich im Zusammenhang mit der Rückführung von im Ausland gehaltenen Depositen der Geschäftsbanken) dazu bei, daß der Überschuß in der Zahlungsbilanz von etwa 800 Mio $ erhalten blieb.

Durch die Einführung einer allgemeinen Verkaufssteuer und einer generellen Einkommensteuer, die Liberalisierung des Außenhandels und des Wechselkurssystems, die Abschaffung der Zinskontrollen sowie die Einleitung der Reform des staatlichen Unternehmenssektors, wozu auch Privatisierungen gehörten, sind seit 1991 bei der Verbesserung der Staatseinnahmen Fortschritte erzielt worden. Das Tempo der Strukturreformen, insbesondere der Privatisierung, beschleunigte sich nach der Bildung einer neuen Regierung im Januar 1996.

Die Direktoren lobten die Behörden für Ägyptens günstigere wirtschaftliche Entwicklung während der letzten Jahre und begrüßten deren Absicht, durch ein neu belebtes wirtschaftliches Reformprogramm die jüngsten Fortschritte zu konsolidieren und auf ihnen aufzubauen.

Die Direktoren waren der Meinung, daß Haushaltsdisziplin für Ägyptens Programm sehr wesentlich sei, und betonten, daß es notwendig sei, den vorsichtigen Kurs in der Nachfragesteuerung als Grundlage für einen weiteren Inflationsabbau und zur Bewahrung einer tragfähigen Außenwirtschaftsposition beizubehalten. Sie stellten fest, daß Ägyptens Wechselkursregelung jetzt praktisch keine Restriktionen mehr aufweise, und forderten die Behörden dazu auf, die Verpflichtungen gemäß Artikel VIII des IWF-Übereinkommens zu akzeptieren.

Die Direktoriumsmitglieder begrüßten die im Programm enthaltenen vielfältigen Maßnahmen auf dem Gebiet der Strukturreformen. Sie betrachteten die im Zusammenhang mit der Neuordnung der Finanzpolitik vorgesehenen Schritte — insbesondere die Steuerreform und die Reorganisation des öffentlichen Dienstes — als möglicherweise weitreichend und wiesen darauf hin, daß die Umsetzung der die Geldund Devisenmärkte betreffenden Vorhaben in Verbindung mit der Umstrukturierung des Finanzsektors das wirtschaftspolitische Steuerungsvermögen der Behörden stärken und den Finanzsektor verbreitern und vertiefen werde. Die Direktoren betonten die Notwendigkeit, die Stärkung der aufsichtsrechtlichen Standards und der bankgewerblichen Regelungen fortzusetzen.

Nach Ansicht des Direktoriums signalisiere das Privatisierungsprogramm sehr deutlich die Absicht der Regierung, sich aus dem Produktionssektor zurückzuziehen. Im Bereich der Handelsliberalisierung begrüßten die Direktoren die jüngste Zollsenkungsrunde. Die Direktoren unterstützten die Maßnahmen zur Liberalisierung der Wohnungsmieten und der Investitionsbestimmungen und betonten, wie wichtig es sei, bald ein einheitliches Investitionsgesetz zu verabschieden. Sie ermunterten die Behörden, zur Verringerung der Arbeitslosigkeit größere Flexibilität am Arbeitsmarkt zu fördern. Die Direktoren maßen auch den Anstrengungen der Behörden, die Erhebung und Aufbereitung von Daten zu verbessern, großen Wert bei.

Algerien

Das Exekutivdirektorium erörterte die Artikel IV-Konsultation mit Algerien im Juni 1996 und führte die zweite Überprüfung der Erweiterten Kreditvereinbarung mit Algerien durch. Schätzungen zufolge hat das reale BIP 1995 nach zwei Jahren des Rückgangs um 4,3% zugelegt. Impulse gingen von einem kräftigen, exportgetriebenen Aufschwung im Erdölsektor, einer Erholung im Agrarbereich und einem Aufschwung in den Bau- und Dienstleistungssektoren aus (siehe Tabelle 19). Die Inflationsrate auf Zwölfmonatsbasis schwächte sich von 39% Ende 1994 bis Ende 1995 auf 22% ab. Die Arbeitslosigkeit blieb hoch.

Tabelle 19Algerien: Konjunkturindikatoren

(Bei der Direktoriumsausspraehe im Juni 1996 vorliegende Daten)1

199219931994199519962
Prozent
Binnenwirtschaft
Veränderung des realen BIP1,6−2,2−1,14,34,0
Arbeitslosenquote21,323,224,424,828,0
Veränderung der Verbraucherpreise (Periodenende)28,016,138,621,915,1
Milliarden US-Dollar1
Außenwirtschaft
Ausfuhren, fob11,510,48,910,312,6
Einfuhren, fob8,38,09,210,29,6
Leistungsbilanz1,30,8−1,8−2,30,2
Direktinvestitionen0,00,00,00,00,2
Kapitalbilanz−1,2−0,8−2,5−3,9−2,8
Bruttoreserven (Periodenende)1,51,52,62,13,7
Leistungsbilanz (Prozent des BIP)2,81,6−4,3−5,60,3
Auslandsschulden (Prozent des BIP)52,053,070,378,472,4
Schuldendienst (Prozent der Ausfuhr von Waren und Diensten)78,382,248,743,832,7
Veränderung des realen effektiven Wechselkurses (Prozent)27,014,2−28,7−6,05,0
Prozent des BIP1
Finanzielle Größen
Finanzierungssaldo der Zentralregierung−1,2−8,7−4,4−1,42,6
Bruttoersparnis31,230,827,426,528,3
Bruttoinvestitionen28,429,231,832,028,0
Veränderung der breit abgegrenzten Geldmenge (Prozent)23,921,515,410,515,0
Reposarz (Prozent)17,017,021,023,020,0

Soweit nicht anders vermerkt.

IWF-Schätzungen.

Soweit nicht anders vermerkt.

IWF-Schätzungen.

Das Haushaltsdefizit verringerte sich 1995 auf 1,4% des BIP, nach 4,4% im Jahr 1994. Hauptsächlich aufgrund höherer Einnahmen aus dem Ölgeschäft stieg die Relation der Staatseinnahmen zum BIP an. Auf der Ausgabenseite schossen die Zinszahlungen über die Zielvorgaben hinaus; das Fiskalprogramm konnte gleichwohl auf der vorgesehenen Linie gehalten werden, da die Behörden die laufenden Ausgaben kürzten und die Lohnzuwächse begrenzten. Im Ergebnis sanken die Personalausgaben im öffentlichen Dienst real ganz beträchtlich.

Die finanzpolitische Anpassung bildete die Grundlage für eine straffe Geldpolitik, da die Geldnachfrage (in breiter Abgrenzung) weiterhin langsamer wuchs als das nominale BIP. Die Kreditgewährung an die Wirtschaft stieg 1995 um 85%; eine Ausweitung der Kredite an Lebensmittel importierende Stellen und an die Eisenbahngesellschaft wurde durch die kräftige Rückführung der Kreditgewährung an den Staat sowie durch verstärkte Maßnahmen der Risikovorsorge und zur Rekapitalisierung der Banken teilweise ausgeglichen. Die realen Zinssätze erreichten Ende 1995 positive Werte.

Trotz gedämpfter Nachfrage und einer beträchtlichen realen Abwertung des algerischen Dinar im Jahr 1994 weitete sich das Leistungsbilanzdefizit 1995 um 1,3 Prozentpunkte auf 5,6% des BIP aus. Als Folge der Handelsliberalisierung und höherer Getreidepreise stiegen die Importe. Allerdings verbesserte sich die Zahlungsbilanz in der ersten Jahreshälfte von 1996 beträchtlich, und die Währungsreserven stiegen, da die Handelsbilanz sehr deutlich auf die Dinar-Abwertung reagierte und die in Erwartung einer Umschuldungsregelung erfolgte Austrocknung der kurzfristigen Kapitalzuflüsse in Form von Lieferantenkrediten mehr als kompensierte.

Im Zusammenhang mit der Reform des Finanzsektors kam es im Anschluß an die im Mai 1995 erfolgte Einführung regelmäßiger Wertpapierpensionsgeschäfte zur Einrichtung eines offiziellen Auktionssystems für den Verkauf handelbarer Schatzanweisungen auf dem Geldmarkt. Dies zielte darauf ab, Offenmarktoperationen der Zentralbank zu etablieren. Im Bereich der staatseigenen Unternehmen wurden die Betriebe harten Budgetrestriktionen unterworfen und von ihren quasifiskalischen Funktionen entbunden, um sie für die Privatisierung vorzubereiten. Außerdem wurden 84 lokale staatliche Unternehmen liquidiert, und eine Anzahl staatlicher Baufirmen wurde zusammengelegt oder aufgelöst. Die Behörden trafen auch Entscheidungen, um die finanziellen Schwierigkeiten des öffentlichen Wohnungsbauprogramms zu lösen und das Tempo bei der Errichtung von Wohngebäuden beizubehalten.

Bei ihrer Diskussion lobten die Direktoren die Behörden für die trotz schwieriger politischer und außenwirtschaftlicher Umstände mutige und standhafte Durchführung eines soliden Anpassungs- und Reformprogramms. Bei der Stabilisierung der Wirtschaft seien beträchtliche Fortschritte erzielt worden; dies habe zu einem deutlichen Rückgang der Inflation sowie einer Erholung des Wachstums und des Pro-Kopf-Einkommens geführt. Auch die Schaffung marktmäßiger Mechanismen, die Umstrukturierung des öffentlichen Sektors und die weitreichende Liberalisierung des Außenhandels seien vorangekommen.

Die Direktoren waren daher der Ansicht, daß Algerien jetzt in einer günstigeren Lage sei, die fundamentalen Ziele des Programms zu erreichen: die gesamtwirtschaftliche Stabilisierung und eine offene Volkswirtschaft, die vom Wachstum des Privatsektors angetrieben wird. Da die hohe Arbeitslosigkeit und das akute Wohnungsproblem den sozialen Konsens für Reformen gefährden könnten, riefen die Direktoren die Behörden zu verstärkten Anstrengungen auf, um für öffentliche Unterstützung für das Programm zu werben. Die Schaffung von wirtschaftlicher Sicherheit und politischer Stabilität sei wesentlich, um ausländische Investitionen und Technologietransfers zu erhalten, die für die Entfaltung des Privatsektors benötigt würden. Diese sei ihrerseits entscheidend für die Aufrechterhaltung eines ausreichend hohen Wachstumstempos, um den Anstieg der erwerbsfähigen Bevölkerung zu absorbieren und die Arbeitslosigkeit zu verringern.

Die Direktoren betonten, daß die Inflationsrate 1997 auf einstellige Werte zurückgeführt werden solle, um die gesamtwirtschaftliche Stabilisierung zu festigen. Es sei daher erforderlich, weiterhin eine straffe Einkommenspolitik zu verfolgen. Die meisten Direktoren waren der Auffassung, daß 1996 ein kleiner Haushaltsüberschuß benötigt werde; dieser solle zum einen dazu dienen, die staatliche Verschuldung zurückzuführen, zum anderen erlauben, die Öl-Einnahmen für notwendige Maßnahmen im Infrastrukturbereich und bei der sozialen Absicherung zu verwenden. Die Direktoren lobten die Behörden für ihre Entscheidung, die Defizite in Nebenhaushalten zu beseitigen und ab 1996 alle öffentlichen Ausgaben für den Wohnungsbau vollständig im Budget einzuplanen. Sie unterstrichen auch die Bedeutung einer verstärkten Überwachung und Kontrolle der Ausgaben, von Lohnzurückhaltung, des Subventionsabbaus und einer effizienten Steuerverwaltung. Zahlreiche Direktoren warnten vor einer voreiligen Lockerung der Geld- und Zinspolitik; sie betonten, daß die Zinssätze real positiv bleiben müßten. Die Direktoren begrüßten, daß der Wechselkurs in einem aktiven Interbankenmarkt bestimmt werde, und empfahlen, die flexible Kursbildung beizubehalten.

Die Direktoren waren der Ansicht, daß die vorgeschlagene Reform des Wohnungsbaus diesen wichtigen Sektor auf eine stabilere Grundlage stellen würde. Sie rieten zur beschleunigten Entwicklung eines privaten Wohnungsmarktes und verwiesen darauf, daß der vermehrte Bau von Wohnungen zur Eingliederung von Arbeitslosen in den Arbeitsprozeß beitragen werde. Die Direktoren rieten den Behörden auch dringend dazu, die Privatisierung mit Entschlossenheit voranzutreiben, um das Eintreten der Regierung für die Marktwirtschaft zu dokumentieren. In diesem Zusammenhang äußerten sich einige Direktoren besorgt zu der Entscheidung der Regierung, vorübergehend die Lohnzahlungen für einige zahlungsunfähige Unternehmen zu übernehmen. Ferner riefen die Direktoren dazu auf, einen geeigneteren rechtlichen Rahmen zu schaffen.

Wenngleich die mittelfristigen Zahlungsbilanzperspektiven Algeriens ermutigend seien, waren die Direktoren doch der Ansicht, daß die weiterhin gegebene Störanfälligkeit der Außenwirtschaftsposition ein rasches Voranschreiten bei den Strukturreformen und der Diversifizierung verlange. In Anbetracht der auf mittlere Sicht großen Schuldendienstbelastung sei eine vorsichtige Verschuldungspolitik notwendig. Man war sich darin einig, daß Algeriens beispielhafte Anpassungs- und Reformanstrengungen weiterhin die Unterstützung der internationalen Gemeinschaft verdienten.

Bangladesch

Das Direktorium erörterte die Artikel IV-Konsultation mit Bangladesch im August 1996, nachdem eine im Juni 1996 gewählte neue Regierung ihr Amt angetreten hatte. Die Aushöhlung der gesamtwirtschaftlichen Stabilität während der vorangegangenen Phase politischer Unsicherheit hatte genügt, um die Schwächen der für die Wirtschaftspolitik in Bangladesch verantwortlichen Institutionen aufzuzeigen.

Die Zunahme des realen BIP wurde für 1995/96 auf 5,5% geschätzt, wobei das Wachstum hauptsächlich durch die Erholung der Agrarproduktion ausgelöst wurde. Auch der Bergbau und der Abbau von Gestein entwickelten sich sehr gut, ebenfalls das Transportgewerbe, der Handel und die Wohnungswirtschaft; dagegen blieb das Wachstum in der Industrie, der Energiewirtschaft und im Baugewerbe hinter den Ergebnissen von 1994/95 zurück. Die Inflation schwächte sich 1995/96 etwas ab, verharrte aber auf der Basis eines neu eingeführten nationalen Preisindexes mit aktualisierten (1985 und 1986) Gewichten bei über 6%. Der Import von Nahrungsmittelgetreide stieg kräftig, und das Leistungsbilanzdefizit erhöhte sich von 3,3% des BIP 1994/95 auf 4,8% des BIP 1995/96 (siehe Tabelle 20).

Tabelle 20Bangladesch: Konjunkturindikatoren1

(Bei der Direktoriumsaussprache im August 1996 vorliegende Daten)2

1993199419951996
Vorausschätzungen

zum Zeitpunkt

der Direktoriums-

aussprache
Ergebnis3
Prozent
Binnenwirtschaft
Veränderung des realen BIP45,04,54,94,95,6
Veränderung der Verbraucherpreise (Periodendurchschnitt)52,53,78,96,7
Milliarden US-Dollar2
Außenwirtschaft
Ausfuhren, fob2,42,53,53,93,9
Einfuhren, cif4,14,25,86,86,9
Leistungsbilanz−0,6−0,4−1,0−1,6−1,6
Kapitalbilanz1,31,31,20,60,6
Bruttoreserven2,12,83,12,02,0
Leistungsbilanz (Prozent des BIP)−2,6−1,5−3,3−4,8−4,7
Auslandsschulden (Prozent des BIP)47,955,351,549,744,0
Schuldendienst (Prozent der Ausfuhr von Waren und Diensten)12,011,49,710,79,4
Veränderung des realen effektiven Wechselkurses (Prozent)−3,3−2,0−4,61,91,9
Prozent des BIP2
Finanzielle Größen
Finanzierungssaldo der Zentralregierung−5,4−5,5−6,4−5,7−5,3
Bruttoersparnis10,612,912,310,311,0
Bruttoanlageinvestitionen13,214,315,615,115,7
Veränderung der breit abgegrenzten Geldmenge (Prozent)11,414,516,08,28,2
Geldmarktsatz der Bank von Bangladesch (Prozent; Periodenende)6,55,55,56,56,5

Angaben für jeweils im Juni endende Haushaltsjahre.

Soweit nicht anders vermerkt.

Aktualisierte IWF-Schätzungen.

IWF-Schätzungen beruhen auf der auf 1989/90 umbasierten volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung; offizielle Daten, die auf Gewichten von 1984/85 beruhen, weisen etwas niedrigere Schätzungen des BIP auf.

Beruht auf dem aktualisierten Landesindex von 1985/86.

Angaben für jeweils im Juni endende Haushaltsjahre.

Soweit nicht anders vermerkt.

Aktualisierte IWF-Schätzungen.

IWF-Schätzungen beruhen auf der auf 1989/90 umbasierten volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung; offizielle Daten, die auf Gewichten von 1984/85 beruhen, weisen etwas niedrigere Schätzungen des BIP auf.

Beruht auf dem aktualisierten Landesindex von 1985/86.

Die Budgetprobleme verschärften sich 1995/96, und die Haushaltspolitik lockerte sich in wichtigen Bereichen. Zwar trugen verringerte Ausgaben für Entwicklungsprojekte dazu bei, das Haushaltsdefizit unter die ursprünglichen Vorgaben abzusenken, die Finanzierungslast für das einheimische Bankensystem war gleichwohl doppelt so hoch wie das ursprüngliche Budgetziel. Örtlich finanzierte Projekte machten einen wesentlich höheren Anteil an den Entwicklungsausgaben aus; aufgrund von Ausgaben im Zusammenhang mit den Wahlen, Unterstützungszahlungen für Flutopfer und von im Budget nicht vorgesehenen höheren Zinszahlungen veränderte sich darüber hinaus auch die Struktur der laufenden Ausgaben. Der höhere inländische Finanzbedarf wurde über den Erwerb unverkaufter Schatzwechsel durch die Zentralbank gedeckt, um ein Ansteigen der offiziellen Zinssätze zu vermeiden.

Die Geldpolitik konnte weiterhin locker gehandhabt werden, da die inländische Nettokreditvergabe sich stark ausweitete, und zwar um 22,8% gegenüber 16,5% im Jahr davor. Da allerdings die Nettoauslandsaktiva kräftig zurückgingen, verlangsamte sich das Wachstum der breit abgegrenzten Geldmenge auf 8,2%, verglichen mit 16% im Jahr davor. Der gewogene reale Wechselkurs stieg 1995/96 etwas. Um die Aufwertung zu verlangsamen, wurde der Taka-Wechselkurs gegenüber dem US-Dollar 1995/96 mehrfach abgewertet.

Bei ihrer Erörterung begrüßten die Direktoren, daß die neue Regierung jetzt die Gelegenheit habe, mutigere Politikmaßnahmen zu ergreifen. Sie rieten den Behörden nachdrücklich, eine grundlegende Überprüfung der Rolle des Staates vorzunehmen und den Finanzsektor zu reformieren.

Die Direktoren sahen in einer Straffung der Finanzpolitik das zentrale Element der Reformanstrengungen. Sie betonten, daß die Regierung darauf achten müsse, Forderungen nach höheren Löhnen im öffentlichen Dienst zu widerstehen, die aus inländischen Quellen finanzierten Ausgaben mit geringer Priorität rechtzeitig zu kürzen und bereit zu sein, gegebenenfalls zusätzliche Maßnahmen durchzuführen. In Anbetracht der geringen Einnahmen/BIP-Relation des Landes empfahlen die Direktoren den Behörden, die Reform der Steuerverwaltung mit Nachdruck voranzubringen, die Steuerbasis zu verbreitern und Steuerbefreiungen abzuschaffen.

Die Direktoren unterstrichen, daß es wichtig sei, über die Begrenzung der Kreditaufnahme der Regierung bei den Banken und über die Beschränkung der Kreditgewährung der Zentralbank an Banken und Spezialkreditinstitute das Wachstum des inländischen Kreditvolumens zu dämpfen. Sie machten auch auf das Erfordernis einer unabhängigeren und wirksameren Rolle für die Zentralbank aufmerksam. Sie wiesen auf die Notwendigkeit hin, die Flexibilität der Zinssätze weiter zu erhöhen; die Behörden müßten bereit sein, ihre monetären Ziele für 1996/97 ehrgeiziger zu setzen, um den angestrebten Inflationsabbau zu realisieren und die internationale Reserveposition zu stärken.

Die Direktoren ermutigten die Behörden im allgemeinen dazu, im Verbund mit einer gestrafften Geld- und Finanzpolitik ein stärker marktorientiertes Wechselkursregime einzuführen. Dies werde dazu beitragen, einen weiteren Abbau an Reserven zu verhindern; darüber hinaus werde die Durchführung der Geldpolitik erleichtert und der Rückgriff auf administrative Importkontrollen vermieden.

Die Direktoren stellten fest, daß die anhaltenden Verzögerungen bei der Umsetzung struktureller Reformen ein wichtiger Grund für die schwachen Wirtschaftsergebnisse der letzten Jahren gewesen seien. Sie waren der Meinung, daß einer baldigen Reform der eng miteinander verbundenen Probleme im Finanzsektor und bei den öffentlichen Unternehmen höchste Priorität eingeräumt werden sollte. Während sie die laufenden Verbesserungen bei der Bankenaufsicht begrüßten, drängten sie die Behörden auch dazu, die Pläne zur Restrukturierung des Bankensystems beschleunigt umzusetzen. Unter Hinweis auf die hohen Verluste bei den staatseigenen Unternehmen forderten die Direktoren die Behörden mit Nachdruck dazu auf, schleunigst ein umfassendes Reformund Privatisierungsprogramm zu entwickeln. Ein überzeugender Nachweis grundlegender und nachhaltiger Reformen werde Bangladesch bei der Mobilisierung der benötigten Auslandsunterstützung helfen.

Benin

Das Direktorium erörterte die Artikel IV-Konsultation mit Benin im August 1996 und billigte einen Antrag auf eine Vereinbarung unter der Erweiterten Strukturanpassungsfazilität (ESAF) des Fonds (siehe Kapitel 6). Die Erörterungen fanden vor dem Hintergrund einer anhaltend zufriedenstellenden wirt-schaftlichen Entwicklung Benins statt, wofür die in den achtziger Jahren durchgeführten Anpassungsmaßnahmen, die Abwertung des CFA-Franc im Januar 1994 und verbesserte Terms of Trade verantwortlich waren.

Das reale BIP-Wachstum hat 1995 schätzungsweise fast 5% erreicht; dagegen ist die Inflation zurückgegangen, und die Lage der öffentlichen Finanzen hat sich weiter verbessert (siehe Tabelle 21). Benin hielt alle Erfüllungskriterien unter der ESAF Ende September 1995 ein, verfehlte aber Ende Dezember die Richtgrößen für die Nettokreditgewährung an die Regierung und für die Nettoinlandsaktiva der Zentralbank.

Tabelle 21Benin: Konjunkturindikatoren(Bei der Direktoriumsaussprache im August 1996 vorliegende Daten)
1993199411995119961
Prozent
Binnenwirtschaft
Veränderung des realen BIP3,24,34,85,5
Veränderung der Verbraucherpreise (Periodenende)4,154,33,16,7
Millionen US-Dollar2
Außenwirtschaft
Ausfuhren111,7174,5234,9289,3
Einfuhren369,2277,1435,8458,8
Leistungsbilanz3−158,6−76,5−177,7−163,6
Kapitalbilanz−33,7−20,710,348,1
Bruttoreserven174,6173,7128,5164,8
Leistungsbilanz (Prozent des BIP)3−7,5−5,0−8,6−7,3
Auslandsschulden (Prozent des BIP)72,486,482,079,6
Schuldendienst (Prozent der Ausfuhr von Waren und Nichtfaktordienstleistungen)418,619,717,515,1
Veränderung des realen effektiven Wechselkurses (Prozent)−0,2−35,87,5
Prozent des BIP2
Finanzielle Größen
Finanzierungssaldo des gesamten Staatssektors−4,7−6,9−7,0−6,6
Bruttoersparnis49,612,811,712,6
Bruttoinvestitionen14,915,819,017,8
Veränderung der breit abgegrenzten Geldmenge (Prozent)5,941,216,114,0
Zinssatz (Prozent)57,55,56,05,5

IWF-Schätzungen.

Soweit nicht anders vermerkt.

Ausschließlich offizieller Zuschüsse.

Einschließlich laufender offizieller Zuschüsse, aber ausschließlich projektbezogener Zuschüsse.

Durchschnittliche monatliche Geldmarktsätze; Periodenende.

IWF-Schätzungen.

Soweit nicht anders vermerkt.

Ausschließlich offizieller Zuschüsse.

Einschließlich laufender offizieller Zuschüsse, aber ausschließlich projektbezogener Zuschüsse.

Durchschnittliche monatliche Geldmarktsätze; Periodenende.

Die Investitionen stiegen 1995 auf etwa 19% des BIP, von 15,8% im Jahr 1994. Zum Teil war dies auf die starke Bautätigkeit und vermehrte Privatinvestitionen im Baumwollsektor zurückzuführen; daneben spielten öffentliche Infrastrukturprojekte eine Rolle, die im Zusammenhang mit dem Gipfeltreffen der frankophonen Länder durchgeführt worden waren. Benins verbesserte Terms of Trade führten zu höheren Einkommen und zu einer Zunahme des privaten Verbrauchs um ungefähr 10%. Der Investitionsboom wurde nicht von einem entsprechenden Anstieg der Ersparnis begleitet, und das Leistungsbilanzdefizit weitete sich 1995 auf 8,6% aus. Die Importe stiegen wegen des kräftigen Wachstums der Inlandsnachfrage um 38%, wohingegen der Warenexport wegen einer enttäuschenden Baumwollernte praktisch unverändert war.

Die fiskalischen Entwicklungen waren 1995 im allgemeinen günstig, und Benin übertraf die wichtigsten Ziele sogar etwas, so für den eng definierten Primärüberschuß und das Verhältnis von Steuereinnahmen zum BIP. Das gesamtstaatliche Defizit wurde auf etwa 7% des BIP begrenzt; das war etwas weniger als erwartet. Dagegen überstiegen die Primärausgaben die Zielgröße, was zum Teil auf unvorhergesehene Infrastrukturausgaben zurückzuführen war. Die Überschreitungen wurden teilweise ausgeglichen durch geringere Ausgaben für Gesundheit und Erziehung. Die Nettokreditgewährung an die Regierung lag zwar ebenfalls über dem Programmziel, für die zweite Jahreshälfte von 1996 wurde aber eine Umkehr erwartet. Wenngleich die Nettoinlandsaktiva des Bankensystems expandierten, so stiegen seine Nettoauslandsaktiva doch weniger stark als vorgesehen.

Die Behörden setzten ihre Bemühungen fort, den privaten Sektor durch Privatisierung, Restrukturierung und Preisliberalisierung zu stärken. Anfang 1995 wurden die Preiskontrollen für sieben Produkte aufgehoben, womit nur noch die Preise von fünf Erzeugnissen einer Regierungsgenehmigung bedürfen.

Bei ihrer Erörterung gingen die Direktoren auf die erhebliche Verbesserung der gesamtwirtschaftlichen Lage Benins in den letzten Jahren ein, die sich nach der Durchführung nacheinander geschalteter Anpassungsprogramme durch solides Wachstum und geringere Inflation auszeichne. Allerdings stellten sie fest, daß die Wirtschaft nicht ausreichend diversifiziert sei und verstärkte wirtschaftspolitische Anstrengungen erforderlich seien, um die inländische Ersparnis zu erhöhen, ausländische Direktinvestitionen anzuziehen und die Aktivitäten des privaten Sektors zu unterstützen.

Auf dem Gebiet der Finanzpolitik forderten die Direktoren zu stärkeren Anstrengungen auf, um die Abhängigkeit von ausländischen Ressourcen zu verringern und einen Anstieg der inländischen Ersparnis herbeizuführen. Sie betonten auch die Notwendigkeit, die Haushaltsansätze für Erziehung, Gesundheit und andere soziale Bereiche zu erhöhen. Zwar hießen sie die Ent-scheidung gut, die steuerliche Belastung des Baumwollsektors über eine Erhöhung der Erzeugerpreise zu vermindern, sie verlangten jedoch kompensierende steuerliche Maßnahmen. Die Direktoren begrüßten eine Reihe von Entwicklungen in Benin, die eine effizientere Allokation von Finanzmitteln in der Region fördern würden: die Erweiterung der Finanzinstrumente, die Schaffung eines regionalen Finanzmarktes und die Vertiefung des regionalen Interbankenmarktes.

Die Direktoren betonten, wie wichtig es sei, dem privaten Sektor mehr Entfaltungsmöglichkeiten einzuräumen, und ermunterten die Behörden, mit der Privatisierung weiter voranzuschreiten; dies werde ein von der Privatwirtschaft getragenes Wirtschaftswachstum begünstigen. Während sie die in jüngster Zeit erfolgte beträchtliche Erhöhung der Baumwollproduktion zur Kenntnis nahmen, empfahlen sie, die Rolle des Staates in diesem Sektor zu verringern.

Die Direktoren waren der Ansicht, daß Benins Anpassungsanstrengungen weiterhin die Unterstützung der internationalen Finanzgemeinschaft verdienten. Die Auslandsverschuldung sei zwar hoch, aber die von den Behörden beantragten Maßnahmen zur Verringerung des Schuldenstandes dürften die Schuldenindikatoren in den nächsten Jahren verbessern. Gleichwohl werde die Wirtschaft gegenüber außenwirtschaftlichen Störungen anfällig bleiben. Um im Laufe der Zeit ein breit fundiertes Wachstum und eine tragfähige Verschuldungsposition zu erlangen, müsse Benin daher eine solide Wirtschaftspolitik und Strukturreformen durchführen; diese müßten Hand in Hand gehen mit einer vorsichtigen Verschuldungspolitik und angemessenen Finanzhilfen zu konzessionären Bedingungen.

Chile

Das Direktorium erörterte die Artikel IV-Konsultation mit Chile im August 1996. Die chilenische Wirtschaft entwickelte sich 1995 weiterhin sehr kräftig. Die Produktion wuchs mit einer Rate von 8,5%, und die Inflation ging von 8,9% im Jahr 1994 auf 8,2% zurück. Die Arbeitslosigkeit sank von 5,9% Ende 1994 bis Ende 1995 auf 4,7% (siehe Tabelle 22). Der inländische Nachfragedruck erhöhte sich im Jahresverlauf, und die aggregierte Inlandsnachfrage stieg um 13%. Das Wachstum der Kredite an den privaten Sektor beschleunigte sich von 20% im Jahr 1994 auf 23% im Jahr 1995. Außergewöhnlich hohe Kupferpreise und geringer als erwartet ausgefallene Haus-haltsausgaben ließen den Überschuß des öffentlichen Sektors 1995 auf 2,8% des BIP anschwellen, nach 1,2% im Jahr 1994.

Tabelle 22Chile: Konjunkturindikatoren

(Bei der Direktoriumsaussprache im August 1996 vorliegende Daten)1

19931994199521996
Vorausschätzungen

zum Zeitpunkt

der Direktoriums-

aussprache
Ergebnis3
Prozent
Binnenwirtschaft
Veränderung des realen BIP6,34,28,57,47,2
Arbeitslosenquote4,76,05,4
Veränderung der Verbraucherpreise (Periodenende)12,28,98,27,06,6
Milliarden US-Dollar1
Außenwirtschaft
Ausfuhren, fob9,211,616,015,115,4
Einfuhren, cif−10,2−10,9−14,7−16,416,5
Leistungsbilanz−2,1−0,60,2−2,7−2,9
Direktinvestitionen0,91,91,92,14,2
Portfolioinvestitionen0,81,30,01,31,2
Kapitalbilanz2,74,61,23,75,0
Bruttoreserven9,713,214,214,814,9
Leistungsbilanz (Prozent des BIP)−4,5−1,20,2−3,8−4,1
Auslandsschulden (Prozent des BIP)42,041,232,434,536,3
Schuldendienst (Prozent der Ausfuhr von Waren und Diensten)24,619,226,025,431,8
Veränderung des realen effektiven Wechselkurses (Prozent)4−1,94,92,23,9
Prozent des BIP1
Finanzielle Größen
Finanzierungssaldo des gesamten Staatssektors1,92,73,72,93,0
Bruttoersparnis24,225,627,623,923,6
Bruttoinlandsinvestitionen28,826,827,427,727,7
Veränderung der breit abgegrenzten Geldmenge (Prozent)27,019,327,419,323,5
Zinssatz (Prozent)56,56,46,17,3

Soweit nicht anders vermerkt.

Vorläufig.

Aktualisierte IWF-Schätzungen.

Im Dezember abgelaufener Zwölfmonatszeitraum. Rückgang bedeutet Abwertung des chilenischen Peso.

Durchschnittlicher Jahressatz auf von der Zentralbank indexierte 90-Tages-Schuldscheine.

Soweit nicht anders vermerkt.

Vorläufig.

Aktualisierte IWF-Schätzungen.

Im Dezember abgelaufener Zwölfmonatszeitraum. Rückgang bedeutet Abwertung des chilenischen Peso.

Durchschnittlicher Jahressatz auf von der Zentralbank indexierte 90-Tages-Schuldscheine.

Als Folge eines kräftigen Anstiegs von Chiles wichtigsten Exportpreisen schloß die Leistungsbilanz 1995 praktisch ausgeglichen ab, nach einem Defizit von 1,2% des BIP im Jahr 1994. Teilweise aufgrund der vorzeitigen Rückzahlung staatlicher Auslandsverbindlichkeiten und eines Umschwungs bei den Portfolioinvestitionen zu Nettoabflüssen, gingen die gesamten Kapitalimporte von 3,8 Mrd $ im Jahr 1994 auf unter 1 Mrd $ 1995 zurück. Die offiziellen Währungsreserven beliefen sich Ende 1995 auf 14,2 Mrd $; dies war ein Anstieg um 1,4 Mrd $. Der gewogene reale Wechselkurs des chilenischen Peso wertete sich 1995 um 2,2% auf.

Die wirtschaftliche Entwicklung im ersten Quartal 1996 war kräftig. Verglichen mit dem gleichen Zeitraum im Jahr 1995 stiegen die Inlandsnachfrage insgesamt um 13% und die Produktion um 9%. Der Handelsbilanzüberschuß schrumpfte aufgrund niedrigerer Exportpreise, und die Kapitalimporte erhöhten sich in der ersten Jahreshälfte von 1996 beträchtlich.

Bei ihrer Erörterung lobten die Direktoren die Behörden für ihre geschickte Wirtschaftspolitik und die beeindruckenden wirtschaftlichen Leistungen der letzten Jahre: Rückgang der Arbeitslosigkeit, niedrigere Inflation, hohe Ersparnis und Investitionen, eine solide Außenwirtschaftsposition und ermutigende Verbesserungen der sozialen Verhältnisse.

Wenngleich die mittelfristigen Aussichten günstig blieben, waren die Direktoren doch der Meinung, daß Chiles wichtigste Herausforderung darin bestehe, die Inflation auf das Niveau der Industrieländer abzusenken. In diesem Zusammenhang betonten die Direktoren, daß entschlossenere Maßnahmen zum Abbau der Indexierungspraxis zur Realisierung des Inflationsziels beitragen würden. Wegen der Notwendigkeit, die private Nachfrage auf ein durchhaltbares Niveau zu begrenzen, wurde die aktuell straffe Geldpolitik von den Direktoren im großen und ganzen als angemessen angesehen. Sie empfahlen, diesen Kurs beizubehalten, bis es klare Anzeichen dafür gebe, daß die Inflation im Einklang mit dem Ziel der Behörden für 1996 zurückgehe.

Die Direktoren billigten den haushaltspolitischen Kurs der Behörden für 1996, der restriktiver war als im Budget vorgesehen. Eine derartige Ausrichtung werde dazu beitragen, die Last für die Geldpolitik und den Aufwertungsdruck zu verringern. Die Direktoren wiesen darauf hin, daß die Realisierung der Budgetziele eine Begrenzung der Personalausgaben und eine strikte Überwachung der nicht-prioritären Ausgaben erfordere.

Der bei der Liberalisierung der Kapitalexporte erzielte erhebliche Fortschritt wurde vom Direktorium begrüßt. Was die zur Begrenzung von Kapitalimporten bestehenden Regelungen anbelangt, stützten mehrere Direktoren die Sichtweise der Behörden, daß die Maßnahmen zur Begrenzung der Kapitalimporte dazu beigetragen hätten, den Anteil von längerfristigen, nicht zur Verschuldung führenden Zuflüssen zu erhöhen und hierdurch die Wirtschaft vor unerwünschter Volatilität zu schützen. Diese Direktoren waren der Ansicht, daß es riskant sei, die Kontrollen jetzt aufzugeben. Mehrere andere Direktoren stellten dagegen fest, daß die Zuflüsse kräftig geblieben seien, obwohl diese Regulierungen seit einigen Jahren bestünden und zunehmend ausgeweitet worden seien. Sie merkten an, daß derartige Regulierungsmaßnahmen im Laufe der Zeit an Wirksamkeit einbüßten, während ihre Kosten für die Volkswirtschaft anstiegen, und sie rieten den Behörden, die Vorschriften im Laufe der Zeit zu liberalisieren. Diese Direktoren führten aus, daß ein flexibleres Wechselkurssystem besser geeignet sei, um sowohl die Kapitalimporte zu dämpfen als auch die Indexierung zu verringern.

Die Direktoren lobten die Behörden für die Betonung gezielter sozialpolitischer Maßnahmen und für ihre Anstrengungen, Einkommensunterschiede abzumildern, ohne dabei die fiskalische Stabilität zu gefährden. In diesem Zusammenhang begrüßten sie die geplante, ehrgeizige Reform des Erziehungswesens. Die Direktoren betonten, daß sich die Behörden der Umweltprobleme zwar bewußt seien, dem Umweltschutz aber eine größere Bedeutung beigemessen werden müsse.

Nach der Direktoriumsaussprache verlangsamte sich das Produktionswachstum auf 7,2%, und die Inflationsrate ging im Jahr 1996 auf 6,6% zurück. Aufgrund gesunkener Exportpreise verschlechterte sich die Haushaltslage (einschließlich der Verluste der Zentralbank); dennoch wurde ein Überschuß von etwa 1,2% des BIP erzielt, während die Leistungsbilanz in ein Defizit von etwa 4% des BIP umschlug. Die privaten Kapitalimporte (hauptsächlich Direktinvestitionen) stiegen auf einen Rekordwert von 4,1 Mrd $ (5,7% des BIP). Die offiziellen Währungsreserven erhöhten sich um 0,7 Mrd $ auf 15 Mrd $ zum Jahresende (ungefähr elf Importmonate von Gütern und Nichtfaktor-Dienstleistungen). Der gewogene Außenwert des chilenischen Peso stieg 1996 um 3,8%.

China

Das Direktorium schloß die Artikel IV-Konsultation mit China im Juni 1997 ab. Obwohl die Konsultation nach Ende des Geschäftsjahres 1997, das Gegenstand des vorliegenden Jahresberichts ist, stattfand, wurde die China-Konsultation ausnahmsweise deshalb berücksichtigt, weil die Jahresversammlung des Fonds 1997 in Hongkong, China stattfindet.

Das Direktorium trat zusammen in einem Umfeld anhaltenden robusten Wachstums und stetig sinkender Inflation in China. Das reale BIP-Wachstum war 1996 9 ¾% (Tabelle 23) und 9 ½% im ersten Vierteljahr 1997, wobei eine starke Zunahme der Nettoexporte eine gewisse Schwäche der Inlands-nachfrage ausglich. Eine Mäßigung des Nachfragedrucks und gute Ernten hatten zur Folge, daß sich der Anstieg der Einzelhandelspreise Ende 1996 auf 4 ½% verlangsamte und während des ersten Quartals 1997 im Schnitt nur 2,6% ausmachte.

Tabelle 23China: Konjunkturindikatoren(Bei der Direktoriumsaussprache im Juni 1997 vorliegende Daten)
19931994199519961
Prozent
Binnenwirtschaft
Veränderung des realen BIP13,512,610,59,7
Veränderung der Einzelhandelspreise (Periodendurchschnitt)13,021,714,86,1
Milliarden US-Dollar2
Außenwirtschaft
Ausfahren, fob75,9102,6128,1128,5
Einfuhren, cif−86,3−95,3−110,1−114,6
Leistungsbilanz3−11,97,71,63,9
Direktinvestitionen23,131,833,838,8
Portfolioinvestitionen3,03,50,82,4
Offizielle Bruttoreserven423,053,576,0107,7
Leistungsbilanz (Prozent des BIP)−2,71,40,20,5
Auslandsschulden84,495,0106,6116,2
Schuldendienst (Prozent der Ausfuhr von Waren und Nichtfaktordienste)12,611,610,610,9
Veränderung des realen effektiven Wechselkurses (Prozent)5−1,909,015,344,95
Prozent das BIP2
Finanzielle Größen
Gesamtbilanz des Staatshaushalts6−2,0−1,6−1,7−1,5
Bruttoersparnis40,642,641,142,9
Bruttoinlandsinvestitionen43,341,240,842,4
Veränderung der breit abgegrenzten Geldmenge (Prozent)724,034,529,525,3
Zinssatz (Prozent; Einjahres-Terminanlagen, Jahresende)10,9810,9810,987,478

IWF-Schätzungen.

Soweit nicht anders vermerkt.

1995 und 1996 sind die Zeitreihen wegen Änderungen in der Erfassung von Dienstleistungsposten unterbrochen worden.

Einschließlich Gold, SZR-Bestände und Reservepositionen im Fonds.

Durchschnittswerte für Dezember.

Zentralregierung und Lokalbehörden.

Periodenende; Banken-Umfrage. Wegen eines Zeitreihenbruchs im Jahre 1993 sind für das genannte Jahr keine Wachstumsraten verfügbar, stattdessen werden (im großen und ganzen ähnliche) monetäre Umfragedaten mitgeteilt.

Ende März 1997.

IWF-Schätzungen.

Soweit nicht anders vermerkt.

1995 und 1996 sind die Zeitreihen wegen Änderungen in der Erfassung von Dienstleistungsposten unterbrochen worden.

Einschließlich Gold, SZR-Bestände und Reservepositionen im Fonds.

Durchschnittswerte für Dezember.

Zentralregierung und Lokalbehörden.

Periodenende; Banken-Umfrage. Wegen eines Zeitreihenbruchs im Jahre 1993 sind für das genannte Jahr keine Wachstumsraten verfügbar, stattdessen werden (im großen und ganzen ähnliche) monetäre Umfragedaten mitgeteilt.

Ende März 1997.

Die Geld- und Fiskalpolitik blieben 1996 und Anfang 1997 eher restriktiv. Das Defizit des gesamten Staatssektors verringerte sich infolge konsequenter Zügelung der Ausgaben und einer anscheinenden Stabilisierung des Verhältnisses von Einnahmen zum BIP.

Die Behörden hatten eine Bremsung des M2-Wachstums auf 25% bis Ende 1996 zum Ziel. Dieses wurde erreicht, und Anfang 1997 hielt diese Entwicklung weiter an. Ende 1996 erklärte sich die Volksbank China mit einer höheren Reserveanforderung einverstanden, die sich aus einer strengeren Anwendung der Vorschriften ergab, und daher wuchs die ZentralbankGeldmenge, aber die zugrundeliegende Wachstumsrate blieb im großen und ganzen unverändert; eine straff kontrollierte Vergabe der Zentralbankkredite an das Bankensystem glich einen weiteren starken Anstieg der Nettoauslandsaktiva aus. In Anbetracht des beachtlichen Rückgangs der Inflation im Jahre 1996 wurden die administrativ festgesetzten Zinssätze zweimal gesenkt.

Das Wachstum von Einfuhren und Ausfuhren verlangsamte sich 1996 vorübergehend, mit einer leichten Nettoverringerung des Handelsüberschusses. Im ersten Vierteljahr 1997 wies die Handelsbilanz einen Überschuß von von fast 7 Mrd US-$ aus. Im Jahre 1996 wurde ein starker Zustrom an ausländischen Direktinvestitionen verzeichnet, und die offiziellen Währungsreserven erreichten zum Jahresende 108 Mrd US-$ (den Gegenwert der Einfuhren von neun Monaten). Der Renminbi blieb dem US-Dollar gegenüber stabil, wertete aber in effektiver Betrachtung auf, weil die Inflation Chinas höher war als die seiner Handelspartner.

Die gesamtwirtschaftliche Stärke verhüllte beträchtliche Unterschiede zwischen Sektoren und Regionen, vor allem weil sich die Leistung der Staatsunternehmen stark von der des nichtstaatlichen Sektors unterschied; der Staatssektor wurde weiterhin mit beträchtlichem Abstand überholt. Die Strukturreform war auf den Außenwirtschafts-und den Finanzsektor konzentriert. Im April 1996 wurde ein Maßnahmenpaket verabschiedet, das niedrigere Einfuhrzölle, die allmähliche Abschaffung von Zollausnahmen und bestimmte Erleichterungen der nichttarifären Restriktionen enthielt. Mit Wirkung vom 1. Dezember 1996 übernahm China die Verpflichtungen aus Artikel VIII des IWF an. Im Finanzsektor wurden Schritte unternommen, um die Infrastruktur und die Instrumente der indirekten geldpolitischen Kontrolle zu stärken.

Die Direktoren begrüßten die geschickte, beharrliche Umsetzung vorsichtiger gesamtwirtschaftlicher Maßnahmen und Strukturreformen durch die chinesischen Behörden, die eine weiche Landung möglich machten und gleichzeitig China weiterhin für die Weltwirtschaft öffneten und das Land zunehmend in diese integrierten. Nach ihrer Ansicht besteht die Hauptaufgabe darin, diese günstige Situation zu nützen und ehrgeizige, umfassende Strukturreformen vorzunehmen; insbesondere gilt es, die tief verwurzelten Schwächen der Staatsunternehmen und des Finanzsystems in Angriff zu nehmen, damit der Übergang Chinas in eine stärker auf dem Markt fußende Wirtschaft beschleunigt wird.

Die Direktoren betonten, daß die Beibehaltung vorsichtiger gesamtwirtschaftlicher Maßnahmen wichtig ist, damit die Inflation niedrig bleibt. Sie vermerkten die rasche Zunahme der breit abgegrenzten Geldmenge und ließen eine allgemeine Warnung laut werden: ein gegenüber der für 1997 geplanten Geldpolitik der Regierung stärker gezügeltes Wachstum der breit abgegrenzten Geldmenge wäre ein Gebot der Vorsicht.

Die Direktoren betonten gleichfalls, daß die Entwicklung eines mittelfristigen Rahmenkonzeptes für die Fiskalpolitik helfen würde, die Prioritäten der öffentlichen Ausgaben festzulegen, die damit verbundenen Finanzierungsquellen zu identifizieren und die Gesamtausrichtung der Finanzpolitik zu beurteilen. Sie wiesen auch auf die Notwendigkeit einer größeren Transparenz des Haushalts hin. Ferner sei eine deutliche Verbesserung des Haushaltseinkommens nötig, um eine starke Fiskalposition insgesamt zu sichern. In diesem Zusammenhang wurde eine Verbreiterung der Einkommensteuern und der Mehrwertsteuer vorgeschlagen sowie eine Stärkung der Steuerverwaltung und die allmähliche Abschaffung der Steuererleichterungen für fremdfinanzierte Unternehmen. Ganz allgemein, im Zusammenhang mit der Marktwirtschaft, unterstrichen die Direktoren die Bedeutung eines einfachen, breit angelegten Steuersystems, das keine Verzerrungen verursacht.

Angesichts der anhaltenden Schwäche der staatseigenen Unternehmen waren die Direktoren der Ansicht, daß einer Beschleunigung der Unternehmensreform Priorität beigemessen werden soll, um einen stabilen gesamtwirtschaftlichen Rahmen zu sichern und die Konkurrenzfähigkeit und Effizienz zu verbessern. Sie begrüßten den Entschluß der Behörden, größere Befugnisse in der Betriebsführung und unterschiedliche Formen des Eigentums zuzulassen.

Die Direktoren legten Nachdruck auf die Notwendigkeit einer verbesserten kommerziellen Ausrichtung und Solidität des Finanzsystems.

Die Direktoren begrüßten die Annahme des Artikels VIII durch die Behörden. Angesichts des raschen Anstiegs der internationalen Währungsreserven in den letzten Jahren und der Aussicht auf weiteren Anstieg in der Zukunft waren die Direktoren der Ansicht, daß eine Beschleunigung der Handelsliberalisierung dem Anpassungsprozeß dienlich wäre; sie würde die Effizienz verbessern und den Druck auf die Geldpolitik vermindern, der durch die sehr starke außenwirtschaftliche Position entsteht.

Die Wirtschaftsstatistik bedarf nach Ansicht der Direktoren noch sehr einer Verbesserung, inklusive der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung, der Haushaltsrechnung und der externen Konten.

Die Direktoren beglückwünschten China zu dem historischen Ereignis der Wiedervereinigung Hongkongs mit China, wodurch neue Möglichkeiten zur größeren Prosperität Chinas, Hongkongs und der Weltwirtschaft eröffnet würden.

Ghana

Das Direktorium erörterte die Artikel IV-Konsultation mit Ghana im Juni 1996 und überprüfte den Fortschritt des Landes unter der ersten ESAF-Jahresvereinbarung. Diese Vereinbarung war am 30. Juni 1995 vor dem Hintergrund eines sich verstärkenden Inflationsdrucks genehmigt worden, wofür Durchführungsschwächen in der Finanzpolitik und Schwierigkeiten der nationalen Erdölgesellschaft Ghanas (GNPC) verantwortlich waren, die eine kräftige Kreditausweitung verursacht hatten. Die Behörden unternahmen als Teil des Programms Schritte zur Verringerung der starken Überziehung des Kontos der GNPC bei der Zentralbank, unterbanden ihren Zugang zu neuen Krediten und unterstellten ihre Ölhandelsaktivitäten der Kontrolle des Finanzministeriums. Diese Maßnahmen trugen zur Verringerung der Inflation bei, und zwar von einer saisonbereinigten Jahresrate in Höhe von 120% im Juli 1995 auf 70% im September 1995.

Das Geldmengenwachstum wurde 1994 auch durch das Unvermögen der Zentralbank in die Höhe getrieben, die liquiditätsmäßigen Auswirkungen unerwartet hoher Devisenzuflüsse aus dem Export von Gold und Nutzholz zu absorbieren. Im Zusammenhang mit Kapitalzuflüssen aus dem Kakaosektor traten im vierten Quartal 1995 erneut derartige Probleme auf. Zusammen mit einer guten Leistungsbilanzentwicklung erhöhten diese Zuflüsse Ghanas Devisenreserven. Die Nettoauslandsposition der Zentralbank übertraf das für Ende 1995 gesetzte Ziel um einen Gegenwert in Höhe von 30% der Zentralbankgeldmenge. Die breit abgegrenzte Geldmenge stieg deshalb 1995 um 37% (siehe Tabelle 24). Trotzdem ging die Inflation weiter zurück, und zwar auf eine saisonbereinigte Jahresrate von 54% zum Ende des Jahres.

Tabelle 24Ghana: Konjunkturindikatoren

(Bei der Direktoriumsaussprache im Juni 1996 vorliegende Daten)1

1993199419951996
Vorausschätzungen

zum Zeitpunkt

der Direktoriums-

aussprache
Ergebnis2
Prozent
Binnenwirtschaft
Veränderung des realen BIP5,03,84,55,05,2
Veränderung der Verbraucherpreist (Periodenende)27,734,270,825,033,7
Millionen US-Dollar1
Außenwirtschaft
Ausfuhren, fob1 063,61 226,81 431,21 597,41 510,1
Einfuhren, fob−1 728,0−1 579,9−1 687,2−1 947,2−1 835,1
Leistungsbilanz3−559,1−264,9−141,8−210,6−273,0
Direktinvestitionen25,030,035,020,020,0
Gesamtbilanz41,2163,8284,0115,3−18,9
Bruttoreserven420,4592,9779,7832,5598,9
Leistungsbilanz (Prozent des BIP)4−9,2−4,9−2,2−3,4−4,3
Auslandsschulden (Prozent des BIP)82,594,580,884,878,8
Schuldendienst (Prozent der Ausfuhr von Waren und Diensten)35,727,435,824,027,9
Veränderung des realen effektiven Wechselkurses (Jahresdurchschnitt; Prozent)−13,2−17,614,112,2
Prozent des BIP1
Finanzielle Größen
Finanzierungssaldo des gesamten Staatssektors5−7,7−3,5−4,5−2,0−8,8
Bruttoersparnis5,610,816,414,614,4
Bruttoinvestitionen14,815,918,617,918,7
Veränderung der breit abgegrenzten Geldmenge (Prozent)27,446,237,45,034,2
Diskontsatz für 91-Tages-Schatz-wechscl (Prozent; Periodenende)32,029,540,542,8

Soweit nicht anders vermerkt.

Aktualisierte IWF-Schätzungen.

Ohne Veräußerungserlöse.

Einschließlich offizieller Zuschüsse.

Einschließlich Veräußerungserlöse.

Soweit nicht anders vermerkt.

Aktualisierte IWF-Schätzungen.

Ohne Veräußerungserlöse.

Einschließlich offizieller Zuschüsse.

Einschließlich Veräußerungserlöse.

Das Wachstum des realen BIP betrug in den Jahren 1994 und 1995 3,8% bzw. 4,5%. Der Bergbau wuchs 1995 kräftig, und die Landwirtschaft expandierte um 4,5%, aber die Produktion des verarbeitenden Gewerbes war schwach. Auch die Einnahmesituation wies ein differenziertes Bild auf: Die der öffentlichen Hand zustehenden Dividenden und Gewinnanteile aus dem Bankensektor und dem Bergbau entwickelten sich günstig, die Einnahmen aus Öl- und Einfuhrsteuern blieben jedoch hinter den Erwartungen zurück. Ghana schränkte 1995 seine laufenden Ausgaben ein, indem es die Personalkosten des öffentlichen Dienstes auf 5,7% des BIP begrenzte und im Inland weniger Zinsen zahlte als erwartet. Der Haushalt verzeichnete 1995 ein Gesamtdefizit auf Zusagenbasis von 4,5% des BIP und überschritt das Programmziel um 1,3 Prozentpunkte, wofür zum Teil Mehrausgaben für den Straßen- und Autobahnbau verantwortlich waren.

Bei ihrer Erörterung wiesen die Direktoren darauf hin, daß es Ghana mit beharrlichen Anpassungs- und Reformanstrengungen gelungen sei, erhebliche Fortschritte zu erzielen, obwohl die wirtschaftliche Entwicklung unter dem ESAF-Programm enttäuschend uneinheitlich verlaufen sei. 1995 sei die Inflation auf ein unannehmbar hohes Niveau gestiegen. Die private Ersparnis und die Investitionen seien schwach geblieben, das wirtschaftliche Wachstum habe das Ziel verfehlt, und die Deregulierung des Erdöl- und des Kakaosektors sei aufgeschoben worden.

Die Direktoren stellten fest, daß die hohe Inflation und die wirtschaftspolitischen Fehlentwicklungen bis Mitte 1995 das Vertrauen untergraben und damit den für anhaltendes Wachstum notwendigen Anstieg der privaten Ersparnis und der Investitionen verhindert hätten. Obwohl die Entwicklung des Außenwirtschaftssektors 1995 besser als erwartet gewesen sei, habe eine inkonsequente Politik verhindert, daß Ghana die Früchte seiner früheren Anstrengungen vollständig habe ernten können.

Die Direktoren begrüßten die von Ghana seit Ende 1995 unternommenen Schritte zur Korrektur der Fehlentwicklungen bei der Programmumsetzung und nahmen die zufriedenstellende Entwicklung im ersten Quartal 1996 zur Kenntnis. Sie sahen in dem Wirtschaftsprogramm für 1996 die ernsthafte Anstrengung, den ursprünglichen Programmzielen nachzukommen und ein disziplinierendes Regelwerk für die Wirtschaftspolitik im Vorfeld der Wahlen Ende 1996 zu schaffen. Die Direktoren ermahnten die Behörden dazu, dem Druck nach höheren Ausgaben nicht nachzugeben und alle Elemente des Programms vollständig umzusetzen. Sie betonten ferner, daß eine deutliche und dauerhafte Rückführung der Inflationsrate ein vorrangiges Programmziel sei und wichtigstes Ziel der Geldpolitik sein sollte. Sie begrüßten Hinweise auf eine Abschwächung des Wachstums der Zentralbankgeldmenge, die nun innerhalb der vom Programm vorgegebenen Grenzen verlaufe; auch sei die Inflationsrate gesunken. Sie betonten, daß Glaubwürdigkeit, Disziplin und Stetigkeit bei der Durchführung der Geld- und Finanzpolitik für die Verringerung der Inflation ausschlaggebend seien.

Die Direktoren empfanden die Haushaltsmaßnahmen als ermutigend, die zur Begleichung der Zahlungsrückstände gegenüber ortsansässigen Lieferanten und zur Kontrolle der Ausgaben für den Strassenbau durchgeführt worden waren. Sie unterstrichen ferner, daß das günstige Ergebnis der Lohnverhandlungen im öffentlichen Dienst die Fortsetzung einer restriktiven Haushaltspolitik begünstige, und betonten, daß es wichtig sei, wirksame Instrumente zur Überwachung und Kontrolle der Staatsausgaben einzuführen. Nach Ansicht der Direktoren sollte sich Ghana mittelfristig weniger auf die Besteuerung des Handels stützen, als vielmehr die Steuerbasis verbreitern.

Die Direktoren betrachteten Strukturreformen als wesentlich zur Beschleunigung des Wachstums und zur Milderung der Armut. Diese sollten darauf abzielen, den privaten Sektor zu stärken und die finanzielle Belastung zu verringern, die die öffentlichen Unternehmen dem Staat aufbürdeten. Zwar begrüßten die Direktoren die bei der Deregulierung von Vermarktung und Preisgestaltung des Erdöls sowie bei der Unterbindung des Zugangs der GNCP zu Zentralbankkrediten erzielten Fortschritte, sie äußerten jedoch Vorbehalte zu der Praxis, der GNPC staatliche Garantien zu gewähren, und forderten die Behörden nachdrücklich dazu auf, die Umstrukturierung des Erdölsektors fortzusetzen. Zudem ermutigten sie die Behörden, die Liberalisierung der Kakaoexporte durch Verringerung — wenn nicht gar Abschaffung — der Exportsteuern voranzubringen; dies könne in einer Weise geschehen, die Wettbewerb und Regulierung miteinander verbinde, um einen freien Markt zu gewährleisten und gleichzeitig die Qualitätskontrolle zu sichern. Die Direktoren begrüßten die Absicht der Behörden, die Beteiligungen der Regierung im Bankensektor abzubauen.

Die Direktoren stimmten überein, daß Ghana bei Fortsetzung einer soliden Wirtschaftspolitik seine Auslandsverschuldung mittelfristig unter Kontrolle bekommen könne und daß die Zahlungsbilanz robust genug zu sein scheine, um kleineren Schocks zu widerstehen. Gleichwohl rieten sie zu einer sorgfältigen Überwachung von Ghanas Schuldensituation.

Guatemala

Das Direktorium erörterte die Artikel IV-Konsultation mit Guatemala im Oktober 1996. Den guatemaltekischen Behörden war es 1995 gelungen, das Defizit des gesamten öffentlichen Sektors über höhere Staatseinnahmen und eine zurückhaltende Ausgabenpolitik zu verringern. Angetrieben von hohen Kaffeepreisen, wuchs das reale BIP 1995 um 5%, und die Inflation ging auf 8,5% zurück (siehe Tabelle 25). Die Währungsreserven sanken, wofür eine lockere Kreditpolitik und ein Rückgang der Entwicklungshilfe verantwortlich waren.

Tabelle 25Guatemala: Konjunkturindikatoren

(Bei der Direktoriumsaussprache im Oktober 1996 vorliegende Daten)1

19931994199521996
Vorausschätzungen

zum Zeitpunkt

der Direktoriums-

aussprache
Ergebnis3
Prozent
Binnenwirtschaft
Veränderung des realen BIP3,94,04,93,83,1
Arbeitslosenquote5,55,24,2
Veränderung der Verbraucherpreise (Periodenende)11,611,68,610,010,9
Millionen US-Dollar1
Außenwirtschaft
Ausfahren, fob1 4621 6872 1562 2462 213
Einfuhren, cif−2 599−2 781−3 292−3 424−3 146
Leistungsbilanz−746−697−589−616−418
Direktinvestitionen, netto228657010381
Portfolioinvestitionen, netto155359−1020,088
Kapitalbilanz4955533369607560
Bruttoreserven53,53,22,32,22,9
Leistungsbilanz (Prozent des BIP)−6,6−5,4−4,0−3,9−2,7
Auslandsschulden (Prozent des BIP)19,818,615,914,715,0
Schuldendienst (Prozent der Ausfuhr von Waren und Diensten)14,313,09,29,39,9
Veränderung des realen effektiven Wechselkurses (Prozent)1,57,5−0,25,4
Prozent des BIP1
Finanzielle Größen
Finanzierungssaldo des gesamten Staatssektors−1,4−1,1−0,7
Bruttoersparnis10,710,311,410,911,8
Bruttoinlandsinvestitionen17,215,715,414,814,8
Veränderung der breit abgegrenzten Geldmenge (Prozent)18,517,914,714,014,0
Zinssatz (Prozent; Periodenende)
Kreditgewährung25,720,222,222,4
Termineinlagen18,012,514,213,3

Soweit nicht anders vermerkt.

Geschätzt.

Aktualisicrte IWF-Schätzungen.

Einschließlich statistischer Diskrepanz.

In Monaten der Einfuhr von Waren und Dienstleistungen.

Soweit nicht anders vermerkt.

Geschätzt.

Aktualisicrte IWF-Schätzungen.

Einschließlich statistischer Diskrepanz.

In Monaten der Einfuhr von Waren und Dienstleistungen.

Unter einer neuen Regierung verbesserte sich die Haushaltsposition 1996 weiter. Die Gründe hierfür lagen zum einen in zusätzlichen Maßnahmen auf der Einnahmenseite, wozu die Erhöhung des Mehrwertsteuersatzes von 7% auf 10% sowie die Einführung einer besonderen, zeitlich befristeten Solidaritätssteuer gehörten, zum anderen in einer straffen Ausgabenkontrolle. Trotz der in den beiden vorangegangenen Jahren erzielten Verbesserung blieb Guatemalas Steuerquote mit 8,5% des BIP im regionalen Vergleich niedrig, und die für die grundlegenden sozialen Bedürfnisse sowie die Infrastruktur zur Verfügung stehenden Ressourcen waren weiterhin unzureichend. Die Kreditgewährung an den privaten Sektor expandierte in der ersten Jahreshälfte anhaltend kräftig, verlangsamte sich aber anschließend, als die Zentralbank die Kreditpolitik straffte.

Wegen der Auswirkungen der niedrigeren Kaffeepreise auf die Inlandsnachfrage schwächte sich das Wirtschaftswachstum 1996 auf schätzungsweise 3% ab; dagegen stieg die Inflation. Zum Zeitpunkt der Erörterung wurde mit einem leichten Rückgang des Leistungsbilanzdefizits und einer nahezu ausgeglichenen Zahlungsbilanz gerechnet (tatsächlich verringerte sich das Leistungsbilanzdefizit auf weniger als 3% des BIP, und die Zahlungsbilanz schloß mit einem Überschuß ab). Nachdem der Quetzal im ersten Quartal 1996 unter Abwertungsdruck gestanden hatte, was die Zentralbank zum Verkauf von Devisen veranlaßte, wertete sich die Währung im zweiten Quartal nominal etwas auf, wobei die Zentralbank nun auf der Käuferseite intervenierte; der gewogene reale Wechselkurs des Quetzal stieg vom Januar bis Juni 1996 um 2%.

Gleich nach Übernahme der Amtsgeschäfte im Januar 1996 nahm die neue Regierung — unter der Schirmherrschaft der Vereinten Nationen — die Friedensverhandlungen mit den aufständischen Gruppen wieder auf, und im Dezember 1996 wurden die Friedensabkommen unterzeichnet. Die Regierung hat sich verpflichtet, während der nächsten Jahre ein ehrgeiziges Friedensprogramm umzusetzen, um dauerhafte Fortschritte auf politischem, sozialem und wirtschaftlichem Gebiet zu erreichen. Das Programm beinhaltet: (1) die Stärkung der demokratischen Institutionen, des Rechtssystems und der öffentlichen Sicherheit; (2) höhere Ausgaben für grundlegende Infrastrukturprojekte, Wohnungsbauförderung für Einkommensschwache, die gesundheitliche Grundversorgung und das Erziehungswesen sowie die Bodenreform; (3) die Verringerung der Militärausgaben und höhere Steuereinnahmen zur Finanzierung der im Zusammenhang mit dem Friedensprozeß entstehenden Ausgaben im Rahmen eines soliden Haushalts.

Bei ihrer Erörterung begrüßten die Direktoren den bei den Friedensverhandlungen erzielten Fortschritt. Sie waren der Auffassung, daß dieser bedeutsame Erfolg eine günstige Gelegenheit biete, sich der labilen Haushaltstage und der außenwirtschaftlichen Störanfälligkeit der Volkswirtschaft anzunehmen und die sozialen Verhältnisse grundlegend zu verbessern.

Die Direktoren waren der Meinung, daß eine Konsolidierung der öffentlichen Finanzen notwendig sei. Sie vertraten die Ansicht, daß das Steueraufkommen im regionalen Vergleich gering sei und verhindere, daß die tiefsitzenden sozialen Probleme des Landes angegangen würden, eine modernere Infrastruktur aufgebaut und der Bildung von Humankapital die gebührende Aufmerksamkeit gewidmet werde. Daher riefen die Direktoren die Behörden dazu auf, das Steueraufkommen zu erhöhen und die öffentlichen Finanzen zu stärken. Die zusätzlichen Staatseinnahmen würden benötigt, um den Zinsauftrieb zu mildern, die Inflation zu verringern und die Außenwirtschaftsposition zu verbessern. In Anbetracht der erheblichen Einkommensunterschiede waren die Direktoren der Ansicht, daß auf eine Staffelung der Steuersätze geachtet werden müsse. Sie wiesen darauf hin, daß es wichtig sei, die Staatsausgaben — insbesondere die Personalausgaben — zu begrenzen.

Die Direktoren begrüßten die zur Drosselung der rapide wachsenden Kreditvergabe an den privaten Sektor unternommenen Maßnahmen und unterstrichen die Bedeutung einer konservativen Kreditpolitik. Im Rahmen einer Geld- und Finanzpolitik, die darauf abziele, die Inflation zu verringern und die Reserveposition zu stärken, empfahlen sie, den Wechselkurs auch künftig auf die Marktkräfte reagieren zu lassen. Die Direktoren teilten die Ansicht der Behörden, daß größere Interventionen am Interbanken-Devisenmarkt vermieden werden sollten.

Die Direktoren gingen auf die zögerliche Umsetzung der Strukturreformen ein. Sie forderten die Behörden mit Nachdruck dazu auf, mit der Privatisierung der Elektrizitätswirtschaft, des Telekommunikationssektors und der Eisenbahn sowie mit ihren Plänen zur Modernisierung des öffentlichen Sektors zügig voranzuschreiten und ein privates, kapitalgedecktes Rentenversicherungssystem aufzubauen. Sie ermutigten auch dazu, die Modernisierung des Finanzsystems voranzutreiben, wozu auch eine größere Unabhängigkeit der Zentralbank und eine Verschärfung der aufsichtsrechtlichen Bestimmungen gehörten. Die Direktoren begrüßten den bei der Regulierung der externen Zahlungsrückstände erzielten Fortschritt und drängten die Behörden, die pünktliche Bezahlung aller öffentlicher Auslandsschulden sicherzustellen. Sie unterstrichen, daß solide makroökonomische und strukturelle Reformen benötigt würden, um für Guatemalas Anpassungsanstrengungen die Unterstützung der Geldgeber sicherzustellen.

Indien

Das Direktorium erörterte die Artikel IV-Konsultation mit Indien im November 1996. Die neue Regierung, die im Juni 1996 ihr Amt antrat, übernahm eine solide Wirtschaft, wenn es auch Anfang 1996/97 Anzeichen für einen Rückgang der Industrieproduktion gab. Das BIP stieg 1995/96, angetrieben von einer spürbaren Reaktion der Angebotsseite auf die Reformmaßnahmen, um 7% (siehe Tabelle 26). Eine straffe Geldpolitik — in Verbindung mit einem Aufschub administrierter Preisanpassungen — drückte die Inflation auf der Großhandelsstufe 1995/96 auf 5%, und auch der Anstieg der Verbraucherpreise tendierte nach unten. Mitte 1996 hatte sich die Inflation jedoch wieder beschleunigt, in der Hauptsache die Folge einer 20%igen Erhöhung der Benzinpreise im Juli.

Tabelle 26Indien: Konjunkturindikatoren1

(Bei der Direktoriumsaussprache im November 1996 vorliegende Daten)2

1993/941994/951995/9631996/97
Vorausschätzungen

zum Zeitpunkt

der Direktoriums-

aussprache
Ergebnis4
Prozent
Binnenwirtschaft
Veränderung des realen BIP (zu Faktorkosten)4,36,37,06,86,8
Veränderung der Verbraucherpreise (Periodenende)9,99,78,99,59,5
Milliarden US-Dollar2
Außenwirtschaft
Ausfahren, fob22,726,932,534,934,3
Einfuhren, cif25,131,741,143,145,3
Leistungsbilanz−1,2−2,6−5,2−6,2−5,1
Direktinvestitionen, netto0,61,32,02,32,4
Portfolioinvestitionen, netto3,63,62,14,23,3
Kapitalbilanz9,88,74,09,111,4
Bruttoreserven15,720,817,020,022,3
Leistungsbilanz (Prozent des BIP)−0,5−0,9−1,6−1,7−1,5
Auslandsschulden (Prozent des BIP; Periodenende)36,332,929,226,827,2
Schuldendienst (Prozent der Ausfuhr von Waren und Diensten)26,526,426,228,427,8
Veränderung des realen effektiven Wechselkurses (Prozent; Periodenende)6,9−5,1−0,66,08,0
Prozent des BIP2
Finanzielle Größen
Finanzierungssaldo des gesamten Staatssektors−8,8−7,4−7,6−7,4−7,4
Bruttoersparnis21,424,424,626,225,5
Bruttoinlandsinvestitionen21,625,226,227,527,5
Veränderung der breit abgegrenzten Geldmenge (Prozent; Periodenende)18,422,313,216,115,6
Zinssatz (Prozent)512,512,713,913,713,7

Angaben für jeweils im März endende Haushaltsjahre.

Soweit nicht anders vermerkt.

IWF-Schätzungen.

Aktualisierte IWF-Schätzungen.

Zehnjahres-Staatsanleihen.

Angaben für jeweils im März endende Haushaltsjahre.

Soweit nicht anders vermerkt.

IWF-Schätzungen.

Aktualisierte IWF-Schätzungen.

Zehnjahres-Staatsanleihen.

Das Haushaltsdefizit befand sich seit 1993/94 auf einem allmählich nach unten führenden Pfad, blieb aber hoch. Das Defizit der Zentralregierung ging 1995/96 auf 5,7% des BIP zurück. Schätzungen zufolge blieb das gesamtstaatliche Defizit unverändert bei ungefähr 9 ¼% des BIP. Der Haushalt für 1996/97 zielte darauf ab, das Defizit der Zentralregierung im wesentlichen über vermehrte Privatisierungserlöse und konjunkturbedingt höhere Steuereinnahmen weiter auf 5% des BIP zu verringern.

Da das Haushaltsdefizit hoch blieb, hatte die Geldpolitik die hauptsächliche Stabilisierungslast getragen. Das Wachstum der breit abgegrenzten Geldmenge wurde 1995/96 auf 13,2% verringert, und die Liquidität des Unternehmenssektors war außerdem durch die schwache Verfassung des Aktienmarktes und einen Rückgang der Kapitalimporte beeinträchtigt. Der Zinssatz für erste Adressen erreichte 16% bis 18%. Allerdings wurde der geldpolitische Kurs während der ersten Monate von 1996/97 merklich gelockert; dies spiegelte die Sorge der Behörden hinsichtlich der Auswirkungen einer Kreditklemme auf die Investitionen wider.

Das Leistungsbilanzdefizit weitete sich 1995/96 hauptsächlich wegen des kräftigen Importwachstums auf 1,6% des BIP aus. Gleichzeitig verschlechterte sich die Kapitalbilanz, da die Portfolioinvestitionen infolge der Ungewißheit im Vorfeld der Wahlen zurückgingen. Die Behörden reagierten auf mehrere Vorfälle starken Abwertungsdrucks mit Interventionen am Devisenmarkt und einer Straffung der Geldpolitik und ergriffen administrative Maßnahmen, um die Verwendung von Handelskrediten für spekulative Zwecke zu verhindern. Ab Februar 1996 war der Devisenmarkt stabiler.

Bei ihrer Erörterung lobten die Direktoren Indiens beeindruckende wirtschaftliche Erfolge — starkes Wachstum, Inflation unter Kontrolle und eine zufriedenstellende Außenwirtschaftsposition —, waren aber über die gerade zum Vorschein kommenden Verspannungen besorgt. Das hohe Haushaltsdefizit übe weiterhin Druck auf Zinserhöhungen aus; die unzureichende Infrastruktur fordere ihren Tribut, und die Inflation beginne sich wieder zu beschleunigen. Die Direktoren fanden zwar die Bereitschaft der neuen Regierung ermutigend, Anpassungsmaßnahmen und Reformen durchzuführen, ein anhaltender wirtschaftlicher Erfolg hinge aber von noch mutigerem Handeln ab.

Die Direktoren betonten, daß das zu hohe Haushaltsdefizit noch entschlossener angegangen werden müsse. Sie forderten dazu auf, mit dem nächsten Haushaltsplan eine ehrgeizige, frontlastige Anpassungsoffensive zu starten, die auf eine schnellere Rückführung des Defizits abzielen müsse, als dies die Behörden gegenwärtig vorsähen. Ein Hinauszögern der Haushaltskonsolidierung, so warnten die Direktoren, würde die Volkswirtschaft gegenüber ungünstigen außenwirtschaftlichen Entwicklungen störanfälliger machen.

In Anbetracht der niedrigen Einnahmen/BIP-Relation waren die Direktoren der Meinung, daß man sich zur Verringerung des Defizits — auch auf der Ebene der Bundesstaaten — auf Maßnahmen zur Erhöhung der Einnahmen konzentrieren müsse, und zwar durch eine Verbreiterung der Steuerbasis, die Abschaffung von Steuerbefreiungen und die Erzielung kostendeckender Preise. Erhebliche Möglichkeiten zu Ausgabenkürzungen bestünden auch in gezielteren Zuweisungen von Lebens- und Düngemittelsubventionen und einer raschen Reform des öffentlichen Dienstes zur Verringerung der Personalausgaben.

Die Direktoren unterstrichen, daß sich die Geldpolitik strikt auf die Inflation konzentrieren solle, und warnten vor einer unangemessenen Lockerung der monetären Konditionen. In Anbetracht der jüngsten Inflationsbeschleunigung unterstrichen sie die Notwendigkeit, an dem für die breit abgegrenzte Geldmenge gesetzten Ziel festzuhalten. Die Direktoren rieten den Behörden auch nachdrücklich dazu, die adhoc-Finanzierung der Regierung durch die Notenbank Indiens zum Ende des Fiskaljahres einzustellen. Dies stelle einen wichtigen Schritt zur Schaffung eines Rahmens mit größerer Unabhängigkeit der Zentralbank dar.

Die Direktoren hoben das Erfordernis einer flexiblen Wechselkurspolitik in enger Abstimmung mit den anderen makroökonomischen Politikinstrumenten hervor. Sie betonten, daß es dem Wechselkurs möglich sein müsse, auf Marktsignale zu reagieren, und daß die Behörden bei der Durchführung der Interventionspolitik ein allzu mechanisches Vertrauen auf Indikatoren des realen Wechselkurses vermeiden sollten. Sie verwiesen auch auf die beträchtlichen Effizienzgewinne, die mit freizügigeren Kapitalbewegungen verbunden seien. Eine Reihe von Direktoren glaubte, daß die Öffnung der indischen Wirtschaft für Auslandsinvestitionen wesentlich mehr gefördert werden könne, und verlangte, daß der Abschaffung der noch vorhandenen Beschränkungen für ausländische Direkt- und Portfolioinvestitionen Priorität eingeräumt werden solle.

Die Direktoren begrüßten das Reformprogramm der neuen Regierung, betonten aber, daß die baldige Ausarbeitung eines umfassenden Rahmens für Strukturreformen und beherzte Anfangsmaßnahmen eine wirksame und dynamische Reaktion des privaten Sektors fördern würden. Sie verlangten eine beschleunigte Handelsliberalisierung, wozu auch die frühzeitige stufenweise Abschaffung mengenmäßiger Beschränkungen für den Import von Konsumgütern gehöre. Dringend verlangten die Direktoren auch, zusätzliche Anstrengungen zur Stärkung der staatseigenen Banken zu unternehmen und für eine wirksame Aufsicht zu sorgen, eine ehrgeizigere Reform der staatseigenen Unternehmen — hierzu gehörten auch Privatisierungen und die Durchführung einer wirksamen Politik zum Ausscheiden von Marktteilnehmern — sowie Maßnahmen zur Errichtung eines Rahmens für die Beteiligung der Privatwirtschaft an der Infrastruktur.

Nach der Direktoriumserörterung bekanntgewordene revidierte VGR-Zahlen weisen aus, daß die Zunahme des realen BIP im Zeitraum 1993/94 bis 1995/96 wesentlich kräftiger ausgefallen ist, als bisher geschätzt wurde: Das BIP-Wachstum wird für diese Jahre jetzt auf 6,0% im Jahre 1993/94, auf 7,2% im Jahre 1994/95 und 7,1% im Jahre 1995/96 veranschlagt. Eine kräftige Aufwärtsentwicklung der Landwirtschaft hat 1996/97 — trotz einer schwächeren Wirtschaftstätigkeit in der Industrie — dazu beigetragen, das BIP-Wachstum bei etwa 7% zu halten. Eine gute Ernte half auch dabei, Preisauftriebstendenzen bei Lebensmitteln abzumildern, und die Inflation auf der Großhandelsstufe ging bis Anfang April 1997 auf 6,5% zurück. Die Exportentwicklung hat sich deutlich abgeschwächt, und auch das Wachstum der Importe ist drastisch zurückgegangen; das Leistungsbilanzdefizit verharrte 1996/97 bei ungefähr 1,5% des BIP. Die gesamte Zahlungsbilanz wies, beeinflußt von hohen privaten Kapitalimporten, einen Überschuß in Höhe von 6 ¼ Mrd $ aus, und die Währungsreserven stiegen bis April 1997 auf einen Gegenwert von etwa sechs Importmonaten. Der Haushalt der Zentralregierung für das Fiskaljahr 1997/98 sah drastische Kürzungen der Steuersätze vor; gleichzeitig zielte er darauf ab, das Defizit auf 4,5% des BIP, nach 5% des BIP im Jahre 1996/97, zu verringern. Ziel der Geldpolitik ist es, die Inflation im Jahre 1997/98 auf 6% zu begrenzen. Es wurden Schritte unternommen, um die umständlichen Vorschriften über die Vergabe von Bankkrediten zu lockern und die Entwicklung der Märkte für Regierungsanleihen und Devisen zu fördern. Andere Reforminitiativen der letzten Zeit betrafen die weitere Liberalisierung der Bestimmungen für ausländische Direkt- und Portfolioinvestitionen sowie die Abschaffung quantitativer Restriktionen für eine Reihe von Konsumgüterimporten.

Indonesien

Das Direktorium erörterte die Artikel IV-Konsultation mit Indonesien im Juli 1996. Während der letzten Jahre ist es Indonesien gelungen, die in den siebziger und achtziger Jahren durch marktwirtschaftliche Reformen herbeigeführte beeindruckende wirtschaftliche Entwicklung fortzusetzen. Gestützt von einem kräftigen Wachstum des Konsums und der Investitionen expandierte die Inlandsnachfrage 1995/96 im dritten Jahr stärker als das BIP. Die Zuwachsrate des realen BIP stieg auf 8% (siehe Tabelle 27), obwohl eine Straffung der Fiskalpolitik zur Milderung des Nachfragedrucks beitrug. Die Inflationsrate verharrte bei 9%, was auf den Anstieg der Lebensmittelpreise zurückzuführen war, der aufgrund eines verknappten Reisangebots und hoher Importpreise 1995 durchschnittlich 14% betragen hat.

Tabelle 27Indonesien: Konjunkturindikatoren1

(Bei der Direktoriumsaussprache im Juli 1996 vorliegende Daten)2

1992/931993/941994/951995/96
Vorausschätzungen

zum Zeitpunkt

der Direktoriums-

aussprache
Ergebnis3
Prozent
Binnenwirtschaft
Veränderung des realen BIP7,27,37,58,18,2
Veränderung der Verbraucherpreise (Periodenende)5,010,29,69,09,0
Milliarden US-Dollar2
Außenwirtschaft
Ausfuhren, fob35,336,542,147,847,8
Einfuhren, cif30,332,337,946,146,1
Leistungsbilanz−2,6−3,0−3,3−6,9−6,8
Direktinvestitionen1,72,02,65,45,4
Portfolioinvestitionen1,22,00,81,71,8
Kapitalbilanz6,64,57,214,712,3
Bruttoreserven12,012,713,316,016,0
Leistungsbilanz (Prozent des BIP)−1,8−1,9−1,8−3,4−3,3
Auslandsschulden (Prozent des BIP)58,955,956,854,852,9
Schuldendienst (Prozent der Ausfuhr von Waren und Diensten)32,233,433,734,833,2
Veränderung des realen effektiven Wechselkurses (Prozent)−2,41,6−2,5−0,6−0,6
Prozent des BIP2
Finanzielle Größen
Finanzierungssaldo des gesamten Staatssektors−1,3−0,50,21,01,0
Bruttoersparnis30,231,432,434,8
Bruttoinvestitionen32,433,234,337,8
Veränderung der breit abgegrenzten Geldmenge (Prozent)22,220,822,128,028,0
Zinssatz für Dreimonars-Termineinlagen (Prozent)15,711,515,917,317,3

Angaben für jeweils im März endende Haushaltsjahre.

Soweit nicht anders vermerkt.

Aktualisierte IWF-Schätzungen.

Angaben für jeweils im März endende Haushaltsjahre.

Soweit nicht anders vermerkt.

Aktualisierte IWF-Schätzungen.

Eine kräftige Kreditausweitung an den privaten Sektor trug 1995/96 zu dem erheblichen Anstieg der Inlandsnachfrage und auch zum Preisauftrieb sowie zur Belastung der Leistungsbilanz bei. Der Rupie/Dollar-Wechselkurs wertete sich stetig weiter ab, worin sich die Inflationsunterschiede zu den Partnerländern widerspiegelten, während gleichzeitig die Bank von Indonesien durch eine Verbreiterung des Interventionsbandes die kurzfristige Flexibilität des Wechselkurses vergrößerte.

Das Leistungsbilanzdefizit weitete sich von 1,8% des BIP (1994/95) auf 3,4% des BIP (1995/96) aus; maßgeblich hierfür war eine deutliche Verschlechterung der Handelsbilanz aufgrund kräftig gestiegener Importe. Hohe Kapitalzuflüsse finanzierten das Leistungsbilanzdefizit und sorgten für einen Anstieg der Währungsreserven. Obwohl das Verschuldungsniveau verglichen mit dem einiger anderer asiatischer Länder hoch blieb, ging die Auslandsverschuldung im Verhältnis zum BIP und zu den Exporten zurück.

Im Mai 1995 führte die Regierung ein umfangreiches Maßnahmenpaket zur Reform aller Zölle ein, das stufenweise bis zum Jahr 2003 umgesetzt werden soll. Die Zölle auf 6000 Produkte wurden gesenkt, was eine beträchtliche und sofortige Verringerung des durchschnittlichen Zollsatzes von 19,5% auf 15% zum Ergebnis hatte. Im Einklang mit der Meistbegünstigungsklausel des ASEAN-Freihandelsgebietes sind weitere Zollsenkungen im Zeitraum bis 2003 vorgesehen, die den durchschnitüichen Zolltarif auf 7% verringern würden.

Die Direktoren lobten die Behörden für Indonesiens wirtschaftliche Leistungen der letzten Jahre, insbesondere für die erhebliche Eindämmung der Armut und die Verbesserung zahlreicher sozialer Indikatoren sowie für die verringerte Abhängigkeit vom Erdöl- und Gassektor und die Liberalisierung wichtiger Wirtschaftszweige. Sie wiesen darauf hin, daß ein anhaltend kräftiger Nachfragedruck und hohe Kapitalzuflüsse große wirtschafts-politische Herausforderungen darstellten. Die von den Behörden — in Anbetracht sich verändernder Umstände — beim Einsatz der unterschiedlichen wirtschaftspolitischen Instrumente gezeigte Flexibilität sei ein wesentliches Element ihres Erfolges über die Jahre hinweg gewesen, und sie werde wichtig bleiben, um diesen Herausforderungen zu begegnen.

Die meisten Direktoren sahen in verstärkten Anstrengungen in der Haushaltspolitik den Schlüssel zur Nachfragedämpfung. Zwar erkannten sie an, daß der Grundsatz, den Staatshaushalt auszugleichen, dem Land gute Dienste erwiesen hatte, waren aber dennoch generell mit einer weiteren Straffung der Finanzpolitik und der Verwendung der Überschüsse zur vorzeitigen Rückzahlung von Auslandsschulden einverstanden. Die Direktoren legten Wert darauf, über eine straffere Steuerverwaltung sowie durch steuerliche Maßnahmen und eine Verbreiterung der Bemessungsgrundlage bei bestehenden Steuern die nicht aus dem Ölsektor stammenden Einnahmen zu steigern. Gleichzeitig unterstützten viele Direktoren mittelfristig höhere Ausgaben für Erziehung, im Gesundheitswesen und für die Infrastruktur.

Das Direktorium pflichtete nachdrücklich dem Ziel der Behörden bei, das Wachstum der breit abgegrenzten Geldmenge 1996 zu verringern. Die Direktoren stimmten mit den Behörden überein, daß es wichtig sei, den Kapitalverkehr von Beschränkungen freizuhalten, und begrüßten die bereits durchgeführten Maßnahmen zur Verbreiterung des Wechselkursbandes und zu größerer Flexibilität in der Wechselkurspolitik. Dieser Prozeß solle als ein wichtiges Element in der Strategie zur Abwehr kurzfristiger Kapitalzuflüsse und zur Erhöhung der geldpolitischen Effizienz fortgeführt werden. Von besonderer Bedeutung für die Verringerung der hartnäckigen Inflation sei die Festsetzung der administrierten Lohnerhöhungen auf der Basis zukünftiger Inflationsziele. Da die Auswirkungen der aufeinander abgestimmten Politikmaßnahmen zur Inflationsverringerung und da raschere Strukturreformen zur Erhaltung der Wettbewerbsfähigkeit beitrügen, sollte es zudem möglich sein, zu einem stärker von den Marktkräften bestimmten Wechselkurs überzugehen und damit der Erreichung des Inflationsziels größere Bedeutung beizumessen.

Nach Ansicht des Direktoriums sind für die Aufrechterhaltung eines raschen, nachhaltigen Wachstums weitere umfassende Reformen von entscheidender Bedeutung; dazu gehörten die Reform des Finanzsektors und die Entwicklung eines soliden Kapitalmarktes. Die Direktoren forderten die Behörden nachdrücklich dazu auf, die Schwachstellen im Bankensektor zu beseitigen und insbesondere entschlossene Anstrengungen zur Lösung des Problems insolventer Banken und zur Rettung notleidender Kredite zu unternehmen. Sie betrachteten diese Maßnahmen als wesentlich, um die Störanfälligkeit der Wirtschaft gegenüber Schocks und die Gefahr des “moral hazard” zu verringern. Weitere Deregulierungsschritte und die Öffnung der Volkswirtschaft gegenüber den Weltmärkten seien der Schlüssel zum Erhalt der Wettbewerbsfähigkeit. Ferner begrüßten sie die jüngsten Zollsenkungen. Die Direktoren unterstützten die beschleunigte Liberalisierung des Binnen- und Außenhandels mit den wichtigsten Rohstoffen; dies führe einerseits zu größerer Chancengleichheit, und es fördere andererseits den Export von Produkten außerhalb des Ölsektors. Ganz allgemein verlangten sie mit Nachdruck größere Transparenz bei der Umsetzung der Wirtschaftspolitik, insbesondere einen Regulierungsrahmen und ein Steuersystem, die für alle Beteiligten die gleichen Bedingungen schafften.

Islamische Republik Iran

Das Direktorium erörterte die Artikel IV-Konsultation mit der Islamischen Republik Iran im August 1996. Nachdem sie im ersten Fünfjahresentwicklungsplan (der 1994/95 endete) die Devisenprobleme von 1992/93 angegangen waren, verlagerten die Behörden den Schwerpunkt des zweiten Fünfjahresentwicklungsplans (1995/96 - 1999/2000) — im Zuge einer zunehmenden Öffnung und Liberalisierung der Wirtschaft — auf die Forcierung des Wachstums und den Abbau der Inflation. Im Rahmen dieses Plans stieg das reale BIP-Wachstum von 1,6% 1994/95 auf 3,1% 1995/96 an (siehe Tabelle 28). Die durchschnittliche Inflationsrate im Vergleich zum Vorjahr schnellte in dieser Periode von 35% auf 49% hoch, aber die Zwölfmonatsrate ging von einem Spitzenwert von 59% im Mai 1995 auf 26% im Mai 1996 zurück. Trotz der zum Jahresanfang erfolgten Verdoppelung blieben die inländischen Energiepreise 1995/96 weit unterhalb des Weltmarktniveaus.

Tabelle 28Iran, Islamische Republik: Konjunkturindikatoren1(Bei der Direktoriumsausspracbe im August 1996 vorliegende Daten)
1992/931993/941994/951995/96
Prozart
Binnenwirtschaft
Veränderung des realen BIP5,94,91,63,1
Veränderung der Verbraucherpreise (Periodendurchschnitt)24,422,935,249,4
Milliarden US-Dollar2
Außenwirtschaft
Ausfuhren, fob19,918,119,418,3
Einfuhren, fob23,319,312,612,8
Leistungsbilanz−7,3−4,55,13,5
Kapitalbilanz3,7−4,5−2,9−2,9
Bruttoreserven2,92,93,96,7
Leistungsbilanz (Prozent des BIP)−5,6−5,67,73,9
Auslandsschulden (Prozent des BIP)12,228,734,524,4
Schuldendienst (Prozent der Ausfuhr von Waren und Diensten)13,927,1
Prozent des BIP2
Finanzielle Größen
Finanzierungssaldo des gesamten Staatssektors−1,2−7,2−4,5−3,8
Bruttoersparnis29,823,632,033,2
Bruttoinvestitionen35,429,224,229,3
Veränderung der breit abgegrenzten Geldmenge (Prozent des Bestandes)24,734,829,437,0
Kurzfristiger Einlagensatz (Prozent)7,58,08,08,0

Angaben für jeweils am 20. März endende Haushaltsjahre.

Soweit nicht anders vermerkt.

Angaben für jeweils am 20. März endende Haushaltsjahre.

Soweit nicht anders vermerkt.

Das Staatsdefizit verringerte sich 1995/96 weiter auf 3,8% des BIP, nachdem es zuvor von dem Höchststand von 7,2% (1993/94) auf 4,5% (1994/95) gesunken war. Wenngleich der Anteil der gesamten Staatseinnahmen am BIP gegenüber dem Vorjahr zurückging, so schränkten die Behörden doch auch die Haushaltsausgaben auf das Ausmaß der Einnahmenentwicklung ein. Wie in den vorangegangenen zwei Jahren war das Defizit hauptsächlich auf außerhalb des Haushalts entstandene Devisenverluste zurückzuführen.

Die breit abgegrenzte Geldmenge wuchs 1995/96 um 37%, verglichen mit 29% im vorangegangenen Jahr. Sowohl der Anstieg der Nettoinlandsaktiva (teilweise verursacht durch Unterstützungsmaßnahmen der Banken bei der Bedienung der vor März 1994 durch staatseigene Unternehmen und den privaten Sektor eingegangenen Auslandsverbindlichkeiten) als auch die Zunahme der Nettoauslandsforderungen trieben das Wachstum an. Die Einlagenzinsen, die real betrachtet schon während der letzten Jahre negativ waren, strebten mit steigender Inflation noch weiter in die falsche Richtung. Die nachfolgende Abschwächung des Preisauftriebs verringerte diese Fehlentwicklung; die mit den negativen Realzinsen verbundene Umgehung des Bankensystems (disintermediation) trug jedoch zumindest anfänglich zum Wachstum alternativer Finanzbeziehungen bei — auch über die Teheraner Börse.

Auf außenwirtschaftlichem Gebiet setzten die Behörden in den Fiskaljahren 1994/95 und 1995/96 die Stärkung ihrer Reserveposition fort, indem sie die Höhe ihrer Zahlungsrückstände gegenüber dem Ausland von mehr als 11 Mrd $ im März 1994 auf 315 Mio $ im März 1996 verringerten. Diese Verbesserung wurde von einem drastischen Umschwung in der Leistungsbilanz angetrieben, der seinerseits durch den beinahe 50%igen Rückgang der Importe aufgrund verschärfter Importkontrollen und der im Mai 1995 eingeführten Devisenverkehrsbeschränkungen während dieser Zeit erreicht wurde. Die Ausfuhren fielen 1995/96 insgesamt um 5,6%, da die Exporte außerhalb des Ölsektors als Folge der Einführung der Devisenkontrollen und eines für den Export unrealistischen Wechselkurses um 33% zurückgingen. Der Saldo der Kapitalverkehrsbilanz war gegenüber 1994/95 praktisch unverändert, und die Zahlungsbilanz wies erstmals nach mehreren Jahren einen Überschuß auf. Die Devisenkontrollen führten zur Entwicklung eines Parallelmarktes, auf dem sich der Wechselkurs zwischen Mai 1995 und Juni 1996 nach und nach abwertete.

Bei ihrer Erörterung lobten die Direktoren die Behörden für den in den vergangenen zwei Jahren erzielten großen Fortschritt bei der Regelung der Auslandsverschuldung, wodurch die Reserveposition nunmehr weniger störanfällig sei, sowie beim Inflationsabbau — trotz eines ungünstigen außenwirtschaftlichen Umfeldes. Diese positiven Entwicklungen würden es den Behörden erlauben, ein umfassendes Reformprogramm auszuarbeiten und bald umzusetzen, das der Vereinheitlichung des Wechselkurses auf einem realistischen Niveau Priorität einräumen, die Devisenbeschränkungen abschaffen sowie die Importe liberalisieren solle; gleichzeitig seien die öffentlichen Finanzen erheblich zu stärken und eine vorsichtige Geldpolitik zu verfolgen.

Die Direktoren ermutigten die Behörden, über den Abbau des Defizits den Kurs der Finanzpolitik zu verschärfen; hierzu gehörten auch die Rückführung der außerhalb des Budgets entstehenden Devisenverluste und eine beträchtliche Verringerung der Abhängigkeit von den Öleinnahmen. Sie wiesen in diesem Zusammenhang darauf hin, daß die Haushaltsposition davon profitieren würde, wenn die inländische Steuerbasis durch die Einführung einer Mehrwertsteuer und eine Verbesserung der Steuerverwaltung verbreitert, die Differenz zwischen den inländischen und den Weltmarktpreisen für Energie verringert und die Staatsausgaben begrenzt würden. Die Direktoren unterstrichen, daß es zum Inflationsabbau einer umsichtigen Kreditund Geldpolitik bedürfe, die stärker auf marktmäßigen Steuerungsinstrumenten aufbaue; dies schließe auch positive Realzinsen ein. Sie ermutigten die Behörden, über die Liberalisierung der Zuweisung und Kontrolle von Krediten sowie über eine Stärkung des gesetzlichen und aufsichtsrechtlichen Rahmens solide Geldund Wertpapiermärkte zu fördern.

Die Direktoren wiesen darauf hin, daß das bestehende Wechselkursregime Investitionen und Wachstum der nicht zum Erdölbereich gehörenden Wirtschaftszweige massiv behindere. Sie ermutigten die Behörden dazu, im Rahmen des zweiten Fünfjahresentwicklungsplans eine verbindliche Zeitvorgabe zur baldigen Vereinheitlichung der Wechselkurse zu entwickeln, und riefen zur Lockerung der verbliebenen Devisenbeschränkungen und Handelskontrollen auf. Sie unterstrichen auch, daß es wichtig sei, die aufgrund der hohen indirekten Subventionierung des inländischen Energieverbrauchs seit langem vorhandenen Verzerrungen in der Wirtschaft zu beseitigen.

Republik Jemen

Im Juli 1996 erörterte das Direktorium die Artikel IV-Konsultation mit der Republik Jemen und schloß die erste Überprüfung der am 20. März 1996 genehmigten Bereitschaftskreditvereinbarung ab. Um die im Zeitraum von 1990 bis 1994 enttäuschende gesamtwirtschaftliche Entwicklung zu verbessern, hatten die Behörden im Jahre 1995 ein Programm zur geld- und finanzpolitischen Anpassung sowie zur strukturellen Reform begonnen und dieses 1996 unter der Bereitschaftskreditvereinbarung verschärft. Das Programm war umfassend angelegt und beinhaltete erhebliche Korrekturen im Haushaltsbereich, die Abschaffung staatlicher Kreditaufnahmen bei den inländischen Banken, eine unterstützend wirkende straffe Geldpolitik, die darauf abzielte, positive Realzinsen zu gewährleisten, sowie weitreichende Strukturreformen. Diese umfaßten eine Verbreiterung der Verbrauchssteuerbasis, die Harmonisierung der Verbrauchssteuersätze, die Einführung staatlicher Schuldeninstrumente, die Freigabe der Zinsen, grundlegende Reformen der Geldpolitik, die Freigabe der Devisenmärkte, die Vereinheitlichung des Wechselkurssystems und die Einführung eines flexiblen Wechselkurses sowie eine alle Bereiche umfassende, einstufige Zollreform, die Abschaffung des Genehmigungsvorbehalts für Importe und die Beseitigung praktisch aller, aus ökonomischen Gründen erlassenen Importverbote.

Das reale, außerhalb des Ölsektors erwirtschaftete BIP erholte sich — nach dem durch den Bürgerkrieg 1994 verursachten Einbruch — im Jahre 1995 kräftig und stieg auf Nettobasis um 3%; für 1996 wurde eine Beschleunigung des Wachstums auf 4% erwartet (siehe Tabelle 29). Zudem ging die Kerninflation aufgrund der anhaltend straffen Geldund Finanzpolitik und der Aufwertung des Wechselkurses am freien Markt kräftig zurück. Im Zeitraum von Februar bis Mai 1996 betrug die hochgerechnete Jahresrate etwa 20%, verglichen mit 48% im Jahre 1995 und 71% im Jahre 1994.

Tabelle 29Jemen, Republik: Konjunkturindikatoren

(Bei der Direktoriumsaussprache im Juli 1996 vorliegende Daten)1

1993199419951996
Vorausschätzungen

zum Zeitpunkt

der Direktoriums-

aussprache
Ergebnis2
Prozent
Binnenwirtschaft
Veränderung des realen BIP (Nicht-Ölberceich)3,7−4,57,54,04,0
Veränderung der Kerninflation (Periodendurchschnitt)71,348,020,011,1
Milliarden US-Dollar1
Außenwirtschaft
Ausfuhren, fob1,21,81,92,12,2
Einfuhren2,11,72,02,42,3
Leistungsbilanz (inländisch; ohne Transaktionen der Ölgesellschaft)−0,50,2−0,1−0,5−0,3
Gesamtbilanz−0,4−0,7−0,5−0,9−0,3
Bruttoreserven (inländisch; in Importmonaten, ohne Transaktionen der Ölgesellschaft)0,00,00,00,00,1
Leistungsbilanz (inländisch; Prozent des BIP, ohne Transaktionen der Ölgesellschaft)−12,13,5−1,8−9,1−5,0
Auslandsschulden (Prozent des BIP)209,1200,6188,1171,8167,0
Schuldendienst (Verpflichtungsbasis; Prozent der Leistungsbilanzeinnahmen, ohne Transaktionen der Ölgesellschaft)59,340,736,730,830,2
Veränderung des realen effektiven Wechselkurses (Kurs auf dem Parallelmarkt/freien Markt; Prozent)−14,7−6,221,6
Prozent des BIP1
Finanzielle Größen
Finanzierungssaldo der Zentralregierung (Einnahmen-/Ausgabenrechnung)−16,5−16,5−5,9−3,1−2,5
Bruttoersparnis−10,617,621,413,720,1
Bruttoinvestitionen15,09,615,115,519,1
Veränderung der breit abgegrenzten Geldmenge (Prozent)4634201411
Effektiver Einlagcnsatz (Prozent)3-53-520-2225-2720-22

Soweit nicht anders vermerkt.

Vorläufige Daten und aktualisierte IWF-Schätzungen.

Soweit nicht anders vermerkt.

Vorläufige Daten und aktualisierte IWF-Schätzungen.

Für das kassenmäßige Haushaltsdefizit wurde eine weitere Verringerung auf 3% des BIP prognostiziert, nachdem es bereits im Jahre 1995 auf 6% des BIP — von 17% im Jahre 1994 — zurückgegangen war. Ausschlaggebend für diese Verbesserung waren die als Folge der Abwertung des amtlichen Devisenkurses gestiegenen Erlöse für Öl und die durch die Reform von Steuern und Zöllen sowie eine effizientere Verwaltung bewirkte kräftige Erhöhung der nicht aus dem Ölsektor stammenden Einnahmen. Auf der Ausgabenseite war vorgesehen, daß die Personalausgaben, die Subventionen und die Verteidigungsausgaben — jeweils in Relation zum BIP — sinken würden, um höhere Ausgaben für öffentliche Investitionen und die Reform des öffentlichen Dienstes zu finanzieren.

Ohne die Möglichkeit staatlicher Kreditaufnahmen bei den Banken sollte sich das Wachstum der breit abgegrenzten Geldmenge von 20% im Jahre 1995 auf 14% abschwächen. Die nominalen Einlagenzinsen waren Anfang 1996 auf 25% - 27% angehoben worden, und bei einer Kerninflation von 20% waren die Realzinsen nunmehr positiv. Unter diesen Umständen begann sich die Zusammensetzung der breit abgegrenzten Geldmenge in Richtung Quasi-Geld zu verschieben, und die Schatzwechselauktionen des Staates waren weiterhin erfolgreich.

Die gestraffte Finanz- und Geldpolitik von 1995 und 1996 sowie die Zusammenführung der freien Devisenmärkte der Geschäftsbanken und der Geldwechsler trugen ab Ende Oktober 1995 zur Stabilisierung des floatenden Wechselkurses auf dem freien Devisenmarkt bei; dies war Ausdruck des zurückgekehrten Vertrauens in die Währung und die Wirtschaft.

Bei ihrer Erörterung lobten die Direktoren die Behörden für die Art und Weise, wie sie sich mit dem umfassenden Programm zur geld- und finanzpolitischen Anpassung, der Strukturreform und deren erfolgreicher Umsetzung stark identifizierten. Sie waren ermutigt von der Abschwächung der Kerninflation, von der Stabilisierung des Wechselkurses am freien Markt und vom Anstieg der Bruttowährungsreserven in die Nähe des zum Jahresende vorgesehenen Ziels — trotz Ausfällen bei der Auslandsfinanzierung.

Die Direktoren lobten die deutliche Verschärfung der Finanzpolitik 1995 und 1996, die zu der erheblichen Rückführung des Haushaltsdefizits und zur Dämpfung des Geldmengenwachstums geführt habe. Sie forderten die Behörden nachdrücklich dazu auf, die Haushaltskonsolidierung über einen weiteren Subventionsabbau — durch die sofortige Erhöhung der administrierten Preise für Weizen, Mehl und Energie — fortzusetzen, und unterstützten die Einführung einer allgemeinen Verkaufssteuer. Die Direktoren sahen es als wesentlich an, ein gut strukturiertes soziales Sicherungsnetz aufzuspannen, um die Auswirkungen des Reformprogramms auf die ärmeren Bevölkerungsschichten abzumildern.

Die Direktoren begrüßten es, daß die Behörden sich verstärkt auf die Zinspolitik stützten, und empfahlen, die Zinsen nur zu senken, wenn ein deutlicher Inflationsrückgang zu verzeichnen sei. Da das Ziel eines hohen Wachstums von einer aktiveren Mittlertätigkeit des Bankensystems bei der Kreditversorgung des privaten Sektors abhinge, unterstrichen die Direktoren die Notwendigkeit von Gesetzänderungen, um die rechtliche Durchsetzbarkeit von Kreditverträgen zu gewährleisten.

Jordanien

Das Direktorium erörterte die Artikel IV-Konsultation mit Jordanien und die zweite Überprüfung der am 9. Februar 1996 genehmigten Erweiterten Kreditvereinbarung im Februar 1997. Seit der Zahlungsbilanzkrise Ende der achtziger Jahre und der im Zusammenhang mit der Nahost-Krise 1990 und 1991 in der Region entstandenen Probleme hat Jordanien auf dem Weg zur Erlangung gesamtwirtschaftlicher Stabilität und Wachstum beeindruckende Fortschritte erzielt. 1996 blieb die wirtschaftliche Entwicklung trotz eines schwierigen externen Umfeldes günstig. Das reale BIP wurde auf 5,2% geschätzt, und die Inflation ging auf Zwölfmonatsbasis auf 2,5% zurück (siehe Tabelle 30). Schätzungen zufolge hat sich das Leistungsbilanzdefizit (einschließlich Übertragungen) von 3,9% im Jahre 1995 auf 3% im Jahre 1996 verringert, weil das infolge eines drastischen Anstiegs der Importe von Lebensmitteln (aufgrund höherer Weltmarktpreise) und Fahrzeugteilen höher als erwartete Handelsbilanzdefizit von einem Zuwachs bei den Gast-arbeiterüberweisungen kompensiert wurde. Die Kapitalbilanz litt dagegen unter den Entwicklungen in der Region, und das Zahlungsbilanzdefizit vergrößerte sich.

Tabelle 30Jordanien: Konjunkturindikatoren(Bei der Direktoriumsaussprache im Februar 1997 vorliegende Daten)
19931994199519961
Prozent
Binnenwirtschaft
Veränderung des realen BIP5,68,16,95,2
Veränderung der Verbraueherpreise (Periodenende)1,94,94,22,5
Milliarden US-Dollar2
Außenwirtschaft
Ausfuhren, fob1,21,41,81,9
Einfuhren, cif3,53,43,74,3
Leistungsbilanz−0,6−0,4−0,3−0,2
Kapitalbilanz−0,1−0,00,20,2
Bruttoreserven0,60,40,40,7
Leistungsbilanz (Prozent des BIP)−11,7−6,6−3,9−3,0
Auslandsschulden (Prozent des BIP)121112103100
Schuldendienst (Prozent der Ausfuhr von Waren und Diensten)35,930,626,324,9
Veränderung des realen effektiven Wechselkurses (Prozent)2,7−3,8−6,8
Prozent des BIP2
Finanzielle Größen
Finanzierungssaldo des gesamten Staatssektors (ohne Zuschüsse)−5,9−6,1−5,3−4,6
Bruttoersparnis (einschließlich Zuschüsse)25,727,929,432,0
Bruttoinvestitionen34,333,131,833,4
Veränderung der breit abgegrenzten Geldmenge (Prozent)6,98,06,62,0
Sechsmonats-Einlagenzertifikate der Zentralbank von Jordanien (Prozent)4,17,99,09,5

IWF-Schätzungen.

Soweit nicht anders vermerkt.

IWF-Schätzungen.

Soweit nicht anders vermerkt.

Die günstige wirtschaftliche Entwicklung des Jahres 1996 wurde von einer anhaltend stetigen und situationsgerechten Durchführung wirtschaftspolitischer Maßnahmen untermauert. Zur Haushaltskonsolidierung wurden wichtige Schritte unternommen, hauptsächlich über Ausgabenbeschränkungen. Die Subventionierung von Lebensmitteln und Tierfutter wurde reformiert, und die Investitionen sowie die Ausgaben für Güter und Dienstleistungen (ohne Lohnzahlungen) wurden verringert. Der Haushaltsfehlbetrag (ohne Übertragungen) ist daher 1996 auf schätzungsweise 4,6% des BIP gefallen, von 5,3% im vorangegangenen Jahr.

Trotz der unsicheren Lage in der Region und der sich verschlechternden wirtschaftlichen Verhältnisse auf der Westbank und im Gaza-Streifen wurden 1996 beim Aufbau von Devisenreserven erhebliche Fortschritte erzielt. Dies geschah im Rahmen einer Wechselkurspolitik, die eine enge Anbindung des jordanischen Dinar an den US-Dollar beibehielt. Verbunden damit waren umfangreiche Offenmarktoperationen und eine Vergrößerung der Zins-Spreads. Im Ergebnis hat dies zu einer straffen Geldpolitik mit einem geringen Wachstum des Geldangebots und der Nettoinlandsaktiva des Bankensystems geführt.

Um die jordanische Volkswirtschaft weiter zu öffnen, den Wettbewerb anzuregen und in- sowie ausländische private Investitionen zu fördern, wurden Strukturreformen im Bereich der öffentlichen Finanzen und des sozialen Sicherungsnetzes, im Finanzsektor, im Handel und am Regulierungsrahmen durchgeführt. Zwar gab es nur geringe Fortschritte bei der Privatisierung, es wurden aber Institutionen für ihre Implementierung geschaffen.

Das Direktorium begrüßte die stetige Umsetzung der Anpassungs- und Reformmaßnahmen durch die Behörden, die trotz des schwierigen externen Umfeldes zu einer beeindruckenden wirtschaftlichen Entwicklung geführt hätten. Die Direktoren unterstrichen, daß eine kontinuierliche solide Makropolitik und weitergehende Strukturreformen die wirtschaftlichen Fortschritte konsolidieren und Jordaniens Störanfälligkeit gegenüber außenwirtschaftlichen Entwicklungen zusätzlich verringern würden.

Im allgemeinen begrüßten die Direktoren das für 1997 vorgesehene Paket wirtschaftspolitischer Maßnahmen. Mit Blick auf die Zukunft betonte eine Reihe von Direktoren, daß es wichtig sei, mittelfristig weitere Schritte zur Reform der Staatseinnahmen zu unternehmen, um die Budgetanpassung gleichmäßiger zu gestalten. Die Direktoren waren der Meinung, daß verstärkte Anstrengungen der Regierung zur Bekämpfung der Armut, insbesondere mit Hilfe eines von der Weltbank unterstützten Programms zur Verbesserung der sozialen Produktivität, für die Nachhaltigkeit der Anpassungs- und Reformanstrengungen ebenfalls von großer Bedeutung seien.

Die Direktoren führten aus, daß Jordanien eine angemessen straffe Geldpolitik beibehalten habe; diese sei von Reformen des Finanzsektors begleitet gewesen. Auch habe die Wechselkurspolitik zur finanziellen Stabilität beigetragen. Die Geldpolitik solle weiterhin darauf abzielen, Devisenreserven aufzubauen. Die Direktoren waren der Meinung, daß die Behörden angesichts der ungewissen regionalen Umstände die geldpolitischen Entwicklungen auch künftig sorgfältig überwachen sollten und ihre Politik im Falle eines unerwarteten Rückgangs der Geldnachfrage anpassen müßten. In diesem Zusammenhang unterstrichen sie, daß es wichtig sei, die Zinspolitik flexibel zu gestalten und auf die internationale Wettbewerbsfähigkeit zu achten.

Die Direktoren stellten fest, daß die von den Behörden durchgeführten weitreichenden Strukturreformen am Regulierungsrahmen, im Finanzsektor und am Subventionssystem zur Transformation der jordanischen Wirtschaft führten. Sie hoben hervor, daß das Tempo der Privatisierung beschleunigt werden solle, um die Entwicklung des privaten Sektors zu fördern und dringend benötigte ausländische Direktinvestitionen anzuziehen. Die Direktoren verlangten auch Fortschritte bei der Reform des staatlichen Rentensystems und des öffentlichen Dienstes.

Kambodscha

Das Direktorium erörterte die Artikel IV-Konsultation mit Kambodscha im Februar 1997. Das Realwachstum beschleunigte sich 1995 auf 7,5% (siehe Tabelle 31); es wurde angetrieben von einer Rekord-Reisernte und einer lebhaften Wirtschaftstätigkeit im Baugewerbe, im Tourismussektor und in der Textilindustrie. Für 1996 wurde ein Realwachstum von ungefähr 6% vorhergesagt; in der geringfügigen Verlangsamung kamen die negativen Auswirkungen der jüngsten Überschwemmungen auf die Reisproduktion zum Ausdruck. Die Inflationsrate ging im Verlauf von 1995 und während der ersten neun Monate von 1996 auf einstellige Werte zurück (von über 100% im Jahr 1993).

Tabelle 31Kambodscha: Konjunkturindikatoren(Bei der Direktoriumsaussprache im Februar 1997 vorliegende Daten)
199319941995119962
Prozent
Binnenwirtschaft
Veränderung des realen BIP4,14,07,66,0
Veränderung der Verbraucherpreise (Periodenende)31,020,10,110,0
Millionen US-Dollar3
Außenwirtschaft
Ausfuhren, fob4102234269305
Einfuhren, fob−305−509−650−700
Leistungsbilanz5−189−329−469−430
Direktinvestitionen080151171
Kapitalbilanz75136206195
Bruttoreserven71100182217
Leistungsbilanz (Prozent des BIP)−9,4−13,7−16,0−13,9
Auslandsschulden (Prozent des BIP)620201921
Schuldendienst (Prozent der Ausfuhr von Waren und Diensten)0,43,21,33,7
Veränderung des realen effektiven Wechselkurses (prozentuale Jahresveränderung; Periodenende)−10,18,7−0,2−10,67
Prozent des BIP3
Finanzielle Größen
Finanzierungssaldo des gesamten Staatssektors (Einnahmen-/Ausgabenrechnung)−5,6−6,8−7,7−7,0
Bruttoersparnis4,74,85,65,8
Bruttoinvestitionen14,118,521,619,7
Veränderung der breit abgegrenzten Geldmenge (Periodenende; Prozent)840,029,444,333,0

IWF-Schätzungen.

IWF-Vorausschätzungen.

Soweit nicht anders vermerkt.

Ohne Wiederausfuhr.

Ohne offizielle Übertragungen.

Ohne Schulden gegenüber Ländern des chemaligcn Rats für gegenseitige Wirtschaftshilfe in Hühe von schätzungsweise 840 Mio Rubel, für die keine Dollarbewertung verfügbar ist.

Oktober.

Einschließlich Fremdwährungseinlagen.

IWF-Schätzungen.

IWF-Vorausschätzungen.

Soweit nicht anders vermerkt.

Ohne Wiederausfuhr.

Ohne offizielle Übertragungen.

Ohne Schulden gegenüber Ländern des chemaligcn Rats für gegenseitige Wirtschaftshilfe in Hühe von schätzungsweise 840 Mio Rubel, für die keine Dollarbewertung verfügbar ist.

Oktober.

Einschließlich Fremdwährungseinlagen.

Die Finanzpolitik spielte weiterhin die zentrale Rolle bei der Aufrechterhaltung der gesamtwirtschaftlichen Stabilität. 1996 wurde die Haushaltsdisziplin gewahrt — trotz Einnahmeausfallen (aufgrund von Steuerbefreiungen und anhaltenden Schwierigkeiten, außerhalb des Haushalts anfallende Einnahmen in das Budget zu bringen) und die Planungen überschreitender operationaler Ausgaben für Sicherheit und Verteidigung. Die Ausgaben für den zivilen Bereich, insbesondere für Gesundheit und Erziehung, wurden allerdings — ohne Personalkosten gerechnet — auf Werte unterhalb der vorgesehenen Haushaltsansätze gedrückt. Das gesamtstaatliche Defizit wurde für 1996 auf etwa 7% des BIP geschätzt und mußte vollständig durch öffentliche Entwicklungshilfeleistungen finanziert werden.

Die monetären Entwicklungen waren von einer deutlichen Verlagerung aus der im Umlauf befindlichen Auslandswährung in die einheimische Währung und in auf ausländische Währung lautende Depositen gekennzeichnet. Diese Portfolioumschichtung führte zu einer Beschleunigung des Wachstums der in breiter Abgrenzung gemessenen Geldmenge (einschließlich Depositen in Auslandswährung) auf 44% im Jahr 1995. Da der Bargeldumlauf in Riel weniger stark zunahm, verlangsamte sich die monetäre Expansion in der zweiten Jahreshälfte von 1996, und es wurde erwartet, daß sie bis zum Jahresende 1996 auf 30% zuriickgeht.

1996 profitierte die Zahlungsbilanz von hohen Entwicklungshilfezuflüssen und gestiegenen ausländischen Direktinvestitionen; es wurde davon ausgegangen, daß das Leistungsbilanzdefizit sich auf 14% des BIP verringern und die Gesamtbilanz einen geringen Überschuß ausweisen werde. Die Währungsreserven erhöhten sich auf einen Gegenwert von etwas mehr als zwei Importmonaten, und der Wechselkurs blieb im Gegensatz zu den vorangegangenen Jahren in etwa stabil.

Wenngleich das Implementierungstempo geringer war als erwartet, wurden bei den wichtigsten Strukturreformen dennoch Fortschritte erzielt. Zu den durchgefÜhrten Maßnahmen gehorten der Erlaß eines neuen institutionellen Rahmens für die wenigen Unternehmen, deren Verbleiben im öffentlichen Sektor vorgesehen ist, und für die Privatisierung der restlichen Staatsunternehmen, die Verabschiedung eines neuen Zentralbankgesetzes und ein gewisser Fortschritt bei der Reform der Streitkräfte. Bei der Entwicklung eines Prüfungssystems für ausländische Direktinvestitionen und der damit verbundenen Steuerbefreiungen wurden allerdings nur geringe Fortschritte erzielt, und die Reform des öffentlichen Dienstes wurde durch großangelegte Neueinstellungen aus Gründen der politischen Integration zurückgeworfen.

Im Rahmen ihrer Diskussion begrüßten die Direktoren Kambodschas soliden Fortschritt beim wirtschaftlichen Wiederaufbau während der letzten drei Jahre, wozu eine günstige gesamtwirtschaftliche Entwicklung mit stabilem Wachstum, geringer Inflation und einer beträchtlichen Verbesserung der Außenwirtschaftsposition zählten. Um allerdings anhaltende Fortschritte beim Übergang zur Marktwirtschaft zu erzielen, müsse den besonders gravierenden Schwachstellen der Wirtschaft Aufmerksamkeit gewidmet werden. Die Direktoren empfählen beschleunigte Strukturreformen, insbesondere im Haushalts- und Finanzbereich, und die Umsetzung einer transparenten Politik des Ressourcenmanagements, insbesondere in der Forstwirtschaft.

Die Direktoren betonten die überragende Bedeutung einer nachhaltigen Haushaltsdisziplin für die Festigung der gesamtwirtschaftlichen Stabilität. Die Staatseinnahmen beliefen sich gegenwärtig auf einen sehr geringen Prozentsatz des BIP und müßten entscheidend erhöht werden — durch eine verbesserte Steuerverwaltung, die Abschaffung von ad hoc gewährten Steuerbefreiungen, die Durchführung der geplanten Steuerreform zur Verbreiterung der inländischen Steuerbasis und durch eine entschlossene Anwendung der gesetzlichen Bestimmungen zur Verbesserung der Transparenz im Haushaltsbereich sowie über eine Verstärkung der Finanzkontrollen über die Verwendung und die Übertragung staatlicher Vermögenswerte. Die Direktoren forderten die Behörden auch nachdrücklich dazu auf, die Reform des öffentlichen Dienstes umzusetzen und die Militärausgaben zu begrenzen, um eine Erhöhung der Ausgaben für Soziales und für die Entwicklung des Humankapitals zu ermöglichen.

Die Direktoren ermutigten die Behörden dazu, auch weiterhin von einer Finanzierung des Budgetdefizits durch das Bankensystem abzusehen; dies sei von entscheidender Bedeutung, um die Inflation in Kambodschas im hohen Maße auf Dollarbasis operierendem und im wesentlichen auf Bargeldtransaktionen basierendem Finanzsystem niedrig zu halten. Anhaltende finanzielle Stabilität sei der Schlüssel zur Umkehr der Währungssubstitution und zur Schaffung eines funktionierenden Systems der finanziellen Intermediation in der eigenen Währung. Die Direktoren unterstrichen, daß es für die Nationalbank dringend notwendig sei, die Leistungsfähigkeit ihrer Bankenaufsicht durch Inspektion der Geschäftsbanken vor Ort zu verstärken. Was die Wechselkurspolitik anbelange, so habe sich das marktorientierte System für Kambodscha als nützlich erwiesen.

Die Direktoren waren der Meinung, daß die Reform der staatlichen Institutionen und eine verbesserte Integrität beim Management der staatlichen Ressourcen die dringendsten der unmittelbar anstehenden strukturellen Aufgaben seien. Sie forderten die Behörden dazu auf, transparente und effiziente Verfahren bei der Verwaltung der forstwirtschaftlichen Ressourcen einzuführen. Dies sei ein Gebiet, auf dem die Behörden beweisen müßten, daß sie ihre politischen Zusagen einhalten und die Glaubwürdigkeit ihres wirtschaftlichen Reformprogramms wiederherstellen könnten. Dies sei von größter Bedeutung, um das Vertrauen des Privatsektors und die Unterstützung der internationalen Gemeinschaft aufrechtzuerhalten.

Die Direktoren merkten an, daß Kambodschas Zahlungsbilanzperspektiven auch künftig von beträchtlichen Finanzhilfen des Auslands aus öffentlichen und privaten Quellen abhingen; diese seien entscheidend, um die sehr hohen Infrastrukturbedürfnisse Kambodschas zu befriedigen und seine Produktionsbasis wiederaufzubauen.

Kamerun

Das Direktorium erörterte die Artikel IV-Konsultation mit Kamerun im Oktober 1996. Zu jener Zeit erholte sich das Land von einem längeren Konjunkturabschwung, der im Anschluß an die im Januar 1994 erfolgte Abwertung des CFA-Franc gestoppt worden war. 1995/96 wuchs das reale BIP um 5%, wofür hauptsächlich die kräftige Expansion in der Landwirtschaft und im verarbeitenden Gewerbe verantwortlich waren. Die Produktion von Kaffee, Kakao und Baumwolle stieg trotz eines Rückgangs der Weltmarktpreise. Das außerhalb des Ölsektors erwirtschaftete reale BIP ist aufgrund einer lebhaften Exporttätigkeit und einer Erholung der Inlandsnachfrage schätzungsweise um rund 6% gestiegen. Auch die öffentlichen Finanzen verbesserten sich erheblich. Zwischen 1993/94 und 1995/96 stiegen die gesamten Staatseinnahmen im Verhältnis zum BIP um 4 Prozentpunkte, die Gesamtausgaben wurden um 2 Prozentpunkte gekürzt, und die Primärbilanz schlug von einem Defizit von 1,5% des BIP in einen Überschuß von mehr als 5% des BIP um. Der Anstieg der Verbraucherpreise ermäßigte sich in dem im Juni 1996 endenden Jahr auf 4,5%, von 13,5% im Jahr davor (siehe Tabelle 32).

Tabelle 32Kamerun: Konjunkturindikatoren1(Bei der Direktoriumsaussprache im Oktober 1996 vorliegende Daten)
1992/931993/9421994/9521995/963
Prozent
Binnenwirtschaft
Veränderung des realen BIP−3,2−2,53,35,0
Veränderung der Verbraucherpreise (Periodenende)−4,133,813,44,4
Millionen US-Dollar4
Außenwirtschaft
Ausfuhren1 651,71 433,31 662,21 755,2
Einfuhren1 020,71 016,71 074,61 192,0
Leistungsbilanz−620,1−337,0−170,0−226,7
Direktinvestitionen134,0102,288,691,9
Kapitalbilanz−286,1−266,4−661,7−167,2
Bruttoreserven45,113,512,713,7
Leistungsbilanz (Prozent des BIP)−5,2−4,3−2,1−2,5
Auslandsschulden (Prozent des BIP)70,8122,7116,2104,3
Schuldendienst (Prozent der Ausfuhr von Waren und Diensten)42,555,060,954,5
Veränderung des realen effektiven Wechselkurses (Prozent)−2,6−24,7−13,66,6
Prozent des BIP4
Finanzielle Größen
Finanzierungssaldo des gesamten Staatssektors−6,8−9,2−4,9−2,8
Bruttoersparnis11,311,012,413,5
Bruttoinvestitionen16,615,314,516,0
Veränderung der breit abgegrenzten Geldmenge (Prozent)−10,317,76,1−5,1
Zinssatz (Prozent)11,512,58,88,0

Daten gelten für Haushaltsjahre (1. Juli–30. Juni).

Geschätzt.

Aktualisierte IWF-Schätzungen.

Soweit nicht anders vermerkt.

Daten gelten für Haushaltsjahre (1. Juli–30. Juni).

Geschätzt.

Aktualisierte IWF-Schätzungen.

Soweit nicht anders vermerkt.

Nach der Abwertung des CFA-Franc verbesserte sich Anfang 1994 die internationale Wettbewerbsfähigkeit, was zu einer kräftigen Erholung im Sektor der handelbaren Güter führte. Im Zuge des Aufschwungs legten die Importe von Vorprodukten und Investitionsgütern 1995/96 wieder spürbar zu, und es kam zu einer geringfügigen Verringerung des Handelsbilanzüberschusses. Das Leistungsbilanzdefizit weitete sich von 2% im Jahr 1994/95 auf 2,5% des BIP aus, während das Defizit in der Kapitalbilanz infolge geringerer öffentlicher Schuldentilgungen und des Wiederanstiegs privater Kapitalimporte zurückging. Das Defizit in der Zahlungsbilanz sank 1995/96 um 7% des BIP.

Trotz relativ günstiger wirtschaftlicher Bedingungen und einem guten Start geriet das wirtschaftliche Anpassungsprogramm der Regierung für 1995/96, das von einer 1995 genehmigten Bereitschaftskreditvereinbarung des Fonds unterstützt wurde, gegen Ende des Jahres aus der Fahrbahn. Die Haushaltslage verbesserte sich 1995/96 zwar, als das Gesamtdefizit zurückging und der Primärüberschuß stieg, allerdings nicht in dem im Programm vorgesehenen Umfang. Zudem waren die Steuereinnahmen geringer und die Ausgaben höher als erwartet. 1995/96 wurde eine Reihe struktureller Reformen verspätet oder unvollständig umgesetzt, darunter die Reform des öffentlichen Dienstes und der Verwaltung, die Veräußerung staatlicher Unternehmen, die Restrukturierung des Bankensektors und die Verbriefung inländischer Zahlungsrückstände. Obwohl die Behörden die Zahlungsrückstände gegenüber öffentlichen Gläubigern im Ausland um 309 Mrd CFA-Franc verringerten, wurden die Zahlungsrückstände gegenüber diesen Gläubigern nicht vollständig abgebaut, weil es zu einem Fehlbetrag in der Primärbilanz, einem unerwarteten Aufbau von Einlagen des Staates beim Bankensystem und Ausfällen bei der externen Unterstützung des Programms gekommen war.

Zu den monetären Entwicklungen 1995/96 gehörten eine offenkundige Abschwächung der Geldnachfrage, eine geringfügige Verschlechterung der Nettoauslandsposition des Bankensystems und ein Anstieg der Kreditgewährung an den privaten Sektor. Die statistisch erfaßte Geldmenge in breiter Abgrenzung ging um 5% zurück, was einen Anstieg der Umlaufsgeschwindigkeit des Geldes implizierte und auf Probleme im inländischen Bankensystem zurückzuführen war.

Bei ihrer Sitzung nahmen die Direktoren die Kräftigung der wirtschaftlichen Erholung Kameruns im Jahre 1995/96, die von einem deutlichen Rückgang der Inflation und einer verbesserten Zahlungsbilanz begleitet wurde, zur Kenntnis. Sie bedauerten allerdings, daß die bei der Umsetzung der Finanzpolitik aufgetretenen Abweichungen und die Verzögerungen bei wesentlichen Strukturreformen zu einem weiteren Aufbau von Zahlungsrückständen geführt hätten, was die Glaubwürdigkeit des Wirtschaftsprogramms gefährde. Die Direktoren forderten die Behörden nachdrücklich dazu auf, die Durchfuhrung der haushalts- und strukturpolitischen Maßnahmen rasch zu verbessern, um die Ausarbeitung eines Programms zu fördern, das durch eine Vereinbarung unter der ESAF gestützt werden könne. Sofortige Maßnahmen würden auch zur Absicherung der aus der CFA-Franc-Abwertung entstandenen Vorteile beitragen und Kamerun die volle Ausschöpfung seines Wachstumspotentials ermöglichen.

Zwar erkannten die Direktoren an, daß Kamerun bei der Verbesserung seiner öffentlichen Finanzen Fortschritte erzielt habe, sie äußerten sich aber besorgt zu den Einnahmeausfällen und den Ausgabenüberschreitungen und ermahnten die Behörden, die Haushaltssituation des Landes zu verbessern und die im Budget der Regierung für 1996/97 vorgesehenen Maßnahmen sofort umzusetzen. Insbesondere forderten sie die Behörden mit Nachdruck dazu auf, die Effizienz der Steuerverwaltung zu erhöhen, Steuerbetrug einzudämmen, steuerliche Schlupflöcher zu schließen, die Ausgabenkontrolle zu verbessern und die Ausgaben streng zu überwachen sowie Prioritäten zu setzen. Die Direktoren merkten auch an, daß Kamerun mit der Liberalisierung des Handelsregimes und der Arbeitsmärkte vorangekommen sei. Sie äußerten sich jedoch besorgt zu den anhaltenden Verzögerungen bei der Umsetzung anderer Strukturreformen, insbesondere im Finanzsystem und bei öffentlichen Unternehmen.

Angesichts der Schuldenlast Kameruns waren die Direktoren enttäuscht über den weiteren Anstieg der Zahlungsrückstände gegenüber dem Ausland in jüngster Zeit; sie forderten die Behörden nachdrücklich dazu auf, diese im Einklang mit den Regelungen des letzten Abkommens mit dem Pariser Club zurückzuführen. Sie unterstrichen, daß eine Normalisierung der Beziehungen zu den ausländischen Gläubigern für die Mobilisierung neuer ausländischer Finanzhilfen zur Unterstützung der Anpassungsanstrengungen des Landes sehr wesentlich sei. Die Direktoren wiesen abschließend darauf hin, wie wichtig es sei, alle finanzund strukturpolitischen Programmziele für die zweite Jahreshälfte 1996 zu erreichen; dies werde es Kamerun ermöglichen, das Vertrauen seiner Geldgeber zurückzugewinnen und für die Erörterung einer ESAF-Vereinbarung eine ordnungsgemäße Politikdurchführung glaubwürdig nachzuweisen.

Kuwait

Das Direktorium erörterte die Artikel IV-Konsultation mit Kuwait im August 1996. Die wirtschaftliche Entwicklung war in den vorangegangenen drei Jahren im allgemeinen gut gewesen: Das Wachstum des nominalen BIP hatte durchschnittlich 11% betragen, und das nach der irakischen Besetzung durchgeführte Programm zum Wiederaufbau und zur Sanierung der Wirtschaft war erfolgreich abgeschlossen worden. 1995 trugen das wiedergewonnene Vertrauen der Privatwirtschaft und — zum Ende des Jahres — hohe Ölpreise zu einem kräftigen Wachstum des nominalen BIP von 8% bei (siehe Tabelle 33). Die Inflationsrate blieb niedrig.

Tabelle 33Kuwait: Konjunkturindikatoren1(Bei der Direktoriumsaussprache im August 1996 vorliegende Daten)
19931994199519962
Prozent
Binnenwirtschaft
Veränderung des nominalen BIP23,61,68,01,9
Veränderung der Verbraucherpreise (Periodendurchschnitt)0,42,31,0
Milliarden US-Dollar3
Außenwirtschaft
Ausfuhren, fob10,211,112,612,9
Einfuhren, fob7,06,77,79,1
Leistungsbilanz1,92,43,73,0
Direkt- und Portfolioinvestitionen−0,7−1,0−0,3−0,4
Kapital bilanz−0,9−1,5−4,5−3,8
Bruttoreserven43,63,73,63,6
Leistungsbilanz (Prozent des BIP)8,19,613,911,1
Auslandsschulden (Prozent des BIP)524,525,515,03,3
Veränderung des realen effektiven Wechselkurses (Prozent)−2,1−3,6−0,2
Prozent des BIP3
Finanzielle Größen
Finanzierengssaldo des gesamten Staatssektors−22,4−17,7−11,7−6,9
Bruttoerspamis (Prozent des BSP)31,035,329,0
Veränderung der breit abgegrenzten Geldmenge (Prozent)5,65,49,44,5
Zinssatz für Dreimonats-Interbankgelder (Prozent)7,430,277,070,84

Haushaltsdaten gelten für ein jeweils im Juni ablaufendes Jahr; die übrigen Daten gelten für jeweils ein Kalenderjahr.

IWF-Schätzungen.

Soweit nicht anders vermerkt.

Lediglich Reserven der Zentralbank von Kuwait.

Lediglich staatliche Auslandsverschuldung.

Haushaltsdaten gelten für ein jeweils im Juni ablaufendes Jahr; die übrigen Daten gelten für jeweils ein Kalenderjahr.

IWF-Schätzungen.

Soweit nicht anders vermerkt.

Lediglich Reserven der Zentralbank von Kuwait.

Lediglich staatliche Auslandsverschuldung.

Aufgrund höherer Öl-Einnahmen und Ausgabenkürzungen verbesserte sich die Haushaltslage 1994/95, als die Defizitquote auf 11,7% des BIP zurückging, von 17,7% im Jahr davor. Allerdings blieb die Budgetstruktur schlecht. Kuwaits Abhängigkeit von Öleinnahmen hatte sich während der letzten Jahre vergrößert, da die Zinseinkommen aus Anlagen im Ausland infolge des Abschmelzens der Auslandsguthaben einen geringeren Beitrag zu den Staatseinnahmen leisteten. Außerdem waren die laufenden Ausgaben für Löhne, Gehälter, Subventionen, Binnentransfers und Verteidigung nach der Befreiung des Landes gestiegen.

Das aufgrund der irakischen Invasion gestörte Vertrauen der Privatwirtschaft in den Finanzsektor wurde durch die ermutigenden Rückzahlungen wiederhergestellt, die unter dem Schuldenkonsolidierungsprogramm geleistet wurden. (Das Programm erstreckte sich auf die im Zusammenhang mit dem Zusammenbruch des informellen Aktienmarktes 1982 und der Invasion von 1990 notleidend gewordenen Kredite.)

Die Verbesserung im Haushaltsbereich schlug sich 1995 auch in der Zahlungsbilanz nieder; der Leistungsbilanzüberschuß stieg von 9,6% des BIP im Jahre 1994 auf 13,9%. Die Zahlungsbilanz profitierte überdies davon, daß das im Zusammenhang mit dem militärischen Alarmzustand von 1994 abgeflossene Kapital wieder zurückkehrte. Die Verschuldung des Staates gegenüber dem Ausland ging von 25,5% des BIP Ende 1994 auf 12% Ende März 1996 zurück, da das von einem internationalen Bankenkonsortium nach der Befreiung gewährte Bankdarlehen wie vorgesehen zurückgezahlt worden war.

Das Direktorium lobte die Behörden für die erfolgreiche Umsetzung des Programms zum Wiederaufbau und zur Sanierung der Wirtschaft sowie für die Aufrechterhaltung des Wirtschaftswachstums bei niedriger Inflation. Diese Entwicklung versetze Kuwait in die gute Lage, die verbliebenen wirtschaftlichen und finanziellen Herausforderungen entschlossen anzugehen; hierzu zählten die Wiederherstellung einer soliden Haushaltsposition, die weitere Stärkung der Integrität des Finanzsystems, die Reform des Arbeitsmarktes und die Schaffung von Arbeitsplätzen. Die Direktoren begrüßten die Aufnahme dieser wirtschaftspolitischen Prioritäten in den Fünfjahresentwicklungsplan, der durch das dem Parlament vorliegende Privatisierungsgesetz weiteren Rückhalt erfahre.

Die Direktoren führten aus, daß eine Neubewertung der Rolle des Staates und die Beseitigung des Haushaltsdefizits Voraussetzungen für die Wiederherstellung von Kuwaits Tradition seien, Vermögenswerte für künftige Generationen anzusammeln. Um den Haushaltsfehlbetrag wie vorgesehen bis zum Jahre 1999/2000 zu beseitigen, seien sofort konzentrierte Anstrengungen erforderlich; diese sollten bereits im Fiskaljahr 1996/97 mit einer kräftigen Verringerung des Defizits beginnen. Zu diesem Zweck empfahlen die Direktoren die Kürzung von Subventionen und Übertragungen, die Erhöhung der Zölle und die Begrenzung der Personalausgaben über verringerte Neueinstellungen im öffentlichen Sektor. Die Behörden müßten auch mit größerer Entschlossenheit die Ausgaben nach Einsparmöglichkeiten durchforsten, die inländische Steuerbemessungsgrundlage verbreitern und die Steuerverwaltung stärken.

Die Direktoren nahmen das wiedergewonnene Vertrauen des Privatsektors in das Finanzsystem zur Kenntnis. Dies komme zum Ausdruck in Kapitalrückflüssen aus dem Ausland, in der Zunahme der Einlagen in in- und ausländischer Währung, in der Verringerung der Zinsunterschiede zwischen dem kuwaitischen Dinar und dem US-Dollar und im Kurs- und Umsatzanstieg am Aktienmarkt. Sie riefen dazu auf, zusammen mit einer Stärkung des Regulierungsrahmens und des Aufsichtssystems das Schuldenkonsolidierungsprogramm strikt umzusetzen, um das Vertrauen weiter zu fördern.

Die Direktoren betonten, daß Strukturreformen die Auswirkungen staatlicher Ausgabenkürzungen auf den Bereich außerhalb des Ölsektors klein halten könnten. Sie begrüßten daher die Intensivierung des Privatisierungsund Deregulierungsprogramms. Die Direktoren unterstrichen auch, daß über den Abbau von Marktverzerrungen die Flexibilität und Funktionsweise des Arbeitsmarktes verbessert werden müßten, um die Entwicklung des Privatsektors zu fördern; hierzu gehöre auch die Beseitigung von Gehaltsvorteilen und sonstigen Vergünstigungen, die dazu führten, daß der Staatsdienst einer Beschäftigung in der Privatwirtschaft vorgezogen werde.

Die Direktoren lobten die Behörden dafür, daß diese ein liberales Handels- und Zahlungssystem, Kapitalbilanzkonvertibilität und ein großzügiges Entwicklungshilfeprogamm beibehalten hätten. Sie ermutigten die Behörden auch dazu, einer Verbesserung des statistischen Berichtswesens und des Informationsflusses zwischen den Regierungsstellen höhere Priorität einzuräumen.

Malaysia

Das Direktorium erörterte die Artikel IV-Konsultation mit Malaysia im August 1996. Angetrieben von expandierenden Investitionen und Exporten sowie einem Anstieg des privaten Verbrauchs hatte sich die Wirtschaft 1995 mit einem Wachstum des realen BIP in Höhe von 9,5% für das Gesamtjahr wiederum günstig entwickelt (siehe Tabelle 34). Die Gefahr einer Überhitzung hatte zugenommen, als sich der Nachfragedruck in der zweiten Jahreshälfte 1995 noch verstärkte. Die Nachfrageexpansion erreichte 14,5% im Gesamtjahr, die Kapazitätsauslastung erhöhte sich, der Nachfrageüberhang vergrößerte sich, und die Anspannungen auf dem Arbeitsmarkt verschärften sich weiter. Während die Inflationsrate auf der Verbraucherstufe geringfügig auf 3,5% zurückging — wofür niedrigere Importpreise auf Ringgit-Basis, eine Straffung der Geldpolitik, Maßnahmen zur Beseitigung von Angebotsengpässen und zur Verbesserung des Distributionssystems sowie administrative Schritte verantwortlich waren —, schlug sich der Nachfragedruck im wesentlichen im Leistungsbilanzdefizit nieder, das sich 1995 um 2,5 Prozentpunkte auf 8 ¼% des BIP erhöhte.

Tabelle 34Malaysia: Konjunkturindikatoren

(Bei der Direktoriumsaussprache im August 1996 vorliegende Daten)1

1993199419951996
Vorausschätzungen

zum Zeitpunkt

der Direktoriums-

aussprache
Ergebnis2
Prozent
Binnenwirtschaft
Veränderung des realen BIP8,39,29,58,88,2
Arbeitslosenquote3,02,92,82,82,6
Veränderung der Verbraucherpreise (Periodenende)23,53,73,44,03,5
Milliarden US-Dollar1
Außenwirtschaft
Ausfuhren, fob246,056,671,381,076,6
Einfuhren, fob242,854,971,081,073,1
Leistungsbilanz2−2,9−4,2−7,0−7,8−5,2
Langfristige private Kapitalströme, netto23,23,62,52,74,5
Kapitalbilanz210,81,56,411,29,2
Bruttoreserven (Jahresende)28,326,725,128,427,7
Leistungsbilanz (Prozent des BIP)−4,0−5,9−8,3−8,2−5,2
Auslandsschulden (Prozent des BIP)42,837,537,541,538,1
Schuldendienst (Prozent der Ausfuhr von Waren und Diensten)7,35,87,17,45,7
Veränderung des realen effektiven Wechselkurses (Jahresdurchschnitt; Prozent)−0,4−3,20,44,2
Prozent des BIP1
Finanzielle Größen
Konsolidierter Finanzierungssaldo des öffentlichen Sektors2−4,71,30,6−1,01,2
Bruttoersparnis230,532,732,432,036,0
Bruttoinvestitionen235,138,740,740,141,2
Veränderung der Gesamtliquidität (M3; Jahresende; Prozent)23,813,818,222,023,7
Zinssatz für Drrinionats-Intcrbankgelder (Jahresdurchschnitt; Prozent)7,25,16,17,237,2

Soweit nicht anders vermerkt.

Nach der Direktoriumsaussprache bereitgestellte offizielle Daten. Für 1993-95 lauten die offiziellen Angaben wie folgt: Veränderung der Verbraucherpreise—3,6 (1993); Ausfuhren—71,6 (1995); Einfuhren—71,5 (1995); Leistungsbilanz— −3,1 (1993), −4,6 (1994), −7,5 (1995); langfristige private Kapitalströme, netto—5,0 (1993), 4,3 (1994), 4,1 (1995); Kapitalbilanz—1,3 (1994), 7,4 (1995); konsolidierter Finanzierungssaldo des öffentlichen Sektors 2,2 (1993), 3,5 (1994), 2,9 (1995); Bruttoersparnis—33,0 (1993), 34,0 (1994), 34,7 (1995); Bruttoinvestitionen—37,8 (1993), 40,4 (1994), 43,2 (1995).

Erstes Quartal.

Soweit nicht anders vermerkt.

Nach der Direktoriumsaussprache bereitgestellte offizielle Daten. Für 1993-95 lauten die offiziellen Angaben wie folgt: Veränderung der Verbraucherpreise—3,6 (1993); Ausfuhren—71,6 (1995); Einfuhren—71,5 (1995); Leistungsbilanz— −3,1 (1993), −4,6 (1994), −7,5 (1995); langfristige private Kapitalströme, netto—5,0 (1993), 4,3 (1994), 4,1 (1995); Kapitalbilanz—1,3 (1994), 7,4 (1995); konsolidierter Finanzierungssaldo des öffentlichen Sektors 2,2 (1993), 3,5 (1994), 2,9 (1995); Bruttoersparnis—33,0 (1993), 34,0 (1994), 34,7 (1995); Bruttoinvestitionen—37,8 (1993), 40,4 (1994), 43,2 (1995).

Erstes Quartal.

Durch ein Maßnahmenbündel aus Beschränkungen der Kreditvergabe für den Erwerb von Automobilen und Grundstücken einerseits sowie einer Erhöhung der Mindestreserve und der Interbankenzinsen andererseits wurde die Geldpolitik zwischen Oktober 1995 und Mai 1996 gestrafft. Der Überschuß des öffentlichen Gesamthaushalts ging im Jahre 1995 um 2 3/4 Prozentpunkte auf 1% des BIP zurück. Die langfristigen Kapitalzuflüsse erhöhten sich zwar, die Währungsreserven verringerten sich jedoch um 1,5 Mrd $ auf 25 Mrd $. Der Wechselkurs blieb 1995 — sowohl in nominaler wie auch in realer Rechnung — in etwa stabil; allerdings wertete er sich während der ersten fünf Monate von 1996 um 3,5% auf.

Unter dem Sechsten Plan (1991-95) wurden mit Ausnahme der vorgesehenen Erhöhung der privaten Sparquote und — damit zusammenhängend — einer Verringerung des Leistungsbilanzdefizits die meisten makroökonomischen Ziele erreicht oder übertroffen. Da das Leistungsbilanzdefizit im wesentlichen durch ausländische Direktinvestitionen finanziert wurde und wegen des anhaltend kräftigen Wachstums des BIP und der Exporte gingen die Schulden- und Schuldendienstindikatoren während dieses Zeitraums leicht zurück und blieben im internationalen Vergleich niedrig. Die Armutsquote wurde von 17% im Jahre 1990 auf 9,5% im Jahre 1995 verringert. Auf dem Gebiet der Strukturreformen wurde die Grundschulausbildung stufenweise von 9 auf 11 Jahre ausgeweitet und andere strukturelle Maßnahmen, wie die Reform des Arbeitsmarktes, der Steuern, des Handels und des Finanzsektors, in Kraft gesetzt.

Bei ihrer Erörterung lobten die Direktoren die Behörden für Malaysias weiterhin beeindruckende wirtschaftliche Entwicklung, die durch ein solides, exportorientiertes Wachstum, niedrige Inflation und einen bemerkenswerten sozialen Fortschritt bei der Verringerung der Armut und der Verbesserung der Einkommensverteilung gekennzeichnet sei. Eine anhaltend besonnene Wirtschaftspolitik und weitreichende Strukturreformen untermauerten diese Erfolge. Die Behörden stünden vor der Herausforderung, das rasche Wachstum in den Griff zu bekommen, um die für ein nachhaltiges Wachstum ausschlaggebende gesamtwirtschaftliche Stabilität zu bewahren.

Die Direktoren werteten die angespannte Lage auf den Faktormärkten und die Vergrößerung des Leistungsbilanzdefizits als Zeichen eines anhaltend hohen Nachfragedrucks. Obwohl die nationale Sparquote im internationalen Vergleich hoch und das Leistungsbilanzdefizit im wesentlichen auf steigende Investitionen zurückzufuhren sei, vertraten die Direktoren die Auffassung, daß das Ausmaß des Defizits und das zunehmende Vertrauen auf Kapitalimporte, die zu höherer Verschuldüng führten, mit Risiken verbunden seien. Das Direktorium forderte die Behörden daher mit Nachdruck dazu auf, frühzeitig Maßnahmen zur Dämpfung der Überhitzung zu ergreifen und das Defizit auf einen deutlich nach unten gerichteten Pfad zu bringen. Da die geldpolitischen Handlungsmöglichkeiten aufgrund der hohen Kapitalimporte beschränkt seien, komme der Finanzpolitik im Rahmen des erforderlichen Policy Mix eine Schlüsselrolle zu. Die Direktoren empfahlen den Behörden dringend, die für 1996 prognostizierte Verschlechterung der öffentlichen Haushalte zu begrenzen und 1997 wieder einen Haushaltsüberschuß auszuweisen. Sie begrüßten die Absicht der Behörden, Vorschläge für Ausgabeneinsparungen und einnahmeerhöhende Maßnahmen zu prüfen, wozu die Zurückstellung von weniger wichtigen staatlichen Investitionsvorhaben, weitere Kürzungen bei den Investitionsanreizen und die baldige Einführung einer Mehrwertsteuer gehörten.

In Anbetracht des anhaltend kräftigen Wachstums der Geldmenge und des Kreditvolumens sprachen sich mehrere Direktoren für eine weitere Straffung der Geldpolitik aus. Die Direktoren wiesen auch darauf hin, daß die Bereitschaft der Behörden zu größerer Wechselkursflexibilität die Wirksamkeit der Geldpolitik steigern würde. Die Schwierigkeit, das Leistungsbilanzdefizit über eine höhere private Ersparnis — insbesondere auf kurze Frist — wesentlich zu verringern, unterstreiche jedoch die Notwendigkeit, sich stärker auf die Finanzpolitik zu stützen, um die öffentliche Ersparnis zu erhöhen.

Die Direktoren stellten fest, daß Malaysias hohes Investitionsniveau und der rasche Anstieg der Faktorproduktivität für ein tragfähiges Wachstum in der Zukunft vielversprechend seien, vorausgesetzt, der Schwung bei der Liberalisierung und bei den Strukturreformen werde beibehalten. Die Direktoren unterstützten Maßnahmen zum Ausbau des Dienstleistungssektors — auch durch Steuerreformen. Die Direktoren setzten sich ferner für Arbeitsmarktreformen ein, wozu ein flexibleres, produktivitätsorientiertes Lohnsystem gehöre, und für eine Stärkung des Erziehungs- und Ausbildungswesens. Weitere Reformen im Finanzsektor seien ebenfalls wichtig, wie beispielsweise Deregulierungsschritte zum Aufbau eines Rentenmarktes und eine stärkere Verwendung indirekter geldpolitischer Instrumente. Eine anhaltend wirksame Beaufsichtigung der Geschäftsbanken und anderer Finanzinstitute würde die Liberalisierung des Finanzmarktes erleichtern. Die Direktoren sprachen sich auch mit Nachdruck für eine weitere Reform des Handels und der Zölle sowie für die Abschaffung von Preiskontrollen aus.

Mexiko

Das Direktorium erörterte die Artikel IV-Konsultation mit Mexiko im August 1996. Zwar hatten die Nachwirkungen der Finanzkrise von 1994 im Jahre 1995 zu einem Produktionsrückgang um etwa 6,2% geführt, das reale BIP erhöhte sich jedoch im ersten Quartal 1996 gegenüber dem letzten Quartal 1995 um 2,8%. Als Folge der Erholung sank die offene Arbeitslosigkeit von 7,4% im dritten Quartal 1995 auf 5,4% im Mai 1996. Unterdessen ging die Inflationsrate im Zwölfmonatsvergleich von 52% im Dezember 1995 auf 32% im Juni 1996 zurück.

Die Haushaltsentwicklung war im Verlauf von 1995 besser als vorgesehen, hauptsächlich wegen geringerer Personalausgaben und Finanzzuweisungen an die Staaten sowie einer Unterschreitung der geplanten Investitionsausgaben. Im wesentlichen aufgrund der Auswirkungen unerwartet hoher Weltmarktpreise für Öl und hinter den Planansätzen zurückbleibender Ausgaben schloß der Haushalt im ersten Quartal 1996 erheblich günstiger ab als erwartet. Die Beschränkungen, denen sich die Geldpolitik Anfang 1995 gegenübersah, als Verzögerungen bei der Auszahlung von Auslandskrediten zu einem Anstieg der Nettoinlandsaktiva und einem Rückgang der Nettowährungsreserven führten, ließen Mitte März nach, als die Finanzmittel aus dem Ausland zur Verfügung standen. Im Oktober und November veranlaßte eine zweite Periode mit Finanzmarktturbulenzen die Behörden zur Straffung der Geldpolitik. Während des ersten Quartals 1996 führte eine außerplanmäßig hohe Kreditaufnahme des Staates im Ausland zu einem drastischen Anstieg der Währungsreserven und war für einen erheblichen Rückgang der Nettoinlandsaktiva verantwortlich.

In der ersten Jahreshälfte von 1996 verbesserten sich Mexikos wichtigste Finanzmarktindikatoren stetig. Der Aktienkursindex stieg um etwa 15%. Der Zinssatz für Schatzwechsel mit 28-tägiger Laufzeit ging von etwa 50% auf 28% zurück, und der Peso wertete sich etwas auf. In den ersten fünf Monaten verzeichnete Mexiko einen Handelsbilanzüberschuß: Die Warenexporte stiegen um 22% und die Warenimporte um 20%.

Die Direktoren nahmen mit Genugtuung die Erholung der Wirtschaftstätigkeit und der Beschäftigung, den scharfen Rückgang der Inflation im Jahre 1996 sowie die Verbesserung der Zahlungsbilanz zur Kenntnis. Sie stellten fest, daß die entschlossene Umsetzung der auf Inflationsabbau ausgerichteten Geldpolitik zum Rückgang der Zinsen bei relativer Wechselkursstabilität beigetragen habe. Dies wiederum habe das Vertrauen der Investoren gestärkt und zu einem erhöhten Zustrom privaten Kapitals geführt.

Trotz der günstigeren wirtschaftlichen Entwicklung gebe es weiterhin Problembereiche, unterstrichen die Direktoren. Insbesondere das Bankensystem bleibe labil, und die notleidend gewordenen Kredite seien — wenngleich etwas langsamer — weiter angestiegen und hätten verschiedene Unterstützungsprogramme notwendig gemacht. Sie waren besorgt über die mit diesen Programmen verbundenen hohen Belastungen für den Staatshaushalt und die dadurch möglicherweise geschaffenen Anreize für ein nachlässiges Verhalten (moral hazard); sie begrüßten die Absicht der Regierung, den Bankschuldnern keine weiteren direkten Erleichterungen durch neue Programme zu gewähren.

Das Direktorium hob hervor, daß die Behörden auch künftig Forderungen nach einer Lockerung ihrer Wirtschaftspolitik widerstehen sollten und bereit sein müßten, zur Realisierung der wichtigsten Programmziele erforderlichenfalls kompensierende Maßnahmen zu ergreifen. Eine weiterhin straffe Geldpolitik werde zum Abbau der Inflation benötigt, die höher geblieben sei als erwartet.

Die Direktoren wiesen daraufhin, daß Mexiko während der nächsten Jahre mehreren zentralen Herausforderungen gegenüberstehe. Vordringlich sei es, das Wirtschaftswachstum zu erhöhen, um den Lebensstandard der Bevölkerung zu verbessern. Um mittelfristig Disziplin bei den öffentlichen Finanzen zu wahren, seien weitere Reformen im Steuerbereich und bei der Ausgabenkontrolle vonnöten. Die Wiederherstellung und Erhaltung gesamtwirtschaftlicher Stabilität sei für die Stärkung des Vertrauens der Investoren und zur Förderung von Mexikos Zugang zu langfristigen Finanzmitteln im Ausland sehr wichtig, insbesondere in Anbetracht des absehbaren “Buckels” bei der Bedienung seiner Auslandsschulden in den Jahren 1998 bis 2000. Begleitet werden müsse dies von einem Anstieg der inländischen Ersparnis, um das Leistungsbilanzdefizit auf einem dauerhaft tragfähigen Niveau zu halten. Die Direktoren begrüßten die Absicht der Behörden, ein umfassendes, mittelfristig angelegtes Programm auszuarbeiten, das die bereits laufenden Anstrengungen zur Stabilisierung und bei der Strukturreform festige; sie standen der Absicht der Regierung positiv gegenüber, die Unterstützung des Fonds für dieses Programm zu beantragen, das sich ihrer Meinung nach auf Strukturmaßnahmen konzentrieren sollte.

Seit der Aussprache im Direktorium hat der Aufschwung weiter an Kraft gewonnen. Das reale BIP ist 1996 um 5,1% gewachsen, verglichen mit einer (vor der Aussprache im Direktorium vorgenommenen) Schätzung von 3,6% (siehe Tabelle 35). Die Inflationsrate auf Zwölfmonatsbasis ging bis zum Jahresende auf 27,7% zurück, nach 52% im Dezember 1995. Zum Jahresende 1996 war die Arbeitslosenquote in etwa wieder auf ein Niveau gesunken, das vor der Krise bestanden hatte. Das Leistungsbilanzdefizit für 1996 wurde auf etwa halb so hoch geschätzt (0,5% des BIP), wie zuvor angenommen worden war (1,2% des BIP); dies trug zu einem Anstieg der Nettowährungsreserven auf 5,8 Mrd $ bei, die damit mehr als viermal so hoch wie das Programmziel von 1,4 Mrd $ waren. Hauptsächlich aufgrund der unerwartet hohen Ölpreise schlossen die öffentlichen Haushalte insgesamt mit einem kleinen Überschuß von 0,2% des BIP ab, verglichen mit dem Programmziel eines ausgeglichenen Haushalts. Als Folge der anhaltenden Verbesserung des Vertrauensklimas waren die Kapitalzuflüsse hoch geblieben; dies hatte 1996 zu einer Aufwertung des gewogenen realen Wechselkurses von 9,9% beigetragen, nachdem es noch 1995 zu einer realen Abwertung um 95,9% gekommen war. Die Kapitalimporte ermöglichten auch eine Umstrukturierung der Auslandsverschuldung hin zu längeren Laufzeiten und zu günstigeren Zinsen. Im Januar 1997 führten die mexikanischen Behörden alle gegenüber dem Wechselkursstabilisierungsfonds der USA ausstehenden Verbindlichkeiten (3,5 Mrd $) zurück, und im ersten Quartal 1997 nahmen sie Rückkäufe vor Fälligkeit beim Fonds im Umfang von 2,3 Mrd $ vor.

Tabelle 35Mexiko: Konjunkturindikatoren

(Bei der Direktoriumsaussprache im August 1996 vorliegende Daten)1

1993199419951996
Vorausschätzungen

zum Zeitpunkt

der Direktoriums-

aussprache
Ergebnis2
Prozent
Binnenwirtschaft
BIP (jährliche Veränderung)2,04,4−6,23,65,1
Arbeitslosen quote (Durchschnitt)3,43,76,35,55,5
Inflationsrate (Periodenende)8,07,152,025,027,7
Milliarden US-Dollar1
Außenwirtschaft
Ausfuhren351,960,979,596,0
Einführen3−65,4−79,3−72,5−89,5
Leistungsbilanz−23,4−29,7−1,6−3,4−1,9
Direktinvestitionen4,411,09,56,37,6
Portfolioinvestitionen428,98,2−9,714,2
Kapitalbilanz532,514,615,43,3
Bruttoreserven25,36,517,116,619,5
Leistungsbilanz (Prozent des BIP)−5,8−7,0−0,5−1,2−0,6
Auslandsschulden (Prozent des BIP)32,733,859,356,649,3
Schuldendienst (Prozent der Ausfuhr von Waren und Nichtfaktor-diensten und Übertragungen)26,227,724,728,0
Veränderung des realen effektiven Wechselkurses66,414,095,9−9,9
Prozent des BIP1
Finanzielle Größen
Finanzierungssaldo des gesamten Staatssektors70,7−0,10,0−0,1
Bruttoersparnis15,314,719,217,820,3
Bruttoinlandsinvestitionen21,021,719,719,020,9
Veränderung der breit abgegrenzten Geldmenge (M4; Prozent)26,524,120,730,1
Nominaler Zinssatz (Prozent)815,014,148,429,031,4

Soweit nicht anders vermerkt.

Aktualisierte IWF-Schätzungen.

Einschließlich “in-bond”-Industrie.

Einschließlich Kapitalbeteiligungen, Plazierungen privater und öffentlicher Anleihen auf den internationalen Märkten und Käufe von Regierungsanleihen durch Ausländer.

EinschließlichVerbindlichkeiten gegenüber dem IWF und Finanzhilfen, die Mexiko 1995 von anderen Gläubigern insgesamt bereitgestellt wurden.

Realer Wechselkurs am Periodenende, auf Basis relativer Lohnstückkosten im verarbeitenden Gewerbe; eine positive Zahl zeigt eine Abwertung des Peso an.

Daten für den gesamten Staatssektor sind nicht vorhanden. Die angegebenen Zahlen gelten für den gesamten nichtfinanziellen öffentlichen Sektor (Zentralregierung und Staatsbetriebe).

Für Einmonats-Schatzwechsel (Durchschnitt der Primärauktion).

Soweit nicht anders vermerkt.

Aktualisierte IWF-Schätzungen.

Einschließlich “in-bond”-Industrie.

Einschließlich Kapitalbeteiligungen, Plazierungen privater und öffentlicher Anleihen auf den internationalen Märkten und Käufe von Regierungsanleihen durch Ausländer.

EinschließlichVerbindlichkeiten gegenüber dem IWF und Finanzhilfen, die Mexiko 1995 von anderen Gläubigern insgesamt bereitgestellt wurden.

Realer Wechselkurs am Periodenende, auf Basis relativer Lohnstückkosten im verarbeitenden Gewerbe; eine positive Zahl zeigt eine Abwertung des Peso an.

Daten für den gesamten Staatssektor sind nicht vorhanden. Die angegebenen Zahlen gelten für den gesamten nichtfinanziellen öffentlichen Sektor (Zentralregierung und Staatsbetriebe).

Für Einmonats-Schatzwechsel (Durchschnitt der Primärauktion).

Südafrika

Das Direktorium erörterte die Artikel IV-Konsultation mit Südafrika im Mai 1996. 1995 hatte Südafrika im dritten aufeinanderfolgenden Jahr stetige Fortschritte erzielt und die wirtschaftlichen Stürme, die seinen politischen Übergangsprozeß begleiteten, erfolgreich überstanden. Zu seinen Erfolgen zählten die Verringerung des Preisanstiegs auf der Verbraucherstufe im Vorjahresvergleich (auf 5,5% im April 1996, von 11% im April 1995), eine Aufstockung der realen Nettoinvestitionen als Anteil des BIP um 1,5 Prozentpunkte und ein Wachstum des realen BIP von 3,3% (siehe Tabelle 36). Während dieses Zeitraums von drei Jahren hielten die Behörden an einer straffen Geld- und Finanzpolitik fest.

Tabelle 36Südafrika: Konjunkturindikatoren

(Bei der Direktoriumsaussprache im Mai 1996 vorliegende Daten)1

1993199419951996
Vorausschätzungen

zum Zeitpunkt

der Direktoriums-

aussprache
Ergebnis2
Präsent
Binnenwirtschaft
Veränderung des realen BIP1,32,73,34,03,1
Arbeitslosenquote32,0
Veränderung der Verbraucherpreise (Periodendurchschnitt)9,79,08,67,57,4
Milliarden US-Dollar1
Außenwirtschaft
Ausfuhren24,124,727,931,129,1
Einfuhren, fob−18,3−21,5−27,1−29,5−27,1
Leistungsbilanz1,7−0,6−3,5−3,4−2,0
Direktinvestitionen−0,30,50,40,50,6
Portfolioinvestitionen1,00,32,01,50,5
Kapitalbilanz−4,51,56,03,03,4
Bruttoreserven2,73,14,32,22,2
Leistungsbilanz (Prozent des BIP)1,5−0,5−2,6−2,5−2,0
Auslandsschulden (Prozent des BIP)14,815,315,517,019,0
Schuldendienst (Prozent der Ausfuhr von Waren und Diensten)10,310,813,817,416,6
Veränderung des realen effektiven Wechselkurses (Prozent)−4,4−3,1−8,1
Prozent des BIP1
Finanzielle Größen
Finanzierungssaldo des gesamten Staatssektors3−6,0−5,7−5,5−5,1−5,1
Bruttoersparnis17,217,210,717,316,5
Bruttoinvestitionen15,717,719,319,818,0
Veränderung der breit abgegrenzten Geldmenge (Prozent)7,015,715,112,013,6
Zinssatz (Prozent)412,013,015,017,0

Soweit nicht anders vermerkt.

Aktualisierte IWF-Schätzungen.

Zentralregierung; Haushaltsjahr-Basis (April-März).

Diskontsatz; Periodenende.

Soweit nicht anders vermerkt.

Aktualisierte IWF-Schätzungen.

Zentralregierung; Haushaltsjahr-Basis (April-März).

Diskontsatz; Periodenende.

Trotz der Abschaffung der Devisenkontrollen für Gebietsfremde im März 1995 und der Ausweitung des Leistungsbilanzdefizits auf 2,6% des BIP im Jahre 1995 (von 0,5% des BIP im Jahre 1994) blieb der Rand während des Jahres 1995 stabil, was eine erheblich verbesserte Einschätzung Südafrikas durch internationale Investoren widerspiegelte. Dieses neu entstandene Vertrauen bildete die Grundlage für eine Erhöhung der längerfristigen Kapitalimporte in der zweiten Hälfte von 1995 bis in das Jahr 1996 hinein — sie stiegen 1995 auf 6 Mrd $, von 1,5 Mrd $ im Jahre 1994. Allerdings schwächte sich der Rand aufgrund politischer Unsicherheiten und der Spekulation, daß die Devisenkontrollen für Gebietsansässige vollständig aufgehoben würden, Mitte Februar 1996 und erneut Ende März ab. Als Reaktion hierauf wiederholten die Behörden ihre Absicht, die Devisenkontrollen für Gebietsansässige stufenweise zu liberalisieren und die seit den Wahlen von 1994 verfolgte “marktfreundliche” Politik fortzusetzen.

Ende 1994 betrug die offen ausgewiesene Arbeitslosigkeit 32% aller Erwerbstätigen und mehr als 40% unter den schwarzen Erwerbstätigen. Seither hat die Beschäftigung in der Privatwirtschaft (außerhalb des Landwirtschaftssektors) um weniger als 1% zugenommen, während die Zahl der Erwerbspersonen um mehr als 2,5% gestiegen ist. Zumindest teilweise spiegelte die Arbeitslosigkeit fortbestehende Probleme bei der Wettbewerbsfähigkeit wider.

Bei ihrer Aussprache lobten die Direktoren die Behörden für die Verfolgung einer besonnenen Wirtschaftspolitik, welche die Verringerung des Haushaltsdefizits 1995/96, die Straffung der Geldpolitik als Reaktion auf den Ende 1994 aufgetretenen Inflationsdruck, die Liberalisierung der Handels- und der Kapitalverkehrsbeschränkungen und die Verabschiedung neuer Gesetze zur Regelung der Beziehungen zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern beinhaltet habe. Sie führten aus, daß diese Maßnahmen zwar unentbehrlich für die Erhöhung des Vertrauens der Märkte gewesen seien, unterstrichen aber, daß eine weitere Straffung der Geldpolitik Voraussetzung sei für die Rückgewinnung der Stabilität an den Finanzmärkten und zur Eindämmung der Inflation. Die Direktoren erkannten zugleich an, daß die Behörden konkurrierenden Forderungen ausgesetzt seien, die dringenden sozialen Probleme der Bevölkerung zu lösen. Diesbezüglich begrüßten sie es, daß die Behörden der Förderung von Wachstum und Beschäftigung Priorität einräumten.

Die Direktoren waren zwar der Ansicht, daß die jüngste Abwertung des Rand richtig gewesen sei; zusätzliche wirtschaftspolitische Maßnahmen seien aber erforderlich, um den inflationären Impuls, der sich bereits aus der Abwertung ergeben hätte, zu begrenzen und das Vertrauen an den Devisenmärkten wiederherzustellen. Auf diesen Gebieten würden Fortschritte benötigt, so warnten sie, um zu verhindern, daß ein Anstieg der Inflation den Beitrag der Abwertung zur Wettbewerbsfähigkeit untergrabe. Zwar begrüßten die Direktoren die im März 1995 erfolgte Abschaffung der Devisenkontrollen für Gebietsfremde, sie merkten allerdings an, die Wirtschaft sei aufgrund dieser Maßnahme Umschwüngen im Anlegerverhalten unmittelbarer ausgesetzt; die Finanz- und Geldpolitik müsse daher entsprechend reagieren. Vor diesem Hintergrund unterstützten die Direktoren die Ende April 1996 erfolgte Erhöhung des Leitzinses sowie die Entscheidung der Behörden, die Devisenkontrollen für Gebietsansässige schrittweise zu liberalisieren.

Die Direktoren betonten, das Vertrauen der Investoren werde durch die Ankündigung eines Pakets mittelfristig angelegter Strukturreformen gestärkt, mit dessen Hilfe etwas gegen die hohe Arbeitslosigkeit und das niedrige Wachstum unternommen werde. Ein solches Programm müsse darauf abzielen, die Nachfrage nach ungelernten Arbeitskräften zu erhöhen und die Wettbewerbsfähigkeit der südafrikanischen Industrie zu verbessern. In diesem Zusammenhang wurde die wichtige Rolle weiterer Handelsliberalisierung für die Steigerung der wirtschaftlichen Effizienz und des Wachstums unterstrichen. Die Geldpolitik solle sich weiterhin auf die Bekämpfung der Inflation konzentrieren, die Wechselkurspolitik die Handelsliberalisierung unterstützen und die Finanzpolitik zur Stärkung der inländischen Ersparnis beitragen.

Im Anschluß an die Direktoriumserörterung legte das Finanzministerium im Juni 1996 die Strategie der Behörden für Wachstum, Beschäftigung und Umverteilung vor, die darauf ausgerichtet ist, das Wirtschaftswachstum und die Beschäftigung mittelfristig zu erhöhen. Sie enthält Verpflichtungen zu einer zügigeren haushaltspolitischen Konsolidierung und zu einer Reform der Devisenkontrollen, die vollständig im Budget für 1997/98 ihren Niederschlag gefunden haben, sowie weitere Maßnahmen zur Strukturreform. Anfang 1997 gewann der Rand an Wert; hierin spiegelten sich das wiedergewonnene Vertrauen in die Politik und eine Verbesserung der Leistungsbilanz wider.

Tansania

Das Direktorium erörterte im November 1996 die Artikel IV-Konsultation mit Tansania. Nach einem durchschnittlichen Wachstum von etwa 3,7% in den vorangegangenen drei Jahren stieg das reale BIP 1995/96, angeführt von der Landwirtschaft, schätzungsweise um 4,5% (siehe Tabelle 37). Wenngleich insbesondere aufgrund von Unwirtschaftlichkeiten in parastaatlichen Unternehmen die industrielle Produktion weiter sank, so expandierten die neu privatisierten Unternehmen doch kräftig. Ein langsameres Geldmengenwachstum und eine gestiegene Agrarproduktion führten zu einem Rückgang der Inflationsrate im Vorjahresvergleich auf 22,7% im Juni 1996 und auf 18% im August 1996, von einem Höchststand von 38% für das im Februar 1995 endende Jahr.

Tabelle 37Tansania: Konjunkturindikatoren1(Bei der Direktoriumsaussprache im November 1996 vorliegende Daten)
1993/9421994/9521995/962
Prozent
Binnenwirtschaft
Veränderung des realen BIP3,53,84,5
Veränderung der Verbraucherpreise (Perioden durchschnitt)30,234,025,7
Millionen US-Dollar3
Außenwirtschaft
Ausfuhren, fob485,9592,9659,1
Einfuhren, cif−1 590,5−1 509,7−1 538,9
Leistungsbilanz4−1 075,8−861,7−835,9
Direktinvestitionen563,067,3105,6
Kapitalbilanz256,0113,9118,8
Veränderung der Bruttoreserven (Zunahme -)−11,751,215,0
Leistungsbilanz (Prozent des BIP)5−30,5−20,6−16,2
Auslandsschulden (Prozent des BIP)194,7171,8143,7
Schuldendienst (Prozent der Ausfuhr von Waren und Diensten)659,941,638,4
Veränderung des realen effektiven Wechselkurses (Prozent; Periodenende)−3,5−3,822,2
Prozent des BIP3
Finanzielle Größen
Finanzierungssaldo der Zentralregierung4−7,9−6,9−1,9
Bruttoersparnis6,89,911,7
Bruttoinvestitionen729,426,627,7
Veränderung der breit abgegrenzten Geldmenge (Prozent)35,037,715,0
Zinssatz (Prozent)838,251,522,0

Daten gelten für Fiskaljahre (Juli bis Juni).

Auf Basis von Daten der tansanischen Behörden und IWF-Schätzungen.

Soweit nicht anders vermerkt.

Ohne Zuschüsse.

1995/96 sind Privatisierungserlöse in Höhe von 32 Mio $ mit eingeschlossen.

Ohne IWF; vor Umschuldung.

Auf Basis von VGR-Daten, die nicht völlig mit den Daten der Zahlungsbilanz übereinstimmen.

Diskontsatz der Bank von Tansania, Periodenende.

Daten gelten für Fiskaljahre (Juli bis Juni).

Auf Basis von Daten der tansanischen Behörden und IWF-Schätzungen.

Soweit nicht anders vermerkt.

Ohne Zuschüsse.

1995/96 sind Privatisierungserlöse in Höhe von 32 Mio $ mit eingeschlossen.

Ohne IWF; vor Umschuldung.

Auf Basis von VGR-Daten, die nicht völlig mit den Daten der Zahlungsbilanz übereinstimmen.

Diskontsatz der Bank von Tansania, Periodenende.

Die im November 1995 gewählte neue Regierung sah sich größeren Mängeln beim Haushaltsvollzug und im Management der Finanzinstitute gegenüber. Auf fiskalischem Gebiet fanden diese Defizite ihren Ausdruck in einer nachlässigen Steuerverwaltung; sie wurden noch verschärft durch weitverbreitete Steuerbefreiungen und -umgehungen, so daß im Ergebnis die tatsächlichen Steuereinnahmen hinter den möglichen zurückblieben. Auch erschwerten Mängel bei der Ausgabenkontrolle den Haushaltsvollzug. Die dominierende Rolle eines weitverzweigten Zulagensystems bei den Personalausgaben des Staates und das Unvermögen, Aufgaben mit geringer Priorität abzuschaffen, trugen zu Ausgabenüberschreitungen bei. Im Finanzsektor haben institutionelle Schwächen die Wirksamkeit der indirekten geldpolitischen Instrumente dabei beeinträchtigt, eine größere Effizienz in der Bereitstellung von Finanzdienstleistungen zu erreichen.

Um die Haushaltsprobleme während der ersten Hälfte des Fiskaljahres 1995/96 (Juli bis Juni) in den Griff zu bekommen, verabschiedete die Regierung ein Mini-Budget, das sowohl einnahmeerhöhende Maßnahmen als auch Ausgabenkürzungen umfaßte. Im Ergebnis belief sich das Defizit für 1995/96 insgesamt auf 3,3% des BIP gegenüber einem Defizit von 5,8% im Fiskaljahr 1994/95. Die günstigere Haushaltslage 1995/96 trug entscheidend zu der Drosselung des Wachstums der breit abgegrenzten Geldmenge auf 15% in dem im Juni 1996 endenden Fiskaljahr bei, gegenüber 38% im Jahr zuvor. Eine Obergrenze für die Kreditvergabe der staatseigenen Banken und die Veräußerung von Devisen durch die Bank von Tansania begünstigten ebenfalls die Dämpfung der Geldmengenexpansion. Während der zweiten Hälfte von 1995/96 stimmte die Regierung auch mehreren strukturellen Maßnahmen zu, die darauf abzielten, die oben genannten institutionellen Schwachstellen zu beseitigen.

Trotz einer geringfügigen Verschlechterung der Terms of Trade verbesserte sich die Außenwirtschaftsposition im Fiskaljahr 1995/96. Das Importvolumen ging aufgrund der verschärften Zollkontrollen und der Unsicherheiten im Wahljahr zurück. Das Leistungsbilanzdefizit — ohne Übertragungen gerechnet — verringerte sich 1995/96 auf 16,2% des BIP, gegenüber 20,6% des BIP 1994/95. Die Bruttowährungsreserven sanken von einem Gegenwert von 8,8 Importwochen Ende Juni 1995 auf 8,1 Importwochen Ende Juni 1996, erholten sich bis Ende August 1996 aber wieder auf 10,0 Importwochen als Folge von Devisenankäufen der Bank von Tansania während der traditionellen Exportsaison.

Wenngleich die Direktoren die deutliche Verbesserung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung Tansanias begrüßten, unterstrichen sie bei ihrer Erörterung aber doch, daß die finanzielle Situation labil bleibe. Vor diesem Hintergrund betonten sie die Bedeutung einer soliden Finanz- und Geldpolitik sowie struktureller Reformen — insbesondere die Haushaltskonsolidierung und die Reform des Finanzsektors —, um die Wirtschaft zu stabilisieren, ein breiter fundiertes Wachstum zu gewährleisten und den Lebensstandard zu verbessern.

Die Direktoren lobten die von der neuen Regierung eingeleiteten Schritte zur Beseitigung der hartnäckigen Haushaltsungleichgewichte und der strukturellen Hindernisse, die einer soliden Finanz- und Geldpolitik im Wege stünden. Sie begrüßten die Gehaltsreform für den öffentlichen Dienst, die Errichtung der tansanischen Steuerbehörde und die Verbesserungen bei der Ausgabenkontrolle und in den haushaltspolitischen Entscheidungsabläufen. Einige Direktoren erwähnten die Entschlossenheit der Regierung, die Transparenz staatlichen Handelns und die Rechenschaftspflicht staatlicher Stellen zu erhöhen, und ermutigten die Behörden, ihre Anstrengungen zur Bekämpfung der Korruption zu verstärken. Die Direktoren bedauerten die bei der Einführung der Mehrwertsteuer entstandene Verzögerung und erwähnten, wie wichtig es sei, die Steuerverwaltung zu verbessern und die Steuerbasis zu verbreitern. Insbesondere die Einbeziehung Sansibars in den Amtsbereich der tansanischen Steuerbehörde werde zusammen mit der Harmonisierung der Importsteuern ein wichtiges Schlupfloch für Steuerhinterziehungen schließen. Sie unterstrichen, daß Tansania versuchen solle, die Haushaltsziele ohne die Anhäufung inländischer Zahlungsrückstände zu erreichen, und daß es die Zahlungsrückstände gegenüber dem Ausland so rasch wie möglich zurückführen müsse.

Die Direktoren begrüßten die bisher bei den Strukturreformen erzielten Fortschritte, betonten aber, daß es wichtig sei, die Umgestaltung der parastaatlichen Unternehmen voranzutreiben und die Reform des Finanzsektors zu vertiefen. Die Direktoren äußerten sich besorgt zu den Risiken für die gesamtwirtschaftliche Stabilität und für die Fähigkeit der Zentralbank, eine wirksame Geldpolitik umzusetzen, die durch die ernsten Probleme der staatseigenen Banken entstünden, insbesondere der National Bank of Commerce, deren Privatisierung viele Direktoren für notwendig hielten. Sie forderten die Behörden nachdrücklich dazu auf, diese Probleme unverzüglich anzugehen und im Bankensektor für mehr Wettbewerb zu sorgen.

Die Direktoren lobten die Behörden für ihre Erfolge bei der Liberalisierung des Zahlungsverkehrs und des Außenhandels, die es Tansania erlaubt hätten, im Juli 1996 die Verpflichtungen gemäß Artikel VIII des IWF-Übereinkommens zu akzeptieren. Die Direktoren drängten die Behörden, die externen Zahlungsrückstände so bald wie möglich zu begleichen. Die Direktoren stellten fest, daß Tansanias Wirtschaft weiterhin gegenüber externen Schocks störanfällig bleibe, und sie forderten die Behörden nachdrücklich dazu auf, sich hinter das mittelfristige Programm und seine vollständige Umsetzung zu stellen, was für eine weitere Unterstützung seitens der Geldgeber notwendig sei.

Nach der Konsultation verfügbar gewordene Daten zeigen, daß die Verbesserung der Haushaltslage von Juli bis Dezember stärker ausgefallen ist als erwartet. Kräftig sprudelnde Einnahmen und eine straffe Ausgabenkontrolle ermöglichten es der Regierung, Überschüsse im Umfang von 1,4% des jährlichen BIP zu erzielen. Nettorückzahlungen des Staates an das Bankensystem drückten das Wachstum der breit abgegrenzten Geldmenge bis Ende Dezember 1996 auf 9%, was zu einem Rückgang der Inflation auf 14% Ende Januar 1997 beitrug. Die Außenwirtschaftsposition verbesserte sich beträchtlich; darin spiegelte sich im wesentlichen die günstige Entwicklung in der Leistungsbilanz wider. Die Bruttowährungsreserven der Bank von Tansania erreichten Ende Dezember 1996 den Gegenwert von 16 Importwochen.

Thailand

Das Direktorium erörterte die Artikel IV-Konsultation mit Thailand im Juli 1996. Im Zuge der weltwirtschaftlichen Erholung kam es in Thailand 1995 und im ersten Quartal 1996 erneut zu Überhitzungserscheinungen. Die Nachfrage blieb im gesamten Jahr 1995 kräftig; das BIP legte — angetrieben von den Investitionen und den Exporten — um nahezu 9% zu (siehe Tabelle 38). Als Folge hiervon zeigten sich zusätzliche Anspannungen auf den Faktormärkten, wobei die Arbeitslosigkeit geringfügig auf 2,5% zurückging. Die durchschnittliche Inflationsrate stieg 1995 auf 5,8% — den höchsten Wert seit 1991 — und blieb im ersten Quartal 1996 aufgrund gestiegener Rohstoffpreise auf den Weltmärkten sowie der kräftigen Nachfrage, der Lohnerhöhungen und der Auswirkungen von Überflutungen hoch.

Tabelle 38Thailand: Konjunkturindikatoren

(Bei der Direktoriumsaussprache im Juli 1996 vorliegende Daten)1

19931994199521996
Vorausschätzungen

zum Zeitpunkt

der Direktoriums-

aussprache
Ergebnis3
Prozent
Binnenwirtschaft
Veränderung des realen BIP8,38,88,78,36,7
Arbeitslosenquote2,62,62,52,0
Veränderung der Verbraucherpreise (Periodcndurchschnitt)3,35,05,86,05,9
Milliarden US-Dollar1
Außenwirtschaft
Ausfuhren, fob36,644,656,063,954,7
Einfuhren, cif45,153,470,980,570,8
Leistungsbilanz−6,1−7,8−13,1−14,5−14,4
Direktinvestitionen, netto1,40,91,31,417,1
Portfolioinvestitionen, netto3,91,23,21,1
Kapitalbilanz10,512,222,020,518,0
Bruttoreserven25,430,337,043,038,7
Leistungsbilanz (Prozent des BIP)−5,4−5,6−8,1−7,9−8,0
Auslandsschulden (Prozent des BIP)41,745,349,552,449,9
Schuldendienst (Prozent der Ausfuhr von Waren und Diensten)10,911,411,012,411,4
Veränderung des realen effektiven Wechselkurses (Prozent)0,9−0,5−0,96,6
Prozent des BIP1
Finanzielle Größen
Gesamtstaatlicher Sektor40,91,62,52,52,2
Bruttoinlandsersparnis35,035,635,035,734,5
Bruttoinvestitionen40,441,243,143,642,5
Veränderung der breit abgegrenzten Geldmenge (Prozent)18,412,917,017,312,6
Interbanken-Ausleihesatz (Prozent; Periodenende)54,387,2212,1

Soweit nicht anders vermerkt.

IWF-Schätzungen.

Aktualisierte IWF-Schätzungen.

Jeweils am 30. September ablaufende Fiskaljahre.

Gewogener Durchschnitt.

Soweit nicht anders vermerkt.

IWF-Schätzungen.

Aktualisierte IWF-Schätzungen.

Jeweils am 30. September ablaufende Fiskaljahre.

Gewogener Durchschnitt.

Die Geldpolitik wurde in zunehmendem Maße gestrafft, und der Überschuß im öffentlichen Gesamthaushalt stieg. Gleichwohl weitete sich das Leistungsbilanzdefizit auf 8% des BIP aus, dem allerdings noch höhere Kapitalimporte gegenüberstanden. Diese Zuflüsse setzten sich Anfang 1996 auf hohem Niveau fort und führten zu einem gewissen Zinssenkungsdruck. Der geringe Fortschritt beim Abbau des Leistungsbilanzdefizits war zum Teil darauf zurückzufuhren, daß der Anstieg der privaten Ersparnis nicht ausreichte, um die Investitionen vollständig zu finanzieren. Die Auslandsverschuldung, die etwa zur Hälfte kurzfristiger Natur war, stieg von ungefähr 39% des BIP im Jahr 1991 auf 49,5% des BIP im Jahre 1995.

Blickt man auf strukturelle Entwicklungen, so war zwar die Armut während der letzten Jahre erheblich verringert worden, die Einkommensunterschiede zwischen Land und Stadt vergrößerten sich aber weiter, und die Einkommensverteilung verschlechterte sich. Der Ausbau der Infrastruktur zur Beseitigung von Engpässen hat sich wegen des Regierungswechsels vorübergehend verzögert. Es waren Maßnahmen zur Verbesserung des Erziehungs- und Ausbildungswesens ergriffen worden; dazu zählte auch die Erhöhung des Anteils der Schüler, die von der Primärstufe auf die Sekundärstufe überwechseln, aber der Mangel an Fachkräften bestand fort.

Die Direktoren lobten in den höchsten Tönen Thailands bemerkenswerte wirtschaftliche Entwicklung und die von den Behörden beständig durchgehaltene solide Makropolitik. Sie erwähnten, daß die Finanz- und die Geldpolitik als Reaktion auf die Vergrößerung des Leistungsbilanzdefizits und den Inflationsanstieg 1995 gestrafft worden seien und daß dies bereits erste Ergebnisse zeitige; sie warnten jedoch vor Selbstzufriedenheit.

Die Direktoren unterstützten die Absicht der Behörden, einen straffen geldpolitischen Kurs beizubehalten. Die Behörden hätten allerdings versucht, auf die zunehmende Öffnung des Kapitalverkehrs und die hohen und volatilen Kapitalzuflüsse mit einer Kombination geldpolitischer und aufsichtsrechtlicher Maßnahmen zu reagieren, was seit kurzem durch preisbasierte Kontrollen für kurzfristige Zuflüsse ergänzt werde. Die Direktoren waren der Meinung, daß diese Maßnahmen auf mittlere Sicht keinen echten Ersatz für eine grundsätzlicher angelegte Politik darstellten.

Die Stabilität des Bäht habe der thailändischen Wirtschaft in der Vergangenheit zwar genützt, zur Verbesserung der monetären Autonomie und zur Minderung der Anreize für kurzfristige Kapitalimporte empfahlen die Direktoren aber ein höheres Maß an Wechselkursflexibilität. Diese solle durch die Entwicklung weiterer indirekt wirkender geldpolitischer Instrumente und einen geringeren Rückgriff auf den Kreditplan abgestützt werden.

Die jüngste Ausweitung des Leistungsbilanzdefizits habe Thailands Anfälligkeit gegenüber ökonomischen Schocks und Stimmungsumschwüngen an den Märkten erhöht. Auf der einen Seite, so stellten die Direktoren fest, seien die wirtschaftlichen Fundamentaldaten im großen und ganzen sehr solide — gekennzeichnet durch hohe Ersparnis und hohe Investitionen, einen Überschuß im öffentlichen Sektor, ein kräftiges Exportwachstum in den vergangenen Jahren sowie tragbare Schulden und Schuldendienstbelastungen. Auf der anderen Seite seien aber die kurzfristigen Kapitalimporte und die kurzfristigen Schulden recht hoch. Zudem engten die beschränkten Möglichkeiten der vorhandenen wirtschaftspolitischen Instrumente die Fähigkeit der Behörden ein, Schocksituationen zu bewältigen. Bei der Verwendung ausländischer Ersparnisse sei Vorsicht geboten, stellten die Direktoren fest, und es seien rasche Maßnahmen zur Verringerung des Leistungsbilanzdefizits erforderlich. Während die Fiskalpolitik auf kurze Sicht durchaus eine Rolle spielen könne, solle mittelfristig das Schwergewicht auf Maßnahmen zur Erhöhung der privaten Ersparnis liegen.

Die Direktoren verwiesen darauf, daß Thailands bemerkenswerte Wachstumserfolge im wesentlichen das Ergebnis strukturpolitischer Maßnahmen seien, die einen kräftigen Anstieg der Faktorproduktivität gefördert hätten. Sie ermutigten die Behörden, den Reformschwung beizubehalten und ihn insbesondere im Finanzsektor und im Bereich des Handels noch zu verstärken; ferner empfählen sie einen weiteren Ausbau der Aufsicht über den Bankensektor. Bei der Verringerung der Armut habe man zwar große Fortschritte erzielt, die Verschlechterung der Einkommensverteilung sei aber Anlaß zu ernster Besorgnis, und die Behörden könnten ihre diesbezüglichen Anstrengungen erhöhen. Die Direktoren begrüßten die Maßnahmen zur Verbesserung des Erziehungswesens und ermunterten die Behörden, ihre Bemühungen zum Ausbau der Wirtschaftsstatistik zu verstärken.

Uruguay

Das Direktorium erörterte die Artikel IV-Konsultation mit Uruguay im Juli 1996 zusammen mit einer ersten Überprüfung der im März 1996 genehmigten Bereitschaftskreditvereinbarung. 1995 war das reale BIP um etwa 2,0% zurückgegangen, und die Arbeitslosigkeit war beträchtlich gestiegen. Im Baugewerbe, im Handel und in der Industrie blieb der Produktionsrückgang in den ersten Monaten von 1996 unverändert bestehen, die landwirtschaftliche Erzeugung zog dagegen an. Die Inflation schwächte sich auf Zwölfmonatsbasis von 44% im Jahre 1994 auf 30% im Mai 1996 ab.

Das Defizit des öffentlichen Gesamthaushalts wurde von 3% im Jahre 1994 auf 1,75% des BIP im Jahre 1995 verringert. Die Personalausgaben der Zentralregierung und die Ausgaben für Güter und Dienstleistungen wurden gedrosselt, die Investitionsausgaben im Verhältnis zum BIP zurückgeführt. Dagegen stiegen die Ausgaben für soziale Zwecke — bei rückläufiger Inflation. Obwohl der Nettoeffekt des im Mai 1995 umgesetzten Steuerpakets sich positiv auf die Einnahmen auswirkte, ging das Steueraufkommen im Verhältnis zum BIP 1995 zurück; ausschlaggebend hierfür war ein Einbruch der Inlandsnachfrage.

Die Expansion der Bargeldbestände verlangsamte sich von 43% im Jahre 1994 auf etwa 31% in dem im Mai 1996 endenden Zwölfmonatszeitraum, und die Wachstumsraten der breit abgegrenzten Geldmenge und der Kredite an den Privatsektor schwächten sich ebenfalls ab. Die Zinssätze für kurzfristige Schatzwechsel gingen in dieser Periode ebenso erheblich zurück wie der Kreditzins für erste Adressen.

Uruguays Außenwirtschaftsposition verbesserte sich 1995 und Anfang 1996. Das Leistungsbilanzdefizit schrumpfte von 2% des BIP im Jahre 1995 bis zum März 1996 auf 1,8% des BIP (siehe Tabelle 39). Als Folge einer sinkenden Nachfrage aus Argentinien und Brasilien schwächte sich das Wachstum der Exporte in diesem Zeitraum gleichwohl ab. Der monatliche Abwertungssatz des Wechselkursbandes gegenüber dem US-Dollar, der mit 2% seit 1992 unverändert geblieben war, wurde im April 1996 auf 1,8% herabgesetzt. Im gewogenen Durchschnitt gewann der uruguaysche Peso von Anfang 1995 bis April 1996 real 3,5% an Wert; im April 1996 lag er damit um etwa 14% über seinem Durchschnittsniveau im Zeitraum 1990-1995.

Tabelle 39Uruguay: Konjunkturindikatoren

(Bei der Direktoriumsaussprache im Juli 1996 vorliegende Daten)1

1993199419951996
Vorausschätzungen

zum Zeitpunkt

der Direktoriums-

aussprache
Ergebnis2
Prozent
Binnenwirtschaft
Veränderung des realen BIP3,06,8−2,44,9
Arbeitslosenquote (Periodenende)7,69,911,111,9
Veränderung der Verbraucherpreise (Periodenende)52,944,135,423,624,3
Milliarden US-Dollar1
Außenwirtschaft
Ausfuhren, fob1,61,92,12,32,4
Einfuhren, cif−2,3−2,7−2,8−2,9−3,3
Leistungsbilanz−0,3−0,4−0,3−0,3−0,3
Kapitalbilanz0,60,70,60,30,4
Bruttoreserven1,41,71,81,9
Leistungsbilanz (Prozent des BIP)−2,6−2,7−2,0−1,7−1,5
Auslandsschulden (Prozent des BIP)33,535,534,034,333,8
Schuldendienst (Prozent der Ausfuhr von Waren und Diensten)23,023,528,325,419,4
Veränderung des realen effektiven Wechselkurses (Prozent; Periodenende)15,5−1,63,22,6
Prozent da BIP1
Finanzielle Größen
Konsolidierter Finanzicrungssafdo des öffentlichen Sektors−1,9−3,1−1,7−1,3−1,7
Bruttoersparnis12,012,012,111,411,7
Bruttoinlandsinvestitionen14,614,614,113,113,2
Veränderung der breit abgegrenzten Geldmenge (Prozent)36,037,331,623,236,9
Zinssatz (Prozent)348,244,739,429,2

Soweitnicht anders vermerkt.

Aktualisierte IWF-Schätzungen.

Für 1993, der Satz für Zentralbank-Schatzwechsel; danach, der Satz für Schatzwechsel mit einer Laufzeit von bis zu 63 Tagen.

Soweitnicht anders vermerkt.

Aktualisierte IWF-Schätzungen.

Für 1993, der Satz für Zentralbank-Schatzwechsel; danach, der Satz für Schatzwechsel mit einer Laufzeit von bis zu 63 Tagen.

Bei ihrer Erörterung lobten die Direktoren die Behörden für die im vergangenen Jahr bei der Haushaltskonsolidierung und der Durchführung struktureller Reformen erzielten Fortschritte, die dazu beigetragen hätten, daß Uruguays Anfälligkeit gegenüber einem Nachfragerückgang seitens seiner Haupthandelspartner in diesem Zeitraum verringert worden sei. Sie waren allerdings sehr besorgt darüber, daß die Inflation hoch geblieben, die Produktion erheblich gesunken und die Arbeitslosigkeit gestiegen seien. Um mittelfristig ein rasches Wachstum von Produktion und Beschäftigung zu gewährleisten, müßten die Ersparnis und die Investitionen erhöht werden.

Das Direktorium unterstrich, daß ein Abbau der Inflation vordringlich sei. Aus diesem Grunde seien 1996 weitere Anpassungen im Haushaltsbereich erforderlich. Maßnahmen zur Verbreiterung der Steuerbasis sowie zur besseren Verwaltung von Steuern und Sozialversicherungsbeiträgen seien ebenfalls notwendig; gleiches gelte für die sorgfältige Überwachung der finanziellen Lage der staatlichen Unternehmen.

Die Direktoren empfahlen den Behörden nachdrücklich, die Abwertung des Wechselkursbandes wie geplant und ohne Verzögerungen zu verlangsamen; dies solle im Einklang mit der angestrebten Inflationsrate und mit Unterstützung einer angemessen straffen Finanz-, Geld- und Lohnpolitik geschehen. Gleichzeitig forderten die Direktoren die Behörden auf, zur Verbesserung der internationalen Wettbewerbsfähigkeit und zur Erhöhung der Produktivität die steuerlichen Änderungen und die Strukturreformen beschleunigt umzusetzen. Es sei insbesondere von allergrößter Wichtigkeit, ein Paket finanzpolitischer Maßnahmen zu beschließen, um den für 1996 vorgesehenen Abbau des Haushaltsdefizits und dessen weitere Rückführung 1997 zu erreichen; das Paket beinhalte die Verringerung der von den Arbeitgebern zu zahlenden Sozialversicherungsbeiträge, die Verlängerung des Zeitraums für Lohnanpassungen, die Abschaffung der an der vergangenen Entwicklung orientierten Lohnindexierung sowie sonstige Maßnahmen.

Die Direktoren hoben hervor, die Kreditpolitik müsse solange restriktiv geführt werden, bis es klare Anzeichen dafür gebe, daß die Anpassung im Haushaltsbereich voranschreitet und die Inflation wie geplant zurückgeht. In diesem Zusammenhang begrüßten die Direktoren die Absicht der Behörden, das Wachstum der von den staatseigenen Banken gewährten Kredite zu begrenzen.

Die Direktoren lobten die Behörden für die Umsetzung der Reform des wichtigsten Zweiges des Sozialversicherungssystems und ermunterten sie, auf eine zügige parlamentarische Verabschiedung der Reform vorhaben für die übrigen Bereiche der Sozialversicherung zu dringen. Sie begrüßten die anhaltenden Bemühungen, die Reform der Zentralverwaltung zu verwirklichen. Diese Maßnahmen sowie institutionelle Änderungen und sonstige Schritte zur Stärkung der Steuerverwaltung würden dazu beitragen, in den öffentlichen Haushalten mittelfristig Raum für eine weitere Absenkung der Unternehmenssteuern zu schaffen. Die Direktoren ermunterten die Behörden dazu, dem privaten Sektor mehr Entfaltungsmöglichkeiten zu eröffnen. Hierzu seien weitere Deregulierungs- und Privatisierungsschritte nötig; hilfreich sei es in dieser Hinsicht auch, die geplante Umstrukturierung der staatseigenen Banken beschleunigt umzusetzen, um die wirtschaftliche Effizienz zu steigern und private Investitionen zu induzieren. Die Direktoren waren der Ansicht, daß die Behörden auch eine Vertiefung der Handelsliberalisierung anstreben sollten.

Transformationsländer

Armenien

Das Direktorium erörterte die Artikel IV-Konsultation mit Armenien im September 1996 und führte die halbjährliche Überprüfung von Armeniens erster ESAF-Jahresvereinbarung durch. Nach einer Phase mit ganz erheblichen Rückgängen des BIP und hoher Inflation hatte Armenien seine Wirtschaft stabilisiert (siehe Tabelle 40). Das reale BIP nahm 1995 um 6,9% und in der ersten Hälfte des Jahres 1996 um 4,3% zu, verglichen mit 5,4% im Jahre 1994. Bis zum Jahresende 1995 ging die Inflationsrate auf 32% zurück, von 1,885% im vorangegangenen Jahr. Allerdings bedrohten auch Ende 1996 die instabile Lage innerhalb der Region und die Blockade von Armeniens wichtigsten Transportwegen durch Aserbaidschan und die Türkei noch immer die Dauerhaftigkeit des Wachstums.

Tabelle 40Armenien: Konjunkturindikatoren

(Bei der Direktoriumsuusspreiche im September 1996 vorliegende Deuten)1

1993199419951996
Vorausschätzungen

zum Zeitpunkt

der Direktoriums-

aussprache
Ergebnis2
Prozent
Binnenwirtschaft
Veränderung des realen BIP−14,85,46,96,55,8
Veränderung der Verbraucherpreise (Periodenende)10 8961 884,531,918,05,7
Millionen US-Dollar1
Außenwirtschaft
Ausfuhren209,3270,9295,2290,3
Einfuhren401,2672,9767,6757,9
Leistungsbilanz3−231,4−483,0−186,6−124,3
Direktinvestitionen2,619,933,812,3
Bruttoreserven4,932,3107,1132,7161,9
Leistungsbilanz (Prozent des BIP)−35,6−37,6−29,5−26,7
Auslandsschulden (Prozent des BIP)30,828,935,037,8
Schuldcndienst (Prozent der Ausfuhr von Waren und Diensten)0,83,020,620,219,7
Veränderung des realen effektiven Wechselkurses (Prozent)6,7−14,2
Prozent des BIP1
Finanzielle Größen
Finanzierungssaldo des gesamten Staatssektors−22,0−14,8−11,0−10,8
Bruttoersparnis−23,5−24,0−20,8−20,8
Bruttoinvestitionen11,08,88,17,1
Veränderung der breit abgegrenzten Geldmenge (Prozent)684,069,025,035,0
Zinssatz (Prozent)4285,083,053,0

Soweit nicht anders vermerkt.

Aktualisierte IWF-Schätzungen.

Ausschließlich offizieller Übertragungen.

Durchschnittlicher Refinanzierungssatz.

Soweit nicht anders vermerkt.

Aktualisierte IWF-Schätzungen.

Ausschließlich offizieller Übertragungen.

Durchschnittlicher Refinanzierungssatz.

Das periodengerecht abgegrenzte Haushaltsdefizit wurde durch eine Kombination von steuerlichen Maßnahmen und Ausgabenkürzungen von 16,4% des BIP 1994 auf unter 10% 1995 und auf 6,8% für die ersten sechs Monate von 1996 verringert. Allerdings führte die Begleichung beträchtlicher Zahlungsrückstände in der ersten Jahreshälfte von 1996 zu einem kassenmäßigen Defizit in Höhe von 8,4% des BIP. Das bedeutsamste Haushaltsproblem war das schwache Steueraufkommen, das durch Lücken in der Steuerbasis (insbesondere das Versäumnis, den aufstrebenden Privatsektor einzubeziehen) und durch ausstehende Steuerzahlungen verursacht worden war.

Die Regierung setzte ihr Programm zum Aufbau fiskalischer Institutionen im Jahre 1996 fort. Sie schuf innerhalb des Finanzministeriums eine Staatskasse, eine Schuldenverwaltungsabteilung sowie eine Arbeitseinheit, die sich mit den großen Steuerzahlern beschäftigt, und errichtete 40 Finanzämter. Sie schnitt das soziale Sicherungsnetz besser auf den Bedarf zu, wodurch höhere Leistungen möglich wurden, und erließ ein neues Rentengesetz, das das Pensionsalter anhob und den Renten- und Beschäftigungsfonds ins Gleichgewicht brachte.

Die Zentralbankgeldmenge und die breit abgegrenzte Geldmenge stiegen während der zweiten Jahreshälfte von 1995 kräftig, gingen im ersten Quartal 1996 zurück und erhöhten sich etwas im Verlauf des zweiten Quartals. Der Refinanzierungssatz der Zentralbank lag von Oktober 1995 bis August 1996 konstant bei 52%, während die Kredit- und Einlagenzinsen beträchtlich schwankten. Der nominale Wechselkurs blieb bis Ende Mai 1996 stabil, bevor er eine leichte Abwertung erfuhr; der gewogene reale Wechselkurs verlor dagegen in den ersten sechs Monaten von 1996 etwa 5% an Wert.

Als Folge des hohen Importniveaus und des mäßigen Exportwachstums stieg das Leistungsbilanzdefizit (ohne öffentliche Übertragungen) von 36% des BIP im Jahre 1994 auf 38% des BIP im Jahre 1995 an.

Zum Zeitpunkt der Konsultation war die Privatisierung der Landwirtschaft und des Wohnungsbaus praktisch abgeschlossen, und für kleinere Unternehmen befand sie sich in vollem Gange. Wenn sich die Privatisierung der mittleren und größeren Unternehmen Anfang 1996 auch verlangsamt hatte und hinter den Zeitplan zurückgefallen war, so hatte sie sich doch anschließend wieder beschleunigt. Die meisten Preise waren freigegeben worden, und die Elektrizitätspreise wurden zwischen Oktober 1995 und April 1996 um 40% angehoben. Auch bei der Reform der gesetzlichen Bestimmungen waren Fortschritte erzielt worden, insbesondere im Bankensektor mit der 1996 erfolgten Verabschiedung des Notenbankgesetzes, das die Unabhängigkeit der Zentralbank festschrieb, dem Kreditwesengesetz und dem Gesetz zur Regelung von Insolvenzen im Bankgewerbe.

Die Direktoren gratulierten den Behörden zu dem unter dem ESAF-gestützten Programm realisierten Wirtschaftswachstum und der niedrigen Inflation und begrüßten den bei der Transformation des Wirtschaftssystems in allen Bereichen erzielten Fortschritt. Allerdings müßten noch größere Probleme angegangen werden, insbesondere im Bereich der Haushaltspolitik, bei der Reform des Finanzsektors und bei der Privatisierung.

Die Direktoren unterstützten den Aufbau einer staatlichen Kassenverwaltung und die Beseitigung aller Zahlungsrückstände. Sie äußerten sich allerdings besorgt über sinkende Steuereinnahmen und weiterhin bestehende Steuerrückstände. Sie forderten die Behörden nachdrücklich dazu auf, die Haushaltsposition zu stärken, indem die Steuerbemessungsgrundlage durch die Einbeziehung des expandierenden Privatsektors verbreitert und die Ausgaben weiter durchforstet würden.

Die Direktoren begrüßten die bei der Umsetzung des geldpolitischen Programms erzielte Verbesserung und ermunterten die Behörden dazu, Maßnahmen wie eine vermehrte Verwendung von Schatzwechseln zu ergreifen, um den Finanzsektor zu vertiefen und die Flexibilität der Zentralbank zu erhöhen. Hinsichtlich der Wechselkurspolitik hießen sie den Übergang von einer faktischen Anbindung des Wechselkurses zu einem flexibleren Regime gut.

Die Labilität des Bankensystems und die zunehmende Umgehung der Banken beim Aufbau von Kreditbeziehungen (disintermediation) gaben den Direktoren Anlaß zur Besorgnis. Sie forderten die Behörden mit Nachdruck dazu auf, entschlossene Schritte zur Stärkung des Bankensystems und zur Gewinnung des Vertrauens der Öffentlichkeit zu unternehmen; hierzu gehörten die Sanierung der Sparkasse und die Restrukturierung oder erforderlichenfalls die Liquidierung großer, als insolvent anzusehender Geschäftsbanken.

Das Direktorium unterstrich, daß das Leistungsbilanzdefizit eine nicht durchhaltbare Größenordnung aufweise. Da Armenien auf absehbare Zeit von konzessionärer Auslandsunterstützung in beträchtlicher Höhe abhänge, müsse es auch das für die Gewinnung ausländischer Investitionen nötige Umfeld schaffen und das Exportwachstum fördern.

Die Direktoren äußerten sich besorgt darüber, daß verschiedene strukturelle Reformen dem Zeitplan hinterherhinkten, insbesondere die Privatisierung der mittleren und größeren Unternehmen, und daß — wie in anderen Ländern — die Privatisierung über Kupons nicht zu den angestrebten Verbesserungen bei der Führung und Kontrolle der Unternehmen geführt habe. Sie forderten die Behörden nachdrücklich dazu auf, die Privatisierung, die Reform des Rechtssystems und die Restrukturierung der Bereiche Energie und Landwirtschaft zu beschleunigen.

Nach der Direktoriumsaussprache ließen aktualisierte Schätzungen erkennen, daß das reale BIP 1996 um 5,8% gewachsen ist, verglichen mit einer Programmvorgabe von 6,5%. Das Leistungsbilanzdefizit war mit 26,6% niedriger als geplant. Trotz eines starken Wachstums der breit abgegrenzten Geldmenge in der zweiten Hälfte von 1996, fiel die Inflation geringer aus als erwartet, da die Geldnachfrage ebenfalls deutlich gestiegen ist.

Aserbaidschan

Das Direktorium schloß die Artikel IV-Konsultation mit Aserbaidschan im Dezember 1996 ab und erörterte Aserbaidschans Anträge auf eine Erweiterte Kreditvereinbarung und eine Vereinbarung unter der ESAF. Die unter der Systemtransformationsfazilität und der Bereitschaftskreditvereinbarung zur gesamtwirtschaftlichen Stabilisierung für 1995/96 festgesetzten Ziele waren weitgehend erreicht worden. 1996 wuchs das reale BIP, begünstigt durch umfangreiche Investitionen in die Ölfelder, um 1%, und die ausländischen Direktinvestitionen erhöhten sich beträchtlich (siehe Tabelle 41). Die Inflation wurde spürbar verringert; die Inflationsrate betrug im Oktober 1996 im Zwölfmonatsvergleich 11,7%. Das Haushaltsdefizit, das nahezu vollständig durch das Ausland finanziert wurde, ging ebenfalls zurück. Die umfangreichen Investitionen im Ölbereich trugen dazu bei, den Produktionsrückgang aufzuhalten; dagegen erhöhte sich das Leistungsbilanzdefizit von 11% des BIP 1995 auf schätzungsweise 19% des BIP im Jahre 1996. Es wurde erwartet, daß sich mit höheren Weltmarktpreisen für Öl die Terms of Trade 1996 verbessern würden. Die Bruttowährungsreserven — praktisch Null im Jahre 1994 — erreichten 1996 ungefähr 215 Mio $. In den Planungen wurde von einem Anstieg der Auslandsverschuldung im Jahre 1996 auf 16,3% des BIP ausgegangen.

Tabelle 41Aserbaidschan: Konjunkturindikatoren

(Bei der Direktoriumsaussprache im Dezember 1996 vorliegende Daten)1

199319941995119962
Prozent
Binnenwirtschaft
Veränderung des realen BIP−23,1−18,1−11,01,2
Arbeitslosenquote16151720
Veränderung der Verbraucherpreise (Periodendurchschnitt)1 130,01 664,4411,719,9
Millionen US-Dollar3
Außenwirtschaft
Ausfuhren, fob697682680849
Einfuhren, fob8198459551318
Leistungsbilanz (einschließlich Übertragungen)−160−121−311−654
Direktinvestitionen422275601
Kapitalbilanz554456562
Bruttoreserven2119214
Leistungsbilanz (Prozent des BIP)6−12,3−6,6−11,2−19,1
Auslandsschulden (Prozent des BIP)15,116,3
Veränderung des realen effektiven Wechselkurses (Prozent)37,03,9
Prozent des BIP3
Finanzielle Größen
Finanzierungssaldo des gesamten Staatssektors−12,7−11,4−4,3−2,7
Bruttoersparnis2,82,3
Bruttoinvestitionen14,321,4
Veränderung der breit abgegrenzten Geldmenge (Prozent)508,6175,256,3
Zinssatz (Prozent)7107

IWF-Schätzungen.

Programmvorgaben oder Projektionen des IWF.

Soweit nicht anders vermerkt.

Einschließlich Portfolioinvestitionen.

KapitalbiIanz einschließlich Devisenbilanz.

Einschließlich Ölkonsortien.

Refinanzierungssatz der Zentralbank; Periodenende, Zinseszins.

IWF-Schätzungen.

Programmvorgaben oder Projektionen des IWF.

Soweit nicht anders vermerkt.

Einschließlich Portfolioinvestitionen.

KapitalbiIanz einschließlich Devisenbilanz.

Einschließlich Ölkonsortien.

Refinanzierungssatz der Zentralbank; Periodenende, Zinseszins.

Die Geldmengenexpansion war 1995 kräftiger als programmiert, aber im Jahre 1996 ging die Umlaufsgeschwindigkeit der breit abgegrenzten Geldmenge im Einklang mit den Vorgaben zurück. Der nominale Wechselkurs des Manat blieb 1995 stabil, wertete sich jedoch während der ersten elf Monate von 1996 im Verhältnis zum US-Dollar (7%) und zum russischen Rubel (20%) auf. Die Regierung unternahm 1996 Schritte zur Verbesserung des Devisen- und des Zahlungsverkehrssystems, allerdings wurden einige Restriktionen bei den laufenden internationalen Transaktionen aufrechterhalten. Die Privatisierung der Unternehmen und des Grundbesitzes beschleunigte sich in der zweiten Hälfte von 1996; dagegen waren die Fortschritte bei der Implementierung einer Staatskasse, bei der aus Kostendeckungsgründen erforderlichen Erhöhung der Energiepreise der privaten Haushalte und bei der Stimulierung des Wettbewerbs auf den inländischen Märkten geringer.

Bei ihrer Erörterung lobten die Direktoren die Behörden für die Durchführung des vom Fonds gestützten Stabilisierungs- und Reformprogramms und begrüßten die erzielten Erfolge: eine kräftige Rückführung der Inflation, höhere Währungsreserven, eine Stärkung des Wechselkurses und das Wiederanspringen des Wirtschaftswachstums. Die Direktoren fanden die Entscheidung der Behörden ermutigend, die Strukturreformen zu beschleunigen; sie unterstrichen, daß die Beibehaltung eines angemessenen Reformtempos zur Gewährleistung eines anhaltenden und ausgewogenen Wachstums wesentlich sei.

Die Verwirklichung der Programmziele mache es erforderlich, daß sich die während der letzten Jahre an den Tag gelegte zögerliche Haltung bei der Umsetzung der Strukturreformen nicht wiederhole und daß die Reformen von der Regierung und der Bevölkerung nachhaltig unterstützt würden. Die aus dem Ölreichtum Aserbaidschans zu erwartenden Einkommensströme dürften nicht zu Selbstzufriedenheit und zu Verzögerungen beim Umbau der Wirtschaft fuhren, betonten die Direktoriumsmitglieder. Die Zahlungsbilanzperspektiven würden sich mittelfristig wahrscheinlich verbessern, sobald die Öleinnahmen zu fließen beginnen; die Direktoren unterstrichen aber, daß Strukturreformen zur Gewährlei-stung eines ausgewogenen Wachstums wichtig seien. Eine überzeugende und frühzeitige Umsetzung von Strukturreformen würde auch das Produktivitätswachstum stärken. Die Privatisierung, die Landreform, der Rückzug des Staates aus Industrie und Handel sowie ein Ordnungs- und Rechtsrahmen seien wesentlich für eine wirksame Ressourcenallokation und für den Übergang zu einer Marktwirtschaft, die das Wachstumspotential der Landwirtschaft und anderer Wirtschaftszweige außerhalb des Ölsektors stützen könne.

Die Direktoren begrüßten die Entschlossenheit der Behörden, an einer straffen Geld- und Finanzpolitik festzuhalten. Sie unterstützten die Absicht der Behörden, das Defizit im öffentlichen Gesamthaushalt bis 1999 praktisch zu beseitigen und eine Geldpolitik beizubehalten, die mit niedriger Inflation vereinbar sei. Die Direktoren stimmten überein, daß die auf mittlere Sicht vorhergesagte Aufwertung des realen Wechselkurses angemessen sei und daß sie über eine nominale Höherbewertung der Währung erfolgen solle.

Die Direktoren betonten, daß die Einhaltung der Haushaltsziele und die Verbesserung der Budgetstruktur Fortschritte bei der Steuererhebung erforderten. Gleichzeitig müsse die Ausgabenpolitik weiterhin straff geführt werden; die laufenden Ausgaben sollten auf Einsparmöglichkeiten untersucht und nach Maßgabe der Aufnahmefähigkeit zielgerichtet eingesetzt werden. Die Direktoren merkten an, daß der Aufbau einer Staatskasse das Haushaltsmanagement verbessern werde und daß die Einrichtung eines Sonderkontos für Öleinnahmen bei der Zentralbank die Disziplin bei der Verwendung der Öleinnahmen stärken werde. Der Umfang der Zahlungsrückstände zwischen den Unternehmen gebe Anlaß zur Sorge; die Direktoren hoben die Bedeutung von Maßnahmen hervor, die den Unternehmen harte Budgetrestriktionen auferlegten.

Die Direktoren betonten, daß es wesentlich sei, am Umstrukturierungsprogramm für die staatseigenen Banken festzuhalten; Banken, denen es nicht gelinge, sich zur Wiederherstellung der Zahlungsfähigkeit zu restrukturieren, sollten liquidiert werden. Gleichzeitig seien konzertierte Anstrengungen erforderlich, um die Entwicklung des inländischen Geldmarktes und des Zahlungsverkehrssystems zu fördern. Die Direktoren forderten die Behörden mit Nachdruck dazu auf, die für die unternehmerischen Aktivitäten der Auslandsbanken vorhandenen Hindernisse zu beseitigen, um den Wettbewerb zu beleben und die Privatisierung voranzubringen. Das Direktorium hob auch hervor, wie wichtig es sei, die aufsichtsrechtlichen Standards und die Bankenaufsicht zu stärken und die Unabhängigkeit der Zentralbank zu erhöhen. Obwohl es bei der Liberalisierung des Wechselkurs- und des Handelssystems Fortschritte gegeben habe, seien weitere Verbesserungen der Funktionsweise des Devisenmarktes und des internationalen Zahlungsverkehrssystems erforderlich. Die Direktoren forderten mit großem Nachdruck dazu auf, die noch verbliebenen Restriktionen beim Zugang zu den Devisenauktionen, bei Vorauszahlungen für Importe und bei der Übertragung von Devisen für laufende internationale Transaktionen durch Privatpersonen aufzuheben.

Estland

Das Direktorium schloß die Artikel IV-Konsultation mit Estland im Juli 1996 ab und erörterte Estlands Antrag auf eine neue Bereitschaftskreditvereinbarung mit Vorsorgecharakter. Die wirtschaftliche Entwicklung unter der Bereitschaftskreditvereinbarung mit Vorsichtscharakter für 1995 und 1996 entsprach im wesentlichen den wirtschaftspolitischen Vorgaben. Die wirtschaftlichen Aktivitäten belebten sich, die Inflation ging zurück, das Leistungsbilanzdefizit wurde auf eine Größenordnung begrenzt, die mit ausländischen Direktinvestitionen finanziert werden konnte, die Restrukturierung des Bankensystems hat sich beschleunigt, und mit Ausnahme der für die Infrastruktur wesentlichen Unternehmen war die Unternehmensprivatisierung fast abgeschlossen. Ende 1995 und Anfang 1996 traten allerdings finanzielle Ungleichgewichte auf, als ein Rückgang der öffentlichen Ersparnis und ein verstärkter Rückgriff auf Auslandskredite für öffentliche Investitionen zu einem Anstieg des gesamtstaatlichen Haushaltsdefizits führten.

Das reale BIP stieg 1995 — nach einem unbedeutenden Wachstum im Jahre 1994 (siehe Tabelle 42) — um 4,3%; treibende Kräfte waren die Expansion des Dienstleistungssektors und das vom Export geprägte Wachstum im Verarbeitenden Gewerbe und in anderen Industriebereichen. Der Rückgang der öffentlichen Ersparnis wurde im wesentlichen von Zuwächsen bei der privaten Ersparnis ausgeglichen. Aufgrund der Aufnahmekapazitäten des sich entwickelnden Privatsektors blieb die Arbeitslosigkeit 1995 mit 5% niedrig. Der Preisanstieg auf der Verbraucherstufe belief sich Ende 1995 auf 28,8%, verglichen mit 41,6% zur gleichen Zeit im Jahre 1994. Die öffentlichen Haushalte wiesen 1995 ein Defizit von 0,8% des BIP aus. Die Haushaltspolitik für 1996 zielte darauf ab, das gesamtstaatliche Defizit auf nicht mehr als 1,4% des BIP zu begrenzen.

Tabelle 42Estland: Konjunkturindikatoren

(Bei der Direktoriumsaussprache im Juli 1996 vorliegende Daten)1

1993199419951996
Vorausschätzungen

zum Zeitpunkt

der Direktoriums-

aussprache
Ergebnis2
Prozent
Binnenwirtschaft
Veränderung des realen BIP−8,4−0,14,33,14,0
Arbeitslosenquote35,55,45,05,5
Veränderung der Verbraucherpreise (Periodenende)35,741,628,823,715,0
Millionen US-Dollar1
Außenwirtschaft
Ausfuhren, fob811,51 328,61 861,32 330,32 060,4
Einfuhren, fob956,3l 689,92 553,53 100,93 144,0
Leistungsbilanz23,3−171,0−185,2−302,9−428,5
Direktinvestitionen154,4212,2202,3210,093,7
Portfolioinvestitionen−0,2−14,1−16,360,130,8
Kapitalbilanz4222,2175,2258,9442,5478,5
Bruttoreserven388,4447,0582,8706,2639,6
Leistungsbilanz (Prozent des BIP)1,4−7,5−5,1−6,9−10,1
Auslandsschulden (Prozent des BIP)8,67,46,67,67,2
Schuldendienst (Prozent der Ausfuhr von Waren und Diensten)1,40,40,50,80,8
Veränderung des realen effektiven Wechselkurses (Prozent)30,89,86,5
Prozent des BIP1
Finanzielle Größen
Finanzierungssaldo des gesamten Staatssektors−0,71,3−1,2−1,4−1,5
Bruttoersparnis522,417,718,117,517,1
Bruttoinvestitionen626,528,926,826,129,9
Veränderung der breit abgegrenzten Geldmenge (Prozent)29,631,236,736,8
Zinssatz (Prozent)722,121,316,113,8

Soweit nicht anders vermerkt.

Aktualisierte IWF-Schätzungen.

Arbeitslose Stellensuchende in Prozent aller Erwerbspersonen; Periodendurchschnitt.

Kapitalbilanz einschließlich Devisenbilanz.

Bruttoinlandsersparnis.

Bruttoinlandsinvestitionen.

Gewogene durchschnittliche Jahressätze (Ende Dezember) für kommerzielle estnische KronenKredite mit sechs- bis zwölfmonatiger Laufzeit an Privatpersonen und Unternehmen.

Soweit nicht anders vermerkt.

Aktualisierte IWF-Schätzungen.

Arbeitslose Stellensuchende in Prozent aller Erwerbspersonen; Periodendurchschnitt.

Kapitalbilanz einschließlich Devisenbilanz.

Bruttoinlandsersparnis.

Bruttoinlandsinvestitionen.

Gewogene durchschnittliche Jahressätze (Ende Dezember) für kommerzielle estnische KronenKredite mit sechs- bis zwölfmonatiger Laufzeit an Privatpersonen und Unternehmen.

Aufgrund einer sehr kräftigen Nachfrage des Privatsektors stieg die Nettokreditgewährung im Inland 1995 um 63%, mehr als doppelt so hoch wie erwartet. Die Zinssätze für Kronen-Einlagen und -Darlehen gaben 1995 und Anfang 1996 nach; gleichwohl zogen die von den estländischen Banken angebotenen Zinssätze weiterhin Auslandsgelder an. Die Zinsdifferentiale und Risikoprämien verringerten sich zwar weiter, die Realzinsen blieben jedoch negativ.

Obwohl das Exportvolumen 1995 um etwa 20% gestiegen ist, hat sich das Handelsbilanzdefizit auf fast 20% des BIP ausgeweitet, da das Wachstum des Importvolumens mehr als 30% betragen hat. Die Erhöhung der Nettoeinnahmen aus Nichtfaktordienstleistungen glich den Anstieg des Handelsbilanzdefizits allerdings mehr als aus. Das Leistungsbilanzdefizit war niedriger als erwartet, die Gesamtbilanz wies einen Überschuß auf, und die Bruttowährungsreserven bewegten sich weiterhin in der Nähe von drei Importmonaten.

Die meisten der Strukturreformen unter dem Bereitschaftskreditprogramm von 1995 und 1996 wurden umgesetzt. Allerdings gab es bei der Reform des Fiskalsystems und bei der Privatisierung des Bodens weiterhin nur geringe Fortschritte.

Bei ihrer Erörterung lobten die Direktoren Estlands überzeugenden Kurs bei der Durchführung von Stabilisierungsmaßnahmen und strukturellen Reformen, der sich auszuzahlen beginne: Die wirtschaftliche Erholung habe an Schwung gewonnen, es habe sich ein lebensfähiger Privatsektor entwickelt, die Arbeitslosigkeit sei niedrig geblieben, und der Zustrom ausländischer Direktinvestitionen habe angehalten. Allerdings waren die Direktoren über die hartnäckig hohe Inflation und die Ende 1995 und Anfang 1996 aufgetretenen finanziellen Ungleichgewichte besorgt, die zu einem Rückgang der öffentlichen Ersparnis und zu einer Vergrößerung des gesamtstaatlichen Defizits geführt hätten.

Die meisten Direktoren waren sich darin einig, daß der Währungsausschuß mit seiner derzeitigen Wechselkursanbindung noch immer angemessen sei. Die Direktoren betonten die Notwendigkeit, die Kapitalimporte weiterhin zu überwachen und sicherzustellen, daß sich die Banken an eine Umkehr der kurzfristigen Zuflüsse anpassen könnten. Es wurde auch die Besorgnis laut, daß das Kreditvolumen zu kräftig wachsen könne. Die Direktoriumsmitglieder unterstrichen, daß sowohl Flexibilität auf den Güter- und Arbeitsmärkten als auch Produktivitätswachstum in Anbetracht des wegen der laufenden Anpassung der relativen Preise gegebenen Inflationsdrucks weiterhin wesentlich seien.

Die Direktoren wiesen warnend daraufhin, daß eine anhaltende Verschlechterung der öffentlichen Finanzen den Inflationsabbau und die Glaubwürdigkeit des Währungsausschusses unterminieren könnten; daher müsse die Haushaltslage soweit wie möglich verbessert werden. Sie begrüßten die Entscheidung der Behörden, die öffentlichen Ausgaben im Zeitraum 1996-97 zu verringern, die Kreditaufnahme lokaler staatlicher Stellen stärker zu kontrollieren und die Steuerverwaltung zu stärken. Zusätzliche einnahmeerhöhende Maßnahmen sollten ergriffen werden, sofern es erneut zu Steuerausfällen komme.

Die Direktoren ermutigten die Behörden dazu, die Rolle des Staates in der Wirtschaft unter anderem durch strukturelle Reformen bei den öffentlichen Ausgaben und am Rentensystem weiter zu beschneiden. Sie begrüßten die bei der Bankenaufsicht und der Umstrukturierung der Geschäftsbanken erzielten Fortschritte. Obwohl einige Elemente des Finanzsystems störanfällig blieben, lobten die Direktoren die Entschlossenheit der Behörden, für Problembanken marktmäßige Lösungen zu suchen und die Risiken für die öffentlichen Finanzen zu begrenzen. Die Direktoren drängten auf eine entschlossene Durchführung von Plänen zur Verwertung und Privatisierung von Infrastrukturunternehmen und auf eine beschleunigte Privatisierung von Grund und Boden. Eine zügige Anpassung der administrierten Preise, insbesondere der Energiepreise, sei ebenfalls notwendig. Unter Hinweis auf Estlands bemerkenswerte Einstellung zum Freihandel baten die Direktoren die Behörden dringend, dem Druck auf Einführung protektionistischer Importzölle, insbesondere im Agrarbereich, zu widerstehen.

Ungarn

Das Direktorium erörterte die Artikel IV-Konsultation mit Ungarn im August 1996 und nahm die erste Überprüfung der im März 1996 genehmigten Bereitschaftskreditvereinbarung vor. Die gesamtwirtschaftlichen Bedingungen in Ungarn hatten sich aufgrund des von den Behörden verabschiedeten Stabilisierungsprogramms seit Jahresbeginn 1995 erheblich verbessert. Zu den Anpassungsmaßnahmen gehörten eine anfängliche Abwertung des Forint, eine vorher angekündigte stufenweise Paritätsanpassung (crawling peg) für den Wechselkurs zusammen mit einer straffen Einkommenspolitik zur Begrenzung des Lohnanstiegs und zur Inflationsbekämpfung, Sparmaßnahmen im Haushalt und beschleunigte Strukturreformen.

Als Folge hiervon verbesserte sich die Leistungsbilanz (siehe Tabelle 43). Das Leistungsbilanzdefizit fiel im Jahre 1995 auf 2,5 Mrd $, von beinahe 4 Mrd $ im Jahre 1994, und ging in der ersten Jahreshälfte von 1996 weiter auf 934 Mio $ zurück. Obwohl die Produktion in der zweiten Jahreshälfte leicht nach unten tendierte, legte das Wachstum im Jahre 1995 um 1,5% zu; die Arbeitslosigkeit erhöhte sich etwas, und die Inlandsnachfrage gab spürbar nach. Exporte und Importe hatten seit 1994 erheblich zugenommen — ein Zeichen für die weitere Öffnung der Wirtschaft. Die verbesserte Außenwirtschaftsposition wurde von einem Anstieg der Direktinvestitionen und anderer privater Kapitalzuflüsse begleitet, was die Brutto Währungsreserven anschwellen ließ und zu einem Rückgang der Nettoauslandsverschuldung in Relation zum BIP führte.

Tabelle 43Ungarn: Konjunkturindikatoren

(Bei der Direktoriumsaussprache im August 1996 vorliegende Daten)1

19931994199521996
Vorausschätzungen

zum Zeitpunkt

der Direktoriums-

aussprache
Ergebnis3
Prozent
Binnenwirtschaft
Veränderung des realen BIP−0,62,91,52,01,0
Arbeitslosenquote12,110,410,410,5
Veränderung der Verbraucherpreise (Periodenende)21,121,228,316,619,8
Milliarden US-Dollar1
Außenwirtschaft
Ausfuhren8,17,612,812,614,2
Einfuhren11,311,215,314,216,8
Leistungsbilanz−3,5−3,9−2,5−1,8−1,7
Ausländische Direktinvestitionen, netto2,31,14,41,62,0
Kapitalbilanz einschließlich Devisenbilanz46,13,47,82,10,4
Bruttoreserven6,76,812,011,49,8
Leistungsbilanz (Prozent des BIP)−9,0−9,5−5,6−4,0−3,8
Auslandsschulden, netto (Prozent des BIP)38,845,836,839,531,7
Bruttozinszahlungen (Prozent der Ausfuhr von Waren und Nichtfaktordienstleistunge)514,618,213,812,1
Nettozinszahlungen (Prozent der Ausfuhr von Waren und Nichtfaktordienstleistunge)610,412,19,46,1
Tilgungszahlungen (ohne Vorauszahlungen; Prozent der Ausfuhr von Waren und Nichtfaktordienstleistungen)724,130,529,932,6
Vorauszahlungen (Prozent der Ausfuhr von Waren und Nichtfaktordienstleistungen)86,49,55,78,8
Veränderung des realen effektiven Wechsel kurses (Prozent; auf Basis des Verbraucherpreisindexes)9,3−0,8−1,02,2
Prozent des BIP1
Finanzielle Größen
Konsolidierter Finanzierungssaldo der Regierung−7,6−6,4−3,80,6−0,2
Ausschließlich Privatisicrungscrlöse−7,8−7,1−6,6−3,9−3,5
Bruttoersparnis (auf VGR-Basis)10,614,418,821,621,7
Bruttoinvestitionen (auf VGR-Basis)20,022,222,424,423,7
Veränderung der breit abgegrenzten Geldmenge (M2; Prozent)16,813,018,513,720,9

Soweit nicht anders vermerkt.

Geschätzt.

Aktualisierte IWF-Schätzungen.

Einschließlichstatistischer Diskrepanz, aber ausschließlich Veränderung in den Währungsreserven. Für 1996 einschließlich des Konzeptes der Kapitalbilanz mit Devisenbilanz (capital and financial accounts), wie aus dem Balance of Payments Manual des IWF, fünfte Ausgabe (1993), hervorgeht.

Zinsaufwand für alle Auslandsverpflichtungen.

Zinsaufwand für alle Auslandsverpflichtungen abzüglich Zinserträge für Auslandsaktiva und Devisenreserven.

Tilgungszahlungen auf alle Auslandsverpflichtungen abzüglich Zahlungen auf Verpflichtungen, die erst nach Jahresende fällig werden.

Tilgungszahlungen, die während des Jahres auf nach Jahresende fällig werdende Verpflichtungen geleistet wurden.

Soweit nicht anders vermerkt.

Geschätzt.

Aktualisierte IWF-Schätzungen.

Einschließlichstatistischer Diskrepanz, aber ausschließlich Veränderung in den Währungsreserven. Für 1996 einschließlich des Konzeptes der Kapitalbilanz mit Devisenbilanz (capital and financial accounts), wie aus dem Balance of Payments Manual des IWF, fünfte Ausgabe (1993), hervorgeht.

Zinsaufwand für alle Auslandsverpflichtungen.

Zinsaufwand für alle Auslandsverpflichtungen abzüglich Zinserträge für Auslandsaktiva und Devisenreserven.

Tilgungszahlungen auf alle Auslandsverpflichtungen abzüglich Zahlungen auf Verpflichtungen, die erst nach Jahresende fällig werden.

Tilgungszahlungen, die während des Jahres auf nach Jahresende fällig werdende Verpflichtungen geleistet wurden.

Nach der Abwertung des Forint und den Anfang 1995 erfolgten Anhebungen der administrierten Preise beschleunigte sich die Inflation, ermäßigte sich dann aber wieder; sie bewegte sich bis Ende Juni 1996 bei 24% - 25%. Die Reallöhne gingen 1995 um mehr als 10% zurück, und im Juni 1996 lag der Anstieg der Bruttolöhne im Vorjahresvergleich bei ungefähr 25%. Das Defizit des konsolidierten Staatshaushalts (ohne Privatisierungserlöse) sank im Jahre 1995 um einen halben Prozentpunkt des BIP, und für 1996 waren im Budget weitere Kürzungen eingeplant. Die in der ersten Jahreshälfte von 1996 über Erwarten gute Entwicklung der Finanzlage der Zentralregierung überkompensierte das steigende Defizit in der Sozialversicherung.

Ziel der Geldpolitik war es, die Wechselkurspolitik zu unterstützen und positive Realzinsen zu gewährleisten — trotz des mit dem Umtausch von Devisen in Forint verbundenen Drucks auf die Zinsen. Wegen eines Zinsdifferentials (bereinigt um den angekündigten Abwertungssatz) von 13-14 Prozentpunkten verstärkten sich Anfang 1996 die Wechselkursanspannungen, was sterilisierte Interventionen der Zentralbank erforderte. Trotzdem beschleunigte sich das Wachstum der breit abgegrenzten Geldmenge, und die Zinsen für Schatzwechsel gingen Anfang 1996 um etwa 7 Prozentpunkte zurück. Die Marktzinsen stabilisierten sich, und die Interventionen ebbten während der Monate Mai und Juni ab, als sich das Zinsdifferential auf ungefähr 5 Prozentpunkte verringerte.

Die Privatisierung schritt voran, was durch den Verkauf einiger größerer staatlicher Versorgungsunternehmen Ende 1995 zum Ausdruck kam; dagegen verzögerten sich die Schrumpfung der Gesundheitsdienste, die Kürzung der Arzneimittelsubventionen und die Reform der Erwerbsunfähigkeitsrenten. Allerdings wurde das Renteneintrittsalter für Männer und Frauen (nach einer Übergangsfrist) heraufgesetzt, und bei der Vorbereitung einer umfassenden Rentenreform wurden Fortschritte erzielt; hierzu gehörte auch die Einführung eines Teilbereichs mit vollständiger Kapitaldeckung.

Bei ihrer Erörterung begrüßten die Direktoren die merkliche Verbesserung der gesamtwirtschaftlichen Lage: Die Defizite im Staatshaushalt und in der Leistungsbilanz seien kräftig zurückgegangen, die Strukturreformen vorangekommen, und die verbesserte Außenwirtschaftsentwicklung habe zu einem beträchtlichen Rückgang der Nettoauslandsverschuldung geführt. Die internationalen Finanzmärkte belohnten die eindrucksvollen Anstrengungen der Behörden. Zudem habe die Belebung der Exporte trotz des kräftigen Rückgangs der Inlandsnachfrage ein positives Wirtschaftswachstum ermöglicht. Der Erfolg bei der Inflationsbekämpfung sei jedoch geringer als erwartet, und die Direktoren verwiesen auf das daraus für das Anpassungsprogramm resultierende Risiko. Sie bedauerten die Entscheidung der Behörden, die Inflationsziele anzuheben, anstatt ihre wirtschaftspolitischen Maßnahmen zu straffen. Die Verfestigung von Inflationserwartungen könne die bereits erreichten Fortschritte untergraben, warnten die Direktoren, und sie forderten nachdrücklich zu einer besseren Politikumsetzung auf. Um die angebotsseitigen Engpässe zu verringern und den Wettbewerb zu stärken, seien eine straffe Geld- und Finanzpolitik sowie Strukturreformen erforderlich, ergänzt durch Zurückhaltung bei den Lohnerhöhungen.

Die Direktoren lobten die Behörden dafür, daß sie weiterhin an der Haushaltskonsolidierung festhielten. In Anbetracht des verfehlten Inflationsziels, unterstrichen sie, sei es wesentlich, zumindest das für 1996 bestehende Defizitziel von 4% des BIP zu realisieren. Eine Reihe von Risiken bedrohe die Erreichung dieses Ziels, insbesondere das Defizit bei der Sozialversicherung und Verzögerungen bei den Strukturreformen. Die Direktoren forderten die Behörden nachdrücklich dazu auf, zügige Korrekturmaßnahmen zu ergreifen, sofern sich das Verbrauchsteueraufkommen nicht belebe und der Abbau der Zahlungsrückstände gegenüber der Sozialversicherung nicht — wie von den Behörden erwartet — vorankomme.

Die Kapitalimporte, so stellten die Direktoren fest, hätten die Umsetzung der Geldpolitik schwieriger gemacht. Obwohl der Rückgang des Zinsgefälles zur Verringerung dieser Zuflüsse führen könne, warnten sie davor, das Potential für anhaltende Zuflüsse und die Kosten weiterer sterilisierter Interventionen zu unterschätzen. Einige Direktoren regten an, als Element einer anti-inflationären Strategie eine flexiblere Wechselkurspolitik durchzuführen, während andere glaubten, daß der Wechsel zu einem neuen Anker die Glaubwürdigkeit unterminieren könne; andere Direktoren empfahlen, den Abwertungssatz zu verringern. Die Direktoren betonten, daß eine erfolgreiche Strukturreform eine Grundvoraussetzung für eine solide Wirtschaftsentwicklung auf mittlere Sicht sei. Obwohl bedeutende Schritte unternommen worden seien, insbesondere die Beschleunigung der Privatisierung und die Anhebung des Renteneintrittsalters, seien die Verzögerungen bei der Reform des Gesundheitswesens und der Renten sowie die weiterhin sehr großen Defizite im Sozialversicherungshaushalt beunruhigend. Die Direktoren begrüßten die Absicht der Behörden, für die Rentenreform und die Reform der Erwerbsunfähigkeitsrenten die Zustimmung des Parlaments zu suchen.

Nach der Direktoriumsaussprache im August verbesserte sich die gesamtwirtschaftliche Entwicklung 1996 weiter. Das Leistungsbilanzdefizit fiel unter 1,7 Mrd $, und das Defizit des konsolidierten Staatshaushalts (ohne Privatisierungserlöse) betrug 3,5% des BIP (weniger als vorgegeben) bei einem Primärüberschuß von 5% des BIP. Die wirtschaftliche Aktivität, die in der ersten Hälfte von 1996 stagniert hatte, nahm im vierten Quartal auf Jahresrate hochgerechnet um 3% zu. Infolgedessen erhöhte sich das Wachstum des BIP für das ganze Jahr auf 1%. Die von dem System der stufenweisen Paritätsanpassung ausgehende Disziplinierung, die Eindämmung der Inlandsnachfrage und die Aufschiebung der Energiepreiserhöhungen trugen in der zweiten Jahreshälfte 1996 zu einem deutlichen Inflationsrückgang bei. Hingegen übertraf das Defizit der Sozialversicherungsfonds 1% des BIP, verglichen mit der Programmvorgabe von ¼% des BIP. Der Grund dafür waren Verzögerungen bei der Strukturreform.

Im Geschäftsjahr 1996/97 stand Hongkong unter der Verwaltung des Vereinigten Königreichs. Am 1. Juli 1997 wurde es der Volksrepublik China zurückgegeben und ist nunmehr ein Sonderverwaltungsbezirk von China.

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