Chapter

Kapitel 3. Internationale kapitalmärkte

Author(s):
International Monetary Fund
Published Date:
October 1997
Share
  • ShareShare
Show Summary Details

Im Juli 1996 nahm das Direktorium seine alljährliche Bewertung von Entwieklungen auf den internationalen Kapitalmärkten vor.3 Die Direktoren begrüßten die Gelegenheit zur Aussprache und erörterten, wie die Anwendung solider aufsichtlicher und regulatorischer Bankgeschäftsstandards auf eine größere Zahl von Ländern ausgeweitet werden könne und welche Rolle dem Fonds auf diesem Gebiet zukomme. Sie befaßten sich auch damit, wie das Störpotential auf den globalen Devisenmärkten weiter reduziert werden könne.

Kapitalströme in aufstrebende Märkte

Die Direktoren wiesen auf das Tempo hin, mit dem sich die Nettokapitalströme in die aufstrebenden Märkte von den Störungen im Zusammenhang mit der mexikanischen Finanzkrise Anfang 1995 erholt hatten. Es bestand generelles Einvernehmen, daß sich die Investoren der Risiken bewußter geworden seien, die mit Investitionen in aufstrebenden Märkten verbunden sind. Vor allem werde die Bewertung sowohl der wirtschaftlichen Verhältnisse als auch der Investitionschancen in sich entwickelnden Märkten stärker als früher von einem umfassenderen Spektrum makroökonomischer, finanzieller und die Gesundheit von Banken betreffender Indikatoren abhängig gemacht. Die Direktoren wiesen insbesondere daraufhin, daß es Anzeichen dafür gebe, daß die Investoren bei der Art und dem Ziel ihrer Investitionen eine schärfere Auswahl treffen, was sich in der geringeren Bedeutung volatilerer Kapitalbewegungen ebenso niedergeschlagen habe wie in der Zunahme der ausländischen Direktinvestitionen und der grenzüberschreitenden Kreditvergaben in den meisten Regionen und in Anteilsverschiebungen zwischen den Kapitalströmen in die verschiedenen Regionen sowie zwischen den Ländern derselben Regionen.

Risikomanagement

Die Direktoren begrüßten die positive Auswirkung dieser Entwicklungen auf die Stabilität der Märkte, warnten aber vor Selbstzufriedenheit. Sie erklärten, daß noch erhebliche Fortschritte erzielt werden müßten, bis sich Qualität und Verfügbarkeit wirtschaftlicher und finanzieller Daten über aufstrebende Märkte — und dadurch die unterstützende Analyse — positiv mit dem vergleichen lasse, was über die Märkte der Industrieländer vorhanden sei.

Einige Direktoren äußerten insbesondere Besorgnis über Umschichtungen in Yen- und DM-denominierte Schuldverschreibungen. In dem Maße, in dem die Wechselkursrisiken nicht angemessen abgesichert seien, würden Kreditnehmer möglicherweise größere Risiken eingehen, als sie bewältigen könnten. Auch Kreditgeber könnten sich höheren Kreditrisiken aussetzen, als sie voll erkennen würden. Die Direktoren erklärten, daß dieser Aspekt des Schuldenmanagements in verschiedenen Schwellenländern weiter beobachtet werden müsse.

Bei der Erörterung des rasch wachsenden Umfangs und der Komplexität der Devisenmärkte wiesen die Direktoren auf die zentrale Position dieser Märkte im internationalen Währungssystem hin. Die jüngsten Initiativen der Zehnergruppe der Industrieländer, die dazu aufforderten, das private Risikomanagement zur Reduzierung von Abwicklungsrisiken zu verbessern, wurden begrüßt. Es wurde betont, daß die Verminderung der Abwicklungsrisiken in erster Linie eine Aufgabe des privaten Sektors sei.

Überwachung der globalen Finanzmärkte

Bei der Erörterung der Trends und Tendenzen an den Märkten der großen Industrieländer wurde festgestellt, daß die Entwicklung der internationalen Finanzmärkte seit den frühen neunziger Jahren daraufhindeute, daß die internationalen Kapitalmärkte widerstandsfähiger geworden seien. Dennoch hielten es die Direktoren für voreilig, daraus zu schließen, daß die finanziellen Institutionen fähig seien, auf die meisten Arten von Störungen, einschließlich unerwarteter und drastischer Zins- und Wechselkursänderungen, anstandslos und wirksam zu reagieren. Hier sei man gut beraten, Vorsicht walten zu lassen.

Die Direktoren stellten fest, daß die Bankensysteme in wichtigen Industrieländern bedeutende Fortschritte bei der Verbesserung ihrer finanziellen Verhältnisse, ihrer Ertragsentwicklung und in ihrem Risikomanagement erzielt hätten. Einige Länder hätten aber weiterhin Probleme, und die Möglichkeit finanzieller Spannungen infolge des zunehmenden globalen Wettbewerbs — und der Verbreitung neuer und unvertrauter finanzieller Transaktionen — könnten nicht ausgeschlossen werden. Bezüglich der Entwicklungsländer wurde betont, daß es wichtig sei, die regulatorische und die marktmäßige Infrastruktur zu verbessern; die nationalen Behörden müßten die Aufsicht und Überwachung der entsprechenden finanziellen Sektoren verstärken.

Die Direktoren befaßten sich mit bestehenden Arrangements zur Sicherung der Stabilität und Leistungsfähigkeit der internationalen Märkte. Sie stellten fest, daß die Initiativen der Länder der Zehnergruppe zur Abstimmung und Harmonisierung ihrer aufsichtlichen und regulatorischen Tätigkeiten — hauptsächlich durch den Basler Ausschuß für Bankaufsicht — eine Reihe wichtiger Fragen berührten. Insbesondere erörterten die Direktoren die jüngsten Richtlinien über Mindestkapitalanforderungen für von internationalen Banken eingegangene Marktrisiken sowie die Grundsätze, nach denen die Aufsichtszuständigkeiten der Heimat- und Gastländer geregelt seien, sowie die Abmachungen hinsichtlich der Weitergabe aufsichtlicher Informationen. Es bestand weitgehendes Einvernehmen, daß die gegenwärtigen aufsichtlichen und regulatorischen Vereinbarungen bei der Bewältigung von Änderungen im internationalen Finanzsystem im allgemeinen erfolgreich gewesen seien.

Trotz dieser Erfolge, so stellten die Direktoren fest, blieben wichtige Herausforderungen bestehen. Der Ansatz der Zehnergruppe zur Formulierung und Umsetzung einer aufsichtlichen und regulatorischen Politik müsse auf eine größere Gruppe von Ländern übertragen und auf sie angewendet werden. Dies sei nicht nur wichtig, um die Stabilität des internationalen Finanzsystems zu sichern, sondern auch, um die Leistungsfähigkeit der einheimischen Kreditinstitute in den Entwicklungsländern zu stärken.

Rolle des Fonds

Die Direktoren begrüßten die Anstrengungen des Baseler Ausschusses und der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ), mit regionalen Vereinigungen von Aufsichtsbehörden — neben einzelnen Ländern, die nicht zur Zehnergruppe gehörten — Kontakt aufzunehmen, um auf diese Weise eine wirksamere Bankenaufsicht und Regulierung zu formulieren und umzusetzen. In diesem Zusammenhang erklärten sie, daß es keine Notwendigkeit für irgendeine neue institutionelle Struktur gebe. Mitglieder des Direktoriums betonten jedoch, daß der Fonds, mit seiner universellen Mitgliedschaft, eine zentrale Rolle bei der Förderung gesunder Bankgeschäftsstrukturen und der Einhaltung international vereinbarter Standards in den aufstrebenden Märkten, Transformationsländern und anderen Entwicklungsländern spielen könne.

International abgestimmte aufsichtliche und regulatorische Mindeststandards müßten nach Auffassung der Direktoren entwickelt werden. Diese Standards sollten zentrale Aspekte aufsichtlicher Regeln, den Aufbau des regulatorischen Umfeldes und die internationale Aufteilung von Aufsichtszuständigkeiten sowie den Austausch aufsichtlicher Informationen umfassen. Der Fonds könne als Teil seiner Zuständigkeit zur Verbreitung derartiger Standards beitragen; außerdem könne der Fonds helfen, den Fortschritt bei der Anpassung und Einhaltung solcher Standards zu überwachen.

Bei anschließenden Diskussionen (siehe Kapitel 4, Abschnitt über die Solidität von Banksystemen) betonen die Direktoren, daß der Fonds unter anderem Gebrauch machen solle von den Hauptgrundsätzen für wirksame Bankenaufsicht, die vom Baseler Ausschuß entwickelt werden. Auch solle möglichst eng mit anderen internationalen Organisationen und Gruppen, einschließlich des Baseler Ausschusses und der Weltbank, zusammengearbeitet werden.

Das vom Stab vorbereitete Hintergrundpapier wurde später unter dem Titel “International Capital Markets: Developments, Prospects, and Key Policy Issues” (September 1996), in der IWF-Schriftenreihe World Economic and Financial Surveys veröffentlicht.

    Other Resources Citing This Publication