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Die Rolle des Fonds: Finanzierung und ihre Verknüpfung mit der Überwachung

Author(s):
International Monetary Fund
Published Date:
September 1996
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In den Jahrzehnten seit der Gründung des Fonds durch das Übereinkommen von Bretton Woods 1944 haben vier wesentliche Entwicklungen das weltwirtschaftliche Umfeld, in dem der Fonds tätig ist, fundamental verändert: Ein System fester Paritäten, die an das Gold gekoppelt waren, ist durch eine viel größere Flexibilität der Wechselkurse ersetzt worden; das Volumen der privaten Kapitalströme hat sich enorm ausgeweitet; das Wachstum des Handels und die umfangreicheren Kapitalströme haben zu einer stärkeren Verflechtung der Länder geführt, gleichzeitig aber die Länder gegenüber externen Schocks anfälliger werden lassen; und die Mitgliedschaft des Fonds ist nahezu universal geworden. Auf seinem Treffen im April 1995 bat der Interimsausschuß das Direktorium zu prüfen, wie sich in dem veränderten globalen Umfeld die Rolle des Fonds im Hinblick auf seine Aufgaben, die Zahlungsbilanzungleichgewichte der Länder vermeiden oder korrigieren zu helfen, weiter entwickelt. Dabei solle das Schwergewicht auf das Verhältnis zwischen den Finanzhilfen des Fonds und der Überwachung der Wechselkurspolitik der Mitgliedsländer durch den Fonds gelegt werden. Diese Überprüfung wurde im August 1995 durchgeführt.

Grundprinzipien der Fondsfinanzierungen

In ihrer Aussprache stellten die Direktoren fest, daß die allgemeine Flexibilität der Wechselkurse und die umfangreicheren privaten Kapitalströme auf verschiedene Weisen die Fondsfinanzierungen beeinflußt haben. Wenngleich für viele Mitgliedsländer die Finanzierung von Leistungsbilanzungleichgewichten leichter geworden sei, seien die Länder anfälliger gegenüber Stimmungsumschwüngen auf den Märkten geworden sowie gegenüber dem Risiko, plötzlich keinen Zugang zu den Märkten mehr zu haben. Sogar Fondsmitglieder, die sich für ein flexibles Wechselkurssystem entschieden hätten, hätten ihre Reservebestände mit der Zeit erhöht und häufig am Markt interveniert, um ihre Wechselkurse zu beeinflussen. Die Industrieländer hätten in jüngster Zeit keine Fondsfinanzierungen in Anspruch genommen. Für die meisten Mitglieder bleibe jedoch die Rolle des Fonds als eine mögliche Quelle temporärer Zahlungsbilanzfinanzierung zur Unterstützung von Anpassungsanstrengungen wichtig.

Das Direktorium stimmte darin überein, daß das Ziel der Fondsfinanzierungen die Reduzierung möglicher Belastungen ist, die mit wirtschaftspolitischen Anpassungen oder exogenen Schocks verbunden sind, und daß ihre Wirksamkeit eng mit der Überwachung und Konditionalität verknüpft ist. Die privaten Kapitalmärkte sind nicht bereit oder nicht in der Lage, Finanzierungen in jeder Situation zur Verfügung zu stellen; außerdem unterliegen private Kapitalströme gelegentlich plötzlichen oder willkürlichen Umschwüngen. Dies kann zu Zahlungsbilanzproblemen führen, mit möglichen Folgewirkungen für andere Länder. Unter solchen Umständen solle der Fonds private Finanzierungen ergänzen und sicherstellen, daß die Mitgliedsländer eine angemessene Politik verfolgen. Die Direktoren betonten, daß es ein Hauptziel der Überwachung ist, die Wahrscheinlichkeit und das Ausmaß von Zahlungsbilanzkrisen zu verringern, sowie das Vertrauen des privaten Sektors zu stärken. Die Kombination von Überwachung und konditionierter Finanzierung dient dazu, den Mitgliedern die Gewißheit zu geben, daß sie nach der Liberalisierung und Öffnung ihrer Volkswirtschaften außergewöhnlichen Risiken nicht ungeschützt ausgesetzt sind.

Die mexikanische Finanzkrise vom Dezember 1994 habe den Bemühungen um eine Stärkung der Überwachung zusätzliche Impulse verliehen, und einige Direktoren betonten, daß sich die Überwachung stärker auf den Finanzsektor und die Steuerung der Auslandsverschuldung konzentrieren solle. Viele Direktoren stellten jedoch fest, daß der Fonds auch bei einer wirksameren Überwachung noch erhebliche Mittel zur Unterstützung Mexikos hätte einsetzen müssen. Nichtsdestoweniger stimmte das Direktorium darin überein, daß das Ausmaß der gesamten Mexiko gewährten finanziellen Unterstützung außergewöhnlich gewesen sei und nicht als Präzedenzfall angesehen werden solle.

Die Direktoren bekräftigten, daß die Fondsfinanzierungen temporär und unter angemessenen Sicherungen bereitgestellt werden sollten. Außerdem solle die Konditionalität im Rahmen fondsgestützter Programme sicherstellen, daß die Zahlungsungleichgewichte innerhalb einer akzeptablen Zeitspanne korrigiert und die Fondsmittel zurückgezahlt würden. Die Direktoren stimmten darin überein, daß die Verfahrensweisen bei den Fondsfinanzierungen angemessen sind und keine Anreize für Mitglieder begründen, eine riskante Wirtschaftspolitik zu betreiben. Viele Direktoren waren jedoch besorgt, daß die im Falle Mexikos gewährte Finanzierung zu einem als “moral hazard” bezeichneten Verhalten der Gläubiger führen könne, mit möglichen Gefahren für die Zukunft, da die Investoren ermutigt sein könnten, das Risiko ihrer Anlagen zu ignorieren bzw. nicht ausreichend zu beachten. Diese Direktoren betonten, daß es nicht zu den Aufgaben des Fonds gehört, den Wert von Fremdwährungsverbindlichkeiten oder anderer Verbindlichkeiten von Regierungen zu garantieren. Einige andere Direktoren glaubten jedoch nicht, daß durch die Hilfe des Fonds an Mexiko gravierende Gefahren im Sinne eines “moral hazard” entstanden sind.

Künftiger Bedarf an Fondsmitteln

Im Zusammenhang mit der Erörterung des künftigen Bedarfs an Fondsmitteln teilten die Direktoren die Mitgliedsländer in vier Gruppen ein:

  • Industrieländer. Diese Länder hätten Fondsmittel selten in Anspruch genommen - da sie Zugang zu privaten Finanzierungen haben - aber die Möglichkeit eines Bedarfs bleibe bestehen, und viele Direktoren betonten, daß der Fonds aus diesem Grund eine angemessene Liquidität bereithalten sollte. Die Direktoren wiesen jedoch darauf hin, daß die Hauptaufgabe des Fonds in bezug auf diese Länder die Überwachung ist. Eine umfassendere und wirksamere Überwachung sei insbesondere hinsichtlich der Industrieländer wichtig, die für das System als Ganzes von Bedeutung sind - reiner Druck (peer pressure) allein sei unzureichend. In diesem Zusammenhang betonten sie die Bedeutung der multilateralen Überwachung - u. a. im Rahmen der Direktoriumsaussprachen über die weltwirtschaftlichen Aussichten - als ein Mittel zur Ausübung einer wirksamen Aufsicht über die Volkswirtschaften und Wechselkurse der Industrieländer und um sicherzustellen, daß ihre Maßnahmen die Interessen der übrigen Welt angemessen berücksichtigen. Die Direktoren stellten fest, daß die Industrieländer auch ein starkes Interesse an den Endzielen der multilateralen Überwachung des Fonds haben, einschließlich der Förderung eines globalen nichtinflationären und durchhaltbaren Wachstums.

  • Entwicklungsländer mit mittlerem Einkommen. Diese Länder würden zunehmend wichtiger für die Weltwirtschaft, und eine wirksame Überwachung sichere den Fortgang der dynamischen Wirtschaftsentwicklung in vielen dieser Länder. Die Überwachung des Fonds solle in bezug auf diese Länder versuchen, mögliche Krisen zu erkennen und abzuwenden. Falls dennoch eine Krise einträte, solle der Fonds in der Lage sein, rasch ausreichende Zahlungsbilanzhilfen - mit einer angemessenen Konditionalität - bereitzustellen, um die Folgewirkungen der Krise zu begrenzen.

  • Transformationsländer. Die meisten Direktoren erwarteten, daß diese Länder weiterhin erhebliche Fondsmittel benötigen werden, zusammen mit technischer Hilfe und Überwachung. Angesichts der Strukturanpassungen, die in diesen Ländern erforderlich sind, stimmten die Direktoren darin überein, daß die Hilfe des Fonds durchaus für längere Zeiträume, als sonst im Rahmen von fondsgestützten Programmen üblich, in Anspruch genommen werden kann. Viele Direktoren wiesen darauf hin, daß es ein wichtiges Ziel der Überwachung des Fonds und des Engagements des Fonds für diese Länder ist, ihnen zu helfen, sich auf normale Kapitalströme zu stützen, wie bei der Finanzierung über die privaten Märkte.

  • Ärmere Entwicklungsländer. Die Direktoren wiesen darauf hin, daß die Finanzierungen der multilateralen Entwicklungsbanken und ihrer Geber von herausragender Bedeutung für diese Länder sind. Sie stimmten darin überein, daß dem Fonds eine legitime Rolle bei der Bereitstellung temporärer konzessionärer Finanzierungen zukommt, die als Unterstützung ihrer Anstrengungen zur Korrektur von Zahlungsbilanzproblemen gedacht sind. Sie vertraten auch einhellig die Auffassung, daß die Mittel zur Fortführung dieser notwendigen Funktion sichergestellt werden müssen.

Es bestand Einvernehmen im Direktorium, daß eine entscheidende Aufgabe des Fonds die Bereitstellung von Zahlungsbilanzhilfen ist, zusammen mit seiner Überwachungsfunktion und seinen Aktivitäten im Bereich der technischen Hilfe. Generell wurde keine umfassende Neubestimmung der Finanzierungsrolle des Fonds für notwendig erachtet. Bei der Überprüfung der Laufzeitenstrukturen der verschiedenen finanziellen Fazilitäten des Fonds wiesen viele Direktoren darauf hin, daß es wichtig ist, den monetären Charakter des Fonds zu wahren.

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