Chapter

Weltwirtschaftliche Aussichten

Author(s):
International Monetary Fund
Published Date:
September 1996
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Die halbjährlichen Überprüfungen der weltwirtschaftlichen Aussichten durch das Direktorium bilden einen wesentlichen Bestandteil der kontinuierlichen Aufsicht des Fonds über die wirtschaftlichen Entwicklungen und die Politik seiner Mitgliedsländer und über das Weltwirtschaftssystem. Die Berichte über die Aussichten und die verfolgte Politik sind das Ergebnis einer umfassenden Prüfung der weltwirtschaftlichen Entwicklungen und enthalten detaillierte Analysen der kurz- und mittelfristigen Perspektiven für die Weltwirtschaft sowie für einzelne Länder und Ländergruppen. Sie basieren zum größten Teil auf den Informationen, die bei Konsultationen des Stabes mit den Mitgliedsländern gesammelt wurden, und liefern einen Rahmen für die Bewertung der Wechselwirkungen zwischen den wirtschaftspolitischen Maßnahmen der Fondsmitglieder.3

Im Geschäftsjahr 1995/96 beriet das Direktorium zweimal über die weltwirtschaftlichen Aussichten – im September 1995 und im März 1996. Beide Tagungen behandelten eine breite Palette von Themen. Angesichts der dominanten Rolle, die die internationalen Finanzmärkte heute in der Weltwirtschaft spielen, widmeten die Direktoren in ihrer Aussprache vom September 1995 der Beziehung zwischen der inländischen Politik und der globalen Integration besondere Aufmerksamkeit, vor allem in bezug auf die aufstrebenden Marktwirtschaften. Im März 1996 befaßten sie sich schwerpunktmäßig mit den fiskalischen Problemen, die weltweit bewältigt werden müssen, um die Länder auf dauerhafte wirtschaftliche Wachstumspfade zu führen (siehe Kasten 1).

Weltwirtschaftliche Lage

Als die Direktoren im September 1995 die weltwirtschaftliche Gesamtlage erörterten, stimmten sie darin überein, daß die Lage weitgehend positiv bleiben und viele der Mitglieder ein anhaltendes Wirtschaftswachstum und eine relativ niedrige Inflation verzeichen würden.

Die Direktoren stellten fest, daß sich die Weltwirtschaft gegenüber den jüngsten Episoden von Finanzmarktunruhen als widerstandsfähig erwiesen habe. Sie begrüßten die Wechselkursanpassungen zwischen den wichtigsten Währungen der Welt, die anscheinend viel von den vorangegangenen Übersteigerungen wieder korrigiert und die eher nach unten gerichteten Risiken hinsichtlich der Aussichten auf inflationsfreies Wachstum in einigen wichtigen Ländern reduziert hätten. Anhaltende politische Wachsamkeit sei notwendig, um den vollen Nutzen aus diesen günstigen Perspektiven zu ziehen. Die Direktoren vertraten die Auffassung, daß die Madrider Erklärung, die vom Interimsausschuß im Oktober 1994 beschlossen worden war (Jahresbericht S. 207-208), nach wie vor einen weitgehend relevanten Rahmen liefere, auf dem die Politikorientierung aufbauen könne.

Hinsichtlich der Hauptrisiken für die Weltwirtschaft: äußerten verschiedene Direktoren die Besorgnis, daß einige der möglichen grundlegenden Ursachen für die Turbulenzen auf den Finanzmärkten zu Beginn des Jahres erneut zu Stimmungsumschwüngen auf den Märkten führen könnten. Sie verwiesen auf die Risiken, die mit der Volatilität an den globalisierten Finanzmärkten und den zunehmenden Besorgnissen über die Stabilität der Bankensysteme in einigen Ländern verbunden seien. Mehrere Mitglieder des Direktoriums warnten auch davor, zu stark auf die wahrscheinlich vorübergehende Abschwächung des Wirtschaftswachstums in einigen der großen Industrieländer zu reagieren und die fiskalpolitischen Konsolidierungspläne zu verzögern oder eine exzessiv stimulierende Geldpolitik zu betreiben. Die Direktoren betonten, daß sich die Länder mit den Problemen hoher struktureller Arbeitslosigkeit und übermäßiger Haushaltsdefizite entschlossen auseinandersetzen müßten.

In ihrer Überprüfung der Weltwirtschaft im März 1996 stellten die Direktoren fest, daß das Wirtschaftswachstum im Durchschnitt eine zufriedenstellende Rate beibehalten hätte, wenngleich es sich sowohl in Westeuropa als auch Nordamerika ausgeprägter als erwartet verlangsamt habe. In einigen Ländern habe dies von einem bereits hohen Niveau aus zu weiteren Zunahmen der Arbeitslosigkeit gefuhrt. Angesichts der eingedämmten Inflation und relativ niedriger Zinsen in den meisten Ländern erwarteten die Direktoren aber nur eine vorübergehende Wachstumsabschwächung und blieben zuversichtlich über die Perspektiven für das Weltwachstum. Unterdessen blieb die wirtschaftliche Aktivität in den Entwicklungsländern weiter lebhaft, insbesondere in den aufstrebenden Marktwirtschaften, in denen beherzte Stabilisierungs- und Reformanstrengungen unternommen worden waren. Bezüglich der Risiken für die globalen Aussichten stimmten die Direktoren mit dem Stab im wesentlichen darin überein, daß die größten Gefahren von unzureichenden Ersparnissen und gravierenden Haushaltsungleichgewichten ausgehen würden.

Politik der Industrieländer

Während ihrer Aussprache im September 1995 bewerteten die Direktoren die etwas nach unten revidierten Wachstumsprognosen in den meisten Industrieländern - außer Japan – als eine vorübergehende Pause in der Mitte des Wachstumszyklus, während die grundlegenden Wachstumstrends im allgemeinen noch positiv eingeschätzt wurden. In den Vereinigten Staaten, Großbritannien, Australien und Neuseeland sei zu erwarten, daß die Verlangsamung des Wachstums zu einer Abschwächung des Preisauftriebs beitragen werde, wenngleich die Geldpolitik auf der Hut bleiben müsse. Bezüglich der kontinentaleuropäischen Länder, in denen die ungenutzten Kapazitäten größer seien, ging man davon aus, daß sich die Expansion wahrscheinlich mit einer Rate etwas oberhalb des Wachstums des Produktionspotentials fortsetzen werde, wobei allerdings nur geringe Fortschritte beim Abbau der Arbeitslosigkeit zu erwarten seien. Vor diesem Hintergrund wurde eine kürzliche Senkung der offiziellen Zinssätze in Deutschland, Frankreich und mehreren anderen Ländern im Lichte der günstigen Inflationsaussichten und der Notwendigkeit begrüßt, zufriedenstellende Wachstumsraten aufrechtzuerhalten.

Für Japan wurde 1996 eine Belebung des Wachstums als wahrscheinlich angesehen, angesichts der geordneten Rückbildung der Yen-Aufwertung und des Aufschwungs an der Börse. Die Direktoren begrüßten die weitere Senkung offizieller Zinssätze Anfang September, und sie betonten, daß es notwendig sei, im Rahmen des Nachtragshaushalts vom Herbst 1995 den Entzug stimulierender staatlicher Nachfrage zu vermeiden, bis die Erholung gut vorangekommen sei.

Während sich einige Direktoren für eine zusätzliche fiskalpolitische Stimulierung aussprachen, verwiesen andere auf die längerfristigen Nachteile einer weiteren Verschlechterung der Staatsfinanzen. Sie vertraten die Auffassung, daß die Geld- und Fiskalpolitik nach der jüngsten Lockerung wahrscheinlich kaum noch weitere Hilfen zur Stimulierung des Wachstums geben könnte. Die meisten Sprecher stimmten darin überein, daß wesentliche Strukturreformen – weitere Deregulierung und Marktöffnung – erforderlich seien, um die japanische Wirtschaft wiederzubeleben. Die erfolgreich durchgeführte Schließung einiger insolventer finanzieller Institutionen sei ein wichtiger Schritt in Richtung auf eine Lösung des Problems der notleidenden Kredite gewesen. Die Direktoren erklärten jedoch, daß auch für andere finanzielle Institutionen eine Sanierung erforderlich sein könne und daß die Probleme des Finanzsektors die allgemeine Erholung weiterhin erschweren könnten.

Im Zusammenhang mit allgemeineren politischen Fragen äußerten die Direktoren ihre anhaltende Besorgnis über die wirtschaftlichen und sozialen Kosten des hohen Grades an struktureller Arbeitslosigkeit, insbesondere in Europa. Die Regierungen wurden aufgefordert, die Verzerrungen am Arbeitsmarkt abzubauen, die zu der hohen Arbeitslosigkeit beitrügen (z.B. durch die Kürzung der Sozialversicherungsbeiträge der Arbeitgeber für junge und wenig qualifizierte Arbeitnehmer), die Auswirkungen von Mindestlöhnen auf junge Arbeitnehmer zu verringern, die Flexibilität der Löhne durch die Einschränkung oder Abschaffung von Indexierungsmechanismen zu erhöhen und die Ausund Fortbildung zu verbessern.

Die Direktoren erkannten zwar den Fortschritt im fiskalischen Bereich in einigen Industrieländern an, betonten jedoch, daß viel zu tun bleibe, um einen angemessenen Grad an fiskalischer Ausgewogenheit wiederherzustellen und um die Staatsschuldenquoten auf einen eindeutig rückläufigen Trend zu bringen. Sie warnten vor nachlassenden fiskalischen Anpassungsanstrengungen und forderten die Länder auf, das Wachstum weiterhin umsichtig dazu zu nutzen, die Staatsfinanzen zu ordnen. Die Haushaltskonsolidierung bleibe wichtig, um den Druck auf die globalen Realzinsen abzubauen und um die zunehmenden “unsichtbaren” Verbindlichkeiten der meisten staatlichen Altersversorgungs- und Gesundheitsfürsorgesysteme auszugleichen.

Die Direktoren stimmten im wesentlichen mit den Schlußfolgerungen des Stabes überein, daß in Ländern mit hohen Risikoprämien in den Anleihezinsen und stark abgewerteten Währungen die Haushaltskonsolidierung das Vertrauen erheblich verbessern und die Risikoprämien reduzieren sowie die Wechselkurse relativ kurzfristig stärken könnten. In anderen Fällen seien die kurzfristigen Wirkungen der fiskalischen Konsolidierung auf den Wechselkurs vielschichtig, da die unmittelbaren Wirkungen auf den Zinssatz den Wechselkurs tendenziell schwächen würden, während Vertrauenseffekte wohl in die entgegengesetzte Richtung wirken dürften. Längerfristig werde jedoch ein verbesserter Haushalt und die daraus resultierende Zunahme der inländischen Ersparnis tendenziell die gleichgewichtige Nettoauslandsposition stärken, was wiederum zu einer festeren Währung fuhren dürfte.

Kasten 1Fiskalische Probleme und Maßnahmen

Wenn die Länder in die Zukunft blik-ken, wird deutlich, daß eine Reihe von Problemen angemessener angegangen werden muß, um die Risiken nachteiliger Reaktionen der Finanzmärkte zu reduzieren, die Widerstandsfähigkeit der Länder gegenüber schädlichen wirtschaftlichen Störungen zu erhöhen und das Wachstum auf mittlere und längere Sicht zu stärken. Da viele dieser Probleme den fiskalischen Bereich betreffen, wurde in der Aussprache des Direktoriums über die weltwirtschaftlichen Aussichten im März 1996 der Fiskalpolitik besondere Aufmerksamkeit gewidmet.

Fiskalpolitischer Überblick

Die Direktoren stimmten im wesentlichen darin überein, daß die Haushaltsdefizite in vielen Ländern zu hoch sind und daß dies ein bedeutendes wirtschaftliches Problem darstellt. Diese Defizite fuhren ihrer Ansicht nach zu verhältnismäßig hohen Weltrealzinsen, zur Verdrängung von Investitionsausgaben und beeinflussen das längerfristige Wachstum negativ. Hingewiesen wurde auf das Problem möglicher schädlicher Ansteckungswirkungen über die hochintegrierten Finanzmärkte sowie auf die erhebliche-wenngleich weniger sichtbare – Schuldenlast, der sich viele Länder gegenübersehen, weil in den staatlichen Altersversorgungssystemen als Folge der alternden Bevölkerung in den kommenden Jahrzehnten große Ungleichgewichte zwischen Einnahmen und Ausgaben entstehen werden.

Insgesamt führte die Aussprache zu dem Ergebnis, daß die fiskalischen

Probleme, denen sich alle Länder gegenübersehen, komplizierter sind, als sie auf den ersten Blick scheinen. Die Direktoren stimmten insbesondere darin überein, daß die Notwendigkeit besteht, Haushaltsverfahren zu reformieren und für größere Transparenz in den Bilanzen der Regierungen zu sorgen, so daß die Bewertung und Formulierung der Fiskalpolitik verbessert und zukunftsorientierter gestaltet werden kann. Zur Verbesserung der fiskalpolitischen Transparenz, und dadurch auch der Disziplin, wurden u. a. vorgeschlagen: Mehrjährige Haushaltsprognosen, Bewertungen der Eventualverbindlichkeiten und fiskalischen Risiken sowie die Offenlegung ungedeckter Verbindlichkeiten.

Industrieländer

Die Direktoren teilten das Urteil des Stabes, daß Haushaltsungleichgewichte trotz der erzielten Fortschritte ein gravierendes Problem in den meisten Industrieländern blieben. Sie stimmten im wesentlichen darin überein, daß die grundlegende Ursache für die Haushaltsdefizite dieser Länder während der letzten 25 Jahre ein übermäßiges Ausgabenwachstum gewesen sei, das die Zunahme der Einnahmen kontinuierlich überschritten habe. Dieses Wachstum sei weitgehend die Folge rasch steigender Ausgaben für Transferzahlungen, staatliche Renten und Zinskosten gewesen. Ein besonderes Problem stellten die Zahlungsverpflichtungen aus Leistungsansprüchen dar, vor allem im Rahmen der Gesundheitsfürsorge in den Vereinigten Staaten und der staatlichen Rentenversicherungen in Europa. Auch der ständige Anstieg der strukturellen Arbeitslosigkeit in Europa hätten zu den Haushaltsungleichgewichten in jenem Teil der Welt beigetragen. Während sich der Anstieg der Verschuldung in Relation zum BIP in einigen dieser Länder Mitte der 90er Jahre abgeflacht habe, bewegten sich diese Kennzahlen in vielen Ländern weiterhin auf nicht durchhaltbaren Bahnen, und in nahezu allen Fällen seien die Schuldcnstände viel höher als vor 15 Jahren.

Die Direktoren stellten fest, daß der Gegenwartswert der ungedeckten künftigen Forderungen an die staatlichen Altersversorgungssysteme in vielen Ländern bereits das gesamte BIP übersteigt und daß die Altersversorgungssysteme e in einigen der wichtigsten Industrieländer wahrscheinlich mit Beitragslücken konfrontiert werden. Sie stimmten darin überein, daß eine Lösung höhere Beitragssätze, niedrigere Leistungen und höhere Rentenalter erforderlich macht.

Die Direktoren erklärten, daß die fiskalische Konsolidierung der mittel-und längerfristigen Entwicklung der Industrieländer einen kräftigen Schub geben könne, und betonten, daß beherztere Maßnahmen wahrscheinlich eher zum Erfolg führen als begrenztere Anstrengungen. So wären insbesondere Haushaltskürzungen, die auf die Reduzierung von Transferzahlungen und anderen Regierungsausgaben zielen, im allgemeinen wirkungsvoller als jene Maßnahmen, die sich stärker auf Steuererhöhungen stützen.

Entwicklungsländer

Das Direktorium begrüßte die ausgeprägten Verbesserungen im fiskalpoliti-schen Kurs vieler Entwicklungsländer seit den achtziger Jahren. Es stellte fest, daß effizientere fiskalpolitische Maßnahmen eine entscheidende Rolle bei der Förderung eines stabileren makroökonomischen Umfeldes, höherer inländischer Ersparnisse und Investitionen sowie marktorientierter Strukturreformen gespielt haben. Die Direktoren stimmten im wesentlichen darin überein, daß das Wachstum und die Zusammensetzung der öffentlichen Ausgaben in vielen Entwicklungsländern häufig ein übermäßiges Engagement des Staates in Tätigkeitsbereichen widerspiegelt, die effizienter vom Privatsektor übernommen werden könnten. Viele Direktoren betonten, daß häufig auch Schwächen bei den Staatseinnahmen ein kritisches Problem darstellen und daß der Erweiterung der Besteuerungsbasis und der Verbesserung des Steuereinzugs Priorität eingeräumt werden sollte.

Eine große Zahi der staatliehen Tätigkeiten, die von quasifiskalischen Institutionen ausgeübt würden, verursachten zwar keine unmittelbaren Haushaltsausgaben, führten aber häufig zum Entstehen von bedingten oder ungedeckten Verbindlichkeiten. Die Direktoren warnten, daß in einigen Entwicklungsländern die Verbesserungen im Haushalt der Zentralregierung ein falsches Bild von der wirklichen Entwicklung der gesamten finanziellen Position des öffentlichen Sektors geben könnten. In solchen Fällen könne die scheinbare fiskalische Disziplin im Bereich der Zentralrcgierung nicht ausreichen, um die makroökonomische Stabilität sicherzustellen.

Hinsichtlich der Beziehung zwischen Fiskalpolitik und Wirtschaftswachstum stellten mehrere Direktoren fest, daß die Frage, ob fiskalpolitische Maßnahmen das Wachstum förderten, davon abhänge, bis zu welchem Grad das Niveau und die Zusammensetzung der Regierungsausgaben den Sachkapitalbestand und das Humankapital verstärkten, sowie davon, ob die staatlichen Dienstleistungen die Tätigkeiten des Privatsektors ergänzten. Einige Regierungen dürften zwar in der Lage sein, auf ausländische Ersparnisse zurückzugreifen; der Aufbau außenwirtschaftlicher Ungleichgewichte erhöhe aber die Anfälligkeit eines Landes gegenüber einer plötzlichen Umkehr der Kapitalströme, mit schädlichen Folgen für die inländische Politik und die Konjunktur. So könne in der Tat die Notwendigkeit, die Abhängigkeit von ausländischen Ersparnissen und kurzfristigen Kapitalzuflrissen zu begrenzen, eine Straffung der Fiskalpolitik auch in Ländern rechtfertigen, die bereits einen hohen Grad an fiskalpolitiseher Konsolidierung erreicht hätten.

Transformationsländer

Die Direktoren bestätigten den erheblichen Fortschritt in Richtung auf eine fiskalpolitische Konsolidierung, den die meisten Transformationsländer erzielt haben. Die im Übergang zu einer Marktwirtschaft weiter fortgeschrittenen Länder hätten im allgemeinen die Haushaltsdefizite gemessen in Prozent des BIP auf niedrigem Niveau gehalten oder geringe Überschüsse aufgewiesen. Die Direktoren begrüßten auch die fiskal-politischen Konsolidierungsanstrengun-gen in jenen Ländern, die im Transformationsprozeß weniger weit fortgeschritten waren, wobei sie feststellten, daß solide öffentliche Finanzen eine grundlegende Voraussetzung für eine gewissenhafte Geld- und Kreditpolitik sei, die wesentlich für die Stabilisierung wäre. Einige Direktoren äußerten Besorgnis über die offensichtlichen Mängel der Steuererhebungssysteme von Ländern, die weniger weit im Übergang fortgeschritten waren; sie stimmten mit der Einschätzung des Stabes überein, daß, falls dies nicht korrigiert werde, die geringen Steuereinnahmen, verbunden mit einer ineffizienten Steuerverwaltung, eine gravierende Bedrohung der Stabilisierung darstellten.

Die Direktoren begrüßten den von den Transformationsländern erzielten Fortschritt bei der Neudefinition der Rolle des Staates. Sie zeigten sich jedoch besorgt darüber, daß die Regie-rungsinterventionen in die Wirtschaft durch verschiedene quasifiskalische Maßnahmen außerhalb des Budgets ein Problem blieben, da diese Aktivitäten Eventualverbindlichkeiten begründeten mit möglicheweise hohen fiskalischen Kosten. (Siehe auch Kapitel II, Abschnitt 4.) Indem sie ineffiziente Staatsunternehmen von den Marktkräften abschirmen, verzerrten solche Maßnahmen auch die Allokation der Ressourcen und untergrüben die fiskalische Stabilisierung. Die Direktoren unterstrichen auch die Notwendigkeit einer Stärkung sozialer Sicherungsnetze, um die negativen Nebenwirkungen der Umstrukturierung von Unternehmen und anderer Reformen zu mildern, und die Notwendigkeit einer Reform von Alters-versorgungssysteinen, um den anhaltenden Fortsehritt in Richtung auf eine Konsolidierung der öffentlichen Finanzen abzusichern.

Bei ihrer Aussprache im März 1996 stimmten die Direktoren mit den Prognosen des Stabes überein, daß sich das Wirtschaftswachstum in Westeuropa und Nordamerika in der zweiten Hälfte von 1996 wiederbeleben werde, daß aber das Wachstum für das Jahr als Ganzes in Frankreich und Deutschland erheblich niedriger ausfallen dürfte, als im Herbst 1995 vorausgesagt worden war. Für den größten Teil Europas deute das für 1996 prognostizierte bescheidene Wachstumstempo daraufhin, daß es einige Zeit dauern werde, bis die Schwäche auf dem Arbeitsmarkt überwunden sei. Die Direktoren betonten, daß die negativen Wirkungen struktureller Verkrustungen auf den Arbeitsmärkten und ein Vertrauensverlust – möglicherweise aufgrund von Ungewißheiten bezüglich des Zeitplans der europäischen Währungsunion – Faktoren seien, die zur Abschwächung in Europa beigetragen hätten. Von einem allgemeineren Blickwinkel aus verwiesen einige Sprecher auf den enttäuschenden Mangel an Dynamik und auf das langsame Tempo der strukturellen Anpassung in den meisten europäischen Volkswirtschaften.

Die meisten Direktoren stellten auch fest, daß es in Europa hinsichtlich der Wachstumscntwicklung einen Unterschied zwischen zwei Gruppen von Ländern gibt. Das Wachstum sei in jenen Ländern, deren Währungen sich in den letzten Jahren abgewertet hätten, relativ gut aufrechterhalten worden – wenngleich in einigen Fällen anfänglich unausgewogen während in den Ländern mit harten Währungen die wirtschaftliche Aktivität stagniert und die Arbeitslosigkeit wieder zugenommen habe. Es war die Auffassung vieler Direktoren, daß diese Diskrepanz zum Teil die Unterschiede im “policy mix” und im Kurs der Politik widerspiegelten. In den Ländern mit schwachen Wahrungen sei die Fiskalpolitik gestrafft worden, um die großen Haushaltsungleichgewichte abzubauen, und die monetäre Lage habe sich erheblich entspannt, insbesondere nach der Abwertung ihrer Währungen im Gefolge der Krise im Europäischen Währungssystem in den Jahren 1992-93. In den Ländern mit harten Währungen sei der Fortsehritt in Richtung auf eine Konsolidierung der öffentlichen Finanzen weniger eindeutig gewesen, und Geldpolitik und Wechselkurse schienen die Wirtschaftsaktivität doch stärker eingeengt zu haben als zunächst angenommen.

Während die meisten Direktoren darin übereinstimmten, daß Wechselkursabwertungcn dazu beigetragen hätten, die Konjunktur in einigen Ländern zu beleben, betonten verschiedene Direktoren, daß eine Abwertungsstrategie keine generell durchhaltbare politische Option sei, und verwiesen auf das Inflationsrisiko sowie auf den wichtigen Beitrag der Hartwährungen zur globalen Preisstabilität.

Es bestand Einvernehmen zwischen den Direktoren, daß die Abschwächung in Europa temporär sei, aber es gab einige Ungewißheit über den Zeitpunkt und die Stärke des erwarteten Wiederaufschwungs. Eanige Direktoren stellten fest, daß niediigere kurzfristige Zinssätze und stärkere fiskalische Konsolidierungsplänc in den Hartwährungsländem in den letzten Jahren die Aussichten für kräftigeres Wachstum im kommenden Jahr verbessert hätten. Diese Direktoren sahen angesichts der hohen unausgelasteten Kapazitäten in den meisten europäischen Ländern wenig Risiken, daß eine weitere begrenzte geldpolitische Lockerung den Preisauftrieb verstärken würde. Sie stimmten mit dem Mitarbeiterstab überein, daß es angesichts der eher nach unten gerichteten Wachstumsrisiken noch Spielraum für gewisse geldpolitische Erleichterungen gebe. Mit Blick auf die Anzeichen für eine Zunahme der monetären Expansion in einigen Ländern sahen jedoch andere weniger Handlungsspielraum. Die Direktoren waren sich einig, daß die meisten Länder zuallererst die Konsolidierung der strukturellen Defizite weiter verfolgen müßten, aber auch eine ausreichende Konvergenz für die Schaffung der Währungsunion sicherstellen sollten.

Für die Vereinigten Staaten wurde erwartet, daß sich das Wachstum 1996 und 1997 weiter in der Nähe seines Potentials bewegen werde, wobei die Expansion durch den Rückgang der Zinsen gegen Ende 1995 und den unter Wettbewerbsgesichtpunkten weiterhin vorteilhaften Dollarkurs unterstützt werde. Es bestand im wesentlichen Einvernehmen, daß das Niveau der kurzfristigen US-Zinsen weitgehend angemessen sei und daß es wohl kaum Gründe für eine weitere nennenswerte geldpolitische Lockerung gäbe, es sei denn, die Wirtschaft entwickle sich schwächer als erwartet. In Japan schien sich die Konjunktur nach einer längeren Abschwächung zu erholen, unterstützt durch eine angemessene Geld- und Fiskalpolitik und die Korrektur der übermäßigen Aufwertung des Yen in der ersten Hälfte von 1995. Sobald das Wachstum fest verankert sei, müßten, so die Direktoren, die politischen Entscheidungsträger der Haushaltskonsolidierung Priorität einräumen.

Auf der Tagung im September 1995 waren die Direktoren der Auffassung, daß die Preisentwicklung sich in vielen Ländern verbessert habe, und es sei zu erwarten, daß die Inflation in der Weltwirtschaft niedrig bleiben werde, wenngleich es keinen Grund zur Selbstzufriedenheit gebe angesichts der Notwendigkeit, die Fortschritte in Richtung auf angemessene Preisstabilität abzusichern und weiter auszubauen. Eine Reihe vorbeugender Maßnahmen zur Straffung der Geldpolitik in Ländern, in denen die Wachstumsschwäche 1994 rasch überwunden wurde, habe die Verpflichtung der Zentralbanken auf Preisstabilität unterstrichen und damit zu niedrigeren Inflationserwartungen beigetragen. Wenngleich die Produzentenpreise in einigen Bereichen wieder gestiegen seien, seien die Lohnerhöhungen in den meisten Ländern moderat geblieben, und frühere Anspannungen auf den Rohstoffmärkten hätten etwas nachgelassen. Die Direktoren betonten, daß die Aussichten für die künftige Preisentwicklung davon abhängen, daß an der umsichtigen makroökonomischen Politik auch künftig festgehalten wird.

Auf derselben Sitzung stellten mehrere Mitglieder des Direktoriums fest, daß die Bewertung der Konsistenz von Wechselkursen mit den volkswirtschaftlichen Grunddaten sehr kompliziert ist; sie verwiesen dabei darauf, wie schwierig es ist, Gleichgewichtswechselkurse zu bestimmen. Die Direktoren waren sich jedoch darin einig, daß sich in den Bewegungen der Wechselkurse und Zinsen der Schlüsselwährungen in der ersten Hälfte von 1995 nicht nur die volkswirtschaftlichen Grunddaten widergespiegelt haben. Sie begrüßten die koordinierten Interventionen der Zentralbanken, die dazu beigetragen haben, Fehlentwicklungen zu korrigieren, und den Nutzen abgestimmter Maßnahmen der wichtigsten Industrieländer unter entsprechenden Marktbedingungen demonstriert haben. Gleichzeitig warnten sie davor, nicht die zu weit reichende Schlußfolgerung zu ziehen, daß Interventionen auf den Devisenmärkten generell ein wirkungsvolles und zuverlässiges Instrument sind, das unter allen Umständen zur Beeinflussung von Wechselkursen eingesetzt werden kann. Sie betonten, wenn die jüngsten Erfolge bei der Korrektur von Fehlentwicklungen der Wechselkurse von Dauer sein sollen, müßten sie durch eine angemessene Makro- und Strukturpolitik fundiert werden.

Politik der Entwicklungsländer

In der Aussprache im September 1995 hoben die Direktoren die anhaltend guten Wachstumsaussichten in vielen Entwicklungsländern hervor, und sie begrüßten das Ausmaß, in dem die Ansteckungswirkungen der Finanzkrise in Mexiko anscheinend erfolgreich eingedämmt worden sind. Die Direktoren stellten fest, daß die Finanzmärkte nach der Eindämmung der Mexiko-Krise die volkswirtschaftlichen Grunddaten der verschiedenen Entwicklungsländer kritischer als zuvor beobachten und daß die Kapitalzuflüsse auf hohem Niveau angehalten oder in vielen Fällen wieder eingesetzt hätten – so unter anderem in mehreren Ländern der Westlichen Hemisphäre. Hinsichtlich Asiens wurde zwar die Aussicht auf ein viertes aufeinanderfolgendes Jahr mit sehr hohem Wachstum begrüßt, die Direktoren warnten aber vor den Überhitzungsgefahren in einigen Ländern. Zu Afrika vermerkten die Direktoren, daß sich die Wachstumsaussichten aufgrund der günstigen außenwirtschaftlichen Bedingungen und der Einführung einer marktwirtschaftlich ausgerichteten Politik in einer zunehmenden Zahl von Ländern verbessert haben; es bleiben aber viele tiefsitzende strukturelle Schwächen zu bewältigen, und die Möglichkeit politischer Kursabweichungen bildet ein Prognoserisiko. Im Nahen Osten wurden die Wachstumsaussichten als allgemein verbessert angesehen, wenngleich frühere Rückgänge der Ölpreise wahrscheinlich die ölexportierenden Länder belasten werden.

Das robuste Wachstum in vielen Entwicklungsländern wurde im Zusammenhang mit der zunehmenden Marktöffnung sowie der stärkeren Integration in die Weltwirtschaft gesehen, und zwar sowohl mit Blick auf die traditionellen Handelsbeziehungen als auch hinsichtlich neuer finanzieller Beziehungen. Energische und aufeinander abgestimmte Reform- und Stabilisierungsbeniühungen hätten eine zunehmende Marktöffnung gefördert, zu dem beeindruckenden Wachstum vieler Entwicklungsländer beigetragen und sie widerstandsfähiger gegenüber zyklischen Abschwüngen in den Industrieländern werden lassen. Aus Sicht der Direktoren haben davon auch die Industrieländer durch die positiven Wirkungen auf das Wachstum von Welthandel und -produktion profitiert. Hohe Handelshin-dernissc herrschen jedoch laut Direktoren noch in einer Reihe von Entwicklungsländern vor, und angemessene Maßnahmen sind notwendig, damit diese Volkswirtschaften die neuen Handelschancen besser nutzen können, die sich durch die zunehmende globale Integration und den Abschluß der Uruguay-Runde eröffnen.

Die Direktoren erkannten an, daß eine engere Integrierung auch neue Risiken für viele Entwicklungsländer mit sich bringt. Die mexikanische Finanzkrise hat das Risiko wirtschaftlicher Verwerfungen infolge plötzlicher Richtungswechsel der Kapitalströme deutlich gemacht, insbesondere in Ländern, in denen die makroökonomischen Grunddaten nicht ausreichend solide sind. Die Direktoren betonten, daß es wichtig ist, die inländischen Finanzmärkte zu stärken und sich in einigen Ländern mit den Ungleichgewichten im Bereich der makroökonomischen Politik zu befassen, damit diese in vollem Umfang von einer hochintegrierten Weltwirtschaft Nutzen ziehen können.

Für Länder mit hohen Kapitalzuflüssen drängten die Direktoren die wirtschaftspolitischen Entscheidungsträger sicherzustellen, daß die Fiskalpolitik umsichtig bleibt und nicht den Druck auf die Geldpolitik verstärkt, die Inlandsnachfrage dämpfen zu müssen. In einigen Ländern könnte angesichts der verbesserten volkswirtschaftlichen Grunddaten eine größere Flexibilität der Wechselkurse gerechtfertigt sein; dies würde auch helfen, die Inflation einzudämmen. Die Direktoren unterstrichen die Notwendigkeit, die bankaufsicht-lichen Regelungen zu stärken, die Schwächen in den Finanzsystemen anzugehen und sich gegen eine übermäßige inländische Kreditexpansion zu schützen, insbesondere dort, wo ausländische Kapitalzuflüsse weitgehend durch das inländische Bankensystem geleitet werden.

Das Direktorium stimmte darin überein, daß die Freiheit der Kapitalbewegungen längerfristig das Wachstum fördern und die Ressourcenallokation verbessern wird. Einige Direktoren vertraten die Auffassung, daß die Liberalisierung des Kapitalverkehrs in jenen Volkswirtschaften nur allmählich durchgeführt werden sollte, in denen die Finanzmärkte nicht gut entwickelt und die Bankensysteme schwach sind oder makroökonomische Ungleichgewichte unkorrigiert fortbestehen. Die Direktoren betonten jedoch, daß ein gradueller Ansatz nicht zu unangemessenen Verzögerungen bei der Liberalisierung des Kapitalverkehrs führen darf, vor allem, da letztere als Antrieb für finanzielle Reformen und eine Stärkung des inländischen Finanzsystems dienen kann. Einige Direktoren erklärten, daß Maßnahmen zur Begrenzung kurzfristiger, in ausländischen Währungen denominierter Kreditaufnahmen der Banken aus bankaufsichtlichen Gründen gerechtfertigt sein könnten und daß sich in einigen Fällen umfassendere Maßnahmen zur Abwehr übermäßiger kurzfristiger Mittelzuflüsse im Kredit- und Portfolioverkehr als nützlich erweisen könnten. Kapitalverkehrsrestriktionen sollten jedoch als vorübergehende Maßnahmen angesehen werden und nicht als Ersatz für weiterreichende Anpassungsanstrengungen.

Im Rahmen der Aussprache über die weltwirtschaftlichen Aussichten im März 1996 begrüßten die Direktoren die anhaltende Wachstumsdynamik in der Gruppe der Entwicklungsländer und ihre bemerkenswerte Widerstandsfähigkeit gegenüber externen Störungen. Die Direktoren erwarteten, daß das Wachstum lebhaft bleiben, sich aber in Asien während des Jahres 1996 leicht abschwächen wird, wodurch frühere Befürchtungen von Überhitzungserscheinungen und Leistungsbilanzdefiziten in gewissem Maße in den Hintergrund treten. Dennoch müßten sich die Bereiche der Makro- und der Wechsclkurspolitik auf die Herausforderungen einstellen, die mit den hohen Kapitalzuflüssen für viele Schwellenländer verbunden sind. In den Entwicklungsländern der Westlichen Hemisphäre sei zu erwarten, daß sich das Wachstum nach den erfolgreichen Anpassungsanstrengungen der Länder, die von der Mexiko-Krise betroffen wurden, wieder erholt, während im Nahen Osten die verbesserte regionale Stabilität die Aussichten für das Wirtschaftswachstum steigen lassen. Für viele der ölproduzierenden Länder werden allerdings hohe – wenngleich abnehmende – Haushaltsdefizite weiterhin die Zukunftsperspektiven trüben. In bezug auf Afrika begrüßten die Direktoren die Anzeichen für ein stärkeres Wachstum als Folge der energischeren makroökonomischen und strukturellen Maßnahmen, die eine Reihe von Ländern in den letzten Jahren durchgeführt hat. Gleichzeitig mahnten die Direktoren zur Vorsicht, da die weitere wirtschaftliche Entwicklung anfällig bleibt und durch nachlassende Anpassungs- und Reformanstrengungen sowie durch niedrigere Rohstoffpreise beeinträchtigt werden kann.

Politik in den Transformationsländern

Während ihrer Aussprache im September 1995 begrüßten die Direktoren die verbesserten Aussichten in einigen Transformationsländern. Sie stellten fest, daß das Ausmaß, in dem die wirtschaftliche Entwicklung unterschiedlich verlaufen ist, von dem Fortschritt bei der makroökonomischen Stabilisierung und den Strukturreformen abhängig war. In einigen der Länder, die im Transformationsprozeß weiter vorangekommen sind, nimmt die Produktion kräftig zu, und die Direktoren stimmten darin überein, daß die Wirtschaftspolitik auf dauerhaftes Wachstum und Preisstabilisierung sowie weitere Strukturreformen abzielen soll, und vor allem auf eine größere Rolle marktwirtschaftlicher Prinzipien. Demgegenüber wird die Konjunktur nach Einschätzung der Direktoren in Ländern, in denen der Fortschritt bei der Stabilisierung und den Reformen unzureichend oder ungenügend gesichert ist, wahrscheinlich weiter zurückgehen. Diese Länder müssen sich nach der überzeugung des Direktoriums auf die makroökonomische Stabilisierung und auf den Aufbau marktwirtschaftlicher Institutionen konzentrieren.

Die Direktoren äußerten Besorgnis über die Anfälligkeit der Bankensysteme in nahezu allen Transformationswirtschaften, einschließlich einiger der am weitesten im Transformationsprozeß fortgeschrittenen. Sie stimmten darin überein, daß eine umfassende Strategie zur Reform des Bankwesens und der Unternehmen notwendig ist, um das Problem notleidender Kredite frühzeitig zu lösen. Auf Schwächen im Bankensystem sollte mit einer Verstärkung der Bankenaufsicht reagiert werden, ebenso wie mit einer verbesserten Bewertung der Kreditrisiken, anspruchsvolleren Kapitalanforderungen und einem erweiterten Marktzugang für ausländische Banken, um die Modernisierung der Geschäftspraktiken der inländischen Banken voranzutreiben. Die Reform des Bankensektors würde die betriebliche Effizienz im Unternehmenssektor verbessern, was wiederum die Bankendurch wirtschaftlich überlebensfähige Kreditnehmer – stärken würde. In der Zwischenzeit muß dort, wo Bankenkrisen auftreten, schnell auf diese reagiert werden und in einer Weise, die ihr Wiederauftreten verhindert.

Während ihrer Aussprache im März 1996 begrüßten die Direktoren die verbesserten Wachstumsaussichten und die Fortschritte in Richtung auf finanzielle Stabilisierung, die in vielen Transformationsländern erzielt worden sind. Das robuste Wachstum in vielen der im Transformationsprozeß weiter fortgeschrittenen Länder, in denen die Inflation erheblich reduziert worden ist, unterstreicht laut Direktoren die Bedeutung der finanziellen Stabilisierung. In den meisten Ländern, die im Systemübergang weniger weit vorangekommen sind, hat sich die Produktion entweder 1995 stabilisiert, oder eine Stabilisierung wird für 1996 erwartet. Die Direktoren forderten die Behörden dieser Länder auf, an einer disziplinierten Finanzpolitik und an den Strukturreformen festzuhalten, um so die Basis für dauerhaftes Wachstum zu schaffen. In diesem Zusammenhang wiesen die Direktoren auf die Bedeutung einer entschlossenen Umsetzung des russischen Programms hin, das durch die Erweiterte Fondsfäzilität unterstützt wird.

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