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Die wichtigsten wirtschaftlichen Entwicklungen

Author(s):
International Monetary Fund
Published Date:
September 1996
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Das Wachstum der Weltwirtschaft ging 1995 leicht auf 3½ % zurück und lag damit geringfügig unter seinem langfristigen Trend, aber über den Wachstumsraten während des globalen Abschwungs 1990-93 (siehe Tabelle 1). Hinter der geringen Änderung des durchschnittlichen globalen Wachstums stand jedoch eine Wachstumsabschwächung in den meisten Industrieländern und den Entwicklungsländern der Westlichen Hemisphäre, welche die Wachstumsforrschritte in den Transformationsländern sowie den Ländern Afrikas und des Nahen Ostens weitgehend kompensierte. Die aufstrebenden Marktwirtschaften Asiens wuchsen weiter mit beeindruckenden Raten.

Tabelle 1Weltwirtschaftlicher Überblick(jährliche Veränderung in Prozent, soweit nicht tinders vermerkt)
1992199319941995
Weltwirtschaftliche Gesamtproduktion2,42,43,73,5
Industrieländer1,70,82,82,1
Vereinigte Staaten2,72,23,52,0
Japan1,10,10,50,9
Deutschland2,2−1,22,91,9
Frankreich1,3−1,52,92,4
Italien0,7−1,22,23,2
Großbritannien−0,52,33,82,4
Kanada0,82,24,62,2
Die sieben oben aufgeführten Lander1,81,02,82,0
Sonstige Industrieländer1,10,13,02,8
Nachrichlich
Europäische Union1,1−0,52,82,6
Entwicklungsländer6,36,26,45,9
Afrika0,70,72,43,2
Asien8,78,98,88,4
Nahost und Europa6,23,70,73,7
Westliche Hemisphäre2,93,14,70,9
Transformationsländer−14,7−8,5−8,8−1,3
Mittel- und Osteuropa−10,0−5,0−2,91,4
ohne Belarus und Ukraine−7,0−0,13,45,2
Rußland, Transkaukasus und Zentralasien−18,7−11,7−14,8−4,3
Welthandelsvolumen (Waren und Dienste)4,83,89,08,7
Einfuhren
Industrieländer3,70,89,17,3
Entwicklungsländer9,98,99,011,8
Transformationsländer−13,119,94,310,9
Ausfuhren
Industrieländer4,32,48,27,1
Entwicklungsländer9,97,512,012,2
Transformationsländer−9,418,15,311,8
Rohstoffpreise in US-Dollar
Erdöl1−1,6−11,6−5.58,0
Rohstoffe (ohne Brennstoffe)20,11,813,68,5
Verbraucherpreise
Industrieländer3,32,92,32,4
Entwicklungslander35,342,548,019,9
Transformationsiänder674,4614,3264,8128,2
LIBOR-Sate für Sechsmonatsgeld (in Prozent)3
US-Dollar-Einlagen3,93,45,16,1
Yen-Einlagen4,33,02.41,3
DM-Einlagen9,46,95,34,6
Quelle: Internationaler Währungsfonds, World Economic outlook (Mai 1996).

Der einfache Durchschnitt der Kassanotierungen für Brent-Öl aus Großbritannien, Dubai-Öl und Rohöl aus West-Texas.

Durchschnitt, auf Basis der Gewichtung der Weltausfuhren dieser Rohstoffe.

3Londoner Interbanken-Angebotssatz.

Quelle: Internationaler Währungsfonds, World Economic outlook (Mai 1996).

Der einfache Durchschnitt der Kassanotierungen für Brent-Öl aus Großbritannien, Dubai-Öl und Rohöl aus West-Texas.

Durchschnitt, auf Basis der Gewichtung der Weltausfuhren dieser Rohstoffe.

3Londoner Interbanken-Angebotssatz.

Einige Entwicklungen im Jahre 1995 und Anfang 1996 deuteten darauf hin, daß die Wachstumsaussichten günstig bleiben würden und daß ein fortdauernder oder allgemeiner Abschwung unwahrscheinlich war (siehe Schaubild 1). Die Inflation in den Industrieländern blieb auf etwa 2½ % begrenzt, wodurch es den Zentralbanken möglich wurde, die kurzfristigen Zinssätze erheblich zu senken; außerdem schwächte sich die Inflation in den Entwicklungs- und Transformationsländern ab. Die langfristigen Zinssätze gingen während des Jahres 1995 erheblich zurück, wobei sich in einigen Ländern die 1994 erfolgten Zinssteigerungen beinahe vollständig zurückbildeten. Obwohl die Sätze Anfang 1996 wieder anstiegen, blieben sie meist unter jenen Werten, die in den vorangegangenen zwei Jahren zu verzeichnen waren. Die Wechselkurse zwischen den wichtigsten Währungen bildeten sich nach den Fehlentwicklungen vom Frühjahr 1995 auf Werte zurück, die mehr im Einklang mit den volkswirtschaftlichen Grunddaten stehen. Außerdem stiegen die Aktienkurse infolge einer günstigen Gewinnentwicklung in vielen Ländern und der niedrigeren Zinssätze im allgemeinen deutlich an.

Schaubild 1Weltindikatoren

(in Prozent)

1 Waren und Dienste, volumenmäßig.

Andere positive Entwicklungen kamen hinzu. Der Welthandel wuchs 1995 erneut mit einer mehr als doppelt so hohen Rate wie die Weltproduktion, worin die Liberalisierung des Handels in den vergangenen Jahren, der Trend zur Konvertibilität der Währungen und die dynamischen Kräfte der Globalisierung ihren Niederschlag finden. Darüber hinaus konnten die Kapitalzuflüsse in die Entwicklungsländer im allgemeinen ohne größere Probleme aufrechterhalten werden, nachdem die Folgewirkungen der Mexiko-Krise eingedämmt worden waren.

Hohe bestehende oder sich abzeichnende fiskalische Ungleichgewichte und strukturelle Verkrustungen, die das effiziente Funktionieren der Märkte beeinträchtigten, hinderten jedoch weiterhin viele Länder daran, ein höheres Wachstum zu erzielen. Die jüngste Zunahme der Arbeitslosigkeit in einer Reihe europäischer Länder hat die Aufmerksamkeit nicht nur auf die Bedeutung eines soliden und dauerhaften Wachstums gelenkt, sondern auch auf das dringende Erfordernis, Arbeitsmarktreformen nachdrücklicher durchzuführen.

Wirtschaftliche Aktivität und Beschäftigung

Das Wirtschaftswachstum verlangsamte sich 1995 in den meisten Industrieländern mit Ausnahme von Japan, wobei das durchschnittliche Wachstum von 2 ¾ % im Jahre 1994 auf 2 % sank (siehe Schaubild 2). In Japan war das Wachstum verhalten, und der Grad der Unterauslastung blieb hoch. Gegen Ende des Jahres gab es jedoch klarere Zeichen einer Erholung, nachdem die Geld- und Fiskalpolitik während des Sommers und frühen Herbstes gelockert worden war, die vorherige starke Aufwertung des Yen, die im April begonnen hatte, sich umkehrte, und Fortschritte in Richtung auf eine Lösung der Probleme im finanziellen Sektor gemacht wurden.

Schaubild 2Ausgewählte Industrieländer: Wachstum des realen BIP

(prozentuale Veränderung jeweils gegenüber dem Zeitraum von vor vier Quartalen)

1 Bis Ende des vierten Quartals 1990 nur Westdeutschland, ab erstem Quartal 1991 beruhen die Daten auf einem überarbeiteten Berechnungsverfahren, sind also nicht mehr mit den früheren Angaben vergleichbar.

Für einige Länder, die sich in einem relativ fortgeschrittenen Stadium des Aufschwungs befanden – wie Australien, Neuseeland, Großbritannien und die Vereinigten Staaten – stellte die Abschwächung im Jahre 1995 eine notwendige Dämpfung des zuvor hohen Expansionstempos dar, das über das gleichzeitige Kapazitätswachstum hinausgegangen war. Die Entwicklung folgte auf die geldpolitische Straffung, durch die das Entstehen inflationären Drucks verhindert werden sollte. In den Vereinigten Staaten war in der ersten Hälfte des Jahres eine ausgeprägte Verlangsamung des Wachstums zu verzeichnen, die durch eine starke Korrektur der Lagerbestände und einen Rückgang der realen Netto-Exporte aufgrund der Auswirkungen der Rezession in Mexiko verursacht wurde. Im dritten Quartal stieg das Wachstum infolge anhaltend hoher Investitionen und einer Unterbrechung der Lageranpassungen zunächst wieder stark an, fiel dann aber auf weniger als ½ % (Jahresrate) im vierten Quartal, bevor es sich Anfang 1996 wieder erholte. Während des ganzen Zeitraums blieb die Arbeitslosenquote in den Vereinigten Staaten am unteren Ende der meisten Schätzungen für die natürliche Quote. In Kanada verlangsamte sich das Wirtschaftswachstum aufgrund eines ausgeprägten Anstiegs der Zinsen 1994 und Anfang 1995 sowie rückläufiger Exporte infolge der wirtschaftlichen Abschwächung in den USA.

In Europa schwächte sich das Wachstum während des Jahres 1995 generell ab, aber in den einzelnen Ländern in unterschiedlichem Ausmaß. In einigen Ländern - unter ihnen Italien, Spanien und Großbritannien – hielt die Expansion weiter an, und die Verlangsamung des Wachstums während des Jahres half, Inflationsbefürchtungen zu zerstreuen, die u. a. durch frühere Wechselkursabwertungen ausgelöst worden waren. Die relativ positive Wachstumsentwicklung in einer Reihe dieser Länder kann auf die erheblichen Fortschritte bei der Konsolidierung der öffentlichen Finanzen zurückgeführt werden, die dazu beitrugen, daß sich die Zinsdifferenzen gegenüber Deutschland verringerten und die internationale Wettbewerbsfähigkeit verbesserte. Die Abschwächung war stärker ausgeprägt in Deutschland, Frankreich und anderen eng an die D-Mark gekoppelten Ländern sowie der Schweiz. Sie gab Anlaß zur Sorge, weil der Aufschwung sich kaum verfestigt hatte und weil die Arbeitslosigkeit von bereits hohem Niveau aus weiter zunahm. Die starke Aufwertung dürfte die negativen Wirkungen, die von dem mangelnden Konsumentenund Unternehmervertrauen bereits auf die Gesamtnachfrage ausgegangen waren, noch verstärkt haben.

Als Reaktion auf die Abschwächung wurde die Geldpolitik in den meisten europäischen Ländern gegen Ende 1995 und Anfang 1996 gelockert. Die Korrektur der vorangegangenen Aufwertungen einer Reihe von Währungen, insbesondere der D-Mark und des Schweizer Franken, stärkte ebenfalls die neuen Wachstumskrafte.

In den Entwicklungsländern stieg die Produktion 1995 um etwa 6 % im vierten aufeinanderfolgenden jahr. Die Entwicklung verlief in den einzelnen Regionen sehr unterschiedlich (siehe Schaubild 3). In der Westlichen Hemisphäre sank das Wachstum deutlich auf etwa 1 % nach 4 ½ % im Jahre 1994, und zwar aufgrund der Rezessionen in Mexiko, Argentinien und Uruguay sowie der Auswirkungen der mexikanischen Finanzkrise auf eine Reihe anderer Länder. In Mexiko fiel die Produktion 1995 um 7 %, nachdem die Netto-kapitalzuflüsse stark zurückgegangen waren und der Peso sich erheblich abgewertet hatte, was im Zusammenhang mit einer straffen Geld- und Finanzpolitik zu einer umfassenden Anpassung der Wirtschaft führte. Das Leistungsbilanzdefizit sank um 7,5 % des BIP. Argentinien, das in den vier vorangegangenen Jahren ein durchschnittliches jährliches Wachstum von 7,7 % verzeichnet hatte, wurde besonders stark von den Rückwirkungen der Mexiko-Krise betroffen und beschloß ebenfalls umfassende Anpassungsmaßnahmen, die negative Wachstumsraten in dem Jahr zur Folge hatten. Sowohl in Mexiko als auch in Argentinien waren gegen Ende des Jahres erste Zeichen einer Erholung zu sehen. Viele andere Länder der Region – unter ihnen Chile, Kolumbien und Peru – waren von der Krise wenig betroffen und verzeichneten hohe Wachstumsraten.

Schaubild 3Entwicklungsländer: Wachstum des realen BIP

(jährliche prozentuale Veränderung)

In Afrika stieg das Wachstum auf über 3 %, die höchste Rate in sechs Jahren, blieb aber in den meisten Ländern unzureichend, um den Lebensstandard nennenswert zu erhöhen. Die anhaltenden Fortschritte im Wirtschaftswachstum Afrikas waren eine Folge der weitreichenden makroökonomischen und strukturellen Maßnahmen, die eine Reihe von Ländern in den vergangenen Jahren umgesetzt hatte, sowie stark steigender Rohstoffpreise im Jahre 1994 und Anfang 1995. In den Ländern der CFA-Franc-Zone trug eine verbesserte internationale Wettbewerbsfähigkeit nach der 1994 durchgeführen Abwertung zusammen mit anderen unterstützenden Maßnahmen dazu bei, daß das Wachstum auf 4,5 % stieg, die höchste Rate in zehn Jahren.

Das Wachstum in den Entwicklungsländern Asiens blieb 1995 über 8 %, obwohl die Geld- und Finanzpolitik in einer Reihe von Ländern, wie Malaysia und Thailand, gestrafft wurde, um den inflationären Druck einzudämmen. In China dämpften monetäre Restriktionsmaßnahmen nach einer längeren Phase der Überhitzung das Produktionswachstum auf eine eher durchhaltbare Rate und reduzierten die Inflation auf etwa 10 %. Die wirtschaftliche Aktivität in den Philippinen erholte sich weiter, nachdem ein erfolgreiches Stabilisierungsprogramm umgesetzt worden war. In Indien blieb das Wachstum als Folge eines deutlichen Anstiegs der Investitionen und lebhafter Exporte hoch. In Indonesien stützten eine rasche Expansion der Bankkredite und ein Anstieg der ausländischen Investitionen weiterhin ein gesundes Wachstumstempo. Schnell prosperierende Städte, gefördert durch hohe ausländische Investitionen, hatten zur Folge, daß die Wachstumrate in Vietnam auf über 9 % stieg.

Nach nur geringer Zunahme im Jahre 1994 erhöhte sich die Produktion in den Entwicklungsländern des Nahen Ostens und Europas2 1995 um 3 ¼ %. Dieser Anstieg ist weitgehend auf die Entwicklung in der Türkei zurückzuführen, in der ein Wiederaufschwung nach einer schweren Rezession das Wachstum auf 7 % ansteigen ließ. Die verbesserte regionale Stabilität stärkte das lebhafte Wachstum in einer Reihe von Ländern, einschließlich Israels, Jordaniens und Libanons. In Saudi-Arabien blieb die wirtschaftliche Aktivität infolge der schwachen Ölexporte und einer straften Geld- und Finanzpolitik jedoch verhalten. Das Wachstum in Ägypten wurde zum Teil von der lebhaften Exportentwicklung getragen, wobei der Anstieg der industriellen Produktion und der Tourismuseinnahmen einen Rückgang der Baumwollerzeugung ausglich. In der Islamischen Republik Iran blieben Wachstum und Investitionen aufgrund straffer Kredit- und Importkontrollen sowie geringerer Nicht-Öl-Exporte schwach.

Im Jahre 1995 wies die Mehrheit der Transformationsländer zum ersten Mal positive Wachs-tumsraten auf, wenngleich die Produktion in der Gruppe als Ganzes erneut um etwa 1 ½ % zurückging. Der Aufschwung in Mittel- und Osteuropa (außer Belarus und der Ukraine) gewann weiter an Kraft. Am besten fundiert ist das Wachstum in jenen Ländern, die – wie Albanien, Polen, die Slowakische Republik, Slowenien und die Tschechische Republik – am frühesten mit stabilisierungspolitischen und strukturellen Reformen begonnen und diese am konsequentesten durchgeführt hatten. Die kräftige Zunahme des Handels, insbesondere mit Westeuropa, und die Zuflüsse ausländischer Direktinvestitionen waren wichtige wachstumsstützende Faktoren. Unter den zentralasiatischen Transformationsländern profitierte auch die wirtschaftliche Entwicklung der Mongolei von Stabilisierungs- und Reformbemühungen.

Die Entwicklung in jenen Transformationsländern, die langsamer oder weniger konsequent in ihren Stabilisierungs- und Reformanstrengungen gewesen waren, verlief unterschiedlich. In Armenien überschritt das Wachstum 5 % im zweiten aufeinanderfolgenden Jahr, und die Inflation sank beträchtlich. Mit den Stabilisierungsfortschritten sank 1995 die Inflation, und der starke Rückgang der Produktion in Rußland und Georgien wurde gestoppt; in der Kirgisischen Republik und Moldau führten sie zu leichtem Wachstum. In Aserbaidschan und Kasachstan wurde 1995 eine straffe Geld- und Finanzpolitik verfolgt, sie war jedoch noch nicht lang genug in Kraft, um sich schon in ein entsprechendes Wachstum umzusetzen. Demgegenüber trugen wirtschafts-politische Kursaufweichungen während des Jahres in Weißrußland, Tadschikistan und der Ukraine zu weiteren starken Produktionsrückgängen bei und verschlechterten die Aussichten auf eine baldige Erholung.

Verbraucher- und Rohstoffpreise

Eine wichtige Errungenschaft des Jahres 1995 war der Erhalt angemessener Preisstabilität in großen Teilen der Weltwirtschaft bei gleichzeitig fortgesetztem soliden Wirtschaftswachstum. Dieser Erfolg basierte auf der Entschlossenheit der Zentralbanken, inflationären Gefahren entgegenzutreten.

In den Industrieländern verhinderten die vorbeugenden Maßnahmen, die 1994 von den am weitesten im Wachstumszyklus fortgeschrittenen Ländern ergriffen worden waren, das Entstehen inflationärer Spannungen. So trugen in den Vereinigten Staaten moderate Lohnerhöhungen und ein geringerer Anstieg der Nicht-Lohnkosten dazu bei, die Inflation trotz der hohen Kapazitätsauslastung unter 3 % zu halten. In Kanada und Großbritannien stieg die Inflation zeitweise im Gefolge von Wechselkursabwertungen an, blieb aber ebenfalls niedrig. In den meisten der kontinentaleuropäischen Länder, einschließlich Deutschlands und Frankreichs, hielten weiterhin deutlich unterausgelastete Kapazitäten und in einigen Ländern auch Wechselkursaufwertungen den Preisauftrieb in Grenzen. In Italien stieg die Inflation allerdings infolge der fortgesetzten Schwäche der Lira und höherer indirekter Steuern auf über 5 %. In Japan kam es aufgrund des anhaltend niedrigen Wachstums und der Aufwertung des Yen zu moderaten Preisrückgängen.

In der Gruppe der Entwicklungsländer verzeichnete die Mehrzahl der Länder 1995 eine Abschwächung der Inflation; im Durchschnitt ging der Anstieg der Verbraucherpreise von 48 % im Jahre 1994 auf 20 % zurück. Der ausgeprägteste Inflationsrückgang war 1995 in der Westlichen Hemisphäre zu verzeichnen, und zwar von 224 % im Vorjahr auf 38 %. Dies ging im wesentlichen auf die dramatische Abschwächung der Inflation in Brasilien zurück, nachdem der Real-Plan 1994 zusammen mit einem umfassenden Stabilisierungsprogramm eingeführt wurde. Auch fiel in Argentinien die Inflation 1995 weiter, auf das niedrigste Niveau seit mehr als 50 Jahren, und erreichte am Ende des Jahres auf Zwölfmonatsbasis gerechnet 1,6 %. Im Gegensatz dazu trug der starke Rückgang des Peso in Mexiko zu einem kräftigen Anstieg der Inflation im Jahre 1995 bei; die straffe Geld- und Finanzpolitik des Landes zielte darauf ab, eine angemessene Preisstabilität im Jahre 1996 wiederherzustellen. In einer Reihe afrikanischer Länder trugen verstärkte Stabilisierungsanstrengungen zu einem Rückgang der Inflation bei. In der CFA-Franc-Zone fiel die Inflation 1995 auf 15 %, nach dem Anstieg auf 28 % im Jahre 1994 im Gefolge der 50 % igen Währungsabwertung. In Asien schwächte sich die Inflation 1995 auf 11 % ab, aber Befürchtungen hinsichtlich einer Überhitzung bestanden in einer Reihe von Ländern fort. In der Region des Nahen Ostens und Europas war die Inflation in den meisten Ländern weiter-hin niedrig, wenngleich der Durchschnitt, vor allem aufgrund der Preisentwicklung in der Türkei, und, in geringerem Maße, der Islamischen Republik Iran, bei über 30 % blieb.

Die mühsam errungenen Fortschritte beim Abbau der Inflation wurden 1995 in den meisten Transformationsländern bewahrt (siehe Schaubild 4). Unter den im Transformationsprozeß weiter fortgeschrittenen Ländern konnten die Tschechische Republik und die Slowakische Republik sowie Albanien und Kroatien die Inflation auf unter 10 % begrenzen. Andere Länder wie Polen, Ungarn und die baltischen Staaten verzeichneten Inflationsraten im Bereich von 20 - 40 %. Bemerkenswerte Fortschritte in der Inflationsbekämpfung waren 1995 auch in vielen der Länder zu verzeichnen, die im Transformationsprozeß weniger weit fortgeschritten waren (siehe Schaubild 5). Rußland kam erheblich voran; es konnte die monatliche Inflation durch eine straffe Geld- und Finanzpolitik von 18 % im Januar auf 3 ¼ % gegen Jahresende reduzieren. In Armenien, Aserbaidschan, Bulgarien, Kasachstan, der Kirgisischen Republik, Moldau und Usbekistan wurde die monatliche Preissteigerungsrate auf niedrigen einstelligen Werten gehalten. Nachdem Anfang des Jahres zuächst einige Fortschritte erzielt worden waren, stieg die Inflation später in Turkmenistan und, am ausgeprägtesten, in Tadschikistan aufgrund von Aufweichungen des geld- und finanzpolitischen Kurses wieder an.

Schaubild 4Im Systemübergang weiter fortgeschrittene augewählte Länder: Inflation

(prozentuale zwölfmonatsveränderung des Verbraucherpreisindexes)

Schaubild 5Im Systemübergang weniger fortgeschrittene augewählte länder: Inflation

(monatliche prozentuale Veränderung des Verbraucherpreisindexts)

Die Rohstoffpreise (ohne Brennstoffe) nahmen 1995 in US-Dollar gerechnet um 8 % zu, wobei sie sich zu Beginn des Jahres, als sich der Dollar abwertete, zunächst stark erhöhten und im weiteren Jahresvcrlauf wieder leicht abschwächten. Insgesamt gesehen glich der Anstieg der Preise von Getreide, Sojabohnen und Sojabohnenmehl den Rückgang der Kaffeepreise weitgehend aus. In den ersten vier Monaten des Jahres 1996 erhöhten sich die Rohstoffpreise (ohne Brennstoffe) um 3 %, wegen eines starken Preisanstiegs für Getreide und Futtermittel aufgrund der niedrigen Vorratsbestände in der Welt. Der durchschnittliche Dollarpreis von Rohöl stieg 1995 um 9,5 %; im ersten Halbjahr haben hierzu die unerwartet hohe Nachfrage und der Rückgang des Dollar beigetragen und im zweiten Halbjahr die Abnahme der mexikanischen Produktion sowie die niedrigen Heizöl-Bestände und die Unterbrechung der russischen Lieferungen nach Westeuropa. Die Rohölpreise schwankten Anfang 1996 stark; sie zogen wegen des strengen Winterwetters zunächst an und schwächten sich wieder ab, immer wenn das kalte Wetter nachließ oder es Anzeichen Für eine mögliche Wiederaufnahme der Öllieferungen aus dem Irak gab.

Finanz- und Devisenmärkte

Die ersten Monate von 1995 waren eine Zeit erheblicher Kursbewegungen zwischen den wichtigsten Währungen, wobei sich der Dollar insbesondere gegenüber dem Yen, aber auch der D-Mark und anderen europäischen Währungen gegenüber abwertete. Das Ergebnis war eine beträchtliche Fehlanpassung der Wechselkurse der wichtigsten Währungen. Später bewegten sich diese Wechselkurse wieder in Richtung auf Werte, die eher im Einklang mit den volkswirtschaftlichen Grunddaten standen. In dem Jahr bildete sich auch der 1994 erfolgte globale Anstieg der Anleihezinsen wieder zurück. Wenngleich sich die Anleihezinsen Anfang 1996 wieder erhöhten, blieben sie in den meisten Fällen niedriger als in den vorangegangenen beiden Jahren. 1995 und Anfang 1996 sanken in den meisten Industrieländern auch die kurzfristigen Zinsen beträchtlich, und die Aktienkurse bewegten sich steil nach oben. Die Entwicklungen auf den Finanz- und Devisenmärkten Ende 1995 und Anfang 1996 waren daher im allgemeinen günstig für das globale Wachstum.

Obwohl es schwierig ist, die Bewegungen der wichtigsten Währungen an den Devisenmärkten Anfang 1995 vollständig zu erklären, scheinen doch mehrere Faktoren dazu beigetragen zu haben. Die Abwertung des US-Dollar war zum Teil eine Folgewirkung der Mexiko-Krise, der abnehmenden Erwartungen auf weitere Zinssteigerungen in den USA angesichts der ausgeprägten Abschwächung des amerikanischen Wirtschaftswachstums, des anhaltenden Leistungsbilanzdefizits der USA und einer Gewichtsverschiebung im Anlcgerverhalren zu Lasten von in US-Dollar denominierten Titeln. Die D-Mark wertete sich zum Teil infolge von Befürchtungen über die Aussichten für die Wirtschafts- und Währungsunion (WWU) auf, insbesondere im Lichte der finanzpolitischen Entwicklung in anderen europäischen Ländern. Demgegenüber spiegelte die Aufwertung des Yen auch die damaligen Besorgnisse über die anscheinend langsame Korrektur von Japans außenwirtschaftlichen Überschüssen wider. Bis Mitte April 1995 hatte sich der Dollar, nominal und im gewogenen Durchschnitt gerechnet, um 8 % gegenüber Ende 1994 abgewertet, während der Yen und die D-Mark um 17 % bzw. 6 % gestiegen waren. Das gab Anlaß zur Sorge, daß die Aufwertung des Yen und der D-Mark die wirtschaftliche Erholung in Japan und Deutschland behindern würde und daß der Rückgang des Dollar nicht zur Eindämmung des Inflationsdrucks in den Vereinigten Staaten beitragen würde. Abgestimmte Interventionen und Zinssenkungen in Japan und Deutschland halfen, diese Fehlentwicklungen im weiteren Verlauf des Jahres zu korrigieren. Gegen Ende April 1996 bewegte sich der nominale gewogene Außenwert der D-Mark in etwa auf demselben Niveau wie Ende 1994, und der entsprechende Wert des Dollar war nur etwa 1 % niedriger, während die Abwertung des Yen – von dessen Höchststand gegenüber dem Dollar im April 1995 von 81 bis auf 104 Ende April 1996 – den nominalen gewogenen Außenwert der japanischen Währung um 6 % unter das Ende 1994 erreichte Niveau sinken ließ.

Die Wechselkursspannungen innerhalb des Europäischen Währungssystems (EWS) ließen ebenfalls nach dem Frühjahr 1995 wieder nach, wenngleich Besorgnisse über die Fiskalpolitik und damit verbundene Ungewißheiten über die WWU den französischen Franc und die italienische Lira in der zweiten Hälfte des Jahres zeitweilig unter Druck geraten ließen. Zwischen Ende 1994 und Ende April 1996 wertete sich der Franc gegenüber der D-Mark etwas auf und stieg, nominal und im gewogenen Durchschnitt gerechnet, um 2 %; gleichzeitig erhöhte sich der nominale gewogene Außenwert der Lira um 3 %. Das Pfund Sterling verlor während dieses Zeitraumes nominal und im gewogenen Durchschnitt um weitere 4 % an Wert, während der Schweizer Franken sowohl gegenüber dem US-Dollar als auch gegenüber anderen europäischen Währungen an Boden gewann - vor allem Anfang 1995. Neben anderen Faktoren hat dabei die Attraktivität des Schweizer Franken als “sicherer Hafen” eine Rolle gespielt. Der Druck auf den kanadischen Dollar schwächte sich nach dem Quebec-Referendum im Oktober ab, und Ende April 1996 lag die Währung sowohl gegenüber dem US-Dollar als auch im gewogenen Durchschnitt wieder höher als Ende 1994.

Angesichts der anhaltend niedrigen Inflation und des sich abschwächenden Wachstums ließen die Zentralbanken in den meisten Industrieländern 1995 und Anfang 1996 die kurzfristigen Zinsen sinken. In Deutschland, Frankreich, Japan und Kanada fielen sie in diesem Zeitraum um fast 2 Prozentpunkte. Die Bank von Japan führte den kurzfristigen Zins zurück und senkte den offiziellen Diskontsatz im April und erneut im September 1995, zuletzt auf den historischen Tiefststand von ½ %. In anderen Ländern gingen die kurzfristigen Zinsen meist nach der Jahresmitte 1995 zurück. In den Vereinigten Staaten setzte das Federal Reserve Board Anfang des Jahres den strafferen Kurs der Geldpolitik fort, den es 1994 eingeschlagen hatte; aber in der zweiten Hälfte von 1995 und Anfang 1996 ergriff es Lockerungsmaßnahmen, die dazu beitrugen, daß die Marktsätze um einen vollen Prozentpunkt unter ihr Niveau von Ende 1994 zurückgingen. Die offiziellen Schlüsselzinsen wurden gegen Ende 1995 und Anfang 1996 auch in Deutschland, Frankreich, Großbritannien und Kanada gesenkt. Für einen ähnlichen Zinsrückgang in Italien ließ die vergleichsweise hohe Inflation keinen Spielraum.

Der allgemeine Rückgang der langfristigen Zinsen, der gegen Ende 1994 begonnen hatte, setzte sich in den meisten Industrieländern bis gegen Ende Januar 1996 fort. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte sich der Anstieg der langfristigen Zinsen aus dem Jahr 1994 in mehreren Ländern - unter ihnen die Vereinigten Staaten – beinahe wieder vollständig zurückgebildet. Dieser Rückgang war wohl eine Folge der nach unten revidierten Wachstums- und Inflationsprognosen, der damit verbundenen Senkung der kurzfristigen Zinsen, die von den Zentralbanken zugelassen wurde, und der verbesserten Aussichten für die Konsolidierung der öffentlichen Finanzen in einer Reihe von Ländern. Ab Ende Januar 1996 jedoch stiegen die langfristigen Sätze wieder an. Dieser Umschwung scheint zum Teil durch veränderte Markterwartungen über bevorstehende geldpolitische Maßnahmen angesichts einiger wieder aufwärtsgerichteter wirtschaftlicher und monetärer Indikatoren in wichtigen Ländern ausgelöst worden zu sein, aber auch weniger optimistische Einschätzungen der finanzpolitischen Perspektiven mögen eine Rolle gespielt haben. Trotz dieses Anstiegs lagen jedoch die langfristigen Sätze in den meisten Ländern Ende April noch um mehr als 1 Prozentpunkt unter ihrem Niveau von Ende 1994.

Der Zinsrückgang 1995 und Anfang 1996 stützte den Anstieg der Aktienkurse in den meisten Ländern. Kräftige Gewinnsteigerungen waren in einigen Ländern ein zusätzlicher Einflußfaktor, wie beispielsweise in den Vereinigten Staaten, in denen die Aktienkurse Gewinne von etwa 40 % verzeichneten.

Zahlungsbilanzen, Auslandsfinanzierung und Auslandsverschuldung

Der Welthandel in Gütern und Dienstleistungen wuchs 1995 um 9 %, und damit mehr als doppelt so stark wie die Weltproduktion. Das anhaltend kräftige Wachstum des Welthandels läßt sich auf mehrere Faktoren zurückführen: die Fortschritte auf dem Gebiet der Handelsliberalisierung, insbesondere hinsichtlich der größeren Offenheit vieler Entwicklungs- und Transformationsländer; die zunehmende internationale Diversifizierung der Produktion, einschließlich der stärkeren Auslagerung (outsourcing) von Unternehmensbereichen multinationaler Gesellschaften; und das dynamische Wachstum des Handels zwischen Entwicklungsländern, insbesondere in Asien und Lateinamerika.

Die Entwicklung der Leistungsbilanzen im Jahre 1995 ist in Tabelle 2 wiedergegeben. Unter den Industrieländern blieb das Leistungsbilanzdefizit der USA etwas höher als 2 % des BIP; ein Rückgang der staatlichen Transfers an andere Länder und eine Verbesserung bei den Nettovermögenseinkommen glich die Verschlechterung der Handelsbilanz aus, die auf die schwächeren Exporte und die höheren Importe trotz der gedämpften Inlandsnachfrage zurückging. Der japanische Leistungsbilanzüberschuß verringerte sich von 2 % des BIP 1994 weiter auf 2 % im Jahre 1995; zum Teil haben dazu strukturelle Veränderungen in der Industrie und in den Handelsbeziehungen beigetragen, ebenso wie die verzögerten Wirkungen der realen Aufwertung des Yen in den letzten Jahren. In Europa weitete sich der italienische Leistungsbilanzüberschuß auf 2 % des BIPs aus, wobei die Exporte durch die Abwertung der Lira in den Jahren 1992-95 und die günstige Entwicklung der Lohnstückkosten einen Aufschwung erlebten. Der französische Leistungsbilanzüberschuß erhöhte sich ebenfalls etwas, während Deutschland und Großbritannien weiterhin geringe Defizite verzeichneten.

Tabelle 2Ausgewählte Volkswirtschaften: Entwicklung Deristungsbilanzsalden(in Prozent des BIP)
199319941995
Vereinigte Staaten−1,5−2,2−2,1
Japan3,12,82,2
Deutschland−0,9−1,0−0,7
Frankreich0,80,71,2
Italien1,11,72,4
Großbritannien−1,8−0,3−0,8
Kanada−4,0−3,0−1,7
Australien−3,7−4,8−5,3
Belgien-Luxemburg5,45,66,0
Dänemark3,51,81.5
Finnland−1,31,33,5
Griechenland−0,7−0,1−2,3
Holland4,04,14,4
Norwegen3,12,43,5
Österreich−0,4−0,9−1,8
Schweden−2,20,42,2
Schweiz8,47,16,5
Spanien−0,8−0,81,3
Ägypten4,70,42,7
Algerien1,6−4,3−7,3
Argentinien−2,9−3,5−1.3
Brasilien−0,2−0,3−2,7
Chile−4,6−1,40.2
China−2,01,52,3
Cote d’Ivoire−8,9−2,1−3,1
Indien−0,4−0,6−1,5
Indonesien−1,6−1,7−3,7
Israel−2,1−3,5−5,6
Kamerun−5,6−3,1−3,6
Korea0,1−1,2−2,0
Malaysia−1,6−5,9−8,3
Mexiko−6,4−7,7−0.1
Nigeria−2,9−2,4−0,7
Pakistan−4,9−3,3−3,8
Philippinen−5,5−4,4−3,3
Saudi-Arabien−14,6−7,5−4.0
Singapur9,117,318,3
Südafrika1,5−0,5−2,3
Taiwan-Provinz Chinas3,02,61.6
Thailand−5,4−5,7−7,1
Türkei−3,52,0−1,0
Uganda−1,6−0,8−3,0
Polen−0,12,32,9
Rußland3,41,21,2
Tschechische Republik2,2−0,1−3,3
Ungarn−9,0−9,5−5,5
Quelle; Internationaler Währungsfonds, World Economic Outlook 1996)
Quelle; Internationaler Währungsfonds, World Economic Outlook 1996)

Das gesamte Leistungsbilanzdefizit der Entwicklungsländer war 1995 kaum verändert, wenngleich es Unterschiede zwischen den Regionen gab. In Asien vergrößerten sich die Leistungsbilanzdefizite Indonesiens, Malaysias und Thailands erheblich. Ein kräftiges Wachstum der Inlandsnachfrage ließ die Importe ansteigen, insbesondere von Maschinen und Ausrüstungen. In Indonesien führten Störungen im Angebot auch zu einer starken Zunahme der Lebensmitteleinfuhren. Demgegenüber trug in China der starke Anstieg der Exporte während des Jahres zu einem höheren Leistungsbilanzüberschuß bei.

In einer Reihe von Ländern der Westlichen Hemisphäre verringerten sich 1995 die Leistungsbilanzdefi-zite. Die Importe nahmen infolge von Anpassungsmaßnahmen ab, die nach der mexikanischen Finanzkrise umgesetzt wurden. Die Exporteinnahmen erhöhten sich aus unterschiedlichen Gründen wie Wechselkursabwertungen, produktivitätssteigernden Strukturreformen, Maßnahmen zur Kostensenkung und Beseitigung struktureller Verzerrungen und Verbesserungen der realen Austauschverhältnisse (Terms of Trade). In Mexiko wurde das Leistungsbilanzdefizit 1995 im Grunde beseitigt, nachdem es 1994 8 % des BIP betragen hatte. Aufgrund einer durch sinkende Löhne und Preise verbesserten Wettbewerbsposition und beträchtlicher Produktivitätssteigerungen, aber auch aufgrund eines Rückgangs des BIP, verringerte sich das Leistungsbilanzdcfizit 1995 auch in Argentinien, und zwar auf ungefähr 1 % des BIP. Die Leistungsbilanz Chiles schloß mit einem kleinen Überschuß, der zum Teil auf höhere Kupferpreise zurückging. Demgegenüber verzeichnete die brasilianische Leistungsbilanz ein Defizit von 2 % des BIP, nachdem sie in den vorangegangenen beiden Jahren nahezu ausgeglichen gewesen war.

In Afrika weiteten sich die Leistungsbilanzdefizite in einer Reihe von Ländern aus. Ursachen waren höhere Importe und niedrigere Rohstoffpreise während der zweiten Hälfte des Jahres. In Uganda ließ die Verdoppelung der Kaffeepreise Ende 1994 und Anfang 1995 die Exporteinnahmen anschwellen; dies reichte aber nicht aus, um ein Ansteigen des Leistungsbilanzdefizits zu verhindern. Das südafrikanische Leistungsbilanzdefizit vergrößerte sich trotz der Zunahme der Exporte ebenfalls, da die inländische Nachfrage nach Industrieerzeugnissen und die Lebensmitteleinfuhren stiegen.

Unter den Transformationsländern ging Ungarns Leistungsbilanzdefizit 1995 als Folge von Korrekturmaßnahmen zurück. Demgegenüber weitete sich das Leistungsbilanzdefizit der Tschechischen Republik aufgrund des kräftigen Wirtschaftswachstums und insbesondere auch der starken Zunahme der Importnachfrage aus.

Die Nettokapitalzuflüsse in die aufstrebenden Marktwirtschaften erholten sich - nach einem starken Rückgang im Gefolge der mexikanischen Finanzkrise – in der zweiten Hälfte von 1995. Tatsächlich waren die Nettokapitalzuflüsse in die Entwicklungsländer 1995 höher als in jedem der Vorjahre. Dennoch erreichten die Zuflüsse in einige Länder nach den Folgeerscheinungen der Mexiko-Krise nicht ganz das frühere Niveau – insbesondere in jenen Ländern, in denen die Schwachstellen der inländischen Finanzmärkte durch die Krise offengelegt worden waren. Die rückläufigen Zinsen in den Industrieländern trugen, ebenso wie die positive Reaktion der Finanzmärkte auf die Straffung der Politik in vielen Schwellenländern, dazu bei, daß sich die Kapitalzuflüsse in die aufstrebenden Märkte erholten. En Lateinamerika, mit Ausnahme von Mexiko und Argentinien, überschritten die privaten Kapitalimporte die 1994 erreichten Werte. Der Anstieg war besonders groß im Falle Brasiliens. Die Entwicklungsländer Asiens zogen weiterhin hohe Zuflüsse an, und die Kapitalströme nach Südafrika, der Türkei und Mitteleuropa schwellten stark an. Die rasche Erholung der Kapitalimporte in die Entwicklungsländer unterstreicht, wie wichtig für diese Zuflüsse die wirtschaftspolitischen Fortschritte sind, die in den letzten Jahren erzielt werden konnten.

Die staatlichen Finanzierungsströme in die Entwick-lungs- und Transformationsländer waren während des Jahres 1995 ungewöhnlich hoch. Insbesondere der Rückgriff auf die Ressourcen des Fonds stieg 1995 steil an, und zwar auf 26,8 Mrd $, das ist mehr als das Dreifache des Niveaus von 1994. Zum Teil war dies die Folge der Kredite von etwa 13 Mrd $ an Mexiko und 5 Mrd $ an Rußland, die zur Unterstützung der umfassenden Anpassungsprogramme dieser Länder gewährt wurden.

Die gesamte Auslandsverschuldung der Entwick lungs- und Transformationsländer, in Prozent der Exporte von Gütern und Dienstleistungen, nahm 1995 weiter ab (siehe Schaubild 6). Die Schuldenlast der afrikanischen Länder südlich der Sahara ist aber trotz einiger Verbesserungen im Vergleich mit anderen Regionen weiterhin hoch. Die Schuldendienstquote aller Entwicklungs- und Transformationsländer zusammengenommen war 1995 unverändert, wenngleich sie in den Ländern Afrikas und der Westlichen Hemisphäre anstieg.

Schaubild 6Entwicklungsländer und Transformationsländer: Auslandsschulden und-schuldendienst1

(in Prozent der Ausfuhren von Waren und Diensten)

1 Der Schuldendienst bezieht sich auf tatsächliche Zinszahlungen für Gesamtschuleien zuzughics tatsächlicher Tilgungszahlungen für langfristige Schulden.

Bei der Umstrukturierung der Verbindlichkeiten der hochverschulde ten Entwicklungsländer gegenüber den Geschäftsbanken wurden 1995 und Anfang 1996 weitere Fortschritte erzielt. Im Februar 1996 erreichten die durchgeführten Umschuldungsabkommen für die Bankverbindlichkeiten von 25 Ländern einen Gesamtbetrag von 173 Mrd $. Im Oktober 1995 schloß Panama mil Geschäftsbanken eine Vereinbarung zur Schulden- und Schuldendienstreduzierung ab, und Algerien vereinbarte eine Umschuldung über 3,2 Mrd $ von seinen insgesamt 4,2 Mrd $ an ausstehenden Bankverbindlichkeiten. Peru gab die Verständigung auf eine Grundsatzvereinbarung bekannt, und Vietnam sowie Côte d‚Ivoire setzten Gespräche mit ihren Geschäftsbanken-Gläubigern fort. Albanien, Äthiopien, Nicaragua und Sierra Leone beendeten die Schuldenrückkäufe von Geschäftsbanken zu hohen Abschlägen, unterstützt durch die Schuldenreduzierungsfazilität der Weltbank-Tochter IDA. Im November 1995 führten Gespräche zwischen Rußland und dem Londoner Club sowie Gläubigerinstitutionen zu einer Grundsatzeinigung über die Umstrukturierung kommerzieller Bankschulden und Zinsrückstände der früheren Sowjetunion. Slowenien und die Geschäftsbanken-Gläubiger erzielten eine Einigung über Sloweniens Anteil an den Schulden der früheren Sozialistischen Föderativen Republik Jugoslawien.

Die Gläubiger des Pariser Clubs erzielten weitere Fortschritte bei Umschuldungen unter den im Dezember 1994 eingeführten Neapel-Bedingungen, die eine Reduzierung des Barwertes der in Frage kommenden Schulden von bis zu 67 % für die meisten Länder mit niedrigem Einkommen vorsehen (flow reschedulings). Außerdem kann im Fall von Ländern, für die im Rahmen von Umschuldungsvereinbarungen und Fondsprogrammen bereits gute Ergebnisse erzielt worden sind und ausreichendes Vertrauen besteht, daß sie die Vereinbarung erfüllen können, der gesamte Bestand der in Betracht kommenden Schulden zu konzessionären Bedingungen umgeschuldet werden (den Schuldenstand berührende Operationen). Bis Ende April 1996 wurden 16 Umschuldungen zu Neapel-Bedingungen vereinbart, 14 “flow reschedulings” und zwei den Schuldenstand berührende Operationen (für Guyana und Uganda). Die Gläubiger des Pariser Clubs verständigten sich 1995 und in den ersten vier Monaten von 1996 auch auf Umschuldungen zu nicht-konzessionären Bedingungen in bezug auf fünf Länder mit niedrigem und mittlerem Einkommen, einschließlich der Abkommen mit der Russischen Föderation im Juni 1995 und im April 1996.

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