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Author(s):
International Monetary Fund
Published Date:
November 2005
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    Eine globale Institution

    Der Internationale Währungsfonds ist eine Sonderorganisation des Systems der Vereinten Nationen. Er wurde 1945 durch einen Vertrag gegründet, um einen Beitrag zur Förderung der Gesundheit der Weltwirtschaft zu leisten. Der IWF, mit Hauptsitz in Washington, D.C., wird geleitet durch seine 184 Mitglieder, die fast die gesamte Welt abdecken.

    Der IWF ist die zentrale Institution des internationalen Währungssystems – das System des internationalen Zahlungsverkehrs und der Wechselkurse zwischen den nationalen Währungen, das Geschäftsvorgänge zwischen den einzelnen Ländern ermöglicht.

    Die im IWF-Übereinkommen festgelegten Ziele umfassen die Erleichterung eines ausgewogenen Wachstums des Welthandels, die Förderung der Stabilität der Wechselkurse, die Vermeidung von Währungsabwertungen aus Wettbewerbsgründen und Unterstützung für die geordnete Lösung von Zahlungsbilanzproblemen der Länder.

    Zur Erreichung dieser Ziele setzt der IWF folgende Mittel ein:

    • Überwachung der Wirtschafts- und Finanzentwicklung und der Politikmaßnahmen sowohl in den Mitgliedsländern als auch auf globaler Ebene sowie Beratung der Mitglieder auf der Grundlage seiner 60-jährigen Erfahrung.

    • Vergabe von Krediten an Mitgliedsländer mit Zahlungsbilanzproblemen, um zeitweilige Finanzhilfen zu gewähren zur Unterstützung von Anpassungs- und Reformmaßnahmen, die darauf abzielen, die zu Grunde liegenden Probleme zu lösen.

    • Bereitstellung von technischer Hilfe und Ausbildung an Regierungen und Zentralbanken der Mitgliedsländer in seinem Expertisebereich.

    Durch seinen Einsatz für eine Stärkung des internationalen Finanzsystems und für eine Beschleunigung der Fortschritte in der Armutsbekämpfung sowie durch die Förderung einer soliden Wirtschaftspolitik in all seinen Mitgliedsländern trägt der IWF dazu bei, die Vorteile der Weltwirtschaft für alle zu sichern.

    Dieser Jahresbericht des Exekutivdirektoriums des IWF informiert über die Tätigkeiten des Direktoriums während des Geschäftsjahres vom 1. Mai 2004 bis zum 30. April 2005. Der größte Teil des Berichts besteht aus Zusammenfassungen von Direktoriumsaussprachen über die gesamte Bandbreite der Geschäftspolitik und -tätigkeit des IWF. Weitere Informationen finden sich auf der Webseite des IWF unter: www.imf.org.

    Internationaler währungsfonds

    Die Vorteile der Weltwirtschaft für alle sichern

    JAHRESBERICHT 2005

    Inhalt

    Das Geschäftsjahr des IWF läuft vom 1. Mai bis zum 30. April.

    Die Rechnungseinheit des IWF ist das SZR; die Umrechnungen von Finanzdaten des IWF in US-Dollar stellen nur Näherungswerte dar und werden wegen der einfachen Lesbarkeit angegeben. Am 30. April 2005 lag der SZR/US-Dollar-Wechselkurs bei 1 US-$ = 0,65929 SZR und der US-dollar/SZR-Wechselkurs bei 1 SZR = 1,51678 US-$. Ein Jahr zuvor (am 30. April 2004) beliefen sich die Kurse auf 1 US-$ = 0,68879 SZR und 1 SZR = 1,45183 US-$.

    In der englischen Fassung bedeutet “billion” eine Milliarde und “trillion” eine Billion; kleinere Abweichungen zwischen den zugrunde liegenden Zahlen und den daraus gebildeten Summen gehen auf das Runden der Zahlen zurück.

    Der in diesem Bericht verwendete Begriff “Land” bezieht sich nicht in allen Fällen auf ein nach internationalem Recht und Brauch als Staat definiertes Hoheitsgebiet. Der Begriff wird hier auch für einige Hoheitsgebiete benutzt, die keine Staaten sind, für die aber auf getrennter und unabhängiger Basis statistische Daten erhoben werden.

    Botschaft des Geschäftsführenden Direktors und Vorsitzenden des Exekutivdirektoriums

    Das Geschäftsführungsteam, von links nach rechts:

    Rodrigo de Rato, Geschäftsführender Direktor und Vorsitzender des Exekutivdirektoriums

    Agustín Carstens, Stellvertretender Geschäftsführender Direktor

    Anne O. Krueger, Erste Stellvertretende Geschäftsführende Direktorin

    Takatoshi Kato, Stellvertretender Geschäftsführender Direktor

    Der Jahresbericht des Exekutivdirektoriums des IWF an den Gouverneursrat des Fonds ist ein wichtiges Instrument der Rechenschaftslegung des IWF Das Exekutivdirektorium, das die täglichen Geschäfte des Fonds führt, besteht aus 24 Exekutivdirektoren, die von den 184 Mitgliedsländern des IWF ernannt oder gewählt werden. Der Gouverneursrat, in dem jedes Mitgliedsland durch einen ranghohen Beamten vertreten ist - in fast allen Fällen der Finanzminister oder der Präsident der Zentralbank - ist die höchste Instanz des IWF Der Jahresbericht ist aber nicht nur Ausdruck der Rechenschaftspflicht des Exekutivdirektoriums gegenüber dem Gouverneursrat. Durch die Veröffentlichung des Berichts legt der Fonds auch gegenüber der breiten Öffentlichkeit Rechenschaft ab. Heute zeigt sich diese Rechenschaftspflicht auch darin, dass die große Mehrheit der im Exekutivdirektorium diskutierten Berichte, die Zusammenfassungen der meisten Direktoriumsdiskussionen und ein beträchtlicher Teil des sonstigen Materials umgehend veröffentlicht wird. Dadurch wird deutlich, welch hohen Wert der IWF der Transparenz beimisst.

    Der Jahresbericht, der das Ende April 2005 abgelaufene Geschäftsjahr abdeckt, beschreibt einen Zeitraum, in dem die Institution trotz eines außergewöhnlich günstigen weltwirtschaftlichen Umfelds, in dem ernste Finanzkrisen ausblieben, sehr aktiv war. Das Wachstum der Weltwirtschaft war stark und die Inflation blieb gedämpft. Die Expansion wurde zwar nach wie vor hauptsächlich von den Vereinigten Staaten und China sowie von anderen aufstrebenden Marktwirtschaften in Asien angetrieben, die wirtschaftliche Entwicklung verbesserte sich jedoch in fast allen Regionen. Besonders hervorzuheben ist, dass Afrika südlich der Sahara 2004 das höchste Wachstum seit einem Jahrzehnt verzeichnete - ein ermutigender Impuls für die Armutsbekämpfung, die die Region so dringend braucht. Diese günstigen Entwicklungen waren zum großen Teil auf Verbesserungen in der Wirtschaftspolitik zurückzuführen, die in den letzten Jahren in einer Reihe von Mitgliedsländern zu verzeichnen waren - Verbesserungen, die der IWF in vielen Fällen aktiv unterstützt hat.

    Das globale Wachstum war jedoch weiterhin beträchtlichen Risiken ausgesetzt, darunter chronische Zahlungsungleichgewichte und steigende Ölpreise, und die Umsetzung von Reformen, die erforderlich sind, um dauerhaftes starkes Wachstum verbunden mit einem hohen Beschäftigungsniveau zu sichern, stellte die Länder weiterhin vor Herausforderungen. Ein großer Teil der Arbeit des Fonds, insbesondere die Überwachung der wirtschaftlichen Entwicklung in den einzelnen Mitgliedsländern sowie der Weltwirtschaft und des Währungssystems, umfasste Beratung und Empfehlungen in Bezug auf Politikmaßnahmen, durch die diese Risiken und Herausforderungen angegangen werden. Der Fonds stellte in vielen Entwicklungs- und Schwellenländern auch wieder Finanzhilfe für wirtschaftspolitische Programme bereit - Programme, die darauf zielen, nachhaltiges Wachstum zu fördern und Zahlungsbilanz-Schwierigkeiten zu beheben.

    Der weiterhin günstige wirtschaftliche Ausblick wird den Ländern voraussichtlich auch in Zukunft Chancen bieten, die sie nutzen sollten, um ihre Volkswirtschaft zu stärken. Die Aussicht auf eine Aufstockung der Finanzhilfe durch die internationale Gemeinschaft verbessert insbesondere für einkommensschwache Länder die Chancen, die Millenniums-Entwicklungsziele (MDGs) zu erreichen. Dies gilt jedoch nur für den Fall, dass die Länder selbst die mutigen politischen Maßnahmen ergreifen, die erforderlich sind, um Wirtschaftswachstum und Armutsbekämpfung zu erhöhen. Auf internationaler Ebene muss sichergestellt werden, dass alle Länder ihre Verpflichtungen erfüllen, damit im Rahmen der Doha-Runde eine ehrgeizige Liberalisierung des Handels erreicht wird. Dadurch können auch schnellere Fortschritte bei der Bekämpfung der Armut erzielt werden.

    Der IWF hat im Geschäftsjahr 2005 die Reform seiner eigenen Geschäftspolitik und -tätigkeit fortgesetzt. Wir überprüfen regelmäßig einige wichtige operationelle Aspekte unserer Geschäftspolitik, darunter die Überwachung und die Konditionalität in IWF-unterstützten Programmen. Diese Überprüfungen einzelner Tätigkeitsbereiche sind Teil der Lern-und Reformkultur des IWF. Es ist jedoch auch wichtig, dass wir gelegentlich innehalten und unsere Institution aus einer Gesamtperspektive neu betrachten. Aus diesem Grunde habe ich wenige Monate nach Übernahme meines Amtes als Geschäftsführender Direktor im Juni 2004 eine Überprüfung der strategischen Ausrichtung des Fonds eingeleitet. Damit der IWF sich weiterhin so effektiv wie möglich für seine Mitgliedsländer und die Ziele, für die er gegründet wurde, einsetzen kann, muss er dazu in der Lage sein, seinen Mitgliedsländern zu helfen, die Kräfte zu bewältigen, die die Weltwirtschaft in den kommenden Jahren voraussichtlich prägen werden. Die strategische Überprüfung ist eine Gelegenheit, eine Reihe von Themenbereichen zu untersuchen und ihre Auswirkungen auf die Arbeit des Fonds zu erörtern. Dazu gehören die weltweiten Finanzströme, die regionale Integration, die Unterstützung der einkommensschwachen Länder bei der Bekämpfung der Armut und der Verwirklichung der MDGs sowie die Steuerungsund Kontrollmechanismen im IWF.

    Ich freue mich auf die Diskussion über die mittelfristige Strategie des Fonds auf der Jahrestagung der Gouverneure im September 2005. Es wird bereits deutlich, dass der IWF in seiner zukünftigen Entwicklung in seinem Kernmandat verankert bleiben muss, das vor 61 Jahren im IWF-Übereinkommen festgelegt wurde: die internationale Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Währungspolitik zu fördern; ein ausgewogenes Wachstum des Welthandels zu erleichtern; die Stabilität der Währungen zu fördern; bei der Sicherung eines multilateralen Zahlungssystems mitzuwirken; makroökonomische und finanzielle Stabilität, die für dauerhaftes Wachstum von entscheidender Bedeutung ist, zu fördern und Ländern zu helfen, Zahlungsbilanz-Schwierigkeiten zu bewältigen. Der IWF ist eine internationale und heute sogar nahezu globale Organisation, in der Länder mit verschiedenen Perspektiven zusammenkommen können, um in Wirtschafts- und Finanzfragen zusammenzuarbeiten. Die Existenz einer Organisation und eines Forums mit diesem Kernmandat ist in den letzten sechs Jahrzehnten, die von einer zunehmenden internationalen wirtschaftlichen Integration und Interdependenz gekennzeichnet waren, für die Anforderungen der Welt immer relevanter geworden. Unsere Herausforderung besteht jetzt darin, die Effektivität des IWF bei der Erfüllung dieser Aufgaben noch weiter zu erhöhen, indem wir sicherstellen, dass der Fonds angesichts der raschen Entwicklung der Weltwirtschaft und des globalen Finanzsystems stets auf dem neuesten Stand ist.

    Begleitschreiben an den Gouverneursrat

    18. August 2005

    Sehr geehrter Herr Vorsitzender!

    Gemäß Artikel XII Abschnitt 7 Buchstabe a des Übereinkommens über den Internationalen Währungsfonds und gemäß Abschnitt 10 der Satzung des IWF habe ich die Ehre, dem Gouverneursrat den Jahresbericht des Exekutivdirektoriums für das am 30. April 2005 abgelaufene Geschäftsjahr vorzulegen. Im Einklang mit Abschnitt 20 der Satzung wird der vom Exekutivdirektorium für das am 30. April 2006 ablaufende Geschäftsjahr genehmigte Verwaltungs- und Kapitalhaushalt des IWF in Kapitel 7 vorgelegt. Die geprüften Jahresabschlüsse der Allgemeinen Abteilung, der SZR-Abteilung sowie der vom IWF verwalteten Konten für das am 30. April 2005 abgelaufene Geschäftsjahr werden zusammen mit den diesbezüglichen Berichten der externen Wirtschaftsprüfungsgesellschaft in Anhang VII präsentiert.

    Rodrigo de Rato

    Geschäftsführender Direktor und

    Vorsitzender des Exekutivdirektoriums

    Exekutivdirektorium

    Stand vom 30. April 2005

    Vereinigte Staaten

    Nancy P. Jacklin

    Meg Lundsager

    Japan

    Shigeo Kashiwagi

    Michio Kitahara

    Deutschland

    Karlheinz Bischofberger

    Gert Meissner

    Armenien, Bosnien und Herzegowina, Bulgarien, Georgien, Israel, Kroatien, e.j.R. Mazedonien, Republik Moldau, Niederlande, Rumänien, Ukraine, Zypern

    Jeroen Kremers

    Yuriy G. Yakusha

    Costa Rica, El Salvador, Guatemala, Honduras, Mexiko, Nicaragua, Spanien, Venezuela

    Moisés Schwartz

    Mary Dager

    Albanien, Griechenland, Italien, Malta, Portugal, San Marino, Timor-Leste

    Pier Carlo Padoan

    Miranda Xafa

    Ägypten, Bahrain, Irak, Jemen, Jordanien, Katar, Kuwait, Libanon, Libyen, Malediven, Oman, Arabische Republik Syrien, Vereinigte Arabische Emirate

    A. Shakour Shaalan

    Oussama T. Kanaan

    Saudi-Arabien

    Sulaiman M. Al-Turki

    Abdallah S. Alazzaz

    Brunei Darussalam, Fidschi, Indonesien, Kambodscha, Demokr. Volksrepublik Laos, Malaysia, Myanmar, Nepal, Singapur, Thailand, Tonga, Vietnam

    Hooi Eng Phang

    Made Sukada

    Russische Föderation

    Aleksei V. Mozhin

    Andrei Lushin

    Islamische Republik Afghanistan, Algerien, Ghana, Islamische Republik Iran, Marokko, Pakistan, Tunesien

    Abbas Mirakhor

    Mohammed Daïri

    Brasilien, Dominikanische Republik, Ecuador, Guyana, Haiti, Kolumbien, Panama, Suriname, Trinidad und Tobago

    Murilo Portugal

    Roberto Steiner

    Frankreich

    Pierre Duquesne

    Olivier Cuny

    Vereinigtes Königreich

    Tom Scholar

    Andrew Hauser

    Belarus, Belgien, Kasachstan, Luxemburg, österreich, Slowakische Republik, Slowenien, Tschechische Republik, Türkei, Ungarn

    Willy Kiekens

    Johann Prader

    Antigua und Barbuda, Bahamas, Barbados, Belize, Dominica, Grenada, Irland, Jamaika, Kanada, St. Kitts und Nevis, St. Lucia, St. Vincent und die Grenadinen

    Kevin G. Lynch

    Charles X. O’Loghlin

    Dänemark, Estland, Finnland, Island, Lettland, Litauen, Norwegen, Schweden

    Jon A. Solheim

    David Farelius

    Australien, Kiribati, Korea, Marshallinseln, Föderierte Staaten von Mikronesien, Mongolei, Neuseeland, Palau, Papua-Neuguinea, Philippinen, Salomonen, Samoa, Seychellen, Vanuatu

    Jong Nam Oh

    Richard Murray

    Angola, Äthiopien, Botsuana, Burundi, Eritrea, Gambia, Kenia, Lesotho, Malawi, Mosambik, Namibia, Nigeria, Sambia, Sierra Leone, Südafrika, Sudan, Swasiland, Tansania, Uganda

    Peter J. Ngumbullu

    Peter Gakunu

    China

    WANG Xiaoyi

    GE Huayong

    Aserbaidschan, Kirgisische Republik, Polen, Schweiz, Serbien und Montenegro, Tadschikistan, Turkmenistan, Usbekistan

    Fritz Zurbrügg

    Andrzej Raczko

    Bangladesch, Bhutan, Indien, Sri Lanka

    B.P. Misra

    Amal Uthum Herat

    Argentinien, Bolivien, Chile, Paraguay, Peru, Uruguay

    Héctor R. Torres

    Javier Silva-Ruete

    Äquatorialguinea, Benin, Burkina Faso, Côte d’Ivoire, Dschibuti, Gabun, Guinea, Guinea-Bissau, Kamerun, Kap Verde, Komoren, Demokr. Republik Kongo, Republik Kongo, Madagaskar, Mali, Mauretanien, Mauritius, Niger, Ruanda, Säo Tomé und Príncipe, Senegal, Togo, Tschad, Zentralafrikanische Republik

    Damian Ondo Mañe

    Laurean W. Rutayisire

    Überblick

    Das Geschäftsjahr 2005, der Zeitraum, der von diesem Jahresbericht erfasst wird1, war eine wichtige Phase in der Entwicklung des Fonds. Der 60. Jahrestag der Konferenz von Bretton Woods, die im Juli 1944 stattfand und auf der die Gründung von IWF und Weltbank beschlossen wurde, war ein Meilenstein für diese Institutionen. Rodrigo de Rato wurde mit Wirkung von Anfang Juni 2004 vom Exekutivdirektorium zum Geschäftsführenden Direktor des IWF ernannt und unter seiner Führung leitete der Fonds eine breit gefasste strategische Überprüfung seiner Tätigkeiten ein. Des Weiteren wurden einige andere, bereits laufende gezielte Überprüfungen abgeschlossen.

    Die Arbeit, die der IWF im Berichtsjahr geleistet hat, wird in den folgenden Kapiteln näher erläutert. Die Arbeit des Fonds wird maßgeblich von den Entwicklungen in der Weltwirtschaft und in den Volkswirtschaften der 184 Mitgliedsländer bestimmt. Dabei muss der IWF die Herausforderungen vorhersehen, die diese Entwicklungen mit sich bringen. Diese Einführung gibt einen kurzen Überblick über die Aktivitäten des Fonds und stellt sie in den Rahmen der weltwirtschaftlichen Entwicklungen.

    Die Weltwirtschaft

    Im letzten Jahr verzeichnete die Weltwirtschaft das schnellste Wachstum seit drei Jahrzehnten. Die wirtschaftliche Entwicklung verbesserte sich in fast allen Regionen der Welt, die Inflation blieb gedämpft und es gab keine ernsten Finanzkrisen. Das internationale Umfeld für die Geschäftstätigkeit des Fonds war also sehr günstig. Die Entwicklung verlief jedoch nicht völlig reibungslos: Die Ölpreise stiegen stark an, es gab anhaltende geopolitische Unsicherheiten, die globalen Zahlungsungleichgewichte weiteten sich aus und viele Mitgliedsländer des Fonds hatten weiterhin mit beträchtlichen sozialen und wirtschaftlichen Problemen, darunter die Armut, zu kämpfen.

    Gleichzeitig boten die günstige weltwirtschaftliche Lage und der positive Ausblick eine große Chance, die Wirtschaftsreformen einzuleiten und umzusetzen, die erforderlich sind, um tief sitzende Probleme anzugehen. Sie boten dem Fonds außerdem die Möglichkeit, eine breit gefasste Überprüfung seiner strategischen Ausrichtung einzuleiten, um seine Rolle und Aktivitäten in den sich ändernden Rahmenbedingungen der kommenden Jahre zu beurteilen.

    Das Geschäftsjahr 2005 war gekennzeichnet von einer bemerkenswerten Expansion der Weltwirtschaft. Im Kalenderjahr 2004 wurde ein Wachstum von 5,1 Prozent verzeichnet, das schnellste Jahreswachstum seit fast dreißig Jahren. Im ersten Quartal des Jahres 2005 (das letzte Quartal des IWF-Geschäftsjahres) war das Wachstum kräftiger als erwartet. Noch überraschender und erfreulicher war die Tatsache, dass dieses rasche Wachstum in allen Regionen der Welt festzustellen war, einschließlich Regionen wie Lateinamerika, der Nahe Osten und Afrika südlich der Sahara, wo das Wachstum tendenziell weit zurück lag.

    Die Vereinigten Staaten blieben das Industrieland mit der am schnellsten wachsenden Volkswirtschaft. Die kräftige konjunkturelle Erholung, die auf den im Zeitraum 2001-02 verzeichneten leichten Abschwung folgte, hielt an und blieb eine Stütze für die globale Expansion. In Japan legte der Konjunkturaufschwung, der 2003 begann, Mitte und Ende 2004 eine Pause ein, erhielt jedoch Anfang 2005 neuen Auftrieb. Das Wachstum im Euroraum blieb enttäuschend und die Binnennachfrage blieb schwach, insbesondere in Deutschland.

    Die meisten Schwellen- und Entwicklungsländer verzeichneten ein relativ schnelles Wachstum. Das Wachstum in Asien wurde angetrieben durch die weiterhin starke Expansion in China und das rasche Wachstum in Indien. Die aufstrebenden Länder in Asien waren die am schnellsten wachsende Region. In den meisten Regionen Lateinamerikas gab es Anzeichen für eine kräftige Erholung, der Nahe Osten verzeichnete ein höheres Wachstum als erwartet und Afrika südlich der Sahara verzeichnete das schnellste Wachstum seit acht Jahren. Und trotz des schwachen Wachstums der Handelspartner im Euroraum hielt die starke Expansion in den Ländern der Gemeinschaft unabhängiger Staaten (GUS) an.

    Der Welthandel wuchs sogar noch schneller als die Produktion, um neun Prozent im Jahr 2004. Der langfristige Trend, nach dem der Handel im Verhältnis zur Produktion steigt, wurde also fortgesetzt, und es bestätigte sich wieder einmal, wie wichtig das Handelswachstum für das Wirtschaftswachstum ist. Anfang 2005 gab es allerdings Anzeichen für eine Verlangsamung des Handelswachstums, die möglicherweise auf das in einigen Ländern festzustellende langsamere Wachstum im verarbeitenden Gewerbe zurückzuführen war.

    Die Inflation stieg in den meisten Teilen der Welt gegenüber 2003 leicht an, blieb im Allgemeinen jedoch gedämpft, was ebenfalls zur starken globalen Expansion beitrug. Es ist in den letzten Jahrzehnten immer deutlicher geworden, dass eine niedrige Inflation von entscheidender Bedeutung ist für dauerhaftes und schnelles Wachstum, das den verlässlichsten Weg zur dauerhaften Armutsreduzierung darstellt, die für viele IWF-Mitglieder eine hohe Priorität besitzt.

    Die starke globale Expansion, und insbesondere ihre breite Ausdehnung, ist zum großen Teil darauf zurückzuführen, dass viele Länder angemessene Politikmaßnahmen ergriffen haben. In den letzten Jahren ist immer deutlicher geworden, wie wichtig ein stabiler makroökonomischer Rahmen für starkes Wachstum ist, das über einen längeren Zeitraum aufrechterhalten werden kann. Eine solide makroökonomische Politik ermöglicht es den Ländern, Konjunkturabschwünge, die im Konjunkturzyklus zwangsläufig auftreten, besser zu überstehen und sie erhöht die Widerstandskraft der Volkswirtschaften gegenüber Schocks.

    Weltwirtschaftliche Risiken

    Das schnelle Wachstum der Weltwirtschaft im Geschäftsjahr 2005 brachte Chancen und Herausforderungen für die IWF-Mitglieder und den IWF mit sich. Zwei Problembereiche warfen jedoch einen Schatten auf den Weltwirtschaftsausblick: höhere Ölpreise und große globale Zahlungsungleichgewichte.

    Die steigenden Ölpreise bargen Risiken für die Öl importierenden Länder und waren besonders schmerzhaft für die einkommensschwachen Länder. Das Ausmaß der Probleme, die die höheren Energiepreise in den einzelnen Ländern darstellten, hing von der Energieintensität der Produktion und des Verbrauchs, den Auswirkungen auf das reale Austauschverhältnis und der Flexibilität ab, mit der die Volkswirtschaften auf Schocks reagierten. Die Erfahrungen mit früheren Ölpreisschocks haben gezeigt, dass höhere Ölpreise auch Risiken für die Öl exportierenden Länder mit sich bringen. Steigende Öleinnahmen verleiten die verantwortlichen Politiker tendenziell dazu, die fiskalische Disziplin stärker zu lockern als wünschenswert wäre. Die Geschichte zeigt, dass sowohl die Regierungen der Industrieländer als auch die der Entwicklungsländer vor großen Herausforderungen stehen, wenn sie über unerwartete Öleinnahmen verfügen und gleichzeitig die makroökonomische Stabilität bewahren sollen.

    Der IWF und viele politische Entscheidungsträger waren auch im Geschäftsjahr 2005 besorgt über die Möglichkeit einer plötzlichen Anpassung der globalen Zahlungsungleichgewichte. Diese Sorge richtete sich vor allem auf das große und steigende Leistungsbilanzdefizit der Vereinigten Staaten und die damit zusammenhängenden Überschüsse in Japan, den aufstrebenden Ländern Asiens, den Öl produzierenden Ländern des Nahen Ostens und anderen Ländern. Der IWF wies darauf hin, dass die internationale Gemeinschaft als Ganzes für die Beseitigung dieser Ungleichgewichte verantwortlich ist und sprach sich aus für eine breit angelegte Strategie, die folgende Elemente enthält: eine mittelfristige Konsolidierung der Staatsfinanzen in den Vereinigten Staaten, weitere Strukturreformen zur Stärkung des Wachstums von Nachfrage und Produktion in Europa und Japan sowie Schritte zu einer größeren Wechsel-kursflexibilität auf der Grundlage einer weiteren Finanzsektorreform in den aufstrebenden Volkswirtschaften Asiens. Es herrschte weitgehend Einvernehmen, dass die Umsetzung dieser Strategie dazu beitragen würde, diese Ungleichgewichte auf geordnete Weise zu korrigieren und eine plötzliche und schmerzliche Anpassung zu verhindern.

    Die Sorge, dass steigende Ölpreise und globale Ungleichgewichte das globale Wachstum schwächen, bewahrheitete sich im Prüfungszeitraum zwar nicht, sie zerstreute sich aber auch nicht. Wenn die hohen Ölpreise anhalten, werden einige Länder anfälliger bleiben, als dies sonst der Fall wäre. Und ohne weit reichende wirtschaftspolitische Anpassungen bleiben die globalen Ungleichgewichte ein Risiko für das zukünftige globale Wachstum.

    Gleichzeitig brachte die Expansion der Weltwirtschaft auch Chancen mit sich. Kurzfristig besteht für viele Länder die größte Chance darin, die Politikmaßnahmen zu ergreifen, die erforderlich sind, um die heutigen Wachstumsraten tragfähig zu machen und diese nachhaltigen Wachstumsraten dann anschließend zu erhöhen. Dazu gehört eine Fiskalpolitik, die das Haushaltsdefizit zurückführt und in Zeiten des Konjunkturabschwungs eine konjunkturelle Gegensteuerung ermöglicht. Viele Industrie- und Entwicklungsländer haben ein Haushaltsdefizit, das für den konjunkturellen Höhepunkt zu hoch ist und den Handlungsspielraum im Falle eines Konjunkturabschwungs verringert. Eine Verbesserung des langfristigen Wachstumspotenzials erfordert außerdem den Abbau von strukturellen Hemmnissen für schnelleres Wachstum, d.h. die Flexibilisierung der Arbeits- und Gütermärkte sowie die Liberalisierung des Handels. Solche politischen Anpassungen würden sowohl den Industrie- als auch den Entwicklungsländern zugute kommen.

    Die Stärkung der Fiskalpolitik und die Durchführung von Maßnahmen, die die Volkswirtschaften flexibler machen und dadurch ein schnelleres Wachstum ermöglichen, stellen die politischen Entscheidungsträger, die ihren Wählern Rechenschaft ablegen müssen, zwangsläufig vor große Herausforderungen, insbesondere angesichts der Tatsache, dass Reformen Zeit brauchen, um spürbare Erfolge in Form von größerem Wachstum zu bringen. Die Geschichte zeigt zwar, dass notwendige Reformen manchmal auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten durchgeführt werden, wenn der Anpassungsdruck hoch ist, Zeiten mit relativ hohem globalen Wachstum bieten jedoch das beste Umfeld für die Durchführung von Wirtschaftsreformen.

    Das Gleiche gilt für die längerfristige Reformagenda, bei der immer deutlicher wird, dass die bevorstehenden demografischen Veränderungen eine große Anzahl von IWF-Mitgliedsländer vor beträchtliche Herausforderungen stellen. Der Anteil der Nichterwerbstätigen im Rentenalter an der Gesamtbevölkerung nimmt in vielen Industrieländern bereits zu und in einigen großen aufstrebenden Marktwirtschaften wie China oder Korea wird die Abhängigkeitsquote – definiert als die Zahl der Rentner in Relation zur Erwerbsbevölkerung – kurz- bis mittelfristig ebenfalls beträchtlich steigen. In den anderen aufstrebenden Marktwirtschaften werden die vollen Auswirkungen dieses demografischen Wandels in der nächsten Zukunft zwar noch nicht spürbar sein, aber in vielen dieser Länder sind die öffentlichen Finanzen auf Grund der bestehenden unterfinanzierten Pensionsverpflichtungen schon jetzt unter Druck. Es gibt immer mehr Anzeichen dafür, dass die Anpassungsmaßnahmen, sei es bei den Rentenbeiträgen, bei den Rentenleistungen, beim Rentenalter (oder in einer Kombination aller drei Faktoren), weitaus weniger schmerzhaft sind, wenn die demografischen Probleme frühzeitig angegangen werden als wenn die Korrekturmaßnahmen verschoben werden.

    Die Arbeit des Fonds

    Das Mandat des IWF ist im IWF-Übereinkommen klar definiert: makroökonomische und finanzielle Stabilität auf globaler und nationaler Ebene zu fördern, die internationale Zusammenarbeit in Währungsfragen im Interesse aller Mitglieder zu stärken, ein liberales Handels- und Zahlungssystem zu unterstützen und, so weit wie möglich, internationale Krisen zu verhindern. Die Ziele sind klar, die Lösungsansätze zur Erreichung dieser Ziele ändern sich aber zwangsläufig mit der Zeit. Der Fonds ist eine lernende Institution und muss es auch bleiben. Er ist ständig bestrebt, seine Arbeit zu verbessern, unter anderem indem er seinen öffentlichen und nicht-öffentlichen Gesprächspartnern Gehör verleiht und von ihnen lernt. Er ist bemüht, sich ständig im Lichte seiner Erfahrungen weiterzuentwickeln. Er ist jedoch auch bestrebt, präventiv tätig zu werden, indem er Herausforderungen antizipiert und rechtzeitig darauf reagiert – ein wichtiger Teil seiner Arbeit im Bereich der Krisenprävention.

    Im Geschäftsjahr 2005 bestand eine große Herausforderung des Fonds darin, sich einerseits effektiv für Politikmaßnahmen, einschließlich Reformen, einzusetzen, die auf nationaler Ebene makroökonomische Stabilität, schnelles Wachstum, einen steigenden Lebensstandard und die Bekämpfung der Armut fördern, und andererseits in einem außergewöhnlich günstigen weltwirtschaftlichen Umfeld für vorbeugende Maßnahmen einzutreten.

    Die Überwachungstätigkeit des IWF, eine seiner Kernaufgaben, ist nach wie vor das wichtigste Instrument, durch das sich der IWF für angemessene Politikmaßnahmen einsetzt. Wie in Kapitel 1 ausführlicher beschrieben wird, hat die Überwachungsarbeit des Fonds drei Dimensionen: die globale, regionale und nationale. Auf der globalen Ebene beurteilt der Fonds durch Instrumente wie den World Economic Outlook und den Global Financial Stability Report die internationalen Aussichten und überprüft und erläutert die Risiken, denen seine wichtigsten Vorausschätzungen ausgesetzt sind. Auf der regionalen und nationalen Ebene beurteilt der Fonds, hauptsächlich durch seine Arbeit im Bereich der Artikel-IV-Konsultationen, die nationalen Politikmaßnahmen und Ziele sowie die damit zusammenhängenden Risiken und empfiehlt geeignete Korrekturmaßnahmen.

    Die Politikberatung des IWF, die das Exekutivdirektorium im Rahmen der Artikel-IV-Gespräche bereitstellt, stand im Zeichen der oben erwähnten Sorgen über die steigenden Ölpreise und die globalen Ungleichgewichte. Bei der Erstellung der Artikel-IV-Berichte für Länder, in denen die makroökonomische Stabilität noch nicht erreicht ist, konzentrierte sich der IWF-Stab auf Politikmaßnahmen, die darauf zielen, geeignete Reformen im Bereich der öffentlichen Haushalte durchzuführen, die Inflation zu senken und die Voraussetzungen für dauerhaftes und schnelles Wachstum zu schaffen. In den vielen anderen Mitgliedsländern, in denen bereits ein stabiler makroökonomischer Rahmen existiert, konzentrierte sich die IWF-Beratung mehr auf Strukturreformen, die darauf zielen, die mittelfristige Nachhaltigkeit zu sichern und das Produktionspotenzial sowie das Wachstum zu erhöhen. Langfristigen Themen wie dem demografischen Wandel wurde dabei ebenfalls Aufmerksamkeit geschenkt. Der IWF-Stab und das Exekutivdirektorium sind stets bemüht, konstruktiv vorzugehen, wenn Schwachpunkte in der Wirtschaftspolitik herausgestellt und bessere Alternativen vorgeschlagen werden. Der Stab und das Direktorium halten es außerdem für wichtig, soliden makroökonomischen Politikmaßnahmen, die in den Artikel-IV-Konsultationen herausgestellt werden, zuzustimmen.

    Neben seiner Geschäftstätigkeit mit den Mitgliedsländern überprüfte der IWF im Geschäftsjahr 2005 auch andere Aktivitäten. Die Kernaufgaben des IWF, die von seinen Gründern vor über 60 Jahren festgelegt wurden, bleiben von entscheidender Bedeutung für die effektive Funktionsweise des globalen Wirtschafts- und Finanzsystems. Aber ebenso wie nationale Volkswirtschaften und die nationale Wirtschaftspolitik sich anpassen müssen, um mit den weltwirtschaftlichen Entwicklungen Schritt zu halten, muss auch der Fonds dazu bereit sein, seine Vorgehensweise ständig zu überprüfen, um eine optimale Arbeit für seine Mitgliedsländer sicherzustellen. Die IWF-Empfehlungen an die Mitgliedsländer betonen die Bedeutung einer ständigen Weiterentwicklung und dieser Grundsatz gilt auch für die Arbeit und die Arbeitsmethoden des Fonds. Die Transparenz, die im Laufe der letzten zehn Jahre ein entscheidendes Element in der Arbeit des IWF geworden ist, ermöglicht es dem Fonds, offene und weit reichende Überprüfungen seiner Aktivitäten durchzuführen und dabei die Bedürfnisse aller Mitglieder zu berücksichtigen, ohne den Eindruck zu erwecken, er beschäftige sich zu sehr mit sich selbst.

    Im Geschäftsjahr 2005 wurden eine Reihe von Überprüfungen abgeschlossen, die sich auf verschiedene Aspekte der IWF-Arbeit bezogen. Von zentraler Bedeutung waren die zweijährliche Überprüfung der Überwachungsarbeit des Fonds einschließlich einer Beurteilung der immer wichtiger werdenden Finanzsektor-Überwachung (siehe Kapitel 2) sowie eine erneute Überprüfung der Auflagen, die erste seit dem Zeitraum 2000-02 (siehe Kapitel 3). Die Berichte des Unabhängigen Evaluierungsbüros boten die Gelegenheit, zum Beispiel die steigende Rolle der technischen Hilfe des IWF sowie die Rolle des Fonds im Vorfeld der Argentinienkrise 2001 zu überprüfen.

    Der IWF hat das relativ günstige weltwirtschaftliche Umfeld genutzt, um eine umfassende Überprüfung seiner strategischen Ausrichtung einzuleiten. Diese Bestandsaufnahme kommt zur rechten Zeit. Das globale Wirtschafts- und Finanzsystem hat sich in den letzten zwei Jahrzehnten dramatisch weiterentwickelt und der Fonds hat als Reaktion darauf im Rahmen der breiter gefassten Reform der internationalen Finanzarchitektur beträchtliche Änderungen vorgenommen, insbesondere in den letzten zehn Jahren. Da diese Initiativen inzwischen Wirkung zeigen, ist es jetzt an der Zeit innezuhalten und einen Blick auf die zukünftigen Herausforderungen zu werfen. Die strategische Überprüfung wurde im Jahre 2004 eingeleitet und die Arbeit an der mittelfristigen Strategie des Fonds – die ein Leitfaden für die Entscheidungsfindung in Bezug auf den mittelfristigen Haushaltsrahmen und das mittelfristige Arbeitsprogramm sein soll – soll vor der Jahrestagung im September 2005 abgeschlossen werden, so dass die Schlussfolgerungen im Internationalen Währungs- und Finanz-ausschuss (IMFC) erörtert werden können.

    Die strategische Überprüfung stützt sich auf ein gemeinsames Verständnis der Ziele des IWF: Während des Prüfungsprozesses wurde sehr schnell klar, dass im Direktorium weitgehend Einvernehmen über die im IWF-Übereinkommen festgelegte Kernaufgabe des Fonds besteht. Der Fonds braucht jedoch klare Prioritäten, wenn er seine Hauptziele effektiv erreichen will. Die strategische Überprüfung konzentriert sich auf die Frage, wie der Fonds sein Mandat am besten erfüllen kann; sie zielt darauf, Prioritäten für die zukünftige Arbeit des Fonds zu entwickeln und Zielkonflikte sowie möglicherweise erforderliche organisatorischen Änderungen zu erkennen. Die Verabschiedung eines mittelfristigen Haushaltsrahmens ist ein Schlüsselelement dieser Anstrengungen, das es ermöglicht, Prioritäten festzulegen und regelmäßig zu überprüfen.

    Überwachung, Finanzhilfe und technische Hilfe bleiben also die wichtigsten Elemente der Arbeit des Fonds. Ihre Effektivität hängt jedoch davon ab, dass sie ständig weiterentwickelt werden, um dem sich ändernden globalen finanziellen Umfeld und den sich ändernden Bedürfnissen der Mitgliedsländer gerecht zu werden. Das schnelle Wachstum der privaten Kapitalströme hat zum Beispiel weit reichende Auswirkungen auf das internationale Finanzsystem. Diese Kapitalströme können den Zugang der Industrie- und Entwicklungsländer zu Investitionskapital verbessern und die Effizienz der Ressourcenverteilung erhöhen. Sie können jedoch auch große Risiken für einzelne Länder und die Weltwirtschaft als Ganzes mit sich bringen.

    Auf Grund der zunehmenden Interdependenz der Volkswirtschaften wird es immer wichtiger, dass die internationale Gemeinschaft den einzelnen Ländern hilft, Politikmaßnahmen umzusetzen, die den heimischen und globalen Wohlstand fördern. Der IWF ist mit seiner nahezu globalen Mitgliedschaft und seinem Mandat, die internationale Zusammenarbeit bei Währungsfragen zu fördern und eine solide Wirtschafts- und Finanzpolitik zu unterstützen, ein natürliches Forum für multilaterale Zusammenarbeit zur Förderung von Stabilität und Wachstum in der Weltwirtschaft. Er ist dafür verantwortlich Ländern zu helfen, die makroökonomischen Politikmaßnahmen und Institutionen optimal zu konzipieren – eine Verantwortung, die die Qualität, die Überzeugungskraft und die Fokussierung seiner Politikberatung in den Vordergrund rückt. Eine besondere Herausforderung besteht in diesem Zusammenhang darin, dass der Fonds seine Geschäftstätigkeit auf Bereiche konzentrieren muss, die für die einzelnen Mitgliedsländer entscheidend sind, ohne dabei die Ausgewogenheit zu verlieren. Dies ist besonders wichtig, da in den letzten Jahren immer deutlicher geworden ist, dass Stabilität und Wachstum von einem breiten Fächer struktureller und institutioneller Faktoren abhängen. In einer Welt, in der die Kapitalmärkte immer integrierter werden, ist es außerdem wichtig, dass der Fonds sein Wissen über Kapitalströme und ihre Auswirkungen ständig weiterentwickelt. Dadurch wird die Basis seiner Beratung in vielen Bereichen gestärkt, die für die Mitglieder wichtig sind: solide heimische Finanzsysteme, Zugang zu den internationalen Kapitalmärkten sowie Reduzierung der Anfälligkeit gegenüber Kapitalbilanzschocks und volatilen Kapitalströmen.

    Die strategische Überprüfung hat die Bedeutung der IWF-Arbeit in einkommensschwachen Ländern unterstrichen: Was kann der Fonds tun, um diese Länder noch stärker zu unterstützen, insbesondere bei der Verwirklichung der Millenniums-Entwicklungsziele? Der Prozess der Armutsbekämpfungsstrategien ist eines der Instrumente, die der Fonds einsetzt, um seiner Verantwortung in diesem Bereich gerecht zu werden. Die während des Berichtszeitraums in einigen einkommensschwachen Ländern festzustellende verbesserte makroökonomische Entwicklung ist zum Teil darauf zurückzuführen, dass inzwischen allgemein anerkannt wird, dass makroökonomische Stabilität eine Voraussetzung dafür ist, die Wachstumsraten auf ein Niveau zu heben, das zu einer beträchtlichen und dauerhaften Reduzierung der Armut führen kann. Und die in vielen armen Ländern durchgeführten makroökonomischen Reformen haben bereits zu Erfolgen geführt, wie zum Beispiel niedrigere Inflation, schnelleres Wachstum und schnellere Reduzierung der Armut. Zusätzliche Transfers der Gebergemeinschaft könnten einigen einkommensschwachen Mitgliedern dabei helfen, auf den bisher erzielten Erfolgen aufzubauen, sofern die Mittel dazu eingesetzt werden, Politikmaßnahmen, die dauerhaftes Wachstum fördern, zu stärken anstatt sie zu ersetzen. Der IWF muss in diesem Zusammenhang klar definieren, wie seine Aktivitäten – Überwachung, Finanzierungsinstrumente, die Konzeption der Programme, die er unterstützt, technische Hilfe und möglicherweise weitere Schuldenerleichterung – gestaltet werden sollten, um den besonderen Gegebenheiten dieser Länder zu entsprechen.

    Die strategische Überprüfung hat bestätigt, dass die Bereitstellung vorübergehender Finanzhilfe an Länder mit kurzfristigen Zahlungsbilanz-problemen ein zentrales Element der IWF-Arbeit bleibt. Der Fonds ist ständig bestrebt sicherzustellen, dass seine Finanzmittel effizient eingesetzt werden und dass die Bedürfnisse der Mitgliedschaft als Ganzes optimal erfüllt werden. Das bedeutet, dass der revolvierende Charakter der IWF-Mittel geschützt werden muss und dass die Länder versuchen sollten, keine finanzielle Unterstützung des Fonds mehr in Anspruch zu nehmen, sobald sie dazu in der Lage sind. Der Fonds muss seine Kreditinstrumente entsprechend strukturieren, und die Laufzeiten und Gebühren der IWF-Finanzhilfe, die im Geschäftsjahr 2006 überprüft werden, sind ein wichtiges Element in dieser Hinsicht. Ein Problem, das noch aussteht, ist die Frage, unter welchen Umständen und in welcher Höhe IWF-Kredite vergeben werden sollten. Dies gilt auch für die Fälle, in denen Länder ein Gütesiegel für einen soliden politischen Kurs wünschen, aber keine Finanzhilfe benötigen sowie für Kapitalbilanzkrisen.

    Das vergangene Jahr war für den IWF in mancher Hinsicht eine Zeit intensiver Reflexion, die fortgesetzt wird, wenn die in der strategischen Überprüfung aufgeworfenen Fragen eingehender untersucht werden. Eine solche Reflexion ist sinnvoll in einer Institution, die ständig in der Lage sein muss, den Anforderungen ihrer Mitglieder und des gesamten internationalen Finanzsystems in einer von ständigem Wandel gekennzeichneten Weltwirtschaft gerecht zu werden. Um diese Aufgaben effektiv erfüllen zu können, muss der Fonds bereitstehen und in der Lage sein, manchmal sehr schnell auf veränderte Gegebenheiten zu reagieren. Ein mittelfristiger Rahmen, der es dem Fonds erlaubt, Prioritäten zu setzen und diese auf transparente Weise anzupassen, könnte sehr weit reichende positive Auswirkungen haben.

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